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Inflation und US-Zentralbankpolitik

Jabberwock @, Dienstag, 26.02.2008, 23:05 (vor 6544 Tagen)

Ronald Kohn (die Nr. der FED) gab gestern (26. Feb) eine Rede, die das Wall Street Journal wie folgt kommentierte:
„Mr. Kohn's speech strongly suggests the Fed will be biased toward lowering rates further, rather than holding them steady, much less raising them. Markets expect the Fed to lower its short-term interest rate target to 2.5% from 3% at its next policy meeting March 18.”

Ebenfalls gestern veröffentlichte das Labor Department auf die Großhandelspreise für Januar 2008 – plus 1 Prozent (also plus 7,9 Prozent gegenüber Vj.) die höchste Steigerung dieser Meßlatte seit 1981

Alles klar?

antworten
 

Inflation, Zinsen

Jacques, Mittwoch, 27.02.2008, 00:53 (vor 6544 Tagen) @ Jabberwock

Ronald Kohn (die Nr. der FED) gab gestern (26. Feb) eine
Rede, die das Wall Street
Journal wie folgt kommentierte:
„Mr. Kohn's speech strongly suggests the Fed will be biased toward
lowering rates further, rather than holding them steady, much less raising
them. Markets expect the Fed to lower its short-term interest rate target
to 2.5% from 3% at its next policy meeting March 18.”

Ebenfalls gestern veröffentlichte das Labor Department auf die
Großhandelspreise für Januar 2008 – plus 1 Prozent (also plus 7,9 Prozent
gegenüber Vj.) die höchste Steigerung dieser Meßlatte seit 1981

Alles klar?


Hallo Jabberwock

alles klar!
Die Banken besinnen sich auf eines ihrer Kerngeschäft - nämlich dem Zinsdifferenzgeschäft.

Bei Licht betrachtet, helfen den Banken tiefe Beschaffungskosten für das Geld. Sie verleihen es teurer weiter und mit dem Zinsdifferenzgeschäft lassen sich die Verluste über die Jahre hinweg doch gut auffangen.
Allerdings mit Nachteilen auch für die guten Schuldner.
Es geht doch einfach gesagt nur darum, die Marge (üblicherweise und im Schnitt ca. 1 bis 1.5%) auszuweiten.
Sagen wir, die Ausweitung betrage nun 3% bis 3.5%.
Die Ausweitung kann aber nicht auf die Preise (Hypothekenschuldner) ausgeweitet werden, sondern die Kosten müssen eben gesenkt werden.
Das ermöglicht die FED.


Auch hier das Gedankenmodell mit groben Zahlen:

Hypothekenmarkt USA insgesamt: 16'000 Mia. bis 20'000(unsere) USD
Ausweitung Zinsdifferenz um Delta 2%: Tiefere Kosten ca. 320 bis 400 Mia.

Bei erwarteten Abschreibungen (nur USA betreffend) dürfte es ca. 5 bis 8 Jahre dauern, bis die Verluste der US Banken (die anderen dürfen sich selber darum kümmern) wieder kompensiert sind.

Das bedeutet, dass auch "stillschweigende Abkommen" zwischen der FED und den US Banken bestehen; nämlich, die tieferen Refinanzierungskosten der Bank nicht als Quersubvention für andere Geschäfte zu gebrauchen.
Angesichts des enormen Drucks dürfte dies aber immer noch willkommener sein, als die "Krise".

Die Frage ist eigentlich nur noch, wie das umgesetzt wird, dass trotz bekannten (weiterem erheblichen) Abschreibungsbedarf die Bilanzen nicht gefährdet werden und der Rückgang der Häuserpreise (wie früher auch schon beschrieben) gestoppt werden kann, wie das Greenspan mittlerweile als eine seiner Hauptforderungen ebenfalls postuliert hat.

Das Ganze ist nicht aussichtslos, scheint mir.

mit Gruss

Jacques

antworten
 

Nachtrag

Jacques, Mittwoch, 27.02.2008, 01:01 (vor 6544 Tagen) @ Jacques

Hallo Jabberwock

alles klar!
Die Banken besinnen sich auf eines ihrer Kerngeschäft - nämlich dem
Zinsdifferenzgeschäft.

Bei Licht betrachtet, helfen den Banken tiefe Beschaffungskosten für das
Geld. Sie verleihen es teurer weiter und mit dem Zinsdifferenzgeschäft
lassen sich die Verluste über die Jahre hinweg doch gut auffangen.
Allerdings mit Nachteilen auch für die guten Schuldner.
Es geht doch einfach gesagt nur darum, die Marge (üblicherweise und im
Schnitt ca. 1 bis 1.5%) auszuweiten.
Sagen wir, die Ausweitung betrage nun 3% bis 3.5%.
Die Ausweitung kann aber nicht auf die Preise (Hypothekenschuldner)
ausgeweitet werden, sondern die Kosten müssen eben gesenkt werden.
Das ermöglicht die FED.


Auch hier das Gedankenmodell mit groben Zahlen:

Hypothekenmarkt USA insgesamt: 16'000 Mia. bis 20'000(unsere) USD
Ausweitung Zinsdifferenz um Delta 2%: Tiefere Kosten ca. 320 bis 400 Mia.

Bei erwarteten Abschreibungen (nur USA betreffend) dürfte es ca. 5 bis 8
Jahre dauern, bis die Verluste der US Banken (die anderen dürfen sich
selber darum kümmern) wieder kompensiert sind.

Das bedeutet, dass auch "stillschweigende Abkommen" zwischen der FED und
den US Banken bestehen; nämlich, die tieferen Refinanzierungskosten der
Bank nicht als Quersubvention für andere Geschäfte zu gebrauchen.
Angesichts des enormen Drucks dürfte dies aber immer noch willkommener
sein, als die "Krise".

Die Frage ist eigentlich nur noch, wie das umgesetzt wird, dass trotz
bekannten (weiterem erheblichen) Abschreibungsbedarf die Bilanzen nicht
gefährdet werden und der Rückgang der Häuserpreise (wie früher auch schon
beschrieben) gestoppt werden kann, wie das Greenspan mittlerweile als eine
seiner Hauptforderungen ebenfalls postuliert hat.

Das Ganze ist nicht aussichtslos, scheint mir.

mit Gruss

Jacques

Nachtrag:
Das bedeutet nun allerdings nicht, dass zwingend eine Tiefzinsphase auf längere Zeit eingeläutet wird. Wesentlich ist die Zinsdifferenz (aus Sicht Banken) und die nominale Belastung der Schuldner (Zinsanhebungen verzögert zum erhofften Anstieg der Nominallöhne [erhofft aus der weiter steigenden Inflation]).

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Provisionsergebnis vs Zinsergebnis

Jabberwock @, Mittwoch, 27.02.2008, 01:55 (vor 6544 Tagen) @ Jacques

Na, ja Jacques, da kann man unterschiedlicher Ansicht sein.
Das sog Provisionsergebnis wird, insbesondere für Geschäftsbanken, immer wichtiger (2006 knapp 30 Prozent des Ertrages). Das wird auch durch diese Graphik der BB (BB Ertragslage der Kreditinstitute, Sept. 2007, S. 18) verdeutlicht.
Der Trend wird wohl kaum umkehrbar sein. Kredite kosten (viel) Eigenkapitalhinterlegung – und Eigenkapital ist das knappste Gut in einer Bankbilanz (Basel II). Am besten gewährt man Kredite, bündelt und strukturiert sie und verkauft sie so schnell wie möglich weiter – siehe Subprime-Misere.
Grüße

Quelle

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