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Rezension "Staaten bauen" ("State Building") von Francis Fukuyama

weissgarnix @, Freitag, 04.04.2008, 13:20 (vor 6518 Tagen)

Nach seinem “Ende der Geschichte”, welches sich retrospektiv als ziemlich verfrüht herausstellte und dementsprechend Kritik einheimste, verfasste Francis Fukuyama eine Reihe ziemlich guter Bücher zu diversen Themen, u.a. dieses hier, welches mir am Flughafenkiosk in die Hände fiel, allerdings in der englischen Fassung mit dem Titel “State Building”. Mit lediglich 164 Seiten erschien es mir als ideale Urlaubslektüre, genau richtig um die Zeit zwischen 2 Mojitos am Pool irgendwie sinnvoll zu überbrücken …

Der Untertitel des Buches (in der englischen Fassung) lautet “Governance and World Order in the 21st Century” und passt damit perfekt in die aktuelle Gegenwart. Das Werk entstand aus einer Vorlesungsreihe Fukuyamas an der Cornell University, demgemäß bietet es reichlich Stoff bei gleichzeitig leichter Lesbarkeit. Unter “State Building” versteht Fukuyama die Neueinsetzung und Weiterentwicklung von staatlichen Institutionen, und kurzgefasst lautet seine These, dass die brennendsten weltpolitischen Probleme, wie Armut, Hunger, AIDS, Waffenschmuggel und Drogenhandel nicht auf zuviel Staat zurückzuführen sind, sondern im Gegenteil auf zuwenig, weshalb alle gut gemeinten neoliberalen Reformvorhaben in den Entwicklungsländern scheitern müssten.

Als Einstieg in die Materie wählt er aber zunächst nichts weniger als die Situation in Afghanistan und im Irak nach Invasion und Besatzung durch die US-geführte Allianz. Sein Urteil ist in beiden Fällen vernichtend: es handelt sich ganz offensichtlich um “failed states”, und alle Bemühungen der Kriegskoalition zur Einsetzung zuverlässiger Institutionen wären bislang ins Leere gelaufen. Mit dieser Einleitung nimmt er schon am Beginn des Buches den eigentlichen Schluß vorweg, dass nämlich “Nation Building” durch externe Kräfte eine extrem kostspielige und zeitaufwendige Angelegenheit ist, noch dazu mit geschichtlich verbürgten, kollossal schlechten Erfolgsaussichten. In einem späteren Kapitel wird er darauf nochmals im Detail eingehen und dabei auch en passant mit dem Mythos aufräumen, dass die stabile Entwicklung von sowohl Nachkriegsdeutschland als auch -Japan ein Erfolg des US-amerikanischen “Nation Buildings” gewesen wäre. Stattdessen streicht er heraus, dass in beiden Ländern die Vorkriegs-Institutionen weitestgehend in den Wiederaufbau übernommen wurden, was ganz entscheidend für den Erfolg gewesen ist. Ebenso bedauert er, dass die USA aus diesen Beispielen sowohl in Afghanistan als auch im Irak nichts gelernt hätten, und man andernfalls das Vorhaben gänzlich anders und mit weitaus besseren Erfolgsaussichten hätte anlegen können. [Weiterlesen ->]

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