Geh, drink ma noch a Glaserl Chateauneuf du P-AAA-pe
Die Kreditkrise treibt gar lustige Blüten. Eine deutsche Großbank lädt gestern ihre Kunden zu sich nach Frankfurt, in das 50. Stockwerk ihres sehr passablen Hauptquartiers, um unter dem Motto „Rating und Wein“ ein wenig über Ratingverfahren zu plaudern und dabei das eine oder andere Fläschchen aus dem Burgund und dem Bordeaux zu leeren.
Offensichtlich dachten sich die Veranstalter, dem Thema „Rating“ sollte man sich aktuell besser nicht in nüchternem Zustand nähern oder aber, dass sich der üppige Genuß von edlen Tropfen als perfektes Alibi eignen könnte, sollten sich bei dem einen oder anderen Teilnehmer während der Diskussion des jüngeren „track records“ der Rating-Zunft Kopfschmerzen einstellen.
Aus dem 50. Stockwerk besagter Bank hat man übrigens einen grandiosen Blick auf die deutlich niedrigere EZB, ich konnte also bei einem Häppchen Fingerfood und einem Gläschen Champagner als Aperitif auf Herrn Trichet und seine Compagneros „herabblicken“, alleine schon deswegen hat sich der Abend gelohnt. Aus der Herrentoilette in besagtem Stockwerk hat man darüber hinaus auch noch einen guten Blick auf die ebenfalls deutlich niedrigeren Türme einer anderen deutschen Großbank, man könnte also, wenn man so will, bei der Verrichtung seiner Notdurft das Geschäftsgebahren dieser Bank kontemplieren, sich das „Victory“-Zeichen ihres Vorsitzenden ins Gedächtnis rufen und seine inneren Empörung Ausdruck verleihen. Oder anders gesagt: man kann dort im wahrsten Sinne des Wortes auf die „Deutsche Bank“ pissen, wenn man das möchte …
Aber zurück zum Thema. Die Bank scheut für ihre Kunden keine Kosten und Mühen, und lässt nicht nur einige Flaschen Chateau Haut Brion (ein Spitzenwein!) sowie einen köstlichen „Ribera del Duero“ (100% Tempranillo Trauben, für Freunde des Gelben, die noch nicht wussten, wo der Gutste wohl seinen Nick herhat) kredenzen, sondern fährt auch ihre 2 obersten Leiter Risk Management & Controlling auf, die beide sehr gekonnt durch den Abend führen. Drei Stunden lang „retail rating“, „real estate rating“, „bond rating“, „sovereign rating“, Scoring-Modelle, Monte Carlo Simulationen … ja, man ist auch den jungen Damen und Herren vom Catering sehr dankbar, dass die stets die Gläser nachfüllen, und den Bank-Oberen sowieso, dass sie in Kenntnis des fachlichen Vortrages konsequent auf Alkohol als Rahmenprogramm setzten.
Haben wir was gelernt dabei ? – Ja , wir haben. Nämlich:
1) in der Rubrik „retail rating“ wieder einmal eine eindringliche Erinnerung, WAS über den „gläsernen Kunden“ tatsächlich schon alles an Daten im Umlauf ist. Man würde es schlicht nicht für möglich halten, welche kleinere und größere Vorgänge des täglichen Lebens (Strafzettel. Schwarzfahr-Tickets, Zahlen mit EC-Karte, Einlösen von Payback-Punkten, etc.) systematisch erfasst und in einen größeren Kontext gesetzt werden könnten, wenn dies legal wäre.
2) in der Rubrik „real estate ranking“ ein paar sehr gute neue Einblicke in die aktuelle Malaise, und eine Verstärkung des diffusen Gefühls, dass wir da das Ende der Fahnenstange wohl noch lange nicht gesehen haben.
Glaubt es oder nicht, liebe Freunde, aber einige dieser "Subprime"-CDOs, insbesondere die Tranchen unterhalb von AAA-A, wurden zwischen den Banken so ähnlich gehandelt wie "Knock Out Zertifikate", soll heissen, Bank A kauft Papier von Bank B zu einem Kurs von 92, mit der Maßgabe das, sollte der Kurs des Papiers im Interbankenverkehr jemals auf 75 fallen, das komplette Papier verfällt. Das ist kein Witz! Wir reden nicht über dummdreiste Daytrader, die vor ihren PCs hocken und mit derartigen Papieren ihre 3 Euro Fuffzig verzocken, sondern wir sprechen über die Creme der internationalen Bankenlandschaft, die mittels solcher Spielereien gerade Milliarden versenkt hat.
Aber generell verfestigt sich auch den Eindruck, dass die Banker in ihren derzeitigen Schlamassel weniger deshalb geraten sind, weil es sich bei ihnen samt und sonders um Gangster handelt, sondern viel mehr, weil sie sich – trotz aller Modelle, neuronaler Netze und ähnlicher technischer Spielereien, schlicht einigermaßen saublöd angestellt haben. Zumindest einige von ihnen. Die Branche guckt übrigens tatsächlich sehr neidvoll auf die Kollegen von Goldman Sachs, die wohl als Einzigste smart genug waren sich einzugestehen, dass eine Beleihungsgrenze von 60% des Kaufpreises einer Immobilie bei 100 historisch gerechtfertigt sein mag, bei einem Preis von 200 nur 3 Jahre später aber wohl nicht mehr. Ich weiss zwar nicht, ob’s im Detail tatsächlich so gewesen ist, aber wenn doch: so werden wohl „weisse Elephanten“ und „schwarze Schwäne“ geboren.
Aber im Grunde eh egal, weil an diesem Abend gab es wichtigeres … „Gehen’s Fräulein, schenken Sie mir bitte noch mal was nach von diesem Chateauneuf du P-AAA-pe …“
mein lieber weissgarnix, Gruß von Baal![[[freude]]](images/smilies/freude.gif)
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