Es ist alles noch viel schlimmer als man glaubt.
Habe gerade im Handelsblatt ein Interview mit Mohamed El-Erian, Co-Chef des weltgrößten Anleihefonds Pimco, gelesen (Link). Der Beitrag beinhaltet das übliche Gerede in diesen Zeiten. Aber den Abschuss bietet nachfolgender Absatz:
Frage: Muss die amerikanische Notenbank ihre bisherige neutrale Haltung zu Spekulationsblasen überdenken?
Antwort: Die Fed muss ihre Politik modernisieren und zum Beispiel den Effekt von Spekulationsblasen auf den Konsum und die Investitionen berücksichtigen. Und der Internationale Währungsfonds (IWF) muss stärker der Frage nachgehen, wie das Finanzsystem die reale Wirtschaft beeinflusst. Das ist auch eine Herausforderung für die Wissenschaft.
Diese Antwort muss man sich einmal ganz langsam vergegenwärtigen. Sie bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen: Diese Burschen haben keine Vorstellung davon, wie die Wechselwirkungen im gesamten Wirtschaftssystem, also zwischen realer Wirtschaft und Finanzwirtschaft funktionieren. Die simple Wahrheit ist: Sie haben bisher so gearbeitet, als könnte die Finanzwirtschaft losgelöst von der realen Wirtschaft existieren. Für die ist die Welt tatsächlich eine Scheibe – und die heißt Finanzwirtschaft. Und solchen Leuten vertraut man Geld an!
Das Gros dieser Finanzelite sagt ja, dass sie nicht sehen konnten, was da auf sie zukommt. Doch was sie jetzt übersehen, wird ihnen das Genick brechen, denn die Realwirtschaft entzieht der Finanzwirtschaft bereits systematisch den Boden unter den Füßen. Und das, was sie mal wieder nicht sehen, läuft ab mit der Präzision eines Uhrwerks. Bis die Wissenschaft die erhofften Erkenntnisse gefunden hat – man stelle sich das einmal bildlich vor: Hans-Werner Unsinn hätte den großen Geistesblitz – sind die Nachrufe für diese Finanzelite bereits geschrieben.
Abschließend noch ein von mir gern benutzter Spruch, der in diesem Zusammenhang auch treffend ist: Sie werden meinen langjährigen Partner kennen lernen – die Realität.
Gruß Harryinfo
