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Gute Analyse und richtige Fragen

harryinfo @, Freitag, 04.04.2008, 15:22 (vor 6518 Tagen) @ DT

Hallo DT,

Zunächst einmal, Deine analytischen Fähigkeiten sind wirklich gut. Ich habe mir vor ein paar Jahren die gleichen Gedanken gemacht. Allerdings habe ich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet, als es normal üblich ist. Die Finanzwirtschaft war bei meinen Betrachtungen nur eine von mehreren Elementen, die ich in ihren Zusammenhängen gesehen habe. Diese Sichtweise auf das Wirtschaftsgeschehen hat sich als ganz brauchbar erwiesen, da sich die gegenwärtigen Entwicklungen gut beschreiben ließen. Der nachfolgende Text von mir stammt aus dem Jahr 2005.

Der Kreis schließt sich

Unser Streifzug durch die Politik und das Wirtschaftsgeschehen hatte eine gefährliche Mischung aus expansiver Geldpolitik, ausufernder Staatsverschuldungen und einen hochspekulativ und risikoreich agierenden Finanzmarkt zutage gefördert. Mit riesigen Geldmengen wird ein globales Kapitalmarktsystem betrieben, dass per Saldo mehr Unternehmens- und Vermögenswerte verbraucht, als es Neue schafft. Die Folge davon ist ein dramatisch anwachsendes Ungleichgewicht innerhalb der wirtschaftlichen Wertschöpfungsstrukturen.

Durch den Druck der Finanzmärkte erlangte die Gewinnmaximierung im Wirtschaftsgeschehen oberste Priorität. Nachdem das Rationalisierungspotenzial der Unternehmen an den nationalen Standorten ausgeschöpft war, bot die Globalisierung weiteres Gewinnmaximierungspotenzial in Form von Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer. Als Folge dieser Entwicklung wird in den westlichen Industriestaaten inzwischen aber mehr Kaufkraft abgeschöpft, als durch neu entstehende wirtschaftliche Wertschöpfung in Form von neuen Technologien, Produkten oder Dienstleistungen erzeugt wird, weshalb die regionalen Wertschöpfungskreisläufe nachhaltig gestört sind.

In den Billiglohnländern wachsen die Binnenmärkte – und somit die daraus resultierende Kaufkraft – zwar punktuell, in ihrer Gesamtheit sind sie jedoch stark unterentwickelt. Der sich jetzt verstärkt abzeichnende Verlust der Kaufkraft in den westlichen Industriestaaten wird den entscheidenden Bruch in den globalen Wertschöpfungsstrukturen auslösen. Bei einer ungebremsten Weiterentwicklung wird dieser Bruch der Finanzwirtschaft ihr realwirtschaftliches Fundament entziehen und damit einen Kollaps des gesamten Weltwirtschaftssystems auslösen.


Diese Analyse war – über den Zeitraum betrachtet - gar nicht so schlecht. Allerdings war für mich nicht die Beschreibung der sich deutlich abzeichnenden Krise von Interesse, sondern immer schon die Frage: Wie kommen wir da wieder raus? Der Prozess, den ich hinter den ganzen Entwicklungen gesehen habe, bietet meiner Auffassung nach auch ganz konkrete Möglichkeiten, aus der Miesere wieder herauszukommen. Ich sehe die Situation nicht so pessimistisch - ganz im Gegenteil. Ich glaube, wenn man jetzt anfängt, einmal systematisch vieles in Frage zu stellen, werden auch die Perspektiven sichtbar. Das einzige wirkliche Problem, dass ich momentan sehe, ist, dass unsere Elite aus Wirtschaft und Politik mit den Entwicklungen überfordert ist.

Gruß Harryinfo

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  • Was sagt uns die derzeitige Krise über die wirtschaftliche Zukunft der Bundesrepublik? (mT) - DT, 04.04.2008, 13:45 [*]
    • Gute Analyse und richtige Fragen - harryinfo, 04.04.2008, 15:22
    • ein sehr guter Überblick.............. - ottoasta, 05.04.2008, 01:55
      • .. und sehr gute Antwort Deinerseits - Kamelzehe, 05.04.2008, 05:12
        • Staatsscheckfinanziert - Tassie Devil, 05.04.2008, 05:55
      • Brot! Und Spiele! Und Angst... - Don_Q, 03.07.2009, 21:05
    • Mein Kompliment@DT f.d. Beitrag - Emerald, 05.04.2008, 02:09
    • Wäre ich Siegermacht aus dem 2. WK... - MI, 05.04.2008, 02:18
      • genauso! aber wehe, wenn das Volk das mal begreift. (oT) [ [ kein Text ] ] - kapiernix, 05.04.2008, 02:44
        • Die Gefahr ist leider sehr gering, siehe @ottoasta oT (oT) - Tengu, 05.04.2008, 11:47
          • nun ja, die Stasi hatte das auch nicht so geplant 89/90 (oT) - kapiernix, 05.04.2008, 13:09
      • Angenommen, diese Analyse trifft zu ... - gwg, 05.04.2008, 12:55
        • s. meine Antwort unten (oT) [ [ kein Text ] ] - MI, 07.04.2008, 01:16
      • Hier die "Road-Map" - Albrecht, 05.04.2008, 15:49
        • VT? - kapiernix, 06.04.2008, 02:12
          • Den Wahrheitsgehalt soll jeder aus seiner Sicht der Realität beurteilen. - Albrecht, 06.04.2008, 03:24
        • Tips - Jochen, 06.04.2008, 02:48
          • *lach* (oT) [ [ kein Text ] ] - MI, 07.04.2008, 01:17
      • Man soll nicht das Fell zu früh verteilen, aber auch nicht die Flinte ins Korn werfen - rbp, 06.04.2008, 10:41
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              • Aber da geht es ja schon wieder um so schwierige Prognosen die Zukunft betreffend ... ;) - JoBar, 07.04.2008, 11:56
          • @Mi: Ganz ruhig! Der Nationalstat geht, der Krieg aber bleibt dir in Europa erhalten! (oT) [ [ kein Text ] ] - Mephistopheles, 07.04.2008, 02:21
            • Ha, ha, der war gut, könntest sogar recht bekommen (oT) [ [ kein Text ] ] - MI, 07.04.2008, 04:29
          • Never say never - Tassie Devil, 07.04.2008, 06:52
      • So lange man die Information in Händen hält läuft das. - DcMontain, 04.07.2009, 08:34
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