Dazu passt ganz gut folgender Fund zu Spanien in Capital
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Jean-Claude Trichet Euro-Zone
Die Sünden der Eurobanker
Spaniens klamme Banken leihen sich in Milliardenhöhe Geld bei der EuroÂpäischen Zentralbank – ausgerechnet gegen verbriefte Hypothekenkredite. Ein latentes Risiko, denn die ImmobilienÂblase droht zu platzen.
Theo Waigel dürfte derzeit nicht gerade ruhig schlafen. "Die Währungs- ist keine TransÂferÂunion", versicherte er als Finanzminister in den 90er-Jahren unermüdlich seinen skeptischen Landsleuten – und verwies dabei auf Artikel 103 des EG-Vertrages. Danach haftet kein Mitglied der Euro-Zone für Schulden eines Partnerlandes. Doch Papier ist geduldig.
Artikel 103 könnte nun zur NeuinterpretaÂtion anstehen. Erzwungen aber nicht von Italien und Belgien – Ländern, denen die Deutschen wegen ihrer hohen VerschulÂdung misstrauten –, sondern durch das in dieser Hinsicht unbedenkliche Spanien. Da die Finanzmärkte ausgetrocknet sind, leihen sich spanische Banken im großen Stil Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB). Im Gegenzug hinterlegen sie vor allem immobilienbesicherte WertÂpapiere. Davon haben sie im zweiten Halbjahr 2007 laut der Ratingagentur Moody’s 31,6 Milliarden Euro emittiert – das ist fast so viel wie im gesamten Vorjahr. Der historische Rekord gilt unter ExperÂten als Beleg dafür, wie klamm SpaÂniens Banken sind. Die PaÂpiere "nutzen sie meist als Sicherheiten für GeldÂgeÂschäfte bei der EZB", heißt es bei Moody’s. Das Problem: Niemand weiß, was sie wirklich wert sind. Denn wegen der globalen Vertrauenskrise gibt es dafür keinen funktionierenden Markt mehr.
Die Praxis der EZB wäre unbedenklich, wenn Spaniens Wirtschaft solide wäre. Doch auf dem Immobilienmarkt hat sich eine Blase gebildet, die demnächst platzen dürfte. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet steckt in einem Dilemma. Nimmt er die spanischen Papiere nicht an, könnte er die latente Krise auslösen, akzeptiert er sie, könnte er auf ihnen sitzen bleiben.
Das letzte Mal gelang es einer iberischen Bank im Juli 2007, verbriefte HypothekenÂdarlehen zu verkauÂfen. "Der Markt ist dicht", sagt SanÂdie Arlene Fernandez von Moody’s. Manche Händler schmähen die Darlehen bereits als "SonÂdermüll". Trichet akzepÂtiert sie trotzdem. "Solange sie gute Ratings haben, nehmen wir sie", heißt es bei der EZB. Was die bei einem Markteinbruch wert sind, zeigt sich in den USA. Dort rauschen die Bewertungen nach unten.
In Brüssel ist man besorgt. "Spanische Banken verschieben ihre Risiken in die Bücher der EZB", empört sich ein Berater von Währungskommissar JoaquÃn AlmuÂnia. Ein EU-Diplomat argwöhnt gar eine "verdeckte Rettungsaktion". Die ins Gerede gekommenen Wertpapiere, die bei der EZB deponiert sind, dürften inzwischen den Betrag erreichen, mit dem die Bank of England dem britischen EigenheimÂfinanzierer Northern Rock zu Hilfe kam. Bräche ein spanisches Institut zusammen, hätte die EZB unverkäufliche Papiere im Tresor. Nach ihrem Statut müssten die natiÂoÂnalen Zentralbanken haften – die Bundesbank träfe es wegen ihres großen ÂGewichts besonders.
Zwar akzeptiert die EZB Wertpapiere nur mit Sicherheitsabschlägen. Doch das nutzt wenig, wenn eine Immobilienkrise diese entwertet und gleichzeitig die bürÂgenÂden Banken in Schieflage bringt. "EiniÂge haben ein echtes Klumpenrisiko angesammelt", weiß Thomas Mayer, EuroÂpa-ChefÂvolksÂwirt der Deutschen Bank in London. Nach einer Studie seines Hauses sind in Spanien die EigenÂheimÂpreise um 30 Prozent überhöht, ein gewalÂtiges AngeÂbot drückt auf den Markt. Die Korrektur ist in vollem Gang. LanÂdesweit erwartet die Deutsche Bank für 2008 Âeinen Rückgang der Preise von bis zu acht Prozent. In fünf Regionen sind sie bereits gesunken, darunter auf MalÂlorca.
Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken setzt die Kreditklemme zu. Da sie über die Hälfte ihrer Darlehen ImmoÂbilienbesitzern gewähren, haben sie kaum andere Sicherheiten als Hypotheken zu bieten. Unter Geldhändlern kurÂsieren Gerüchte, Spaniens Regierung ermuÂtige sie, sich in Frankfurt Geld zu leihen, um den heimischen Markt flüssig zu halten und einen Crash vor der WahÂl im März zu vermeiden. Gerieten die EigenheimÂbeÂsitzer, die rund vier Fünftel der Wähler stellen, in Panik, wäre das für Ministerpräsident José Luis Zapatero ein Desaster.
Auch die spanische Zentralbank versucht, die Märkte zu beschwichtigen: Der überÂhitzte Immobiliensektor werde "weich landen". „Das Argument wurde auch vor der Krise in den USA bemüht“, entgegnet Mayer. Angesichts extrem überbewerte-ter Immobilien sei in Spanien eine Korrektur unvermeidlich. Auch Daniel Gros, Direktor des Center for EuroÂpean Policy StuÂdies in Brüssel, prophezeit eine "schmerzliche Anpassung": ZapateÂro könÂne vielleicht den Ausbruch der Krise verschieben, verhindern könne er sie nicht.
Die dürfte auch die Konjunktur stark beschäÂdigen. Denn die Spanier kämpfen nicht nur mit einer Preisblase bei Immobilien, sondern auch mit einem aufgeblähten Bausektor. Beide BranÂchen alimentierten die Banken jahreÂlang mit bilÂligem Geld. Die gestiegenen Zinssätze im Euro-Raum lassen das nicht länger zu.
Ein Teufelskreis droht
Allein ein Einbruch im Bausektor könnte laut Deutscher Bank das Wachstum jährlich um einen Prozentpunkt verringern. Er dominiert Spaniens Wirtschaft wie nirgendwo sonst in der EU – 18 Prozent trägt er zum Bruttoinlandsprodukt bei. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Sektor 1992, am Ende des Baubooms in den neuen Ländern, bei 14 Prozent. Der Abbau der Überkapazitäten dauerte gut zehn Jahre.
Niedrigere Hauspreise und ein schrumpfenÂder Bausektor drohen auf der iberiÂschen Halbinsel, eine fataÂle Spirale aus Arbeitslosigkeit, Lohnrückgang und Konsumverzicht in Gang zu setzen. Dabei haben die HausÂhalte kaum mehr Luft. Sie sind bereits mit 130 Prozent des JahÂresÂeinkomÂmens verschulÂdet – die höchste Quote der Euro-Zone. Das macht Kreditausfälle zunehmend wahrscheinlich und würde spaÂnische Banken ernsthaft gefährÂden, warnt die HSH Nordbank. Ein Stresstest von Moody’s ergab, dass eine harte Landung elf Institute in die Bredouille bringen würde.
Trichets Bewährungsprobe dürfte nach der Wahl in Spanien anstehen. Geraten Institute ins StrauÂcheln, steht er vor der Wahl zwischen Pest und Cholera: Soll er den Banken den Hahn zudrehen oder noch mehr dubiose Wertpapiere akzeptieren, um sie liquide zu halten? Trichet wird sich wohl für die zweite Alternative entscheiden – trotz des Bail-out-Verbots in Artikel 103 des EG-Vertrags. "Es ist eine Lebenslüge der Währungsunion, dass ein Land nicht mit Europas Hilfe rechnen kann", urteilt Mayer. Bei einer heraufziehenden Krise müsse die EZB einÂgreiÂfen. Denn sie hat auch die Stabilität der Finanzmärkte im EuroÂ-Raum zu garanÂtieÂren. Steht die auf dem Spiel, dürfÂte das Bail-out-Verbot zweitrangig sein.
von Norbert Mühlberger
capital.de, 15.02.2008
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gesamter Thread:
- USA vor der größten Wechselreiterei aller Zeiten? -
dottore,
03.03.2008, 07:37
- Dazu passt ganz gut folgender Fund zu Spanien in Capital -
VictorX,
03.03.2008, 08:10
- Vielleicht wird Mallorca auf diesem Weg doch noch ein indirektes Bundesland der BRD *grins* (oT)
-
LenzHannover,
03.03.2008, 08:33
- Vielleicht wird Mallorca auf diesem Weg doch noch ein indirektes Bundesland der BRD *grins* (oT)
- Vielleicht der Weg, um den Monolinern kräftig unter die Arme zu greifen .... -
LenzHannover,
03.03.2008, 08:16
- Geht leider nicht -
dottore,
03.03.2008, 09:02
- bitte nicht dieses böse Wort ... - weissgarnix, 03.03.2008, 09:17
- Geht leider nicht -
dottore,
03.03.2008, 09:02
- Dazu passt ganz gut folgender Fund zu Spanien in Capital -
VictorX,
03.03.2008, 08:10
