USA vor der größten Wechselreiterei aller Zeiten?
Hi,
die US-Staaten und –Städte sind bekanntlich sehr sauer, weil sie ihre Bonds nur noch zu sehr ungünstigen Konditionen am Markt unterbringen, sie außerdem zweimal an die Rating-Agenturen zahlen müssen: einmal fürs Rating der Bonds selbst und zum zweiten Mal für das Rating der Versicherungen dieser Titel. Es würden so (dreimal) Steuergelder verschwendet, lauten die Standardvorwürfe.
Nun gäbe es zwei Auswege aus dem Dilemma:
1. Übergang zu kurzfristiger Finanzierung via Fed, ohne den für US-Gov-Titel zwingend vorgeschriebenen Weg über den Markt nehmen zu müssen. Die ist mit Laufzeiten von max. 6 Monaten zum Zwecke „issued in anticipation of the collection of taxes“ möglich (Fed Act 14,12). Dabei ist dieser Passus dehnbar, da letztlich alle öffentlich-rechtlichen Verschuldungen Vorgriffe auf künftige Steuereinnahmen darstellen. Damit würden allerdings Longlife-Investments, wie Infrastruktur usw., letztlich mit Wechseln finanziert, aber was macht das schon, da schließlich die Fed einen Diskont bieten kann, was das Ganze billiger machen könnte als die obige Trias.
2. Aus den Muni-Projekten gesonderte „corporations“ machen, die „in unusual und exigent circumstances“ (ungewöhnlich und eilig) direkten Zugang zur Fed haben, sofern dem 5 ihrer Governors zustimmen. Die Fed hat gerade sowieso nur 5 (BB, Kohn, Warsh, Kroszner, Mishkin). Allerdings müssten die eingereichten Papiere indossiert sein (ließe sich u.U. städteweise reihum gestalten) oder „otherwise secured to the satisfaction“ (was immer das heißen mag, man könnte vielleicht auch mit schlichten IOU-Schuldscheinen operieren) der jeweiligen lokalen Fed-Bank, die ihren Diskontsatz alle 14 Tage oder öfter anpassen müsste (13,3; 14, d).
Dieses Not-Diskontfenster (nicht zu verwechseln mit dem im Sommer so heftig diskutierten für Banken) könnte nicht nur für Gesellschaften (corporations) geöffnet werden, sondern seit dem New Deal auch für Private (!) und Partnerships, sofern diese „unable“ sind, „to secure adequate credit accomodations from other banking institutions“, also sonst keinen Cash auftreiben können.
Kurzum: Sollte sich, womit schwer zu rechnen ist, der Credit Crunch noch tiefer einfressen, gäbe es immer noch die Möglichkeit, mit Hilfe der Fed eine All-US-amerikanische Wechselreiterei zu starten und dies möglicherweise zu einem Diskont, der um oder sogar unter ein Prozent gesetzt werden könnte.
Was dies für den USD bedeuten würde, den sich Mr. Paulson als „stark“ wünscht, kann sich jeder unschwer ausmalen.
Gruß!
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