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das Mephisto-Prinzip: Warum es besser ist, nicht gut zu sein

HermesTrismegistus, Sonntag, 09.03.2008, 14:22 (vor 6536 Tagen)

"das Mephisto-Prinzip" lautet nicht nur ein Vortrag, sondern auch der Titel
eines Buches. Die preisgekrönten Wirtschaftsjournalisten Dirk Maxeiner und
Michael Miersch haben es geschrieben. Im vergangenen Jahr wurde es im
Eichborn Verlag veröffentlicht. Dieses Buch ist nicht sonderlich
wissenschaftlich, aber wunderbar polemisch. Um so mehr Freude hat mir seine
Lektüre bereitet. Einen Teil davon an Sie und Euch weiterzugeben ist mein
Bestreben am heutigen Abend.
Der Inhalt des Buches könnte vor dem Hintergrund der Sozialstaatdiskussion
im diesjährigen Bundestagswahlkampf aktueller nicht sein. Die zentrale Frage
ist:

Was dient dem Gemeinwohl mehr: Umverteilung und Nächstenliebe oder
Profitsucht und Egoismus?

Erinnern wir uns an den Dialog in Goethes Faust erster Teil: "Wenn man Euch
Fliegengott, Verderber, Lügner heißt. Nun gut, wer bist Du denn?" fragt
Faust im Studierzimmer . Mephisto antwortet: "Ein Teil von jener Kraft, die
stets das Böse will, und stets das Gute schafft." Dass auch niedrige Motive
Positives bewirken mögen, ist somit nicht neu. Es ist das Mephisto -
Prinzip. Als These soll es anhand aktueller Fallbeispiele auf seine
Gültigkeit hin überprüft werden.


Zunächst soll die kapitalistische Gesellschaft ganz generell betrachtet
werden. Als Maßstab werden die sozialistischen Ziele Wohlstand, Eigentum,
Friedfertigkeit und Internationalismus herangezogen.
Dass der Kapitalismus der sozialistischen Misswirtschaft bei der Schaffung
individuellen Wohlstands überlegen ist, kann als historische Tatsache
festgestellt werden. Ökonomen haben zudem berechnet, dass der Abstand
zwischen Arm und Reich beispielsweise in der Sowjetunion größer war als in
westlichen Systemen. Bei diesem Vergleich wurden die Privilegien der
Funktionäre berücksichtigt.

Das Volkseigentum an den Produktionsmitteln ist und bleibt im Sozialismus
eine reine Utopie . Dies mussten nicht zuletzt all diejenigen erkennen, die
ihre sozialistischen Heimatländer verlassen konnten oder mußten. Keine Aktie
der staatlichen Betriebe konnten sie mitnehmen. Im Westen dagegen hat sich
der Trend zur Volksaktie entwickelt. Pensionsfonds gehören zumindest in den
USA zu den treibenden Kräften des modernen Kapitalismus.

Die Kriege und Verbrechen an der Menschheit gingen seit der zweiten Hälfte
des 20. Jahrhunderts nicht von skrupellosen Geldsäcken aus. Die treibenden
Kräfte waren asketische Ideologen wie Hitler, Stalin, Mao Tse-tung und
aktuell Bin Laden.
Niemand wird bezweifeln, dass sich die Bosse von Coca Cola und McDonalds
über die grenzenlose Reisefreiheit der Menschen, über grenzenlosen
Warenverkehr und den grenzenlosen Austausch von Ideen freuen. Die
verbliebenen Antikapitalisten in Kuba, Nordkorea und Iran nehmen dazu
bekanntlich eine ganz andere Haltung ein.

Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern Sozialismus, Wohlfahrtsstaat und
Nationalsozialismus hat den Kapitalismus niemand ausgedacht. Wahrscheinlich
können ihn genau deswegen viele Intellektuelle nicht ausstehen. Der
Kapitalismus hat nicht versucht den besseren Menschen zu schaffen. Selbst-
und Genusssucht werden vielmehr instrumentalisiert und durch (liberale)
Regeln dem Gemeinwohl dienlich gemacht. Die soziale Marktwirtschaft im
Erhadtschen Sinne ist ein leuchtendes Beispiel hierfür. Der Kapitalismus hat
die Ziele des Sozialismus erreicht: Internationalismus, Frieden,
Gemeineigentum an den Produktionsmitteln und Wohlstand für alle. Mephisto
läßt grüßen.
Ein Orden buddhistischer Mönche meditiert seit Jahrhunderten in einem
Himalaja Kloster. Ohne ihre positiven geistigen Energien hätte das Schlechte
in der Welt längst triumphiert. Davon sind zumindest die gläubigen Männer
überzeugt. Wer wollte sie widerlegen?
Betrachtet man individuelle Lebensläufe so läßt sich schon eher bestimmen,
inwieweit sie geeignet sind, das Gemeinwohl zu fördern. Vergleicht man
beispielsweise den Werdegang von Daniel Goeudevert mit dem des Ferdinand
Piech, so zeigt sich der Unterschied zwischen gut meinen und gut machen.
Beide sind bzw. waren Automanager. Der eine ist der good guy, der Liebling
der Medien, ein sympathischer Franzose mit der Fähigkeit philosophisch quer
zu denken. Auch Greenpeace feierte seine ökologischen Reformideen. Auf der
anderer Seite der bad guy, ein finsterer und eiskalter Machtmensch. Der
besessene Ingenieur wurde von Greenpeace als potentieller Klimakiller
geoutet. Selbst um Objektivität bemühte Zeitgenossen bescheinigen dem
gebürtigen Österreicher eine "oft erschreckende Rigorosität." In seinem Büro
sollen sogar die Grünpflanzen umgehend eingehen.
Goeudevert zeigte während seiner Kariere bei den Firmen Citroen, Renault,
Ford und Volkswagen vor allen die Fähigkeit sich selbst zu verkaufen. Piech
dagegen drängte ihn und alle anderen Vorstände, die er bei seinem Antritt
bei VW angetroffen hat, aus dem Unternehmen. Sein Prinzip ist das Prinzip
Leistung. Nicht wenige vermuten, dass er von dem Wahn getrieben ist mit
seinem legendären Großvater gleichzuziehen. Seine Bilanz zeigt, dass er das
erreicht hat, wovon der Naturfreund und Charmeur Goeudevert nur
philosophiert hat. Er machte VW profitabel, vermied Massenentlassungen durch
innovative Arbeitszeitmodelle, veröffentlichte als erster
Automobilhersteller einen Ökobericht, realisierte das erste 3-Liter-Auto der
Welt und kündigte im Herbst 2000 gar das 1-Liter-Auto an. Vor wenigen Tagen
machte er sein Versprechen wahr. Zu seiner Verabschiedung als
Vorstandsvorsitzender fuhr er medienwirksam mit eben diesem Fahrzeug. An dem
diabolisch in die Kameras lächelnden Piech hätte Mephisto Freude gehabt.
Das schlimmste Schurkenstück des Kapitalismus seit Erfindung der
Dampfmaschine ist die Globalisierung. Bosse und Börsen-Spekulanten
überziehen die Welt mit der Pest des Freihandels. Bei den Treffen der
internationalen Finanzfachleute machen denn auch die Globalisierungsgegner
nachhaltig auf sich aufmerksam. Auf ihrer Seite sind alle, die es gut mit
der Menschheit meinen: deutsche PDS Sozialisten, indische
Hindu-Nationalisten, rechts konservative Isolationisten in den USA,
Agrar-Lobbyisten aus Europa, Neonazis, religiöse Fanatiker und Kommunisten.
Und sie haben Erfolg. Der stete Tropfen höhlt offensichtlich auch den Stein
der Weisen.
Anläßlich des letzten Weltwirtschaftsforums in New York durfte Vandana
Shiva, eine von Brot für die Welt geförderte indische Ökofeministin, in
einer Plenarsitzung unwidersprochen behaupten, dass die Globalisierung der
größte Genozid der Menschheitsgeschichte sei. Die Manager der Weltkonzerne
übernahmen in den Workshops denn auch die Verantwortung für das Elend dieser
Welt . Sie versprachen es zu beheben. Ungeklärt blieb die demokratische
Legitimation dieser "Masters of the Universe" . Auch die schlichte Frage wie
die Konzerne das notwendige Geld zur Erfüllung dieser Wohltaten verdienen
sollten wurde nicht weiter verfolgt. Die Einsicht, dass es die Einschränkung
der persönlichen Freiheiten ist, die arme Länder ihrer Potentiale beraubt,
wurde ebenfalls konsequent verdrängt.

Statistiken der Weltbank zeigen unmißverständlich, dass Entwicklungs- und
Schwellenländer, die sich am Welthandel beteiligen, eine sinkende
Kindersterblichkeit und eine steigende Lebenserwartung aufweisen. Ihr
Pro-Kopf-Einkommen wächst überdurchschnittlich. Die Armenhäuser dieser Welt
sind Staaten, die auf Autarkie und Abschottung setzen.
In der Abgeschlossenheit gedeihen zudem schmutzige Industrien besser, als in
offenen Volkswirtschaften. Mit mehr als fünf Millionen Tonnen Schwefeldioxyd
in den Abgasen hielt die DDR vor der Öffnung einen traurigen Weltrekord. Die
Profiteure der Erstarrung waren und sind die Arbeitsplatzbesitzer nicht
zuletzt in den Industriestaaten Europas. Überregulierung und uneffektive
Sozialsysteme werden vor dem internationalen Wettbewerb zu lasten der
aufstrebenden Länder geschützt. Mephisto hätte den Ehrenvorsitz bei den
Globalisierungsgegnern verdient gehabt.
Eine weitere Geisel des Turbokapitalismus ist der Kulturimperialismus. Er
wurde glücklicherweise frühzeitig erkannt, so dass sich die Abwehrfront
gegen Coca Cola, McDonalds und Hollywood frühzeitig - wenn auch nicht
sonderlich erfolgreich - formieren konnte. Besonders nett ist das
Nachkriegsgerücht, dass ein Beschäftigter der Wiener Coca Cola Abfüllanlage
in ein Sirupfaß gefallen sei. Sein tödlicher Leichtsinn habe dem Getränk
zusätzliches Aroma gegeben, hieß es damals. Coca Cola bestätigte die
Geschichte umgehend, verwies allerdings darauf, dass es sich um ein Pepsi-
Fass gehandelt habe. Überfällig ist der Vorwurf, dass Coca Cola
genmanipulierten Zucker verwendet. Das britische Wirtschaftsblatt
"Economist" stellte dagegen fest: "je mehr Coca- Cola die Menschen eines
Landes trinken, desto freier, reicher, gesünder und gebildeter sind sie."
Entsprechend raten die Journalisten dem bettelarmen Schlußlicht der
Vergleichsmessung: "Have a Coke, Nordkorea." Coca Cola ist total
opportunistisch. Immer dann wenn die Luft rein ist für gute Geschäfte
steigen die Absätze der koffeinhaltigen Limonade.
Die Mitarbeiter des Gastronomiebereichs hassen McDonalds weil es die Idee
der Dienstleistung exportiert hat. Auch die Grünen vergessen gern, dass
keine andere Gastronomiekette in Deutschland mehr ausländische Mitarbeiter
beschäftigt und mehr sichere Arbeitsplätze für schlecht ausgebildete
Menschen bietet als Big Mac.
Die Hollywood-Serie "Dallas" sollte in Frankreich verboten werden. Die
Dekadenz von Mercedes Cabriolets und Cowboystiefeln aus Krokodilleder war zu
offensichtlich. Löwenmähnige und allseits geliftete Amifrauen, die für eine
kleine Ölquelle alle Skrupel fallen ließen, machten dem damaligen
Kulturminister die Sendung gänzlich unerträglich. Nicht bedacht wird bei
dieser Kritik, dass ganz generell das Fernsehen und das darin propagierte
westliche Frauenbild in den Entwicklungsländern mehr zur Senkung der
Geburtenrate beiträgt als Antibabypillen und Familienprogramme.

In der Folge westlichen Kommerzes reisen universelle Ideen wie die
Gleichberechtigung der Frau, die Menschenrechte und das Umweltbewußtsein um
die Welt. Insofern haben Coca - Cola, McDonalds und Hollywood etwas zur
Verbesserung der weltweiten Lebensbedingungen beigetragen. Dem Westen dabei
gute Absichten zu unterstellen wäre überzogen, doch Mephisto hätte seine
Freude daran.
Die Summe staatlicher Wohltaten ist in Deutschland seit 1960 um 1900 %
gestiegen. In der Folge genießen heutige Sozialhilfeempfänger einen höheren
Lebensstandard als Durchschnittsverdiener in den sechziger Jahren. Diese
wären empört gewesen wenn man sie damals als arm bezeichnet hätte.
Als arm gilt heute in den westlichen Ländern derjenige, welcher weniger als
die Hälfte des aktuellen Durchschnittseinkommens eines Landes erhält. Damit
kann uns die Armut praktisch nicht ausgehen. Etwa jeder 20. Mitbürger kann
zu den wirklich Bedürftigen gezählt werden. Aber jeder dritte
erwirtschaftete EURO wird für Soziales ausgegeben. Betrachtet man diese
Relationen so wird deutlich, dass der absolut größte Teil des Geldes nicht
bei den Behinderten, Verarmten, Alten, chancenlosen Arbeitssuchenden und
überlasteten allein erziehenden Müttern landet. Es sind die Listigen und
Cleveren sowie mächtige staatliche sowie private Verwaltungsapparate, die
von der Umverteilung profitieren. Mephisto ist es gelungen, dass
schätzungsweise auf jeden Bedürftigen 10 kommen, die in seinem Namen
Besitzstände wahren.
Wäre der Rest der Welt so produktiv wie die amerikanische Landwirtschaft, so
würde weltweit etwa nur halb so viel Land wie heute verbraucht. Der
Tropenwald wäre gerettet. Das "Künstliche", d.h. in diesem Fall der richtige
und verantwortungsvolle Umgang mit den landwirtschaftlichen
Hightech-Produkten ist durchaus geeignet das "Natürliche" zu retten. Die
bereits zitierte Vandana Shiva rät den Armen dieser Welt jedoch auf
gentechnisch verbesserten Reis zu verzichten und statt dessen mehr Leber,
Eigelb und Spinat zu verzehren. "Wenn das Volk kein Brot hat, soll es Kuchen
essen" hatte schon Marie Antoinette erkannt. Für die betroffenen gilt wie so
oft auch in diesem Fall: "Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde."
Der moderne Massentourismus führt früher oder später zur Vernichtung des
Schönen auf der Welt und zum Umweltkollaps. So lautet die Gleichung der
Ökoelite. Übersehen wird dabei, dass kein Wirtschaftszweig so auf sauberes
Wasser, reine Luft und intakte Natur angewiesen ist, wie der Tourismus. Die
Zahl der Großschutzgebiete stieg im zwanzigsten Jahrhundert von 10 auf über
12.000. Ihre Unterhaltung wäre ohne die Einnahmen aus dem Tourismus in
vielen Regionen der Welt undenkbar. Jeder fünfte Arbeitsplatz auf dem Globus
hängt vom Fremdenverkehr ab. Der Flächenbedarf dieses Gewerbes ist dabei
wesentlich geringer als der der traditionellen Landwirtschaft. Jumbo, Bambi
und Simba verdanken nicht selten ihr Leben der skrupellosen Geldgier von TUI
und Co. Das Mephisto-Prinzip beweist seine Leistungsfähigkeit in zahlreichen
Facetten des täglichen Lebens.
Gemeinwohl und Egoismus gelten gemeinhin als unvereinbar.
Gesellschaftspessimisten werden denn auch nicht müde den Trend zur
"Ich-Generation" zu geißeln. Sie jagt dem Geld hinterher, um es auf den
Parties der oberflächlichen Spaßgesellschaft wieder zu verpulvern. Die mit
der Individualisierung verbundene emotionale Eiszeit führt zu einer
steigenden Scheidungsrate und in eine trostlose Singlewelt. Unberücksichtigt
bleibt dabei, dass die Wiederverheiratungsrate ebenfalls steigt und die Zahl
der Dauerpaare ohne Trauschein ebenso. Auch gibt es nicht weniger, aber
andere Gemeinschaften, in denen sich die Menschen zusammenfinden. Kirche und
Pfadfinder verlieren an Mitgliedern aber Fußballvereine, Ehrenämter sowie
Sekten verzeichnen Zulauf. Die These vom Rückzug in das Private ist somit
populär aber nicht unbedingt richtig.
Zu bedenken ist zudem, dass die Gemeinschaft nicht per Definition besser ist
als der Egoist. Egoisten sind in der Regel friedfertige Menschen. Sie wissen
dass es schwer ist Nutzen aus jemandem zu ziehen, wenn man ihn vorher
totschlägt. Religiöse, rassische oder politische Verfolgungen gehen hingegen
immer von Gemeinschaften aus. Es ist ein Glanzlicht des Mephisto-Prinzips,
das ausgerechnet Egoisten der Gemeinschaft dienlich sein können. Energie
wird nicht dort gespart, wo besonders umweltbewußte Menschen leben, sondern
dort, wo die Mieter individuelle Heizkostenabrechnungen bekommen. Der
Metzger, der Bauer und der Bäcker suchen die Gewinnmaximierung, ihre
Leistungen sind zugleich ein Quell des Gemeinwohls. Der egoistische Mensch
versucht aus den gegebenen Möglichkeiten seinen Vorteil zu ziehen. Es ist
moralisch nicht erbaulich, hilft aber dem Einzelnen und nützt in der Summe
der Gesellschaft. Befreit man den Kapitalismus vom Egoismus, so nimmt man
ihm seine Triebfeder.
Vielfach erliegt man der Illusion, dass das kollektive Nichtstun zu mehr
Sicherheit führt. Die Bürgerrechtsbewegung in der ehemaligen DDR zeigt den
darin liegenden Irrtum beispielhaft. Indem das diktatorische System in die
Enge getrieben wurde, war der Weltfrieden gefährdet. Die Überwindung der
verkrusteten Strukturen führte zu größerer individueller Freiheit sowie
weltweiter Entspannung. Das Mephisto-Prinzip ist ein Lob des kalkulierten
Leichtsinns - individuell wie kollektiv. Die mit großem Ernst geführte
Gentechnikdebatte in unserem Land ist ein positives Beispiel für
verantwortungsbewußtes Handeln in diesem Sinne.
Wenngleich das achte Gebot das Lügen und "falsch Zeugnisreden" streng
untersagt, halten die Menschen aller Völker seit Jahrtausenden an ihren
kleinen, schmutzigen Lügen hartnäckig fest. Wir leben mit einer "verlogenen
Politik", in einer "verlogenen Gesellschaft" und besitzen eine "verlogene
Moral". Ein durchschnittlicher Mann gibt täglich etwa 12.000 Worte, eine
durchschnittliche Frau ca. 23.000 Worte von sich. Ein Gutteil davon ist
nicht ganz ehrlich gemeint. Die absolut meisten Unwahrheiten dienen dazu das
Selbstwertgefühl des Getäuschten zu heben oder zumindest nicht zu
beschädigen. Therapeutische Lügen vermögen gar Kranke zu heilen. Über die
Hälfte der Magendarmstörungen und fast 50 % der Rheumafälle sollen sich
durch Placebos beheben lassen.
Die häßlichen Gattungen der Lüge, wie Verrat und Denunziation sind
erfreulicherweise die seltene Ausnahme. Wenn wir diese einmal ausklammern,
so ist es ein Akt der Ehrlichkeit wenn wir der wohl dosierten Lüge
moralischen Wert und praktischen Nutzen für die Gesellschaft bescheinigen.
Das Paradies der nackten Wahrheiten ist sehr wohl geeignet eine soziale
Hölle herbeizuführen. Mephisto ist ein Freund der Lüge.
Er liebt auch das Laster. Das Verbot von Rauschmitteln in Form von Alkohol
und Drogen ist moralisch und gesundheitspolitisch konsequent. Die
Erfahrungen mit der Prohibition in den USA haben allerdings gezeigt, dass
dieses Gesetz weniger dem Alkoholismus geschadet hat als vielmehr der
Kriminalität förderlich war. Die Drogengesetzgebung der westlichen Welt ist
zweifellos eine der wichtigsten Ressourcen der Mafia und der Nährboden einer
zuweilen brutalen Beschaffungskriminalität. Ob eine Liberalisierung in
diesem Bereich der Gesellschaft mehr nützt als schadet ist eine teuflische
Frage. Die Antwort werden wir voraussichtlich niemals erfahren, denn
Mephisto hat es so eingerichtet, dass bereits eine Diskussion hierüber
geeignet ist Freundschaften zu zerbrechen.
Die Menschheit kann generell eingeteilt werden in die vier Kategorien:
fleißig, faul, intelligent und dumm.
Intelligente und fleißige Menschen sind selbstredend für die Schaffung
gesellschaftlichen Wohlstands besonders wertvoll. Allerdings sind sie
regelmäßig in der Minderheit.

antworten
 

mephisto teil 2

HermesTrismegistus, Sonntag, 09.03.2008, 14:25 (vor 6536 Tagen) @ HermesTrismegistus

Intelligente aber faule Menschen sind nicht selten besonders innovativ.
Durch ihre Erfindungen wollen sie sich und anderen eine Menge Arbeit
ersparen. Johannes Gutenberg etwa mag zu faul gewesen sein Bücher zu
schreiben. Für Regierungen und Verwaltungen sind diese Faulpelze häufig ein
Segen. Als Musterbeispiel kann der ehemalige EU-Kommissar Martin Bangemann
gelten. Der Freizeitgestaltung für sich und seine Mitarbeiter widmete er
sich mit ausgesprochener Kreativität. Damit konnte er der Deregulierung des
europäischen Telefongeschäfts nicht im Wege stehen. Die Gebührenrechnungen
sanken drastisch und die Anzahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich stieg
ebenso deutlich. Der Name von Bangemann's Segelyacht lautete - für den
aufmerksamen Zuhörer nicht weiter verwunderlich - Mephisto.
Dumme und zugleich faule Zeitgenossen sind häufig nett, wenig gestreßt und
vielfältig einsetzbar. Getreu der Devise: "Im Wege stehen kann jeder,
Nichtstun will gelernt sein", können sie zwar eine Belastung aber keine
Bedrohung für die gesellschaftliche Evolution darstellen.
Anders sieht das bei den dummen und zugleich fleißigen Mitmenschen aus. Sie
sind in der Lage "...jede Firma, jede Organisation und jede Beziehung." zu
ruinieren. In Deutschland dürfte der Bevölkerungsanteil der Dummen und
Fleißigen nicht höher oder niedriger sein als anderswo. Auffallend ist der
Anteil der Fleißigen in Regierungsämtern, Behörden und Verwaltungen, die
dort dumme Dinge tun. Anders läßt es sich nicht bezeichnen, wenn in der Zeit
von 1948 bis 1998 nicht weniger als 5.500 Gesetze, 18.000 Verordnungen und
Paragraphen erzeugt und dem Bürger zugemutet werden. Im Steuerrecht kommen
jährlich "... 40 neue Erlasse, 200 Bundesfinanzhofurteile, 1.000
Durchführungsverordnungen und 3.000 Finanzgerichtsurteile hinzu." Die
ausgebrochene Regulierungswut hat beispielsweise eine Ausbildungsverordnung
für Gärtner hervorgebracht, die mehr als 7.000 Seiten umfaßt. In unserem
Land gibt es annähernd so viele Staatsdiener wie Selbständige: "Nummer 1
bezahlt Nummer 2 dafür, dass sie ihm im Wege steht." Eine solche
Gesellschaft braucht sich nicht über Blaue Briefe aus Brüssel zu wundern.
Da sich Dummheit nicht verbieten läßt fordert Mephisto das Recht auf
Faulheit. Dem will ich mich nunmehr anschließen und meine Ausführungen zum
Mephisto-Prinzip beenden.

antworten
 

Danke für diesen wunderbar philosophischen Beitrag (oT)

Phoenix, Montag, 10.03.2008, 13:09 (vor 6535 Tagen) @ HermesTrismegistus

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