Me vs. Achilles - aus meinem Blog
Hi,
in meinem Blog hat ein gewisser "Achilles" einen etwa verschnupften Kommentar zu meinem Bofinger-Artikel hinterlassen und mir heute dann folgenden weiteren Kommentar hinterlassen, auf den ich wiederum das nachfolgende geschrieben habe. Ist vielleicht für den einen oder anderen von Euch interessant, zumal sich darin zwei gänzlich gegensätzliche Ansichten spiegeln:
23 Achilles { 03.18.08 at 09:58 }
@weissgarnix
Vorneweg, ich halte grundsätzlich nichts von einem “Heraushalten†des Staates aus alle ökonomischen Aktivitäten. In meinen Augen kann man an verschiedenen Märkten (besonders Gold & Silber, Wahrscheinlich DowJones, und in meinen Augen auch ganz sicher Devisenmärkte) erkennen, dass diese manipuliert werden - und zwar von privaten Institutionen. Sicher auch zum Teil von ausländischen staatlichen Institutionen. Es wäre deshalb mehr als dumm, wenn wir (EU, D) es nicht tun würden.
Darüber hinaus, bin ich davon überzeugt, dass die momentane Großwetterlage mehr als ungünstig ist. Kurzum: Es wird auf eine Katastrophe hinauslaufen.
Ich meine damit die realwirtschaftliche Aktivität vor allem in den Industriländern… das Zusammenwirken von
- weltweiter Insolvenz- und Kreidtkrise,
- dass Ausfallen von Schuldnern und die damit verbundenen Dominoeffekte,
- die folgende Kreditklemme,
- der rassand fallende Dollar,
- die steigenden Edelmetallpreise und die damit verbundenen Probleme bei den Short-Bullion-Banken,
- überhaupt die enromen Bilanzprobleme bei Banken und anderen Finanzinstitutionen (Hedge Funds etc.),
- und letzten Endes das Mißverhältnis ziwschen Finanzvolumen (S chulden und Forderungen auf verschiedenen Aggregationsebenen) auf der einen Seite und realwirtschaftlicher Aktivität auf der anderen Seite
wird sich nach meiner Ansicht in diesem Jahr zu einer Katastrophe zusammenbrauen. Die Ausmaße dieser Katastrophe wird alles in den Schatten stellen, was wir uns vorstellen können:
- Zusammenbrechen der Staatsfinanzen und der sozialen Sicherung
- Zusammenbrechen der Banken und Versicherungen
- Zusammenbrechen des Welthandels
- Mindestens 30% Arbeitslosigkeit
- letztlich: Zusammenbruch des Vertraunens in Forderungen und Geld im Sinne von Forderungen, d.h. Inflation im großen Ausmaß,
- im Vorhof der Inflation: natürlich. explodierende Zinsenwelche dem System den Rest geben werden.
Das wird passieren, wenn sich Staat, Notenbanken und internationale Institutionen komplett raushalten, d.h. wenn der Markt von nun an alleine agieren würde. Wenn ich ganz ehrlich bin, werden wohl auch staatliche Eingriffe, nämlich jenen die absehbar sind, dieses nicht aufhalten.
24 weissgarnix { 03.18.08 at 11:24 }
@Achilles
Ich stimme Dir restlos zu, und bin auch bereit, den Schuldigen an dieser Tragödie zu benennen: der Staat selbst ist es, der als “infallibler†Schuldner eine fiat-Pyramide befeuerte, wie sie in 2500 Jahren dokumentierter Kreditgeschichte noch niemals gesehen wurde.
Wer hat denn das Medium in die Welt gebracht, auf dem unser kompletter ZB- und Giralgeldkomplex beruhen? Wer hat denn seit den 60ern nonchalant verschwiegen, dass der “Wohlfahrtsstaat†etwas anderes sein könnte, als zukünftige Steuererhöhungen? Und wer hat denn vorgegaukelt, dass es zu diesen nicht zu kommen braucht, weil man als “infallibler†Schuldner mit AAA-Rating ja auch Zinsen und Zinseszinsen bequem weiter aufschulden kann? Wer? Und was passierte denn dann mit all diesen schönen Staatschulden, hübsch verpackt als “BUND†oder “T-Bondâ€? - Monetarisiert wurden sie, und damit zur Basis für all die Kuriositäten und Extravaganzen, die wir in den letzten Jahren schauen durften, von Junk Bonds bis Hedge Fonds, von Private Equity bis “NINJAâ€-Loans.
Let’s face it, Achilles, dieses System des permanenten Aufschuldens kommt an sein natürliches Ende. Wir leben schon seit Jahren in einer Traumwelt von Rekord-Wirtschaftswachstum bei all-time-low-Realrenditen. Wie soll das nachhaltig möglich sein? Die Amerikaner werden gerade aus ihren “Bretton Woods IIâ€-Träumen gerissen, genauso wie ihnen das Roubini/Setzer anno 2004 bereits prophezeit haben. Und der Rest der Weltwirtschaft wird lernen müssen, dass wenn es zuhause nicht gelingt, das ganze liebe Geld zum Rentieren zu bringen, und man es nicht mehr simpel und schlicht nach Amerika tragen kann, damit es dort (Schein)Renditen erzielt, halt eben einfach zuviel Geld da ist. Bzw. natürlich nicht “Geld†selbst, sondern sein ungeliebter Zwillingsbruder, über den man nicht so gerne spricht, nämlich der “Kreditâ€. Und dieses Zuviel an Kredit muß aus dem System raus, bevor da auch nur irgendwas wieder halbwegs normal laufen kann, ohne wenn und aber. Das werden weder Staat noch Zentralbanken verhindern können. Und solange sie es versuchen, umso stärker wird sich nur eine “Zombification†des Kreditapparats à la Japan einstellen. Doch auch die wird nicht ewig durchhaltbar sein, die Fallhöhe aber dann nur noch umso höher.
Der Treppenwitz an der ganzen Geschichte ist, dass man jetzt überall hört, der “Markt würde versagenâ€. Der Markt funktioniert à la perfection, dummerweise ist es dem Markt aber völlig egal, ob es dabei nach oben oder nach unten geht. Jahrzehntelang haben Politiker und Zentralbänker den Markt daran gehindert, nach einem “aufwärts†auch mal das nötige “abwärts†zu gestalten, dafür gibt es eben jetzt die Endabrechnung. Mit Zins und Zinseszins.
Lachhaft, geradezu grotesk anmaßend, dass da die Bofingers, Greenspans, Krugmans und Solows glauben, ein Trupp von Politikern hätte auch nur den Hauch einer Chance, da was dran zu ändern. Natürlich gibt es eine Alternative, und auf die läuft es offensichtlich auch ziemlich geradlinig hinaus: StaMoKap! OK. Verstaatlichen wir halt wieder alles, räumen Samuelson, Mill und Schumpeter aus den Regalen und lesen dafür wieder mal eine Zeitlang Rosa Luxemburg. Fine by me! Ich habe zur Not auch das drauf, und meine Bibliothek ist umfangreich. Vermutlich ist es dann aber mit Bloggen auch gleich vorbei, und mit diversen anderen bürgerlichen Freiheiten ebenso.
Be careful, what you wish for.
" />
) Deinerseits raus:
