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Prometheus in Handschellen (Bill Bonner)

kieselflink @, Mittwoch, 02.04.2008, 00:42 (vor 6518 Tagen)

Bewundernswert, wie Bonner in seiner heutigen Letter das ganze derzeitige "überraschende und nicht vorshersehbare" Finanz-Tohuwabohu runterbricht auf den Faktor Mensch. Musste ich einfach reinstellen...


_______________________________________________________________________

von Bill Bonner

Geld hat keinen Reisepass und trotzdem gleitet es durch fast jede Grenze. Es lässt keine Fahnen wehen, aber es ist in fast jeder Nation willkommen. Es spricht keine Sprache, aber wenn es spricht, dann hört fast jeder zu. Doch trotz all dieser Reize hat Geld mehr Feinde als Freunde. Und die größte Bedrohung stellt vermutlich die Finanzindustrie selbst dar.

“Keine Sorge”, sagte der aufgeweckte junge Mann bei einer Londoner Privatbank zu mir, „wir halten das höchste Niveau der Professionalität aufrecht und verwenden die fortschrittlichsten Werkzeuge des modernen Portfoliomanagements.“

Und genau deswegen habe ich mir Sorgen gemacht. Was folgt ist eine Klage… und eine Anklage… zum aktuellen Zustand der Leute im Finanzwesen: Sie werden von ihren eigenen Theorien behindert… eingeschränkt durch ihre eigene schmierige Zunft.

Ich war von dem Mann, der vor mir stand, beeindruckt. Gut aussehend, gut gekleidet und drei Sprachen fließend beherrschend, hatte er Jahre damit zugebracht, die Prinzipien der Wirtschaft, der Finanzen und des Managements zu erlernen. Sein Geschwätz gegenüber möglichen zukünftigen Kunden war tadellos.

Ja, sagte er, die Forschungsabteilung sucht eifrig nach Alpha… aber es weiß, dass 80% der Leistungen aus der sorgfältigen Diversifikation der Geldanlagen abhängt, die von den Strategen der Bank auf der Basis von Risiko/Ertrags-Analysen berechnet wurden, die schon hundert Jahre zurückgehen. Die erwarteten Erträge aus japanischen Wertpapieren werden in den nächsten fünf Jahren beispielsweise bei genau 7,56% liegen… jedoch mit einer erwarteten Volatilität von 20,43%.

Doch dann erfuhr ich, dass man mit dieser Volatilität nicht leben muss. Die Analysten des Unternehmens haben ausgedehnte Forschungen durchgeführt, erklärte er, und sie seien in der Lage gewesen, viele verschiedene Anlageklassen zu finden, die gleiche und entgegengesetzte Volatilität zeigen.

Wenn die japanischen Aktien also in die eine Richtung ausbrechen, dann schwenkt beispielsweise der Ultra-leveraged Macro Opportunity Hedge Fonds des Unternehmens in die andere Richtung.

Werft den Mathematikern einfach einen Knochen zu, sie werden herausfinden, wie man diese Dinge zusammenstellt, so dass man die Erträge maximieren kann und die Risiken minimieren. Und dann, haben Sie am Ende, nach dem Berechnungen der Mathegenies, eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die 100 Dollar, die man heute investiert, im Jahr 10 zwischen 292 und 132 Dollar wert sind.

Das, soviel sollte gesagt werden, ist ein nominaler Wert. Selbst wenn das Ziel erreicht wird, kann es sein, dass man für 132 Dollar nicht einmal mehr eine Tasse Kaffee in London bekommen kann. Schon heute bekommt man kaum mehr einen Kaffee.

So viele Zahlen… die Sechsen… und Siebenen… Fünfen und Vieren… jede Zahl, die die Araber einst erfunden haben, wird genutzt. Aber was bedeuten sie wirklich?

„Können Sie mir sagen, was Öl nächste Woche kosten wird?”, so fing ich an, mein Gegenüber zu quälen, „oder wie es mit dem Dollar aussieht?“

„Natürlich nicht!”

„Wie ist es dann möglich, dass sie Projektionen für die nächsten zehn Jahre erstellen können… für Investitionen, die alle maßgeblich durch den Ölpreis, die Stärke des Dollars, die Inflationsrate und vollständig unvorhersehbare Ereignisse bestimmt werden?“

„Nun, das sind keine Vorhersagen. Es sind Projektionen, basierend auf den Erfahrungen vieler Jahre. Unsere Forscher sind die Besten im Geschäft, mit Abschlüssen aus Harvard, vom MIT und aus Oxbridge. Natürlich weiß niemand, was die Zukunft bringen wird… aber diese Projektionen sind das beste Output des modernen Portfoliomanagements.“

Mit Hinweis auf einen hilfreichen Graphen, der mir von dem Investmentunternehmen zur Verfügung gestellt wurde, setzte ich meine Befragung fort:

„In den vergangenen sechs Monaten musste Merrill Lynch einen Betrag abschreiben, der fast der Hälfte des Buchwerts entsprach. UBS hat 40% abgeschrieben. Wenn diese Finanzverwalter wirklich in der Lage sind, die Erträge und die Risiken auf zwei Stellen hinter dem Komma zu projizieren, wie kommt es dann, dass sie sich selbst nicht vor dieser Krise schützen konnten?“

Sie sollten allen, die in den vergangenen 30 Jahren Betriebswirtschaft oder Volkswirtschaft studiert haben, besondere Parkplätze geben.

Die höhere Bildung hat ihren IQ gesenkt. Jahre der Mühen und der akademischen Bildung haben ihre Sicht verschlechtert und ihnen den gesunden Menschenverstand geraubt.

Ein Blinder hätte die Krise bei den minderwertigen Krediten kommen sehen können. Aber irgendwie ist es den Genies entgangen.

Was ist schief gelaufen? Die Infektion, die sie unfähig werden ließ, lässt sich vielleicht am besten verstehen, indem man sich ansieht, wie die Genies mit Risiken umgehen. Natürlich gibt es keine Möglichkeit zu wissen, wie groß das wahre Risiko ist, niemand weiß, was die Zukunft bringt.

Nach allem, was ich weiß, wird uns diese Plage in den nächsten Wochen alle ausmerzen. Auch weiß niemand genau, wo der Ölpreis in der nächsten Woche liegen wird… oder im nächsten Jahr… oder in den nächsten zehn Jahren. Und niemand kennt die wahren Risiken des Ölmarktes.

Kriege… das Wetter… der technische Fortschritt… wer weiß das schon?

Aber anstatt zuzugeben, dass sie es einfach nicht weiß… hat sich die Finanzindustrie auf unglaubliche Serien von Mythen und Betrügereien eingelassen, die selbst den Göttern den Atem rauben müssen.

Da sie die wahren Risiken nicht kennen konnten, ersetzten sie die Volatilität als Vertreter, was ein wenig so ist, als würde man eine aufblasbare Gummipuppe als Ersatz für die Ehefrau mit zu einer Party nehmen. Die Unterhaltung ist vielleicht etwas langweilig, aber sie wird einem wenigstens nicht widersprechen.

Nachdem sie einmal die Risiken ausgeschaltet haben, konnten sie alles sagen, was sie wollten. Sie konnten so tun, als ob sich die Preisbewegungen wie Naturphänomene verhalten. Es war absurd und alle wussten es.

Die Preise hängen davon ab, was die Leute denken, das gilt nicht für Vulkanausbrüche. Aber Richard Fama hat die Efficient Market Hypothesis in den 1960er Jahren entwickelt, so als hätte er den Göttern das Feuer gestohlen.

Er behauptete, dass die Zahlen so behandelt werden könnten, als handelte es sich um zufällige Zahlen. Wenn ein Erdbeben zweimal in den vergangenen 100 Jahren Rom getroffen hätte, dann läge das Risiko eines Erdbebens bei nur 2%. Demzufolge könnten die Straßen der ewigen Stadt in den folgenden 200 Jahren an jedem einzelnen Tag beben… aber die kleine List gab den Mathematikern etwas, mit dem sie arbeiten konnten.

Und dann sahen sie sich die Preismuster an, als handelte es sich um seismische Aufzeichnungen, sie konnten damit alle möglichen fantastischen Simulationen anstellen – ein Wunder, das selbst Jesus die Sprache verschlagen hätte… und sie wären mit neuen, schicken Produkten dahergekommen, wie z.B. dem Highly Leveraged, Sub-prime Debt Portfolio.

Unter Verwendung historischer Normen haben sie die faulen Kredite so wie Pressfleisch zusammengepackt und – wie durch ein Wunder, haben sie daraus ein erstklassiges Anlageprodukt werden lassen.

Aber das war alles Unsinn. Die Preise, von denen man dachte, sie seien zufällig, waren überhaupt nicht zufällig, sondern die Folge von Verfahren, Ideen und Institutionen, die im Laufe der Jahrhunderte aufgebaut wurden. Verändert man die Umstände, dann verändern sich auch die Zahlen.

Oder, wie Soros sagte: die Märkte sind „reflexiv“. In meinen eigenen Worten heißt das, dass die Preise weder feststehen, noch zufällig sind… sondern Gegenstand von Einflüssen. So wurde z.B. festgestellt, dass Aktien Anleihen langfristig in der Leistung übertrafen. Aktien auf lange Sicht, hieß ein Titel eines Investment-Bestseller-Buchs im Jahr 1994, in dem behauptet wurde, dass Aktien einen reich machen würden, wenn man sie nur lang genug hielte.

Diese langfristige Belohnung war die Gegenleistung für die Bereitschaft der Investoren, kurzfristige Risiken auf sich zu nehmen, sie nannten es die Risikoprämie… die wiederum über Volatilität definiert wurde. Aktien fallen in manchen Phasen, aber langfristig steigen sie immer. Also gab es für jemanden, der warten kann, überhaupt keine Risiken.

1999 war die Wahrheit schon offensichtlicher: Aktien sollten einen reich machen. Bis dahin war die gesamte Finanzwelt hell erleuchtet… die Aktien waren seit 1994 um das Dreifache gestiegen – auf über 11.000 Punkte am Dow bis zum Ende des Jahres. Jetzt war die Zeit gekommen, Benzin ins Feuer zu gießen. Ein weiterer Bestseller ist in diesem Jahr erschienen. „Dow 36.000“.

Niemandem schien aufzufallen, dass diese Daten, die Investoren davon überzeugten, dass Aktien eine so große Investition seien, in einer Zeit gesammelt wurden, als die Leute dachten, Aktien seien nicht so großartig.

Während langer Phasen der Aktienmarktgeschichte hatten die Investoren höhere Dividendenerträge von Aktien erwartet, als sie über Anleihen bekommen würden – um die Risiken auszugleichen. Und sie haben nur selten mehr als das 20-fache der Erträge gezahlt.

Doch im Jahr 1999 stieg das KGV des S&P auf über 32 – ungefähr auf das doppelte des langfristigen Durchschnittswertes. Die Umstände hatten sich verändert, die Einsichten waren jetzt nicht mehr gültig. Und das Feuer ist erloschen.

Der Dow wird vielleicht immer noch die 36.000 Punkte erreichen, vermutlich dann, wenn eine Tasse Kaffee 132 Dollar kosten wird.

Als ich zuletzt nachgesehen habe, waren zehn Jahre vergangenen und der Dow war wieder da, wo er 1999 geendet hatte. Während dieser Zeit hat auch der Dollar 30% seiner Kaufkraft verloren…

und so sind die Investoren, die an Aktien auf lange Sicht geglaubt haben, heute um 30% ärmer.

--
cheers - kieselflink

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