Danke für den Bericht - Meine Eindrücke aus Darwin
Hallo DT,
sehr interessant, wo Du überall herum kommst. Vor 2 Jahren war ich einmal für einen Abstecher von Singapur in Darwin, um ein Eisenerzprojekt zu besichtigen. Darwin ist die Hauptstadt der Northern Territories mit 121.000 Einwohnern. Da die Stadt oft von Zyklonen heimgesucht wurde, sieht man keine alte Bausubstanz mehr. Die Stadt ist sehr langweilig. Allerdings kommt auch dort der Rohstoffboom langsam an.
Viele Australier haben in diesem Boom viel Geld verdient und kontrollieren heute Bars, Restaurants, Hotels, Appartmenthäuser usw. Mein Eindruck, dass Australien relativ teuer geworden ist, hat sich auch in Darwin bestätigt. Wobei hier die Preise für Häuser und Wohnungen noch eher erschwinglich sind. So etwa der halbe Preis von Perth bzw. 200.000 AUD für ein Appartment. Allerdings will wohl auch kaum jemand in einer 120.000 Einwohnerstadt leben wollen, die so weit weg vom Schuss liegt.
Auch in Darwin sieht alles sehr sauber aus. Den Menschen geht es gut und im Restaurant haben wir sogar deutsche Kellner getroffen, denen es in Australien besser gefällt.
Auch in Darwin kommen immer mehr Chinesen. Vor allem Geschäftsleute wittern enormes Potenzial.
In den Northern Territories wimmelt es immer noch von erstklassigen Rohstoffvorkommen. Eisenerz, Kohle und Kupfer sowie natürlich Gold. Das Problem ist die Infrastruktur. Es gibt nur wenige Bahnlinien und die Hafenkapazitäten sind sehr klein.
Zudem ist die lokale Regierung sehr stark "ökologisch" eingestellt. So werden Projekte immer weiter verhindert. Man sorgt sich vor allem um den Staub, den die LKWs, die übrigens mit abgedeckter Laderampe fahren, von ihren Reifen verlieren könnten.
Kurzum, ich habe große Zweifel, ob in dieser Region der Rohstoffboom noch einmal beschleunigt wird. Jedenfalls sehe ich in den nächsten 3-5 Jahren zu große Schwierigkeiten. Um ein Projekt in Produktion zu bringen bräuchte es etwa 300 Mio. bis 1 Mrd. AUD. Die dortigen Minenmagnaten besitzen bestenfalls das Potenzial für 100 Mio. AUD. Daher bräuchte es strategische Investoren - bspw. aus China oder Perth und den Willen der Regierung, einen Minenboom auch wirklich zu unterstützen. Jedenfalls war mir persönlich ein Investment in das Unternehmen "Sherwin Iron" zu spekulativ und die Aktien fielen seither auch auf 1/4 ihres Wertes, da man kein Financing bekommen hat. Das Projekt selbst war riesig. Wir mussten mit dem Hubschrauber stundenlang herumfliegen, um alles zu sehen. Die eisenhaltigen Berge sieht man am besten aus der Luft.
Mein Eindruck war, dass es den Darwinisten auch ohne eine große Rohstoffproduktion gut geht. Die handvoll an kleinen Projekten reicht für die Wirtschaft vollkommen aus. So hat man auch in jedem kleinen Hinterdorf von Australien, die Sozialprogramme und Jobs, die eine Bubble Economy mit sich bringen. Diese Bubble Economy ist sozusagen auf dem Rohstoffboom aufgebaut, der ebenfalls irgendwann einmal zu Ende sein wird. Nur kann dies wohl noch 10 Jahre dauern.
Australien hat wirtschaftlich enorme Vorteile. So verteilen sich die gigantischen Rohstoffreserven auf wenige Einwohner. Dies wird Australien auf Lebzeiten hinweg einen höheren Lebensstandard ermöglichen.
Wann die Konsum-, Immobilien- und Währungsblase platzt, wird von der Politik abhängen. Wenn man durch Inflation, zu große Umweltauflagen, etc. die Minenindustrie zu stark abmelkt, wird dies eine Krise in der davon abhängigen Gesamtwirtschaft auslösen. Wehe dem die Preise für Rohstoffe fallen mal für 3-5 Jahre. Dann wäre die Krise schnell da. Bankenpleiten, Währungsabwertung, Kapitalflucht, Immobilienpreisverfall usw. Persönlich erwarte ich dies in den kommenden 5 Jahren jedoch nicht.
Wenn Australien also die politisch richtige Weichenstellung vornimmt und auch in Infrastruktur investiert - bspw. im Northern Territory - so ist dem Land noch eine lange Zeit des Wohlstandes vergönnt.
Natürlich fließen immer mehr Bergbauinvestitionen nach Lateinamerika ab. Aber dieses Problem ist noch überschaubar. Auch nach Südostasien fließen immer mehr Investitionen. Die Probleme in diesen Ländern sind jedoch anderer Art (Raub der Projekte, Korruption) so dass sich in Australien trotz der immensen Kosten immer noch der Abbau lohnt. Die Australier sind auch sehr fortschrittlich was den Technologieeinsatz betrifft.
Alles in allem würde ich Australien immer noch als mögliches Auswanderungsland für Europäer sehen. Wer gutes Geld verdienen will und genügend Startkapital für seine eigene Immobilie mitbringt, der kann in Australien wunderbar leben. Auch ich habe mir immer wieder Überlegungen in diese Richtung angestellt.
Was Mineninvestments betrifft, so würde ich mich in Australien eher an die großen und mittelgroßen Firmen halten. Die Juniors in Australien sind nur attraktiv, wenn man sicher weiß, dass die Finanzierung klappt. Ansonsten habe ich mehr Vertrauen in meine Werte in Kanada.
Gruß
EM-Financial
gesamter Thread:
- Reisebericht aus Westaustralien mit Besuch bei der Perth Mint (mTuvB) -
DT,
07.02.2012, 09:43
- Herzlichen Dank für die Eindrücke.. - M. S., 07.02.2012, 11:19
- Fluchtland. -
sensortimecom,
07.02.2012, 12:03
- Nicht zu vergleichen - Ankawor, 07.02.2012, 12:35
- Übertrieben -
M. S.,
07.02.2012, 13:08
- Rohstoffhype -
sensortimecom,
07.02.2012, 13:44
- Nein. Sehe ich auch nicht... - M. S., 07.02.2012, 13:56
- Rohstoffhype -
sensortimecom,
07.02.2012, 13:44
- Danke für den Bericht - Meine Eindrücke aus Darwin - EM-Financial, 11.02.2012, 10:03
