Thorsten Polleit zur Inflation (englisch, Link)
http://www.mises.org/story/2901
Was ist da die debitistische Meinung dazu?
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“We are on strike against the dogma that the pursuit of one’s happiness is evil. We are on strike against the doctrine that life is guilt." John Galt
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Gutes Stück, nur was heißt "unsustainable"?
Hi Fabio,
worum geht's beim Kern der Mises-Aussage, nämlich, dass Schulden "unsustaÃnable" werden?
Das kann immer nur heißen: Es fehlen die Nachschuldner. Der Kapitalismus ist keine Tausch-, sondern eine Schuldendeckungsveranstaltung.
Gilt aud für den einfachen Fall: Mann kauft Haus, verschuldet sich bis zur Kante und jetzt bräuchte er eine Gehaltserhöhung, um weiter bedienen zu können.
Wo kommen die Gehaltserhöhungen her? Von seiner Firma. Wo hat die das zusätzliche Geld her? Entweder über neue Bankkredite oder über höhere Erlöse, die ihrerseits nicht vom Himmel fallen, da sie ein monetäres Phänomen sind, sondern weil sich die Kunden der Firma bzw. deren Kunden usw., usw. (also das "gesamte System") zusätzlich verschulden müssen.
"Unsustainable" ist schnell gesagt, tatsächlich aber ein Wieselwort, da nicht zu Ende gedacht.
Von "credits" spricht Polleit durchaus - aber er geht der Sache nicht auf den Grund: den Unterschied zwischen existierenden und dadurch unerlässlichen zusätzlichen credits, die zuvörderst den Zweck haben, frühere credits am Leben zu halten und zur Endfälligkeit zu bringen.
Old credits "als solche" könne nie allein am Leben bleiben. Sie brauchen mindestens new credits in Höhe der Summen der Kosten der Endfälligkeiten. Kommen darüber hinaus weitere new credits dazu (40 Mio Deutsche kaufen Morgen je einen BMW auf Pump), steigen die Preise (= BMWs werden teurer).
Gruß!
Nebenbei: arbeitet Polleits eigentlich noch als Chef-Ökonom bei Barcleys? (oT)
- kein Text -
meines Wissens: ja (oT)
- kein Text -
Unsustainable
Hallo Dottore,
ich vermute, daß Polleit das weiß. Aber er arbeitet eben bei Barclays.
In der SZ am Wochenende schlägt er aber in einem Streitgespräch mit einem Goldman Sachs Kerl den Goldstandard vor.
Habe ich von jemand in seiner Position auch nocht nicht gehört.
Viele Grüße
Fabio
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“We are on strike against the dogma that the pursuit of one’s happiness is evil. We are on strike against the doctrine that life is guilt." John Galt
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@Fabio / alter Artikel von Polleit 30.12.2004
Wider den Zeitgeist
Wider den Zeitgeist
Die Bundesbank will kein Gold verkaufen, um die Haushaltsnot des Staates zu lindern. Damit beweist sie Mut, den andere Zentralbanken nicht besitzen
von Thorsten Polleit
Der Vorstand der Deutschen Bundesbank hat am 20. Dezember 2004 den
richtigen Beschluß gefaßt: Das Gold will die Bundesbank nicht verjubeln,
um die Haushaltslöcher des Bundesfinanzministers zu stopfen. Erträge aus
einem Goldverkauf änderten ohnehin kaum etwas: Sie beliefen sich nur auf
etwa 0,3 Prozentpunkte der gesamten deutschen Staatsverschuldung. Zudem
gäbe ein Goldverkauf dem Finanzminister (noch) weniger Anreize, die
Staatsfinanzen dauerhaft zu sanieren.
Die Bundesbank hat Mut bewiesen. Ihre Entscheidung entspricht nicht dem
Zeitgeist, der da lautet: Zentralbanken brauchten kein Gold, es ist für
die Stabilität der Währung nicht mehr notwendig. Zudem bringt die
Goldhaltung kaum Zinsen, Wertpapiere seien die bessere Vermögensanlage.
Von diesem Geist beseelt, haben sich mittlerweile viele Notenbanken daran
gemacht, ihre Goldreserven zu verkaufen. Doch der Zeitgeist - so
überzeugend er augenblicklich auch klingen mag - erweist sich nicht immer
als guter Ratgeber.
Die Auffassung, Gold werde seine Geldfunktion nicht wiedererlangen,
entstammt dem Glauben, der Papiergeldstandard, dem heute alle großen
Währungen unterliegen, sei ein "sicheres" Regime. Doch es handelt sich um
ein großes Experiment, dessen Ergebnis im Ungewissen liegt. Papiergeld ist
ein "Schönwetter-Regime". Daß es eine dauerhaft verläßliche Einrichtung
ist, kann daher nicht als gesichert gelten. Die Notwendigkeit, künftig
einmal zu einer Edelmetall- bzw. Goldbindung des Geldes zurückkehren zu
müssen, kann nicht ausgeschlossen werden.
Gold ist wohl das einzige Medium, dem die Menschen in der Vergangenheit
immer wieder Geldfunktion und damit Vertrauen geschenkt haben. Es gilt
also abzuwägen: Ein endgültiger Verkauf des Goldes zum Zwecke von höheren
(Zins-)Erträgen gegenüber einer Fortführung der Goldhaltung, die zwar
geringe laufende Zinsen bringt, aber Kosten einer künftig möglichen
Geldsystemkrise abmildern kann.
Es ist weiterhin fraglich, ob es überhaupt wünschenswert ist, daß
Zentralbanken eine immer bedeutendere Rolle auf den Wertpapiermärkten
spielen sollen. Sie legen Geld nicht immer wie Investoren aus der
Privatwirtschaft nach wirtschaftlichem Kalkül an, sondern häufig nach
politischem. Das kann zu geringer Effizienz der Kapitalallokationen
führen, mit negativen Folgen für Wachstum und Beschäftigung. Wäre es da
nicht besser, die Notenbanken würden ihre Aktionen auf weniger
"bedeutsame" Märkte wie den Goldmarkt beschränken?
Für eine Goldhaltung der Notenbanken spricht ganz klar das Argument der
"Diversifikation": Eine Zentralbank sollte aufgrund von Ertrags- und
Risikoerwägungen ihr Vermögen nicht nur in ein Medium investieren, sondern
sie sollte es auf verschiedene aufteilen, deren Preisbewegungen nicht
parallel verlaufen. Dies mindert das Verlustpotential. Gold ist hier eine
"natürliche" Beimischung.
Es fällt schwer, sich dem Eindruck zu erwehren, der jüngste Drang vieler
Notenbanken, ihre Goldbestände zu verkaufen, entstamme nicht einer immer
weiter abnehmenden Demut vor den Unwägbarkeiten des Papiergeldsystems.
Ermutigt von "Schönwetterzeiten" und getrieben vom Bestreben, der
Öffentlichkeit und den Finanzministern gefallen zu wollen, verkaufen sie
ihr Gold. Mit ihrer Aufgabe, den Geldwert zu sichern, kann diese Tat nur
schwerlich legitimiert werden.
Der Autor ist Chefökonom (Deutschland) bei Barclays Capital und
Honorarprofessor an der Hochschule für Bankwirtschaft, Frankfurt.
Artikel erschienen am Do, 30. Dezember 2004
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Grüße Ackid .....Denke für dich selbst und stelle die Autoritäten in Frage
Zitat: Eugen Drewermann
Die Lüge lassen wir uns nicht beibringen, wir würden wegschauen, bloß weil wir endlich hinsehen.
