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USA vor der größten Wechselreiterei aller Zeiten?

dottore @, Montag, 03.03.2008, 07:37 (vor 6539 Tagen)

Hi,

die US-Staaten und –Städte sind bekanntlich sehr sauer, weil sie ihre Bonds nur noch zu sehr ungünstigen Konditionen am Markt unterbringen, sie außerdem zweimal an die Rating-Agenturen zahlen müssen: einmal fürs Rating der Bonds selbst und zum zweiten Mal für das Rating der Versicherungen dieser Titel. Es würden so (dreimal) Steuergelder verschwendet, lauten die Standardvorwürfe.

Nun gäbe es zwei Auswege aus dem Dilemma:

1. Übergang zu kurzfristiger Finanzierung via Fed, ohne den für US-Gov-Titel zwingend vorgeschriebenen Weg über den Markt nehmen zu müssen. Die ist mit Laufzeiten von max. 6 Monaten zum Zwecke „issued in anticipation of the collection of taxes“ möglich (Fed Act 14,12). Dabei ist dieser Passus dehnbar, da letztlich alle öffentlich-rechtlichen Verschuldungen Vorgriffe auf künftige Steuereinnahmen darstellen. Damit würden allerdings Longlife-Investments, wie Infrastruktur usw., letztlich mit Wechseln finanziert, aber was macht das schon, da schließlich die Fed einen Diskont bieten kann, was das Ganze billiger machen könnte als die obige Trias.

2. Aus den Muni-Projekten gesonderte „corporations“ machen, die „in unusual und exigent circumstances“ (ungewöhnlich und eilig) direkten Zugang zur Fed haben, sofern dem 5 ihrer Governors zustimmen. Die Fed hat gerade sowieso nur 5 (BB, Kohn, Warsh, Kroszner, Mishkin). Allerdings müssten die eingereichten Papiere indossiert sein (ließe sich u.U. städteweise reihum gestalten) oder „otherwise secured to the satisfaction“ (was immer das heißen mag, man könnte vielleicht auch mit schlichten IOU-Schuldscheinen operieren) der jeweiligen lokalen Fed-Bank, die ihren Diskontsatz alle 14 Tage oder öfter anpassen müsste (13,3; 14, d).

Dieses Not-Diskontfenster (nicht zu verwechseln mit dem im Sommer so heftig diskutierten für Banken) könnte nicht nur für Gesellschaften (corporations) geöffnet werden, sondern seit dem New Deal auch für Private (!) und Partnerships, sofern diese „unable“ sind, „to secure adequate credit accomodations from other banking institutions“, also sonst keinen Cash auftreiben können.

Kurzum: Sollte sich, womit schwer zu rechnen ist, der Credit Crunch noch tiefer einfressen, gäbe es immer noch die Möglichkeit, mit Hilfe der Fed eine All-US-amerikanische Wechselreiterei zu starten und dies möglicherweise zu einem Diskont, der um oder sogar unter ein Prozent gesetzt werden könnte.

Was dies für den USD bedeuten würde, den sich Mr. Paulson als „stark“ wünscht, kann sich jeder unschwer ausmalen.

Gruß!

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Dazu passt ganz gut folgender Fund zu Spanien in Capital

VictorX, Montag, 03.03.2008, 08:10 (vor 6539 Tagen) @ dottore

URL: http://www.capital.de/politik/100009727.html


Jean-Claude Trichet Euro-Zone
Die Sünden der Eurobanker
Spaniens klamme Banken leihen sich in Milliardenhöhe Geld bei der Euro­päischen Zentralbank – ausgerechnet gegen verbriefte Hypothekenkredite. Ein latentes Risiko, denn die Immobilien­blase droht zu platzen.

Theo Waigel dürfte derzeit nicht gerade ruhig schlafen. "Die Währungs- ist keine Trans­fer­union", versicherte er als Finanzminister in den 90er-Jahren unermüdlich seinen skeptischen Landsleuten – und verwies dabei auf Artikel 103 des EG-Vertrages. Danach haftet kein Mitglied der Euro-Zone für Schulden eines Partnerlandes. Doch Papier ist geduldig.

Artikel 103 könnte nun zur Neuinterpreta­tion anstehen. Erzwungen aber nicht von Italien und Belgien – Ländern, denen die Deutschen wegen ihrer hohen Verschul­dung misstrauten –, sondern durch das in dieser Hinsicht unbedenkliche Spanien. Da die Finanzmärkte ausgetrocknet sind, leihen sich spanische Banken im großen Stil Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB). Im Gegenzug hinterlegen sie vor allem immobilienbesicherte Wert­papiere. Davon haben sie im zweiten Halbjahr 2007 laut der Ratingagentur Moody’s 31,6 Milliarden Euro emittiert – das ist fast so viel wie im gesamten Vorjahr. Der historische Rekord gilt unter Exper­ten als Beleg dafür, wie klamm Spa­niens Banken sind. Die Pa­piere "nutzen sie meist als Sicherheiten für Geld­ge­schäfte bei der EZB", heißt es bei Moody’s. Das Problem: Niemand weiß, was sie wirklich wert sind. Denn wegen der globalen Vertrauenskrise gibt es dafür keinen funktionierenden Markt mehr.

Die Praxis der EZB wäre unbedenklich, wenn Spaniens Wirtschaft solide wäre. Doch auf dem Immobilienmarkt hat sich eine Blase gebildet, die demnächst platzen dürfte. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet steckt in einem Dilemma. Nimmt er die spanischen Papiere nicht an, könnte er die latente Krise auslösen, akzeptiert er sie, könnte er auf ihnen sitzen bleiben.

Das letzte Mal gelang es einer iberischen Bank im Juli 2007, verbriefte Hypotheken­darlehen zu verkau­fen. "Der Markt ist dicht", sagt San­die Arlene Fernandez von Moody’s. Manche Händler schmähen die Darlehen bereits als "Son­dermüll". Trichet akzep­tiert sie trotzdem. "Solange sie gute Ratings haben, nehmen wir sie", heißt es bei der EZB. Was die bei einem Markteinbruch wert sind, zeigt sich in den USA. Dort rauschen die Bewertungen nach unten.

In Brüssel ist man besorgt. "Spanische Banken verschieben ihre Risiken in die Bücher der EZB", empört sich ein Berater von Währungskommissar Joaquín Almu­nia. Ein EU-Diplomat argwöhnt gar eine "verdeckte Rettungsaktion". Die ins Gerede gekommenen Wertpapiere, die bei der EZB deponiert sind, dürften inzwischen den Betrag erreichen, mit dem die Bank of England dem britischen Eigenheim­finanzierer Northern Rock zu Hilfe kam. Bräche ein spanisches Institut zusammen, hätte die EZB unverkäufliche Papiere im Tresor. Nach ihrem Statut müssten die nati­o­nalen Zentralbanken haften – die Bundesbank träfe es wegen ihres großen ­Gewichts besonders.

Zwar akzeptiert die EZB Wertpapiere nur mit Sicherheitsabschlägen. Doch das nutzt wenig, wenn eine Immobilienkrise diese entwertet und gleichzeitig die bür­gen­den Banken in Schieflage bringt. "Eini­ge haben ein echtes Klumpenrisiko angesammelt", weiß Thomas Mayer, Euro­pa-Chef­volks­wirt der Deutschen Bank in London. Nach einer Studie seines Hauses sind in Spanien die Eigen­heim­preise um 30 Prozent überhöht, ein gewal­tiges Ange­bot drückt auf den Markt. Die Korrektur ist in vollem Gang. Lan­desweit erwartet die Deutsche Bank für 2008 ­einen Rückgang der Preise von bis zu acht Prozent. In fünf Regionen sind sie bereits gesunken, darunter auf Mal­lorca.

Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken setzt die Kreditklemme zu. Da sie über die Hälfte ihrer Darlehen Immo­bilienbesitzern gewähren, haben sie kaum andere Sicherheiten als Hypotheken zu bieten. Unter Geldhändlern kur­sieren Gerüchte, Spaniens Regierung ermu­tige sie, sich in Frankfurt Geld zu leihen, um den heimischen Markt flüssig zu halten und einen Crash vor der Wah­l im März zu vermeiden. Gerieten die Eigenheim­be­sitzer, die rund vier Fünftel der Wähler stellen, in Panik, wäre das für Ministerpräsident José Luis Zapatero ein Desaster.

Auch die spanische Zentralbank versucht, die Märkte zu beschwichtigen: Der über­hitzte Immobiliensektor werde "weich landen". „Das Argument wurde auch vor der Krise in den USA bemüht“, entgegnet Mayer. Angesichts extrem überbewerte-ter Immobilien sei in Spanien eine Korrektur unvermeidlich. Auch Daniel Gros, Direktor des Center for Euro­pean Policy Stu­dies in Brüssel, prophezeit eine "schmerzliche Anpassung": Zapate­ro kön­ne vielleicht den Ausbruch der Krise verschieben, verhindern könne er sie nicht.

Die dürfte auch die Konjunktur stark beschä­digen. Denn die Spanier kämpfen nicht nur mit einer Preisblase bei Immobilien, sondern auch mit einem aufgeblähten Bausektor. Beide Bran­chen alimentierten die Banken jahre­lang mit bil­ligem Geld. Die gestiegenen Zinssätze im Euro-Raum lassen das nicht länger zu.

Ein Teufelskreis droht
Allein ein Einbruch im Bausektor könnte laut Deutscher Bank das Wachstum jährlich um einen Prozentpunkt verringern. Er dominiert Spaniens Wirtschaft wie nirgendwo sonst in der EU – 18 Prozent trägt er zum Bruttoinlandsprodukt bei. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Sektor 1992, am Ende des Baubooms in den neuen Ländern, bei 14 Prozent. Der Abbau der Überkapazitäten dauerte gut zehn Jahre.

Niedrigere Hauspreise und ein schrumpfen­der Bausektor drohen auf der iberi­schen Halbinsel, eine fata­le Spirale aus Arbeitslosigkeit, Lohnrückgang und Konsumverzicht in Gang zu setzen. Dabei haben die Haus­halte kaum mehr Luft. Sie sind bereits mit 130 Prozent des Jah­res­einkom­mens verschul­det – die höchste Quote der Euro-Zone. Das macht Kreditausfälle zunehmend wahrscheinlich und würde spa­nische Banken ernsthaft gefähr­den, warnt die HSH Nordbank. Ein Stresstest von Moody’s ergab, dass eine harte Landung elf Institute in die Bredouille bringen würde.

Trichets Bewährungsprobe dürfte nach der Wahl in Spanien anstehen. Geraten Institute ins Strau­cheln, steht er vor der Wahl zwischen Pest und Cholera: Soll er den Banken den Hahn zudrehen oder noch mehr dubiose Wertpapiere akzeptieren, um sie liquide zu halten? Trichet wird sich wohl für die zweite Alternative entscheiden – trotz des Bail-out-Verbots in Artikel 103 des EG-Vertrags. "Es ist eine Lebenslüge der Währungsunion, dass ein Land nicht mit Europas Hilfe rechnen kann", urteilt Mayer. Bei einer heraufziehenden Krise müsse die EZB ein­grei­fen. Denn sie hat auch die Stabilität der Finanzmärkte im Euro­-Raum zu garan­tie­ren. Steht die auf dem Spiel, dürf­te das Bail-out-Verbot zweitrangig sein.

von Norbert Mühlberger
capital.de, 15.02.2008
© 2008 capital.de © Foto / Illustration: , dpa

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Vielleicht wird Mallorca auf diesem Weg doch noch ein indirektes Bundesland der BRD *grins* (oT)

LenzHannover, Montag, 03.03.2008, 08:33 (vor 6539 Tagen) @ VictorX

- kein Text -

antworten
 

Vielleicht der Weg, um den Monolinern kräftig unter die Arme zu greifen ....

LenzHannover, Montag, 03.03.2008, 08:16 (vor 6539 Tagen) @ dottore

Hallo Herr Martin,

wäre doch ein hübscher Weg, um den Banken / den Kreditversicherern massiv unter den Arm zu greifen.

Diese "Gemeinde-Anleihen" liegen ja irgendwo und die Kreditversicherer haben entsprechende Rückstellungen für die versicherten Anleihen in der Bilanz.

Das mit dem Heli-Ben funktioniert ja nicht, Bush & Co. hätten ja z.B. keine Möglichkeit da wirklich Geldscheine ein zu sammeln. Da könnten ja nur die Obdachlosen wirklich gut abkassieren. Nein nein nein - das wird nicht gemacht.

Würde die FED diese "Gemeinde-Anleihen" für 1% Zins zu 100% beleihen, wären doch alle glückklich.
Die Anleihe-Inhaber würden erhebliche Kurssteigerungen haben und wieder cash auf dem Konto.
Die Kreditversicherer könnten die Prämien einkassieren, weil der Versicherungsfall ja nicht mehr eintreten kann.

Buffet hat es ja wohl als profitabel angesehen, dieser "Gewinn" würde dann nicht bei Buffet, sondern bei den Inhabern der "Gemeinde-Anleihen" landen.

BB hätte dem US-Volk geholfen, es hat vermeintlich nichts gekostet und alle sind froh.

antworten
 

Geht leider nicht

dottore @, Montag, 03.03.2008, 09:02 (vor 6539 Tagen) @ LenzHannover

Hi Lenz,

zu der beschriebenen Fed-Methode sind keine Anleihen, sondern nur "Kurzläufer" zugelassen (notes, drafts, bills of exchange) - daher ja Wechselreiterei.

Die Papiere können sich nicht auf alte Kredite beziehen, sondern nur auf "neue Geschäfte" (wie auch immer diese zu definieren wären).

Für die fehlgeschlagenen "auctions" (von ca. 300 Mrd nur für 166 Mrd Käufer und weiter fallende Kurse) ist das also nicht zu verwenden. Denn das Geld für die in den auctions normalerweise weiter gereichten Papiere ist bereits verbraten. Also alte Kanalisationen lassen sich damit nicht prolongierend refinanzieren, dazu müssten neue gebaut werden.

Ist halt so eine entfernte Verwandte der Mefo-Wechsel.

Bedauernden Gruß!

antworten
 

bitte nicht dieses böse Wort ...

weissgarnix @, Montag, 03.03.2008, 09:17 (vor 6539 Tagen) @ dottore

Ist halt so eine entfernte Verwandte der Mefo-Wechsel.

Wo ich doch gerade geschrieben habe, dass sich Faber irrt in Sachen Infla ...[[zwinker]]

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