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Giralgeldschöpfung, FRB, Zahlungsmittel, Termin und was sonst noch so für Verwirrung sorgt

BillHicks ⌂ @, Wien, Mittwoch, 17.12.2008, 15:56 (vor 6383 Tagen)

Es wird hier von Zeit zu Zeit die Frage gestellt: wie ist das denn jetzt mit dem fraktionalen Reservesystem, gibt es das oder gibt es das nicht? Und gibt es jetzt eine Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken oder gibt es sie nicht? Und wird dieses Giralgeld "aus dem Nichts" geschöpft oder doch nicht?

In diesem Posting soll versucht werden zu klären ob und wenn ja wie Geschäftsbanken Zahlungsmittel selbst schaffen können oder ob es sich dabei um einen Mythos handelt und tatsächlich nur die Zentralbank Zahlungsmittel schaffen kann.

Wer die sehr technischen Ausführungen (Bilanzierung...) überspringen möchte, der lese bitte einfach die Hervorhebungen im laufenden Text und die Zusammenfassung am Ende des Postings.

Bei den Diskussionen hier und in anderen Ökonomie bezogenen Diskussionen kommt es mir immer wieder so vor, als herrsche ob der fehlenden Axiomatik in der Ökonomie einige Verwirrung bereits bei grundlegenden Begrifflichkeiten (wodurch man wunderbar aneinander vorbeidiskutieren kann). Daher möchte ich hier einen Versuch starten zunächst einige Begriffe zu definieren, die ich dann im weiteren so verwenden werde:

----------------------------------------------------------------------

Glossar:

Zahlungsmittel := Ein - wie auch immer geartetes - Item, das dazu geeignet ist, auf verlässliche Art und Weise Waren und Dienstleistungen zu kaufen\ Verträge zu erfüllen etc. Letztlich heißt das nichts anderes als: ein Item, das dazu geeignet ist Schulden zu decken. Auch der Erhalt eines Brötchens beim Bäcker ist nichts anderes als ein (nicht schriftlicher) Kaufvertrag/Schuld. Dieser (imaginäre) Schuldschein hat allerdings keine Laufzeit und muss sofort bar bezahlt werden. Demnach zählen zu den Zahlungsmitteln nicht nur das gesetzliche (Scheine, Münzen) sondern auch das sog. "Giralgeld".

gesetzliches Zahlungsmittel (GZ) := Zahlungsmittel, das Kraft Gesetzes (§ 14 Absatz 1 Satz 2 Bundesbankgesetz) mit einem schuldbefreienden Annahmezwang ausgestattet ist. D.h. Geldschulden, die mit diesem Zahlungsmittel beglichen werden, gelten vor dem Gesetz als erfüllt. Das gesetzliche Zahlungsmittel ist mathematisch eine echte Teilmenge der Zahlungsmittel, umfasst demnach nicht alle Zahlungsmittel.

Giralgeld := Forderungen gegen eine Geschäftsbank, die auf gesetzliches Zahlungsmittel lauten. Es handelt sich hierbei um ein Zahlungsmittel, da es vom Publikum als solches verwendet wird, es handelt sich jedoch nicht um gesetzliches Zahlungsmittel. Oft synonym verwendete Begriffe: Sichtguthaben, Sichteinlagen (mit Einschränkung synonym), (Geschäfts-)Bankengeld, Depositengeld, Scheckbuchgeld. Im Weiteren werden diese Zahlungsmittel in der Bankbilanz unter "Einlagen" auftauchen.

davon zu unterscheiden:

Zentralbank-Buchgeld oder 'echtes Buchgeld' := Forderung gegen die Zentralbank, die auf gesetzliches Zahlungsmittel lauten. Bestehend aus Mindestreserve und Buchgeldteil der Bankreserve.

Mindestreserve := Der Teil des Zentralbank-Buchgeldes, der mindestens bei der Zentralbank hinterlegt werden muss (wird zu bestimmten Stichtagen überprüft. Wann dieser Stichtag ist, ist mir derzeit unbekannt. Vielleicht weiß das einer der Insider hier).

Bankreserve := Aus banktechnischen Gründen von Geschäftsbanken vorgehaltene Kombination aus Bargeld (in Automaten; Kasse) und Zentralbankbuchgeld. Das Bargeld findet sich in Automaten etc. (Kasse) um Barauszahlungen des Publikums zu leisten. Der Buchgeldteil der Bankreserve findet sich auf dem Konto der Geschäftsbank bei der Zentralbank und ist der Teil des Zentralbankbuchgeldes, der die Mindestreserve überschreitet. Auf den Buchgeldteil der Bankreserve wird zurückgegriffen um Salden aus dem Clearing auszugleichen.

Clearing := Verrechnung von Zu- und Abgängen in verschiedenen Nebenbüchern der Bankbilanz (Nebenbücher hier = "Skontren"). Diese Verrechnung ist ein sog. "Erfüllungssurrogat" und reduziert das benötigte ZB-Buchgeld im Interbanken-Zahlungsverkehr.

(vollständiges) Zentralbankgeld := zirkulierendes Bargeld + Zentralbank-Buchgeld

FRB (Fractional Reserve Banking) := Man befindet sich in einem FRB-System, wenn es Banken erlaubt ist, mehr Forderungen auf (bestimmte!!!) Finanzaktiva zu schreiben als sich tatsächlich von diesen Finanzaktiva in ihrem Eigentum befindet. Dies funktioniert für Gold, gesetzliches Zahlungsmittel, ... etc.
FRB ist dabei zu unterscheiden von:

Multiple Geldschöpfung := Theorie über die Giralgeldentstehung aus der Volkswirtschaftslehre. Implizite Annahmen dieser Theorie:
1. Banken können sich nicht jederzeit refinanzieren.
2. Banken verlieren nicht nur bei Barauszahlung sondern auch bei einer Überweisung (Sichtguthabenübertragung) immer den vollen Betrag in Zentralbankgeld.

[Dieses Glossar kann und soll verbessert/erweitert werden.]

----------------------------------------------------------------------

Wie nun genau das Zahlungsmittel "Giralgeld" aktiv geschaffen wird, soll nun anhand eines kleinen Szenarios untersucht werden, welches das Beschaffen von 1 Mrd. € durch die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH (Finanzagentur) zum Inhalt haben soll. Kurz: der Finanzminister braucht mal wieder 'Geld'.
Die Finanzagentur wird Staatsanleihen mit Nennwert 1 Mrd. € am Markt anbieten. Geschäftsbank A (GB_A) wird diese Staatsanleihen kaufen.

GB_A Bilanz vorher in Mio. €:

Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve........................100...|..Einlagen...........0
...............................................|
Forderungen........................0...|..EK...............100


Die Frage ist WIE bzw. WOMIT kauft diese Geschäftsbank. Die Geschäftsbank wird das Zahlungsmittel "Giralgeld" verwenden. Was Giralgeld ist, steht oben im Glossar. Es ist die Forderung auf gesetzliches Zahlungsmittel, welche jedoch selbst auch als Zahlungsmittel verwendet wird (wie sehen wir weiter unten noch).
Es muss also die Forderung eingebucht werden und die Finanzagentur wird verlangen, dass sie nach Abschluss des Geschäftes über 1000 Mio. € mehr verfügt.

Daher bucht die Bank folgendermaßen:
Forderungen ........... an ........... Einlagen 1000

Die Bank hat keine andere Möglichkeit, als so zu buchen. Dies nennt sich "aktive Giralgeldschöpfung" und ist z.B. bei Issing ('Einführung in die Geldtheorie') nachzulesen.

Es mag sich nun die Frage aufdrängen: wo kommen diese Einlagen her? Wo kommt das Geld her, welches die Bank hier an die Finanzagentur verleiht? Ganz einfach: das "Geld", das hier "verliehen" wird, ist kein Geld (gesetzliches Zahlungsmittel) und es wird auch nicht verliehen. Tatsächlich wird hier überhaupt nichts verliehen, sondern es wird ein Kredit vergeben.

Das Prinzip hierzu beschreiben auch Heinsohn/Steiger in "Eigentumstheorie des Wirtschaftens" unter "Geldschaffung der privaten Notenbank". Allerdings wird dort beschrieben wie Privatbanken "Zettel" gegen Kredit herausgaben (Banknoten). Heute sind diese "Zettel" das Giralgeld. Das Prinzip ist identisch. Die Kreditforderung wird aktivseitig verbucht, die Forderung gegen die Bank passivseitig. Diese Forderung gegen die Bank wird dabei nicht von einem anderen Konto überwiesen oder ähnliches:

@dottore schrieb dazu mal:

Ja, aber Du kannst nicht aus Sichtguthaben noch mehr Sichtguthaben machen,
das erste Sichtguthaben also beliebig multiplizieren.

( http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=61892 )

Wie ich schon im gerade verlinkten Thread als Antwort auf @dottores Posting schrieb, so schreibe ich das hier nochmal: "Mehr Sichtguthaben aus vorhandenen Sichtguthaben zu machen" ist nicht nötig. Das Giralgeld wird durch den Buchungssatz - uno actu mit der Kreditvergabe - kreiert: per Bilanzverlängerung. Brandneu. Nicht überwiesen von einem anderen Konto. Nicht "multipliziert" mit anderen Sichtguthaben oder ähnliches. Es entsteht durch die Buchung. [Manche bezeichnen dieses Entstehen von Giralgeld auf der Passivseite der Bankbilanz als "creatio ex nihilo" oder eben "(Giralgeld-)schöpfung aus dem Nichts". Andere sagen, dass ja die Kreditsicherheit des Schuldners involviert sei und es deshalb kein "aus dem Nichts" gäbe. Ich lasse beide Ansichten als durchaus nachvollziehbar einfach mal so stehen.]

An dieser Stelle findet also tatsächlich die Schöpfung von Zahlungsmitteln statt, ohne dass diese Zahlungsmittel zuvor eingelegt worden wären. Es wird ein Schuldschein, welcher selbst kein Zahlungsmittel ist "monetisiert" (ugs. "wird zu Zahlungsmitteln gemacht"). Dabei wird dieser Schuldschein als Forderung der Bank gegen den Schuldner aktivseitig verbucht - und beim Einbuchen entstehen auf der Passivseite sog. "Einlagen". Diese Einlagen stellen eine Forderung gegen die Bank auf gesetztliches Zahlungsmittel dar, welche jedoch selbst auch als Zahlungsmittel verwendet werden.

Die Bilanz unserer Bank A sieht nun also nach der Bilanzverlängerung wie folgt aus:

GB_A Bilanz Nachher in Mio. €:

Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve........................100...|..Einlagen........1000
...............................................|
Forderungen...................1000...|..EK...............100

Nochmal:
Die Bank verstößt keinesfalls gegen Gesetze, wenn sie o.g. Buchungssatz anwendet und "aktiv" Giralgeld schöpft. Im Gegenteil: die Bank hat überhaupt gar keine andere Möglichkeit, als so zu buchen. Sie handelt genau wie jedes andere Unternehmen auch handeln muss, das ein Aktivum mit einer Forderung gegen sich selbst bezahlt ('Zahlung auf Ziel' oder auf Rechnung). Obwohl also schon dieser Fakt, dass die Sichtguthaben passivseitig tatsächlich ex nihilo entstehen, so manchen verwundert, so ist es doch nur eine relativ banale, täglich x-tausendfach durchgeführte (Buchungs-)Zwangsläufigkeit. Richtig interessant wird es erst dadurch, dass die Forderungen gegen die Bank als Zahlungsmittel verwendet werden. Und dies ist auch der große Unterschied zu anderen Unternehmen: Banken kreieren Forderungen gegen sich selbst, die vom Publikum als Zahlungsmittel verwendet werden.

Wie könnte das 'Zahlen' mit einer Forderung gegen die Bank aussehen? Nehmen wir einmal an, die BRD Finanzagentur hat mit dieser 1 Mrd. € nichts anderes vor als irgendwelche Zahlungsverpflichtungen der BRD bei der EU in Höhe von 1 Mrd. € zu begleichen ("EU-Superkonto"). Dann wird sie diese Zahlungsverpflichtung höchstwahrscheinlich nicht bar begleichen wollen. Die Finanzagentur nutzt also nicht das GZ, sondern nutzt eine Sichtguthaben-Zession 'an Zahlungs statt'. Oder auf Deutsch: die Finanzagentur überweist 1 Mrd. € auf ein Konto der EU. Wir gehen hier von dem nicht unwahrscheinlichen Fall aus, dass die EU bei allen größeren Banken ein Konto besitzt - so auch bei GB_A (deren Bilanz zugegebenermaßen noch recht jungfräulich anmutet...).

Nun kommt also die Zahlungsanweisung der Finanzagentur an die GB_A, eine Mrd. € an die EU zu überweisen. Dies wird prompt erledigt:

GB_A Bilanz nach Überweisung von 1 Mrd. € von Finanzagentur an EU in Mio. €:

Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve........................100...|..Einlagen........1000
...............................................|
Forderungen...................1000...|..EK...............100

Wie man sieht, sieht man nichts. Die Bilanz hat sich überhaupt nicht geändert. Es hat eine Buchung stattgefunden, die sich innerhalb des Postens "Einlagen" abgespielt hat, welcher hier nicht aufgeschlüsselt ist. Der Posten Einlagen könnte in etwa so ausgesehen haben:

Einlagen vorher:

-> Einlagen:
---> BRD Finanzagentur 1000
---> EU-Superkonto 0
---> Kunde_2 0
---> Kunde_3 0
---> Kunde_4 0
---> ...


Einlagen nachher:

-> Einlagen:
---> BRD Finanzagentur 0
---> EU-Superkonto 1000
---> Kunde_2 0
---> Kunde_3 0
---> Kunde_4 0
---> ...

Es handelt sich bei diesem Vorgang um einen sog. "Passivtausch". Die "Bezahlung" der Finanzagentur an die EU hat die Bank also eine Buchung gekostet. Es wurde keinerlei ZB-Geld benötigt. Aber GBen benötigen durchaus ZB-Geld:

Wofür benötigt eine Bank Zentralbankgeld?

1.) Bei einer Barabhebung
2.) Bei Überweisung von einem Girokonto in der eigenen Bilanz auf ein Girokonto einer anderen Bank
3.) Um Mindestreservevorschriften einzuhalten


zu 1.)
Angenommen, die EU würde nun ihre 1000 Mio € in bar abheben wollen, dann sieht das auf den ersten Blick für die Bank ziemlich düster aus. Sie hat nämlich nur 100 Mio. € in ihrer Barreserve. Glücklicherweise hat die GB_A allerdings notenbankfähige Wertpapiere von der Finanzagentur erworben. D.h. diese Papiere können bei der Zentralbank hinterlegt werden, um sich auf diesem Wege zu "refinanzieren". [Ich kann an dieser Stelle nicht auf die Feinheiten der Rediskont-, Lombard- und Wertpapierpensionsgeschäfte eingehen. Das ist hervorragend bei Enghofer/Knospe beschrieben. Das Paper ist in der Sammlung verlinkt.]

Nach Abwicklung eines Wertpapierpensionsgeschäftes in Höhe von 950 Mio € mit der ZB sieht die Bilanz der GB_A so aus [in Mio. €]:

Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve......................1050...|..Einlagen........1000
...............................................|
Forderungen.......................50...|..EK...............100

Nun kann die GB_A den Auszahlungswunsch von 1000 Mio. € in bar tatsächlich erfüllen. Die Bilanz sieht nach der Auszahlung wie folgt aus:

Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve..........................50...|..Einlagen...........0
...............................................|
Forderungen.......................50...|..EK...............100

Dieser Fall (kompletter Verlust von ZB-Geld in Höhe der Sichteinlage) ist extrem unwahrscheinlich (sog. "Bank Run"). Es ist allerdings auch unwahrscheinlich, dass immer innerhalb der eigenen Bilanz überwiesen wird. Das Stichwort an der Stelle ist der sog. "interne Verrechnungsfaktor" oder: Wieviel "Bodensatz" bleibt von den Sichteinlagen bei normalem Geschäftsverlauf (ohne Bank Run) übrig?


zu 2.)
Überweisungen, die auf Konten außerhalb der eigenen Bilanz gehen, stellen für Geschäftsbanken einen Abfluss von Zentralbankgeld dar. Die Überweisung wird innerhalb der Zentralbankbilanz nachvollzogen, indem Zentralbank-Buchgeld von Konto von GB_A zum Konto von GB_B bei der ZB überwiesen wird. Herzlich willkommen im zweistufigen Bankensystem ;)

Beispiel:

Bilanz vor Überweisung von Finanzagentur bei GB_A zu Kunde_XY bei GB_B in Höhe von 400 Mio €:

GB_A
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve........................100...|..Einlagen........1000
...............................................|
Forderungen...................1000...|..EK...............100

GB_B
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve..........................80...|..Einlagen.........500
...............................................|
Forderungen.....................500...|..EK................80

Nach Überweisung:

GB_A
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve........................100...|..Einlagen.........600
...............................................|
Forderungen.....................600...|..EK...............100

GB_B
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve........................480...|..Einlagen.........900
...............................................|
Forderungen.....................500...|..EK................80

Die GB_A musste sich um diesen Vorgang durchführen zu können refinanzieren, wie das geht steht weiter oben (bzw. genauer bei Enghofer/Knospe).
In diesem Fall gab es nun an diesem einen Bankarbeitstag nur eine einzige Überweisung von GB_A zu GB_B. Dies ist (bei entsprechend großen Banken) genauso unwahrscheinlich, wie dass an einem Tag alle Einlagen in bar abgehoben werden (und kann im Übrigen ähnlich fatal sein...). Es ist viel wahrscheinlicher, dass durch eine entsprechende Verrechnung von Überweisungen von GB_B zu GB_A nur noch ein geringerer Saldo an ZB-Geld benötigt wird. Beispiel:
Überweisung von Finanzagentur bei GB_A zu Kunde_XY bei GB_B in Höhe von 400 Mio €
und
Überweisung von Kunde_YZ bei GB_B zu Kunde_2 bei GB_B in Höhe von 370 Mio €

Bilanzen vorher (wie oben):

GB_A
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve........................100...|..Einlagen........1000
...............................................|
Forderungen...................1000...|..EK...............100

GB_B
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve..........................80...|..Einlagen.........500
...............................................|
Forderungen.....................500...|..EK................80

Bilanzen nachher:

GB_A
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve..........................70...|..Einlagen.........970
...............................................|
Forderungen...................1000...|..EK...............100

GB_B
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve........................110...|..Einlagen.........530
...............................................|
Forderungen.....................500...|..EK................80

Das Stichwort ist hier "Clearing". Es werden die einzelnen Überweisungen in den Skontren (sog. Loro- und Nostro-Konten) verrechnet und tatsächlich nur noch ein Saldo in Form von Zentralbank-Buchgeld überwiesen.


zu 3.)
Die Banken sind dazu verpflichtet eine Mindestreserve in Zentralbankgeld bei der ZB in Buchform vorzuhalten. Die Mindestreservehöhe wird aus dem Mindestreservesatz * Mindestreservebasis bestimmt. Zur Mindestreservebasis mit Mindestreservesatz 2% im Euro-Raum zählen:
täglich fällige Sichtguthaben
Einlagen bis 2 Jahre Laufzeit bzw. Einlagen bis 2 Jahre Kündigungsfrist

Es wäre interessant zu wissen, wann tatsächlich die Mindestreserven erfüllt sein müssen. Ob zu jedem Bankenarbeitstag oder nur zu bestimmten Stichtagen. Wer weiß das genau? Danke schon mal.


Zusammenfassend halte ich fest:
Geschäftsbanken können auf Basis von Zentralbankgeld zusätzliche Zahlungsmittel schaffen (sog. Giralgeld). Diese Zahlungsmittel schaffen sie per Buchungssatz uno actu mit Hereinnahme eines Schuldscheines (oder eines anderen Finanzaktivums). Wird dabei das fraktionale Reservesystem so definiert wie oben im Glossar, so leben wir definitiv in einem fraktionalen Reservesystem, da Geschäftsbanken in der Lage sind mehr Sichtguthaben zu schaffen als sie über Reserven in Zentralbank-Geld verfügen. Sie halten also nur einen Teil an Reserven (FRB). Es existiert kein mir bekanntes Gesetz, das Banken davon abhalten könnte.
Banken können jedoch trotz dieses Umstandes durchaus in Zahlungsprobleme geraten, da sie zwar Zahlungsmittel schaffen können, nicht jedoch alle Arten von Zahlungsmittel. Mindestens eine Art von Zahlungsmittel können Geschäftsbanken nicht schaffen: das sog. "gesetzliche Zahlungsmittel". Dieses gesetzliche Zahlungsmittel darf ausschließlich von der Zentralbank geschöpft werden.


Abschließend zu @dottores "Termin":

Es ist gerade diese "goldene Bankenregel" des Termins, an welche sich die Geschäftsbanken nach der sog. "Bodensatztheorie" (ein gewisser "Bodensatz" der Sichtguthaben bleibt (fast) immer bestehen) nicht halten. Daher kann der Termin alleine nicht dazu dienen, ein fraktionales Reservesystem oder die Schöpfung von Giralgeld durch Geschäftsbanken zu negieren.
( http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=61746 )


Beste Grüße und Danke fürs Lesen. Freue mich auf Input.

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

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          • Dachte ich lass mal jemand anders antworten, - BillHicks, 18.12.2008, 15:54
            • Wie kann ich 1 Mia mit 100 Mio kaufen? - Holmes, 18.12.2008, 23:48
              • Antwort-Versuch - BillHicks, 19.12.2008, 01:32
          • Wozu braucht die Bank Eigenkapital? - moneymind, 07.01.2009, 13:36
            • Wie kann die Bank mehr kaufen als sie an EK hat? - Holmes, 07.01.2009, 17:19
              • 100 Mio mit 1000 Mio "kaufen" - moneymind, 07.01.2009, 18:07
                • 1000 Mio mit 100 Mio kaufen natürlich, sorry (oT) [ [ kein Text ] ] - moneymind, 08.01.2009, 00:38
        • @Bill Hicks - "Forderungen gegen sich selbst" - Divinum, 08.01.2009, 12:26
          • vielen Dank für die klärenden Worte! - BillHicks, 08.01.2009, 14:17
            • @Bill Hicks - "Forderungen gegen sich selbst bei Banken" - Divinum, 09.01.2009, 22:47
              • Forderung gegen die Bank kann schon Zahlungsmittel sein - Tyler Durden, 09.01.2009, 23:12
                • @TylerDurden - So ungefähr. Um es genauer zu sagen.... - Divinum, 09.01.2009, 23:52
                  • 2 Fragen - moneymind, 10.01.2009, 03:01
                    • 'Leistung an Erfüllungs Statt', 'erfüllungshalber' und anderes Getier - BillHicks, 10.01.2009, 13:38
                      • Der Betrug der Banken - tar, 10.01.2009, 15:32
                        • Zentralbankgeld=keine Verpflichtung? Wofür Zins? - moneymind, 11.01.2009, 01:49
                          • Versuchen wir das mal Schritt für Schritt nachzuvollziehen - tar, 11.01.2009, 12:35
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              • Zustimmung. Aber du hast da etwas widerlegt, das ich gar nicht behauptet habe. - BillHicks, 09.01.2009, 23:57
                • @Bill Hicks - Nur kurz... - Divinum, 10.01.2009, 02:05
                  • @Divinum - Ja sind sie denn nun Zahlungsmittel oder sind sie es nicht ;-) - BillHicks, 10.01.2009, 02:58
                    • Noch vier Fragen - moneymind, 11.01.2009, 00:47
                      • Antwort-Versuch - BillHicks, 11.01.2009, 14:51
                        • Wie genau wird "Umlauffähigkeit" hergestellt? - moneymind, 12.01.2009, 01:29
                        • Liquiditätsprämie - M.Monroe, 12.01.2009, 09:20
                          • Hach ja, die Eigentumsprämie... - BillHicks, 12.01.2009, 13:56
                            • Zins 2 aus der Machttheorie - M.Monroe, 12.01.2009, 17:51
                              • @Bill + interessierte Mitleser: Wofür Zins? (Versuch alternativer Zinstheorie) - moneymind, 12.01.2009, 22:52
                    • @Bill Hicks und @moneymind - Divinum, 11.01.2009, 19:39
                      • Es werde Geld. - BillHicks, 11.01.2009, 21:41
                        • @Bill Hicks - Divinum, 11.01.2009, 23:38
                          • @Bill, @Divinum - moneymind, 12.01.2009, 01:21
                            • @moneymind - Divinum, 12.01.2009, 03:44
                              • Liquidität - moneymind, 12.01.2009, 23:16
                                • @moneymind - Divinum, 14.01.2009, 02:12
                          • @divinum - Giralgeldschöpfung again - BillHicks, 12.01.2009, 14:28
    • Danke! Frage:Ist Debitismus OHNE "fractional reserve banking"= "Kapitalismus", der nicht kaputtgehen kann? (oT) [ [ kein Text ] ] - boso, 18.12.2008, 06:51
      • Die Alternative - ohne FRB - Francisco d'Anconia, 18.12.2008, 10:23
      • Sehr gute Frage, - BillHicks, 18.12.2008, 12:45
        • hatte Moses schon in seiner Wirtschaftsverfassung .... - FESTAN, 18.12.2008, 18:13
      • Ja und Nein ... - FESTAN, 18.12.2008, 17:58
    • Eine Ergänzung - tar, 18.12.2008, 13:40
      • Ja, man muss das Ganze noch weiterdenken, hast du vollkommen Recht. Aber vorerst geht es um die Giralgeldschöpfung... (oT) [ [ kein Text ] ] - BillHicks, 18.12.2008, 15:31
    • Bezahlen mit Giralgeld ist doch in Wirklichkeit bezahlen mit Zentralbankgeld - Goldküken, 18.12.2008, 14:25
      • Auf den ersten Blick sieht es so aus - BillHicks, 18.12.2008, 15:25
        • FRB Faktor - Goldküken, 18.12.2008, 18:12
          • FRB-Faktor. - BillHicks, 18.12.2008, 18:35
            • taegliches Saldieren: doch nicht notwendige Voraussetzung fuer FRB? - Goldküken, 19.12.2008, 12:21
              • Saldieren und Co. - BillHicks, 19.12.2008, 14:54
                • Fazit? - Goldküken, 19.12.2008, 16:04
                  • Erklärung für Goldbugs :) - BillHicks, 19.12.2008, 21:06
                    • Gold-Modell - Goldküken, 19.12.2008, 22:44
                      • bleiben wir bei dem was wir wissen - BillHicks, 19.12.2008, 23:26
                        • Daten der Bundesbank 2006 - Goldküken, 20.12.2008, 12:44
                          • nochmal zu Huber - BillHicks, 20.12.2008, 13:48
                            • intuitive Wahrscheinlichkeits-Ueberlegungen - Goldküken, 20.12.2008, 14:32
                              • Warum immer weiter in nicht realitätsbezogenen Szenarien bewegen? Es WIRD nun mal saldiert. - BillHicks, 20.12.2008, 14:58
                                • Nutzen aus der Diskussion: womit bezahlen wir bei Ueberweisungen+Abbuchungen? - Goldküken, 20.12.2008, 15:26
                                  • Wir kommen schon noch zur Lösung durch :) - BillHicks, 20.12.2008, 16:17
                                    • Ueberweisungen innerhalb der Bank - Goldküken, 20.12.2008, 16:56
                                      • ein letztes Mal... - BillHicks, 21.12.2008, 01:10
                                        • wir sind uns noch nicht einig - Goldküken, 21.12.2008, 14:59
                                          • Spitzenausgleich ist immer ZB-Geld - Alfredo, 21.12.2008, 21:10
                                            • Konsens - Goldküken, 22.12.2008, 07:54
                                              • Giralgeld und Überweisung innerhalb einer Bank - Tyler Durden, 22.12.2008, 17:49
                                                • links gehen nicht - Goldküken, 22.12.2008, 19:23
                                                  • Komma am Ende entfernen, dann gehts - Tyler Durden, 22.12.2008, 19:43
                                        • link Artikel von Brichta - Goldküken, 21.12.2008, 15:56
                      • Bemerkungen - tar, 19.12.2008, 23:31
                        • Zentralbankgeld ist Art Illusion, aber Giralgeld ist 20-fache Illusion - Goldküken, 20.12.2008, 12:59
                          • Salvador Dali - tar, 20.12.2008, 13:47
                            • was sagen die Lehrbuecher zu der Frage dieses threads? - Goldküken, 20.12.2008, 14:40
                              • Womit wir "bezahlen" - BillHicks, 20.12.2008, 15:05
                                • Vielleicht noch eine vereinfachte Betrachtung - ohne Giralgeld keine NB-Kredite! - tar, 20.12.2008, 18:37
                                  • abgehaengt - Goldküken, 20.12.2008, 19:30
                                    • Aus Bankensicht - tar, 20.12.2008, 19:50
                                      • Mussdu nehmen .... - Alfredo, 20.12.2008, 20:18
                                        • Tatsächlich! - tar, 20.12.2008, 21:39
                                          • Konfuze sagt: Wahrheit fängt bei korrekten Begriffen an - Alfredo, 20.12.2008, 22:57
                                      • Logik ist mir unklar - Goldküken, 20.12.2008, 21:14
                                        • Antwort - tar, 20.12.2008, 21:42
                                          • bargeldlos, aber doch in richtigem Geld - Goldküken, 20.12.2008, 21:49
                                            • Wir drehen uns im Kreis :) - tar, 21.12.2008, 15:13
                  • @Goldküken - FRB - Divinum, 12.01.2009, 12:27
                    • FRB unbedenklich, oder doch eigentlich betruegerisch? - Goldküken, 12.01.2009, 13:00
              • Joseph Huber, "Vollgeld", S 208 - BillHicks, 19.12.2008, 15:56
                • kein Saldieren --> Vollgeld ? - Goldküken, 19.12.2008, 16:14
                  • Pardon ... - FESTAN, 19.12.2008, 17:32
                    • Vollgeld = kein FRB - Goldküken, 19.12.2008, 20:25
                      • Stimmt soweit, Erklärung - FESTAN, 20.12.2008, 12:46
                        • Bankenkreislauf - Goldküken, 20.12.2008, 13:12
                          • kein Saldieren != FRB - BillHicks, 20.12.2008, 13:37
                          • Saldieren ... - FESTAN, 20.12.2008, 17:47
        • Überweisungsdauer - ingobert, 18.12.2008, 18:32
    • finanzcrash Forum - Goldküken, 18.12.2008, 19:17
      • Verfeindung? - BillHicks, 19.12.2008, 01:44
        • Finanz-Sekten - Goldküken, 19.12.2008, 12:03
          • noch einige andere Sekten - Alfredo, 20.12.2008, 19:15
    • wie ist das dann bei Privatkrediten ? - Alfredo, 19.12.2008, 02:45
      • Kredite an Privatleute und Unternehmen - BillHicks, 19.12.2008, 15:40
        • Mühsame Aufgabe, die des Volksaufklärers ... - FESTAN, 19.12.2008, 17:12
          • _die_ anderen Ungeheuerlichkeiten? - BillHicks, 19.12.2008, 22:16
            • vielleicht können wir ... - FESTAN, 20.12.2008, 13:25
        • Unfasslich: "Es-werde-Geld"gibts wirklich schon auf Dispo-Ebene ? - Alfredo, 20.12.2008, 16:29
          • was hindert die Banken, noch mehr Giralgeld zu schoepfen? - Goldküken, 20.12.2008, 17:53
            • alle an die Brust der Notenbank ! - Alfredo, 20.12.2008, 18:41
          • wieder einer ... - FESTAN, 20.12.2008, 17:58
            • Creature of Jekyll Island - Alfredo, 20.12.2008, 18:49
              • Einschätzungen - FESTAN, 21.12.2008, 13:16
          • Antwort @Alfredo - BillHicks, 06.01.2009, 16:06
      • Irgendwas stimmt nicht - tar, 19.12.2008, 23:23
        • 2 versch. Instrumente - Alfredo, 20.12.2008, 17:00
    • Warum das Theater mit den Bundesschätzchen ? - Alfredo, 21.12.2008, 00:43
      • Staat bekommt von der Notenbank keinen Kredit - BillHicks, 21.12.2008, 00:49
        • Moneytization, Quantitative Easing - Alfredo, 21.12.2008, 13:17
          • Sorry 4 delay Alfredo - BillHicks, 10.01.2009, 14:01
    • Frage zu FRB-Statistiken - Fabio, 23.12.2008, 15:13
      • ja jetzt wird monetarisiert - Alfredo, 23.12.2008, 20:10
        • meldet Euch doch mal wieder zu Wort....oT (oT) [ [ kein Text ] ] - Alfredo, 26.12.2008, 23:52
    • Beitrag in die Sammlung aufgenommen (oT) [ [ kein Text ] ] - Chef, 11.01.2009, 15:43
    • Sokratischer Dialog - Alfredo, 19.01.2009, 17:59
    • Die Mindestreserve aus Bundesbankzeiten ist entfallen. - paranoia, 29.06.2009, 18:07

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