Vom Goldgeld zum Kriegsgeld. Ansichten eines Marxisten ohne die üblichen Scheuklappen.
Mein Angebot für das Wochenende. Ein Marxist der anderen Art.
Keiner von den linken Fantasten, die aus den Kinderschuhen des deutschen Idealismus und der Naturfrömmelei nie herausgewachsen sind. Die mit ihrer bekifften Hohlbirne permanent pendeln zwischen „Hängt die Kapitalisten auf“ und „Hoch lebe die proletarische Weltrevolution“. Bei denen zwischen diesen beiden Enden ihres kindlichen Weltbildes man gerade noch so ein verrosteter Hammer und eine stumpfe Sichel passt.
Ich fand die Betrachtungen - ein längerer Text, aber nicht langweilig - ich fand ihn recht bemerkenswert. Eine Analyse, wie man sie bei guten Marxisten immer wieder lesen kann, bei denen man sich ein gewisses Querdenken bewahren sollte.
Eine Kostprobe, viel Spaß
eisenherz
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An die Stelle des Dollar aber kann kein neues Weltgeld treten, auch wenn der Euro dazu hochgejubelt wird.>>>
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Die größte Finanzblase aller Zeiten und das US-Konsumwunder
Die innere Schranke der realen Kapitalverwertung in der dritten industriellen Revolution trieb überall die Flucht in den Kreditüberbau und in eine Finanzblasen-Ökonomie hervor. Diese finanzkapitalistische Krisenwirtschaft mußte sich zwangsläufig im vermeintlich „sicheren Hafen“ des Dollar-Raums konzentrieren. Je mehr überschüssiges Geldkapital auf den globalen Finanzmärkten vagabundierte, desto größer wurde die Saugkraft der USA, um diese Geldströme anzuziehen. Auf diese Weise entstand in Gods Own Country die „Mutter aller Finanzblasen“. Über den Verkauf von Staatsanleihen in alle Welt wurde damit nicht nur der verschuldete Rüstungsboom finanziert. Parallel dazu blähten sich auch die US-Aktienmärkte in den 90er Jahren und die US-Immobilienmärkte nach der Jahrhundertwende entsprechend auf. Damit wurde die Basis für eine neue Qualität der Verschuldung gelegt.
Neben dem militärisch-industriellen Komplex entstand so die zweite Säule eines „irregulären“ scheinbaren Wachstums der Binnenökonomie in den USA. Aufgrund der im Vergleich zu Europa sehr breiten Streuung des Aktien- und Immobilienbesitzes konnte ein paradoxes „Konsumwunder“ seinen Lauf nehmen. Obwohl die durchschnittlichen Reallöhne seit den 70er Jahren stagnierten oder sogar rückläufig waren (vgl. Thurow 1996), wurde der Konsum immer mehr zum entscheidenden Wachstumsträger. Das periodisch stets von neuem beschworene „Jobwunder“ war keineswegs die eigentliche Ursache dieses Booms. Denn abgesehen von der selber am Tropf der Staatsverschuldung hängenden Beschäftigung im militärisch-industriellen Komplex entstanden vor allem Billigjobs im Dienstleistungssektor, die berühmte „beschäftigte Armut“. Aufgrund der Schwäche auf dem Weltmarkt ist auch die Beschäftigung im Exportsektor eher rückläufig.
