Liechtenstein : von Solidarität und Nestbeschmutzern
Fundsache
rbprinz Alois (l.) und Regierungschef-Stellvertreter Klaus Tschütscher: Sie sprachen dem liechtensteinischen Volk aus der Seele, als sie vergangene Woche dem politisch-medialen Grossangriff aus Deutschland mit klaren Worten entgegentraten. Bild Daniel Schwendener
Liechtensteiner sind empört
Deutschland hat Liechtenstein an den internationalen Pranger gestellt. Die Vorwürfe, Liechtenstein betreibe eine «moderne Form des Raubrittertums» und seine Exponenten benähmen sich «nicht zivilisiert», bringen die Volksseele in Rage.
Von Günther Fritz
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck heizte letzte Woche im Vorfeld des Besuchs von Regierungschef Otmar Hasler in Berlin den Konflikt zwischen Goliath und David mit polemischen Äusserungen erst richtig an. So bezeichnete er das Gebaren des Ministaates als «moderne Form des Raubrittertums» und den Kleinstaat als «Räuberhöhle». SPD-Finanzexperte Joachim Poss steigerte diese Schmähung noch zusätzlich mit dem Begriff «Schurkenstaat».
Angriffe schweissen zusammen
Wenn man in diesen Tagen die Stimme der Bevölkerung einfängt, dann stellt man fest, dass ob solcher Anwürfe die liechtensteinische Volksseele kocht und sich eine Welle der Solidarität breit macht. So kann man mit den Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner nicht umgehen! Das schweisst zusammen und ruft eine gemeinsame Abwehr auf den Plan! So stützt die grosse Mehrheit des Volkes die klare Meinung von Erbprinz Alois und Regierungschef-Stellvertreter Klaus Tschütscher, die vergangene Woche diese Anwürfe und Schmähungen klar zurückwiesen. Die liechtensteinische Bevölkerung hat die Aussagen, wonach der Kauf von illegal beschafftem Datenmaterial durch den deutschen Staat einer «Hehlerei im grossen Stil» gleichkomme und fiskalische Interessen nicht über rechtsstaatliche Prinzipien gestellt werden dürfen, mit grosser Genugtuung zur Kenntnis genommen.
Bevölkerung zutiefst entrüstet
Die liechtensteinische Bevölkerung dürfte noch mehr empört sein wie das Schweizer Volk. Wie eine von «SonntagsBlick», «Le Matin Dimanche» und «Il Caffè» in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage ergeben hat, sind 64 Prozent der Befragten in der Schweiz empört, dass Deutschland Millionen zahlte, um an Liechtensteiner Steuerunterlagen zu gelangen. Nur für 27 Prozent ist das Vorgehen der fremden Steuerfahnder in Ordnung. Trotz Turbulenzen in der Bankenwelt wollen 73 Prozent der Schweizer keinesfalls auf das Bankgeheimnis verzichten.
So sprach denn auch Regierungschef-Stellvertreter Klaus Tschütscher vielen Bürgerinnen und Bürgern aus der Seele, als er die «typisch deutsch-teutonische Ausdrucksweise» des SPD-Parteivorsitzenden Kurt Beck, der dem Erbprinzen und dem Justizminister «mangelnde Zivilisation» vorgeworfen hatte, mit deutlichen Worten zurückwies. Und als Regierungschef-Stellvertreter Klaus Tschütscher auf die deutschen Sprüchen, die Fürstenbank sei «geknackt» worden, erwiderte, dass Liechtenstein nicht «Entenhausen» sei, stellte er sich selbstbewusst hinter sein angegriffenes Land und seine Bevölkerung.
Freie Liste unter Beschuss
Auch wenn der politisch-mediale Grossangriff aus Deutschland die meisten Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner zu Herzblut-Patrioten erstarken lässt, gibt es doch auch einzelne Ausreisser. Es könne nicht sein, dass inmitten der Staatengemeinschaft ein Staat sitzt, der aus Steuerflucht Kapital schlägt und aktiv damit wirbt, erklärte Egon Matt, Präsident der Freien Liste gegenüber ausländischen Medien. Im Inland wird eine solche «Nestbeschmutzung» von der Mehrheit der Bevölkerung nicht goutiert. «Politiker und Einwohner, die nicht zu unserem Land stehen können, brauchen wir nicht», sagt z. B. Leserbriefautor Martin Eberle aus Triesenberg.
http://www.vaterland.li/page/lv/artikel_detail.cfm?id=28475
Beste Grüße vom Baldur
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Der Hörer an der Wand hört seine eigne Schand
)Darüberhinaus wäre es zumindest auch eine nette Geste, allen Betroffenen Asyl im Land anzubieten.