kursstützende Message des CEO's
Die Credit Suisse (CS) will trotz einer jetzt erheblich gestärkten Position gegenüber ihrer grossen Schweizer Konkurrentin UBS nicht um jeden Preis die führende Rolle in der Kreditvergabe in der Schweiz übernehmen. Im Geschäft mit der vermögenden privaten Kundschaft sei und bleibe der Schweizer Markt der Anker der CS. Beim Rekrutieren neuer Kundenberater sieht Berchtold erste Anzeichen dafür, dass die Bank von den Problemen der UBS profitiert.
Die CS hat die Klippen in der Hypothekarkrise gut umschifft. Was haben Sie im Vergleich zu anderen Banken besser gemacht?
Wir haben die Risiken richtig eingeschätzt und vor allem die richtigen Konsequenzen gezogen. Wir haben 2006/07 gesehen, dass wir gewisse Geschäftsbereiche zurückfahren müssen. Das braucht immer auch Durchsetzungswille und Überzeugungsarbeit, nicht zuletzt auch bei den Händlern. Rückblickend kann man sagen, dass wir zwar die volle Tragweite der Krise nicht erkannt haben, doch das Epizentrum, das haben wir rechtzeitig gesehen.
Gibt es Anzeichen dafür, dass die Subprime-Krise auf die Vermögensverwaltung übergreift?
Unsere Private-Banking-Kunden sind nicht direkt betroffen – mit ganz wenigen Ausnahmen. Es war jedoch eine gewisse Verunsicherung zu spüren. Die Kunden kannten unser Risikomanagement nicht. Doch sollte das jetzt, mit der sehr detaillierten Präsentation der Zahlen, bereinigt sein. Dennoch gehe ich davon aus, dass die Privatbanken, die kein Investmentbanking haben, weiter versuchen werden, das jetzige Umfeld zu ihren Gunsten zu nutzen. Das ist legitim.
Einzelne Kunden sind also betroffen. Gibt es bei den Produkten, die Sie Ihren Kunden anbieten, noch solche, die Positionen enthalten, die von der Subprime-Krise betroffen sein könnten?
Nein. Einzig in den USA haben wir noch einzelne Kunden mit einer geringen Subprime Exposition. Mit diesen Kunden sind wir in enger Verbindung, aber sie sind an einer Hand abzuzählen.
Zum Private Banking. Warum läuft dieses, nach einigen schwierigen Jahren, plötzlich wieder auf Volltouren?
Noch fahren wir nicht ganz auf vollen Touren. Ich bin überzeugt, dass wir noch zulegen werden. Wir erzielten im 2007 gute Resultate aus unseren verschiedenen Initiativen zur Verstärkung unseres internatinalen Wachstums im Private Banking. Insbesondere hat sich die Region Asien, nach einer gewissen Abflachung, wieder zurück gemeldet. Zum Wachstum hat auch Europa beigetragen und auch Lateinamerika hat wieder Tritt gefasst.
Sie sind zuversichtlich für die Zukunft?
Ja, ich bin zuversichtlich, auch wenn wir gegen Marktentwicklungen nicht immun sind. Die Credit Suisse ist aber äusserst gut positioniert, da spielt die integrierte Bank eine grosse und entscheidende Rolle.
Was heisst das?
Mit der vertieften Zusammenarbeit zwischen Private Banking, Investmentbanking und Asset Management können wir der Kundschaft das entscheidende Mehr an Service bieten, dass uns von unseren Konkurrenten unterscheidet..
Noch vor anderthalb Jahren jubelten Banken wie UBS, Julius Bär und andere über neue Kundenberater, die der CS abgeworben wurden. Jetzt stellen plötzlich Sie Private Banker ein. Was ist anders?
Wir haben zu jener Zeit zu viele Leute verloren, aus den unterschiedlichsten Gründen. Heute ist vieles anders: Die Vorteile unseres Geschäftsmodells – gerade für die Kundenberater – haben sich herumgesprochen. Wir haben sehr gute Leute einstellen können. Entsprechend hat sich jetzt die Situation stabilisiert. In der Vergangenheit kam es Management-Wechseln in bestimmten Regionen. Dies war oft die Folge der neuen integrierten One-Bank. Zum Teil waren Manager betroffen, die die angestammte Funktion nicht mehr hatten oder sich im neuen Umfeld nicht zurecht gefunden haben.
Haben Sie beim Rekrutieren auch von den Problemen der Konkurrenz profitiert?
Das werden wir erst sehen. Wir haben vor allem im vierten letzten Quartal markant zulegen können. Die Attraktivität unserer Plattform ist für Kundenberater ausschlaggebend.
Im Investmentbanking werden die Boni der Händler künftig vermehrt in Aktien ausbezahlt. Zudem wird ein Teil der Bonuszahlungen zurückbehalten für allfällige Verluste in der Zukunft. Wird das Private Banking diesem Modell folgen?
In der gesamten Credit Suisse entrichten wir allen Mitarbeitern ab einer gewissen Bonushöhe den Bonus in Form einer Barkomponente und einer Aktienkomponente. Letztere wird über drei Jahre verteilt. Für 2007 haben wir das noch angepasst und den Aktienanteil leicht erhöht. Das setzt langfristige Anreize, was auch im Interesse der Aktionäre und Kunden ist.
Es flossen erneut über 50 Mrd. Fr. Nettoneugelder. Woher kommen diese Gelder?
50 Prozent des neuen Geldes im vierten Quartal stammt aus Asien. Einen wichtigen Beitrag leisteten auch Europa und der mittlere Osten.
Woher soll das Wachstum in Zukunft kommen?
Credit Suisse strebt jährlich einen Zuwachs von 6 Prozent an Nettoneugeldern an. Diese Gelder werden aus allen Regionen kommen. Die stärksten Wachstumsregionen werden Asien, der Mittlere Osten, Russland und Nord- und Lateinamerika sein. Aber auch die angestammten Märkte wie Westeuropa und die Schweiz werden weiterhin wachsen, einfach langsamer.
«Wir wollen nicht um jeden Preis die Nummer Eins in der Kreditvergabe sein.»
Zum Kredit- und Firmenkundengeschäft in der Schweiz: Noch ist die CS nicht Nummer Eins bei der Kreditvergabe. Peilen Sie das an?
Nein. Wir wollen nicht um jeden Preis die Nummer 1 in der Kreditvergabe sein. Wachstum ist ein klares Ziel von uns, aber es muss profitabel sein. Das heisst, dass wir nur Kredite an Kunden vergeben, die unsere Bonitätskriterien erfüllen. Zudem ist das Kreditgeschäft nicht der einzig relevante Geschäftszweig bei den Firmenkunden. Anlagen- und Devisengeschäfte, Handelsfinanzierung und Leasing sind Bereiche, die zunehmend an Bedeutung gewinnen
Viele Anleger interessiert, in welchem Konjunkturzyklus wir uns jetzt befinden?
Wir befinden uns sicher in einer Abschwächung, es findet eine Verlangsamung statt. Doch ist das eine gesunde Verlangsamung. Wäre das nicht passiert, hätten wir eine massive Inflation gehabt. Von daher denke ich, dass es mittelfristig gesehen gut ist, was jetzt passiert. Das erste Halbjahr 2008 wird sich wohl noch etwas stärker abbremsen. Doch ab der zweiten Hälfte 2008, ersten Hälfte 2009 wird es langsam wieder nach oben gehen.
Was empfehlen Sie Ihren Anlegern?
Ich empfehle Edelmetalle: Gold. Silber. Palladium.
Sollen Anleger jetzt Aktien meiden?
Nein. Aktien sind jetzt sehr günstig und sollten bei nachgebenden Kursen akkumuliert werden. Wir haben immer noch eine grundsätzlich gesunde Konjunktur, sie ist zwar am Abflachen, aber die Gewinne kommen von enorm hohen Niveaus zurück, und die Firmen, zumindest die in Europa, sind gesund.
Was ist mit den Staatsobligationen?
Kurzfristig sind Staatsobligationen ein sicherer Hafen. Anlagen in Staatsfonds würde ich aber in den nächsten Monaten abbauen. Auch weil das Risiko einer Inflation noch nicht vom Tisch ist. Sobald sich die Situation aber wieder gelegt hat, davon gehe ich wie gesagt für spätestens 2009 aus, dann brauchen wir sicher keine Bonds mehr.
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