Der Euro – Fluch oder Segen?
Skydiver
, Hippie State Packistan, Dienstag, 19.02.2008, 00:31 (vor 6552 Tagen)
Prof. Dr. Hankel – Wirtschaftswissenschaftler und Währungsspezialist – gewährt uns einen interessanten Blick hinter die Kulissen der Gemeinschaftswährung Euro und schildert unmissverständlich seine Haltung zur Situation an den internationalen Börsen.
Hier irrt der Herr Professor ...
weissgarnix
, Dienstag, 19.02.2008, 03:07 (vor 6552 Tagen) @ Skydiver
Hi,
Hankel redet mM nach ziemlichen Käse:
1) Prinzipiell mal muß man sagen, dass alles, was es einer primär exportorientierten Wirtschaft ermöglicht, das Rad noch einmal weiterzudrehen, gut ist. Der Euro reduzierte Transaktionskosten und macht das Verkaufen außerhalb der DM-Welt leichter, ergo war er von diesem Blickwinkel aus schon mal nicht schlecht.
2) Werke in Deutschland und anderswo sind lange vor dem Euro "wegrationalisiert" worden. Primärer Treiber war keineswegs die gemeinsame Währung, sondern der sich zunehmend konstituierende EU-Binnenmarkt, inkl. seiner Ausdehnung in EU-Randgebiete wie die Schweiz. In den Branchen, in denen ich zur damaligen Zeit tätig war (Konsumgüter) standen "D-A-CH"-Projekte an der Tagesordnung, soll heissen, die Rationalisierung von Produktionskapazitäten an einem Standort statt 3en (meist in Deutschland!), weil durch die vonstattengehende Integration "Komplexität" aus den Produkten als auch aus den Prozessen entfernt und somit auf höherer Ebene standardisiert werden konnte. In meiner Branche waren das zB so simple Dinge wie "mehrsprachige Verpackungstexte" (inkl. gesetzlich genormter Angaben), die früher so blühende Fabriken in Österreich und der Schweiz von einem Tag auf den nächsten killten.
3) Das mit dem "hohen" und "höchsten" Lebensstandard der Deutschen in der EU hält meiner Meinung nach empirischen Beobachtungen nicht stand. Statistisch gesehen haben die Italiener glaube ich den höchsten "Lebensstandard" innerhalb der EU, zumindest waren sie eine Zeitlang vorne (kenne die aktuellen Zahlen nicht).
4) Die angeblich "höheren Zinsen" (läßt sich das empirisch belegen? glaube ich fast nicht) verstehe ich schon überhaupt nicht. Die EZB guckt doch nicht arithmetisch auf die einzelnen Länder und dividiert dann simpel durch die Anzahl der Euro-Länder, sondern wird ja wohl gewichten. D.h. der Zustand der deutschen Wirtschaft flösse gewichtet nach seinem Anteil sehr wohl in die Zinsentscheidungen der EZB ein.
5) Was aber Herrn Professor völlig zu entgehen scheint, ist das der Euro, durch die "wirtschaftliche Schwäche" anderer Länder (wie er schreibt), und damit seiner relativ niedrigeren Bewertung im Vergleich zur alten D-Mark, es der deutschen Wirtschaft erlaubt, am Weltmarkt wettbewerbsfähiger zu sein, ohne selbst eine verstärkte, effektive Abwertung vorzunehmen, i.e. durch stagnierende Reallöhne ("moderate Lohnpolitik"). Eine solche gab es in den letzten Jahren durchaus, meine These jedoch, dass sie mit der D-Mark als rein "deutsche" Währung deutlich schärfer ausgefallen wäre. Oder anders gesagt: der Euro hat es den Deutschen erlaubt, sich auf Kosten der Holländer, Franzosen und Italiener "wettbewerbsfähiger" zu machen.
Deutschlands Zinsen
octavian
, Dienstag, 19.02.2008, 04:17 (vor 6552 Tagen) @ weissgarnix
Hi,
Hankel redet mM nach ziemlichen Käse:
4) Die angeblich "höheren Zinsen" (läßt sich das empirisch belegen? glaube
ich fast nicht) verstehe ich schon überhaupt nicht. Die EZB guckt doch
nicht arithmetisch auf die einzelnen Länder und dividiert dann simpel
durch die Anzahl der Euro-Länder, sondern wird ja wohl gewichten. D.h. der
Zustand der deutschen Wirtschaft flösse gewichtet nach seinem Anteil sehr
wohl in die Zinsentscheidungen der EZB ein.
Vor der Währungsunion, war Deutschland ein Hartwährungsland mit niedrigen Leitzinsen. Spanien, Frankreich, Italien usw. waren Weichwährungsländer mit hohen Zinsen.
Nach der Währungsunion, hatte Deutschland diese Wettbewerbsvorteile gegenünbder den Ländern wie Spanien etc. nicht mehr.
So habe ich das verstanden.
Zinsentwicklung seit Euro-Einführung
weissgarnix
, Dienstag, 19.02.2008, 04:59 (vor 6552 Tagen) @ octavian
Nach der Währungsunion, hatte Deutschland diese Wettbewerbsvorteile
gegenünbder den Ländern wie Spanien etc. nicht mehr.So habe ich das verstanden.
Hi,
die deutsche Umlaufrendite war 1996 bei rund 6%, 1997 bei 5%, 1998 (Euroeinführung) bei 4,5% und seither schwankt sie zwischen etwa 3,5 und 4,5% ... Herr Hankel redet also diesbezüglich Nonsense.
Und das Vor-Euro Zinsniveau der einzelnen Länder individuell anzugucken macht schon gar keinen Sinn (tut er glaube ich auch nicht), wenn man außen vor läßt, wie sich die Währungen, Produktivitäten und die Reallöhne in diesen Ländern entwickeln.
Sorry, Euro kam natürlich erst 1999, Umlaufrendite sank auf unter 4% (oT)
weissgarnix
, Dienstag, 19.02.2008, 05:07 (vor 6552 Tagen) @ weissgarnix
- kein Text -
unterschiedliche Zinsniveaus
octavian
, Dienstag, 19.02.2008, 05:32 (vor 6552 Tagen) @ weissgarnix
Nach der Währungsunion, hatte Deutschland diese Wettbewerbsvorteile
gegenünbder den Ländern wie Spanien etc. nicht mehr.So habe ich das verstanden.
Hi,die deutsche Umlaufrendite war 1996 bei rund 6%, 1997 bei 5%, 1998
(Euroeinführung) bei 4,5% und seither schwankt sie zwischen etwa 3,5 und
4,5% ... Herr Hankel redet also diesbezüglich Nonsense.Und das Vor-Euro Zinsniveau der einzelnen Länder individuell anzugucken
macht schon gar keinen Sinn (tut er glaube ich auch nicht), wenn man außen
vor läßt, wie sich die Währungen, Produktivitäten und die Reallöhne in
diesen Ländern entwickeln.
Moin,
ich glaube aber schon das die Leitzinsen und damit das Zinsniveau vor Euroeinführung in den Weichwährungsländern höher waren als das in Deutschland.
Mit Euroeinführung waren dann plötzlich die Zinsniveaus in allen Ländern gleich. Dies hat den ehemaligen Weichwährungsländern schon einen gewissen Vorteil gegenüber Deutschland verschafft.
Ich bin da aber ein absolut unwissender und möchte mich auch nicht allzusehr aus dem Fenster lehnen
[[smile]] .
Klasse Interview - danke für den Link (mkT) - wirklich empfehlenswert
subwave
, Dienstag, 19.02.2008, 03:08 (vor 6552 Tagen) @ Skydiver
....Aufklärung und Hintergrundwissen pur...sehr authentisch und integer...ich werde den link/Interview möglichst vielen empfehlen.
Gruß sub
--
Be the change you want to see in the world - Gandhi-
