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Finis Germaniae

moneymind @, Mittwoch, 13.10.2010, 23:00 (vor 5621 Tagen)

Alter Text, vielleicht schon bekannt, immer noch treffend:

Finis Germaniae?

Reflexionen über demografische Ursachen von Revolutionen, Kriegen und politischen Niederlagen

von Gunnar Heinsohn

Die Niederlage der Deutschen bei Jena im Oktober 1806 fällt vernichtend aus, dann aber werden von den Geschlagenen die logischen Schlüsse gezogen. Erstens: Die Vermehrungspolitik soll weitergehen, und zweitens soll »Besitz« endlich zu »Eigentum« transformiert werden. Erst so lassen sich Liegenschaften bei Banken verpfänden. Die dadurch abgesicherten Kredite finanzieren Investitionen. Die Bedienung der Zinsen verlangt Wachstum durch technischen Fortschritt. Man will werden wie England. Denn das hält sich eisern gegen Napoleon, der noch aus dem besetzten Berlin die totale Wirtschaftsblockade des Inselstaates verhängt. Die Freiherren Stein und Hardenberg aber erreichen bis 1811, dass nun jeder alles kaufen kann, auch der wohlhabend gewordene Leibeigene von gestern die Güter eines heute bankrotten Fürsten. Schon drei Jahre später kann sich Preußens Blücher bei Waterloo mit Wellington den Sieg über den korsischen Ausnahmeführer teilen. Bis 1860 wird Frankreich – seit dem Mittelalter Europas volkreichstes Territorium – in der Menschenzahl überholt. Und bereits 1871 besiegen die Deutschen im Alleingang die Nation, der im 17. und 18. Jahrhundert niemand die Vormacht entreißen kann. Bis 1910 wird das Pro-Kopf-Einkommen der Industriewiege England von den Deutschen übertroffen. Naturwissenschaftliche Pionierleistungen und technische Großleistungen erwartet die Welt von nun an aus Mitteleuropa. 1914 verfügen die beiden Kaiserreiche von Berlin und Wien über 100 von 1000 kampffähigen Männern (15 - 29 Jahren) weltweit. Bei der heutigen Supermacht USA sind es mit 30 (2005) nicht einmal ein Drittel davon. Großbritanniens Landstreitkräfte haben einen Umfang, der – so spottet Bismarck – ihre Festnahme durch die preußische Polizei erlaubt. Griffe nach der Weltmacht sind schon aus schwächerer Position versucht worden.

Die Niederlage von 1918 erklärt sich später einer der Geschlagenen aus mangelnder Rücksichtslosigkeit. Gewissensbisse, die er für eine jüdische Erfindung hält, sollen von nun an keinen deutschen Triumph mehr verhindern. »Wenn ich Krieg zu führen habe … würde [ich] ihn nicht wie das Deutschland Wilhelms II. führen, das ständig Gewissensqualen wegen der vollständigen Anwendung seiner Waffengewalt hatte. Ich werde bis zum letzten rücksichtslos kämpfen.« 1

Heute, im Jahr 2005, gibt es auf 10 000 Einwohner 40 neugeborene Söhne in Deutschland. In den Jahren 1900 - 1914 waren es mit 160 viermal so viel. Sie bleiben vom Ersten Weltkrieg verschont. Aus ihnen rekrutieren sich die paramilitärischen Millionenheere von links und rechts der Zwanziger Jahre. Die radikalen Parteien waren viel stärker generations- als politikgetrieben. Nicht nur die Schwarzhemden Mussolinis, sondern auch die Braunhemden Hitlers sind zu 80 Prozent unter 30 Jahre alt. 2 Mit ihnen sollen im September 1939 nicht einfach neue Provinzen erobert, sondern die Gebiete zwischen Danzig und dem Ural ausgemordet und dann deutsch aufgesiedelt werden. Damit die jüdische Ethik der Lebensheiligkeit das Töten von über 150 Millionen Menschen nicht behindert, werden parallel zu den Vernichtungsfeldzügen im Osten die für ansteckend gehaltenen Träger des Fünften Gebotes in einem Genozid zur Wiederherstellung des Rechts auf Völkermord vergast, erschossen oder zu Tode gequält.

Während der Vernichtung von sechzehn Millionen Juden und Slawen verlieren die Deutschen selbst vier Millionen ihrer Schlimmsten und Besten an den Fronten der halben Welt. Sie spüren, dass sie einen dritten Anlauf nicht mehr unternehmen werden. Kommen sie zur Besinnung, weil tausend Jahre urbanen Glanzes ihrer schönsten Städte zu Schutt gebombt wurden? Werden sie »kriegsmüde«, weise und dann sogar pazifistisch? Ihre Professoren und Sozialpädagogen zumindest glauben an den Erfolg ihrer Forderung nach herrschaftsfreiem Dialog. Selbst aus dem Ausland gibt es Preise für eine neue deutsche Diskursethik. Politiker aller Parteien positionieren ein neues Deutschland als Friedensmacht. Aber erleben wir hier wirklich einen Sieg der Philosophie über niedrige Instinkte?

1948 scheitert die arabische Seite an der Auslöschung des soeben durch die UNO geschaffenen Israels. Im Gegenzug werden – ganz ähnlich wie die Deutschen – Palästinenser von Niederlage, Teilung und Vertreibung getroffen. Aber haben deshalb auch sie ihre Träume von Sieg und Vernichtung aufgegeben? Hätte Deutschland sich nach 1945 vermehrt wie die Palästinenser oder gar seit 1900 wie der Gesamtislam, stände die Menschheit vor einer deutschen Nation von 600 Millionen – mit 75 Millionen jungen Männern zwischen 15 und 29. Die welthistorisch größte Invasionsarmee – Hitlers Heer für die Zerschlagung Sowjetrusslands im Juni 1941 – attackierte mit 3,2 Millionen Mann. Würden also 75 Millionen deutsche Jünglinge zehnmal so viel Pazifismus aus Germany in die Welt tragen wie die 7,5 Millionen, die jetzt so vorbildlich friedfertig auftreten? Oder gäbe es Anschläge in Königsberg, Danzig und Prag, weil die fortschrittliche deutsche Jugend doch nicht für die Verbrechen der Nazis bestraft werden dürfe? Bliebe das Uran in den Schächten des Erzgebirges oder müssten die Nachbarn einen vorbeugenden Schlag gegen deutsche Reaktoren ins Auge fassen? Wird also im modernen Deutschland nur gewöhnliche Impotenz als hehre Tugend ausgegeben?

8000 deutsche Fremdenlegionäre kämpften in Dien Bien Phu

Wer nicht 1930 in Lille oder Marseille geboren wurde, konnte 1950 in Indochina nicht mitschießen. Frankreich kam mit geringsten Verlusten durch den Zweiten Weltkrieg, aber die Armeen, die man im September 1939 schonte und im Juni 1940 an der Maginotlinie kapitulieren ließ, sind in den 1950er Jahren schon zu alt für den Dschungel. Unbekümmert um Ho Chi Mins wirkungsvolle Propaganda gegen das Pariser Bündnis mit Alt-Nazis kamen 45 000 Deutsche aus Wehrmacht und Waffen-SS zum Einsatz. 5 000 von ihnen starben in Uniformen der Fremdenlegion. In der Entscheidungsschlacht von Dien Bien Phu kämpften neben 6 000 französischen Fallschirmjägern, deren Ehrenkodex ein Davonlaufen verbot, 10 000 Legionäre. 80 Prozent waren Deutsche. Nach einem Ringen »wie in einer mythischen Gotenschlacht« (Scholl-Latour) verloren sie im Frühjahr 1954 fast tausend Mann und rissen 20 000 Viet-Min mit ins Grab. Die modernen Waffen für Frankreichs Kolonialkrieg stammten aus Beständen der USA. Es waren allein die Siege Amerikas über Deutschland, Japan und die chinesischen Verbände in Korea, die eine Erneuerung des gallischen Imperialismus ermöglichten und Hitlers letztes Aufgebot an seine Seite führten.

Und doch muss zwei Jahrzehnte später auch Amerika das Weite suchen. Obwohl bei eigenen Verlusten von über 50 000 Mann mehr als 1,8 Millionen Gegner fallen, können die Vietnamesen die Weltmacht jedes Jahr mit 400 000 neuen Kriegern überraschen. In den Kampfjahren gegen Paris (1946 - 1954) wächst Vietnams Bevölkerung gerade mal um 3 Millionen (von 27 auf 30). Zwischen dem Beginn des Großkrieges im Jahre 1965 und dem Abzug der GIs im Jahre 1975 aber schnellt sie um 10 Millionen nach oben (von 37 auf 47). Ohne es zu wissen, gewinnen die Asiaten mit einer ureuropäischen Waffe, für die es damals noch keinen Namen gibt und die mittlerweile als Youth Bulge gefürchtet wird. Europäer und Amerikaner wiederum müssen sich geschlagen geben, weil bei ihnen diese Waffe nicht mehr geschmiedet wird. Erst 1970 spürt Gaston Bouthoul: »In Wahrheit war die Entkolonisierung eine Flucht der Europäer vor der Überbevölkerung.« 3 Pro Frau wachsen damals in Indochina zwei bis vier Söhne auf, von denen mindestens die Hälfte im Krieg »verbraucht« werden kann, ohne dass es an Nachwuchs für die Reisfelder und Werkstätten mangelt. Auf westlicher Seite aber kämpfen zunehmend einzige Söhne oder gar einzige Kinder.

Inzwischen kämpfen die Europäer nicht mehr um Kolonien, sondern um die Führung in der Weltwirtschaft. Diesen Kampf haben sie aber schon verloren. Kopf an Kopf liegen Frankreich und die Bundesrepublik bei den europäischen Wettkämpfen in Bush-Gegnerschaft. 85 von 100 Franzosen fühlen eine tiefe Ablehnung gegen den US-Präsidenten und gewinnen Gold. 83 von 100 Deutschen schaffen mit demselben Gefühl Silber. Bronze fällt an Spanien mit 81 Prozent. Dafür erringen die Iberer Gold bei der generellen Ablehnung einer amerikanischen Weltmachtrolle (72 Prozent), während Frankreich diesmal nur Silber einheimst (69 Prozent) und Deutschland (60 Prozent) sich sogar hinter Italien auf dem vierten Platz wiederfindet. Ein zweites Silber gewinnt die Bundesrepublik dann aber bei der Einschätzung einer amerikanisch dominierten NATO. Während 2002 noch 74 Prozent das Bündnis für lebenswichtig halten, geht man bis 2005 auf 59 Prozent herunter. Vor den Deutschen rangiert wieder Italien (68 auf 52) mit einem Fall um stattliche 16 Prozentpunkte. 4

70 Prozent aller Europäer wollen die EU als Supermacht im Rang der USA sehen, und 59 Prozent lehnen deren globale Führungsrolle rundweg ab. Aktiv betreiben eine solche Politik bisher jedoch nur die Führungen Frankreichs und Deutschlands. Welches Potenzial können sie in Stellung bringen? Bei Eigentumsstruktur und Wirtschaftsleistung unterscheidet man sich von der angloamerikanischen Welt zwar graduell, aber noch nicht dramatisch. Im Kaufkraftvergleich stehen mit jeweils 28 700 US-Dollar Deutsche (37 Millionen Beschäftigte) oder Franzosen (25 Millionen Beschäftigte) im Jahre 2004 bei achtbaren 72 Prozent der Amerikaner (140 Millionen Beschäftigte; 40 100 US-Dollar). Auch die Armut liegt 2004 in Deutschland (vierköpfige Familie mit zwei Ver- dienern unter 16 000 Euro jährlich) mit 13,5 Prozent kaum höher als in den USA (12,7 Prozent unter 19 300 Dollar jährlich). An öffentlichen Schulden schultern die USA 65 Prozent, die Deutschen 65,8 Prozent und die Franzosen 67,7 Pro- zent einer Jahresproduktion. Allerdings müssen die Lasten Frankreichs und Deutschlands von schrumpfenden und sich dequalifizierenden Bevölkerungen bedient werden. Da sich niemand vorstellen kann, wie das gelingen könnte, sieht Standard and Poors für das Jahr 2050 die französische Staatsschuld bei 260 und die deutsche sogar bei 307 Prozent. In den USA hingegen kann ein um 40 Prozent wachsendes Erwerbspotenzial die öffentlichen Verpflichtungen aus der linken Tasche tilgen.

Für den Wohlstand einer Nation sorgt am stärksten ihr Innovationspotenzial. Bei der Fähigkeit, neue Produkte und Verfahren zu erfinden und anzubieten, die noch kein anderer hat und deshalb auch nicht billiger verkaufen kann, fällt Westeuropa stetig zurück. Die gesamte Anglo-Welt stellt 2005 mit 415 Millionen Einwohnern 6,43 Prozent der Welt- bevölkerung. Die verfügen mit 291 von 500 aber über 58 Prozent der größten Unternehmen der Erde, sind also um den Faktor 9 überrepräsentiert. Deutschland birgt 2005 mit 83 Millionen Einwohnern 1,27 Prozent der Weltbevölkerung und von den 500 größten Unternehmen 32 bzw. 6,4 Prozent. Für Frankreich mit 0,84 Prozent der Weltbevölkerung stehen 25 bzw. 5 Prozent der Unternehmen zu Buche. Die Europäer sind also um den Faktor 5 bzw. 6 überrepräsentiert. Obwohl beide Länder noch tüchtig wirtschaften, ist ihr Abstand zu den Anglos unübersehbar. Gleichwohl stehen sie nicht da wie etwa ein ebenfalls schrumpfendes Polen, das pro zehn Millionen Einwohner beim US-Patentamt jährlich (2002) gerade mal 5 Erfindungen anmeldet gegenüber 642 aus Frankreich (12. Platz) oder 1370 aus Deutschland (6. Platz).

Der prozentuale Wertzuwachs einer Firma (unabhängig von ihrer Größe) gibt recht zuverlässig ihren globalen Innovationsrang an. Von den zehn stärksten Wertgewinnern des Jahres 2005 kommt keiner aus Deutschland oder Frankreich. Die technologische Ausnahmeposition der Anglo-Welt spiegelt sich auch in ihrer Bereitschaft, neue Unternehmen zu ködern. Alle fünf liegen unter den ersten zehn für Business-Friendliness weltweit, während Deutschland mit Platz 19 unterstreicht, dass es einstweilen andere Prioritäten setzt. 5 Das geistige Klima entspricht dem ökonomischen. Die Anglo-Welt beherbergt 46 (USA allein 37) der 50 besten Universitäten der Erde. Frankreich ist mit auf Rang 46 dabei. Deutschland tritt erst auf den Plätzen 51 und 52 in Erscheinung (Münchner Uni und TU). 6

Bei den Geburten pro Frauenleben (Total Fertility Rate) liegen Europas Weltmachtsaspiranten zwar hinten, aber mit Amerika ist auch nur ein Einäugiger König unter Blinden: USA: 2,08; F: 1,85; D: 1,39. In den 15 Jahren seit 1990 legen Deutschland und Frankreich zusammen um 6 Millionen, alle Anglo-Länder zusammen um 60 Millionen Einwohner zu.

Berlin schrumpft von allen Megastädten der Erde am schnellsten. 1994 euphorisiert man sich bis 2020 auf einen Großraum von 10 Millionen à la Paris oder London mit 5 Millionen direkt in der Stadt. 2004 werden von dieser Planung 6 Millionen Menschen gestrichen. Ein Jahr später geht man sogar auf 3 Millionen herunter. In Frankreich sorgen vor allem Araber und Schwarzafrikaner mit höheren Kinderzahlen dafür, dass man nicht noch schneller zurückfällt. Da sie sich auf eine konkurrenzferne Existenz am unteren sozialen Rand einstellen, greifen sie die großzügigen Prämien für Gebären und Erziehung bereitwillig ab. Mit ihrem Kindersegen schaffen sie eine neue Dienstbotengesellschaft. Kindermädchen und Köchinnen sind wieder bezahlbar. In den USA sorgen die katholischen Hispanics für einen ähnlichen Effekt. Die weiße amerikanische Akademikerin aber hat nicht mehr Kinder als eine deutsche (ca. 1,0). Dafür steht Deutschland 2004 mit 2,18 Migranten auf 1 000 Einwohner deutlich vor Frankreich (0,66) und nicht allzu weit hinter den USA (3,31). Schwächen bei Menge und Qualität des Nachwuchses kann nur Amerika kompensieren. Wiewohl seine Studentenquote mit 64 Prozent pro Jahrgang weit vor Deutschland liegt (35 Prozent), rangiert es in der ersten großen PISA-Untersuchung (2000) mit Platz 16 nur unbeträchtlich vor dem 21. Rang der Berliner Republik. Die übrigen Anglos aber holen sich die Plätze vier bis sieben (Reihenfolge: NZ, CDN, AUS, UK). Als globaler Innovationsführer mit optimalen Konditionen, höchsten Gehältern und seiner militärischen Macht aber zieht Amerika die Hochbegabten der ganzen Menschheit an sich. Zusätzlich zu den endgültig Eingewanderten leben 100 000 ausländische Forscher – so viele, wie Schweden, Finnland und Dänemark zusammen haben – in den USA ohne amerikanischen Pass. 20 000 bis 30 000 davon kommen aus Deutschland.

Zu diesem Pragmatismus gegenüber den Talenten, woher immer sie auch kommen mögen, erinnert sich der Autor an Freunde in der New Yorker Stadtverwaltung und ihre Versorgung der Ghettokinder, die bis in die 1990er Jahre für das Erlangen von Sozialhilfe in die Welt gesetzt wurden. Für jedes neue Baby – so die pragmatische Lösung – ließ man zwei Chinesen ins Land, die dafür die Steuern verdienten. Danach allerdings eliminierte die demokratische Regierung diesen Fortpflanzungstypus, indem sie jeder potenziellen Mutter nur noch ein Lebensmaximum von fünf Jahren Sozialhilfe zubilligte. Bill Clintons Parole »we end welfare as we know it« aus dem Wahlkampf 1992 eroberte die Nation im Sturm, weil die zu- lasten des Steuerzahlers aufgezogenen Söhne weniger als zehn Prozent aller amerikanischen Jungen stellten, aber die Hälfte der jugendlichen Gewaltkriminalität verübten. 7

In Deutschland hingegen scheint man sich von Sozialhilfehaushalten viel zu erhoffen. Sie bilden nämlich den einzigen nicht schrumpfenden, sondern sogar kräftig wachsenden Familientypus. Im noch relativ armen Westdeutschland von 1965 (2,3 Kinder pro Frau) lebten 160 000 Kinder unter 18 von Sozialhilfe. Bis 2002 (nur noch 1,3 Kinder pro Frau) wird – jetzt für Gesamtdeutschland – bereits für 1,02 Millionen Kinder bezahlt. In demokratischen Ländern gewinnen auch Minderheiten politischen Einfluss, wo Vorsprünge von zwei oder drei Prozent nationale Wahlen entscheiden. Muslime können bisher nur in Frankreich (10 Prozent) innenpolitische Anliegen und außenpolitische Vorlieben durchsetzen. Es wird zwar nicht ermittelt, wie hoch der Islamanteil am französischen Nachwuchs liegt. Treffen die 20 bis 30 Prozent aber zu, von denen geredet wird, dann werden im Jahr 2050 über 50 Prozent der produktiven Bevölkerung Muslime sein.

Wachsende Minderheiten können demografische Verluste ausgleichen, bei den Einheimischen aber eine gegenläufige Bewegung provozieren. Überall in der entwickelten Welt gilt nämlich, dass die Tüchtigen sich nicht nur ihre Firma, sondern auch den für sie zuständigen Nationalstaat auswählen können. Denn alle OECD-Nationen liegen bei den Geburten unterhalb der Nettoreproduktion, die USA erreichen sie so gerade. Alle reichen Länder kämpfen also längst um die Talente der Nachbarn. Beim Betreten der kanadischen Botschaft für die Auswanderungspapiere nach Vancouver mag man aus australischem Munde die Vorzüge Sidneys zugeraunt bekommen, nachdem man dem Kiwi und seinen Anpreisungen der Naturbelassenheit Neuseelands gerade entkommen ist.

Aus Muslime Frankreich bringen sich heute schon manche Mitglieder der jüdischen Minderheit in Sicherheit. Fast alle politischen Gewalttaten der hinzu gewonnenen treffen sie und oft genug gibt es bei den Schaulustigen keine Hilfe für die Bedrängten. Nach einem Ha’aretz-Bericht vom 3. März 2005 denken von den 520 000 Juden Frankreichs über 50 Prozent an Auswanderung.

In krassem Gegensatz zur Anglo-Welt wird den deutschen Empfängern von Sozialleistungen immer noch versichert, dass man den Hochqualifizierten die Gehälter kappen und die erlangten Beträge nach einem Schwundgang durch die Taschen der Staatskasse an sie weiterleiten werde. Mit solchen Zusagen lassen sich Wahlen umso leichter gewinnen, je mehr Bürger über Transfers bereits teil- oder ganz versorgt werden. In Frankreich und Deutschland ist das gegenüber den USA ein Mehrfaches. Und obwohl gerade in Deutschland die Wohlstandsdifferenz zwischen unten und oben im inter- nationalen Vergleich gering ausgeprägt ist, befürworten 71 Prozent der politisch Interessierten eine noch stärkere Umverteilung »von den Reichen zu den Armen«. 8 56 Prozent der Westdeutschen und 66 Prozent der Ostdeutschen halten im August 2005 den »Sozialismus für eine gute Idee, die bislang nur schlecht ausgeführt worden ist«. 9

Und doch gehören auch in Europa die Tüchtigen nicht Staat, Parteien oder gar den Transferempfängern. Sie haben Freiheit, also Eigentum an sich selbst. Sie messen sich nicht an Landsleuten, die aus irgendeinem Grunde ihr Einkommen nicht verdienen. Sie vergleichen sich mit ihresgleichen in Kanada, Australien, der Schweiz, Irland oder eben den USA. Die westlichen Eliten müssen also längst für das Land, in dem sie momentan Steuern zahlen, immer wieder eine bewusste Entscheidung treffen. Diese wird nur solange für die alte Heimat ausfallen, wie dort aufgrund globaler Technologie- überlegenheit auch überdurchschnittlich gut verdient wird. Gerade da aber fallen Frankreich und Deutschland zurück. Kann also überraschen, dass im August 2005 von den 18- bis 30-jährigen Deutschen 52 Prozent die Frage bejahen? »Würden Sie gern in einem anderen Land als Deutschland leben?«

13 Prozent von ihnen wollen verständlicherweise schnell unter die Sonne Spaniens. Dann aber folgen mit 10 Prozent bereits die USA, wohin im Jahre 2004 neben 25 000 Auswanderern auch 25 000 Empfänger von Arbeitsvisa geflogen sind. Man sieht an solchen Entscheidungen, dass zwar sehr schnell die große Mehrheit eines Landes antiamerikanisch eingestimmt werden kann, aber womöglich gerade dadurch jene Spitzengruppe vergrault wird, von der dieselben politischen Verführer sich den ökonomischen Wiederaufstieg erhoffen. Wo nun – wie in Frankreich, aber auch in den Niederlanden oder Belgien – der Abstieg auch noch von islamistischem Terror begleitet wird, kann die Bleibebegeisterung kaum höher ausfallen als unter Juden oder eben jungen Deutschen, von denen – wahrscheinlich wegen schlechter Sprachkenntnisse und Zeugnisse – nur 40 Prozent daheim bleiben wollen.

Die USA (lediglich 1 Prozent Muslime im Jahr 2005) werden islamischem Druck am längsten widerstehen können. In Deutschland (3,7 Prozent Muslime im Jahr 2005) hingegen könnte gegen 2050 / 2060 eine muslimische Mehrheit erreicht sein. Die käme aber in viel höherem Ausmaß durch Einwanderung zustande als in Frankreich, das diesen Anteil bereits aus eigener Kraft erreichen kann. Die deutsche Bevölkerungsprognose für 2050 läge ohne 140 000 Einwanderer und ihre hier erwarteten Kinder jährlich bei weniger als 50 und nicht bei 67 Millionen. Dass die Hälfte der Jugend von der Auswanderung träumt, ist dabei nicht einmal berücksichtigt.Warum werden die Neudeutschen überwiegend zu Allah beten? Die – ohnehin schnell absinkenden – Begabungsreserven aus dem ehemals britischen Imperium (Bangladesh, Burma, Indien, Pakistan, Sri Lanka etc.) wollen in die knapp 28 Millionen Quadratkilometer der Anglo-Welt (AUS, CDN, IRL, NZ, USA, UK). Sie sehen wenig Anlass, in die hiesigen 350 000 km2 zu streben, wo sie selbst für den unwahrscheinlichen Fall liebevoller Aufnahme zusätzlich zum bereits gesprochenen Englisch auch noch Deutsch lernen müssten. Für jedes Talent von dort, für das man in Deutschland tatsächlich Verwendung hätte, gibt es auch bei den Anglos beste Perspektiven. Der nachbarliche slawische Raum hat viele seiner Mobilsten in den letzten 15 Jahren bereits abgegeben. 15 - 20 Millionen sind nach Westen gegangen und haben dafür gesorgt, dass die osteuropäischen Bevölkerungen nicht nur stagnieren, sondern längst schrumpfen. Die Bundes- republik hat nicht einmal 750 000 dieser Besten an sich ziehen können. Wie man schon 1997 bei den Hongkong-Chinesen geschlafen hat – Kanada holt sich eine Million –, behält man aus Osteuropa oft gerade diejenigen, die ohnehin lieber in der Illegalität verbleiben. Die slawischen Territorien außerhalb der EU leiden längst unter Implosionssymptomen. Energieversorgungen und Transportsysteme brechen zusammen, Unterhaltungsleistungen sinken oder kommen gar nicht erst zur Auszahlung. Schon im Jahre 2000 warnte die CIA davor, hier gar Bündnispartner zu suchen, weil einem alsbald nur noch Schützlinge auf der Tasche liegen werden. 10

Asien hat mit 13 Millionen Quadratkilometern die Größe von Indien und China zusammen. Dort lebt aber nicht mal ein Hundertstel (21 Millionen gegen Milliarden) der Bevölkerung dieser beiden Giganten. Ethnische Russen rücken stetig aus Sibirien ab und überlassen es den Ureinwohnern, die in Nordamerika Eskimos oder Indianer heißen würden. Sie entscheiden sich immer weniger für Moskau oder Petersburg, sondern fliegen gleich nach Toronto oder Seattle. Weit reisen müssen sie allemal, und die Heimat zeigt keinerlei Anzeichen für zukunftsträchtige Leistungen in auch nur einem einzigen High-Tech-Segment. Siedler für diese ungeheuren Territorien gibt es nicht einmal vom südlichen Nachbarn China, wo die Geburtenrate pro Frau mit 1,7 hinter die USA und selbst Frankreich zurückgefallen ist. Die Rohstoffe des Riesenraumes aber braucht der ab 2010 größte Exporteur der Erde so dringend wie der Verdurstende das Wasser. Man wird die Mineralien oder gar die dazugehörigen Territorien allerdings eher kaufen als erobern. Gleichwohl könnte einem Handstreich chinesischer Armeen vom vergreisten Russland (11 Millionen Söhne unter 15) nichts außer Atomwaffen entgegengesetzt werden. Die aber hat Peking auch und überdies Zugriff auf 148 Millionen Söhne unter 15, von denen – wegen höherer Tötung weiblicher Föten und Neugeborener – 15 Millionen zu Hause keine Ehepartner finden werden.Würde eine Moskauer Nomenklatura die eigene Auslöschung für »lediglich« schwere Verluste beim Gegner riskieren? Putin legt im Mai 2000 die 89 Regionen Russlands zu sieben Föderationsbezirken zusammen, deren Grenzen den sieben alten Mili- tärbezirken entsprechen. Sechs lässt er von Militärs und Geheimdienstoffizieren kommandieren. Er bereitet sich also vor. Aber wird diese »Militokratie« 11 einem kräftigen Ansturm standhalten? Werden Deutschland mit Bodentruppen und Frankreich mit Nuklearwaffen für die Gas- und Ölversorgung aus dem Osten einen Krieg mit China anzetteln? Oder wird sich der Traum von der Achse Paris-Berlin-Moskau auf einen Schlag als die Illusion erweisen, die sie immer war? Der Witz vom Marxismus als Erfindung des Westens zur Ausschaltung der östlichen Konkurrenz wird am Ende nur für Russland Gültigkeit behalten.

Was nach Implosionen als zurückgelassener Rest aus den slawischen Nationen noch in den Westen strebt, würde hier weder produktiv werden noch Versorgung finden können. Was in einer solchen Völkerwanderung wiederum als jüngere Elite mit heraustreibt, wird überall im OECD-Raum nachgefragt. Warum sollte sie in ein bereits islamisch absinkendes Westeuropa streben? Die Festungen heißen dann einmal mehr USA und Kanada. Und auch dort kann man doch auf keinen Tüchtigen verzichten.

Europas und damit auch Deutschlands »Südamerika« heißt Afrika. Der nahöstliche Islamgürtel bildet das dahinterliegende Reservoir. Diese Gebiete können rein quantitativ die von Deutschland bis 2050 benötigte Zusatzbevölkerung bereitstellen. Um die heutige Einwohnerschaft von etwa 80 Millionen stabil zu halten, muss die Zahl der Einwanderer bis 2050 auf 700 000 jährlich steigen, um die seit 1972 ausgebliebenen sowie die bis dahin ausbleibenden Geburten zu kompensieren. Bei so einer Stabilisierung stiege das Durchschnittsalter bis 2050 aber in jedem Fall um weitere 10 Jahre auf 52,3. Wollte man auch das jetzige Durchschnittsalter von 42 Jahren halten, wären sogar 3 - 4 Millionen Einwanderer jährlich erforderlich, weil für sie – einmal hier – ja ebenfalls fallende Geburtenzahlen zu erwarten sind. Mit ihnen würde sich die absolute Bevölkerung in Deutschland auf über 160 Millionen mehr als verdoppeln.

Dass die Bevölkerungsreserven in Afrika und im Islam auch qualitativ genügen könnten, behauptet niemand. Einwanderer ohne Hochschulabschluss und selbst länger arbeitende einheimische Akademiker können nämlich eines nicht – die kritische Masse begabter junger Leute bereitstellen, die von klein auf mit High-Tech heranwachsen, souverän mit ihr umgehen und sie dann ehrgeizig und voller Ungeduld auf neue Höhen führen wollen. Diese Essentials für ein Verbleiben Deutschlands in der ersten ökonomischen Liga wird man nicht einfach Schwarzafrikanern oder Muslimen aufbürden können. Da aber gerade sie am ehesten hereindrängen, gibt es für die demografischen Probleme Deutschlands und auch der übrigen Länder Kontinentaleuropas keine elegante Lösung. Bei unveränderter Bevölkerung ist die weitere Überalterung auf 52 Jahre unvermeidlich. Die Hälfte der Einwohner würde aus eher unterqualifizierten Zuwanderern bestehen, die einen Porsche noch fahren, aber seine nächste Generation nicht mehr entwerfen können. Hundert 25- bis 65-Jährige müssten nicht allein 110 Menschen im Rentenalter versorgen, sondern auch noch den Nachwuchs von 0 bis 25 Jahren finanzieren. Ihre Fluchtbereitschaft in weniger drangsalierte Länder wird entsprechend wachsen. Beim Stoppen der Vergreisung würde von bald 170 Millionen Europäern gerade noch ein Viertel aus herkömmlichen Deutschen bestehen. Würden die wiederum ihre Geburtenraten tatsächlich auf 1,8 oder gar die 2,1 Kinder der Nettoreproduktion steigern, hätte das vor 2050 keine Auswirkungen mehr auf das Verhält- nis von Leistungsträgern zu Leistungsempfängern. Die 52 Prozent der jungen Deutschen, die jetzt schon von Auswanderung träumen, beobachten diese irreversible Entwicklung mit wachsender Bestürzung. Und doch werden sie in allen Prognosen einfach weiter mitgerechnet.

Finis Germaniae-Seufzer haben sich schon öfter als voreilig erwiesen. Dennoch sieht die Lage nicht gut aus. Nichtgeborene vollwertig zu ersetzen, ist kaum einfacher als Tote aufzuwecken. Bisher unerprobte Mittel wie etwa die Masseneinwanderung von Babys – Millionen AIDS-Waisen ständen in Afrika bereit – werden nicht einmal von den radikalsten Multikultis vorgeschlagen. Womöglich wird im vollen Niedergang aber kaum noch jemand da sein, der in solchen Kategorien leidet. Gleichwohl, wer heute in Kontinentaleuropa jünger als 40 ist und nicht alsbald den Weg nach Nordamerika findet, wird sich später nur selbst Vorwürfe machen können.

Ein Blick zurück auf ein Vierteljahrtausend macht verständlich, warum Frankreich im Jahre 1800 um die Weltmacht ringt und nur von einer Allianz aus Deutschen, Engländern und Russen besiegt werden kann. Die kurz vor 1500 beginnende Bestrafung der Geburtenkontrolle schlägt jenseits des Rheins besonders brutal zu. Jean Bodin, Universalgenie der Neuzeit und Begründer der Religionstoleranz, sorgt ganz persönlich für Hinrichtungen von so genannten »Weisen Frauen«, denn »wer immer mit der [Verhütungs-]Kunst umgeht, kann nicht in Abrede stellen, dass er … die Wirkung der von Gott eingesetzten Ehe verhindert. … Derjenige also, der die Zeugung oder die Heranreifung der Kinder behindert, muss ebenso als Totschläger angesehen werden wie derjenige, der einem anderen die Gurgel durchschneidet.« 12 Zwei bis vier Jungen pro Vater fallen nun an. Napoleon, selbst eins von sieben Geschwistern, kann in 15 Jahren 1,2 Millionen Söhne des Landes in Kriege führen und sterben lassen – und noch 500 000 der Verbündeten dazu. Er verfährt mit Frankreichs »Überzähligen« wie 150 Jahre später Ho Chi Min mit seinen Vietnamesen.

In Wirklichkeit überdehnt der Korse das Potenzial sogar, wenn er einräumt: »Ich habe eine Staatsschuld von hundert- tausend Männern.« 13 Auch deshalb werden die Gallier anschließend zur Avantgarde beim Wiedergewinn der so heftig bekämpften europäischen Verhütungskunst des Mittelalters. Schon im Jahre 1813 gelingt Joseph Recamier die zweite Erfindung des Vaginalspeculums, das zur Frauenheilkunde gehört wie das Rad zum Wagen. Im Mittelalter heißt es Dioptre. Am Beginn der Neuzeit, die der Gynäkologie weitgehend den Garaus macht, wird es Opfer der blutigen Eingriffe, denen die Europäische Geburtenexplosion geschuldet ist. Sie bringt ab etwa 1490 fast über Nacht sechs bis sieben überlebende Kinder pro Frau statt nur zwei bis drei in der Zeit davor. Die Hexen-Bulla von 1484 entfaltet auf dem Alten Kontinent nämlich umgehend Wirkung für die »Repöplierung« nach dem Bevölkerungsabsturz von 80 auf 50 Millionen seit der Großen Pest von 1348 - 1352. Europaweit verhängt Papst Innozenz VIII. die Todesstrafe für »Personen beiderlei Geschlechts … welche die Geburten der Weiber umkommen machen und verursachen … dass die … Frauen … nicht empfangen«. 14 »Abgesehen« vom immer schon bestraften Schadenszauber, so präzisiert der 1487er Hexen-Hammer als Rechtskommentar zur Bulla, ist nunmehr eine »siebenfache Hexerei« auszurotten, deren Delikte durchweg den »Liebesakt und die Empfängnis im Mutterleibe mit verschiedenen Behexungen infizieren«. 15

Secundones, also Zweit- und Nachgebore, nennen die Spanier ihre jugendlichen Konquistadoren. Auch sie werfen sich nieder und schreien zum Herrn, bevor sie zum Töten schreiten, aber ihr »Gold, Ruhm und Evangelium« gewährt der Religion doch nur den letzten Platz. Bis zum Ersten Weltkrieg erzeugt Europa ununterbrochen Youth Bulges, also eine über- mäßige Ausstülpung der Bevölkerungspyramide bei den 15- bis 29-Jährigen. 30 bis 45 von 100 männlichen Einwohnern unterstehen dann den Rekrutierungsbehörden. Vier Jahrhunderte lang werden Geburtenraten wie heute im Gaza-Streifen oder in Uganda erzwungen. Wie ein nicht endender Mongolensturm holt sich die Alte Welt mit diesem Überschusspotenzial bis 1918 neun Zehntel der Erde. Dabei werden für das direkte Unterwerfen und Töten weniger als 500 000 Mann eingesetzt, und auch die gesamte Siedlerzahl erreicht zwischen 1500 und 1900 gerade einmal vierzig Millionen.

Im Jahr 1492 kommen im weltweiten Vergleich von 1000 Männern im besten Kampfalter (15- bis 29-Jährigen) gut 100 aus Europa. 1914 sind – unter Einschluss Nordamerikas und Australien / Neuseelands – von 1 000 Wehrfähigen weltweit 350 Weiße. In Kombination mit ihrer eigentumsbasierten Ökonomie wird ihnen die Beherrschung des Globus zum Spaziergang. Europas Lehrer und Pfarrer predigen Imperialismus und soldatischen Geist wie biologische Wahrheiten. Bald kann man sich nur noch untereinander die Kolonien abjagen. Nach den 10 Millionen Gefallenen von 1914 bis 1918 aber geht es rasant abwärts. In fast allen westlichen Nationen werden Lohnabhängige zur Bevölkerungsmehrheit. Eigentums- ökonomien, in denen am Ende über 90 Prozent abhängig erwerbstätig sind, scheitern fast überall an der Nettoreproduktion von 2,1 Kindern pro Frauenleben. Die Menschen stehen in keinem ökonomisch motivierten Generationenvertrag mehr. Ihre Absicherung bei Notfällen erfolgt nicht durch Übergabe eines Eigentums (Hof, Handwerk, Fabrik, Laden etc.) an den Nachwuchs, der als Gegenleistung die Eltern bei Alter und Krankheit versorgt. Fortpflanzung gibt es bei Straffreiheit von Geburtenkontrolle also nur noch aus emotionalen Gründen. Da bereits ein Kind dieses Sehnen erfüllen kann, tendieren die Geburtenraten deutlich unter zwei und fallen bei ausbleibenden Gegenmaßnahmen sogar unter eins. Im Jahre 2005 schaffen nicht einmal die reichsten Länder der Erde die Nettoreproduktion von 2,1 Kindern pro Frauenleben: Luxemburg mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 59 000 Kaufkraft-Dollar bringt 1,79 Kinder, in Norwegen mit 41 000 Kaufkraft-Dollar sind es 1,78.

Seit den späten 1920er Jahren zeigen Untersuchungen im Deutschen Reich, dass die bestbezahlten Angestellten die wenigsten Kinder haben. Sie suchen nach Partnerinnen, die selbst ihren Unterhalt verdienen und / oder bei der Kinderzahl heruntergehen. Da diese Männer um die anspruchsvollsten Arbeitsplätze kämpfen, verschaffen sie sich Konkurrenzvorteile, wenn sie Zeit, Energie und Geld nicht für Frauen und Kinder, sondern für lebenslanges Lernen einsetzen. Trotz Hitlers Todesstrafe auf Abtreibung hört von nun an der Kampf um Wiedergewinnung des antiken und mittelalterlichen Verhütungswissens nicht mehr auf. Bereits 1936 legt der Amerikaner Norman Himes die erste Weltgeschichte der Geburtenkontrolle vor (Medical History of Contraception). Die Gebildeten des technologisch höchstentwickelten Landes der Geschichte standen damals fassungslos vor ihrem Verhütungs-Analphabetismus, der sie noch hinter die Ureinwohner Australiens platzierte. Im selben Maße, wie die hoch qualifizierte Männergruppe wächst, nimmt die Zahl von Versorgungsangeboten an potenzielle Mütter ab. Wollen die Frauen gleichwohl überleben, müssen auch sie in den Wettstreit um Geldlöhne eintreten dürfen. Dafür erkämpfen sie noch im 20. Jahrhundert ihre Emanzipation, also Gleichberechtigung beim Schließen von Arbeits-, Miet- und Kaufverträgen sowie im Wahlrecht und beim Ämterzugang. Im Jahre 2005 rivalisieren über 90 Prozent aller Männer und Frauen auf den Arbeitsmärkten so hart wie 1925 die Minderheit der Spitzenmanager. Um Männer und Frauen auszustechen, setzen auch Frauen ihre stärksten und zugleich gebäroptimalen Jahre (15 - 35) für den Weg nach oben ein. Monetäre Gebäranreize, die diesen Aufstiegszwang brechen könnten, sind in der Weltkonkurrenz nicht bezahlbar.

In diesen Mechanismus des Geburtenrückgangs lässt sich jede beliebige Religion einfüllen, ohne dass er sich ändert. Im Jahre 2005 etwa liegen die islamische Türkei und der multireligiö-se Libanon bei 1,95 Kindern pro Frau, also hinter den USA. Das erklärt, warum der allenthalben erwartete Bürgerkrieg im Libanon nicht ausbricht, als die Syrer im Frühjahr 2005 abziehen müssen. Zwischen 1975 und 1990 hingegen, als sich 150 000 Libanesen gegenseitig umbringen, agieren die 1950 - 1965 Geborenen, und in der Periode haben Libanons Frauen über sechs Kinder. Die großen Tötungen in der Türkei zwischen 1980 und 2000 (40 000 Linke, Kurden, Soldaten etc.) besorgen die Jahrgänge 1950 - 1970, als 5 bis 7 Kinder pro Mutter geboren werden. Politiker, die den Eintritt der Türkei in die EU irgendwann nach 2015 verhindern wollen, um Deutschlands Überschwemmung mit Anatoliern zu verhindern, werden das Land zu diesem Zeitpunkt ablehnen müssen, weil man nicht auch noch seine Rentenprobleme lösen könne.


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Fortsetzung - Teil 2

moneymind @, Mittwoch, 13.10.2010, 23:01 (vor 5621 Tagen) @ moneymind


Von den alten Mächten versuchen in den 1930er Jahren noch einmal Italien und Deutschland, Siedlungsräume an sich zu rei-ßen. Dazu schlägt sich Japan, das im Ersten Weltkrieg nicht einen Mann verliert. Zwischen der Vernichtung der russischen Flotte in der Straße von Tshushima im Jahre 1905 und dem 1941er Angriff auf die amerikanische Flotte in Pearl Harbor legen die Ostasiaten von 45 auf 75 Millionen Menschen zu. Nach 1945 aber verlieren die alternden »Herrenvölker« gegen die jungen Männer von Algerien bis Burma jeden Krieg. Im Jahre 2005 ist der Weltanteil der »Weißen« auf das Niveau von 1500 zurückgefallen. Japan fällt mit. Wenn die besten Forscher der 1980er und 1990er Jahre das 21. Jahrhundert zum »japanischen« erklären, dann ist diese groteske Fehleinschätzung ihrer Überzeugung von der Irrelevanz demografischer Faktoren geschuldet. Nach Monaco (Durchschnittsalter: 45) ergraut kein Land so schnell wie Japan (43), das überdies schlechter als jedes andere OECD-Land auf die Integration von Fremden eingestellt ist. Die »Weißen« stellen 2005 nur noch 120 von 1 000 jungen Männern weltweit. Die wachsen als einzige Söhne oder gar Einzelkinder auf, die mit ständig wachsendem Erfolg zur Gewaltlosigkeit erzogen werden. Deutschland fällt zwischen 1914 und 2020 sogar von bald 60 auf nur noch 6 unter 1 000 Jünglingen weltweit. Ein wenig beachteter Erfolg dieses Niedergangs ist die Harmlosigkeit des deutschen Rechtsradikalismus, obwohl dessen Aktionen es noch immer auf die Schreckensseiten der Weltpresse schaffen. Gewiss ist der 15. Februar 1932 mit 6,1 Millionen Arbeitslosen unter 66 Millionen Deutschen (9,2 Prozent der Bevölkerung) vergleichbar mit dem Februar 2005, als 5 Millionen arbeitslos gemeldet werden. Richtig ist allerdings auch, dass 1932 lediglich 24 Millionen Erwerbstätige für den Rest sorgen können, während heute 43 Millionen in die Kassen zahlen. Dass 2005 so gut wie alle Unterkunft und Speise haben und auch einen Arzt aufsuchen können, beugt ebenfalls einem Toben auf den Straßen vor.

Die deutschen Mütter zwischen 1904 und 1914 haben viermal so viele Kinder wie die von 1994. Im Jahre 1932 sind die mächtigen Geburtenüberschüsse von 1904 - 1914 zwischen 18 und 28 Jahre alt und wollen etwas werden. Der Dreifachknüppel aus demografischer Überzähligkeit, hormoneller Jungmännerwut und Arbeitslosigkeit trifft sie auf einen Schlag. Schon Pubertierende fiebern unter roten Sternen oder schwarzen Hakenkreuzen, um vielleicht per Marschtritt in Positionen zu gelangen. Massenmörder wie Lenin und Stalin beflügeln die einen, während die anderen sich für den heimischen Führer schlagen, der noch weiter nach vorne kommen will. Diese Unterschiede sind gewichtig, aber unter dem Emotionenmikroskop kaum erkennbar. Man ist schierer Drang, und viel zu viele Kämpfer mit unbändigem Aufstiegswillen wollen an die Spitze proletarischer Massen oder gleich der ganzen Nation. Selbst schwerste Regierungsfehler bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit von 2005 können blutrünstige Männerbünde à la 1932 nicht hervorbringen. Die notwendigen Kämpfer-Marschierer sind schlichtweg nicht vorhanden. Gerade mal 10 000 gewaltbereite Rechtsradikale und 5000 linke Kämpfer melden die Verfassungsschützer für 2003. Jeder davon ist zu viel, als Rekruten für paramilitärische Millionenheere aber taugen sie nicht. Für ihre Kontrolle reichen die 270 000 Polizisten im Land.

Die gewaltige Wucht der in Europas kolonialem Herrschaftsraum triumphierenden jungen Männer wird erst nach den »Befreiungs«-Kriegen voll ausgespielt. Während für die Vertreibung der Weißen deutlich unter einer Million Toten auf beiden Seiten zu Buche stehen, geht es nun in eine ganz andere Dimension. Die Revolutionen fressen dabei aber nicht ihre Kinder, sondern die Brüder aus den siegreichen Youth Bulges. Wo man einen Weißen von seinem Posten gejagt hat, wollen von dort nun zwei oder drei Aufständische dem Volke dienen. Deshalb teilen sie sich auf in Verteidiger der Kampfzeitideale und Verräter an der Revolution. Nach 1956 töten sich zwischen Mauretanien und Timor zwischen 15 und 20 Millionen Männer und Frauen gegenseitig und sorgen für eine bis heute nicht endende Kette von Failed States. Im selben Zeitraum teilen sich im längst dekolonisierten Lateinamerika die überzähligen Brüder in Verteidiger des Gesetzes und Guerillas der Gerechtigkeit auf. Der Subkontinent verdoppelt seinen Anteil an der Weltbevölkerung zwischen 1914 und 1990. Dabei werden zwischenzeitlich fast alle seine Demo- kratien zu Failed States.

Erst nach ein bis zwei Millionen Toten erlöschen die Leidenschaften und freie Wahlen kehren zurück. Demnächst wird selbst Kolumbien Frieden finden. Zwischen 1950 und 1970 haben die Frauen dort sechs bis sieben Kinder, und seit 1970 bringen sich 50 000 der Aktivsten um. Aber 2005 fällt die Total Fertility auf 2,5, und bald wird sie unter 2 liegen. Wer jetzt noch schießt, gehorcht blutleer gewordener Ideologie. Eine nachwachsende kriegerische Massenbasis gibt es nicht mehr. Und doch werden bis 2020 in anderen Welt- regionen etliche hundert Millionen zweite bis vierte Brüder für neue Kämpfe bereitstehen. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt sind das mehr als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Werden auch die wieder mit Thomas Hobbes beweisen wollen, wie gut der Krieg noch jeden Mann durch Sieg oder Heldentod versorgen kann? Der seit Oswald Spenglers Buch von 1918 immer wieder prophezeite Untergang des Abendlandes rückt näher, wenn man ihn nur auf Kontinentaleuropa bezieht. Dort spürt man das durchaus, wenn beispielsweise nur 35 Prozent der EU-Bürger die zusätzlichen Waffen auch bezahlen wollen, die von den erwähnten 70 Prozent für ihren Weltmachtstraum benötigt werden. Sicherheitshalber findet dann doch eine Kooperation mit dem ungeliebten Amerika viel mehr Anhänger (80 Prozent) als eine offene Konkurrenz (13 Prozent).

Im September 2002 hält Präsident Bush die militärische Kraft seines Landes für unprecedented (historisch noch nie da gewesen). Davon kann keine Rede sein. Unprecedented steht Amerika lediglich zwischen 1941 und 1949 da, als man die beiden Großreiche Deutschland und Japan zerschlägt, gleichzeitig das Britische Imperium und die Sowjetunion über Wasser hält und obendrein ein halbes Jahrzehnt lang das Atomwaffenmonopol verteidigen kann. Gleichwohl fällt Amerikas Bevölkerung bis 2005 zum Rest der Welt nur moderat zurück. Darin liegt das Geheimnis seiner Macht, denn Eigentumsstrukturen und Megatötungswaffen besitzen bzw. entwickeln andere auch. Während Deutschlands Manpower-Weltanteil zwischen 1914 und 2050 von 3,9 auf 0,7 Prozent abstürzt, gehen die USA nur von 5,8 auf 4,6 Prozent herunter. Das Land legt zwischen 1750 und 2050 bei der Bevölkerung um den Faktor 200 zu, Deutschland um den Faktor 3, die gesamte Menschheit um den Faktor 13. Bis 2050 werden die USA sogar ihren Abstand auf den Hauptkonkurrenten China von 23 Prozent der dortigen Bevölkerung im Jahre 2005 auf 30 Prozent im Jahre 2050 verringern. Gegenüber Indien wird die aktuelle Stellung von 27 Prozent beinahe gehalten (auch 2050 noch 26 Prozent). Amerika bleibt durchgehend die Nr. 3 bei der Bevölkerung. Allerdings wird sein Durchschnittsalter von 36 auf 38 und für Weiße sogar auf 40 Jahre hochgehen. Noch etwas älter werden die neuen Heimaten für die deutschen Auswanderer in der übrigen Anglo-Welt. Gleichwohl, die North American Free Trade Association (NAFTA) dürfte 2050 mit 610 Millionen Einwohnern auf knapp 22 Millionen Quadratkilometern immer noch ganz weit vorne stehen. Dabei sind die Implosionsflüchtlinge aus Deutschland, dem übrigen Europa und womöglich auch Japan und Korea nicht einmal mitgezählt. Die Globalstrategie der USA bis 2020 / 2025 bestimmt sich – eben der fortlaufenden Rivalität mit China wegen – aus dem Jung- männerüberschuss von über 80 Staaten. Schon am 5. Februar 1997 informiert Generalleutnant Patrick M. Hughes, da- mals Direktor der US Defence Intelligence Agency, die Geheimdienstausschüsse des amerikanischen Kongresses: »Eine globale Bedrohung und Herausforderung der Vereinigten Staaten sind ‚youth bulge Phänomene‘ … die auch historisch die Schlüsselgröße für Instabilität gewesen sind.« Einen zukünftigen Youth Bulge (30 bis 45 Prozent aller männlichen Einwohner im Alter von 15 bis 29) kann es nur bei einem vorhergehenden Children Bulge geben (33 bis 52 Prozent aller männlichen Einwohner im Alter von 0 bis 15). Im Jahre 2005 verfü-gen 68 der 125 bevölkerungsreichsten Länder (davon 62 mit aktuellen Tötungen) 16 über einen Children Bulge mit über 600 Millionen Söhnen (ohne China, aber mit Indien) gegen die 31 Millionen der USA. Für 300 Millionen der jungen Männer wird auf ein akzeptables Unterkommen daheim gehofft. Auf die zweite Hälfte bereitet man sich vor. Entsprechend lautet die globalstrategische Frage: Können 300 Millionen zweite bis vierte Brüder, die Hälfte davon aus dem Islam, in nur 15 Jahren (2005 bis 2020) die Leistung von 20 Millionen Söhnen Europas wiederholen, die sich über 400 Jahre gestreckt die Erde unterwerfen? Die daraus resultierende militärische Frage steht unter der völkerrechtlichen Prämisse, dass die USA gegen diese Massen nicht genozidal, also nicht mit Massenvernichtungswaffen, vorgehen darf und lautet dann: Wie oft kann man den einzigen Sohn hinausschicken, um draußen zehn überzählige Brüder vom Kämpfen und Töten abzuhalten? Grundsätzlich geht das kein einziges Mal. Aber schon im Afghanistankrieg stehen die GIs gegen junge Al-Qaida-Männer aus 43 Nationen, wie man nach Befragung der Guantanamo-Gefangenen erfährt.

Das Vorgehen der USA muss sich den klassischen sechs Optionen für überzählige junge Männer anpassen: (1) Emi- gration bzw. unblutige Kolonisation mit allerdings hohem Unruhepotenzial bei Scheitern auch in der Fremde; (2) Krimi- nalität; (3) Aufstand oder Putsch; (4) Bürgerkrieg und Revolution; (5) Beseitigung von Minderheiten und Völkermord und (6) Angriffs- und Eroberungskrieg bzw. blutige Kolonisation. Strategisch einschlägig ist die Option (6) Eroberung, soweit solche Vorstöße für eine Reichsbildung Interessen der Führungsmacht berühren oder sie gar direkt treffen. Zur Vermeidung von grenzüberschreitenden Kriegen wird also darauf geachtet, dass die Youth-Bulge-Kämpfer sich auf die ersten fünf Optionen innerhalb der Grenzen ihrer Nation beschränken. Gegenüber den Muslimen ist das zumeist gelungen. Das beginnt im Jahre 1975, als junge Männer den Libanon (1935 - 1975 von 0,8 auf 2,8 Millionen) und den Iran (1955 - 1995 von 18 auf 66 Millionen) destabilisieren. Seitdem fallen von den marokkanisch unterworfenen Sahauris bis hin zu den islamistischen Partisanen auf den Philippinen an den Heimatfronten über 1,5 Millionen Tote an. Mehr als 98 Prozent davon sind andere Muslime oder gar Islamisten. In denselben 30 Jahren gibt es im Westen (ohne Russen) – aber unter Einschluss der Israelis sowie aller Gefallenen der beiden Irakkriege und des Afghanistankrieges – weniger als 15 000 Tote.

Aber es gibt auch schwere Versäumnisse, und deshalb treffen die aus Afghanistan koordinierten Al-Qaida-Angriffe Washington und New York am 11. September 2001 direkt. Lange davor nämlich versucht Amerika, die »Nordallianz« unter ihrem – am 9. November 2001 mit Kameragewehr ermordeten – Führer Massoud in eine schlagkräftige Truppe gegen die Taliban aus- zubauen: »Dadurch wollte man die frisch gebackenen Terrorabsolventen der Al-Qaida-Ausbildungslager an die Seite der Talibanverbände in den Kampf gegen den Norden zwingen. ‚Man fixiert sie auf die innerafghanischen Fronten‘, sagt ein Antiterrorbeauftragter, und hofft sie dadurch zu töten, sodass keiner mehr für Terroranschläge außerhalb Afghanistans übrig bleibt. Das war die allgemein akzeptierte Linie.‘« 17 Dabei wünscht man sich keineswegs zynisch etwas herbei, sondern rechnet lediglich die bekannte Blutspur weiter. Denn schon beim 1978er Kommunistenputsch werden 30 000 Afghanen der alten Elite umgebracht. Bis zum Sturz der Moskowiter im Jahre 1992 gibt es 1,7 Millionen Tote und 5 Millionen Flüchtlinge. Aber die Geburtenexplosion geht unvermindert weiter. Deshalb sind die Taliban von 2005 viermal so stark wie die Islamkrieger gegen Sowjetrussland.

Neben Al Qaida stoßen sich auch die Militäraktionen für ein irakisches Imperium mit amerikanischen Interessen. Wie Fridericus Rex die reichsten Provinzen seines Wiener Kaisers angreift und Traumstädte wie Dresden und Prag mit Feuer belegt, macht sich Saddam Hussein über Iran, Kuwait und Saudi-Arabien her. Der Sprung Preußens von 1,4 auf über 4 Millionen Einwohner zwischen 1700 und 1750 wird vom Irak leichtfüßig überboten. Zwischen 1955 und 2005 geht es von 5 auf 25 Millionen, obwohl in diesem halben Jahr- hundert fast eine Million Menschen durch Kriege und Genozide sterben. Die beiden Regenten unterscheiden sich zweifellos im schriftstellerischen Talent, aber dass überzählige Söhne den Heldentod für die Vergrößerung der Nation ihrer Entzweiung durch Bürgerkrieg vorziehen, verstehen beide gleich gut. Friedrichs »Hunde, wollt ihr ewig leben?«, das er 1757 seinen bei Kolin zurückweichenden Grenadieren zuruft, drückt eine Zuversicht auf immer neues »Menschenmaterial« aus, die auch einen Saddam relativ sorglos um den Bestand des Ganzen in den nächsten Angriff treibt. Die anschließenden Kriege gegen Afghanistan (Herbst 2001) und Irak (Frühjahr 2003) können deren Youth Bulges nicht zum Verschwinden bringen. Sie verwandeln aber grenzüberschreitende Aggressionen in innere Kämpfe und einheimischen Terror. Das entgeht beispielsweise der deutschen Regierung, als sie 2 500 Mann in den Norden Afghanistans schickt (Oktober 2005), weil sie ihrer Pazifismusrhetorik treu bleiben will: »Irakkrieg wegen fehlender Megatötungswaffen nein!«, aber »Friedensmission am Hindukusch selbstverständlich!« Die von dorther kommenden Angriffe sind jedoch nur gegenüber den USA gestoppt.

Zu Hause setzt sich dieser Außenfriede in einen ganz gewöhnlichen Bürgerkrieg um, weil bis 2015 jährlich 400 000 bis 500 000 Jungen das Kampfalter erreichen, von denen 350 000 zweite bis vierte Brüder sind, die im Kriegerstolz ihrer Heimat aufwachsen. Die Umwandlung eines Krieges in einen Bürgerkrieg kann auch nach dem Abzug Israels aus Gaza gelingen. Obwohl der Kleinstaat als einziger der westlichen Welt deutlich über der Nettoreproduktion liegt (2,6 Kinder pro Frauenleben), hat sich der Gegner über Jahrzehnte hinweg um den Faktor drei schneller vermehrt. Die Palästinenser haben in Israel und den Gebieten momentan 650 000 Mann zwischen 15 und 29, die israelischen Juden etwa 600 000. Unter den 30- bis 44-Jährigen gibt es letztmalig eine Mehrheit von 500 000 jüdischen Männern gegen 315 000 Araber. Bei den unter 15-Jährigen aber bereiten sich 1,2 Millionen arabische Jungen auf die Entscheidungsschlacht gegen 600 000 jüdische vor. Nie war die palästinensische Überlegenheit größer. Ihre Knaben sind die Fittesten im gesamten Islam, weil für sie die Weltgemeinschaft (UNRWA) Lehrbücher, Schulspeisung und medizinische Versorgung bezahlt. Nur Karrieren kann sie den Herangewachsenen nicht verschaffen. Wenn die Palästinenser nicht werden wie die übrigen Araber zwischen Marokko und dem Land der Saudiprinzen, wo sich Millionen des Überschusses gegenseitig eliminieren, kann ihre Entschlossenheit zur Vernichtung Israels nicht gebremst werden. Die Verschanzung des Restlandes mit Trennzaun zu einer Festung wird seine letzte Hoffnung. Dass gleichwohl der Nahostkonflikt auch weiterhin für viele als Kern des Terrorproblems gelten wird, hat nichts mit den realen Opfern zu tun. Weil die israelische Seite nicht so agiert, wie sie könnte und wie die Gegenseite es für die Juden ununterbrochen ankündigt, liegt man unter den 50 größten Konflikten der letzten 40 Jahre mit 8 000 von 25 Millionen Toten mal gerade auf Rang 46.

Nach den 55 Toten vom Londoner 7. Juli durch eingewanderte Pakistani wird sehr schnell das Elend in ihrem Herkunftsland beklagt. Auch soll Pakistans 1947er »Geburtsfehler« einer gescheiterten Trennung von Religion und Staat genau 58 Jahre später seine verheerenden Wirkungen entfalten. Der ununterbrochene Youth Bulge mit einer Verachtfachung der Bevölkerung zwischen 1930 (gut 20 Millionen) und 2005 (über 160 Millionen) wird weder erwähnt, noch gar mit Gründen für irrelevant erklärt. Dass Terror und Töten gerade aufblühen, als sich Pakistans Pro-Kopf-Einkommen versechsfacht (350 auf 2 200 Kaufkraftdollar von 1970 bis 2005), fällt wegen Unvereinbarkeit mit dem Verelendungsargument ebenfalls unter den Tisch.

Dass der Sieg über den Hunger der Dritten Welt auch den Krieg besiegen wird, verheißen Friedensforscher in immer neuen Werken. Die Youth Bulge-Analyse jedoch findet, dass nach der Sättigung das Töten erst richtig losgeht. Denn die von den Ehrgeizigen erstrebten Positionen lassen sich nicht so schnell vermehren wie Nahrung, Schulbücher und Impfstoffe. Gerade bei zunehmendem Wohlstand verschärft sich noch der ewige Jungmännerzorn, wenn er mit ökonomischer Unterbeschäftigung, sexueller Frustration und demografischer Überzähligkeit kombiniert wird. Um Brot wird gebettelt, um Macht wird geschossen. Ob im aktuellen irakischen Bürgerkrieg, der fast durchweg als Widerstand gegen die US-Besatzung missdeutet wird, Tötungszahlen wie unter Saddam herauskommen, wird sich zeigen müssen. Erst dann aber würde die Anklage fast aller Experten Sinn machen, dass Iraqi Freedom mehr Opfer gebracht als verhindert habe. Bisher steht man einschließlich aller Kriegs-, Bombardierungs- und Attentatstoten bei weniger als zehn Prozent der 1,5 Millionen Kriegstoten unter Saddam. Auch das Personal für Außenterror könnte – allerdings nur kurzzeitig – reduziert sein, da sich Al-Qaida-Männer aus der ganzen Welt in Mesopotamien zum »Endkampf« stellen und dort beträchtliche Verluste erleiden. Wer das Töten im Irak als Ausdruck des Hasses auf die »amerikanische Besatzung« oder Un- gläubige deutet, verwechselt Rechtfertigungen und Gründe. Es ist nicht Bush, der die jungen Männer hervorbringt und wütend macht. Ihr Zorn aber gewinnt durch die USA einen »nobleren« Vorwand für den Konkurrenzkampf um die Spitzenpositionen ihres Landes, als es der schnöde Brudermord je sein könnte. Die älteren gehen ganz unfanatisch in die Produktion, und die nächsten melden sich bei Polizei und Armee. Dennoch bleiben jede Menge dritte und vierte Söhne, die sich vor den Arbeitsämtern und Rekrutierungsbüros in die Luft sprengen und den Irak in die Failed State-Ecke drücken wollen. Die dabei zu beklagenden 3 000 Toten der letzten achtzehn Monate füllen täglich die Medien. Von den im selben Zeitraum ins Kampfalter gelangten 550 000 Irakis berichtet so gut wie niemand. In Massenbewegungen haben es Religionen so gut, weil die jungen Männer die bekämpften Eliten zwar liquidieren, aber nicht als gewöhnliche Mörder oder suizidale Psychopathen ins Amt kommen wollen. Um ehrbare Scharfrichter zu bleiben, suchen sie eine hehre Warte, von der her das Töten wie eine große, aber gewiss auch letzte Härte vor dem Heil anmutet. Deshalb werden Europäer der frühen Neuzeit zu bewaffneten Missionaren. Und deshalb führt die demografische Explosion der Muslime von 140 Millionen Menschen 1900 (global 10 Prozent) auf 1,4 Milliarden 2005 (global 22 Prozent) und 2,8 Milliarden im Jahre 2050 (global 30 Prozent) zu einer Islamistenwelle, die noch vieles mit sich reißen wird. Europa hat für seine demografische Weltdominanz dreimal so viel Zeit benötigt.

Das Streben nach Ehrbarkeit bei der Gewaltausübung formuliert der 25-jährige Pakistani Hassan Butt aus Manchester. Der bekennende Sympathisant für die Londoner Attentäter, der auch britische Muslime zum Kampf gegen den Westen in Afghanistan rekrutiert, spricht im August 2005 mit der Zeitschrift Prospect: »Schon lange vor meiner Zeit als praktizierender Muslim war ich sehr hitzköpfig. Diese Hitzköpfigkeit führte uns auf einen zerstörerischen Weg. Viele Leute, mit denen ich aufwuchs, wandten sich Drogen zu, verstrickten sich in Kriminalität und Prostitution – und das bereits in recht jungen Jahren. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich dem ersten Moslem begegnete, der mir in einer Sprache, die ich verstehen konnte, den Islam nahe brachte. Er zeigte mir, dass eine Menge Wut und Frustration in mir steckte. Und er sagte mir, ich solle diese Energie in etwas Produktiveres lenken. Von da an begann ich, den Islam ernst zu nehmen. Obwohl wir, meine Brüder und ich, Hitzköpfe waren, wurden wir dennoch keine Straßengangster. Wir haben immer noch fleißig studiert und mit guten Noten unsere Prüfungen abgelegt.« Die Grausamkeiten kommen also nicht aus den frommen Büchern, sondern von denjenigen, die keine Killer werden wollen und deshalb die Folianten überhaupt erst entstauben. Die Erregung der jungen Männer kann deshalb mit Erläuterungen über den »eigentlichen« oder »wirklich gemeinten« Inhalt der heiligen Texte auch nicht abgestellt werden. Die kaum abreißende Flut von Artikeln über den üblen Einfluss von Koranlehrern verkehrt mithin Ursache und Wirkung. Wo zur Bewegung fähige Massen fehlen, vermögen selbst geniale Hetzer so gut wie nichts. Und selbst dort, wo Religionsschulen nachweislich ohne terroristisches Curriculum auskommen, hindert das die Absolventen nicht an ihren Taten für ein neues Kalifat von Spanien bis zu den Philippinen.

Weil Kolonisation – als Siedeln mit den jungen Frauen und Tötung oder Verknechtung des Restes – bisher unvorstellbar erscheint, beschränken sich die Youth Bulge-Jünglinge gegenüber dem Westen auf Terror. Die Alternative zu ihm lautet also nicht Frieden, sondern – ganz wie zu Zeiten europäischer Konquistadoren – Eroberung und Reichsbildung. Bereits 1998 versichert der Koranlehrer Mohammed Fazazin in Hamburg-St. Georg den Twin-Tower-Angreifern um Mohammed Atta: »Wir können ihnen [den Deutschen und anderen westlichen Staaten] gar nicht so viel wegnehmen, wie sie uns schulden. … Wir sind hier in einem kriegerischen Land, das den Islam und die Muslime bekämpft. … So dürfen wir uns ihre Töchter, Mütter, Frauen und Seelen nehmen.«

Um eines Tages nicht nur noch genozidale Waffen gegen die auf Reichsbildung setzenden Megaarmeen einsetzen zu können, müssen die USA dort entwickelte Megatötungswaffen wegverhandeln oder vorab ausschalten. Weil es dafür Erfolgsgarantien nicht geben kann, werden sie sich an der Befestigung des eigenen Lagers mit himmelhohen Mauern (Cosmic Shield) durch deutsche Klagelieder am allerwenigsten behindern lassen. Fernschlagkapazitäten sowie die amerikanischen und britischen Flugzeugträgergruppen sollen die dennoch unvermeidlichen Kriege gewinnbar machen. Gegen Großtötungen innerhalb der Youth Bulge-Länder wird es bis dahin bei verbalen Empörungen und papiernen Protesten bleiben. Da das alles niemanden freuen kann, wünscht man sich die nächsten zwanzig Friedensnobelpreise nur für Persönlichkeiten, die Lösungen anbieten, wie der Machtwillen von 300 Millionen ohne Krieg und Gewalt gezähmt werden könnte.

Anmerkungen
1 E. Deuerlein Hitler. Eine politische Biographie München: List, 1969, S. 144
2 S. Reichardt Faschistische Kampfbünde: Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA Köln: Böhlau, 2002
3 Kindermord aus Staatsraison (1970) Stuttgart: DVA, 1972, S. 198
4 Alle Zahlen aus The German Marshal Fund of the United States, Transatlantic Trends 2005 Partners September 2005
5 The World Bank, Doing Business in 2006 September 2005
6 http://ed.sjtu.edu.cn/rank/2005/ARWU2005_Top100.htm
7 D. Blankenhorn Fatherless America: Confronting Our Most Urgent Social Problem New York: BasicBooks, 1995
8 INFRATEST DIMAP für Die Welt, 16. September 2005
9 INFRATEST DIMAP
10 CIANational Foreign Intelligence Board, Global Trends 2015: A Dialogue About the Future With Nongovernment Experts, 2000, S. 43 http://www.odci.gov/nic/pubs/2015_files/2015.htm
11 Kryschtanowskaja, O. Anatomie der russischen Elite: Die Militarisierung Russlands unter Putin Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2005
12 J. Bodin Vom aussgelasnen wütigen Teuffelsheer (1580, 1581), übersetzt von H.J. Fischart, Reprint Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 1973, S. 247
13 G. Bouthoul Kindermord aus Staatsraison (1970) Stuttgart: DVA, 1972, S. 137
14 Sprenger, J., Institoris [Kramer], H. (1487). Malleus Malleficarum: Der Hexenhammer. J. W. R. Schmidt, ed. Berlin: H. Barsdorf, 1906. Reprint Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1974, Bd I, S. XXXVII
15 Ibid., S. 107. Vgl. ausführlich Heinsohn, G., Steiger, O. (2005), Die Vernichtung der Weisen Frauen, Vierte Ausgabe, Erftstadt: MärzArea, S. 455 - 470
16 G. Heinsohn (2003) Söhne und Weltmacht: Terror im Aufstieg und Fall der Nationen Zürich: Orell & Füssli, S. 60 - 70
und ders. »Wie wird sich die Welt ent- wickeln? – Krisenlage in 2020«, Vortrag beim Bundesnachrichtendienst, MünchenPullach, 21. Juni 2005
17 Calabresi et al., M. (2002) »They Had a Plan. Special Report: The Secret History«, in Time, 12. August 2002, S. 34

Quelle

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Kritik & Anmerkungen

Centao @, Donnerstag, 14.10.2010, 11:45 (vor 5621 Tagen) @ moneymind

Hallo moneymind, der Artikel von Gunnar Heinsson ist schon interessant, aber leider in vielen Punkten angreifbar bis tiefgehend falsch & im christl. Sinne sogar unmenschlich.

Zur Reinigung des Geistes empfehle ich zunächst: http://www.nachdenkseiten.de/?p=4936

Ein paar Thesen von mir dazu:

Kriegsgründe, sind vorallem immer auch ökonomisch und machtherrschaftlich motiviert, eben nicht durch die Masse der Teilnehmer, eher durch die sogenannten Eliten provoziert. Zur Kriegsführung braucht es natürlich eine Kriegerkaste. Deutschland\'s Tod ist eher die Gemengung in Gesetzgebung, Politik, Großunternehmertum & Bankstern, gepaart mit Unfähigkeit & Korruption.

Noch was, wer jetzt in die schönsten Urlaubsgebiete fährt, trifft vorallem gutgebräunte & wohlsituierte Pensionäre der fetten Wirtschaftswunderzeit.. & eben keine jungen Leistungserbringer der Neuzeit.. Das finanz. Blasenvermögen der heutigen rent. Minderleister wächst halt viel stärker als das reale Einkommen der Aktiven. Das ist auf Dauer der Systemtod & dann werden Köpfe rollen.

Der G.O. kommt klar aus dieser Ecke, auch wenn natürlich das ganze Volk auch seine Anteile daran hat, ebenso die überzogene Wohlfahrt. Vergessen wir zu dem nicht, das unser Reichtum auch die Armut unserer Sklaven in der 3.ten Welt ist. Siehe aktuell chilen. Kupferminen.. Alles in allem sind die fetten Jahre für ein paar wenige in der westlichen Welt bald vorbei.., die Inder z.B. sind zum Großteil super optimistisch gestimmt..

Grüße, CenTao

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Fragen + Anmerkungen

moneymind @, Donnerstag, 14.10.2010, 14:22 (vor 5621 Tagen) @ Centao

Hi Centao,

danke erstmal für Deinen Beitrag. Ein paar Fragen und Anmerkungen dazu:

> Hallo moneymind, der Artikel von Gunnar Heinsson ist schon interessant > aber leider in vielen Punkten angreifbar bis tiefgehend falsch Ok ... in welchen Punkten genau? Wäre nett, wenn Du das erläutern könntest. > & im > christl. Sinne sogar unmenschlich.

Ja, das hört sich so an. Wenn man Heinsohn im Gesamtkontext liest (\"Söhne und Weltmacht\"), finde ich aber an seiner Sicht der Dinge einleuchtend: Auch Christen haben sich trotz christlicher Ethik unmenschlich verhalten, als sie einen extremen Youth Bulge hatten (von Europa ausgehende Kolonisierung). Heinsohn sieht konsequenterweise die Werte und Ideologien nicht als treibende Kraft von Gewalt, sondern nur als mehr oder weniger wirksame, aber sekundäre \"Brandbeschleuniger\" oder \"Brandbremser\" eines Feuers, das aus einem Youth Bulge besteht. Das tut er auf der Basis breiter vergleichender Untersuchungen von Völkermorden (\"Lexikon der Völkermorde\") Gerade die christliche Familien-, Fortpflanzungs- und Verhütungsmoral der katholischen Kirche war doch eines der wichtigsten ideologischen Mittel, um den europäischen Youth Bulge, der zu Kolonialismus und Weltherrschaft des \"christlichen Europa\" führte, überhaupt erst herzustellen. D.h. das Christentum selbst ist in diesem Punkt nicht weniger widersprüchlich als Heinsohn.

> Zur Reinigung des Geistes empfehle ich zunächst: > http://www.nachdenkseiten.de/?p=4936

Ah, Albrecht Müller. Mh, werd ich mal reinschauen.

> Ein paar Thesen von mir dazu: > > Kriegsgründe, sind vorallem immer auch ökonomisch und > machtherrschaftlich motiviert, eben nicht durch die Masse der Teilnehmer, > eher durch die sogenannten Eliten provoziert.

Richtig. Das würde Heinsohn nicht bestreiten. Ich würde sogar noch weiter gehen. Youth Bulges werden - wie Heinsohn für den Fall Europas ja ausführlich gezeigt hat - auch (und v.a.) aus ökonomischen und machtherrschaftlichen Gründen heraus von Eliten überhaupt erst produziert (Bevölkerungspolitik; die der Nazis ist hierzulande bekannt, aber eben keineswegs einmalig; Heinsohn zeigt, wie Bevölkerungspolitik als Machtstrategie sich bis zum Merkantilismus zurückverfolgen lässt, und sicher ließen sich auch in der Antike Beispiele dafür finden).

Daß die christliche Fortpflanzungs- und Verhütungsmoral Teil der Machstrategie der katholischen Kirche ist, genau wie die islamische patriarchalische Familienmoral Machtstrategie des Islam, brauche ich wohl nicht extra zu betonen.

In other words: Bevölkerungspolitik ist auch Machtpolitik, und auch christliche Kirche und andere Religionen bedienen sich dieser Strategie, die aber vielleicht der moderne Nationalstaat seit dem Merkantilismus bisher auf die Spitze getrieben hat (mit dem Resultat der Weltherrschaft eben), und bei letzterem hat die kath. Kirche auch tatkräftig mitgewirkt. Daß heute die Kirchen verlassen werden und die Familie zerfällt, ist Folge der freien Lohnarbeit und des Marktes; da die islamische Welt diese Machtwaffe noch nicht hat, kann sie nur mit dem Pfund der Zahl wuchern. Wenn sie diese Waffe (Zivilrecht, Markt etc.) aber übernimmt, wird sie ein kurzfristiges Machtpeak erreichen, zu einem Zeitpunkt, in dem die Marktstrukturen schon modernisierend wirken, aber die Überalterung noch nicht eingesetzt hat.

[quote]Zur Kriegsführung braucht es > natürlich eine Kriegerkaste. Deutschland\\\'s Tod ist eher die Gemengung in > Gesetzgebung, Politik, Großunternehmertum & Bankstern, gepaart mit > Unfähigkeit & Korruption.
[/quote]

Das sind normale Phänomene, die es so auch in anderen Ländern gibt, in ex-sozialistischen sogar noch in grösserem Ausmass. Von islamischen Ländern ohne säkulare Verfassung gar nicht erst zu reden. Die Korruption von \"Drittwelt\"-Regierungen ist schon sprichwörtlich. Das zu einem Kernkrisengrund zu erklären, halte ich für moralistisches, aber völlig unrealistisches Denken jeseits jeglicher realistischer Vergleichsmaßstäbe (s.o.).

> Noch was, wer jetzt in die schönsten Urlaubsgebiete fährt, trifft > vorallem gutgebräunte & wohlsituierte Pensionäre der fetten > Wirtschaftswunderzeit.. & eben keine jungen Leistungserbringer der > Neuzeit.. Das finanz. Blasenvermögen der heutigen rent. Minderleister > wächst halt viel stärker als das reale Einkommen der Aktiven. Das ist auf > Dauer der Systemtod & dann werden Köpfe rollen. Das wohl auch. > Der G.O. kommt klar aus dieser Ecke, auch wenn natürlich das ganze Volk > auch seine Anteile daran hat, ebenso die überzogene Wohlfahrt.

Das kommt noch hinzu, ist aber ggü. den \"demographischen Veränderungen\" (Ende der Familie) langfristig gesehen sekundär.

> Vergessen > wir zu dem nicht, das unser Reichtum auch die Armut unserer Sklaven in der > 3.ten Welt ist.

Unsere Gewinne sind die Verluste von Marktverlierern (das sind nicht nur \"3.Welt-\" Länder - eh ein veralteter Begriff, denn die Welt hat sich längst gedreht).

Siehe aktuell chilen. Kupferminen.. Alles in allem sind die > fetten Jahre für ein paar wenige in der westlichen Welt bald vorbei..,

Ganz klar.

[quote]die > Inder z.B. sind zum Großteil super optimistisch gestimmt..
[/quote]

Ja, kann ich aus meinen persönlichen Erfahrungen bestätigen. Bewunderung für Europa haben sie noch, sie kopieren es ja. Mein Eindruck aus persönlichen Bekanntschaften ist auch, daß meine indischen Bekannten den Niedergang Europas - vielleicht, weil sie Europa ja nacheifern - nicht so deutlich sehen und spüren wie Europäer selbst. In ihrer Haltung Europa gegenüber sehe ich aber eine ganz andere Haltung als bei Leuten aus dem Islamgürtel.

Gruss moneymind

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Krisengründe

Centao @, Freitag, 15.10.2010, 09:33 (vor 5620 Tagen) @ moneymind

Hallo moneymind,

danke ebenfalls für Dein ausführliches Posting.

Bei Religionen ist es ja immer wie mit Menschen, Widersprüche sind offensichtlich systemimmanent. Da gebe ich Dir recht, das Christentum, bzw. die Nutzung desselben.., auch zur Bildung einer Youth Bulge, war & ist Teil der Macht.

Zur Korruption, sie ist eher Normalfall denn Ausnahme & liegt sicherlich in der menschlichen Psychologie zur Machtausübung begründet. In manchen Ländern ist sie sogar strafrechtlich relevant..<img src=" /> Ich würde sie ebenfalls eher in die Kategorie Brandbeschleuniger einordnen, sie verschärft gerade im Abschluss einer Epoche die Widersprüche in der Gesellschaft enorm & endet dort auch häufig in der Gewalt. Warum Kernkrisengrund? Korruption ist auch wenn z.B. Goldman-Sachs die griech. Freunde finanztechn. so berät, das einerseits die EU-Kriterien scheinbar eingehalten werden (was von Angfang an falsch war), Subventionen der EU versenkt worden und andererseits eigene Produkte zum eigenen Vorteil dort untergebracht worden sind.
Die Auswirkungen sind schon spürbar & werden die Krise der EU weiterhin bestimmen. Somit für mich ganz klar wichtiger Teil der / einer Krise.

Der Islam ganz klar ist für das hier herrschende bürgerliche System mit all seinen Stärken & Schwächen eine starke Bedrohung, das sehe ich auch so.
Der Bürgermeister von Neukölln sprach heute morgen im MoMa (ARD) ganz klar von rechtsfreien Räumen in seiner Stadt. Diese werden auch über Youth Bulge ausgedehnt - ohne Frage. Wahrscheinlich werden einige Städte eventuell sogar exterrit. Gebiete..

Soweit ein paar Anmerkungen,
Grüße
CenTao

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Antwort

moneymind @, Samstag, 16.10.2010, 00:45 (vor 5619 Tagen) @ Centao

Hi Centao,

Bei Religionen ist es ja immer wie mit Menschen, Widersprüche sind
offensichtlich systemimmanent.

Ja. Manche Religionen wissen sogar um diese Doppelnatur der Menschen.

Da gebe ich Dir recht, das Christentum, bzw.
die Nutzung desselben.., auch zur Bildung einer Youth Bulge, war & ist Teil
der Macht.

Zur Korruption, sie ist eher Normalfall denn Ausnahme & liegt sicherlich
in der menschlichen Psychologie zur Machtausübung begründet.

Vetterleswirtschaft - ist das nicht eine der älteste Formen der Kooperation? Amigos, eine Hand wäscht die andere, Seilschaften ... es gibt viele Varianten. Menschen sind eben Beziehungstiere.

In manchen
Ländern ist sie sogar strafrechtlich relevant..<img src=" />

In manchen ausgewählten Ausnahmeländern.

Ich würde sie
ebenfalls eher in die Kategorie Brandbeschleuniger einordnen, sie
verschärft gerade im Abschluss einer Epoche die Widersprüche in der
Gesellschaft enorm

Wenn sie vorher etwas zurückgedrängt war und dann wieder die Regie übernimmt, ja, wenn man an den Maßstäben rein freiheitlich-bürgerlicher Ideale misst, würd ich sagen.

& endet dort auch häufig in der Gewalt.

Die gehört immer dazu. Sie einzuschränken bzw. beim Staat zu monopolisieren und unter Kontrolle des "Rechts" zu stellen, versuchen nur bürgerliche Rechtsstaaten ... mit gemischten Erfolgen.

Warum
Kernkrisengrund? Korruption ist auch wenn z.B. Goldman-Sachs die griech.
Freunde finanztechn. so berät, das einerseits die EU-Kriterien scheinbar
eingehalten werden (was von Angfang an falsch war), Subventionen der EU
versenkt worden und andererseits eigene Produkte zum eigenen Vorteil dort
untergebracht worden sind.

Korruption, wenn Du von idealisierten Werten her denkst. Ist aber nicht das eigene Überleben jeweils Primärziel eines Menschen, und ist nicht der Verzicht auf dieses Ziel selbstschädigend? Sicher, einzelne tun das und werden ggf. dafür als Märtyrer und Heilige verehrt und zu einem Mythos. Aber kannst Du Dir eine komplette Gesellschaft aus Märtyrern und Heiligen vorstellen? Die hätten in einem solchen Fall gar niemanden mehr, für den sie sich aufopfern könnten und stünden insofern recht dumm da. Ihnen wären nämlich die "Bösewichte" ausgegangen, die sie überhaupt erst zu Märtyrern und Heiligen machen können.

Trotzdem gebe ich Dir recht. Eine gewisse Verlotterung und eine Ausbreitung von Egoismus, den man dann mit dem System Freiheit/Gleichheit rechtfertigt (wer nicht egoistisch handelt, ist der Dumme), beobachte ich auch.

Wenn ich mich aber selbst betrachte, dann sehe mich mich sowohl als Produkt als auch als Mitproduzent der gesamten Krise.

Recht bemerkenswert an Heinsohns Artikel fand ich z.B. diese Passagen:

"Im Jahr 1492 kommen im weltweiten Vergleich von 1000 Männern im besten Kampfalter (15- bis 29-Jährigen) gut 100 aus Europa. 1914 sind – unter Einschluss Nordamerikas und Australien / Neuseelands – von 1 000 Wehrfähigen weltweit 350 Weiße. In Kombination mit ihrer eigentumsbasierten Ökonomie wird ihnen die Beherrschung des Globus zum Spaziergang. Europas Lehrer und Pfarrer predigen Imperialismus und soldatischen Geist wie biologische Wahrheiten. Bald kann man sich nur noch untereinander die Kolonien abjagen.

Nach den 10 Millionen Gefallenen von 1914 bis 1918 aber geht es rasant abwärts. In fast allen westlichen Nationen werden Lohnabhängige zur Bevölkerungsmehrheit. Eigentums- ökonomien, in denen am Ende über 90 Prozent abhängig erwerbstätig sind, scheitern fast überall an der Nettoreproduktion von 2,1 Kindern pro Frauenleben. Die Menschen stehen in keinem ökonomisch motivierten Generationenvertrag mehr. Ihre Absicherung bei Notfällen erfolgt nicht durch Übergabe eines Eigentums (Hof, Handwerk, Fabrik, Laden etc.) an den Nachwuchs, der als Gegenleistung die Eltern bei Alter und Krankheit versorgt. Fortpflanzung gibt es bei Straffreiheit von Geburtenkontrolle also nur noch aus emotionalen Gründen. Da bereits ein Kind dieses Sehnen erfüllen kann, tendieren die Geburtenraten deutlich unter zwei und fallen bei ausbleibenden Gegenmaßnahmen sogar unter eins. Im Jahre 2005 schaffen nicht einmal die reichsten Länder der Erde die Nettoreproduktion von 2,1 Kindern pro Frauenleben: Luxemburg mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 59 000 Kaufkraft-Dollar bringt 1,79 Kinder, in Norwegen mit 41 000 Kaufkraft-Dollar sind es 1,78.

Seit den späten 1920er Jahren zeigen Untersuchungen im Deutschen Reich, dass die bestbezahlten Angestellten die wenigsten Kinder haben. Sie suchen nach Partnerinnen, die selbst ihren Unterhalt verdienen und / oder bei der Kinderzahl heruntergehen. Da diese Männer um die anspruchsvollsten Arbeitsplätze kämpfen, verschaffen sie sich Konkurrenzvorteile, wenn sie Zeit, Energie und Geld nicht für Frauen und Kinder, sondern für lebenslanges Lernen einsetzen. Trotz Hitlers Todesstrafe auf Abtreibung hört von nun an der Kampf um Wiedergewinnung des antiken und mittelalterlichen Verhütungswissens nicht mehr auf.

Der Zusammenhang zwischen Lohnarbeit, Konkurrenz und Nachwuchsverzicht mangels existenzieller Angewiesenheit auf Nachwuchs (der in der Konkurrenz eben eher eine ökonomische Belastung darstellt) ist so einfach, daß ihn kaum einer bemerkt.

Im selben Maße, wie die hoch qualifizierte Männergruppe wächst, nimmt die Zahl von Versorgungsangeboten an potenzielle Mütter ab. Wollen die Frauen gleichwohl überleben, müssen auch sie in den Wettstreit um Geldlöhne eintreten dürfen. Dafür erkämpfen sie noch im 20. Jahrhundert ihre Emanzipation, also Gleichberechtigung beim Schließen von Arbeits-, Miet- und Kaufverträgen sowie im Wahlrecht und beim Ämterzugang.

Eine einfache ökonomische Erklärung der modernen Frauenemanzipationsbewegung, die klar macht, daß diese unter den Bedingungen von Lohnarbeit und Arbeitsmarktkonkurrenz eine ökonomische Notwendigkeit darstellt. Eine Erklärung, die die typischen Kurzschluss-Erklärungen des Geburtenrückgangs aus der Frauenemanzipation (und das dazugehörige Herumgehacke auf den Feministinnen, die ich im übrigen auch nicht mag) ad absurdum führt.

Im Jahre 2005 rivalisieren über 90 Prozent aller Männer und Frauen auf den Arbeitsmärkten so hart wie 1925 die Minderheit der Spitzenmanager. Um Männer und Frauen auszustechen, setzen auch Frauen ihre stärksten und zugleich gebäroptimalen Jahre (15 - 35) für den Weg nach oben ein. Monetäre Gebäranreize, die diesen Aufstiegszwang brechen könnten, sind in der Weltkonkurrenz nicht bezahlbar.

Letzteres scheint mir äußerst kurzfristig gedacht.

In diesen Mechanismus des Geburtenrückgangs lässt sich jede beliebige Religion einfüllen, ohne dass er sich ändert.

Wiederum zeigt H. deutlich die Irrelevanz der Religion für den Geburtenrückgang. Egal welcher Religion die Menschen anhängen: gibt es Lohnarbeit und freie Arbeitsmarktkonkurrenz bei freiem Zugang zu Geburtenkontrolle, geht der Trend in Richtung sub replacement fertility (unter 2,1 kids pro frau, mit den Folgen Schrumpfung und Überalterung).

Im Jahre 2005 etwa liegen die islamische Türkei und der multireligiö-se Libanon bei 1,95 Kindern pro Frau, also hinter den USA. Das erklärt, warum der allenthalben erwartete Bürgerkrieg im Libanon nicht ausbricht, als die Syrer im Frühjahr 2005 abziehen müssen. Zwischen 1975 und 1990 hingegen, als sich 150 000 Libanesen gegenseitig umbringen, agieren die 1950 - 1965 Geborenen, und in der Periode haben Libanons Frauen über sechs Kinder. Die großen Tötungen in der Türkei zwischen 1980 und 2000 (40 000 Linke, Kurden, Soldaten etc.) besorgen die Jahrgänge 1950 - 1970, als 5 bis 7 Kinder pro Mutter geboren werden. Politiker, die den Eintritt der Türkei in die EU irgendwann nach 2015 verhindern wollen, um Deutschlands Überschwemmung mit Anatoliern zu verhindern, werden das Land zu diesem Zeitpunkt ablehnen müssen, weil man nicht auch noch seine Rentenprobleme lösen könne."

Alles in allem also eine Perspektive, die einer wesentlich breiteren Perspektive verpflichtet ist als gängige Perspektiven, und die den Zusammenhang von Wirtschaftssystem und biologischer Reproduktion der Gesellschaft in den Fokus des Blicks nimmt.

Das wollte ich mit den Postings eigentlich mal (wieder, nach einer ganzen Reihe erfolgloser Versuche) in die Diskussion werfen.

Gerade hier scheint die Dunkelheit und Verwirrung nicht weniger groß zu sein als beim Geld - eher grösser.

Gruss
moneymind

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Kommt das Demographieproblem zum richtigen Zeitpunkt?

Bambus @, Freitag, 15.10.2010, 19:42 (vor 5620 Tagen) @ moneymind

Hi MM,

ich bin am Überlegen was die Konsequenz ist vom drastischen Absenken der Deutschen Bevölkerung.

Heinsohn und Du als sein Verfechter will ja für die Zukunft diesen Vorgang als für die Wirtschaft langfristig negativ einschätzen.

Was passiert eigentlich, wenn wir die Sichtweise bzw. den Input, der die eigene Meinung beeinflusst folgendermaßen verändern:

Der GO geht Scheibchenweise vor sich und sagen wir alle 5 Jahre gibt es solche wirtschaftlichen Abschwünge um 5 % wie 2008/2009 und dann wieder 1-2 Prozent Aufschwung.

Die sinkende Demographie sorgt einerseits für weniger Dynamik. Geichzeitig sorgt der Debitismus weiter für Dynamik.

Erben wird besteuert bzw. fällt aus durch Fehlspekulationen in Lebensversicherungen, Aktien, Immobilien und Gold. Dadurch also Tilgen/Abschreiben der Verbindlichkeiten. Geldmenge sinkt...

Arbeitslosigkeit steigt.

Gleichzeitig wird die Demographie in Deutschland zum Vorteil, weil weniger Leute in den Arbeitsmarkt kommen.

Es werden mit weniger Facharbeitern tendenziell eher die lukrativeren Jobs abgearbeitet. Deutschland wird sich am geringer werdenden Kuchen der Welt Prozentual sicherlich gleich bedienen wie vorher. Gleichzeitig sinkt die zu versorgende Deutsche Bevölkerung drastisch. Interessanterweise genau der Teil mit den jetzt hohen Versorgungsansprüchen.

Mal abgesehen von Protektionismus, Dollarcrash u.a....

Das sieht dann so aus als wenn das Absinken der Bevölkerungszahlen in Deutschland genau zum richtigen Zeitpunkt kommt.

Das muss ja nicht synchron ablaufen. Auch zeit-versetzt um 1-5 jahren wird ein Schuh daraus, aber mit mehr Exzessen.

Also Wirtschaftsabschwung in 20 Jahren sagen wir 20 % und Bevölkerungsanzahl Deutschlands auch um 20 % runter. Na, das sollte sich doch ausgleichen.

Eine andere Sache wollte ich Dich auch noch Fragen:

Was hältst Du davon, wenn man probiert dem Debitismus den Zinseszinseffekt zu nehmen, indem man die Erbschaften zur Schuldentilgung nutzt (ich weiß nur nicht, wie man das im debitistischen Sinne möglich ist?). Den Wachstumswahn in einen Kreislauf bringt.

Kennst Du dazu irgendwelche Literatur?

Schickes Wochenende wünscht
Bambus

antworten
 

es geht doch nicht nur um abstrakte zahlenmässige Schrumpfung der Bevölkerung

moneymind @, Samstag, 16.10.2010, 22:38 (vor 5618 Tagen) @ Bambus

Hi Bambus,

ich bin am Überlegen was die Konsequenz ist vom drastischen Absenken der
Deutschen Bevölkerung.

Es geht nicht um eine abstrakte zahlenmässige Schrumpfung, das wäre viel zu kurz gedacht. Die Auswirkungen einer Geburtenrate von 1,3 (in D seit 40 Jahren der Fall) sind weitaus umfassender und eigentlich mit den Händen zu greifen.

Die Halbierung der Gesamtbevölkerung eines Nationalstaats innerhalb einer Generation müsste ja keinen stören, wenn deren Zusammensetzung und Leistungsfähigkeit (Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt) gleich bliebe, was Kurzseher gern unterstellen, weil sie alles weitere schlicht übersehen.

Die Anzahl der Älteren gegenüber den Jüngeren nimmt zu.

Das hat eine ganze Reihe von offensichtlichen Folgen, von denen Du keine einzige auch nur ansatzweise bedenkst. Das umlagefinanzierte Rentensystem wurde zu einer Zeit geschaffen, auf der auf zwei Einzahler noch ein Rentner kam. Dieses Verhältnis wird sich bald herumdrehen. D.h. höhere Beiträge bei niedrigeren Renten. Über die Auswirkungen aufs Gesundheitssystem brauche ich wohl nicht extra hinzuweisen.

Insgesamt: Das Verhältnis der arbeitenden (Wirtschaftsleistungen erbringenden) und der nicht arbeitenden Menschen wird sich drastisch verschieben. D.h. ein weitaus größerer Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit wird für Pflege und Versorgung der älteren Generation aufgewendet werden müssen. Im Vergleich zu Arbeit, die für eine vergleichbare Zahl nachwachsender Kinder aufzubringen wäre, ist damit aber keine Zukunfsperspektive verbunden. Kinder sind unsere Zukunft, Senioren unsere Vergangenheit.

Die Gesellschaft wird also nicht nur insgesamt altern (Durchschnittsalter), sondern auch geistig überwiegend in der Vergangenheit leben, nicht in der Zukunft. In anderen Gesellschaftsformen sind Alte ein Repositorium gesellschaftlichen Wissens und werden wertgeschätzt. In einer Eigentumsgesellschaft, die im Weltmarktwettbwerb steht, sind sie eine Belastung, die Gesellschaften, die diesen Seniorenüberschuss nicht haben, nicht zu tragen haben.

Ich sage das ohne Wertung und finde das nicht gut. Es ist ein Maßstab, den das Wirtschaftssystem vorgibt und der politisch nicht zu umgehen ist, da wir Nationalstaaten haben, die auf einem Weltmarkt konkurrieren, aber keine globalen politischen Instanzen. D.h. die Staaten stehen unter Wettbewerbszwang.

Qualifizierter Nachwuchs wird fehlen, da mit seiner Einwanderung nicht mehr gerechnet werden kann. Erstens sind Fachkräfte knapp, und zweitens ist die Anglowelt für sie weitaus attraktiver als Euroland, dessen Niedergang sie ja sehenden Auges beobachten können. Fehlen wird es an Innovationen (die Marktführerschaft und Exportüberschüsse erbringen) und an produktiven Unternehmern generell.

Insgesamt wird die Wettbewerbsfähigkeit in D sinken, damit die Exportüberschüsse, und damit wird der Wohlstand schrumpfen. Auf Dauer wird man gegen die Schwellenländer nicht ankommen, die zwar denselben Zyklus durchlaufen werden, aber zeitverzögert, und ihren Produktivitäts-Peak noch vor sich haben.

Die hier noch produktiv arbeitende Bevölkerung hat wenige Kinder. Kinder sind eine Verpflichtung gegenüber der Zukunft und stellen eine Perspektive dar. Wo sie fehlt, fehlt oft auch an längerfristigen (über den Zeitraum einer Generation hinausgehenden) Zielen orientiertes Handeln. Kurzfristige Perspektiven rücken in den Vordergrund. Der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und ein eigenes Alter ohne Kinder und ggf. ohne Versorgung ist den meisten bewußt, was wiederum eine "Leben Hier und Jetzt"-Mentalität nach sich zieht, ohne langfristige Ziele und Perspektiven.

Man kann im übrigen eine alternde Bevölkerung, die aber weiterhin in der Marktkonkkurrenz steht, durchaus mit einem alternden Menschen vergleichen, der ebenfalls weiterhin bis zum Ende in der Marktkonkurrenz steht, und da Parallelen ziehen. Ich will jetzt aber nicht sämtliche Konsequenzen skizzieren, sondern lieber dazu ermuntern, mal was gegen den "demographischen Analphabetismus" zu tun, der viel, viel tiefer reicht als das, was Demographen schreiben.

Bisher werden die Herausforderungen nicht einmal zur Kenntnis genommen, sondern verdrängt. Zukunftsweisende Lösungen gibt es bisher keine, und es wird sie vermutlich auch nur in beschränktem Umfang geben können. Eine Diskussion beginnt gerade erst, und da werden erstmal sämtliche Missverständnisse und Lebenslügen von gestern ausgepackt und auf den Tisch gelegt (tja, die Realität meldet sich eben).

Das ist das Niveau, auf dem die Sarrazin-Debatte geführt wird - an fast allen Kernpunkten der Sache vorbei, aber immerhin wird jetzt mehr nachgedacht.

Heinsohn und Du als sein Verfechter will ja für die Zukunft diesen
Vorgang als für die Wirtschaft langfristig negativ einschätzen.

Was passiert eigentlich, wenn wir die Sichtweise bzw. den Input, der die
eigene Meinung beeinflusst folgendermaßen verändern:

Der GO geht Scheibchenweise vor sich und sagen wir alle 5 Jahre gibt es
solche wirtschaftlichen Abschwünge um 5 % wie 2008/2009 und dann wieder
1-2 Prozent Aufschwung.

Die sinkende Demographie sorgt einerseits für weniger Dynamik.
Geichzeitig sorgt der Debitismus weiter für Dynamik.

Erben wird besteuert bzw. fällt aus durch Fehlspekulationen in
Lebensversicherungen, Aktien, Immobilien und Gold. Dadurch also
Tilgen/Abschreiben der Verbindlichkeiten. Geldmenge sinkt...

Arbeitslosigkeit steigt.

Gleichzeitig wird die Demographie in Deutschland zum Vorteil, weil weniger
Leute in den Arbeitsmarkt kommen.

Es werden mit weniger Facharbeitern tendenziell eher die lukrativeren Jobs
abgearbeitet.

Deutschland wird sich am geringer werdenden Kuchen der Welt
Prozentual sicherlich gleich bedienen wie vorher.

Wie kommst Du auf solche Prognosen?

Gleichzeitig sinkt die zu
versorgende Deutsche Bevölkerung drastisch. Interessanterweise genau der
Teil mit den jetzt hohen Versorgungsansprüchen.

?!? Im Verhältnis zur arbeitenden Bevölkerung, die die Versorgungsleistungen ja so oder so erbringen müssen, steigt sie dramatisch.

Mal abgesehen von Protektionismus, Dollarcrash u.a....

Das sieht dann so aus als wenn das Absinken der Bevölkerungszahlen in
Deutschland genau zum richtigen Zeitpunkt kommt.

Wunderbare Milchmädchenrechnung - unter Auslassung sämtlicher relevanten Aspekte <img src=" />

Das muss ja nicht synchron ablaufen. Auch zeit-versetzt um 1-5 jahren wird
ein Schuh daraus, aber mit mehr Exzessen.

Also Wirtschaftsabschwung in 20 Jahren sagen wir 20 % und
Bevölkerungsanzahl Deutschlands auch um 20 % runter. Na, das sollte sich
doch ausgleichen.


Träum weiter, Mann. Ich wünschte, ich wäre genauso naiv, dann ging's mir vermutlich auch besser.


Eine andere Sache wollte ich Dich auch noch Fragen:

Was hältst Du davon, wenn man probiert dem Debitismus den
Zinseszinseffekt zu nehmen, indem man die Erbschaften zur Schuldentilgung
nutzt (ich weiß nur nicht, wie man das im debitistischen Sinne möglich
ist?). Den Wachstumswahn in einen Kreislauf bringt.

Verstehe nicht, wie das funktionieren soll, und worauf es hinauslaufen soll. Müsstest Du mal genauer erläutern.

Kennst Du dazu irgendwelche Literatur?

Nein.

Schickes Wochenende wünscht

Danke, Dir auch.

--
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Ich halte zum Abarbeiten voll dagegen....

Bambus @, Sonntag, 17.10.2010, 14:54 (vor 5618 Tagen) @ moneymind

Hi MM,

ich halte mal naiv dagegen und gehe naiv davon aus, dass das alles nicht so schlimm ist und es irgendwelche Gegenbewegungen wie z.B. technischen Fortschritt gibt:

Hi Bambus,

ich bin am Überlegen was die Konsequenz ist vom drastischen Absenken der
Deutschen Bevölkerung.

Es geht nicht um eine abstrakte zahlenmässige Schrumpfung, das wäre viel zu kurz gedacht. Die Auswirkungen einer
Geburtenrate von 1,3 (in D seit 40 Jahren der Fall) sind weitaus umfassender und eigentlich mit den Händen zu greifen.

Na gut, also sind wir uns ja schon mal einig, das die Zahlenmäßige Reduktion nicht so dramatisch sind.

Wiki-Zahlen Heute 81.887.000 und im Jahr 2050: 68.743.000
Wiki-Zahlen

das sind 13 Mio weniger Menschen. Das wären ca. 16 %.

Die Halbierung der Gesamtbevölkerung eines Nationalstaats innerhalb einer Generation müsste ja keinen stören, wenn deren Zusammensetzung
und Leistungsfähigkeit (Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt) gleich bliebe,
was Kurzseher gern unterstellen, weil sie alles weitere schlicht übersehen.

Die Anzahl der Älteren gegenüber den Jüngeren nimmt zu.

OK, der Altersquotient (>64 Jährige/20-64-Jährige) steigt von Heute 35 auf 50 in 2030 und 65 in 2050

Das hat eine ganze Reihe von offensichtlichen Folgen, von denen Du keine einzige auch nur ansatzweise bedenkst.
Das Umlagefinanzierte Rentensystem wurde zu einer Zeit geschaffen, auf der auf zwei Einzahler noch ein
Rentner kam. Dieses Verhältnis wird sich bald herumdrehen. D.h. höhere Beiträge bei niedrigeren Renten. Über die
Auswirkungen aufs Gesundheitssystem brauche ich wohl nicht extra hinzuweisen.

Ja seit Minister Blüm wohl bekannt. Inzwischen sind aber die zukünftigen Renten schon abgesenkt um ca. 10 % für westdeutsche und die ostdeutschen sind wohl noch dramtischer Betroffen
Rentensenkung
Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, wird die Rente systembedingt noch weiter sinken.
Wenn die Krankenversicherungskosten steigen, wird das auch die Nettorenten senken durch höherer Rentnerbeiträge.

Insgesamt: Das Verhältnis der arbeitenden (Wirtschaftsleistungen erbringenden) und der nicht
arbeitenden Menschen wird sich drastisch verschieben. D.h. ein weitaus größerer Teil der gesellschaftlichen
Gesamtarbeit wird für Pflege und Versorgung der älteren Generation aufgewendet werden müssen.

Ja das wird wohl dramatisch. Gleichzeitig besteht dadurch die perspektive Arbeitslose und Ältere in diesen Bereich sinnvoll in Lohnarbeit zu beschäftigen. Das gute ist doch, das die Rentner auf der einen Seite viel mehr Arbeit machen, aber diese Arbeit auch bezahlen können, weil sie das meiste Vermögen halten.

Im Vergleich zu Arbeit, die für eine vergleichbare Zahl nachwachsender Kinder aufzubringen wäre,
ist damit aber keine Zukunfsperspektive verbunden. Kinder sind unsere Zukunft, Senioren unsere Vergangenheit.

Wenn jemand aus der Arbeitslosigkeit kommt, ist das doch aber eine Perspektiv!?

Die Gesellschaft wird also nicht nur insgesamt altern(Durchschnittsalter, sondern auch geistig überwiegend
in der Vergangenheit leben, nicht in der Zukunft. In anderen Gesellschaftsformen sind
Alte ein Repositorium gesellschaftlichen Wissens und werden wertgeschätzt. In einer Eigentumsgesellschaft,
die im Weltmarktwettbwerb steht, sind sie eine Belastung, die Gesellschaften, die diesen
Seniorenüberschuss nicht haben, nicht zu tragen haben.

Ok, in der Konkurrenz sind die Alten im Globalen Wettbewerb eine Belastung. Die Frage wäre, ob die Deutsche Wirtschaft es schafft diese Alten in der Wirtschaft eine neue Rolle, die Wettbewerbswirksam ist, zu bringen. Ich kenne z.B. einen deutsch-Französisch-Lehrer, der jetzt mit 67 immer noch am Berliner Gymnasium als Aushilfe arbeitet. Also wenn der öffentliche Dienst in Berlin Alte sinnvoll beschäftigt, warum nicht auch die Wirtschaft.
Die Frage ist, ob das Systematisch organisierbar/realisierbar ist. Ich meine, dass die Wirtschaft Lösungen finden wird, wenn der Druck Arbeitskräfte zu finden größer wird.

Ich sage das ohne Wertung und finde das nicht gut. Es ist ein Maßstab, den das Wirtschaftssystem vorgibt
und der politisch nicht zu umgehen ist, da wir Nationalstaaten haben, die auf einem Weltmarkt konkurrieren,
aber keine globalen politischen Instanzen. D.h. Die Staaten stehen unter Wettbewerbszwang.

Qualifizierter Nachwuchs wird fehlen, da mit seiner Einwanderung nicht mehr gerechnet werden kann.
Erstens sind Fachkräfte knapp, und zweitens ist die Anglowelt für sie weitaus attraktiver
als Euroland, dessen Niedergang sie ja sehenden Auges beobachten können. Fehlen wird es an Innovationen
(die Marktführerschaft und Exportüberschüsse erbringen) und an produktiven Unternehmern generell.

Ok, hier trenne ich mal, zwischen den Arbeiten in Deutschland (Altenpflege, Krankenpflege u.s.w.) und Arbeiten um die Markführerschaft zu behalten. In Deutschland bekommt man die Arbeiten mit Areitslosen, längere Arbeitszeiten, Hausfrauen in Arbeit und Rentner die helfen hin. Das ist meiner Meinung nach nur ein Organisationsproblem. Das haben die Deutschen schon immer hingebekommen.

Die technologische Marktführerschaft zu behalten ist schon was anderes......Wie meinte der leider verstorbene Swatch Mann Hayek; : Wenn die Ingenieure nichts mehr zur Wertschöpfung beitragen können, weil sie an ihre Grenzen kommen, muß ich Physiker holen, die weiter schauen und die Grenzen erweitern“

Ich würde mir also im übetragenden Sinn einen Physiker holen der mir die Lösungsrichtung zeigt.
Die Frage ist doch, an was die weniger werdenden die Nachwachsen forschen, um die Grenzen der Innovation zu erweitern. Diese wenigen werden ziemlich teuer werden. Um sie zu bezahlen müssen höchst wirtschftlich profitable Erfindungen/Innovationen getätigt werden. Ich sehe in diesem Druck eine Chance.......jedenfalls theoretisch...ha, ha, ha.......

Insgesamt wird die Wettbewerbsfähigkeit in D sinken, damit die Exportüberschüsse, und damit
wird der Wohlstand schrumpfen. Auf Dauer wird man gegen die Schwellenländer nicht
ankommen, die zwar denselben Zyklus durchlaufen werden, aber zeitverzögert, und ihren
Produktivitäts-Peak noch vor sich haben.

Vorsicht, die vielen Leute in den Schwellenländern sind wahrscheinlich zumeißt arbeitslos, weil die Krise sie erfassen wird. Deshalb werden sie wahrscheinlich für wenig Geld in den Schwellenländern arbeiten. Wenn in Deutschland bestimmte Hochbegabte gesucht werden, wird man sie auch bekommen. Bzw. in diesen Schwellenländern Forschungsabteilungen einrichten, die billiger sind als die wenigen in Deutschland. Outsourcen der Forschungsleistungen.

Die hier noch produktiv arbeitende Bevölkerung hat wenige Kinder. Kinder sind eine Verpflichtung
gegenüber der Zukunft und stellen eine Perspektive dar. Wo sie fehlt, fehlt oft auch an
längerfristigen (über den Zeitraum einer Generation hinausgehenden) Zielen orientiertes Handeln.
Kurzfristige Perspektiven rücken in den Vordergrund. Der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit
und ein eigenes Alter ohne Kinder und ggf. ohne Versorgung ist den meisten bewußt, was wiederum
eine "Leben Hier und Jetzt"-Mentalität nach sich zieht, ohne langfristige Ziele und Perspektiven.

Das sehe ich eher als Positiv an, im Alter gebe ich mein gespartes Geld aus (ich habe keine Kinder). Tendenz, Konsum steigt!!! Da bin ich mir sicher! Die Alten mit Kinder sind im Prinzip Konsumverweigerer durch ihr Ziel die Kohle zusammenzuhalten um zu vererben.

Man kann im übrigen eine alternde Bevölkerung, die aber weiterhin in der Marktkonkkurrenz steht, durchaus
mit einem alternden Menschen vergleichen, der ebenfalls weiterhin bis zum Ende in der Marktkonkurrenz
steht, und da Parallelen ziehen. Ich will jetzt aber nicht sämtliche Konsequenzen skizzieren,
sondern lieber dazu ermuntern, mal was gegen den "demographischen Analphabetismus" zu tun, der viel,
viel tiefer reicht als das, was Demographen schreiben.

Klär mich auf!

Bisher werden die Herausforderungen nicht einmal zur Kenntnis genommen, sondern verdrängt.
Zukunftsweisende Lösungen gibt es bisher keine, und es wird sie vermutlich auch nur in
beschränktem Umfang geben können. Eine Diskussion beginnt gerade erst, und da werden
erstmal sämtliche Missverständnisse und Lebenslügen von gestern ausgepackt und auf den Tisch
gelegt (tja, die Realität meldet sich eben).

Die Wirtschaft wird sich ruckzuck etwas einfallen lassen, wenn der Druck steigt. Die Frage ist eher, ob die Menschen da mitkommen.

Das ist das Niveau, auf dem die Sarrazin-Debatte geführt wird - an fast
allen Kernpunkten der Sache vorbei, aber immerhin wird jetzt mehr
nachgedacht.

Heinsohn und Du als sein Verfechter will ja für die Zukunft diesen
Vorgang als für die Wirtschaft langfristig negativ einschätzen.

Was passiert eigentlich, wenn wir die Sichtweise bzw. den Input, der die
eigene Meinung beeinflusst folgendermaßen verändern:

Der GO geht Scheibchenweise vor sich und sagen wir alle 5 Jahre gibt es
solche wirtschaftlichen Abschwünge um 5 % wie 2008/2009 und dann wieder
1-2 Prozent Aufschwung.

Die sinkende Demographie sorgt einerseits für weniger Dynamik.
Geichzeitig sorgt der Debitismus weiter für Dynamik.

Erben wird besteuert bzw. fällt aus durch Fehlspekulationen in
Lebensversicherungen, Aktien, Immobilien und Gold. Dadurch also
Tilgen/Abschreiben der Verbindlichkeiten. Geldmenge sinkt...

Arbeitslosigkeit steigt.

Gleichzeitig wird die Demographie in Deutschland zum Vorteil, weil weniger
Leute in den Arbeitsmarkt kommen.

Es werden mit weniger Facharbeitern tendenziell eher die lukrativeren Jobs
abgearbeitet.

Deutschland wird sich am geringer werdenden Kuchen der Welt
Prozentual sicherlich gleich bedienen wie vorher.

Wie kommst Du auf solche Prognosen?

Ok, ich habe nicht bedacht, das in den Schwellenländern die Anzahl der Menschen steigt und auch die Qualifikation. Ich nehme diese Prognose erstmal zurück!

Gleichzeitig sinkt die zu
versorgende Deutsche Bevölkerung drastisch. Interessanterweise genau der
Teil mit den jetzt hohen Versorgungsansprüchen.

?!? Im Verhältnis zur arbeitenden Bevölkerung, die die
Versorgungsleistungen ja so oder so erbringen müssen, steigt sie
dramatisch.

Moment, es gibt im Prinzip drei Stellschrauben, an denen gedreht werden kann. Beitragserhöhungen, Rentensenkung und Rentenalter erhöhen (das effektivste, im Zusammenhang mit Rentenkürzungen!!)

Das wird einen neuen „Generationenvertrag geben: „Arbeite so lange Du kannst, und Du bekommst dann etwas mehr, wenn Du Krankeitsbedingt auf Rente gehst.

MM, Du und auch ich werden ziemlich lange arbeiten können. Sieh Dir dottore an, der Arbeitet doch immer noch.

Mal abgesehen von Protektionismus, Dollarcrash u.a....

Das sieht dann so aus als wenn das Absinken der Bevölkerungszahlen in
Deutschland genau zum richtigen Zeitpunkt kommt.

Wunderbare Milchmädchenrechnung - unter Auslassung sämtlicher relevanten
Aspekte

Nix da, wenn wir das Demographieproblem nicht hätten, hätten wir ein Heer von Arbeitslosen in der nächsten Krise!!! Die Demographie ist doch ein wichtiger Mosaikstein, der dazu führt, das die Arbeitslosigkeit in den Konjunkturellen Aufschwüngen schneller sinkt als in der Vergangenheit.

Das muss ja nicht synchron ablaufen. Auch zeit-versetzt um 1-5 jahren wird
ein Schuh daraus, aber mit mehr Exzessen.

Also Wirtschaftsabschwung in 20 Jahren sagen wir 20 % und
Bevölkerungsanzahl Deutschlands auch um 20 % runter. Na, das sollte sich
doch ausgleichen.

Träum weiter, Mann. Ich wünschte, ich wäre genauso naiv, dann ging's mir
vermutlich auch besser.

Ha, ha...ich träum mal weiter. Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt was es konkret heißt in sagen wir 20 Jahren hier zu leben. Ich kenne nur, „lege Geld an, die Rente reicht nicht“.


Eine andere Sache wollte ich Dich auch noch Fragen:

Was hältst Du davon, wenn man probiert dem Debitismus den
Zinseszinseffekt zu nehmen, indem man die Erbschaften zur Schuldentilgung
nutzt (ich weiß nur nicht, wie man das im debitistischen Sinne möglich
ist?). Den Wachstumswahn in einen Kreislauf bringt.

Verstehe nicht, wie das funktionieren soll, und worauf es hinauslaufen
soll. Müsstest Du mal genauer erläutern.

Tja, ich weiß nicht wie es geht. Ich habe mir folgendes überlegt; Im Debitismus ist das Problem Nachschuldner zu finden die bezahlen. Im Debitismus geht es um die ständige Aufschuldung. Diese Schulden können entweder bedient werden durch neue Schulden, durch Abschreibung (Pleite des Schuldners) oder Tilgung.

Wenn diese Aufschuldung Jahrzehnte sogar Jahrhunderte laufen soll ist das durch den Zinseszinseffekt zum scheitern verurteilt. Dieses lineare des Debitismus ist das eigendliche Problem. Der Entschuldungsprozeß findet als Wirtschaftskrise oder als GO statt. Die Frage wäre doch, ob man einen bewussten Entschuldungsprozeß der regelmäßig stattfindet installiert.

Warum soll man nicht das Vermögen das vererbt werden soll nehmen, um den Aufschuldungsprozess in einen Kreislauf zu bringen. Lebenlang aufschulden und zum Tod abschreiben/bzw. duch erarbeitetes Vermögen tilgen

Ist nur so eine debitistisch, Künslerische Ahnung....ha, ha

Kennst Du dazu irgendwelche Literatur?

Nein.

Schickes Wochenende und Dank für Deine ehrliche Ausführung

Bambus

antworten
 

ein paar Antworten

moneymind @, Sonntag, 17.10.2010, 16:28 (vor 5618 Tagen) @ Bambus

Hi Bambus,

ich kann nicht mehr machen als zu versuchen, ein paar mir offensichtlich scheinende Entwicklungen zu skizzieren und Dir zu empfehlen, wenn Du noch kannst, Europa möglichst bald zu verlassen in Richtung Kanada, USA, NZ oder Australien.

Lies mal ein, zwei Bücher, die die demographischen Entwicklungen differenziert und realistisch betrachten. Ist in D tabuisiert seit 33-45, was aber nich heißt, daß es nicht von zentraler Relevanz wäre.

Heinsohn geht dabei analytisch am tiefsten (Familie, Lohnarbeit, Bevölkerungsexplosion und Geburtenrückgang - er liefert eine "allgemeine Bevölkerungstheorie der Neuzeit") und wendet diese dann auf die aktuelle Situation (Europa, Beginn des 21. Jhd) an. Er bietet die breiteste Perspektive, bleibt aber dafür in den Details etwas undifferenziert. Ggf. auch mal bei Herwig Birg oder dem Berlin Institut reinschauen. Letztere wiederum bleiben demographisch beschränkt und übersehen die Implikationen der Migration.

"Söhne und Weltmacht" ist weniger systematisch orientiert. Als Einführung in die H/S'sche "Allgemeine Bevölkerungstheorie" taugt auch Teil B in "Die Vernichtung der Weisen Frauen".

Zentral ist aber das Buch "Menschenproduktion", und zusätlich das Buch "Theorie des Familienrechts: Geschlechtsrollenaufhebung, Kindesvernachlässigung, Geburtenrückgang" von Hensohn/Knieper.

Üblicherweise treffen diese Analysen leider auf Abwehr und Ignoranz. Kann ich gut verstehen, als ich diese Bücher Mitte der 90er gelesen habe (Söhne und Weltmacht erst 10 Jahre später, erschien ja erst 2003), ging es mir zunächst ähnlich. Ich verstand nichts. Dann hat es mein Weltbild komplett und nachhaltig umgekrempelt.

ich halte mal naiv dagegen und gehe naiv davon aus, dass das alles nicht
so schlimm ist

Ich wünschte, ich könnte das auch.

und es irgendwelche Gegenbewegungen wie z.B. technischen
Fortschritt gibt:

Den gibt es für alle, auch die Schwellenländer, die, sobald sie eine funktionierende Eigentusmverfassung haben, zuerst kopieren und dann besser machen.

Die aber haben nicht nur demographische Vorteile, sondern auch eine weitaus anspruchslosere Bevölkerung.

ich bin am Überlegen was die Konsequenz ist vom drastischen Absenken

der

Deutschen Bevölkerung.

Es geht nicht um eine abstrakte zahlenmässige Schrumpfung, das wäre

viel zu kurz gedacht. Die Auswirkungen einer

Geburtenrate von 1,3 (in D seit 40 Jahren der Fall) sind weitaus

umfassender und eigentlich mit den Händen zu greifen.

Na gut, also sind wir uns ja schon mal einig, das die Zahlenmäßige
Reduktion nicht so dramatisch sind.

Die absolute Zahl ist nicht entscheidend. Entscheidend ist die v.a. die Zusammensetzung (Altersgruppen). Ganz unbedeutend ist die pure Zahl aber nicht. Alle Nationen mit Eigentumsverfassung kämpfen ja mit demselben Problem des Fachkräftemangels durch die demographische Entwicklung. Sie müssen also Qualifizierte importieren. Je höher die absolute Bevölkerungszahl, desto höher der absolute Bedarf an (überall knappen) gut ausgebildeten Einwanderungswilligen.

Singapur hat eine Geburtenrate von 1,0, ist aber absolut sehr klein und benötigt daher nur wenige qualifizierte Einwanderer, die es aus dem benachbarten (ebenfalls vergreisenden) China locker holen kann. Ein Land wie Russland dagegen hat bei etwa gleicher Geburtenrate nicht nur einen absolut viel höheren Bedarf; dort wandern die Qualifizierten sogar ab, und kein Chinese will nach Russland auswandern (wenn die überhaupt irgendwohin wollen und nicht zuhausebleiben wollen, dann nach USA oder Kanada, NZ oder AUS).

Deine Perspektive ist einfach naiv, und das ist auch eine Folge der gesamten Nachkriegserziehung und politischen Diskussion in D.

Wiki-Zahlen Heute 81.887.000 und im Jahr 2050: 68.743.000
Wiki-Zahlen

das sind 13 Mio weniger Menschen. Das wären ca. 16 %.

Die Halbierung der Gesamtbevölkerung eines Nationalstaats innerhalb

einer Generation müsste ja keinen stören, wenn deren Zusammensetzung

und Leistungsfähigkeit (Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt)

gleich bliebe,

was Kurzseher gern unterstellen, weil sie alles weitere schlicht

übersehen.

Die Anzahl der Älteren gegenüber den Jüngeren nimmt zu.

OK, der Altersquotient (>64 Jährige/20-64-Jährige) steigt von Heute 35
auf 50 in 2030 und 65 in 2050

Das hat eine ganze Reihe von offensichtlichen Folgen, von denen Du

keine einzige auch nur ansatzweise bedenkst.

Das Umlagefinanzierte Rentensystem wurde zu einer Zeit geschaffen, auf

der auf zwei Einzahler noch ein

Rentner kam. Dieses Verhältnis wird sich bald herumdrehen. D.h.

höhere Beiträge bei niedrigeren Renten. Über die

Auswirkungen aufs Gesundheitssystem brauche ich wohl nicht extra

hinzuweisen.

Ja seit Minister Blüm wohl bekannt. Inzwischen sind aber die zukünftigen
Renten schon abgesenkt um ca. 10 % für westdeutsche und die ostdeutschen
sind wohl noch dramtischer Betroffen
Rentensenkung
Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, wird die Rente systembedingt noch weiter
sinken.
Wenn die Krankenversicherungskosten steigen, wird das auch die Nettorenten
senken durch höherer Rentnerbeiträge.


Insgesamt: Das Verhältnis der arbeitenden (Wirtschaftsleistungen

erbringenden) und der nicht

arbeitenden Menschen wird sich drastisch verschieben. D.h. ein weitaus

größerer Teil der gesellschaftlichen

Gesamtarbeit wird für Pflege und Versorgung der älteren Generation

aufgewendet werden müssen.

Ja das wird wohl dramatisch. Gleichzeitig besteht dadurch die perspektive
Arbeitslose und Ältere in diesen Bereich sinnvoll in Lohnarbeit zu
beschäftigen. Das gute ist doch, das die Rentner auf der einen Seite viel
mehr Arbeit machen, aber diese Arbeit auch bezahlen können, weil sie das
meiste Vermögen halten.

Das kann vielleicht noch (insgesamt) eine Rentnergeneration: die jetzige (die jetzt im Rentenalter befindlichen). Die sind noch Kinder des Nachkriegsbooms, des goldenen Zeitalters des Euro-Kapitalismus ab den 50er Jahren, das Ende der 70er auslief.

Für jede weitere Generation sieht es düsterer aus.

Im Vergleich zu Arbeit, die für eine vergleichbare Zahl nachwachsender

Kinder aufzubringen wäre,

ist damit aber keine Zukunfsperspektive verbunden. Kinder sind unsere

Zukunft, Senioren unsere Vergangenheit.

Wenn jemand aus der Arbeitslosigkeit kommt, ist das doch aber eine
Perspektiv!?

Sicher, Arbeitslosigkeit wird durch den mangelnden Youth Bulge (stattdessen Senior Bulge) weniger ein Problem. Erklärt auch das Desinteresse der nachwachsenden Schrumpfgeneration an revolutionären Ideen.

Die Gesellschaft wird also nicht nur insgesamt

altern(Durchschnittsalter, sondern auch geistig überwiegend

in der Vergangenheit leben, nicht in der Zukunft. In anderen

Gesellschaftsformen sind

Alte ein Repositorium gesellschaftlichen Wissens und werden

wertgeschätzt. In einer Eigentumsgesellschaft,

die im Weltmarktwettbwerb steht, sind sie eine Belastung, die

Gesellschaften, die diesen

Seniorenüberschuss nicht haben, nicht zu tragen haben.


Ok, in der Konkurrenz sind die Alten im Globalen Wettbewerb eine
Belastung. Die Frage wäre, ob die Deutsche Wirtschaft es schafft diese
Alten in der Wirtschaft eine neue Rolle, die Wettbewerbswirksam ist, zu
bringen. Ich kenne z.B. einen deutsch-Französisch-Lehrer, der jetzt mit 67
immer noch am Berliner Gymnasium als Aushilfe arbeitet. Also wenn der
öffentliche Dienst in Berlin Alte sinnvoll beschäftigt, warum nicht auch
die Wirtschaft.

Die Frage ist, ob das Systematisch organisierbar/realisierbar ist. Ich
meine, dass die Wirtschaft Lösungen finden wird, wenn der Druck
Arbeitskräfte zu finden größer wird.

Gegen Alter und Krankheit und die damit verbundenen Kosten ist kein Kraut gewachsen, das sind Dinge, die in der menschlichen Natur liegen.

Wenn Du einen 70jährigen Kinderlosen ohne Familie ins Rennen schickst gegen einen hochmotivierten, trainierten 28jährigen, der noch aus halbwegs intakten Familienverhältnissen stammt, was wird dann passieren?

Die Dinge liegen offensichtlich zu einfach, um sie zu sehen; und wir Europäer haben uns so daran gewöhnt, Weltmarktführer und -Gewinner zu sein, daß wir die einfachsten Tatsachen des Lebens nicht mehr sehen und glauben, es müsse immer weiter aufwärts gehen.

Ich sage das ohne Wertung und finde das nicht gut. Es ist ein Maßstab,

den das Wirtschaftssystem vorgibt

und der politisch nicht zu umgehen ist, da wir Nationalstaaten haben,

die auf einem Weltmarkt konkurrieren,

aber keine globalen politischen Instanzen. D.h. Die Staaten stehen

unter Wettbewerbszwang.

Qualifizierter Nachwuchs wird fehlen, da mit seiner Einwanderung nicht

mehr gerechnet werden kann.

Erstens sind Fachkräfte knapp, und zweitens ist die Anglowelt für sie

weitaus attraktiver

als Euroland, dessen Niedergang sie ja sehenden Auges beobachten

können. Fehlen wird es an Innovationen

(die Marktführerschaft und Exportüberschüsse erbringen) und an

produktiven Unternehmern generell.

Ok, hier trenne ich mal, zwischen den Arbeiten in Deutschland
(Altenpflege, Krankenpflege u.s.w.) und Arbeiten um die Markführerschaft
zu behalten. In Deutschland bekommt man die Arbeiten mit Areitslosen,
längere Arbeitszeiten, Hausfrauen in Arbeit und Rentner die helfen hin.

Welche Hausfrauen?

Das ist meiner Meinung nach nur ein Organisationsproblem. Das haben die
Deutschen schon immer hingebekommen.

Auch Altenpflegeleistungen sind nicht "produktiv" im Sinne der Wettbewerbssicherung (ich lege diessen unmenschlichen Maßstab nicht an, weil ich ihn gutheiße, sondern weil er auf dem Weltmarkt objektiv wirkt).

Die technologische Marktführerschaft zu behalten ist schon was
anderes......Wie meinte der leider verstorbene Swatch Mann Hayek; : Wenn
die Ingenieure nichts mehr zur Wertschöpfung beitragen können, weil sie
an ihre Grenzen kommen, muß ich Physiker holen, die weiter schauen und die
Grenzen erweitern“

Ich würde mir also im übetragenden Sinn einen Physiker holen der mir die
Lösungsrichtung zeigt.

Aha ... und was konkret stellst Du Dir da vor? D ist bei den Innovationen bereits zurückgefallen, und es kommt noch eine ganze Reihe politischer Unsinnsentscheidungen hinzu, die auf naiver Denke wie Deiner plus europäischer Selbstüberschätzung basieren, die das Land enorm geschwächt haben und schwächen.

Die Frage ist doch, an was die weniger werdenden die Nachwachsen forschen,
um die Grenzen der Innovation zu erweitern. Diese wenigen werden ziemlich
teuer werden. Um sie zu bezahlen müssen höchst wirtschftlich profitable
Erfindungen/Innovationen getätigt werden. Ich sehe in diesem Druck eine
Chance.......jedenfalls theoretisch...ha, ha, ha.......

In erster Linie mal zieht es diese Leute da hin, wo sie die besten Bedingungen geboten kriegen, denn gesucht werden sie nicht nur in D, sondern von allen Industrienationen (die ja dasselbe demographische Problem haben).

Wenn die in D 2 Rentner plus 2 Hartz4ler durchfüttern sollen, sind die schneller weg, als Du denken kannst. Wohin? USA, Kanada, NZ, Schweiz ...

Insgesamt wird die Wettbewerbsfähigkeit in D sinken, damit die

Exportüberschüsse, und damit

wird der Wohlstand schrumpfen. Auf Dauer wird man gegen die

Schwellenländer nicht

ankommen, die zwar denselben Zyklus durchlaufen werden, aber

zeitverzögert, und ihren

Produktivitäts-Peak noch vor sich haben.


Vorsicht, die vielen Leute in den Schwellenländern sind wahrscheinlich
zumeißt arbeitslos, weil die Krise sie erfassen wird.

Temporär. Können aber zur Sicherung im Gegensatz zu Deutschen noch viel mehr auf funktionierende traditionale Familienstrukturen zurückgreifen.

Deshalb werden sie
wahrscheinlich für wenig Geld in den Schwellenländern arbeiten.

Für wenig Geld sowieso. Die sind anspruchslos, weil selbst niedere Löhne eine Verbesserung für sie darstellen. In D umgekehrt - wir haben eine aus goldenen Weltmarktgewinnerzeiten verwöhnte Arbeiterschaft.

Wenn in
Deutschland bestimmte Hochbegabte gesucht werden, wird man sie auch
bekommen.

Das bezweifle ich. Erinnerst Du Dich noch an die Kampagne "indische Computerspezialisten" nach D zu holen? War ein Totalreinfall, was kein Wunder ist. Wer schlau ist, meidet heute Europa. Wenn ich aus einem Schwellenland käme, würde ich bestenfalls die Ausbildungsmöglichkeiten in D nutzen und dann in meine Heimat zurückkehre, und dort beim Aufbau mitwirken. Dort wäre ja meine Familie, und dort wären Zukunftsperspektiven für das Land, die in Europa völlig fehlen. Diese Leute sind doch nicht so naiv wie die hiesige Bevölkerung, genauso wie jeder Imam hier im Land weiß, daß die Zeit auf seiner Seite steht.

Bzw. in diesen Schwellenländern Forschungsabteilungen
einrichten, die billiger sind als die wenigen in Deutschland. Outsourcen
der Forschungsleistungen.

Man wird sehen, welche Bedingungen die Schwellenländer ausländischen Unternehmen einräumen werden.

Die hier noch produktiv arbeitende Bevölkerung hat wenige Kinder.

Kinder sind eine Verpflichtung

gegenüber der Zukunft und stellen eine Perspektive dar. Wo sie fehlt,

fehlt oft auch an

längerfristigen (über den Zeitraum einer Generation hinausgehenden)

Zielen orientiertes Handeln.

Kurzfristige Perspektiven rücken in den Vordergrund. Der Verlust der

Wettbewerbsfähigkeit

und ein eigenes Alter ohne Kinder und ggf. ohne Versorgung ist den

meisten bewußt, was wiederum

eine "Leben Hier und Jetzt"-Mentalität nach sich zieht, ohne

langfristige Ziele und Perspektiven.

Das sehe ich eher als Positiv an, im Alter gebe ich mein gespartes Geld
aus (ich habe keine Kinder). Tendenz, Konsum steigt!!!

Da bin ich mir
sicher! Die Alten mit Kinder sind im Prinzip Konsumverweigerer durch ihr
Ziel die Kohle zusammenzuhalten um zu vererben.

Richtig, wer Familie hat, sorgt vor und bringt Leistung. Wer keine hat, tendiert zu Konsum und zum In-den-Tag-hineinleben, da es an einer langfristigen Perspektive/Verantwortung mangelt.

Was ist gut für die Wettbewerbsfähigkeit?

Man kann im übrigen eine alternde Bevölkerung, die aber weiterhin in

der Marktkonkkurrenz steht, durchaus

mit einem alternden Menschen vergleichen, der ebenfalls weiterhin bis

zum Ende in der Marktkonkurrenz

steht, und da Parallelen ziehen. Ich will jetzt aber nicht sämtliche

Konsequenzen skizzieren,

sondern lieber dazu ermuntern, mal was gegen den "demographischen

Analphabetismus" zu tun, der viel,

viel tiefer reicht als das, was Demographen schreiben.


Klär mich auf!

Wenn Du wirklich besser durchblicken willst, bitte den Literaturhinweisen oben nachgehen.

Bisher werden die Herausforderungen nicht einmal zur Kenntnis genommen,

sondern verdrängt.

Zukunftsweisende Lösungen gibt es bisher keine, und es wird sie

vermutlich auch nur in

beschränktem Umfang geben können. Eine Diskussion beginnt gerade

erst, und da werden

erstmal sämtliche Missverständnisse und Lebenslügen von gestern

ausgepackt und auf den Tisch

gelegt (tja, die Realität meldet sich eben).


Die Wirtschaft wird sich ruckzuck etwas einfallen lassen, wenn der Druck
steigt.

Was denn? Woher die knappen Fachkräfte herbeizaubern?

Die Frage ist eher, ob die Menschen da mitkommen.

Welche? Die fehlen ja gerade. Die Rentner sicher nicht, die haben andere Sorgen.

Das ist das Niveau, auf dem die Sarrazin-Debatte geführt wird - an

fast

allen Kernpunkten der Sache vorbei, aber immerhin wird jetzt mehr
nachgedacht.

Heinsohn und Du als sein Verfechter will ja für die Zukunft diesen
Vorgang als für die Wirtschaft langfristig negativ einschätzen.

Was passiert eigentlich, wenn wir die Sichtweise bzw. den Input, der

die

eigene Meinung beeinflusst folgendermaßen verändern:

Der GO geht Scheibchenweise vor sich und sagen wir alle 5 Jahre gibt es
solche wirtschaftlichen Abschwünge um 5 % wie 2008/2009 und dann

wieder

1-2 Prozent Aufschwung.

Die sinkende Demographie sorgt einerseits für weniger Dynamik.
Geichzeitig sorgt der Debitismus weiter für Dynamik.

Erben wird besteuert bzw. fällt aus durch Fehlspekulationen in
Lebensversicherungen, Aktien, Immobilien und Gold. Dadurch also
Tilgen/Abschreiben der Verbindlichkeiten. Geldmenge sinkt...

Arbeitslosigkeit steigt.

Gleichzeitig wird die Demographie in Deutschland zum Vorteil, weil

weniger

Leute in den Arbeitsmarkt kommen.

Es werden mit weniger Facharbeitern tendenziell eher die lukrativeren

Jobs

abgearbeitet.

Deutschland wird sich am geringer werdenden Kuchen der Welt
Prozentual sicherlich gleich bedienen wie vorher.

Wie kommst Du auf solche Prognosen?


Ok, ich habe nicht bedacht, das in den Schwellenländern die Anzahl der
Menschen steigt und auch die Qualifikation. Ich nehme diese Prognose
erstmal zurück!

Auch haben die qua Jugendüberschuss weniger konsumtive Versorgungs- und Pflegeleistungen zu erbringen, können auf noch einigermaßen funktionierende Familienstrukturen zurückgreifen und brauchen deshalb weniger Sozialstaat, sind mit wenig zufrieden weil selbst ein geringer Lohn eine Verbesserung für sie bedeutet, und haben noch traditionelle Werte im Kopf: die meisten wollen noch eine Familie gründen und für diese sorgen, das sorgt für eine langfristige Perspektive und Leistungsbereitschaft.

Europa dagegen verlottert nicht nur aufgrund der ganzen Unverantwortlichkeiten im Finanzsystem. Zu einem guten Teil sind die auch Folge des Verlusts traditioneller, familienorientierter Werte zugunsten von purem, reinem Marktegoismus.

Gleichzeitig sinkt die zu
versorgende Deutsche Bevölkerung drastisch. Interessanterweise genau

der

Teil mit den jetzt hohen Versorgungsansprüchen.

?!? Im Verhältnis zur arbeitenden Bevölkerung, die die
Versorgungsleistungen ja so oder so erbringen müssen, steigt sie
dramatisch.


Moment, es gibt im Prinzip drei Stellschrauben, an denen gedreht werden
kann. Beitragserhöhungen, Rentensenkung und Rentenalter erhöhen (das
effektivste, im Zusammenhang mit Rentenkürzungen!!)

Diese Stellschrauben hat jedes Land, was meinst Du, wie die in den Schwellenländern eingestellt sind? Davon, daß die einen weitaus geringeren Teil ihrer gesellschaftlichen Gesamtarbeit für Pflege und Versorgung verausgaben müssen, sondern sich ganz auf den Aufbau konzentrieren können.

Du denkst immer noch von der Weltmarktgewinnerperspektive her: "wir sind top, wir müssen nur bissle an stellschrauben drehen, dann bleibt das auch so".

Ich finde das atemberaubend naiv, aber das liegt halt daran, was Du in der Schule zu diesem Thema gelernt hast: wenig, und davon war wenig brauchbar. Alle entscheidenden Fragen wurden kaum angeschnitten, nicht zuletzt, weil "Demographie" eben tabuisiert wurde. Aber schau mal in die o.g. Bücher rein, dann kommst Du selber dahinter.

Das wird einen neuen „Generationenvertrag geben: „Arbeite so lange Du
kannst, und Du bekommst dann etwas mehr, wenn Du Krankeitsbedingt auf Rente
gehst.

Lol, und die Schwellenländer schicken ihre Leute mit 55 in Rente?

MM, Du und auch ich werden ziemlich lange arbeiten können. Sieh Dir
dottore an, der Arbeitet doch immer noch.

Ich hoffe, daß ich noch etwas länger kann.

Mal abgesehen von Protektionismus, Dollarcrash u.a....

Das sieht dann so aus als wenn das Absinken der Bevölkerungszahlen in
Deutschland genau zum richtigen Zeitpunkt kommt.

Wunderbare Milchmädchenrechnung - unter Auslassung sämtlicher

relevanten

Aspekte


Nix da, wenn wir das Demographieproblem nicht hätten, hätten wir ein
Heer von Arbeitslosen in der nächsten Krise!!! Die Demographie ist doch
ein wichtiger Mosaikstein, der dazu führt, das die Arbeitslosigkeit in den
Konjunkturellen Aufschwüngen schneller sinkt als in der Vergangenheit.

Das stimmt, die Arbeitslosigkeit ist dann weniger ein Problem.

Das muss ja nicht synchron ablaufen. Auch zeit-versetzt um 1-5 jahren

wird

ein Schuh daraus, aber mit mehr Exzessen.

Also Wirtschaftsabschwung in 20 Jahren sagen wir 20 % und
Bevölkerungsanzahl Deutschlands auch um 20 % runter. Na, das sollte

sich

doch ausgleichen.

Träum weiter, Mann. Ich wünschte, ich wäre genauso naiv, dann ging's

mir

vermutlich auch besser.


Ha, ha...ich träum mal weiter. Ich habe mich noch nicht damit
beschäftigt was es konkret heißt in sagen wir 20 Jahren hier zu leben.
Ich kenne nur, „lege Geld an, die Rente reicht nicht“.

Ich sage: wer noch kann und noch Perspektiven hat, verlässt Europa in Richtung "letzte Festungen des Westens" (USA, CAN, NZ, AUS), die aber natürlich nicht (wie wir in D) jeden Depp reinlassen und gleichzeitig gezielt skilled Immigrants anwerben.

Eine andere Sache wollte ich Dich auch noch Fragen:

Was hältst Du davon, wenn man probiert dem Debitismus den
Zinseszinseffekt zu nehmen, indem man die Erbschaften zur

Schuldentilgung

nutzt (ich weiß nur nicht, wie man das im debitistischen Sinne

möglich

ist?). Den Wachstumswahn in einen Kreislauf bringt.

Verstehe nicht, wie das funktionieren soll, und worauf es hinauslaufen
soll. Müsstest Du mal genauer erläutern.


Tja, ich weiß nicht wie es geht. Ich habe mir folgendes überlegt; Im
Debitismus ist das Problem Nachschuldner zu finden die bezahlen. Im
Debitismus geht es um die ständige Aufschuldung. Diese Schulden können
entweder bedient werden durch neue Schulden, durch Abschreibung (Pleite des
Schuldners) oder Tilgung.

Wenn diese Aufschuldung Jahrzehnte sogar Jahrhunderte laufen soll ist das
durch den Zinseszinseffekt zum scheitern verurteilt. Dieses lineare des
Debitismus ist das eigendliche Problem. Der Entschuldungsprozeß findet als
Wirtschaftskrise oder als GO statt. Die Frage wäre doch, ob man einen
bewussten Entschuldungsprozeß der regelmäßig stattfindet installiert.

Jubeljahr? Das wäre politisch auf nationaler Ebene kaum machbar. Jeder, der etwas zu verlieren hätte, würde sofort ins Ausland abhauen, da müsstest Du diktatorisch vorgehen, und ich glaube nicht, dass das was bringen würde.

Der Debitismus ist doch gleichzeitig der Motor der Modernisierung, und gerade die Krisen sind Teil davon. Dem verdanken wir unseren Wohlstand, die vergangenen 40 goldenen Jahre, aber nun halt auch den Abstieg. So läuft das eben, wird in den Schwellenländern auch nicht anders laufen, nur halt zeitverzögert.

Warum soll man nicht das Vermögen das vererbt werden soll nehmen, um den
Aufschuldungsprozess in einen Kreislauf zu bringen. Lebenlang aufschulden
und zum Tod abschreiben/bzw. duch erarbeitetes Vermögen tilgen

Dann gründet natürlich erst recht keiner mehr Familien, wenn man nicht mal für seine Kinder vorsorgen dürfen soll (Kopfschüttel).

Ist nur so eine debitistisch, Künslerische Ahnung....ha, ha

Kann man wohl sagen.

Dank für Deine ehrliche Ausführung

Sorry wenn ich pessimistisch klinge, mir wäre es anders auch lieber.

Viele Grüße
moneymind

--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.

antworten
 

Na dann mache ich mal meine Hausaufgaben...

Bambus @, Sonntag, 17.10.2010, 19:04 (vor 5618 Tagen) @ moneymind

Hi MM,

najut, dann mache ich mal meine Hausaufgaben. Warum gehst Du nicht? Oder der Heinsohn ist doch auch noch da???

Ich bin Jahrgang 62 und werde wohl Schwierigkeiten haben auszuwandern. Geht wohl eher über die Kohle. Also spekulieren ich mir wohl eher die Auswanderung zusammen...

Was schätzt Du denn, bei welchem Jahrgang ist das Risiko des Rentenausfalls kritisch??


Ich sage: wer noch kann und noch Perspektiven hat, verlässt Europa in
Richtung "letzte Festungen des Westens" (USA, CAN, NZ, AUS), die aber
natürlich nicht (wie wir in D) jeden Depp reinlassen und gleichzeitig
gezielt skilled Immigrants anwerben.

Also Greencard-Verlosung mitmachen!!! Ha, ha....

Eine andere Sache wollte ich Dich auch noch Fragen:

Was hältst Du davon, wenn man probiert dem Debitismus den
Zinseszinseffekt zu nehmen, indem man die Erbschaften zur

Schuldentilgung

nutzt (ich weiß nur nicht, wie man das im debitistischen Sinne

möglich

ist?). Den Wachstumswahn in einen Kreislauf bringt.

Verstehe nicht, wie das funktionieren soll, und worauf es

hinauslaufen

soll. Müsstest Du mal genauer erläutern.


Tja, ich weiß nicht wie es geht. Ich habe mir folgendes überlegt; Im
Debitismus ist das Problem Nachschuldner zu finden die bezahlen. Im
Debitismus geht es um die ständige Aufschuldung. Diese Schulden

können

entweder bedient werden durch neue Schulden, durch Abschreibung (Pleite

des

Schuldners) oder Tilgung.

Wenn diese Aufschuldung Jahrzehnte sogar Jahrhunderte laufen soll ist

das

durch den Zinseszinseffekt zum scheitern verurteilt. Dieses lineare des
Debitismus ist das eigendliche Problem. Der Entschuldungsprozeß findet

als

Wirtschaftskrise oder als GO statt. Die Frage wäre doch, ob man einen
bewussten Entschuldungsprozeß der regelmäßig stattfindet

installiert.

Jubeljahr? Das wäre politisch auf nationaler Ebene kaum machbar. Jeder,
der etwas zu verlieren hätte, würde sofort ins Ausland abhauen, da
müsstest Du diktatorisch vorgehen, und ich glaube nicht, dass das was
bringen würde.

Mir geht es nur um eine Theoretische Lösung, Durchsetzbarkeit ist ein anderes Problem (Banken hat man auch gerettet, wer hätte das gedacht....).


Der Debitismus ist doch gleichzeitig der Motor der Modernisierung, und
gerade die Krisen sind Teil davon. Dem verdanken wir unseren Wohlstand, die
vergangenen 40 goldenen Jahre, aber nun halt auch den Abstieg. So läuft
das eben, wird in den Schwellenländern auch nicht anders laufen, nur halt
zeitverzögert.

Ja nun, bis jetzt hat sich das System unbewusst entwickelt. Nun kennen wir die Mechanismen. Auch wenn sie von den Besitzgläubigen abgelehnt werden. Der Debitismus existiert trotzdem. Warum nicht wenigstens theoretisch einen Debitismus der natürlich ist (Kreislauf statt Krisen und GO)

Warum soll man nicht das Vermögen das vererbt werden soll nehmen, um

den

Aufschuldungsprozess in einen Kreislauf zu bringen. Lebenlang

aufschulden

und zum Tod abschreiben/bzw. duch erarbeitetes Vermögen tilgen


Dann gründet natürlich erst recht keiner mehr Familien, wenn man nicht
mal für seine Kinder vorsorgen dürfen soll (Kopfschüttel).

Ach, Du übertreibst. Es geht doch nicht darum denen und uns das Einfamilienhaus oder die paar Hunderttausend Euro zu nehmen, sondern die großen Vermögen. Sagen wir ab 500.000. Du weisst ganz genau, das die großen Vermögen über Generationen verdient und angesammelt werden. Fugger, Medici u.s.w.
Unsere heutigen reichen Eliten versagen doch komplett. Und warum? Sie machen sich sorgen um ihren Besitz und sorgen sich um Haftung, Verteilung, Steuern Hierachien, Macht und solchen Besitzerkram. Die schaffen kein neues Eigentum mehr. Alles Pfeifen.... Dann gehen sie eben...

Wenn Debitismus dann richtig!!!!

Ist nur so eine debitistisch, Künslerische Ahnung....ha, ha


Kann man wohl sagen.

Dank für Deine ehrliche Ausführung


Sorry wenn ich pessimistisch klinge, mir wäre es anders auch lieber.

Nee, nee, ich finde das nicht pessimistisch. Eher angenehm fundiert. Hoffnung habe ich mir abgeschminkt, von daher kann ich zwischen Argumenten und Stimmungen unterscheiden.

Ich finde es eher merkwürdig, das Du nicht spekulierst....

Viele Grüße
moneymind

Schönen Abend
Bambus

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Hausaufgaben? Erledigen auf eigene Gefahr ;-)

moneymind @, Montag, 18.10.2010, 02:37 (vor 5617 Tagen) @ Bambus

Hi Bambus,

najut, dann mache ich mal meine Hausaufgaben. Warum gehst Du nicht? Oder
der Heinsohn ist doch auch noch da???

Nach USAnada etc., meinst Du? Bei mir ist es so, daß meine persönliche und familiäre Situation das nicht zuläßt. Auch gehören meine "Qualifikationen" nicht zu den dort marktmässig gesuchten.

Heinsohn ist 66 und hat seine Schäfchen im Trockenen (lebenslange Beamtenrente). Er muss bestenfalls an seine Kinder denken - soweit ich weiss, hat er (wenn überhaupt) nur einen jungen Sohn. Er hat innerhalb seiner Lebensspanne wenig zu befürchten und hätte von einem Umsiedeln nach USAnada auch wenig zu gewinnen.

Stattdessen scheint es ihn in sein Geburtsland zu ziehen - nach Polen, wo er (so habe ich jedenfalls gelesen) auch in Danzig an der Uni tätig ist, während er an der Bremer Uni eher Persona non grata ist. Dort hat er offiziell Sozialpädagogik unterrichtet, aber wohl auf Minimallevel, wobei der Hauptteil seiner Zeit schon ab Ende der 70er Jahre in andere Projekte floss, die mit seinem offiziellen Lehrauftrag nichts zu tun hatten. Den behielt er aber natürlich, da er dafür ja ein komfortables Lebenzeitbeamtengehalt bezog/bezieht und ihn wohl auch keine andere Uni auf den Gebieten, auf denen er hauptsächlich schrieb, genommen hätte).

Ich bin Jahrgang 62 und werde wohl Schwierigkeiten haben auszuwandern.

Geht mir ebenso. Seems like we're stuck on the ship that sinks the fastest (aber auch auf einem Schiff, das - noch - relativ weit oben mitschwimmt).

Geht wohl eher über die Kohle. Also spekulieren ich mir wohl eher die
Auswanderung zusammen...

Kohle ist dabei sekundär (aber nicht unwichtig). Was primär zählt, sind Fähigkeiten und Qualifikationen. In USAnada ist ein wesentlich höheres Maß an Eigeninitiative, Selbständigkeit und Selbstbewußtsein/-Vertrauen erforderlich als im Sozialstaatskontinent Europa, aber daran mangelt es Dir als Ex-Selbständigem ja nicht?

Was schätzt Du denn, bei welchem Jahrgang ist das Risiko des
Rentenausfalls kritisch??


Schwer zu sagen, da fragst Du lieber unabhängige Experten (ganz unabhängig geht nicht, Staatsdiener verzerren die Realität natürlich interessenbedingt in eine andere Richtung als Vermögensberater, am besten Du vergleichst und bildest einen Mittelwert).

Prinzipiell würde ich sagen: auf den Staat kann man sich nicht verlassen, besser, Du planst alles selber. Im übrigen ist es ja nicht nur die Rentenfrage, die da ausschlaggebend ist. Es ist das gesamte soziale Klima, das ich in Europa als ein Klima des Niedergangs empfinde. Ich habe das Glück, in einer Gegend leben zu können, wo das noch nicht so stark ausgeprägt ist wie anderswo, aber dass die generelle Richtung nach unten zeigt und nicht nach oben, ist schon spürbar.

Umso wichtiger wäre es, nach den Chancen zu suchen, die in dieser Situation stecken ... daran hab ich noch viel zu tun.

Ich sage: wer noch kann und noch Perspektiven hat, verlässt Europa in
Richtung "letzte Festungen des Westens" (USA, CAN, NZ, AUS), die aber
natürlich nicht (wie wir in D) jeden Depp reinlassen und gleichzeitig
gezielt skilled Immigrants anwerben.


Also Greencard-Verlosung mitmachen!!! Ha, ha....

Wenn es im Bereich des Wünschenswerten und Möglichen liegt - dann macht man es. Ansonsten versucht man, das beste aus dem zu machen, was hier geht.

Eine andere Sache wollte ich Dich auch noch Fragen:

Was hältst Du davon, wenn man probiert dem Debitismus den
Zinseszinseffekt zu nehmen, indem man die Erbschaften zur

Schuldentilgung

nutzt (ich weiß nur nicht, wie man das im debitistischen Sinne

möglich

ist?). Den Wachstumswahn in einen Kreislauf bringt.

Verstehe nicht, wie das funktionieren soll, und worauf es

hinauslaufen

soll. Müsstest Du mal genauer erläutern.


Tja, ich weiß nicht wie es geht. Ich habe mir folgendes überlegt;

Im

Debitismus ist das Problem Nachschuldner zu finden die bezahlen. Im
Debitismus geht es um die ständige Aufschuldung. Diese Schulden

können

entweder bedient werden durch neue Schulden, durch Abschreibung

(Pleite

des

Schuldners) oder Tilgung.

Wenn diese Aufschuldung Jahrzehnte sogar Jahrhunderte laufen soll ist

das

durch den Zinseszinseffekt zum scheitern verurteilt. Dieses lineare

des

Debitismus ist das eigendliche Problem. Der Entschuldungsprozeß

findet

als

Wirtschaftskrise oder als GO statt. Die Frage wäre doch, ob man

einen

bewussten Entschuldungsprozeß der regelmäßig stattfindet

installiert.

Jubeljahr? Das wäre politisch auf nationaler Ebene kaum machbar.

Jeder,

der etwas zu verlieren hätte, würde sofort ins Ausland abhauen, da
müsstest Du diktatorisch vorgehen, und ich glaube nicht, dass das was
bringen würde.


Mir geht es nur um eine Theoretische Lösung, Durchsetzbarkeit ist ein
anderes Problem (Banken hat man auch gerettet, wer hätte das
gedacht....).

Mir ist bisher keine eingefallen, die nicht schon praktiziert würde. Oder eben ohne Markt, à la Amish, Hutterer oder Kibbutz, wobei erstere der modernen Welt auch mehr und mehr Zugeständnisse machen und letztere, um wettbewerbsfähig zu bleiben, sogar teilweise ihre Kommune-Strukturen privatisieren (hatte dazu in einem anderen thread einige postings geschrieben).

Der Debitismus ist doch gleichzeitig der Motor der Modernisierung, und
gerade die Krisen sind Teil davon. Dem verdanken wir unseren Wohlstand,

die

vergangenen 40 goldenen Jahre, aber nun halt auch den Abstieg. So

läuft

das eben, wird in den Schwellenländern auch nicht anders laufen, nur

halt

zeitverzögert.

Ja nun, bis jetzt hat sich das System unbewusst entwickelt.

Hm, ich weiss nicht, ob da "Nichtwissen" und "Nichtverstehen" wirklich der alleinige Grund ist ... vielleicht auch ein gewisser Grad an Verdrängung plus Ideologiebedürfnis, denn unaufhebbare Widersprüche auszuhalten, scheint für die meisten nicht so ganz leicht zu sein ... Verdrängung plus Utopie als Alternativlösung scheint doch von den meisten bevorzugt zu werden.

So schwer zu verstehen ist es ja nicht - am Verständnis liegt es also m.E. weniger.

Nun kennen wir
die Mechanismen.

Hm, grob ja ... zumindest verstehen wir sie etwas besser. Dummerweise führt das (zumindest für mich) aber nicht zu Lösungen, sondern eher zur Einsicht in unaufhebbare Widersprüche, die sich halt entwickeln müssen ... so sehe ich es jedenfalls, ich kann aber auch falsch liegen).

Auch wenn sie von den Besitzgläubigen abgelehnt werden.
Der Debitismus existiert trotzdem. Warum nicht wenigstens theoretisch einen
Debitismus der natürlich ist (Kreislauf statt Krisen und GO)

"Natürlich"?

Sind Krisen und G.O. nicht auch der Natur analoge Prozesse, halt solche speziellen, die für "Geldwirtschaft" spezifisch sind? Auch in der Natur lebt ja nichts ewig, es ist ein Kreislauf von Erneuerung, Wachstum, Blüte, Verwelken und Tod. Jedes Jahr hat diesen Zyklus, es gibt ihn aber auch auf vielen anderen zeitlichen und inhaltlichen Ebenen ... so sehe ich es jedenfalls mittlerweile.

Diese Friede-Freude-Eierkuchen-Vorstellung von "Ökologie" ("die liebe Natur und der böse Mensch" etc.) halte ich für eine Ideologie.

Trotzdem sollten wir Menschen uns natürlich um Verbesserungen bemühen.

Warum soll man nicht das Vermögen das vererbt werden soll nehmen, um

den

Aufschuldungsprozess in einen Kreislauf zu bringen. Lebenlang

aufschulden

und zum Tod abschreiben/bzw. duch erarbeitetes Vermögen tilgen


Dann gründet natürlich erst recht keiner mehr Familien, wenn man

nicht

mal für seine Kinder vorsorgen dürfen soll (Kopfschüttel).


Ach, Du übertreibst. Es geht doch nicht darum denen und uns das
Einfamilienhaus oder die paar Hunderttausend Euro zu nehmen, sondern die
großen Vermögen. Sagen wir ab 500.000. Du weisst ganz genau, das die
großen Vermögen über Generationen verdient und angesammelt werden.
Fugger, Medici u.s.w.

Ach, so meinst Du das. Ok, von mir aus, das betrifft mich ja nicht lol - aber was die Folgen wären, wenn man das national macht, würde ich mich trotzdem fragen (kann das national funktionieren? Oder nur international?).

Unsere heutigen reichen Eliten versagen doch komplett. Und warum? Sie
machen sich sorgen um ihren Besitz und sorgen sich um Haftung, Verteilung,
Steuern Hierachien, Macht und solchen Besitzerkram. Die schaffen kein neues
Eigentum mehr. Alles Pfeifen.... Dann gehen sie eben...

Ja, ab einer bestimmten Grösse von sozialen Gruppen wird offensichtlich Trittbrettfahrerverhalten das, wofür die meisten sich entscheiden. Aber nicht nur die Grösse spielt eine Rolle, auch die Ideologie in den Köpfen, die Zukunftsperspektiven, etc. etc.

Ich will aber die "Eliten" nicht entschuldigen. Ich weiss halt, daß ich auf meine Weise auch zu den Entwicklungen beigetragen habe (genauso wie ich von ihnen geprägt wurde und werde) und beitrage, auch wenn mir das die längste Zeit überhaupt nicht klar war.

Wenn Debitismus dann richtig!!!!

Hm ok ... und wie ginge das dann Deiner Meinung nach?

Ist nur so eine debitistisch, Künslerische Ahnung....ha, ha


Kann man wohl sagen.

Dank für Deine ehrliche Ausführung


Sorry wenn ich pessimistisch klinge, mir wäre es anders auch lieber.


Nee, nee, ich finde das nicht pessimistisch. Eher angenehm fundiert.
Hoffnung habe ich mir abgeschminkt, von daher kann ich zwischen Argumenten
und Stimmungen unterscheiden.

Mh, gut. Ich finde es auch nicht pessimistisch, sondern mehr realistisch ... ok, aber insgesamt schon zuwenig auf die Chancen orientiert, die ja immer die Kehrseite von Risiken und Bedrohungen darstellen.

Ich finde es eher merkwürdig, das Du nicht spekulierst....

An der Börse, meinst Du? Du, das finde ich todlangweilig, es interessiert mich einfach nicht. Hätte ich was zum anlegen, ich würde mir ein paar Firmen suchen, die ich für längerfristig vielversprechend halte, und dann nur "buy and hold".

Daytrading? Gähn, für mich sowas von langweilig und Zeitverschwendung. Ist einfach ned mein Ding. Ich gehöre zu den altmodischen Idioten, die ihre Kohle auf ehrliche Art mit direkter Arbeit machen wollen (wobei natürlich nicht viel Kohle rauskommt - klar, selber blöd, aber so bin ich halt).

Aber die Heinsohn-Bücher (siehe letztes Posting) kann ich Dir schon empfehlen. Gehören zu den Büchern, die mein Weltbild umgekrempelt haben wie sonst nur wenige, weswegen sie mich halt noch immer beschäftigen (sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen).

Hausaufgaben sind das aber keine. Bei mir waren es Fragen und Neugier, die mich dahin geführt haben. Ob das nun gut oder schlecht war, keine Ahnung. "Lösungen" sind daraus jedenfalls nicht erwachsen (obwohl die Suche danach natürlich zu meinen wichtigsten Motiven gehört hat).

Viele Grüsse
moneymind

--
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