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<title>Das Gelbe Forum: Archiv 2007-2017 - Der Fall Barschel</title>
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<description>Das Gelbe Forum: Archiv 2007-2017</description>
<language>de</language>
<item>
<title>Der Fall Barschel (Antwort)</title>
<content:encoded><![CDATA[<p>Hier ein Auszug aus dem Buch &quot;Geheimakte Mossad&quot; von Ostrovsky</p>
<p>Download des gesamten Buches hier:</p>
<p><a href="http://www.v-22.de/forum/13-politische-verschwoerungen/15915-der-tod-von-uwe-barschel-25-jahre-spaeter.html">http://www.v-22.de/forum/13-politische-verschwoerungen/15915-der-tod-von-uwe-barschel-2...</a></p>
<p>&quot;Der BND-Kontaktmann arbeitete jetzt direkt mit dem Mossad-<br />
Verbindungsmann in Bonn zusammen, der seine Informationen an<br />
die geheime Mossad-Station in der Bonner Botschaft weiterleitete.<br />
Die Deutschen sagten, daß zur Sicherheit und für den glatten<br />
Verlauf der Operation der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein<br />
in das Geheimnis eingeweiht werden müßte. Sein Name war<br />
Uwe Barschel, er zählte zu den engen Freunden von Helmut Kohl.<br />
Um sich seine Unterstützung zu sichern, kam man überein, daß der<br />
BND seinen Einfluß geltend machen würde, um Bundesgelder für<br />
eine krisengeschüttelte Kieler Werft lockerzumachen, wofür Barschel<br />
dann die Lorbeeren einheimsen könnte. Außerdem ging es um<br />
einen großen internationalen Flughafen in der Region. Und man<br />
versprach noch verschiedene andere Dinge, die weder für den<br />
Mossad noch für Ran von Interesse waren, der jetzt die Operation<br />
leitete.<br />
Als ich den Mossad verließ, war das Training der Piloten voll im<br />
Gange. Außer den Simulatoren gab es noch einige umgebaute<br />
Cessnas, an denen die Piloten auf einem anderen Flugfeld, fünfundvierzig<br />
Minuten von Kiel entfernt, ausgebildet wurden. Ich<br />
kann mich noch gut entsinnen, wie Ran damals zum Star aufstieg.<br />
Ephraim erzählte mir, was danach passierte. Ihm zufolge (und<br />
ergänzenden Details, die zum Ärger von Eli von Uri beigesteuert<br />
wurden) stellte Ran irgendwann im März 1987 fest, daß am<br />
Horizont Gewitterwolken aufzogen.<br />
Es gab im Mossad und bei den rechten Elementen in der Regierung<br />
zunehmende Unzufriedenheit über das Verhalten von Kanzler<br />
Helmut Kohl, der direkten israelischen Warnungen bezüglich seiner<br />
Beziehung zum österreichischen Politiker Kurt Waldheim, den<br />
man scheinbar als Nazi entlarvt hatte, trotzte. (Die Â»EntlarvungÂ«<br />
war von einer AI-Einheit vorbereitet worden, die in das UNOGebäude<br />
an der Park Avenue in New York eingedrungen war und<br />
verschiedene belastende Dokumente, die anderen Akten entnommen<br />
worden waren, in die Akte von Waldheim â€” und einiger<br />
anderer Personen - geschmuggelt hatte. Die gefälschten Dokumente<br />
wurden dann von dem israelischen Botschafter bei der UNO,<br />
Benjamin Netanyahu, Â»entdecktÂ«. Das war Teil einer Diffamierungskampagne<br />
gegen Waldheim, der den israelischen Aktivitäten<br />
im südlichen Libanon kritisch gegenüberstand.) Kohl wischte die<br />
israelischen Drohungen als Nonsens beiseite und verursachte damit<br />
Wutausbrüche in israelischen Geheimdienstkreisen, wo er als Klutz<br />
mit einem großen Maul und schlechter Kinderstube beschimpft<br />
wurde.<br />
Sorge bereitete der Mossad-Führung auch eine plötzliche politische<br />
Krise in Dänemark. Der dänische Geheimdienst bekam kalte<br />
Füße und bat darum, die Waffenlieferungen über Dänemark zeitweilig<br />
zu stoppen, bis man wüßte, wie sich die neue politische<br />
Situation im Land gestalten würde.<br />
Der BND fragte nun bei Uwe Barschel um Erlaubnis an, die<br />
Häfen in Schleswig-Holstein für die Überführung der Waffen in den<br />
Iran benutzen zu dürfen. Barschel lehnte ab. Der Mossad hatte es<br />
nicht für notwendig erachtet, Barschel deswegen anzugehen. Der<br />
BND wußte allerdings nicht, daß der Mossad sich schon die<br />
Kooperation des Verfassungsschutzes gesichert hatte. Deshalb kam<br />
es dazu, daß der BND an Barschel herantrat und ihm einiges mehr<br />
erzählte, als nötig war. Doch der BND hatte Barscheis Festigkeit in<br />
dieser Angelegenheit falsch eingeschätzt. Als Barschel ablehnte,<br />
gerieten alle in Panik. Sie erkannten, daß Barschel für sie zu einer<br />
Bedrohung werden könnte, wenn er sich dazu entschließen würde,<br />
Helmut Kohl über all diese Vorgänge zu informieren.<br />
Es war sehr verführerisch, mehrere Fliegen mit einem Schlag<br />
erledigen zu können: Der Mossad hätte das Sagen bei der Kontrolle<br />
des neuen Politikers und könnte den BND als Partner einführen.<br />
Man könnte einen Störenfried, nämlich Barschel, eliminieren, der<br />
zwar kooperierte, aber nicht aus den richtigen Gründen. Er war '<br />
nicht wirklich gekauft, wie es der Mossad bei seinen Politikern<br />
gerne hatte, sondern er nutzte die Situation nach Kräften, um, wie<br />
er meinte, das Beste für seine Wählerschaft rauszuholen, und<br />
gleichzeitig sicherte er seine politische Basis ab. Seine Beseitigung<br />
würde auch ein Schlag für Helmut Kohl sein, der gerade eine Wahl<br />
gewonnen hatte und sich deshalb nun noch unangenehmer aufführen<br />
würde als in der Vergangenheit.<br />
Ran begann also Verbindungen zur Oppositionspartei zu knüpfen<br />
und kam in engen Kontakt mit einem ihrer Führer. Er fühlte ihm<br />
auf den Zahn, ob er, für den Fall, daß er die Wahl gewänne, zur<br />
Mitarbeit mit denen, die ihm geholfen hätten, bereit wäre und sich<br />
erkenntlich zeigen würde. Jenem Oppositionspolitiker wurde bedeutet,<br />
daß der BND hinter ihnen stehe und alles im besten Interesse<br />
Deutschlands geschehe. Die Antwort übertraf alle Erwartungen<br />
Rans: Der Oppositionspolitiker, der keine Chance sah, die Wahl zu<br />
gewinnen, war zu jedem Versprechen bereit. Nachdem Ran diesen<br />
Politiker sicher in der Tasche hatte, was ihn eine neue Pfeife und<br />
etwas Tabak kostete, war es an der Zeit, Barschel aus der politischen<br />
Arena zu werfen.<br />
Yoel, ein Einsatzoffizier von der Bonner Station, wurde zu dieser<br />
Operation herangezogen. Ihm wurde die Aufgabe übertragen, als<br />
Kanadier mit deutschen Vorfahren aufzutreten, der sehr reich sei<br />
und nach Deutschland zurückkehren wolle. Bevor er den entscheidenden<br />
Schritt machte, plante dieser Kanadier angeblich, in<br />
Deutschland ein neues Unternehmen zu starten und mit dem politischen<br />
Establishment bekannt zu werden, damit er seine Firma<br />
optimal aufziehen und den größtmöglichen Vorteil aus seiner<br />
Rückkehr ziehen könnte. Ein politischer Apparatschik in Barscheis<br />
Partei, der von Ran und Yoel den Spitznamen Â»WhistlerÂ« (englisch:<br />
Â»to whistleÂ« = pfeifen) erhielt, wurde ihr Zielobjekt. Ran lieferte<br />
der Mossad-Liaison eine Liste mit allen Leuten, die mit Barschel<br />
zusammenarbeiteten und direkten Kontakt zu ihm hatten. Die<br />
Namen sollten durch die Polizeicomputer in Kiel und Hamburg<br />
gejagt werden, um herauszufinden, ob über irgendeinen von ihnen<br />
etwas Nachteiliges bekannt war. Der Name von Â»WhistlerÂ« hatte<br />
einen dunklen Fleck. Es stellte sich heraus, daß er der Mißhandlung<br />
einer Hamburger Prostituierten beschuldigt worden war, aber da es<br />
jemandem gelang, den Zuhälter auszuzahlen, wurde die Akte ohne<br />
förmliche Anklage geschlossen.<br />
Yoel wurde Â»WhistlerÂ« durch einen Sayan vorgestellt, der<br />
Â»WhistlerÂ« laut seiner Mossad-Akte kannte. Nach einigen Schmeicheleien<br />
sagte Yoel zu Â»WhistlerÂ«, daß er nach Kanada zurückkehren<br />
müsse, und machte ihn mit Ran bekannt, der seinen Geschäftsberater<br />
in Deutschland mimte. Falls Â»WhistlerÂ« in seiner Abwesenheit<br />
irgend etwas benötige, könne er sich an Ran wenden, der<br />
autorisiert sei, ihm zu helfen.<br />
Einige Tage nach Yoels angeblicher Abreise rief Ran Â»WhistlerÂ«<br />
an und verabredete ein Treffen, in dessen Verlauf er ihm klarmachte,<br />
daß er Â»WhistlersÂ« politische Richtung nicht schätze,<br />
sondern die Opposition unterstütze. Ran erklärte ihm außerdem,<br />
daß er verpflichtet sei, Yoels Interessen nach bestem Wissen zu<br />
vertreten, weshalb er auf eigene Faust eine kleine Untersuchung<br />
vorgenommen habe. Dabei sei er auf den Zwischenfall mit der<br />
Prostituierten gestoßen, was bedeute, daß Â»WhistlersÂ« politische<br />
Karriere beendet sein dürfte, falls diese Tatsache an die Öffentlichkeit<br />
käme, und obendrein wären Yoels Investitionen auch verloren.<br />
Er schlug ihm dann vor, daß er ihm beim Sturz Barscheis helfen<br />
solle. Ran war überrascht, mit welcher Begeisterung Â»WhistlerÂ«<br />
diesem Vorschlag zustimmte. Â»WhistlerÂ« sagte klipp und klar, daß<br />
er kein Fan von Barschel sei und alles tun würde, um ihn dranzukriegen.<br />
Ran, der schon einen fertigen Plan in der Tasche hatte, um<br />
Barschel abzusägen, ging die einzelnen Schritte mit dem Mann, den<br />
er gerade rekrutiert hatte, bedächtig durch, um ihm das Gefühl zu<br />
geben, dieser wäre an dem Planungsprozeß beteiligt. Auch sollte<br />
ihm das Gefühl von eigener Wichtigkeit eingeflößt werden, unter<br />
anderem für den Fall, daß ihm die Schuld zugeschoben werden<br />
mußte, falls etwas schiefging. Ihm wurde darüber hinaus gesagt,<br />
daß man sich finanziell großzügig um ihn kümmern werde, falls<br />
diese Operation seine politische Zukunft gefährde. Ran gab<br />
Â»WhistlerÂ« zu verstehen, daß er zu einer Organisation nach Art der<br />
Mafia gehöre und daß es ausgeschlossen sei, daß er seine Meinung<br />
ändere oder Geschehenes ungeschehen machen könne. Auch dürfe<br />
er über Ran kein einziges Wort verlieren.<br />
Während dieser ganzen Zeit fütterte der Mossad den Verfassungsschutz<br />
des Bundeslandes mit falschen Informationen über (<br />
Barscheis angeblich geheimen Waffengeschäfte und sonstige illegale<br />
Transaktionen, an denen sein Bruder beteiligt sei, quasi als<br />
Strohmann Barscheis.<br />
Der Plan wurde von Mousa gutgeheißen, der für Operationssicherheit<br />
in Europa zuständig war und damals auch als Chef für<br />
Europa fungierte. Bei dieser ganzen Sache hielt man den BND<br />
draußen. Ran ließ Â»WhistlerÂ« falsche, aber sehr schädigende Informationen<br />
über die Führer der Opposition im allgemeinen und den<br />
Spitzenmann der Opposition im besonderen in der örtlichen Presse<br />
verbreiten, ohne die Quelle der Gerüchte verlauten zu lassen oder<br />
aufzudecken, wer scheinbar nicht dichthielt. Als die Wahlen näher<br />
rückten, wurden Mossad-Leute aus Belgien ins Land gebracht, um<br />
als Privatdetektive aufzutreten, die anzuheuern Ran Â»WhistlerÂ«<br />
empfohlen hatte. Sie agierten höchst auffallend, fuhren bei ihrer<br />
Überwachung teure Autos und sammelten auf sehr amateurhafte<br />
Weise Material über den Oppositionsführer, wodurch sie natürlich<br />
die Aufmerksamkeit auf sich lenkten.<br />
Die Sache wurde auf eine Weise durchgezogen, daß höchstens ein<br />
Reporter der Â»Braille TimesÂ« nicht in der Lage gewesen wäre, es als<br />
das zu erkennen, was es war: eine Schmutzkampagne. In der letzten<br />
Minute, als Dementis von Barschel zu spät gewesen wären, um<br />
noch den Wahlausgang zu beeinflussen, gab Â»WhistlerÂ« zu, daß er<br />
hinter den schmutzigen Tricks stecken würde. Er gab an, daß er<br />
dazu von Barschel beauftragt worden sei, wodurch er endgültig die<br />
Karriere eines Politikers beendete, der sich nicht kooperativ zeigte,<br />
und einen Mann ans Ruder brachte, der dazu bereit war. Außerdem<br />
wurde Kohl dadurch in arge Bedrängnis gebracht. Alle Proteste<br />
Barscheis, daß er unschuldig sei, wurden als politische Rhetorik<br />
beiseite gewischt.<br />
Â»Ich glaub, das wäre ein tolles KapitelÂ«, sagte ich. Â»Es enthält all<br />
die schmutzigen Elemente der Mossad-Aktivitäten in einem freundlich<br />
gesinnten Land.Â«<br />
Â»Das ist unmöglichÂ«, sagte Eli. Â»Ran ist noch im Einsatz, und das<br />
würde sowohl ihn als auch Yoel enttarnen.Â«<br />
Â»Wir könnten die Story ein bißchen verändern und trotzdem auf<br />
den Punkt kommen. Wir müßten nur den Ort und die exakten<br />
Angaben ändernÂ«, schlug Uri vor.<br />
Â»Dann vergiß esÂ«, sagte ich. Â»Wenn wir nicht die ganze Story<br />
erzählen können, dann erzählen wir sie gar nicht. Wir könnten<br />
allerdings beide Teile voneinander trennen und das Training der<br />
iranischen Piloten in Deutschland bringen.Â«<br />
Ephraim erklärte, daß noch mehr an der Geschichte dran sei. Er<br />
erzählte, daß nach seiner Niederlage bei den Wahlen (eine direkte<br />
Folge der Kampagne, die Ran organisiert hatte) Barschel seine<br />
BND-Verbindung kontaktierte. Er drohte, das Fehlverhalten des<br />
BND in vollem Umfang offenzulegen, wenn der BND nicht alles tun<br />
würde, um seinen Namen reinzuwaschen. Der BND, der seine<br />
Informationen vom Verfassungsschutz bezog - dieselben Informationen,<br />
die dieser vom Mossad erhalten hatte-, zweifelte nicht<br />
daran, daß Barschel Dreck am Stecken hatte, und bat den Mossad<br />
um Hilfe.<br />
Der Grund, warum der BND den Mossad benutzen mußte, um<br />
mit dieser Situation fertig zu werden, bestand darin, daß sich die<br />
Drohung Barscheis gegen die mittleren Chargen des BND richtete.<br />
Diese hielten entgegen den direkten Befehlen ihrer Vorgesetzten<br />
Kontakt mit dem Mossad. Der BND konnte sich also nicht mit<br />
einem Hilfegesuch an seine eigenen Leute wenden.<br />
Der BND-Kontaktmann sagte dem Mossad-Verbindungsoffizier,<br />
daß innerhalb weniger Tage einige Anhörungen vor einem<br />
Untersuchungssausschuß stattfinden würden, und würde Barschel<br />
vorher nicht Genüge getan, würde er auspacken. Der Zeitrahmen<br />
war zu knapp für den Mossad, um die Operation auf den beiden<br />
Flugfeldern abzubrechen und die israelischen Mannschaften mitsamt<br />
ihrem Material rechtzeitig herauszuholen. Barschel mußte<br />
gestoppt werden, bevor er als Zeuge aussagen konnte.<br />
Der BND gab dem Mossad-Verbindungsmann den Ort bekannt,<br />
an dem Barschel auf den Kanarischen Inseln Urlaub machte, sowie<br />
seine Telefonnummer. Er wohnte in einem Haus, das ihm von<br />
einem Freund zur Verfügung gestellt worden war.<br />
Ran rief Barschel an. Beim ersten Anruf meldete sich niemand.<br />
Eine Stunde später versuchte er es wieder, und jemand antwortete,<br />
daß Barschel im Moment nicht erreichbar sei. Beim dritten Versuch<br />
hatte er Barschel am Apparat und sagte ihm, daß er Informationen<br />
besitze, die helfen könnten, seinen Namen reinzuwaschen. Er stellte<br />
sich als Robert Oleff vor.<br />
Er bestand darauf, daß Barschel nach Genf kommen solle. Er,<br />
Oleff, werde ihm am Flughafen abholen. Barschel verlangte mehr<br />
Informationen, bevor er sich festlegte, und Ran sagte, daß vielleicht<br />
einige interessante Iraner anwesend sein würden, die in das Geschäft<br />
verwickelt seien. Das machte Barschel glauben, daß die<br />
Angelegenheit seriös war. Der Mann am Telefon zeigte sich gut<br />
informiert, Barschel war einverstanden, und sie legten die Details<br />
der Reise fest.<br />
Das Kidon-Team, das direkt von Brüssel geschickt worden war,<br />
wartete bereits in Genf. Nachdem es die Lage in Genf genau<br />
untersucht hatte, kam es zu dem Ergebnis, daß das Hotel Beau-<br />
Rivage am besten seinen Zwecken dienen würde. Ein Stück weiter<br />
gab es eine riesige Baustelle. So etwas war immer gut, um das, was<br />
man in der Eile loswerden wollte, verschwinden zu lassen. Zwei<br />
Einsatz-Paare quartierten sich im Hotel ein: das eine im vierten<br />
Stock, nahe beim Ausgang zum Dach, und das andere, das am<br />
selben Tag wie Barschel ankam, im dritten Stock neben dem<br />
Zimmer, das Ran für Barschel reserviert hatte.<br />
Die übrigen Leute des Teams deckten das Umfeld ab und hielten<br />
sich in der Nähe auf, um nötigenfalls eingreifen zu können. Ran traf<br />
Barschel in dessen Zimmer am Nachmittag des 10. Oktober. Nachdem<br />
er eine Flasche Wein für den von ihm mitgebrachten Käse<br />
bestellt hatte, machte er Barschel zuerst ein Angebot. Barschel sollte<br />
überredet werden, seinen Sturz zu akzeptieren. Ran versprach ihm,<br />
daß man ihn großzügig entschädigen werde. Er versuchte ihm zu<br />
suggerieren, daß das, was er angeblich getan habe, im Bereich der<br />
Politik keine so große Sache darstelle und daß es besser für ihn sei,<br />
die Dinge laufen zu lassen und das Geld zu nehmen. Ran benutzte<br />
den üblichen Satz, den der Mossad so liebte, daß Geld keine Rolle<br />
spiele.<br />
Barschel war sehr ungehalten. Er bestand darauf, daß Ran ihm<br />
die Beweise liefere, die seinen Namen reinwaschen könnten, oder<br />
zu verschwinden. Er war nicht daran interessiert, einen Profit aus<br />
der Sache zu schlagen, sondern er wollte es allen zeigen, die ihn<br />
verleumdet hatten.<br />
Da wurde Ran klar, daß es keine Möglichkeit gab, den Mann<br />
umzustimmen. Die Operation mußte in ihre zweite Phase treten,<br />
was die Beseitigung dieses Mannes bedeutete. Er war jetzt zu einer<br />
Gefahr für die Sicherheit der beteiligten Mossad-Leute geworden.<br />
Es gab aus diesem Grund keine Notwendigkeit, die Zustimmung zu<br />
seiner Eliminierung außerhalb des Mossad einzuholen. Das wäre<br />
bei einer Exekution aus politischen Gründen der Fall gewesen; hier<br />
hätte der Premierminister seine Zustimmung geben müssen. Ran<br />
wollte jedoch das Einverständnis des Mossad-Chefs haben, den<br />
man ständig auf dem laufenden hielt und der am selben Tag wie<br />
Barschel nach Genf gekommen war. Er wohnte im Hotel Des<br />
Bergues am Ende derselben Straße, in der Barschel untergebracht<br />
war. Er hatte sich unter den Namen P. Marshon eingetragen.<br />
Bis der Wein in Barscheis Zimmer ankam, war er schon von<br />
einem Kidon-Mitglied präpariert worden, entweder in der Küche<br />
oder auf dem Weg nach oben. Andere Team-Mitglieder schafften in<br />
Vorbereitung auf den letzten Akt Eisbeutel auf ihre Zimmer. Ran<br />
erzählte Barschel, daß es nur seine Absicht gewesen sei, seine<br />
Standfestigkeit zu prüfen. Da er es offenbar mit einem ehrenwerten<br />
Mann zu tun habe, wolle er ihm helfen. Barschel war immer noch<br />
aufgebracht und weigerte sich weiterzureden, wenn Ran ihm nicht<br />
sofort einen Beweis liefern würde, daß er wirklich seinen Namen<br />
reinwaschen könnte.<br />
Ran rief den Mossad-Verbindungsmann an, der in einem sicheren<br />
Haus wartete. Er bat ihn, seinen BND-Kontaktmann anzurufen,<br />
der Barschel in seinem Hotelzimmer zurückrufen solle, um ihm<br />
zu sagen, daß alles gutgehen würde. Der Verbindungsmann war<br />
darauf vorbereitet, er hatte mit Ran im Vorfeld alle Optionen<br />
abgesprochen. Der BND-Mann stand in Wartestellung bereit; er<br />
war schon im voraus angerufen worden â€” unter dem Vorwand,<br />
etwas Wichtiges würde sich tun.<br />
Einige Minuten später rief der BND-Mann Barschel an und sagte<br />
ihm, daß man die Dinge zurechtrücken werde. Barschel entspannte<br />
sich und trank von dem Wein. Ran täuschte Magenbeschwerden<br />
vor und lehnte ab; er nahm nur etwas von seinem Käse zu sich.<br />
Ran wußte, daß Barschel in etwa einer Stunde ohnmächtig<br />
werden würde, und wollte die direkte Zustimmung des Mossad-<br />
Chefs, um den Job zu beenden. Er sagte Barschel, daß er einige<br />
Papiere holen wolle, die ihn entlasten würden, und daß er in einer<br />
Stunde wieder da sei.<br />
Ran traf den Mossad-Chef in dessen Hotelzimmer. Er gab ihm<br />
eine kurze Zusammenfassung des Vorgefallenen und sagte, daß<br />
Barschel innerhalb weniger Tage vor einem Untersuchungsausschuß<br />
aussagen werde, der Behauptungen über Unregelmäßigkeiten<br />
im Vorfeld der Wahlen prüfen solle. Es gebe keine Möglichkeit,<br />
Barschel davon abzubringen, vor diesem Gremium alles auszusagen,<br />
was er wußte. Ran konnte nicht garantieren, daß alle Beweisstücke,<br />
die Israel belasteten, in der kurzen verbliebenen Zeit von<br />
den Flugfeldern beseitigt wären. Das Risiko einer Entlarvung war<br />
für den Mossad hier viel zu groß, und deswegen gab der Mossad-<br />
Chef sein Einverständnis, den Mann zu eliminieren.<br />
Ran rief die zwei Männer im vierten Stock von Barschels Hotel<br />
an und gab ihnen grünes Licht für die Operation. Sie warteten die<br />
Zeit ab, bis Barschel von dem Mittel imWein eingeschlafen war. Sie<br />
riefen außerdem noch bei ihm an, um sicherzugehen, daß er nicht<br />
wach war. Dann drangen sie in sein Zimmer ein.<br />
Barschel lag auf dem Boden rechts neben dem Bett. Er war<br />
offenbar ohnmächtig geworden und aus dem Bett gefallen. Das<br />
Team zog ein Plastiktuch über das Bett und legte den Bewußtlosen<br />
darauf, mit den Beinen zum Kopfende, damit die nächsten Schritte<br />
einfacher wären. Ein zusammengerolltes Handtuch wurde ihm<br />
unter den Nacken gelegt, als ob er eine Mund-zu-Mund-Beatmung<br />
bekommen sollte. Fünf Leute befanden sich zu dem Zeitpunkt im<br />
Raum. Vier kümmerten sich um das Opfer, und einer füllte die<br />
Badewanne mit Wasser und Eis; das Geräusch würde jedes andere<br />
übertönen. Ein langer, gut geölter Gummischlauch wurde dem<br />
schlafenden Mann in den Hals geschoben, langsam und vorsichtig,<br />
um ihn nicht zu ersticken. Einer schob den Schlauch, während ihn<br />
die anderen Männer für den Fall einer plötzlichen Konvulsion<br />
festhielten. Sie alle hatten so etwas schon vorher gemacht.<br />
Sobald der Schlauch den Magen erreicht hatte, brachten sie am<br />
oberen Schlauchende einen kleinen Trichter an, durch den sie nun<br />
verschiedene Pillen einführten, dazu ab und zu etwas Wasser, damit<br />
sie auch tatsächlich den Magen erreichten.<br />
Danach wurden dem Mann die Hosen heruntergezogen. Zwei<br />
Männer hielten seine Beine hoch, und ein Dritter führte ihm rektal<br />
Zäpfchen mit einem starken Sedativ und einem fiebererzeugenden<br />
Mittel ein. Die Hosen wurden ihm wieder hochgezogen, und<br />
die Leute warteten auf die Wirkung der Medikamente; sie legten<br />
ihm ein Thermometer auf die Stirn, um seine Temperatur zu beobachten.<br />
Nach einer Stunde hatte er hohes Fieber bekommen. Er wurde<br />
dann in das Eisbad gelegt. Der Schock rief starke Körperzuckungen<br />
hervor. Der plötzliche Temperaturwechsel im Verein mit der Wirkung<br />
der Medikamente erzeugte so etwas, was wie eine Herzattacke<br />
aussah. Nach ein paar Minuten stellte das Team fest, daß er<br />
wirklich tot war, und begann das Zimmer aufzuräumen, um keine<br />
Spuren zu hinterlassen. Sie merkten, daß sie den Fehler gemacht<br />
hatten, dem Mann nicht die Kleider auszuziehen, bevor sie ihn in<br />
die Wanne legten. Aber es war zu spät, das noch zu ändern. Sie<br />
merkten auch, daß die Ersatzweinflasche, die sie mitgebracht hatten,<br />
zwar ein Beaujolais war, aber nicht die richtige Marke, so daß<br />
sie keine Flasche hatten, um sie dazulassen.<br />
Die Lage war gespannt. Sie hatten mehrere Stunden in dem Raum<br />
zugebracht, und einige von ihnen waren mehrmals hinausgegangen<br />
und wiedergekommen. Daß sie neben einer toten oder sterbenden<br />
Person Wache hielten, wäre wohl kaum zu erklären gewesen.<br />
Nachdem sie das Zimmer verlassen und das Schild Â»Bitte nicht<br />
störenÂ« angebracht hatten, ging jeder seiner Wege. Zwei Leute<br />
verließen das Hotel noch am selben Abend, das zweite Paar erst am<br />
folgenden Morgen. Die übrigen Mitglieder des Teams hatten die<br />
Stadt schon in derselben Nacht mit dem Wagen verlassen und<br />
fuhren zurück nach Belgien in die Sicherheit des Mossad-Hauptquartiers<br />
in Europa. Ran wurde informiert, daß die Mission erfüllt<br />
war, ebenso der Mossad-Chef, dem ein Team-Mitglied ein Polaroidfoto<br />
von dem Toten brachte.&quot;</p>
<p>LG<br />
Chrysostomos</p>
]]></content:encoded>
<link>https://archiv1.dasgelbeforum.net/index.php?id=266467</link>
<guid>https://archiv1.dasgelbeforum.net/index.php?id=266467</guid>
<pubDate>Sun, 07 Oct 2012 23:26:25 +0000</pubDate>
<dc:creator>Chrysostomos</dc:creator>
</item>
<item>
<title>OT: TV-Hinweis: &quot;Der Tod des Uwe Barschel: Skandal ohne Ende&quot;</title>
<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo zusammen,</p>
<p>heute, 06.10.2012, läuft um 23:30 Uhr auf NDR die Dokumentation &quot;Der Tod des Uwe Barschel: Skandal ohne Ende&quot;. Neue Erkenntnisgewinne darf man sicher nicht erwarten - ich denke, da sind Bücher wie beispielsweise <a href="http://www.amazon.de/Mord-keiner-sein-durfte-Rechtsstaates/dp/3858694622">&quot;Ein Mord, der keiner sein durfte&quot;</a> des ehemaligen leitenden Oberstaatsanwalts Heinrich Wille (Link zu Amazon) bedeutend weiter - aber vielleicht ist die Doku ja doch halbwegs interessant (gibt es auch auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=AwUP5cAlGj0">Youtube</a> - Link ebd.).</p>
<p>Unten angefügt noch der zugehörige Sendertext...</p>
<p>Viele Grüße &amp; ein schönes Wochenende,</p>
<p>H.W.</p>
<p><br />
<em><strong>Der Tod des Uwe Barschel: Skandal ohne Ende</strong><br />
Samstag, 06. Oktober 2012, 23:30 bis 00:15 Uhr [VPS 23:30]</em></p>
<p><em>Am 11. Oktober 1987 wurde der (damalige) schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel tot in der Badewanne eines Genfer Hotels aufgefunden. Es war der dramatische Höhepunkt des bis dahin größten Politskandals in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Bis heute sind die Todesumstände des CDU-Politikers umstritten: War es Selbstmord oder Mord? Die offiziellen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Mord wurden 1998 ergebnislos eingestellt. Dennoch kamen immer wieder neue Details an die Öffentlichkeit, die die Selbstmord-Theorie infrage stellten: Führte Uwe Barschel womöglich ein Doppelleben? Und wie stark und warum wurde politisch auf die Ermittlungen Einfluss genommen?<br />
Autor/in: Patrik Baab,  andreas kirsch,  Stephan Lamby,  Redaktion: Carola Meyer,  Regie: Patrik Baab,  andreas kirsch,  Stephan Lamby</em></p>
]]></content:encoded>
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<pubDate>Sat, 06 Oct 2012 11:20:37 +0000</pubDate>
<dc:creator>HW71</dc:creator>
</item>
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