mephisto teil 2
Intelligente aber faule Menschen sind nicht selten besonders innovativ.
Durch ihre Erfindungen wollen sie sich und anderen eine Menge Arbeit
ersparen. Johannes Gutenberg etwa mag zu faul gewesen sein Bücher zu
schreiben. Für Regierungen und Verwaltungen sind diese Faulpelze häufig ein
Segen. Als Musterbeispiel kann der ehemalige EU-Kommissar Martin Bangemann
gelten. Der Freizeitgestaltung für sich und seine Mitarbeiter widmete er
sich mit ausgesprochener Kreativität. Damit konnte er der Deregulierung des
europäischen Telefongeschäfts nicht im Wege stehen. Die Gebührenrechnungen
sanken drastisch und die Anzahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich stieg
ebenso deutlich. Der Name von Bangemann's Segelyacht lautete - für den
aufmerksamen Zuhörer nicht weiter verwunderlich - Mephisto.
Dumme und zugleich faule Zeitgenossen sind häufig nett, wenig gestreßt und
vielfältig einsetzbar. Getreu der Devise: "Im Wege stehen kann jeder,
Nichtstun will gelernt sein", können sie zwar eine Belastung aber keine
Bedrohung für die gesellschaftliche Evolution darstellen.
Anders sieht das bei den dummen und zugleich fleißigen Mitmenschen aus. Sie
sind in der Lage "...jede Firma, jede Organisation und jede Beziehung." zu
ruinieren. In Deutschland dürfte der Bevölkerungsanteil der Dummen und
Fleißigen nicht höher oder niedriger sein als anderswo. Auffallend ist der
Anteil der Fleißigen in Regierungsämtern, Behörden und Verwaltungen, die
dort dumme Dinge tun. Anders läßt es sich nicht bezeichnen, wenn in der Zeit
von 1948 bis 1998 nicht weniger als 5.500 Gesetze, 18.000 Verordnungen und
Paragraphen erzeugt und dem Bürger zugemutet werden. Im Steuerrecht kommen
jährlich "... 40 neue Erlasse, 200 Bundesfinanzhofurteile, 1.000
Durchführungsverordnungen und 3.000 Finanzgerichtsurteile hinzu." Die
ausgebrochene Regulierungswut hat beispielsweise eine Ausbildungsverordnung
für Gärtner hervorgebracht, die mehr als 7.000 Seiten umfaßt. In unserem
Land gibt es annähernd so viele Staatsdiener wie Selbständige: "Nummer 1
bezahlt Nummer 2 dafür, dass sie ihm im Wege steht." Eine solche
Gesellschaft braucht sich nicht über Blaue Briefe aus Brüssel zu wundern.
Da sich Dummheit nicht verbieten läßt fordert Mephisto das Recht auf
Faulheit. Dem will ich mich nunmehr anschließen und meine Ausführungen zum
Mephisto-Prinzip beenden.
gesamter Thread:
- das Mephisto-Prinzip: Warum es besser ist, nicht gut zu sein -
HermesTrismegistus,
09.03.2008, 14:22
- mephisto teil 2 -
HermesTrismegistus,
09.03.2008, 14:25
- Danke für diesen wunderbar philosophischen Beitrag (oT)
-
Phoenix,
10.03.2008, 13:09
- Danke für diesen wunderbar philosophischen Beitrag (oT)
- mephisto teil 2 -
HermesTrismegistus,
09.03.2008, 14:25
