Noch ein paar kleine Anmerkungen zur derzeitigen Lage in Down Under und Singapore (mT)
Hallo Freunde,
nach meinen Erlebnissen in den Northern Territories durfte ich die Städte Adelaide und Melbourne kennen lernen. Ich muß sagen, Adelaide ist wie auch Perth, das ich schon gesehen habe, eine Perle. Leider ist es im Süden Australiens etwas ab vom Schuß, aber es gibt Direktflüge von SGP aus. Direkt am Ozean gelegen mit einem wunderschönen Strand, einem Fluß durch die Stadt, einem eher englischen oder europäischen Flair, ein bißchen wie Perth oder auch Ottawa in Kanada.
Es ist ein Trend zum Bauen zu beobachten, die typischen Single-Wohnungen, 2-3 Zimmer, aber insgesamt hat die Stadt ihren Flair bis jetzt behalten und ist sehr sauber und ordentlich. Auch scheinen die Preise noch nicht aus dem Ruder gelaufen zu sein. Auch wurde wohl überbaut, so daß das ein oder andere Hochhaus in der Innenstadt als sehr günstiges „short term rental“ zur Verfügung ist. Man bekommt dann leicht für weniger als 150 EUR die Nacht eine wunderschöne 2-Zimmer Wohnung mit mehreren Schlafzimmern, Einbauküche, Waschmaschine, Veranda oder Balkon, etc.
Ganz im Vergleich dazu Melbourne, wo der Zustand nur noch mit dem Ami-Immohype 2006 vergleichbar zu sein scheint. Chinesische Eltern kaufen für ihre Kinder dort Apartments in Innenstadtnähe, nicht weit weg vom Fluß Parry weg, für sagenhafte 750 000 AUD (=500 000 EUR), 60-70 m², 1-2 Schlafzimmer, Wohnzimmer mit Einbauküche und Bad mit Waschmaschine darin. Unten ein Pool im Hochhaus, ein Fitnesscenter, fertig. Nebenan dann eine relativ laute Stadtautobahn, die ab morgens 5h für entsprechenden Lärm sorgt – die Fenster sind nicht besonders dicht. Und wie mir die Australier versicherten, ist es nicht möglich, für diese Chinesen einen Kredit zu bekommen, was wohl gang und gäbe bei den Australiern ist (10% Anzahlung, also Mieten von der Bank…), sondern cash auf den Tisch. Preise von 7500 EUR pro qm für nicht gerade üppig ausgestattete, zentrale Lagen, sind die Regel. In die Penthouse-Kategorie, a la Hamburger Hafenstadt, habe ich gar nicht geschaut. Interessant: einige Eigner dieser Wohnungen bevorzugen auch anstatt Vermietung (das sind dann 500-550 AUD pro Woche) eher Gäste mit Short-Term Stay, für ca. 165 EUR die Nacht.
Die Kinder studieren dann in Australien, die University of Melbourne und die Monash University gehören wohl laut britischer Ausbildungsindustrie (QS Ranking etc.) zu den besten der Welt. Dort lernen sie englisch und bekommen auch noch einen ganz guten Start ins Leben. Ich bin mir sicher, daß die guten chinesischen Unis locker mit den Australiern mithalten können, aber Connections, das Netzwerk, englisch, die eher europäische Einstellung, das kann man sich alles kaufen.
Ich habe mir dann auch so einen Ort einmal angeschaut, und es ist erstaunlich, was die Australier gerade im Zuge der globalen Krise 2008 an Infrastruktur als Keynes-Maßnahmen dort hin gestellt haben. Dort ein Nanozentrum, hier ein Biozentrum, dort ein Zentrum für die Ausbildung der ersten Semester, damit diese sich wohlfühlen, Wahnsinn. Man kann nur der großen Führerin einmal wünschen, sich das einmal anzuschauen und dann ein paar Schlüsse für Deutschland zu ziehen. Dabei waren die Australier durch ihre Einnahmen aus der Mining Industrie gar nicht so schlimm getroffen im Jahre 2008 und kamen schnell wieder auf die Beine.
In Melbourne boomt es jedoch wie verrückt, und diese Wohntürme schießen an allen Ecken aus dem Boden. Die Stadt selber fand ich jetzt nicht ganz so schön wie Adelaide, doch mehr Dreck, aber natürlich ist Melbourne sehr viel größer. Fährt man raus in die Vororte, zB Ivanhoe, findet man sogar eine Heidelberg- und Odenwald-Road, und die Häuser dort sind mehr als großzügig gehalten. Die Bewohner sagen einem, daß sie in der lebenswertesten Stadt der Welt leben würden.
Erstaunlich auch: der Taxifahrer zum Airport erzählte mir, daß er letztes Jahr zum Urlaub in Europa war, nächstes Jahr auch wieder fahren würde, in den Schwarzwald, und er demnächst zum Formel 1 Rennen gehen würde, er wäre auch schon beim GP in Kuala Lumpur in Malaysia gewesen, was immerhin einen 4h Flug weg ist.
Ein anderer Bürger, von Beruf Techniker, erzählte mir, daß er jetzt mit der gesamten Familie 2 Wochen weg nach Vanuatu in die Südsee fahren würde. Bei den Plakaten an den Reisebüros sah man, daß Europa sowie Kreuzfahrten zwischen Singapur und dem Mittelmeer oder sogar bis Europa im Trend liegen.
Ich hatte das Gefühl, daß sich Australien durch diesen ungeheuren Mining-Boom sowie durch den Zustrom von Chinesen und chinesischem Geld für die Wohnungskäufe für die reichen Chinesenkinder in einer unglaublich glücklichen Lage befindet. Demographie ist kein Problem, man läßt nur die besten Ausländer und die, die man braucht, rein ins Land. Ein Rumänen- oder Araberproblem ist unbekannt. Was gebaut wird, kriegt man verkauft, und das zu Fantasiepreisen, denn für die reichen Chinesen aus Shanghai oder Beijing sind die vorgenannten Preise noch eher Schnäppchen.
Das Ganze hat mich sehr an Deutschland in den 80er Jahren erinnert, als Urlaube auch von einfachen Bürgern in fremden Ländern, oft auch in Südostasien oder in Amerika, möglich und affordabel waren.
Ich habe mich dann öfters gefragt, ob es nicht richtiger gewesen wäre, schon Mitte der 90er Jahre, als ich das erste Mal die Gelegenheit dazu gehabt hätte, oder auch Mitte der 2000er Jahre, dorthin auszuwandern. Die Frage wäre natürlich gewesen, ob man es gewagt hätte, in damals eher noch unterentwickelte Städte wie Perth und Adelaide zu gehen und dann klar in den Immobiliensektor. Dort sehe ich nach wie vor Nachholbedarf beim Decken des Bedarfs der reichen asiatischen Studentenklientel , denn auch dort sind gute Universitäten, und was die Oberschichte jetzt schon in Sydney oder Melbourne macht, wird die obere Mittelschicht dann auch mit Städten wie Perth, Adelaide und Canberra wiederholen.
Ich vermute auch, daß Destinationen wie Cairns oder Darwin (auch dort gibt es den ein oder anderen Wohnturm – vor 10-20 Jahren noch undenkbar, dort waren das eher Backpacker-Orte) von reichen Chinesen als Zweitwohnsitze aufgekauft werden. Was jetzt noch Hangzhou etc. ist, wird ähnlich wie bei den Deutschen Mallorca dann eben Cairns oder Darwin werden. Dort liegen meiner Einschätzung nach noch die wirklichen Chancen.
Noch eine kleine Bemerkung zu Singapur, wo mich die Reise dann hingeführt hat: hier sind die Wohnungsverkäufe im letzten Jahr um 60% eingebrochen. Das ist kein Wunder, denn man hat absurde Höhen für die Preise mäßiger Lagen erreicht, die im Preissegment von 500-700 SGD pro ft² (2500 EUR/m²) starten und bis zu 1500 SGD pro ft² (=7500 EUR/m²) gehen, für bessere Lagen leicht auch bis zu 4000 SGD pro ft² (20000 EUR pro m²).
Der Trend scheint sich in Richtung Malaysia hinein fortzusetzen, mal sehen, wie das dort so läuft die nächsten Jahre.
DT
gesamter Thread:
- Noch ein paar kleine Anmerkungen zur derzeitigen Lage in Down Under und Singapore (mT) -
DT,
09.02.2014, 19:50
- Danke für den Bericht owt (oT)
-
Meierding,
09.02.2014, 22:55
- Danke für den Bericht! (oT)
-
Olivia,
18.02.2014, 15:30
- Danke für den Bericht owt (oT)
