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<title>Das Gelbe Forum: Archiv 2007-2017 - Danke für diesen wunderbar philosophischen Beitrag (oT)</title>
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<description>Das Gelbe Forum: Archiv 2007-2017</description>
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<title>Danke für diesen wunderbar philosophischen Beitrag (oT) (Antwort)</title>
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<pubDate>Mon, 10 Mar 2008 12:09:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>Phoenix</dc:creator>
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<item>
<title>mephisto teil 2 (Antwort)</title>
<content:encoded><![CDATA[<p>Intelligente aber faule Menschen sind nicht selten besonders innovativ.<br />
Durch ihre Erfindungen wollen sie sich und anderen eine Menge Arbeit<br />
ersparen. Johannes Gutenberg etwa mag zu faul gewesen sein Bücher zu<br />
schreiben. Für Regierungen und Verwaltungen sind diese Faulpelze häufig ein<br />
Segen. Als Musterbeispiel kann der ehemalige EU-Kommissar Martin Bangemann<br />
gelten. Der Freizeitgestaltung für sich und seine Mitarbeiter widmete er<br />
sich mit ausgesprochener Kreativität. Damit konnte er der Deregulierung des<br />
europäischen Telefongeschäfts nicht im Wege stehen. Die Gebührenrechnungen<br />
sanken drastisch und die Anzahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich stieg<br />
ebenso deutlich. Der Name von Bangemann's Segelyacht lautete - für den<br />
aufmerksamen Zuhörer nicht weiter verwunderlich - Mephisto. <br />
Dumme und zugleich faule Zeitgenossen sind häufig nett, wenig gestreßt und<br />
vielfältig einsetzbar. Getreu der Devise: &quot;Im Wege stehen kann jeder,<br />
Nichtstun will gelernt sein&quot;, können sie zwar eine Belastung aber keine<br />
Bedrohung für die gesellschaftliche Evolution darstellen.<br />
Anders sieht das bei den dummen und zugleich fleißigen Mitmenschen aus. Sie<br />
sind in der Lage &quot;...jede Firma, jede Organisation und jede Beziehung.&quot; zu<br />
ruinieren. In Deutschland dürfte der Bevölkerungsanteil der Dummen und<br />
Fleißigen nicht höher oder niedriger sein als anderswo. Auffallend ist der<br />
Anteil der Fleißigen in Regierungsämtern, Behörden und Verwaltungen, die<br />
dort dumme Dinge tun. Anders läßt es sich nicht bezeichnen, wenn in der Zeit<br />
von 1948 bis 1998 nicht weniger als 5.500 Gesetze, 18.000 Verordnungen und<br />
Paragraphen erzeugt und dem Bürger zugemutet werden. Im Steuerrecht kommen<br />
jährlich &quot;... 40 neue Erlasse, 200 Bundesfinanzhofurteile, 1.000<br />
Durchführungsverordnungen und 3.000 Finanzgerichtsurteile hinzu.&quot; Die<br />
ausgebrochene Regulierungswut hat beispielsweise eine Ausbildungsverordnung<br />
für Gärtner hervorgebracht, die mehr als 7.000 Seiten umfaßt. In unserem<br />
Land gibt es annähernd so viele Staatsdiener wie Selbständige: &quot;Nummer 1<br />
bezahlt Nummer 2 dafür, dass sie ihm im Wege steht.&quot; Eine solche<br />
Gesellschaft braucht sich nicht über Blaue Briefe aus Brüssel zu wundern.<br />
Da sich Dummheit nicht verbieten läßt fordert Mephisto das Recht auf<br />
Faulheit. Dem will ich mich nunmehr anschließen und meine Ausführungen zum<br />
Mephisto-Prinzip beenden.</p>
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<pubDate>Sun, 09 Mar 2008 13:25:21 +0000</pubDate>
<dc:creator>HermesTrismegistus</dc:creator>
</item>
<item>
<title>das Mephisto-Prinzip:  Warum es besser ist, nicht gut zu sein</title>
<content:encoded><![CDATA[<p>&quot;das Mephisto-Prinzip&quot; lautet nicht nur ein Vortrag, sondern auch der Titel<br />
eines Buches. Die preisgekrönten Wirtschaftsjournalisten Dirk Maxeiner und<br />
Michael Miersch haben es geschrieben. Im vergangenen Jahr wurde es im<br />
Eichborn Verlag veröffentlicht. Dieses Buch ist nicht sonderlich<br />
wissenschaftlich, aber wunderbar polemisch. Um so mehr Freude hat mir seine<br />
Lektüre bereitet. Einen Teil davon an Sie und Euch weiterzugeben ist mein<br />
Bestreben am heutigen Abend. <br />
Der Inhalt des Buches könnte vor dem Hintergrund der Sozialstaatdiskussion<br />
im diesjährigen Bundestagswahlkampf aktueller nicht sein. Die zentrale Frage<br />
ist: </p>
<p>Was dient dem Gemeinwohl mehr: Umverteilung und Nächstenliebe oder<br />
Profitsucht und Egoismus?</p>
<p>Erinnern wir uns an den Dialog in Goethes Faust erster Teil: &quot;Wenn man Euch<br />
Fliegengott, Verderber, Lügner heißt. Nun gut, wer bist Du denn?&quot; fragt<br />
Faust im Studierzimmer . Mephisto antwortet: &quot;Ein Teil von jener Kraft, die<br />
stets das Böse will, und stets das Gute schafft.&quot; Dass auch niedrige Motive<br />
Positives bewirken mögen, ist somit nicht neu. Es ist das Mephisto -<br />
Prinzip. Als These soll es anhand aktueller Fallbeispiele auf seine<br />
Gültigkeit hin überprüft werden.</p>
<p><br />
Zunächst soll die kapitalistische Gesellschaft ganz generell betrachtet<br />
werden. Als Maßstab werden die sozialistischen Ziele Wohlstand, Eigentum,<br />
Friedfertigkeit und Internationalismus herangezogen.<br />
Dass der Kapitalismus der sozialistischen Misswirtschaft bei der Schaffung<br />
individuellen Wohlstands überlegen ist, kann als historische Tatsache<br />
festgestellt werden. Ökonomen haben zudem berechnet, dass der Abstand<br />
zwischen Arm und Reich beispielsweise in der Sowjetunion größer war als in<br />
westlichen Systemen. Bei diesem Vergleich wurden die Privilegien der<br />
Funktionäre berücksichtigt.</p>
<p>Das Volkseigentum an den Produktionsmitteln ist und bleibt im Sozialismus<br />
eine reine Utopie . Dies mussten nicht zuletzt all diejenigen erkennen, die<br />
ihre sozialistischen Heimatländer verlassen konnten oder mußten. Keine Aktie<br />
der staatlichen Betriebe konnten sie mitnehmen. Im Westen dagegen hat sich<br />
der Trend zur Volksaktie entwickelt. Pensionsfonds gehören zumindest in den<br />
USA zu den treibenden Kräften des modernen Kapitalismus.</p>
<p>Die Kriege und Verbrechen an der Menschheit gingen seit der zweiten Hälfte<br />
des 20. Jahrhunderts nicht von skrupellosen Geldsäcken aus. Die treibenden<br />
Kräfte waren asketische Ideologen wie Hitler, Stalin, Mao Tse-tung und<br />
aktuell Bin Laden.<br />
Niemand wird bezweifeln, dass sich die Bosse von Coca Cola und McDonalds<br />
über die grenzenlose Reisefreiheit der Menschen, über grenzenlosen<br />
Warenverkehr und den grenzenlosen Austausch von Ideen freuen. Die<br />
verbliebenen Antikapitalisten in Kuba, Nordkorea und Iran nehmen dazu<br />
bekanntlich eine ganz andere Haltung ein.</p>
<p>Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern Sozialismus, Wohlfahrtsstaat und<br />
Nationalsozialismus hat den Kapitalismus niemand ausgedacht. Wahrscheinlich<br />
können ihn genau deswegen viele Intellektuelle nicht ausstehen. Der<br />
Kapitalismus hat nicht versucht den besseren Menschen zu schaffen. Selbst-<br />
und Genusssucht werden vielmehr instrumentalisiert und durch (liberale)<br />
Regeln dem Gemeinwohl dienlich gemacht. Die soziale Marktwirtschaft im<br />
Erhadtschen Sinne ist ein leuchtendes Beispiel hierfür. Der Kapitalismus hat<br />
die Ziele des Sozialismus erreicht: Internationalismus, Frieden,<br />
Gemeineigentum an den Produktionsmitteln und Wohlstand für alle. Mephisto<br />
läßt grüßen.<br />
Ein Orden buddhistischer Mönche meditiert seit Jahrhunderten in einem<br />
Himalaja Kloster. Ohne ihre positiven geistigen Energien hätte das Schlechte<br />
in der Welt längst triumphiert. Davon sind zumindest die gläubigen Männer<br />
überzeugt. Wer wollte sie widerlegen?<br />
Betrachtet man individuelle Lebensläufe so läßt sich schon eher bestimmen,<br />
inwieweit sie geeignet sind, das Gemeinwohl zu fördern. Vergleicht man<br />
beispielsweise den Werdegang von Daniel Goeudevert mit dem des Ferdinand<br />
Piech, so zeigt sich der Unterschied zwischen gut meinen und gut machen.<br />
Beide sind bzw. waren Automanager. Der eine ist der good guy, der Liebling<br />
der Medien, ein sympathischer Franzose mit der Fähigkeit philosophisch quer<br />
zu denken. Auch Greenpeace feierte seine ökologischen Reformideen. Auf der<br />
anderer Seite der bad guy, ein finsterer und eiskalter Machtmensch. Der<br />
besessene Ingenieur wurde von Greenpeace als potentieller Klimakiller<br />
geoutet. Selbst um Objektivität bemühte Zeitgenossen bescheinigen dem<br />
gebürtigen Österreicher eine &quot;oft erschreckende Rigorosität.&quot; In seinem Büro<br />
sollen sogar die Grünpflanzen umgehend eingehen.<br />
Goeudevert zeigte während seiner Kariere bei den Firmen Citroen, Renault,<br />
Ford und Volkswagen vor allen die Fähigkeit sich selbst zu verkaufen. Piech<br />
dagegen drängte ihn und alle anderen Vorstände, die er bei seinem Antritt<br />
bei VW angetroffen hat, aus dem Unternehmen. Sein Prinzip ist das Prinzip<br />
Leistung. Nicht wenige vermuten, dass er von dem Wahn getrieben ist mit<br />
seinem legendären Großvater gleichzuziehen. Seine Bilanz zeigt, dass er das<br />
erreicht hat, wovon der Naturfreund und Charmeur Goeudevert nur<br />
philosophiert hat. Er machte VW profitabel, vermied Massenentlassungen durch<br />
innovative Arbeitszeitmodelle, veröffentlichte als erster<br />
Automobilhersteller einen Ökobericht, realisierte das erste 3-Liter-Auto der<br />
Welt und kündigte im Herbst 2000 gar das 1-Liter-Auto an. Vor wenigen Tagen<br />
machte er sein Versprechen wahr. Zu seiner Verabschiedung als<br />
Vorstandsvorsitzender fuhr er medienwirksam mit eben diesem Fahrzeug. An dem<br />
diabolisch in die Kameras lächelnden Piech hätte Mephisto Freude gehabt.<br />
Das schlimmste Schurkenstück des Kapitalismus seit Erfindung der<br />
Dampfmaschine ist die Globalisierung. Bosse und Börsen-Spekulanten<br />
überziehen die Welt mit der Pest des Freihandels. Bei den Treffen der<br />
internationalen Finanzfachleute machen denn auch die Globalisierungsgegner<br />
nachhaltig auf sich aufmerksam. Auf ihrer Seite sind alle, die es gut mit<br />
der Menschheit meinen: deutsche PDS Sozialisten, indische<br />
Hindu-Nationalisten, rechts konservative Isolationisten in den USA,<br />
Agrar-Lobbyisten aus Europa, Neonazis, religiöse Fanatiker und Kommunisten.<br />
Und sie haben Erfolg. Der stete Tropfen höhlt offensichtlich auch den Stein<br />
der Weisen.<br />
Anläßlich des letzten Weltwirtschaftsforums in New York durfte Vandana<br />
Shiva, eine von Brot für die Welt geförderte indische Ökofeministin, in<br />
einer Plenarsitzung unwidersprochen behaupten, dass die Globalisierung der<br />
größte Genozid der Menschheitsgeschichte sei. Die Manager der Weltkonzerne<br />
übernahmen in den Workshops denn auch die Verantwortung für das Elend dieser<br />
Welt . Sie versprachen es zu beheben. Ungeklärt blieb die demokratische<br />
Legitimation dieser &quot;Masters of the Universe&quot; . Auch die schlichte Frage wie<br />
die Konzerne das notwendige Geld zur Erfüllung dieser Wohltaten verdienen<br />
sollten wurde nicht weiter verfolgt. Die Einsicht, dass es die Einschränkung<br />
der persönlichen Freiheiten ist, die arme Länder ihrer Potentiale beraubt,<br />
wurde ebenfalls konsequent verdrängt. </p>
<p>Statistiken der Weltbank zeigen unmißverständlich, dass Entwicklungs- und<br />
Schwellenländer, die sich am Welthandel beteiligen, eine sinkende<br />
Kindersterblichkeit und eine steigende Lebenserwartung aufweisen. Ihr<br />
Pro-Kopf-Einkommen wächst überdurchschnittlich. Die Armenhäuser dieser Welt<br />
sind Staaten, die auf Autarkie und Abschottung setzen.<br />
In der Abgeschlossenheit gedeihen zudem schmutzige Industrien besser, als in<br />
offenen Volkswirtschaften. Mit mehr als fünf Millionen Tonnen Schwefeldioxyd<br />
in den Abgasen hielt die DDR vor der Öffnung einen traurigen Weltrekord. Die<br />
Profiteure der Erstarrung waren und sind die Arbeitsplatzbesitzer nicht<br />
zuletzt in den Industriestaaten Europas. Überregulierung und uneffektive<br />
Sozialsysteme werden vor dem internationalen Wettbewerb zu lasten der<br />
aufstrebenden Länder geschützt. Mephisto hätte den Ehrenvorsitz bei den<br />
Globalisierungsgegnern verdient gehabt. <br />
Eine weitere Geisel des Turbokapitalismus ist der Kulturimperialismus. Er<br />
wurde glücklicherweise frühzeitig erkannt, so dass sich die Abwehrfront<br />
gegen Coca Cola, McDonalds und Hollywood frühzeitig - wenn auch nicht<br />
sonderlich erfolgreich - formieren konnte. Besonders nett ist das<br />
Nachkriegsgerücht, dass ein Beschäftigter der Wiener Coca Cola Abfüllanlage<br />
in ein Sirupfaß gefallen sei. Sein tödlicher Leichtsinn habe dem Getränk<br />
zusätzliches Aroma gegeben, hieß es damals. Coca Cola bestätigte die<br />
Geschichte umgehend, verwies allerdings darauf, dass es sich um ein Pepsi-<br />
Fass gehandelt habe. Überfällig ist der Vorwurf, dass Coca Cola<br />
genmanipulierten Zucker verwendet. Das britische Wirtschaftsblatt<br />
&quot;Economist&quot; stellte dagegen fest: &quot;je mehr Coca- Cola die Menschen eines<br />
Landes trinken, desto freier, reicher, gesünder und gebildeter sind sie.&quot;<br />
Entsprechend raten die Journalisten dem bettelarmen Schlußlicht der<br />
Vergleichsmessung: &quot;Have a Coke, Nordkorea.&quot; Coca Cola ist total<br />
opportunistisch. Immer dann wenn die Luft rein ist für gute Geschäfte<br />
steigen die Absätze der koffeinhaltigen Limonade.<br />
Die Mitarbeiter des Gastronomiebereichs hassen McDonalds weil es die Idee<br />
der Dienstleistung exportiert hat. Auch die Grünen vergessen gern, dass<br />
keine andere Gastronomiekette in Deutschland mehr ausländische Mitarbeiter<br />
beschäftigt und mehr sichere Arbeitsplätze für schlecht ausgebildete<br />
Menschen bietet als Big Mac.<br />
Die Hollywood-Serie &quot;Dallas&quot; sollte in Frankreich verboten werden. Die<br />
Dekadenz von Mercedes Cabriolets und Cowboystiefeln aus Krokodilleder war zu<br />
offensichtlich. Löwenmähnige und allseits geliftete Amifrauen, die für eine<br />
kleine Ölquelle alle Skrupel fallen ließen, machten dem damaligen<br />
Kulturminister die Sendung gänzlich unerträglich. Nicht bedacht wird bei<br />
dieser Kritik, dass ganz generell das Fernsehen und das darin propagierte<br />
westliche Frauenbild in den Entwicklungsländern mehr zur Senkung der<br />
Geburtenrate beiträgt als Antibabypillen und Familienprogramme.</p>
<p>In der Folge westlichen Kommerzes reisen universelle Ideen wie die<br />
Gleichberechtigung der Frau, die Menschenrechte und das Umweltbewußtsein um<br />
die Welt. Insofern haben Coca - Cola, McDonalds und Hollywood etwas zur<br />
Verbesserung der weltweiten Lebensbedingungen beigetragen. Dem Westen dabei<br />
gute Absichten zu unterstellen wäre überzogen, doch Mephisto hätte seine<br />
Freude daran.<br />
Die Summe staatlicher Wohltaten ist in Deutschland seit 1960 um 1900 %<br />
gestiegen. In der Folge genießen heutige Sozialhilfeempfänger einen höheren<br />
Lebensstandard als Durchschnittsverdiener in den sechziger Jahren. Diese<br />
wären empört gewesen wenn man sie damals als arm bezeichnet hätte.<br />
Als arm gilt heute in den westlichen Ländern derjenige, welcher weniger als<br />
die Hälfte des aktuellen Durchschnittseinkommens eines Landes erhält. Damit<br />
kann uns die Armut praktisch nicht ausgehen. Etwa jeder 20. Mitbürger kann<br />
zu den wirklich Bedürftigen gezählt werden. Aber jeder dritte<br />
erwirtschaftete EURO wird für Soziales ausgegeben. Betrachtet man diese<br />
Relationen so wird deutlich, dass der absolut größte Teil des Geldes nicht<br />
bei den Behinderten, Verarmten, Alten, chancenlosen Arbeitssuchenden und<br />
überlasteten allein erziehenden Müttern landet. Es sind die Listigen und<br />
Cleveren sowie mächtige staatliche sowie private Verwaltungsapparate, die<br />
von der Umverteilung profitieren. Mephisto ist es gelungen, dass<br />
schätzungsweise auf jeden Bedürftigen 10 kommen, die in seinem Namen<br />
Besitzstände wahren.<br />
Wäre der Rest der Welt so produktiv wie die amerikanische Landwirtschaft, so<br />
würde weltweit etwa nur halb so viel Land wie heute verbraucht. Der<br />
Tropenwald wäre gerettet. Das &quot;Künstliche&quot;, d.h. in diesem Fall der richtige<br />
und verantwortungsvolle Umgang mit den landwirtschaftlichen<br />
Hightech-Produkten ist durchaus geeignet das &quot;Natürliche&quot; zu retten. Die<br />
bereits zitierte Vandana Shiva rät den Armen dieser Welt jedoch auf<br />
gentechnisch verbesserten Reis zu verzichten und statt dessen mehr Leber,<br />
Eigelb und Spinat zu verzehren. &quot;Wenn das Volk kein Brot hat, soll es Kuchen<br />
essen&quot; hatte schon Marie Antoinette erkannt. Für die betroffenen gilt wie so<br />
oft auch in diesem Fall: &quot;Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.&quot; <br />
Der moderne Massentourismus führt früher oder später zur Vernichtung des<br />
Schönen auf der Welt und zum Umweltkollaps. So lautet die Gleichung der<br />
Ökoelite. Übersehen wird dabei, dass kein Wirtschaftszweig so auf sauberes<br />
Wasser, reine Luft und intakte Natur angewiesen ist, wie der Tourismus. Die<br />
Zahl der Großschutzgebiete stieg im zwanzigsten Jahrhundert von 10 auf über<br />
12.000. Ihre Unterhaltung wäre ohne die Einnahmen aus dem Tourismus in<br />
vielen Regionen der Welt undenkbar. Jeder fünfte Arbeitsplatz auf dem Globus<br />
hängt vom Fremdenverkehr ab. Der Flächenbedarf dieses Gewerbes ist dabei<br />
wesentlich geringer als der der traditionellen Landwirtschaft. Jumbo, Bambi<br />
und Simba verdanken nicht selten ihr Leben der skrupellosen Geldgier von TUI<br />
und Co. Das Mephisto-Prinzip beweist seine Leistungsfähigkeit in zahlreichen<br />
Facetten des täglichen Lebens.<br />
Gemeinwohl und Egoismus gelten gemeinhin als unvereinbar.<br />
Gesellschaftspessimisten werden denn auch nicht müde den Trend zur<br />
&quot;Ich-Generation&quot; zu geißeln. Sie jagt dem Geld hinterher, um es auf den<br />
Parties der oberflächlichen Spaßgesellschaft wieder zu verpulvern. Die mit<br />
der Individualisierung verbundene emotionale Eiszeit führt zu einer<br />
steigenden Scheidungsrate und in eine trostlose Singlewelt. Unberücksichtigt<br />
bleibt dabei, dass die Wiederverheiratungsrate ebenfalls steigt und die Zahl<br />
der Dauerpaare ohne Trauschein ebenso. Auch gibt es nicht weniger, aber<br />
andere Gemeinschaften, in denen sich die Menschen zusammenfinden. Kirche und<br />
Pfadfinder verlieren an Mitgliedern aber Fußballvereine, Ehrenämter sowie<br />
Sekten verzeichnen Zulauf. Die These vom Rückzug in das Private ist somit<br />
populär aber nicht unbedingt richtig.<br />
Zu bedenken ist zudem, dass die Gemeinschaft nicht per Definition besser ist<br />
als der Egoist. Egoisten sind in der Regel friedfertige Menschen. Sie wissen<br />
dass es schwer ist Nutzen aus jemandem zu ziehen, wenn man ihn vorher<br />
totschlägt. Religiöse, rassische oder politische Verfolgungen gehen hingegen<br />
immer von Gemeinschaften aus. Es ist ein Glanzlicht des Mephisto-Prinzips,<br />
das ausgerechnet Egoisten der Gemeinschaft dienlich sein können. Energie<br />
wird nicht dort gespart, wo besonders umweltbewußte Menschen leben, sondern<br />
dort, wo die Mieter individuelle Heizkostenabrechnungen bekommen. Der<br />
Metzger, der Bauer und der Bäcker suchen die Gewinnmaximierung, ihre<br />
Leistungen sind zugleich ein Quell des Gemeinwohls. Der egoistische Mensch<br />
versucht aus den gegebenen Möglichkeiten seinen Vorteil zu ziehen. Es ist<br />
moralisch nicht erbaulich, hilft aber dem Einzelnen und nützt in der Summe<br />
der Gesellschaft. Befreit man den Kapitalismus vom Egoismus, so nimmt man<br />
ihm seine Triebfeder. <br />
Vielfach erliegt man der Illusion, dass das kollektive Nichtstun zu mehr<br />
Sicherheit führt. Die Bürgerrechtsbewegung in der ehemaligen DDR zeigt den<br />
darin liegenden Irrtum beispielhaft. Indem das diktatorische System in die<br />
Enge getrieben wurde, war der Weltfrieden gefährdet. Die Überwindung der<br />
verkrusteten Strukturen führte zu größerer individueller Freiheit sowie<br />
weltweiter Entspannung. Das Mephisto-Prinzip ist ein Lob des kalkulierten<br />
Leichtsinns - individuell wie kollektiv. Die mit großem Ernst geführte<br />
Gentechnikdebatte in unserem Land ist ein positives Beispiel für<br />
verantwortungsbewußtes Handeln in diesem Sinne. <br />
Wenngleich das achte Gebot das Lügen und &quot;falsch Zeugnisreden&quot; streng<br />
untersagt, halten die Menschen aller Völker seit Jahrtausenden an ihren<br />
kleinen, schmutzigen Lügen hartnäckig fest. Wir leben mit einer &quot;verlogenen<br />
Politik&quot;, in einer &quot;verlogenen Gesellschaft&quot; und besitzen eine &quot;verlogene<br />
Moral&quot;. Ein durchschnittlicher Mann gibt täglich etwa 12.000 Worte, eine<br />
durchschnittliche Frau ca. 23.000 Worte von sich. Ein Gutteil davon ist<br />
nicht ganz ehrlich gemeint. Die absolut meisten Unwahrheiten dienen dazu das<br />
Selbstwertgefühl des Getäuschten zu heben oder zumindest nicht zu<br />
beschädigen. Therapeutische Lügen vermögen gar Kranke zu heilen. Über die<br />
Hälfte der Magendarmstörungen und fast 50 % der Rheumafälle sollen sich<br />
durch Placebos beheben lassen.<br />
Die häßlichen Gattungen der Lüge, wie Verrat und Denunziation sind<br />
erfreulicherweise die seltene Ausnahme. Wenn wir diese einmal ausklammern,<br />
so ist es ein Akt der Ehrlichkeit wenn wir der wohl dosierten Lüge<br />
moralischen Wert und praktischen Nutzen für die Gesellschaft bescheinigen.<br />
Das Paradies der nackten Wahrheiten ist sehr wohl geeignet eine soziale<br />
Hölle herbeizuführen. Mephisto ist ein Freund der Lüge. <br />
Er liebt auch das Laster. Das Verbot von Rauschmitteln in Form von Alkohol<br />
und Drogen ist moralisch und gesundheitspolitisch konsequent. Die<br />
Erfahrungen mit der Prohibition in den USA haben allerdings gezeigt, dass<br />
dieses Gesetz weniger dem Alkoholismus geschadet hat als vielmehr der<br />
Kriminalität förderlich war. Die Drogengesetzgebung der westlichen Welt ist<br />
zweifellos eine der wichtigsten Ressourcen der Mafia und der Nährboden einer<br />
zuweilen brutalen Beschaffungskriminalität. Ob eine Liberalisierung in<br />
diesem Bereich der Gesellschaft mehr nützt als schadet ist eine teuflische<br />
Frage. Die Antwort werden wir voraussichtlich niemals erfahren, denn<br />
Mephisto hat es so eingerichtet, dass bereits eine Diskussion hierüber<br />
geeignet ist Freundschaften zu zerbrechen. <br />
Die Menschheit kann generell eingeteilt werden in die vier Kategorien:<br />
fleißig, faul, intelligent und dumm.<br />
Intelligente und fleißige Menschen sind selbstredend für die Schaffung<br />
gesellschaftlichen Wohlstands besonders wertvoll. Allerdings sind sie<br />
regelmäßig in der Minderheit.</p>
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<pubDate>Sun, 09 Mar 2008 13:22:59 +0000</pubDate>
<dc:creator>HermesTrismegistus</dc:creator>
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