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Vatapitta

nereus @, Dienstag, 26.02.2008, 00:30 (vor 6668 Tagen) @ Vatapitta

Hallo Vatapitta!

Du schreibst: mir fällt zu diesem Artikel kein Kommentar ein

Mir schon.
Das Urteil ist ohne Zweifel weltfremd, dürfte aber weniger mit Islam-Kritik als mit handfesten politischen Hintergründen zu tun haben.

Im Artikel liest man nämlich u.a.:

Im konkreten Fall muss Pervez Kambaksch einen hohen Preis für die freimütige Kritik seines Bruder Sayid Yaqub Ibrahimi an diesen Zuständen zahlen. Ibrahimi, ein führender Enthüllungsjournalist, der mit dem "Institut für Berichterstattung über Krieg und Frieden" zusammenarbeitet, hat wiederholt Fälle von Regierungskorruption und Menschenrechtsverletzungen im Norden Afghanistans offengelegt.

In den vergangenen Monaten wurde er zunehmend vom Nationalen Sicherheitsdirektorat, der afghanischen Stasi, schikaniert. Sein Computer wurde durchforstet, er selbst bedrängt, seine Informanten preiszugeben. Nach der Verhaftung von Kambaksch wurde Ibrahimis Büro zugesperrt und sein Haus von Agenten durchsucht. Laut Meldungen hat Hafizullah Khaliqyar, stellvertretender Staatsanwalt für die Provinz Balkh, Journalisten mit Arrest gedroht, sollten sie gegen diese Pervertierung des Rechts protestieren.

Der Bruder des Todeskandidaten hat sich offenbar bei dem korrupten Karsai-Regime mehr als unbeliebt gemacht.
Karsai war aber der, den der Westen viele Jahre lang hofierte und als rettenden Engel gegen die teuflischen Taliban betrachtete.

Unter der Herrschaft der letzt Genannten, die sicher auch keine Waisenknaben waren/sind, ging der Drogenanbau deutlich zurück.
Unter der Nordallianz gibt es permanent Rekordernten zu vermelden und zwar u.a. mit freundlicher Genehmigung durch die deutsche Bundesregierung.

Das geplagte Afghanistan ist seit ca. 30 Jahren Kriegsschauplatz geostrategischer Interessen und hier spielen die Amis, wie fast überall auf der Welt, eine ganz miese Rolle.

Den erstaunlichen Wandel von terroristischen Heckenschützen zu umjubelten Freiheitskämpfern konnte man schon bei der UCK im Kosovo beobachten.

Dann liest man noch:

Der Intellektuelle Mojadedi und Karsai, der ehemalige Berater eines Ölkonzerns und CIA-Trainee, bilden die sanfte und vernünftige Fassade des Landes. Doch wenn man ihre Verknüpfungen mit den verschiedenen Mudschahedin-Fraktionen nachvollzieht, offenbart sich ihre Funktion als Strohmänner für eine habgierige Oligarchie von Klerikalen, Warlords und anderen Gangstern, die Afghanistan heute dominieren.

Das muß man sich wirklich in aller Ruhe zweimal durchlesen.
Die Klerikalen und Warlords, also die dort Seßhaften, das sind die Habgierigen.
Aber die, welche aus viele tausend Kilometern Entfernung „anreisen“ (incl. ihrer einheimischen Helfershelfer), um sich das zu nehmen, was ihnen garantiert nicht gehört, daß sind die Sanften und Vernünftigen.

Wir müssen uns fragen, ob der Einsatz unserer Truppen in Afghanistan wirklich dem Aufbau einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft dient, oder ob wir ein Schergenregime unterstützen, das diese Werte mit den Füßen tritt.

Na, dann fragt Euch das mal in München.
Bin sehr gespannt auf die Antwort und die künftigen Kommentare zur geplanten Truppenverstärkung.

Dein Entsetzen, Vatapitta, zum berichteten Vorfall ist sicher berechtigt.
Aber das Geschehen aus einer etwas größeren Perspektive zu beobachten ist noch viel entsetzlicher.

Nach den vielen zehntausendfach getöteten Unbekannten, was offenbar in keinem Widerspruch zur westlicher Demokratisierungspolitik steht, kräht kein Hahn.

Wie nett die westlichen „Friedensbringer“ tatsächlich sind, erhellte der Skandal um die einst abgeworfenen gelben Lebensmittelpakete im Kriegsgebiet, die den hochexplosiven Sprengmitteln täuschend ähnlich sahen.

Diese verdammte Heuchelei von Politik und Presse ist einfach nur widerlich.

mfG
nereus

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  • Den Islam beleidigt - Todesurteil wg. Internetrecherche in Nordafghanistan - Vatapitta, 25.02.2008, 15:16 [*]
    • Vatapitta - nereus, 26.02.2008, 00:30
      • @nereus - Vatapitta, 26.02.2008, 13:33

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