Der sfr ist bei etwa 800 USD pro Oz zu 100% mit Gold gedeckt (mTuL)
Artikel aus der NZZ vom 21.10.2007, NZZ am Sonntag:
Wider den Hunger nach Gold
Der Schweizerfranken ist durch Gold gedeckt – diese positive Meldung verdankt das Land dem rekordhohen Goldpreis. Doch auch der relativ hohe Goldbestand der Nationalbank hat damit zu tun. Soll die Notenbank jetzt noch mehr Gold verkaufen, oder sollte der Schweizerfranken sich die weltweit einmalige Golddeckung des Notenumlaufs bewahren?
Normalerweise geben sich Ökonomen und Notenbanker sehr blasiert, wenn es ums Gold geht. Die Notenbanken schöpfen Geld aus freiem Ermessen, wie gerade jetzt während der Finanzkrise zu Dutzenden von Milliarden Euro und Dollar. Gold spielt dabei keine Rolle als Deckung. Die Deckung liegt in der realen Volkswirtschaft, in den Bauten und Fabriken, die mit dem Geldumlauf geschaffen werden.
Auch in der Schweiz hat man die Notenbank von der Pflicht der Golddeckung befreit; sie hat enorm viel Gold verkauft. Bis Ende September 2009 sollen insgesamt weitere 250 Tonnen von den 1270 Tonnen des Bestandes verkauft werden, um die Struktur der Währungsreserven anzupassen. Der Ökonom John Maynard Keynes prägte das abschätzige Wort vom Gold als «barbarischem Relikt», das ausgespielt habe. Sein Name ist allerdings verbunden mit der schleichenden, aber insgesamt gewaltigen Nachkriegsinflation. Die Politiker druckten Geld freizügig und liessen sich nicht mehr vom Gold bremsen.
Gegenwärtig steigt der Goldpreis. Man reisst sich das unverwüstliche, leicht teilbare und knappe Metall aus den Händen. Könnte nicht Gold den Währungen letztlich Disziplin, dauernden Wert und Ansehen bringen? Die Befürworter solcher Golddeckungsideen haben es schwer, seit die Inflation kein Thema mehr ist. Aber Gründe dafür gibt es dennoch. Das Argument der menschlichen und gesellschaftlichen Instabilität gilt immer noch – alle paar Jahrzehnte fiel bisher das Weltfinanzsystem in ein Loch, durch Krisen, Kriege, Manipulationen. Dies kann sich wiederholen, auch kann zusätzlich eine Grossbank schlingern, ein Atomkraftwerk weite Landstriche verwüsten.
Eine Währung mit Golddeckung hätte höhere Chancen, das Vertrauen zu bewahren oder einen Neustart hinzulegen. Zweitens stiesse die Geldausgabe auf Grenzen. Unter dem klassischen Goldstandard vor 1914 konnte man am Schalter der Nationalbank die Noten gegen Gold umtauschen. Vor 100 Jahren, bei ihrer Gründung, hatte sie den Notenumlauf zu 70% mit Gold unterlegt, diesen September waren es sogar fast 90%. Wenn im Goldstandard ein Land die Notenausgabe übertrieb, fiel sein Währungskurs, und Gold wurde von den Privaten am Schalter und vom Ausland über die Grenzen abgezogen. Die Gold- und Geldknappheit liess dann die Preise fallen, von 1874 bis 1896 beispielsweise im Grosshandel um 46%. Dieser Zwang zur Solidität wird heute mit der Ausgabe von Papiergeld überspielt, Preise und Löhne müssen nicht mehr sinken. Im Gegenteil, die leichte japanische Preis-Deflation wird als Gefahr angesehen. Dementsprechend versorgt die japanische Notenbank seit Jahren die Welt mit Billiggeld, und der Staat pumpt seinerseits Kaufkraft über hohe Defizite ins Land. Diese Geldschwemme, wie übrigens auch der zu flüssige Schweizerfranken, haben über «carry-trades» weltweit die Liquidität aufgeblasen. Denn findige Spekulanten verschuldeten sich in Yen und Franken und kauften damit Euro- oder Dollaranlagen.
Es ist andererseits natürlich etwas irrational, den Wirtschaftslauf und das Preisniveau nur einem vorhandenen Goldklumpen anzupassen. Im Falle der Schweiz ergibt er heute einen Würfel von knapp 4 Meter Kantenlänge, hätte also im Schlafzimmer der meisten Bürger Platz. Die Geldausgabe muss aber gewisse Spielräume haben, das Kleben am Goldklumpen wäre irrational, sagen Ökonomen.
Irrationale Gründe zugunsten der Golddeckung gibt es aber auch – man höre nur die mittelgrossen und sogar grossen Anleger, die ihr Geld dem Schweizer Finanzplatz anvertrauen. Das Gold hinter dem Franken flösst Vertrauen ein. Daher müsste man zwar nicht zur Pflicht der vollen Golddeckung zurückkehren. Aber die Nationalbank sollte sofort mit dem Verschleudern des Goldes, wozu sie nämlich kein Gesetz zwingt, aufhören. Nur weil der Anteil des Goldes an den gesamten Reserven wegen des Preises angestiegen ist, will sie den Bestand weiter reduzieren.
Doch der bisherige hastige Goldverkauf unter der Fuchtel der Politiker, die ihre Kassen sanieren wollten, war ökonomisch unsinnig. Die erzielten Preise für das gelbe Metall waren aus heutiger Sicht lächerlich, Milliarden an Reserven wurden vergeben, und die Gold-Milliarden in den Kantonskassen enden jetzt in leichten Steuersenkungen. Das Gold wird – unmerklich für den einzelnen Haushalt – zerstäubt und ist verflogen.
Damit gibt es ein viertes Argument für den Schweizer Goldschatz, nämlich die Werterhaltung dieses Reserveteils in der Noten-Unterlegung der Nationalbank. Experten sagen einen weiteren Goldpreisanstieg voraus: Denn die reicher werdenden Mittelschichten Asiens greifen vermehrt nach Gold als Schmuck, aber auch als private Reserve.
Die Grosshandelspreise stiegen seit 1907 von 100 auf heute 460 Punkte, das Gold aber hat sich in Franken seither verneunfacht. Die zu leichtfertige Veräusserung des gelben Metalls liefert ein fünftes Argument: Die Kantonspolitiker verlangen heute, die Gewinnablieferung der Nationalbank um fünf Jahre bis 2017 zu verlängern. Diese Gier ist verdächtig. Das Gold bliebe viel sicherer im Keller der Notenbank oder im Schlafzimmer der meisten Bürger. Denn die schätzen Sparsamkeit und Sicherheit.
Eine Währung mit Golddeckung hätte Chancen, das Vertrauen zu bewahren oder einen Neustart hinzulegen.
Normalerweise geben sich die Ökonomen und Notenbanker sehr blasiert, wenn es um das Gold geht.
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Kristian Hahn (24. Oktober 2007, 14:02)
Weltweite Golddeckung bricht Krieg und Inflation
Hätten wir in den wichtigsten Ländern wie von ca.1815-1914 Goldeckung der Währung,wären Krieg und Inflation so gut wie kein Thema mehr.Nach dem kommenden Crash wird dringend Gold bzw.Silber als Währungsanker benötigt,um Vertrauen wieder herzustellen.Daher ist es Schwachsinn,heute Gold zu nach wie vor Billigpreisen zu verschleudern.Jedem der es noch nicht gelesen hat,möchte ich "DIE GOLDVERSCHWÖRUNG" von FERDINAND LIPS ans Herz legen,es gibt nichts besseres um die Vorgänge zu erklären.
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Stephan Ducret (23. Oktober 2007, 21:13)
Geld wird inflationiert, Gold erhält die Kaufkraft
Vor vier Jahren kaufte mein Kollege ein EFH. Die Baukosten betrügen heute CHF 500'000.-. Vor 50 Jahren betrugen die Baukosten CHF 50'000.-, also 10x weniger! Glaubt man offiziellen Stellen, betrug der Kaufkraftverlust in den vergangenen 50 Jahren bei weitem nicht 1000%. Allerdings sagt Börsenguru Marc Faber, dass die offiziellen Inflationszahlen vom Staat geschönt werden. Politiker verteilen gerne mit beiden Händen Geld, das gar nicht vorhanden ist, um dem Stimmvieh zu gefallen. Die angehäuften Schulden werden dann mit inflationiertem Geld zurückbezahlt, auf Kosten des arglosen Sparers, dessen Geldvermögen - über Jahrzehnte betrachtet - wie Schnee an der Sonne dahin schmilzt. Die Zentralbanken werfen Gold auf den Markt (drücken so den Goldpreis) und geben an, es renditeträchtiger anzulegen. In Wahrheit verfolgen sie das Ziel, die durch Überschuldung ausgehöhlten Währungen vor dem Einbruch zu bewahren. (Sichern der eigenen Existenz)
Infos unter goldseiten.de und hartgeld.com.
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John Luternauer (23. Oktober 2007, 15:45)
Das Gold der Nationalbank
Endlich kommen einmal Berichte zugunsten des ewigen Geldes in die NZZ. Die Argumente gegen das Gold sind einfach lächerlich.. Wir sind doch gerade dabei das Fiat Money zu beerdigen. Das Konzept hat nur zu einer totalen Schuldenlawine geführt. Nirgenswo Ausgabediziplin! Die heutige Geldmenge übersteigt bei weitem (ca,5-6x) alle Welt werte zum heutigen Bewertungsmassstab. Der Dollar ist praktisch das Papier nicht mehr Wert auf dem er gedruckt ist. Bei anderen Währungen sieht es nicht viel besser aus. Der Sfr. ist auch bedenklich schwach. Hört auf Gold zu verkaufen. Wo ein Verkäufer ist ,da ist auch ein Käufer. Das sind die zukünftigen Herrscher der Welt! Wir brauchen wieder einen wertbeständigen Referenzwert für das Geld. Gold bietet sich da ideal an:
-Dauerhaft
-Nicht beliebig vermehrbar.
-Wertbeständig
-Gold ist Geld seit 5000 Jahren.
Keynes hat unrecht. Sein System funktioniert nicht. Erstaunlich, er hat das Wesen des Geldes nicht verstanden.
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René Laederach (23. Oktober 2007, 10:56)
Verschleuderung des Volksvermögens
Danke der NZZ am Sonntag, dass sie sich dieses Themas angenommen hat.
Die Nationalbank verschleudert mit dem Verkauf der 250 Tonnen Gold einen substantiellen Teil unseres Volksvermögens. Ob aus den angegebenen Gründen oder aus Zwang (der Goldpreis muss gedrückt werden oder es geht einigen Banken und dem Dollar sehr schlecht), kann ich nicht beurteilen.
Was erhält die Nationalbank (das Schweizer Volk) als Gegenwert? Bedrucktes Papaier, das von Tag zu Tag mehr an Wert verliert. Asiatische und arabische Länder danken für das Gold, das sie so günstig erwerben können. Die wissen, was sie tun.
Warum unternehmen unsere politischen Parteien nichts zur Rettung unseres Volksvermögens?
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Peter Meier-Schlittler, Dr.med. (23. Oktober 2007, 07:35)
Peter Meier
Immer wieder versichern Oekonomen, der Wert einer Währung werde heute durch die entsprechende Volkswirtschaft verkörpert. Die Golddeckung sei daher überflüssig geworden! In der Ideen-Geschichte der Menschheit gibt es wenige Meinungen deren Falschheit und deren tragische Konsequenzen derart offensichtlich sind. Wo liegt der Fehler: Gold und Silber wurden als Standart aufgegeben (demonetisiert) weil sie die Notenbanker und Politiker daran hinterten die Geldmenge beliebig auszuweiten. Das Resultat sind Schuldenwirtschaft und immer wiederkehrende Inflation. Wo liegt die Tragik: da Geld nicht nur als Tausch- sondern auch als Wertaufbewahrungsmittel dient, wurden ganze Generationen ihrer Ersparnisse beraubt. In diesem Sinne hoffe ich, dass die Schweiz. Nationalbank kein weiteres "Volksvermögen" mehr veräussert.
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Johann Burgmeister (23. Oktober 2007, 00:12)
Kraft und Einsicht?
Man kann nur den Schweizern nur die Kraft und Einsicht wünschen, endlich den Wahnsinn des verscherbelns von Staats(=Bürger) Vermögen in Form von Gold zu stoppen. Die Inflation bei uns in Deutschland schaltet zur Zeit schon einen Gang höher und dürfte wohl real bei 5-7% liegen! Unser Gold,der einzige Garant einer stabilen Währung, liegt leider sowieso schon zum großen Teil auf Nimmerwiedersehen in den Tresoren der FED in New York. Hoffentlich sind die Schweizer klüger und verhindern in ihrem Land die langsame Verarmung wie im Rest von Europa!
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Emanuel Graf (22. Oktober 2007, 19:56)
Die junge Generation
Wird es noch hart bezahlen, was hier angerichtet wurde und immer noch wird. Verschachern des Volksvermögens durch und an geldgierige Banker. Gegen Papier, das immer weniger wert ist. Bravo, Herr Meier und Herr Roth! Danke für ihre Standfestigkeit!
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H. Meili (22. Oktober 2007, 14:17)
Verbrecher in der Nationalbank
Man kann den Goldverkauf der europäischen Nationalbanken unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten: z.B. Unfähigkeit, oder Geldgier, oder Verschwörung, oder gezielte Destabilisierung von funktionierenden Volkswirtschaften oder... auf jeden Fall erkenne ich keinen einzigen ehrenwerten Grund. Ich bin stets beeindruckt, wie sich sogar das schweizer Volk, welches in Geldfragen sensibel reagiert, fortlaufend verschaukeln lässt.
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Matthias Engel (22. Oktober 2007, 12:40)
"...seit die Inflation kein Thema mehr ist."
Meinen Sie das ernst? Also ich kenne die Daten der Schweiz nicht, aber im Euroraum sind es z.Zt. 8,1% (www.wahre-inflation.de) und sehr wohl ein Thema für die, die sich nicht mehr mit manipulierten Warenkörben täuschen lassen.
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