Vom Finanz- zum Realsektor
dottore
, Freitag, 21.03.2008, 05:53 (vor 6528 Tagen)
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 21.03.2008, 06:06
Hi,
diverse Dinge haben wir seit letztem Sommer gelernt:
1. Selbst Banken, die nicht "too big to fail" sind, dürfen mit Steuergeldern weiterkrauchen (IKB aktuell - 9 Mrd Steuergelder hinweg) oder werden, so sie Bantamgewicht erreichen, sozialisiert (Northern Rock - ca. 30 Mrd GBP Steuergelder hinweg). Dazu die Varianten beim Investment-Banking (BSC), die selbst keine Kundengelder hatten, usw.
2. Einlagen bei Banken sind - je nach Land, EU-Regeln usw. - gesichert. Dabei weiß allerdings niemand, wie es um die entsprechenden "Fonds" steht, da strengstes Schweigegebot besteht. Es existiert also immer noch ein Bankgeheimnis - für Banken selbst. Außerdem sind auch in D die berühmten max. 30 % des EK für jeden Einleger dubios, da der Einlagensicherungsfonds im Falle einer "Bankenkrise" nicht zu Zahlungen verpflichtet ist.
3. Da die Finanzindustrie nicht mit ihren wirklichen Trash-Exposures rüberkommen will (es gibt keinen Markt für diese oder jene Titel und anderes Gerede), bleibt das Misstrauen immens (als Beispiel das CS-Announcement), siehe die hier schon mehrfach erwähnten Abläufe am Geldmarkt.
Soweit in Kürze das eh schon Bekannte. Es soll - koste es was es wolle (und wen) - der finanzielle Meltdown (Domino-Effekt usw.) verhindert werden (ZBs, Finanzminister usw.). In der Finanzwelt beginnt nun allerdings - worauf @Fabio schon den Link zur Citi gepostet hatte, Danke! - "the Great Unwind" und dieser wiederum schlägt nun auf die Realwirtschaft durch: Wer auf Cash sitzt, braucht keinen Kredit (und fährt entsprechend seiner Position seine Geschäftsaktivitäten herunter), wer Kredit braucht (und seien es nur Prolongationen) wird abgewiesen. Darauf hatte @Eckrand den höchst informativen HB-Artikel reingestellt, Danke! - man sehe sich die im Original dazugestellte Grafik an.
Dass ohne "new credits" alles zusammenschnurrt und es zu plötzliche Abrissen kommen kann, ist ganz einfach so.
Es geht dabei nicht nur um private, sondern eben auch öffentliche Adressen: So mussten große auction-bonds-Emittenten mangels Käufern/Prolongierern ihre Emissionen in dreifacher Mio-USD-Höhe canceln, was die Öffentlich-Rechtlichen in Not bringt und ihre Kreditkosten immens in die Höhe treibt - so sie weiter platzieren können. Das dürfte sich flugs zu einer Krise der öffentlichen Finanzen zusammenbrauen. Was wiederum downgradings nach sich zieht - und die Einwärtsspirale perfekt macht.
Die NYT hat zum Komplex des Überspringens vom Finanz- auf den Realsektor (von Wall Street zu Main Street) einen Artikel gebracht, der gut beschreibt, dass selbst weit vom Finanzzentrum entfernte Geschäfts- und Privatleute Umsatz-Minus melden bzw. in ihre Ausgaben vorsichtig geworden sind:
http://www.nytimes.com/2008/03/21/business/21econ.html?th&emc=th
Die anzuklickende Grafik sieht so aus:
http://graphics8.nytimes.com/images/2008/03/21/business/0321-biz-ECONweb.gif
Die Große Kontraktion ist unterwegs. Während ihres Verlaufs kann es jederzeit zu Hyman Minskys "magic moment" kommen. Der ist dann nicht lustig.
Frohe Ostern!
Herzliche Ostergrüße zurück!
MausS
, Irgendwo in Sachsen, Freitag, 21.03.2008, 06:23 (vor 6528 Tagen) @ dottore
Und besten Dank für Ihre Karfreitägliche Mühe!
Ein trotz alledem frohes und erholsames Osterfest wünscht, besonders Ihnen und Ihrer Familie,
sowie allen, die hier im "Gelben" wahrlich im Dienste des Allgemeinwohls ihre Spuren hinterlassen
herzlich
MausS
Danke dottore und drei Fragen:
Lecoquinus, Freitag, 21.03.2008, 06:28 (vor 6528 Tagen) @ dottore
Wo du schon hier an der Strippe bist, nochmal der Hinweis zum konsolidierten Finanzausweis der EZB.
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=14428
Fragen an Dich:
1. Weist Du welche NZ hier Probleme macht?
2. Welcher Natur sind diese Probleme?
3. Nach deiner Zusammenfassung der akutellen Zustände: Wie hoch ist noch die psychologische Mauer, welche die Politik daran hindert bestehende Gesetze zu ändern um direkt Liquidität von den ZB's ziehen zu können.
Sowohl in US als auch in Europa.
Danke und frohe Ostern noch.
EZB-Mysterium
dottore
, Freitag, 21.03.2008, 07:25 (vor 6528 Tagen) @ Lecoquinus
Hi Lecoquinus,
Wo du schon hier an der Strippe bist, nochmal der Hinweis zum
konsolidierten Finanzausweis der EZB.
Ja, das ist ein komische Sache, steht immer noch so auf der EZB-Seite. Die Zeit drängt, der nächste MB muss raus.
Fragen an Dich:
1. Weist Du welche NZ hier Probleme macht?
Leider nein. Nachfragen zwecklos. Die Neu-Mitglieder (seit 1.1.) Malta & Zypern sollten ausscheiden, da sie in diesem Jahr schon brav gemeldet hatten. Entweder es ist eine technische Panne (schwer vorstellbar) oder ein größerer Klopper (falsche Sicherheiten bei falscher ZB eingelegt?).
2. Welcher Natur sind diese Probleme?
Weiß ich leider auch nicht. Die Mauer des Schweigens hält absolut dicht.
3. Nach deiner Zusammenfassung der akutellen Zustände: Wie hoch ist noch
die psychologische Mauer, welche die Politik daran hindert bestehende
Gesetze zu ändern um direkt Liquidität von den ZB's ziehen zu können.
In EU Maastricht-Vertrag. Änderungen zwar möglich, aber müsste durch alle Parlamente (Ratifizierung).
Sowohl in US als auch in Europa.
In USA durch Kongress, aber Fed Act, sec. 13, sollte fast reichen.
Danke und frohe Ostern noch.
Wünsche ich auch.
Die EZB Zentralbank ohne Bilanz muß die von Griechenland sein. (mT)
DT
, Freitag, 21.03.2008, 07:28 (vor 6528 Tagen) @ dottore
3 Generalstreiks seit Weihnachten, und neulich (hat Dottore selber gesagt) blieb die ZB von Griechenland wegen des Generalstreiks geschlossen.
Raus mit GR aus der Währungsunion. Dito mit den Italienern. Die haben sich beide in das Euro-System hineinbetrogen mit gefakten "Einnahmen".
Brecht ihnen das Genick.
Ja, Streik in Griechenland soll der Grund sein (oT)
Elli
, Freitag, 21.03.2008, 07:48 (vor 6528 Tagen) @ DT
- kein Text -
Hatte ich auch erst gedacht, aber...
dottore
, Freitag, 21.03.2008, 08:33 (vor 6528 Tagen) @ Elli
Hi Elli, hi DT,
... die ZBler in Athen können nicht durchgehend gestreikt haben (jetzt erst beginnt der landesweite Generalstreik, vorher waren es so verteilte 48-Stunden-Streiks). Grund: Die Athener Börse hält ihr Clearing-System - jedenfalls meines Wissens - via ZB-Target. Die über dasselbe Target laufende Börse in Zypern war geöffnet. Rätsel. Vielleicht haben die Hellas-ZBler auch ihre Repo-Computer die ganze Zeit lang komplett abgestellt?
Dass diverse Börsen-Tage ausgefallen sind, zeigt diese Börsengrafik - saubere Südfahrt übrigens, das haut schon rein:
http://www.ase.gr/content/en/Indices/Daily/Daily_details.asp?iid=17
Zweimal klicken, bitte. Davon die Wochenenden natürlich abzuziehen.
Die "Reform" des Sozialsystems, die auch die ZBler umfassen würde (in D gibt's wohl immer noch eine besondere Gewerkschaft der Buba-Beschäftigten) steht ohnehin auf wackeligen Füßen. Die Regierung hat 151 von 300 Sitzen.
Wir können uns gern auf Griechenland einigen und diesen Euro-Teilnehmer bitten, wieder zur bewährten Drachme zurückzukehren.
Gruß!
Ist schon alles gelaufen?
dieter, Freitag, 21.03.2008, 06:53 (vor 6528 Tagen) @ dottore
Hi dottore,
vorab besten Dank für die vielen Infos und die damit verbundene Sensibilisierung für das Thema, zumindest bei mir.
Wenn Forderungen zerbröseln wird Geld vernichtet, Geld welches zuvor dafür zuständig war, daß Blasen in versch. Bereichen entstanden.
Will man das Fortbestehen von Blasen erreichen, dann müssen natürlich neue Kredite zur Geldschaffung her. - der von Ihnen bezeichnete Kettenbrief -
Möglichkeiten des Ausweichens:
Es wäre doch für Staaten ein einfaches die Realgüter indirekt stärker zu beleihen, z.B. die Umweltstandards kurzfristig so hoch zu schrauben (z.B. beim Wohnungsbau), daß viele diese nur mit Neu-Verschuldung erfüllen können. Wird nicht investiert, werden die Realgüter per Gesetz quasi wertlos. Also würde in den sauren Apfel gebissen und investiert zur Werterhaltung, sonst Abriß oder unverkäuflich, oder, oder...
Auch wären neue Sozialstandards auf Pump recht hilfreich um den kapitalistischen Kettenbrief aufzupäppeln. Die letzten Wahlergebnisse zumindest in Deutschland gehen eindeutig in diese Richtung und falls die Demokraten in den USA gewinnen wird es sicher auch in diese Richtung laufen.
Vermutlich gibt es etliche Maßnahmen mehr.
Die Frage ist folglich,
ist jetzt schon alles gelaufen oder wird es zu einer erneuten Verschuldungsblase (wenn Schulden stärker steigen als der Anstieg von erschaffenen Realgütern) kommen, die dann wiederum die Realgüter wie in den letzten 70 Jahren entwertet, mit dem Ziel den kapitalistischen Kettenbrief aufrechtzuerhalten.
Gruß Dieter
Mitnichten! die neue Monsterblase heisst "Rettet den Planeten!"
Jermak
, Freitag, 21.03.2008, 07:15 (vor 6528 Tagen) @ dieter
schaut nur mal rüber in die Citi, was da mittlerweile für ein Volumen mit CO2-Zertifikaten und dergleichen gehandhabt wird.
Staatliche vs. private vs. gesetzlich vorgeschriebene Neuverschuldung
dottore
, Freitag, 21.03.2008, 08:47 (vor 6528 Tagen) @ dieter
Hi Dieter,
Wenn Forderungen zerbröseln wird Geld vernichtet, Geld welches zuvor dafür
zuständig war, daß Blasen in versch. Bereichen entstanden.
Will man das Fortbestehen von Blasen erreichen, dann müssen natürlich neue
Kredite zur Geldschaffung her. - der von Ihnen bezeichnete Kettenbrief -
Ja.
Möglichkeiten des Ausweichens:
Es wäre doch für Staaten ein einfaches die Realgüter indirekt stärker zu
beleihen, z.B. die Umweltstandards kurzfristig so hoch zu schrauben (z.B.
beim Wohnungsbau), daß viele diese nur mit Neu-Verschuldung erfüllen
können.
Ja, hübsche Variante.
Wird nicht investiert, werden die Realgüter per Gesetz quasi
wertlos. Also würde in den sauren Apfel gebissen und investiert zur
Werterhaltung, sonst Abriß oder unverkäuflich, oder, oder...
Investitions=Neuverschuldungszwang hat wirklich was. IG-Bau-Chef Wiesehügel hatte schon mal eine generelle Zwangsanleihe vorgeschlagen - auch für jene, die dann eigens zur Bank eilen müssten.
Auch wären neue Sozialstandards auf Pump recht hilfreich um den
kapitalistischen Kettenbrief aufzupäppeln. Die letzten Wahlergebnisse
zumindest in Deutschland gehen eindeutig in diese Richtung und falls die
Demokraten in den USA gewinnen wird es sicher auch in diese Richtung
laufen.
Staatsverschuldung stretcht immer.
Vermutlich gibt es etliche Maßnahmen mehr.
Mit Phantasie.
Die Frage ist folglich,
ist jetzt schon alles gelaufen oder wird es zu einer erneuten
Verschuldungsblase (wenn Schulden stärker steigen als der Anstieg von
erschaffenen Realgütern) kommen, die dann wiederum die Realgüter wie in
den letzten 70 Jahren entwertet, mit dem Ziel den kapitalistischen
Kettenbrief aufrechtzuerhalten.
Also seit Keynes*) hat's mehr oder minder funktioniert, dazu kam die Schaffung von neuen oder höher beleihbaren Eigentumstiteln. Der Staat ist (noch) schuldenrobust und sorglos, das sind die Privaten nicht mehr ("schwache Binnenkonjunktur" usw.).
Gruß!
*)Der hatte zunächst nur staatliche Verschuldung im Auge und seine Adepten glaubten dann, es würde sich per Multiplikator und Akzelerator auf die Privatwirtschaft übertragen. Aber so einfach läuft es längst nicht mehr.
Nachtrag: Realsektor Airbus-Werke und die Finanzkrise
dottore
, Freitag, 21.03.2008, 09:39 (vor 6528 Tagen) @ dottore
Hi Dieter,
aus einer Meldung:
Airbus-Werksverkäufe schwierig - Finanzmarktkrise belastet
Die Verhandlungen über den Verkauf der Airbus-Werke in Varel, Nordenham und Augsburg mit rund 6800 Beschäftigten gestalten sich durch die aktuelle Finanzmarktkrise äußerst schwierig.
Es sei keinesfalls mehr sicher, dass der US-Finanzinvestor Cerberus gemeinsam mit der Bremer OHB die Übernahme stemmen will. OHB verhandelt als bevorzugter Bieter mit EADS über die drei Airbus-Werke. Das Unternehmen sprach zuletzt von konstruktiven, aber komplizierten Verhandlungen. Durch die Kreditkrise in den USA haben derzeit auch Hedge-Fonds Probleme, größere Transaktionen zu finanzieren. In Branchenkreisen wird nicht mehr ausgeschlossen, dass der Deal mit OHB/Cerberus platzen könnte.
Aus einem Bericht der FTD: Airbus-Chef Thomas Enders sieht den Zeitplan für den A350XWB in Gefahr, wenn nicht kurzfristig über die Verkäufe der Airbus-Werke entschieden werde.
Und wer nicht (pünktlich) liefern kann, macht kein Geschäft, muss möglicherweise Vertragsstrafen zahlen.
Gruß!
Airbus & Co
dieter, Freitag, 21.03.2008, 13:11 (vor 6528 Tagen) @ dottore
Hi dottore,
ein interessanter Hinweis mit Airbus!
klar, daß jetzt windige Geschäfte/Finanzierungen sehr schwierig werden. Das heißt doch nichts anderes als daß Entscheidungen auf solidere Fundamente gestellt werden müssen. Die Finanzbranche macht deutlich weniger Umsatz, Massenentlassungen in der Branche werden ihre Runde machen.
Gute Sicherheiten sind Trumpf. Wenn der Staat clever ist, dann schafft er Geld wie z.B. damals mit den UMTS-Lizenzen. Unternehmen verschulden sich, die einen neuen lukrativen Markt erobern wollen.
Die Staaten haben noch ne Menge Rechte zu vergeben - wo ein Wille, dort ein Weg.
Für die Industrie-Nationen hätte ich noch eine glänzende Idee: Wir erhöhen einfach die Standards für Importwaren in Bezug auf umweltverträgliche Vorproduktion. Die Industrienationen vergeben bereitwillig billige Kredite um derartige Produktionen zu ermöglichen und dafür dürfen die dann auch liefern. - das bringt wieder für etliche Jahre Luft.
Ich muß damit aufhören, sonst brennt meine Fantasie noch mit mir durch.
Im Fall Airbus deute ich daraus, daß das Managment seine Umstrukturierungspläne verwerfen dürfte mit der Konsequenz, daß die Werke erhalten bleiben - mit der Konsequenz von vermutlich zusätzlichen Steuersubventionen zum Erhalt von Airbus.
Gruß Dieter
Hi Dieter,
aus einer Meldung:
Airbus-Werksverkäufe schwierig - Finanzmarktkrise belastet
Die Verhandlungen über den Verkauf der Airbus-Werke in Varel, Nordenham
und Augsburg mit rund 6800 Beschäftigten gestalten sich durch die aktuelle
Finanzmarktkrise äußerst schwierig.Es sei keinesfalls mehr sicher, dass der US-Finanzinvestor Cerberus
gemeinsam mit der Bremer OHB die Übernahme stemmen will. OHB verhandelt
als bevorzugter Bieter mit EADS über die drei Airbus-Werke. Das
Unternehmen sprach zuletzt von konstruktiven, aber komplizierten
Verhandlungen. Durch die Kreditkrise in den USA haben derzeit auch
Hedge-Fonds Probleme, größere Transaktionen zu finanzieren. In
Branchenkreisen wird nicht mehr ausgeschlossen, dass der Deal mit
OHB/Cerberus platzen könnte.Aus einem Bericht der FTD: Airbus-Chef Thomas Enders sieht den Zeitplan
für den A350XWB in Gefahr, wenn nicht kurzfristig über die Verkäufe der
Airbus-Werke entschieden werde.Und wer nicht (pünktlich) liefern kann, macht kein Geschäft, muss
möglicherweise Vertragsstrafen zahlen.Gruß!
wenn das hier das Beste ist, wann Deutschland an ökonomischem Sachverstand zu bieten hat ...
Jermak
, Freitag, 21.03.2008, 07:10 (vor 6528 Tagen) @ dottore
interessant der Nobbi Walter, immerhin Deutschbänker "Akteztable Bewertung" fehle ... mkT
igelei
, Lammd des Stasi2.0-Rollcommanders, Freitag, 21.03.2008, 07:26 (vor 6528 Tagen) @ Jermak
Tenor aller
drei: wat solln die Finanzkrise mit Realwirtschaft zu tun haben?!
... wieso? Die ermittelten Preise für den Toxic Waste gibt es doch. Nur können die Deutschbänker die offensichtlich nicht aktzeptieren. Warum wohl? Und hoffen sie darauf, dass die Preise in naher Zukunft mal besser werden und aktzeptieren sie die Preise dann? Natürlich kann man das machen, wenn man mal einen Scheißkauf bei ner Aktie gemacht hat, da gibt es keine Laufzeitbegrenzung. Aber bei Papieren mit Endfälligkeit? Wenn dat nich mal ins Auge jeht
" /> ...
MfG
igelei
Vom Real- zum Finanzsektor und zurück
Burning_Heart, Freitag, 21.03.2008, 08:06 (vor 6528 Tagen) @ dottore
Hi
Ich seh das so.
Die Banken machen was sie immer machen und manchmal verzocken sie sich weil auch noch andere im gleichen Markt die gleiche Position haben und dann gibts das Nadelöhrproblem wodurch schon öfter Banken unter gegangen sind.
Da gibst dann auch mal eine interne Kettenreaktion und es geben mehr als einer den Löffel weil einer den anderen mitreißt.
Andere müssen hohe Verluste in Kauf nehmen. Das sehen wir ja momentan.
Das bedeutet dann: Luftgewinne werden ausgelöscht, ein paar Arbeitslose mehr, Kreditzinsen steigen etwas.
Aber wie soll sich das sonst noch groß auf den Realsektor auswirken oder ihn gar in Gefahr bringen?
Da kann nichts überspringen weil genau durch die kleinen Kreditnehmern die Krise erst entstanden ist. Die Bankenkrise ist nur ein Symptom.
Von da ist sie auf den Finanzsektor übergesprungen.
Sonst wären die Subprimes noch einbringbar und alles in Butter.
Hätten die Banken gewusst das die wertlos werden hätten sie doch sicher nicht so grosse Positionen eingenommen. Risikomodelle haben die doch bestimmt auch.
Die Privatpersonen die die Subprimekrise bilden und nicht zurück zahlen können
weil sich ihre Kreditnahme nicht rentiert hat weil weitere Kreditnehmer nach ihnen fehlen die ihnen die Produkte, Häuser, Dienstleistungen... abkaufen sollen damit sie einen Profit realisieren können, fehlen.
Die importierte Infla durch hohe Rohstoffpreise spielt auch ein grosse Rolle in dem Karussel. Viele Geschäftsschliessungen weil keiner mehr die teuren Sachen käuft.
Vom Realsektor kommt die Infla und die Rendite. Banken schneiden sich nur ein Stück davon ab. Wenn die Banken also ins Schleudern kommen sollte man die Ursache zu erst im Realsektor suchen. Und es sieht alles nach klassischer Defla aus.
Das Banken untergehen ist weder gut, schlecht noch gefährlich denn dann bekommen andere Banken neue Kunden und alles ist beim alten.
Bleibt am Ende halt nur noch eine über. Solange der Staat da ist wird es auch eine Bank und Kreditangebot geben. Da liegt nicht die Gefahr. Die Auswirkungen der Bankenpleiten auf die Realwirtschaft ist nicht besonders groß.
Gruß und
Heil Bugs Bunny
Realwirtschaft und leveragen
dottore
, Freitag, 21.03.2008, 09:08 (vor 6528 Tagen) @ Burning_Heart
Hi Burning_Heart,
[...]
Das bedeutet dann: Luftgewinne werden ausgelöscht, ein paar Arbeitslose
mehr, Kreditzinsen steigen etwas.
Aber wie soll sich das sonst noch groß auf den Realsektor auswirken oder
ihn gar in Gefahr bringen?
1. Weniger Kredite, siehe unten.
2. Leveragen wird stark heruntergefahren. Um 2000 war es ca. 1 : 16, beim 2007er-Top ging bis zu 1 : 46. Dazu ist Basel II gekommen.
Investment-Banking umfasst nicht nur Zwischenbanken-Geschäfte, sondern auch Private Equity, Take-Overs, Buy-Outs usw. - alles Sachen die realwirtschaftliche Relevanz haben.
[...]
Die Privatpersonen die die Subprimekrise bilden und nicht zurück zahlen
können
weil sich ihre Kreditnahme nicht rentiert hat weil weitere Kreditnehmer
nach ihnen fehlen die ihnen die Produkte, Häuser, Dienstleistungen...
abkaufen sollen damit sie einen Profit realisieren können, fehlen.
Ja, nur hat sich die Subprime-Krise bereits in die Beletagen durchgefressen. Großfeuer beginnen immer im Keller.
Die importierte Infla durch hohe Rohstoffpreise spielt auch ein grosse
Rolle in dem Karussel. Viele Geschäftsschliessungen weil keiner mehr die
teuren Sachen käuft.
Richtig. Wurde hier schon sehr gut dargestellt: Infla bei Lebensnotwendigkeiten = Defla bei Flachbildschirmen.
Vom Realsektor kommt die Infla und die Rendite. Banken schneiden sich nur
ein Stück davon ab.
Die Bankrenditen im "Realsektor" sind laufend gefallen, gemessen an den sonstigen Bankgeschäften.
Wenn die Banken also ins Schleudern kommen sollte man
die Ursache zu erst im Realsektor suchen. Und es sieht alles nach
klassischer Defla aus.
Das ist ungut für die Banken: Schuldnerausfälle, noch mehr credit crunch, noch mehr Selektion bei den Kreditnehmern im Realbereich.
Das Banken untergehen ist weder gut, schlecht noch gefährlich denn dann
bekommen andere Banken neue Kunden und alles ist beim alten.
Kommt auf die Größe der Banken an. Und wenn Banken schließen und nicht gesicherte Anlagen bei ihnen verdampfen: Womit eröffnen die Kunden bei einer anderen Bank ein Konto, falls sie überhaupt noch einer Bank trauen?
Bleibt am Ende halt nur noch eine über.
Kann sein. Dann ist es aber gleich die ZB.
Solange der Staat da ist wird es
auch eine Bank und Kreditangebot geben.
ZBs vergaben keine Hypotheken oder finanzieren Stahlwerke. Die arbeiten (noch) kurzfristig.
Da liegt nicht die Gefahr. Die
Auswirkungen der Bankenpleiten auf die Realwirtschaft ist nicht besonders
groß.
Liest und hört man anders, siehe z.B. NYT. Bitte auch die Lage der Realwirtschaft nach den Bankschließungen in den 1930er Jahren nochmals checken.
Gruß!
herten
Burning_Heart, Freitag, 21.03.2008, 10:43 (vor 6528 Tagen) @ dottore
Hi Burning_Heart,
[...]
Das bedeutet dann: Luftgewinne werden ausgelöscht, ein paar Arbeitslose
mehr, Kreditzinsen steigen etwas.
Aber wie soll sich das sonst noch groß auf den Realsektor auswirken
oder
ihn gar in Gefahr bringen?
1. Weniger Kredite, siehe unten.
Das kann eine gesunde Wirtschaft verkraften. Ist auch nur temporär.
Wenn aber die Privaten bis zur Nase in Krediten long sind, dann kann das der Trigger sein. Wäre dann aber wenig später auch ohne Bankenkollaps geschehen.
2. Leveragen wird stark heruntergefahren. Um 2000 war es ca. 1 : 16, beim
2007er-Top ging bis zu 1 : 46. Dazu ist Basel II gekommen.
Da ist was dran. Im Endeffekt bedeutet das weniger Infla auch für den Realmarkt. Ist aber auch eine eher kleine Belastung für die Wirtschaft wenn Banken ihren Hebel reduzieren.
Investment-Banking umfasst nicht nur Zwischenbanken-Geschäfte, sondern
auch Private Equity, Take-Overs, Buy-Outs usw. - alles Sachen die
realwirtschaftliche Relevanz haben.
Sie haben Relevanz und sie können auch eine Krise auslösen wie 1929 aber sie sind nicht der Grund für Deflas. Allenfalls der Trigger.
1929 war keine echte Defla sondern eine schwere Wirtschaftskrise ausgelöst durch Überproduktion plus Kreditspekulation an der Börse.
Durch hohe Verluste an der Börse viel die Kreditnahme ein paar Jahre aus und Rendite war nicht möglich. Da die Börse automatisch die meisten faulen Kredite zerstörte, konnte es bald wieder weiter gehen. Es hat sich dann schnell erholt und zur Megainfla bis heute ausgebaut.
http://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise#Ursachen
Japan ist eine Defla wo die Schulden nicht ausgebucht werden und es darum so lange weiter deflationiert bis das getan wird.
Bei weitem wichtiger ist die stagnierende Kreditnahme der Privaten, welche die Subprimes erst wertlos werden liessen.
Momentan sind alle Scheinwerfer auf die Banken und ihre Riesenverluste gerichtet aber keiner fragt warum denn die Subprimes plötzlich wertlos sind. Wie konnten sich so viele Profis so verkalkulieren?
Ich halte die Bankenkrise nicht für die Ursache von dem Ganzen sondern für ein Symptom an dem alles aufgehängt wird.
Es handelt sich auch hauptsächlich um Umbuchungen um die es hier geht.
Person hat kein Geld, nimmt sich Kredit, kann diesen nicht zurück zahlen, Bank hat minus Kreditnehmer bzw. Wirtschaft plus.
[...]
Die Privatpersonen die die Subprimekrise bilden und nicht zurück zahlen
können
weil sich ihre Kreditnahme nicht rentiert hat weil weitere Kreditnehmer
nach ihnen fehlen die ihnen die Produkte, Häuser, Dienstleistungen...
abkaufen sollen damit sie einen Profit realisieren können, fehlen.
Ja, nur hat sich die Subprime-Krise bereits in die Beletagen
durchgefressen. Großfeuer beginnen immer im Keller.
Die importierte Infla durch hohe Rohstoffpreise spielt auch ein grosse
Rolle in dem Karussel. Viele Geschäftsschliessungen weil keiner mehr
die
teuren Sachen käuft.
Richtig. Wurde hier schon sehr gut dargestellt: Infla bei
Lebensnotwendigkeiten = Defla bei Flachbildschirmen.
Da begann die Subprimekrise.
Vom Realsektor kommt die Infla und die Rendite. Banken schneiden sich
nur
ein Stück davon ab.
Die Bankrenditen im "Realsektor" sind laufend gefallen, gemessen an den
sonstigen Bankgeschäften.
Darum fingen sie an in anderen Bereichen zu hebeln...
Es läuft ähnlich ab wie 1929. Auch bei den Subprimes werden die faulen Kredite automatisch gelöscht und von dieser Seite könnte es relativ schnell wieder weiter gehen mit ein paar Banken weniger. Nicht aber wenn die Subprimes von der Fed hehalten werden und die weiter auf begleichung warten.
Die grosse Gefahr lauert weiter im Privatsektor. Wenn da Kreditnahme den Rückwärtsgang einlegt, rollt die Lavine bis auf Einstand.
Es scheint als wenn wir momentan 1929 nachmachen und eine Japan-Defla dranhängen. Der zweite Teil ist der unlustigere. Fragt sich nur warum Japan so friedlich ist trotz Defla. Aber besser so als anders.
Wenn die Banken also ins Schleudern kommen sollte man
die Ursache zu erst im Realsektor suchen. Und es sieht alles nach
klassischer Defla aus.
Das ist ungut für die Banken: Schuldnerausfälle, noch mehr credit crunch,
noch mehr Selektion bei den Kreditnehmern im Realbereich.
Das Banken untergehen ist weder gut, schlecht noch gefährlich denn dann
bekommen andere Banken neue Kunden und alles ist beim alten.
Kommt auf die Größe der Banken an. Und wenn Banken schließen und nicht
gesicherte Anlagen bei ihnen verdampfen: Womit eröffnen die Kunden bei
einer anderen Bank ein Konto, falls sie überhaupt noch einer Bank trauen?
Man muss da unterscheiden ob es eine Wirtschaftskrise wie 1929 oder eine Defla wie Japan ist.
Bleibt am Ende halt nur noch eine über.
Kann sein. Dann ist es aber gleich die ZB.
Solange der Staat da ist wird es
auch eine Bank und Kreditangebot geben.
ZBs vergaben keine Hypotheken oder finanzieren Stahlwerke. Die arbeiten
(noch) kurzfristig.
Da liegt nicht die Gefahr. Die
Auswirkungen der Bankenpleiten auf die Realwirtschaft ist nicht
besonders
groß.
Liest und hört man anders, siehe z.B. NYT. Bitte auch die Lage der
Realwirtschaft nach den Bankschließungen in den 1930er Jahren nochmals
checken.Gruß!
Gruß
Neues Passwort bidde (oT)
Burning_Heart, Freitag, 21.03.2008, 10:45 (vor 6528 Tagen) @ Burning_Heart
- kein Text -
ist unterwegs (oT)
Chef
, Freitag, 21.03.2008, 11:01 (vor 6528 Tagen) @ Burning_Heart
- kein Text -
Frage nach Liuiditätsbereitstellung durch die FED - wie lange kann das Spiel noch gehen - mFmT
McShorty
, Nürd-Mütryx fün Dülbünyen, Freitag, 21.03.2008, 11:12 (vor 6528 Tagen) @ dottore
Hallo Dottore,
schön dass Sie uns auch am Feiertag auf dem Laufenden halten.
Ich will hier nicht stressen oder penetrant wirken, hätte aber eine dringende Frage, von der ich meine, dass sie von allgemeinem Interesse und Wichtigkeit ist.
Hatte schon weiter unten nach der Liquiditätsbereitstellung durch die FED gefragt.
Wie lange bzw., wie viel kann die FED noch Treasuries gg. den Müll der Banken tauschen. Ich denke das ist z. Zeit noch ein größerer Trumpf der FED als die Zinssenkungen. Was nützt z.Bsp. ein Zins von 1 % (da gehen wir sicher hin) oder sogar NULL, wenn die Banken keine "Sicherheiten" - lach-ab - mehr zum Tausch anbieten können. Wenn die FED dann die Spielregeln aufweicht und richtigen Schrott, tote Hypos und geplatzte Wechsel rein nimmt, dürfte wohl auch dem Letzten klar sein, was die Stunde geschlagen hat.
btw., was macht das von Ihnen damals entdeckte ominöse Loch (damals noch Null-position) in der EZB Bilanz, sofern mal eine erscheint.
Besten Dank nochmals für ihr unermüdliches Aufklären hier und Frohe Ostern
McShorty
--
Danke an Elli, Chef, HM und igelei für das wunderbare Forum hier!
Seid wachsam auf diesem Narrenschiff!
..genausogut könntest du die..
trailmaker, Freitag, 21.03.2008, 11:37 (vor 6528 Tagen) @ McShorty
Lottozahlen für übernächste Woche von dottore einfordern ...
mfg TM
Neue Schuldner fehlen
chiron, Freitag, 21.03.2008, 12:11 (vor 6528 Tagen) @ McShorty
Hallo McShorty
Im langfristigen Kontext ist deine Frage gar nicht so entscheidend, weil sie nicht darüber entscheidet, wie neue Kredite generiert werden können. Hier geht es nur um alte Kredite und wo die Verluste anfallen - Banken oder Fed ergo Steuerzahler.
Was das Wirtschaftswachstum betrifft sind neue Schuldner gefragt und da kann die FED gar nix machen nada und das scheint mir der wahre Knackpunkt zu sein.
Gruss chiron
Fed Treasury Reserven
Burning_Heart
, Freitag, 21.03.2008, 18:33 (vor 6528 Tagen) @ McShorty
Hi
Wenn ich mich nicht täusche sagte dottore vor ca. 8 Tagen etwas von 780 Mrd. und das das ne Weile reichen würde.
Und ich glaube irgendwo gelesen zu haben das die Fed so 70 - 90 Mrd. täglich gegen Subs eintauscht.
Dürfte theoretisch also nix mehr da sein. Aber vermutlich habe ich mich um eine oder mehrere Kommastelle versehen.
Auf alle Fälle sind sie nicht unbegrenzt.
