Nochmal zu den Derivaten: @dottore weiß natürlich genau, dass Derivate aller Art keine Netto-Vermögenswerte sind. Vielmehr gewinnt hier der eine, was der andere verliert. Netto-Effekt damit Zero --- und ob wir das jetzt *10 oder *10,000 oder gar *10Bio haben, interessiert nicht die Bohne. Dazu noch schnell: Jeder Futures-Händler weiß ja nur zu gut, welche Summen er in einer solchen Derivate-Zählung mit einer Kontrakt-Eröffnung binnen Sekunden schaffen kann und wie schnell diese aus der tollen Zählung auch wieder raus kommt, wenn das OI abnimmt. Also: Hierbei alles halb so wild bzw. den einen freut, was den ander'n wurmt.
Anders sieht es natürlich bei Netto-Vermögenswerten (Aktien, Immos etc.) aus: Wenn es hier steil geht, freut es alle --- von ein paar Short-Sellern abgesehen ---, während auch jeder Eigentümer bedröppelt drein-schaut, wenn es mal abwärts geht. Netto-Effekt auf die persönlichen Eigentümerbilanzen --- einzeln und in toto --- damit genau das Salz in der Suppe.
Bon Apetit!
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DS
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"Things usually work --- until they dont."
Re: Realität und Mathematik
eesti
, Schwedt und Cranz(Ostpreußen), Dienstag, 11.12.2007, 13:57 (vor 6612 Tagen) @ DarkStar
So ganz stimmt das aber nicht.
Treten für eine Partei temporär rechnerische Gewinne ein, so werden sofort Gratifikationen für die Pokernden teilweise in mehrfacher Millionenhöhe pro Person fällig und ausgezahlt.
Der Verlierer sagt einfach "Entschuldigung" und läßt "nachschießen", macht "Kapitalerhöhungen", zahlt statt Dividenden "Aktiendividenden" (er hat also den gleichen Anteil an der Firma, nur mit mehr Anteilsscheine, die er dann eventuell sogar noch extra versteuern darf).
Wer bezahlt den ganzen Unfug?
Der Steuerzahler insgesamt, der privat Vorsorgende, manchmal der Bankaktien Besitzende...
Bezahlt wird oft schleichend durch Geldentwertung.
Aber außer den zufällig temporär richtig liegenden Spielern verlieren eigentlich alle. Gewinnen darf ab und an auchmal ein Immobilienbesitzer, der sich eine Immobilie eigentlich nicht leisten kann. Er darf eine Weile Luxus genießen, ohne dafür zu arbeiten.
Spaßig sind die Zertifikate.
Man tut so, als würde man sein Geld in einem Markt anlegen (oder gegen).
Nichts wird damit produziert, investiert. Nur die Bank bekommt einen zinslosen Kredit durch den Zertifikatekäufer und kann über die bekannten Hebel das Geld mehrfach investieren.
Das Risiko ist dabei gering, denn die Zertifikate werden oft nicht durch die bank selbst, sondern durch gewisse Töchter ausgegeben, die im Ernstfall ohne große Verluste für die Mutterbank Konkurs anmelden dürften.
Danach kann man das Spiel neu beginnen.
Gratifikationen bei Erfolg, Pleite und Neugründung (oder Chapter 11...) bei Fehlspekulation.
...
...
MfG
LR
--
MfG
LR
Alles ist ein Windhauch.
Re: Realität und Mathematik
dottore
, Mittwoch, 12.12.2007, 02:30 (vor 6611 Tagen) @ DarkStar
Hi DarkStar,
Nochmal zu den Derivaten: @dottore weiß natürlich genau, dass Derivate
aller Art keine Netto-Vermögenswerte sind.
Klar.
Vielmehr gewinnt hier der eine,
was der andere verliert.
Ist nicht das Ding. Sondern: Was passiert, wenn der Verlierer nicht erfüllen kann? Die BIZ nennt zwischen 8 und 12 % aller Positionen "nicht gehedgt" - also nur mit Vertrauen der BIG PLAYER untereinander unterlegt.
Netto-Effekt damit Zero --- und ob wir das jetzt
*10 oder *10,000 oder gar *10Bio haben, interessiert nicht die Bohne.
Doch. Entsprechend steigt das Verlustrisiko. Nur ohne Derivate wäre es Null, weil dann kein "Gegenüber" ausfallen könnte, weil es den dann gar nicht gäbe.
Dazu
noch schnell: Jeder Futures-Händler weiß ja nur zu gut, welche Summen er in
einer solchen Derivate-Zählung mit einer Kontrakt-Eröffnung binnen Sekunden
schaffen kann und wie schnell diese aus der tollen Zählung auch wieder raus
kommt, wenn das OI abnimmt. Also: Hierbei alles halb so wild bzw. den einen
freut, was den ander'n wurmt.
Ja, wenn er genug assets hat, um das Wurmen zu verkraften. Und wenn die assets, z.B. CP oder Bills verdampfen?
Anders sieht es natürlich bei Netto-Vermögenswerten (Aktien, Immos etc.)
aus: Wenn es hier steil geht, freut es alle --- von ein paar Short-Sellern
abgesehen ---, während auch jeder Eigentümer bedröppelt drein-schaut, wenn
es mal abwärts geht.
Nicht wenn gehebelt, also mit Krediten gearbeitet wurde. Sonst wären jeglicher Aktien-Crash bzw. Immo-Blasen-Platzung witzlos. Was wenn Du 100 Mio zu 80 beliehen hast und der Wert auf 60 fällt? Dann bist Du pleite (oder hast nachschießen können) und Dein Finanzier schaut bedröppelt drein und strebt ebenfalls der Pleite zu (daher ja der sog. "Domino-Effekt").
Netto-Effekt auf die persönlichen Eigentümerbilanzen
--- einzeln und in toto --- damit genau das Salz in der Suppe.
Nur, wenn alles ungehebelt rumstand.
Das Leveragen ist das Salz in der Suppe. Zuviel davon = Suppe versalzen.
Bon Apetit zurück + Gruß!
einfach mal DANKE an @dottore
MausS
, Irgendwo in Sachsen, Mittwoch, 12.12.2007, 03:27 (vor 6611 Tagen) @ dottore
von einem der "Mehr-Mitleser-als-Schreiber"!
Obwohl ich nicht ganz unbewandert in Finanzdingen bin, aber eben nicht gerade im 1x1 der technischen Trickserei der Hochfinanz-Schulökonomie, einfach mal auch von mir ein dickes DANKESCHÖN für die Mühe und Zeit, dass und wie er sein Wissen hier "ehrenamtlich" an andere weitergibt!
Ich habe mir das 1x1 des ganz großen Geld- und Vermögens-kreislaufes von der gesellschafts- (also macht-) und wirtschaftsphilosophischen Seite her erschlossen und kann nun besonders auch Dank @dottore die praktischen Vorgänge in der realen Wirtschafts- und Finanzwelt immer besser nachvollziehen.
Auch an alle anderen (letzte Zeit besonders @DT), die sich diesbezüglich mühen, einfach einmal ein herzliches DANKE! von mir.
MausS
Re: Realität und Mathematik - Kreisverkehr ?
QuerDenker
, Mittwoch, 12.12.2007, 03:31 (vor 6611 Tagen) @ dottore
Hallo Dottore !
was passiert eigentlich, falls Teile eines "Pakets"
nach einer "Kreisfahrt" (Weiterreichen in der Kette) wieder beim
ursprünglichen "Erst-Herausgeber" landen ?
Sowas wäre doch bei den heutigen "Rettungaktionen" denkbar - oder ?
Der "Wert" könnte ja dann beliebig festgelegt werden (0%-100%) ?
Auf der anderen Seite hätten wir eine nach "Kompensation" immer noch
die "Nebenkosten" der Restkette ... und damit sogar -??.?% als "Wert" - oder ?
ISt das zu quergedacht ?
Grüsse und DANKE
QueDenker
--
10cc: 'communication is the problem to the answer'
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Kaum - plus als Beispiel: 54 Mrd Derivate der Sachsen-LB
dottore
, Mittwoch, 12.12.2007, 04:14 (vor 6611 Tagen) @ QuerDenker
Hi QuerDenker,
was passiert eigentlich, falls Teile eines "Pakets"
nach einer "Kreisfahrt" (Weiterreichen in der Kette) wieder beim
ursprünglichen "Erst-Herausgeber" landen ?
Dann ergibt sich ein Kurs. Und der muss dann in die Bilanz.
Sowas wäre doch bei den heutigen "Rettungaktionen" denkbar - oder ?
Ja.
Der "Wert" könnte ja dann beliebig festgelegt werden (0%-100%) ?
Wüsste nicht wie. Konzernintern ausgenommen.
Auf der anderen Seite hätten wir eine nach "Kompensation" immer noch
die "Nebenkosten" der Restkette ... und damit sogar -??.?% als
"Wert" - oder ?
Nehmen wir als Beispiel die Sachsen-LB. Die hatte in der 2006er-Bilanz 54 Mrd Euro Derivate (um die es ja in der Diskussion mit DarkStar ging) stehen (91 % davon mit Banken innerhalb der OECD). Würde die BaFin die Sachsen-LB am Sonntag schließen ("dann ziehe ich den Schlüssel" - Sanio), würden diese Geschäfte (Futures nach § 36 RechKredV)
http://www.bafin.de/verordnungen/rechkredv.htm#p36
"in der Luft hängen", jedenfalls wäre völlig unklar, wie sie der Insolvenzverwalter dann abwickeln würde.
Fielen sie aus, würden die Gegenseiten - eben die besagten OECD-Banken plus noch (Rest) andere Kontrahenten - im Nassen stehen, d.h. die Geschäfte könnten nicht abgewickelt werden (weder aktiv noch passiv).
DAS ist die große Domino-Gefahr.
Gruß!
