Kleiner Reisebericht von der Grenze zu Nordkorea (mT)
Hallo Freunde,
diesmal hat es mich in den Norden Südkoreas verschlagen. Die sehr stark befestigte und bewachte Grenze zu Nordkorea war ein Deja-Vu Erlebnis für jemanden, der seit Kindheitstagen die innerdeutsche Grenze gesehen und oft auch passiert hat, um in die DDR zu reisen.
Die Grenze zwischen Nord- und Südkorea ist ein Anachronismus und tatsächlich sowas wie das letzte Relikt des Kalten Krieges, eines Stellvertreterkrieges zwischen den USA einerseits und RusslandChina andererseits. Seit 1953, also fast seit 60 Jahren, gibt es diese Grenze entlang des 38. Breitengrades, und da die Nordkoreaner weder Briefe schreiben und empfangen dürfen noch telefonieren dürfen, sind nach 2 Generationen die meisten Familienbande zwischen Süd und Nord abgerissen.
Die Grenzanlagen selber erinnern sehr stark an die DDR Grenze. Ich habe auch hier die Hoffnung, daß genau wie bei der innerdeutschen Grenze diese Monumente einmal Museen werden. Heute, nach über 20 Jahren seit der Wiedervereinigung, können sich viele gar nicht mehr vorstellen, wie das einmal ausgesehen hat. In Korea ist das aber sehr lebendig.
2 km nördlich und südlich der eigentlichen Grenze („Demarkationslinie“) befindet sich eine demilitarisierte Zone, und das ist auch gut so, denn sonst würden sich die 500000 Mann aus dem Süden (50 Mio Einwohner) und die 1 Mio Mann aus dem Norden (wo die Wehrpflicht 10 Jahre dauert, insgesamt 26 Mio Einwohner) direkt gegenseitig in die Rohre schauen.
Denn in der Tat stehen die Truppen massiv genau 2 km hinter der Demarkationslinie. Es ist schon unglaublich, ca 30 km nördlich von Seoul, wo die Grenze verläuft, praktizieren die Truppen, feuern pro Mann und Tag bis zu 1000 Schuss, und feuern Mörsergranaten auf Übungsplätzen ab, ich Sichtweite der Nordkoreaner.
Diese sind jedoch auch nicht faul, so wurden 4 Tunnels entdeckt, die diese gegraben haben, unter der Demarkationslinie durch, mitten in den südkoreanischen Teil der demilitarisierten Zone hinein, ca 50-75 m unter der Erde. In einem Tunnel war ich drin, dort kann man vom Süden aus reinlaufen und kommt bis ca 140 m an die nordkoreanische Grenze ran.
Die Tunnel sind ca 3x3 m groß und bergmännisch vorangetrieben, incl. Entwässerung. Bis zu 30000 Mann pro Tunnel hätten binnen einer Stunde voll ausgerüstet und unbemerkt in Südkorea auftauchen können und wären kurz später auf Seoul vorgerückt.
Dementsprechend findet man auch gestaffelt, beginnend bereits 20 km entfernt von der Demarkationslinie, schon den ersten schwer bewachten Zaun, der dauerhaft und sehr dicht mit Wachposten besetzt ist.
Man muß sich dieses Bild mal vorstellen – man fährt aus Seoul in nördliche Richtung raus, 4-spurige Autobahn, und schon nach 20 min taucht entlang des Flusses direkt links von der Autobahn ein Zaun mit Wachthäuschen auf, der noch wesentlich brutaler aussieht als damals an der innerdeutschen Grenze. Kommt man dann richtig nach vorne, geht es zur Sache, dort sind mehrere Zäune gestaffelt, und die letzten paar km sind Minenfelder. Dort ist ringsrum Zaun und Stacheldraht, und alle paar Meter hängt ein Schild „Achtung Minen“ am Zaun. Das Gelände sieht aus wie in Verdun – komplett durchgepflügt als Relikt des Koreakrieges, weil dort einiges an Schlachtfeldern liegt und natürlich niemals bereinigt wurde.
Die Südkoreaner sind etwas paranoid mit dem Fotografieren – selbst die nette Tourguidin aus Seoul, die ich dabei hatte, war etwas nervend, wenn man Bilder aufnehmen wollte, die man einfach unter Eingabe von „DMZ Korea“ bei google images findet. Obwohl sie schon rausgekommen war aus Korea und eine Zeitlang in Australien gelebt hat, wunderte mich, wie unkritisch sie die Amipropaganda nachplapperte und ein sehr einfaches Gut-Böse Weltbild hatte.
Wenn man die Friedensbrücke sieht, die im Grenzland steht und von Herrn Hyundai, der aus dem Norden stammt und in den Süden geflüchtet ist, gestiftet wurde, oder die Eisenbahnbrücke, die von Seoul aus nach Norden bis nach Pjöngjang führt, aber die nicht fährt und deren eines Gleis nach wie vor fehlt, so daß die Pfeiler aus dem Wasser ragen, wie einst die Talbrücke bei Wommen in der Nähe von Gerstungen, oder wenn man vom Beobachtungspunkt Dora aus rüber nach Nordkorea schaut, dann fühlt man sich 25 oder 30 Jahre zurückversetzt an die Stelle Seiferts-Birx in der Rhön oder an den Point Alpha bei Hünfeld.
Was allerdings anders ist – die Koreaner haben mittels Spenden eine komplett nagelneue Bahnstation gebaut, Dorasan, die nur 3km von der Grenze weg ist und die nördlichste Station in Südkorea darstellt auf dem Weg nach Pjöngjang. Im Prinzip könnten von dort die Züge weiterfahren nach China und dann auf die Transsib, wo man dann fahren könnte bis nach Frankfurt, Stuttgart, Paris und Lissabon. Diese Strecke ist auf einer großen Karte mit den genannten Orten sogar in dieser völlig leeren Station Dorasan eingezeichnet.
Es werden Tickets verkauft, und es steht sogar Pjöngjang angeschrieben, aber leider sind außer Touristen keine Reisenden dort.
Ich bin fest überzeugt, daß nach dem Tode von Kim Il Song, wenn dessen Sohn, der in der Schweiz ausgebildet wurde, an die Macht kommt, die Wiedervereinigung Koreas kommen wird. Die Chinesen haben da allerdings einiges dagegen, nicht nur wegen eines Dominosteins, der in ihrem Einflussbereich fallen würde, sondern auch wegen der überlegenen Technologie in Südkorea, die mit superbilliger Arbeitskraft in Nordkorea China das Leben ganz schön schwer machen würde.
Gerade am Montag haben die Südkoreaner das erstmalige Überschreiten der Exportmarke von 1 Billion USD gefeiert. Ich konnte mir an einigen Stellen ein Bild machen, was so in der Pipeline ist, und das ist wirklich schockierend. Arme Siemens, Osram, Philips, etc.
In einem Forschungszentrum wurden zB die Patente an einer großen Wand aufgehängt, aber nur mit einem kleinen 2 x 5 cm Schild pro Patent. Die Wand war 3m hoch und ca 20 m lang, und sie hatte nur Patente seit 2001. Gerade in den letzten 4 Jahren hat ihre Anzahl rasant zugenommen – das Jahr 2010 nahm zum Beispiel 3 m Breite an der Wand ein, und 2011 war noch breiter, aber das Jahr ist ja noch nicht ganz rum. Soviel zu der irrigen und immer noch propagandistisch kolportierten Annahme, daß die Asiaten nur kopieren könnten. Von wegen.
Gerade bei flexiblen Displays auf OLED Basis sind die Koreaner dermaßen weit vorne. Wo bei uns noch versucht wird, Geld aufzutreiben und wo Firmen wie Siemens oder OSRAM noch vor ein paar Jahren gesagte haben, „wir beobachten mal den Markt“, kommt Samsung und LG bereits mit riesigen Displays auf den Markt. Dasselbe gilt bei 3D Displays in verschiedensten Technologien.
Interessant: die großen Firmen diversifizieren auch jetzt schon sehr früh und steigen in die praktische Umsetzung von Technologien ein, über die bei uns noch diskutiert wird, ob man vielleicht mal ein paar Leute dran setzten sollte.
Die Allgegenwart von Displays, PDAs, pads etc. habe ich ja schon letztes Mal beschrieben.
Auch diesmal ist mir wieder die extreme Effizienz und vor allem der Pragmatismus der Koreaner aufgefallen, der sich durch wirklich ALLE Schichten zieht. Man spürt richtig: jeder will, daß alles funktioniert und klappt.
Ein paar praktische Beispiele dazu: bei einem innerkoreanischen Trip runter nach Jeju Island, wo ich wieder einfach so ca 1h vorher zum Flughafen gefahren bin mit der extrem effizienten, super oft fahrenden, billigen (ca 70 cents) und superpünktlichen und super sauberen Ubahn, ohne ein Ticket zu besitzen, hab ich binnen 5 min mein Ticket gehabt. Ich konnte dabei zwischen einem halben Dutzend Flüge innerhalb der nächsten 2-3 Std auswählen. Der roundtrip von Seoul aus hat grad mal 116 EUR gekostet (der Flug dauert ca 1h). Weil alles so schnell war, hab ich vergessen, mein Schweizer Messer aus der Hose zu nehmen und in den Koffer zu tun. Natürlich wurde es dann im Rucksack, wo ichs reingetan hatte, bei der super schnellen und effizient organisierten Röntgenkontrolle gefunden (dort sollten sich die Frankfurter Röntgendienstleister mal ein Beispiel nehmen!), aber oh Wunder, kein Problem. Die nette Röntgendame nahm mich mit, trotz der kurzen Zeit vor dem Abflug ging es an einen Schalter, ich hab dort mein Messer ab, es kam in einen gefütterten Briefumschlag, ein weiterer Gepackabschnitt kam dran, und dann kam das einfach so zum Gepäck dazu. Selbstverständlich habe ich sofort beim Baggage Claim in Jeju von einer netten Dame dort mein Messer wieder im Briefumschlag bekommen. Muß ich noch dazu sagen, daß ich kaum 10 min nach der Landung bereits draußen war incl. Koffer und Messer? Aber das wußte ich ja schon vom letzten Mal.
Ein weiterer Punkt: Da ich weiter nach Singapur fliegen wollte und mit der Korean Airline reisen mußte, wollte ich gerne die Meilen sammeln. Ich bin aber bis jetzt noch kein Mitglied beim Skyteam (Delta, KLM, KAL, JAL, etc), der zweiten großen Allianz neben der Star Alliance. Beim Einchecken gefragt, überhaupt kein Problem, nach 5 min an einem Extraschalter namens „Skyteam“ hatte ich bereits meine Karte in der Hand. Nötig dazu war nur mein Paß, mein Ticket für den Flug, und ein kleines Formular, in dem man Namen, Adresse und Handynummer ausfüllen mußte. Daß da drauf stand „xxxx, Germany“, war überhaupt kein Problem. Auf der Karte sind auch, wer hätte es anders erwartet (in Korea), bereits die Meilen dieses Fluges von Seoul nach Singapur. Wer einmal versucht hat, bei der Lufthansa mit Miles and More oder bei der Star Alliance so einen Antrag zu stellen, und dann die bereits gebuchten Meilen wenn das Ticket ausgestellt ist, gutschreiben zu lassen, der weiß, wovon ich spreche.
Ein weiteres Beispiel: auf der Rückreise von Daejeon, einer Stadt ca 100 km südlich von Seoul nach Seoul wollte ich den KTX nehmen, einen TGV-Schnellzug französischer Herkunft. Selbstverständlich wurde das Ticket wieder über PDA gebucht, bezahlt (es kostete grade mal 20000 Won, das sind ca 13 EUR), selbstverständlich war eine Reservierung dabei, und selbstverständlich war das Zusteigen völlig problemlos und ohne Gedränge, da JEDER Platz reserviert ist. Selbstverständlich wurde das Ticket auch nicht kontrolliert, da die Schaffnerin selber mit dem PDA durchlief und genau sah, welcher Platz gebucht war. Das ganze funktioniert natürlich auch noch 5 min vor Abfahrt – sowas muß man mal bei der Dt. Bahn AG (halle Herr Grube, mal ab nach Korea und schauen was geht) versuchen. Da gibt es maximal Plätze namens „ggf freimachen“ für Spätbucher mit BahnCard Comfort.
Nächste Sache: natürlich hält der Zug auf 10 cm genau an Stellen, die durch ein eingelassenes Schild im Boden markiert sind, und wo die Wagennummer draufsteht. Hat man also Wagen 15, stellt man sich genau hinter dieses Schild im Boden, es bildet sich schön brav und von selbst eine Schlange, und es gibt kein Gedränge. Das muß man mal vergleichen, wenn man mal versucht hat, in Köln oder Frankfurt Flughafen in einen bereits vollen ICE zu steigen. Es gibt natürlich dieses Schild auch nur 1x, so daß es keine Konfusion gibt. Da jeder Platz nummeriert ist, findet jeder auch einen Sitzplatz, niemand steht. Ist ein Zug mal voll, geht natürlich 20 oder 30 min später schon wieder einer. Daß die Züge super sauber sind, ordentlich, daß es darin kostenloses High-Speed WLAN gibt, in das ich mich einloggen konnte, und daß dort ähnlich wie in modernen Flugzeugen überall LCD Bildschirme von der Decke hängen, wo die aktuellen Nachrichten laufen, muß man fast schon nicht mehr erwähnen. Der genervte Pendler Mannheim-Stuttgart oder Montabaur-Frankfurt, der zwar eine Bahncard 100 hat, aber regelmäßig steht oder auf dem verdreckten und verbappten und abgewetzten Boden sitzt, kann davon nur träumen.
Wieso schaffen es eigentlich die Koreaner, ihre Ubahnen alle 5 min fahren zu lassen und ihre High-Speed Züge, die natürlich 320 km/h fahren, alle 20 min, und wieso geht das bei uns nur stündlich bzw. im 15 min Takt, wegen „hoher Streckenauslastung“? Wieso sind die Züge auf die Minute pünktlich, und wenn wirklich mal eine Verspätung ist, wird diese eine Minute auch noch extra angezeigt und das ist dann tatsächlich auch nur 1 Minute, und nicht 5 Minuten, die der Zug später abfährt, obwohl er pünktlich eingefahren ist und wo man sich denkt, wieso geht es nicht los, wie praktisch als Dauerzustand in Dtld? Viellleicht sollte der Herr Grube mal koreanische Technologie einkaufen. Vor allem das praktische Ticketkaufen incl. Verbindlicher Platzreservierung ist super.
Selbstverständlich sehen die Bahnhöfe und Ubahnstationen wie geleckt aus, das hatte ich ja schon letztes Mal geschildert, und es gibt auch genügend Sitzplätze zum Warten, wenn man mal tatsächlich 15 min warten muß, natürlich mit den neuesten back-illuminated LED-Bildschirmen im 55 Zoll Format von Samsung oder LG.
Ein weiteres Beispiel: selbst auf einem relativ kurzen Flug von 6h von Seoul nach Singapore werden nach ca 3h die Toiletten von den Stewardessen pikobello gereinigt. Wer einmal einen Flug bei der Lufthansa oder der United Airlines von San Francisco nach Frankfurt mitgemacht hat, der weiß, wie nach ein paar Stunden die stillen Örtchen aussehen. Als Film kam auch „Wer wenn nicht wir“. Auf deutsch mit engl. Untertiteln. Bei der KAL. Bei der Lufthansa haben sie den nicht im Programm. Als ich über Vietnam war und im Film grad die Wurmlinger Kapelle gezeigt wurde, sind mir fast die Tränen in die Augen geschossen.
Ein weiteres Beispiel: da nur spezielle Busse in die DMZ in den letzten beiden Kilometern vor der Grenze fahren, muß man dort ein Ticket lösen. Selbstverständlich ist auch dort der Sitzplatz reserviert, und jeder hält sich daran. Natürlich geht auch dort 5 min später wieder ein Bus, wenn der vorige voll sein sollte. Also gibt’s auch da kein Gedränge, und selbst mit den 40 Chinesen, mit denen ich im Bus gefahren bin, wurden die Abfahrzeiten von den verschiedenen Stationen penibelst eingehalten.
Die Stimmung im Land selber empfand ich als nach wie vor hervorragend, wenn auch nicht mehr ganz so viele Baukräne zu sehen waren (zumindest in Seoul oder Daejeon) wie letztes Mal in Busan.
In der Zeitung und in den Nachrichten wird berichtet, daß das Wachstum in 2012 nur noch auf 0.8% projektiert ist, und ruckzuck hat heute die Regierung ein Programm erlassen, das Steuervergünstigungen auf Immobiliengeschäfte vorsieht, damit der Immomarkt und die Binnennachfrage dem Abschwung etwas entgegenwirkt. Wie anders ist das bei uns, wo direkt vor dem Abschwung aus Reparationszahlungsgründen die Grunderwerbsteuer von 3 auf 5% erhöht wurde (eine Steigerung um 60%).
Laut Zeitung arbeitet der Durchschnittskoreaner 2250 Std im Jahr und hat kaum Zeit für Freizeit oder Reisen, während der OECD Durchscnitt nur 1750 Stunden beträgt. In der Tat haben viele Leute gesagt, daß ihr Arbeitstag von 8-18 Uhr geht und auch der Samstag noch eingeplant ist. Vom langen Urlaubmachen träumen momentan noch wenige, obwohl neben Jeju auch Bali und das ganze Südostasien sowie etwas weiter entfernt Australien beliebte Urlaubsziele sind. Erstmal sind materielle Dinge und eine schöne Wohnung mit fancy Einrichtung angesagt.
Die Koreaner steigerten dieses Jahr ihr Pro Kopf GDP von 20 auf 24 kUSD, also ein 20% Wachstum. Das sieht man den Leuten auch an. Wie schon das letzte Mal berichtet, sind die Leute im Alltag extrem gut angezogen, Männer stets mit Anzug und Schlips, aber diesmal sind mir die Frauen ganz besonders aufgefallen. Ich muß schon sagen, Seoul scheint die Stadt der Supermodels zu sein, alle schlank und langbeinig, und jetzt wegen des Winters alle mit schwarzen Stockings, hohen Schuhen, schwarzem (Mini-)Rock und darüber eine Lodenjacke oder Wollmantel im Lagerfeld-Stil. Wahnsinn, dazu noch Taschen mindestens von Longchamp, Coach, Gucci oder mehr. Und zwar keine Fakes, wie in China. Mir kam es so vor, als liefen wirklich hunderte von Mädels direkt aus dem neuesten Elle-Magazin umher. Es ist ja bekannt, daß es in Asien sehr wichtig ist, gut auszusehen, sich gut anzuziehen und auch seinen Wohlstand entsprechend zu zeigen, aber was ich diesmal in Seoul gesehen habe, auch an Homogenität, das übertrifft die Lage selbst aus Shanghai oder Hongkong noch bei weitem, und grade Hongkong geht’s ja schon schon weitaus besser als uns. Mal sehen, wie es diesmal in Singapur aussieht.
Die Koreaner sind aber, im Gegensatz zu den Chinesen und speziell den Hongkongern extrem höflich, zuvorkommend und hilfsbereit, das krasse Gegenteil von den Ellenbogen- und „me first“ Chinesen. Von denen durfte ich einige Emporkömmlinge schon beim Abflug in der Senator-Lounge „genießen“, wo sie so laut waren, wie man es sonst höchstens noch in Sizilien erlebt.
Die Koreaner sind schon sehr selbstbewußt geworden – sie wissen, daß sie durch ihr gezieltes Investment in Technologie, ihren Fleiß, ihre Disziplin, aber gerade auch ihren Pragmatismus auf vielen Gebieten die besten Produkte liefern. Ich bin sicher, daß neben dem fast Weltmarktmonopol bei Fernsehern und Displays das ganze jetzt auch weiter auf PDAs, ipads etc übergreifen wird. Die Software wird folgen, und dies gilt gerade auch für den M-Commerce. Man wird in Zukunft nicht mehr von der verdammten Ami-Schrottsoftware aus Redmond abhängig sein, da bin ich überzeugt.
Sie bewundern aber nach wie vor Deutschland, und in der Tat, wer etwas auf sich hält , fährt einen VW, einen BWM, einen Audi oder natürlich einen Mercedes. Der Verkehr ist in der 12-Mio Metropole Seoul zwar stark, aber es ist kein Chaos oder Dauerstau, wie das in Shanghai oder Beijing zum Beispiel der Fall ist.
Interessant vielleicht noch die Einstellung zur Wiedervereinigung: die meisten Leute, mit denen ich gesprochen habe, wollen die Wiedervereinigung nicht, da sie die Kosten fürchten, a la Deutschland. Unter der jetzigen Regierung in Südkorea wird es da auch keine weiteren Vorstöße geben, aber 2012 wird wieder gewählt und es wird mit ziemlicher Sicherheit einen neuen Regierungschef geben. Kim Dae Jung war ja schonmal weiter mit Nordkorea, zum Beispiel durften Südkoreaner nach Norden fahren, zwecks Tourismus, selbst durch die DMZ hindurch, und es gab schon eine Sonderwirtschaftszone in Nordkorea nahe der Grenze.
Ich bin fest überzeugt, daß die koreanische Wiedervereinigung binnen der nächsten 5 Jahre kommen wird, und dann fahre ich mit dem Zug von Seoul nach Pjöngjang, vielleicht sogar weiter nach Frankfurt, sofern das dann geht. Für die koreanischen Ausführen würde das natürlich bedeuten, daß sie binnen 2 Wochen per Gleis durch Rußland nach Europa gebracht werden könnten und ein 5-wöchiges Verschiffen nicht nötig ist. Aber wie gesagt, das fürchtet der Chinese und wird vielleicht den Ausbau des Schienennetzes nicht fördern.
Wenn die Wiedervereinigung kommt, erwarte ich, daß Nordkorea binnen 1 Jahres (!!) auf westlichem Stand sein wird. Das würde dann einen Sprung von 50 oder vielleicht 100 Jahren bedeuten. Ich habe keinen Zweifel, daß binnen 1 Woche oder max 1 Monat entsprechend viele Mobilfunkmasten aufgestellt würden und die 26 Mio Nordkoreaner mit LG, Samsung oder HTC PDAs und Handys überschwemmt würden und dann direkt ins Internet gehen könnten. Der initiale Boost für die koreanische Wirtschaft wäre gigantisch, zumindest initial. Wie das dann weiterging, wenn soviele Billigarbeiter im Norden dazukämen und was dann im Süden passieren würde, wo die Löhne doch auch schon hoch sind, nicht zuletzt wegen starker Gewerkschaften, bleibt abzuwarten.
Mein Fazit diesmal: je öfter ich hier herkomme, desto mehr liebe ich dieses Land. Ich bin mir sicher, daß das Land mit seinen insgesamt 80 Mio Einwohnern Deutschland schon bald überholt haben wird. Das trifft sicherlich schon jetzt auf einigen Gebieten zu, wie oben geschildert. Die Koreaner haben einen Vorteil, die Gesellschaft ist noch sehr homogen, kaum Ausländern, maximal ein paar fleißige Chinesen, aber keine Kulturbereicherer, die auf Staatskosten schmarotzen. In Nordkorea gibt es angeblich nur wenige hundert Ausländer, was den Staat zur homogensten Gesellschaft der Welt macht. Dort sollen die Mädels sogar noch hübscher sein, was nichtzuletzt auf die „staatlich verordnete“ Hungerdiät zurückzuführen ist. Haltet den Amilifestyle und das Amifraß und die Amikultur mit McDonalds und dem Zuckersirup in allem so lange wie möglich draußen!
Viele Grüße, DT
PS: im Korea Herald, einem Amipropagandablatt als Ableger der International Herald Tribune stand am Dienstag, daß Korea ein „gutes Beispiel sei, wie der IMF ja sooo gut funktionieren würde“. Denn Korea sei vom bankrotten Schuldner 1997 binnen 14 Jahren zum Geberland aufgestiegen. Was diese Geschichtsumschreiber verschweigen, ist die Tatsache, daß die 3 Buchstaben IMF in Korea den Leuten die Zornesröte ins Gesicht treibt. Denn die Währungsangriffe der Wallstreet waren die Ursache, daß die Tigerboomstaaten 1997 in den Bankrott getrieben wurde und die Asienkrise ausgelöst wurde, was Südkorea fast seine gesamten Devisenreserven gekostet hat. Dort ging die Spekulation der Wallstreet und City of London auf. Bia IMF wurde und wird die Kuh über die Zinsen für die IMF Kredite schön weiter gemolken. Trotzdem sieht man hier, was ein fließiges und innovatives Land auch infrastrukturmäßig auf die Beine stellen kann, wenn es nicht allzusehr unter dem Amijoch steht und unter Reparationszahlungen leidet. Vor allem haben die Amis noch nicht angefangen, dort wie bei uns das Bildungssystem zu zerstören, um das Land klein zu kriegen. Noch haben die Koreaner mit Hongkong etc. die höchsten Scores in den Tests.
Mal sehen, wann bei Korea der Spieß umgederht wird und diese Kuh gemolken wird… Donald Trump hat das Land jedenfalls schon entdeckt und „investiert“ fleißig in Busan.
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