Was das Bafin - Polit- Bankenkartell der DDR 2.0
so produziert: (Gekürzt)
Geldmanager
Das traurige Ende eines Vermögensverwalters aus Oberursel
Heinrich Morgen, Vermögensverwalter aus Oberursel bei Frankfurt, zieht in die Schweiz
18. Februar 2008 Vermögen zu verwalten, kann ganz schön nervig sein. Nicht nur dass die Anleger, die ihr Geld in fremde Hände geben, ständig Bescheid wissen wollen. Auch die Behörden in Deutschland werden immer anstrengender. Wer da viele Milliarden verwaltet, dem macht das nichts aus. Den zusätzlichen Aufwand bezahlt der reiche Kunde einfach mit. Doch wer „nur“ mit ein paar Millionen jongliert und daher auf jeden Pfennig schauen und jede Minute Arbeitszeit gut einteilen muss, der hat es schwer.
Einer davon ist Heinrich Morgen, einer jener unermüdlichen Ackerer aus Oberursel bei Frankfurt. Morgen gibt mit Charttechnik die Richtung für einen Fonds vor, und er vertreibt neuartige Versicherungskonzepte. Aber vor allem will er seine Kunden seriös und unabhängig beraten. Das geht in Deutschland für einen Einzelkämpfer mit angehängtem Sekretariat nicht mehr, so glaubt er. Deshalb hat Heinrich Morgen eine weitreichende Entscheidung getroffen. Obwohl seine Familie im Frankfurter Raum inzwischen fest verwurzelt ist, zieht er in die Schweiz.
Mifid treibt Morgen aus dem Land
„Es ist soweit“, verkündete er zur Jahreswende Kunden, Freunden, Bekannten und allen, die es sonst noch wissen wollten. „Schon lange schwebte über uns das Damoklesschwert“, sagt er. Damit meint er die Mifid-Richtlinie. Das ist eine Vorgabe der Europäischen Union und steht für die englischen Worte: Markets in Financial Instruments Directive. Zu deutsch: Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente. Man könnte auch sagen Finanzmarktrichtlinie. Veröffentlicht wurde dieses grundlegende Werk bereits 2004, doch erst erst seit November 2007 entfaltet es in Deutschland faktisch seine Wirkung.
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Für Heinrich Morgen bedeutet Mifid, dass eine Zulassung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zur Pflicht wird. Dagegen hat er sich von Anfang an gewehrt.
„Wir beraten institutionelle Kunden, die bereits einer vergleichbaren Aufsicht unterliegen und entsprechend geprüft werden“, sagt Morgen. Jede Transaktion, die er als Vermögensverwalter empfehle, werde gemeldet und überprüft. Eine zusätzliche Überprüfung durch die BaFin sei daher unnötig. Ja, sie verursache sogar noch einen hohen Mehraufwand, weil sich jemand persönlich damit beschäftigen müsse. Und das wiederum kann nur ein Spezialist sein, zum Beispiel ein Wirtschaftsprüfer, der sich diese Tätigkeit natürlich fürstlich bezahlen lässt. Zu fürstlich für Morgen.
Im Dreiländereck am Bodensee fühlen sich Vermögensverwalter wohl. Sie haben es nicht weit bis nach Deutschland, genießen aber dennoch die Vorteile der liberalen Schweiz. Dort arbeitet nun auch Heinrich Morgen aus Oberursel.
Kritik an der deutschen Finanzaufsicht
Das ist aber nicht alles. Hinzu kommt: „Ein Nutzen für unsere Kunden - oder für uns - ist dabei nicht zu erkennen - im Gegenteil“, sagt Morgen. „Durch den Mehraufwand verlieren wir Zeit, die wir sinnvoller einsetzen könnten, zum Beispiel in mehr Researcharbeit.“ Ihn stört ganz grundsätzlich überdies, dass die Bafin nicht ökonomisch arbeitet, ihre Ausgaben sich nicht nach ihren Einnahmen richteten.
Bezahlen müsse er: „Die Ausgaben, egal wie sinnvoll sie sind oder wie weit die Bürokratie noch aufgeblasen wird, müssen durch die Mitglieder aufgebracht werden. Eine Leistungskontrolle findet zu keinem Zeitpunkt statt.“
Kein Wunder also, dass Vermögensverwalter wie Morgen - und nicht nur die - immer größere Zweifel an dem Nutzen der deutschen Finanzaufsicht hegen. Morgen fragt: Wurde nicht die IKB-Bank geprüft? Offensichtlich habe die BaFin Eventualverbindlichkeiten in vielfacher Milliardenhöhe außerhalb der Bilanz übersehen oder in ihrer Bedeutung unterschätzt. „Für den Schaden zahlen nicht nur die freien Aktionäre, sondern über die bundeseigene KfW-Bank wir alle mit unseren Steuergeldern.“ Auch die Sachsen-LB führt Morgen als Beispiel für die „mangelhafte Qualität der Prüfarbeit von BaFin und Bundesbank“ an.
„Der größte Flop wurde bei Phoenix gelandet“
„Der größte Flop wurde allerdings bei der Firma Phoenix in Frankfurt gelandet“, schimpft Morgen. Das ist ein Fall, der jeden Vermögensverwalter im Lande seit Jahren in Rage bringt. 2005, als Phoenix Kapitaldienst insolvent wurde, verwaltete das Unternehmen nach eigenen Angaben Gelder von 28.000 Kunden mit einem Gesamtvolumen von 750 Millionen Euro. Die Kunden wurden hauptsächlich per Telefon akquiriert. Versprochen wurden hohe Gewinne. Die dabei möglichen hohen Verluste verschwiegen die Werber am Telefon. In den vom Unternehmen herausgegebenen Broschüren wurde aber deutlich auf die hohen Verlustrisiken und Kosten für das Optionsgeschäft hingewiesen.
Eine Sonderprüfung der BaFin hatte keine wesentlichen Beanstandungen ergeben. „Ich weiß nicht, wie viele Häkchen man in den kontrollierten Auszügen und Belegen vorgenommen hat. Aber eine Prüfung, ob die ausgedruckten Konten überhaupt existieren, fand nicht statt! Das Ergebnis ist bekannt: Der Schaden beträgt etwa 600 Millionen Euro.“
Trotz offensichtlicher Fehler übernehme die BaFin jedoch keinerlei Verantwortung für ihr Handeln - obwohl Phoenix gerade die BaFin-Prüfung zu Werbezwecken reichlich eingesetzt hat, moniert Morgen. Das findet er - und nicht nur er - mehr als ungewöhnlich. Im Wirtschaftsleben sei es doch üblich, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, verweist er etwa auf den Worldcom-Skandal. Da musste eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für ihre Fehler geradestehen, mit der Folge, dass die Firma heute in dieser Form nicht mehr existiert.
Vermögensverwalter sind in ihrer Existenz gefährdet
Ein Prinzipienbruch wäre ja noch zu verkraften, doch was für Morgen nun extrem existenzgefährdend ist: Er und seine Vermögensverwalter-Kollegen sollen nun für einen Teil des Phoenix-Schadens aufkommen. Dabei geht es um solch hohe Beträge für die einzelnen Verwalter, dass dies so manche Existenz bedroht, gerade wenn es sich um Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern handelt.
Der Hintergrund: Finanzdienstleister, die von der Bafin zugelassen sind, müssen zwangsweise Mitglied im EdW werden. Das ist die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen. Für einen Teil der Phoenix-Veruntreuung, etwa 180 Millionen Euro, muss nun der EdW nach derzeitiger Rechtslage aufkommen. Der EdW hat aber nach Kenntnissen von Morgen nur wenige Millionen Euro in der Kasse. Der Rest soll daher auf BaFin-zugelassene Finanzdienstleister umgelegt werden.
Morgen: „Kein Wunder also, dass immer mehr BaFin-Mitglieder ihre Lizenz zurückgeben und nach Auswegen suchen. Wertpapierhandelsbanken zum Beispiel beantragen teilweise eine Vollbank-Lizenz, um aus dem EdW zu flüchten“, hat Morgen beobachtet. Mit der Folge: Je weniger Mitglieder der Entschädigungsfonds hat, um so mehr müssen die verbleibenden Mitglieder zahlen. Eine grandiose Falle für ehrliche Vermögensverwalter - einmal ganz abgesehen davon, dass die endgültige Höhe der zu leistenden Zahlungen noch nicht bekannt und damit auch nicht kalkulierbar sei.
„Wir haben die Hoffnung aufgegeben“
Für Morgen bedeutet die ganze Geschichte: Will er einen Bafin-Stempel für seine Vermögensverwaltung in Deutschland haben, müsste er Mitglied in einem Verband werden, der praktisch vor der Pleite steht und ihn womöglich auch in die Pleite treiben würde. Das war zuviel für Morgen, der gelegentlich gerne gegen Windmühlen ankämpft, doch nun klein beigibt.
„Wir haben die Hoffnung aufgegeben, dass sich an der Situation der kleinen Vermögensverwaltungsgesellschaften in Deutschland etwas ändert und ziehen deshalb die Konsequenzen. Nach acht Jahren ihres Bestehens wird die morgen portfolio AG liquidiert.“
Heinrich Morgen schließt in Oberursel bei Frankfurt und zieht nun in die Schweiz. Nur wenige Kilometer von Deutschland entfernt gründet er am Bodensee eine neue Firma. Schon mehrere deutsche Vermögensverwalter sind in Walzenhausen, er befindet sich also in bester Gesellschaft. In der Schweiz hat er sich dem dem Verband der Schweizerischen Vermögensverwalter (VSV) angeschlossen.
Die Pleite muss er nun nicht mehr fürchten. „In der Schweiz arbeite ich so, wie ich in Deutschland gerne arbeiten würde“, sagt er. Ein wenig traurig ist er gleichwohl. Die ganze Entwicklung hält er für verheerend. Der Dumme ist am Ende schließlich der Kunde, der guten Rat braucht. Wer sowas will, muss nun bald wohl auch regelmäßig in die Schweiz pilgern, wenn er einen ordentlichen Vermögensverwalter braucht. Denn hierzulande werden ratsuchende Anleger meistens nur auf Vertreter treffen, die von Provisionen leben und daher verkaufen müssen. Oder auf Bankberater, deren Qualität sehr schwankend ist und die oft auch das verkaufen, was die höchste Provision bringt.
Vielen Deutschen macht das nichts, wie das blühende Geschäft mit Zertifikaten und Fonds zeigt. Den Banken sowieso nicht. Denn die guten, unabhängigen Vermögensverwalter haben sie inzwischen fast alle ins Schweizer Exil vertrieben. Und neue Konkurrenz von Mitarbeitern, die sich selbständig machen wollen, müssen sie unter den real existierenden Umständen wohl auch nicht mehr fürchten. Das ist fast so gut wie eine Lizenz zum Gelddrucken.
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