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Marktlücke? Ein Forum für die "Generation Doof"?

JoBar, Dienstag, 19.02.2008, 05:45 (vor 6552 Tagen)

weil ... dies hier ist ein BESTSELLER


Wie blöd sind die denn?!

Kann nichts, weiß nichts, will aber viel. Stefan Bonner und Anne Weiss haben der dummen deutschen Jugend ein Buch gewidmet. Offenbar keine blöde Idee: Ihre "Generation Doof" ist diese Woche auf Platz 6 der Besteller-Liste gesprungen.

Der Journalist Stefan Bonner und die Kulturwissenschaftlerin Anne Weiss haben eine Bestandsaufnahme der Dummheit junger Menschen zwischen 15 und Ende 30 in Deutschland vorgelegt. Ihre Einschätzung zur Beweglichkeit der Gehirnströme fällt vernichtend aus: in breiten Teilen der Bevölkerung nur noch schwach ausgeprägt. Für ihre Untersuchung des Trends Doofheit haben sie sowohl Promis als auch normale Leute herangezogen: "Ob Hauptschulbildung oder Hochschulabschluss, das macht oft keinen Unterschied", glaubt Bonner, der sich selbst über seine kärgliche Allgemeinbildung beklagt, die von der Schule nur unzureichend ausgebildet worden sei.

Besonders gegen den Strich geht den beiden Autoren, dass sich ihrer Meinung nach viele Menschen vom Mitdenken und lebenslangen Lernen verabschieden, darunter vor allem die Jüngeren. Als Grund dafür wollen sie den Unterhaltungswahn ausgemacht haben. Viel zu viel Zeit werde vor dem Fernseher verbracht: "Ernste Themen oder Hintergründe interessieren viele von uns nicht mehr", bedauert Bonner.

...
Kostprobe aus dem Werk: "Katharina T. aus Berlin-Pankow, zur Schönsten aus den neuen Bundesländern gekürt, sollte den Fernsehreportern auf einer Deutschlandkarte zeigen, wo Ostdeutschland liegt. Zu viel verlangt. Mit einem entschlossenen Textmarkerstrich teilte sie Deutschland genau in der Mitte längs und schob die Bayern in die neuen Bundesländer ab. Ihre Konkurrentinnen machten es nicht besser. Miss Altmark spaltete Deutschland quer und vergab die vier Himmelsrichtungen so zufällig wie Franziska Reichenbacher die Lottozahlen."

Die Generalabrechnung der beiden 30-jährigen Verlagsmitarbeiter kommt nicht von ungefähr: Beide haben neben dem Studium eine Vielzahl Praktika absolviert, bis sie einen festen Job bekamen. "Die Uni hat uns nicht auf den Beruf vorbereitet, viele Studiengänge gehen völlig an der Arbeitsrealität vorbei", ärgert sich Weiss. Besonders stößt ihr auf, dass vielen Angehörigen ihrer Generation jegliche Eigeninitiative abgeht. Dennoch träumten viele von einer steilen Karriere und teuren Statussymbolen. "Wir sind geübte Nichts-Könner mit gepflegtem Anspruchsdenken", wirft sie der Generation Doof vor.
...
Stefan Bonner/Anne Weiss: "Generation Doof", Bastei-Lübbe, 8,95 Euro

daher http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,535955,00.html

========

dazu auch dies:

...
In einem Buch wie “Generation doof” liest sich so etwas witzig, in der Studie "Die Pisa-Verlierer - Opfer ihres Medienkonsums" aber nicht mehr. Das Kriminologische Forschungsinstitut von Niedersachsen kommt darin zu dem Ergebnis, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Intelligenz und Freizeitverhalten. Die Kurzformel lautet: Je mehr Fernseher, Computer und Spielkonsolen es in den Kinderzimmern gibt, desto dümmer wird der Nachwuchs.
...

aus http://www.readers-edition.de/2008/02/15/die-generation-doof-sitzt-zu-lange-vor-tv-und-...

=========

Aber vielleicht ist das auch eine Sackgasse, weil Lesen, Schreiben, neugierig sein, gepflegt Gedanken auszutauschen sind ja nicht sexy [[euklid]]


J

antworten
 

Ist halt 5 /nach/ zwölf, und nicht vor... (oT)

MI @, Dienstag, 19.02.2008, 05:52 (vor 6552 Tagen) @ JoBar

- kein Text -

antworten
 

Wie sagte Sokrates?

Spartakus, Dienstag, 19.02.2008, 06:49 (vor 6552 Tagen) @ JoBar

„Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer.“

Immer der gleiche Schmarrn und das seit 3000 Jahren.

antworten
 

Sokrates hatte recht

MI @, Dienstag, 19.02.2008, 07:48 (vor 6552 Tagen) @ Spartakus

„Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet
die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert,
wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das
Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die
Lehrer.“

Finde den Spruch ansonsten sehr tröstend. Weist er einen doch daraufhin, daß das alles ganz normal ist und nie anders war. Ich möchte heutzutage trotzdem nicht Lehrer oder Erzieher sein.

Grüße,
MI

antworten
 

Die halbe Wahrheit.

Georges, Dienstag, 19.02.2008, 08:11 (vor 6552 Tagen) @ Spartakus

Es könnte durchaus sein, lieber Spartakus, dass dieser Ausspruch nur die halbe Wahrheit ist und nicht verallgemeinert werden kann. Ich erinnere mich, vor Jahren, einen mit vielen Beispielen versehenen Bericht gelesen zu haben, der aufzeigte, dass Sprüche über problematisches Handeln der Jugend nur in Zeiten kulturellen Niedergangs gemacht wurden. In aufstrebenden Gesellschaften wird die Jugend dagegen eher als Fackelträger des Aufschwungs kommender Zeiten gelobt.
Wie auch immer, dies wäre ein interessantes Forschungsthema für philosophisch angehauchte Historiker. Und würde durchaus in unsere Zeit passen.

Georges

antworten
 

man kann es messen

harry49, Dienstag, 19.02.2008, 08:25 (vor 6552 Tagen) @ Georges

bildgebende verfahren des Gehirnscannen zeigen bei Jugendlichen ein Schrumpfen der Sprachregion und dafür stärker ausgeprägt der Bereich, der für den Daumen zuständig ist

antworten
 

Das Thema "Korrelation" hatten wir doch neulich erst

NaturalBornKieler ⌂ @, Nördliches Norddeutschland, Dienstag, 19.02.2008, 08:44 (vor 6552 Tagen) @ JoBar

Die Kurzformel lautet: Je mehr Fernseher, Computer und Spielkonsolen es in den Kinderzimmern gibt, desto dümmer wird der Nachwuchs. <

Dabei könnte es sich auch um einen prinzipiellen Irrtum handeln. Siehe auch Cum hoc ergo propter hoc

Wenn man eine starke Korrelation zwischen zwei Größen (hier: Doofheit und Medienkonsum) feststellt, dann kann man daraus nicht unbedingt einen kausalen Zusammenhang ableiten. Und wenn doch, dann geht der Zusammenhang vielleicht nicht in die Richtung, die man meint.

Mit anderen Worten: Die sind nicht doof, weil sie so viel fernsehen. Sondern sie sehen so viel fern, weil sie doof sind.

(Auch das ist natürlich nur eine Vermutung.)

Cheers
NBK

--
Dieses Posting wurde ohne Verwendung von Beleidigungen oder persönlichen Angriffen erstellt. Falls diese gewünscht sind, damit das Posting besser in den derzeitigen Grundton des Forums passt, werden sie gern nachgereicht.

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Glaubt jemand, dass es einen Grund gibt auf die Vorgängergeneration stolz zu sein?!!

Jermak @, Dienstag, 19.02.2008, 09:16 (vor 6552 Tagen) @ JoBar

Schaut sie euch doch mal an, die herrschende Elite: die "Spitzenpolitiker"
sind allesamt versammelt in Bushs Enddarm, ihre Politik ist geprägt von Schuldbewusstein gegenüber den Auserwählten; Visionen Fehlanzeige.

Parallel dazu die "Wirtschaftselite": besoffen von Quartalsbilanzen ( Alles Gute kommt aus Amiland ) und zu 100% giergesteuert....

In meinen Augen eine Generation fürn A....


grüsse

jermak

antworten
 

Ich empfehle: Schlag nach bei Ibn Khaldun

JoBar, Dienstag, 19.02.2008, 10:37 (vor 6552 Tagen) @ JoBar

ich greife mal auf eine altes Posting zurück: http://f17.parsimony.net/forum30434/messages/394076.htm

...

Aber im Ernst: Wieso Ibn Khaldun?
Hab ein bischen gegoogelt, scheint ja ein interessanter Typ zu sein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ibn_Khaldun


Nun, in dem Link steht u.a.:

...In diesem Zusammenhang und mit Hilfe des Konzepts der asabiyya erklärt er sowohl in der islamischen als auch in der nicht-islamischen Geschichte den Aufstieg und Fall von Zivilisationen, ... Die Beduinen als Bewohner der ländlichen Regionen haben eine starke asabiyya und sind fester im Glauben, während die Bewohner der Städte im Verlauf mehrerer Generationen immer dekadenter und korrupter werden, ihre asabiyya also an Kraft verliert. Nach einer Spanne von mehreren Generationen ist die auf der asabiyya gründende Macht der städtischen Dynastie derart geschrumpft, dass sie Opfer eines aggressiven Stammes vom Land und mit starker asabiyya wird, der nach Eroberung und teilweiser Zerstörung der Städte eine neue Dynastie stellt


Oder schnell und schmutzig:
Aggressive Eindringlinge erobern ... deren Kinder lassen die eroberten Gebiete aufblühen ... die verweichlichten Enkel prassen nur noch ... ein attraktives Ziel für aggressive Habenichtse ... dann weiter wie oben


Gibt es aber auch als:
Die Väter bauen auf ... die Söhne bringen es zur Blüte ... die Enkel verprassen alles.


In diesen Kontexten hat auch Sokrates recht, weil die Söhne keine guten Krieger sind, die Enkel keine guten Verwalter, die Urenkel keine guten Überlebenden

Und zur Korrelation: Es waren nicht gerade Dummbeutel welche über eine Zeitspanne von mehreren Tausend Jahren ähnliche Schlüsse aus ihren Beobachtungen zogen.

Wir haben es also nicht fünf nach zwölf. Vielmehr scheinen wir planmäßig im Niedergang eines der üblichen Wirtschafts-Zyklen zu sein.


Grüße

J


PS Dazu paßt auch das Aufkommen der ersten, noch als Mafiosi getarnten, Warlords in Europa ( Mazdeonien, Kosovo )

antworten
 

Korrelation ist nicht Kausalität

Holmes @, Dienstag, 19.02.2008, 11:16 (vor 6552 Tagen) @ NaturalBornKieler

Dabei könnte es sich auch um einen prinzipiellen Irrtum handeln. Siehe
auch Cum hoc
ergo propter hoc

Mit anderen Worten: Die sind nicht doof, weil sie so viel fernsehen.
Sondern sie sehen so viel fern, weil sie doof sind.

Hi NBK,

sehr guter Einwand. Oftmals sind es sogar dritte Variablen, die ursächlich für den Zusammenhang sind (Soziale Schicht wirkt sich sowohl auf Intelligenz als auch auf Medienkonsum aus). Dergleichen sollte sich durch entsprechende statistische Verfahren rausmendeln lassen und gehört eigentlich zum Standardwerkzeug von Soziologen.

Ich schau mir grad mal das entsprechende Paper an:
http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/pisaverlierer.pdf

Später eventuell mal ein Kommentar dazu, ich fahre bald in Urlaub :-)

--
Beste Grüße,
Holmes

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