Debitistischer Geldpirat erklärt, wie Schuldenbremse funktioniert
moneymind
, Dienstag, 14.05.2013, 11:19 (vor 4666 Tagen)
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 14.05.2013, 11:23
Piratos (Tobias Deiters) erklärt die Schuldenbremse
Er beginnt sofort mit der debitistischen Grundeinsicht, daß Geld kein Ding, sondern eine Forderung darstellt und entwickelt alles weitere von da aus.
Sein Vortrag "Geld entsteht, Geld vergeht" ist ebenfalls sehr gelungen und zeigt die Grundlagen der Geldschöpfung.
Dieser kleine Einblick in die Arbeit der AG Geldordnung und Finanzpolitik der Piratenpartei zeigt, daß es dort durchaus einige kompetente Leute gibt und daß die Geldsystemdiskussion an Fahrt und Niveau gewinnt (während das Niveau der Diskussion hier im Forum permanent sinkt und längst von dogmatischen Nachbetern bestimmt wird, während die an Klärung interessierten Leute dieses immer unfruchbarere Forum längst verlassen haben und anderswo diskutieren).
Schönen Dank für den Link zum Piratenvideo übrigens an Onkel Otto ...
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Ach, und was ist daran für uns hier neu? (oT)
Elli
, Dienstag, 14.05.2013, 12:58 (vor 4666 Tagen) @ moneymind
- kein Text -
Höchstens
Naclador
, Göttingen, Dienstag, 14.05.2013, 13:25 (vor 4666 Tagen) @ Elli
dass sich auch Piraten mit solchen Themen befassen.
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Hanlon's Razor: "Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity."
Naclador's Corrolary: "Recognize when stupidity is not an adequate explanation."
Das ist schon eine Meldung wert
BennyF
, Dienstag, 14.05.2013, 15:25 (vor 4666 Tagen) @ Naclador
dass sich auch Piraten mit solchen Themen befassen.
Da man den Piraten ja gerne nachsagt, sie seinen ein paar IT-Geeks ohne Ahnung von Politik und Wirtschaft, finde ich solche Gedanken schon erwähnenswert.
Gespartes Geld nicht im Wirtschaftskreislauf unterwegs?
Orlando
, Dienstag, 14.05.2013, 13:39 (vor 4666 Tagen) @ moneymind
Dann laß' uns doch mal darüber sprechen, und zwar über Einzelaspekte.
Der gute Mann sagt bei ca 21:00, daß auf einem Konto gespartes Geld dem Wirtschaftskreislauf entzogen sei. Das will mir nicht einleuchten. Es ist uns allen klar, daß Giralgeld durch die Banken bei der Kreditvergabe geschöpft wird, d.h. jedoch nicht, daß Banken nicht AUCH das bei ihnen eingelegte Geld verleihen. Täten sie das nicht, würden sie die auf Einlagen gewährten Zinsen verschenken. Mithin ist das gesparte Geld sehr wohl im Wirtschaftskreislauf unterwegs. Was anderes wäre der Fall, wenn der Sparer sich die Scheine ins Kopfkissen steckt.
Oder ist das falsch?
Eigentlich müsste sogar das Gegenteil der Fall sein
NaturalBornKieler
, Nördliches Norddeutschland, Dienstag, 14.05.2013, 14:04 (vor 4666 Tagen) @ Orlando
Hallo Orlando,
Der gute Mann sagt bei ca 21:00, daß auf einem Konto gespartes Geld dem
Wirtschaftskreislauf entzogen sei. Das will mir nicht einleuchten. Es ist
uns allen klar, daß Giralgeld durch die Banken bei der Kreditvergabe
geschöpft wird, d.h. jedoch nicht, daß Banken nicht AUCH das bei ihnen
eingelegte Geld verleihen. Täten sie das nicht, würden sie die auf
Einlagen gewährten Zinsen verschenken. Mithin ist das gesparte Geld sehr
wohl im Wirtschaftskreislauf unterwegs. Was anderes wäre der Fall, wenn
der Sparer sich die Scheine ins Kopfkissen steckt.Oder ist das falsch?
Es müsste sogar das Gegenteil zutreffen. Die Spareinlagen der Kunden sind ja theoretisch Zentralbankgeld, das die Kunden der Bank zur Aufbewahrung überlassen. Ist die Bank schlau, dann verleiht sie dieses Geld nicht einfach direkt an andere Kunden, sondern hinterlegt es bei der Zentralbank als Mindestreserve. Dann kann sie nicht nur den einfachen Betrag, sondern gleich ein Vielfaches davon verleihen.
Bei einem Mindestreservesatz der EZB von gegenwärtig 1% bedeutet das theoretisch: die Bank kann für einen Euro Spareinlage einhundert Euro Kredit schöpfen.
Das heißt also, auf einem Konto gespartes Geld wird nicht dem Wirtschaftskreislauf entzogen, sondern im Gegenteil, es kann das Kreditvolumen sogar deutlich ausweiten, und somit die Wirtschaft stärker ankurbeln als wenn es einfach nur ausgegeben wird.
Wie gesagt, theoretisch.
NBK
--
Dieses Posting wurde ohne Verwendung von Beleidigungen oder persönlichen Angriffen erstellt. Falls diese gewünscht sind, damit das Posting besser in den derzeitigen Grundton des Forums passt, werden sie gern nachgereicht.
Aber nur dann, wenn jemand Kredit nachfragt!
optimist
, Dienstag, 14.05.2013, 14:17 (vor 4666 Tagen) @ NaturalBornKieler
Und Kredit nimmt nur der auf, der mit diesem Geld ein MEHR erwirtschaften will. Ob er das auch kann steht woanders.
--
Gewinne muß man sich verdienen. Verluste kommen von ganz allein.
I wo, nicht mehr MEHR, sondern mehr Daseinsvorsorge
Mephistopheles
, Datschiburg, Dienstag, 14.05.2013, 16:34 (vor 4666 Tagen) @ optimist
Und Kredit nimmt nur der auf, der mit diesem Geld ein MEHR erwirtschaften
will. Ob er das auch kann steht woanders.
Und wenn keiner MEHR erwirtschaften will und deswegen keiner mehr Kredit aufnimmt, dann nimmt der Staat Kredit auf. Und der möchte nicht MEHR erwirtschaften.
Also kann die staatliche Kreditaufnahme nur im Rahmen der staatlichen Daseinsvorsorge betrachtet werden.
Es umschreibt die staatliche Aufgabe zur Bereitstellung der für ein menschliches Dasein als notwendig erachteten Güter und Leistungen − die so genannte Grundversorgung.
Dieser Aspekt wird viel zu wenig beachtet, wenn es um unsere Vorsorge für kommende Generationen geht.
Stell die vor, es ist Da-Sein - und kein Kredit-Sein, weil niemand rechtzeitig Kredite aufgenommen hat.
Wie wollt ihr dann leben?
[Vorsichtshalber setz ich mal ein
hier rein, man kann ja nie wissen]
Gruß Mephistopheles
--
„Wenn sich die Welt selbst zerstört, dann fängt es so an: Die Menschen werden zuerst treulos gegen die Heimat, treulos gegen die Vorfahren, treulos gegen das Vaterland. Sie werden dann treulos gegen die guten Sitten, gegen den Nächsten, gegen Frauen
Wem genau "gespartes Geld" wann genau fehlt
moneymind
, Dienstag, 14.05.2013, 14:32 (vor 4666 Tagen) @ Orlando
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 14.05.2013, 15:19
Hi Orlando,
meine Sicht dazu:
Banken "verleihen" kein Geld (irreführende Dingmetapher). Sie vergeben Kredite. Zinsen auf Einlagen zahlen Banken ihren Kunden dafür, daß sie ihnen das Risiko der Illiquidität für den vereinbarten Zeitraum (in dem die Kunden ihr Guthaben "fest anlegen") abnehmen. Sie senken damit ihre Kosten fürs Besorgen von Zentralbankgeld (für das sie den Diskontsatz zahlen müssen). Einen Teil dieser gesparten Kosten geben sie an ihre Kunden weiter, um das für diese attraktiv zu machen. Auch hier ist der Zins – wie überall – eine Risikoprämie.
Das hat mit dem "Wiederverleihen von Geld" nichts zu tun – das ist nur eine irreführende Dingmetapher.
Wann und warum ist "gespartes Geld" "dem Wirtschaftskreislauf entzogen" (schwammige und irreführende Ausdrucksweise)?
Dazu ein kurzes Beispiel: Unternehmer verschuldet sich bei Bank in Höhe von 1000, Zins=0. Er Zahlt 500 in Löhnen aus (Überweisung auf Arbeiterkonto bei derselben Bank), kauft für 500 Vorprodukte (Überweisung auf Konto des Vorproduktherstellers bei derselben Bank). Er produziert. Arbeiter kaufen bei ihm für 250, 250 lassen sie bei der Bank auf ihrem Konto. Verkäufer der Vorprodukte kaufen bei Unternehmer waren für 500.
Unternehmer zahlt zum Fälligkeitstermin 750 des Kredits über 1000 zurück. Fällig sind 1000.
Ergebnis: Er ist zahlungsunfähig. Die ihm fehlenden 250 haben seine Arbeiter zur Absicherung vor Arbeitslosigkeit "gespart". Und sich damit ironischerweise um ihre Arbeitsplätze gebracht. Piratos stellt das im Vortrag ähnlich dar, bei ihm fehlt allerdings die Hervorhebung der zentralen Rolle des Termins):
Entscheidend am "Geld" ist nämlich, daß es über den Fälligkeitstermin des Kredits hinaus, in dem es geschaffen wurde, "gespart" werden kann (von der Bank realisierte Zinsgewinne oder Unternehmergewinne sind nur ein Sonderfall solchen "Sparens"). Dann steht des dem Schuldner, der es zum Fälligkeitstermin braucht, nicht zur Verfügung. In diesem Sinn ist es "dem Wirtschaftskreislauf" entzogen. Verwirrung entsteht nur dadurch, daß der Fälligkeitstermin der Forderung gegen den Kreditnehmer in der Betrachtung außer acht bleibt.
Folgerung: in dem Maß, in dem über den Fälligkeitstermin eines Kredits hinaus von Dritten gespart wird, brauchen Schuldner "Nachschuldner", um zahlungsfähig zu bleiben - bis zu dem Zeitpunkt, in dem die Sparer für ihre "gesparten Guthaben" wieder Güter kaufen.
= 1x1 des debitismus und fehlende Grundlage des Keynesianismus (die leider bisher offensichtlich auch bei einer zeitfreien, rein saldenmechanischen Betrachtung fehlt).
Das obige Beispiel zeigt auch, daß nicht Zins oder Unternehmergewinn "das Problem" darstellen, sondern Geldsparen über den Fälligkeitstermin des Kredits, in dem das "Geld" entstanden ist, hinaus, ganz generell: wer so spart, ist völlig wurscht.
In other words, sowohl Zins- wie Unternehmensgewinne sind nur Sonderfälle solchen "Sparens über den Fälligkeitstermin des fälligen Kredits hinaus".
Übrigens vielen Dank für die Hinweise von Sokrates, tar, Onkel Otto usw., die mir (u.a.) den Anstoß gegeben haben, das mal genauer zu durchdenken (vor ein paar Jahren dachte ich da noch anders; auch schönen Dank an diverse Mitdiskutierer für die Diskussion des Terminproblems).
Ich lerne halt sehr langsam.
--
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ja ... und nein - Erklärung der Ersparnisbildung
pigbonds
, Dienstag, 14.05.2013, 15:39 (vor 4666 Tagen) @ moneymind
Banken "verleihen" kein Geld (irreführende Dingmetapher). Sie vergeben
Kredite. Zinsen auf Einlagen zahlen Banken ihren Kunden dafür, daß sie
ihnen das Risiko der Illiquidität für den vereinbarten Zeitraum (in dem
die Kunden ihr Guthaben "fest anlegen") abnehmen. Sie senken damit ihre
Kosten fürs Besorgen von Zentralbankgeld (für das sie den Diskontsatz
zahlen müssen).
Das ist auch mein Verständnis. Banken brauchen gar keine Kundenguthaben, sie könnten sich ebenso bei der ZB refinanzieren; sie wollen die Kundenguthaben dann, wenn sie sich daraus günstiger refinanzieren können.
Wann und warum ist "gespartes Geld" "dem Wirtschaftskreislauf entzogen"
(schwammige und irreführende Ausdrucksweise)?Dazu ein kurzes Beispiel: Unternehmer verschuldet sich bei Bank in Höhe
von 1000, Zins=0. Er Zahlt 500 in Löhnen aus (Überweisung auf
Arbeiterkonto bei derselben Bank), kauft für 500 Vorprodukte (Überweisung
auf Konto des Vorproduktherstellers bei derselben Bank). Er produziert.
Arbeiter kaufen bei ihm für 250, 250 lassen sie bei der Bank auf ihrem
Konto. Verkäufer der Vorprodukte kaufen bei Unternehmer waren für 500.Unternehmer zahlt zum Fälligkeitstermin 750 des Kredits über 1000
zurück. Fällig sind 1000.Ergebnis: Er ist zahlungsunfähig. Die ihm fehlenden 250 haben seine
Arbeiter zur Absicherung vor Arbeitslosigkeit "gespart". Und sich damit
ironischerweise um ihre Arbeitsplätze gebracht. Piratos stellt das im
Vortrag ähnlich dar, bei ihm fehlt allerdings die Hervorhebung der
zentralen Rolle des Termins):
Das ist nun der alles entscheidende Punkt - der Punkt, der die Dynamik des Kapitalismus und die Grundlage des Wohlfahrtstaates ausmacht!
*Dein* Idealsystem wäre ein System, in dem Arbeiter unter Anleitung (des Unternehmers) für sich selber produzieren und *Dein Geld* ist im Grunde kein richtiges Geld, weil es wie Zuteilungsscheine verwendet werden soll. Dein System ist im Grunde das gescheiterte sozialistische System, das wir kennen, das aber die Begriffe des kapitalistischen Systems trägt.
Im kapitalistischen System ist der Arbeiter frei, *zu sparen*. Er kann die Ersparnis aber auch ausgeben, für eine Putzfrau, dann allerdings besteht immer noch Ersparnis im System und zwar in genau gleicher Höhe. Der Unterschied liegt darin, dass jedoch das BIP gestiegen ist und auch die zu besteuernden Einkommen.
*Dein Systemverständnis* verlangt danach, das Vorhandensein eines Dienstleistungssektors als einen Defekt zu bezeichnen, ausser, wenn am Ende einer Tilgungsperiode (Termin, wie Du sehr richtig hervorstreichst) das Guthaben just noch für ein Produkt eines verschuldeten Unternehmers ausgegeben wird. Zufälligerweise.
Im kaptialistischen System ist das Auftreten eines riesigen Dienstleistungssektors fast zwingend, weil die Arbeiter eben ihr Geld gerade nicht für die von ihnen hergestellten Produkte ausgeben wollen, sondern zum Beispiel lieber für ärztliche Behandlung, Putzfrauen oder Sex. Was dann die EmpfängerInnen mit ihrem Geld anfangen, das tatsächlich *zirkuliert* (als Kontenverschiebungen), ist deren Sache. Erst wenn es an einen verschuldeten Unternehmer gelangt, der tilgen will, verschwindet das Guthaben und damit die *Ersparnis* aus dem System.
Dadurch, dass im kapitalistischen System dem verschuldeten Unternehmer die Tilgungsmittel fehlen, entsteht der Druck zur Verbesserung der Produkte (Innovation), aber auch die Möglichkeit des Wohlfahrtstaates, der über die Besteuerung der Zirkulation (BIP) die Finanzierungskosten seiner eigenen Verschuldung aufzubringen versucht und so durch die immer weitere Verschuldung die Chance der verschuldeten Unternehmer erhöht, dennoch an Geld zur Tilgung zu kommen. Der Wohlfahrtsstaat kann im Vergleich zu anderen Staaten enorme Ausmasse annehmen, solange Unternehmer immer neue Spitzenprodukte hervorbringen vermögen, die Nachfrage anziehen. Denn jene Währung, in der sie ihre Verschuldung zu bedienen haben, wird dadurch fortwährend an *Kaufkraft* gewinnen. Dadurch wird der schuldenfinanzierte Wohlfahrtsstaat möglich.
Das zeigt, dass die Ersparnisbildung für das Funktionieren des kapitalistischen Systems sehr wichtig ist, weil sie, verstanden als "Blockierung der Tilgungsmittel", von Unternehmern Innovation erzwingt und gleichzeitig den Wohlfahrtsstaat ermöglicht. Würde der Wohlfahrtsstaat nicht existieren, würden viele Unternehmen gleich verrecken und die kreditgebenden Banken mitsamt ihren sparenden Kunden auch! Das eine bedingt das andere - empirisch können diese Phänomene nicht isoliert nachgewiesen werden, den die Logik verlangt, dass im Ungleichgewicht dass System sehr schnell implodieren muss (Debitismus von PCM).
Noch paar Aspekte zum "Geldsparen über den Fälligkeitstermin des zugrundeliegenden Kredits hinaus"
moneymind
, Dienstag, 14.05.2013, 16:21 (vor 4666 Tagen) @ pigbonds
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 14.05.2013, 16:25
Hi,
Banken "verleihen" kein Geld (irreführende Dingmetapher). Sie vergeben
Kredite. Zinsen auf Einlagen zahlen Banken ihren Kunden dafür, daß
sie
ihnen das Risiko der Illiquidität für den vereinbarten Zeitraum (in
dem
die Kunden ihr Guthaben "fest anlegen") abnehmen. Sie senken damit
ihre
Kosten fürs Besorgen von Zentralbankgeld (für das sie den Diskontsatz
zahlen müssen).
Das ist auch mein Verständnis. Banken brauchen gar keine Kundenguthaben,
sie könnten sich ebenso bei der ZB refinanzieren; sie wollen die
Kundenguthaben dann, wenn sie sich daraus günstiger refinanzieren
können.
Ok.
Wann und warum ist "gespartes Geld" "dem Wirtschaftskreislauf entzogen"
(schwammige und irreführende Ausdrucksweise)?Dazu ein kurzes Beispiel: Unternehmer verschuldet sich bei Bank in
Höhe
von 1000, Zins=0. Er Zahlt 500 in Löhnen aus (Überweisung auf
Arbeiterkonto bei derselben Bank), kauft für 500 Vorprodukte
(Überweisung
auf Konto des Vorproduktherstellers bei derselben Bank). Er produziert.
Arbeiter kaufen bei ihm für 250, 250 lassen sie bei der Bank auf ihrem
Konto. Verkäufer der Vorprodukte kaufen bei Unternehmer waren für 500.
Unternehmer zahlt zum Fälligkeitstermin 750 des Kredits über 1000
zurück. Fällig sind 1000.Ergebnis: Er ist zahlungsunfähig. Die ihm fehlenden 250 haben seine
Arbeiter zur Absicherung vor Arbeitslosigkeit "gespart". Und sich damit
ironischerweise um ihre Arbeitsplätze gebracht. Piratos stellt das im
Vortrag ähnlich dar, bei ihm fehlt allerdings die Hervorhebung der
zentralen Rolle des Termins):
Das ist nun der alles entscheidende Punkt - der Punkt, der die Dynamik des
Kapitalismus und die Grundlage des Wohlfahrtstaates ausmacht!*Dein* Idealsystem wäre ein System, in dem Arbeiter unter Anleitung (des
Unternehmers) für sich selber produzieren und *Dein Geld* ist im Grunde
kein richtiges Geld, weil es wie Zuteilungsscheine verwendet werden soll.
Keineswegs. Von Idealsystem war nirgends irgendeine Rede. Ich habe ein willkürliches konkretes Beispiel für "dem Wirtschaftskreislauf entzogenes Geld" gebracht, um die von Orlando übersehenen Aspekte zu verdeutlichen.
Dein System ist im Grunde das gescheiterte sozialistische System, das wir
kennen, das aber die Begriffe des kapitalistischen Systems trägt.
Ich habe nirgends von dergleichen geredet. Es ist einfach ein reflexhafte Unterstellung Deinerseits, die nichts darüber aussagt, was ich geschrieben habe, sondern etwas über Dein eigenes Denken.
Im kapitalistischen System ist der Arbeiter frei, *zu sparen*.
Selbstverständlich. Und ob er im beschriebenen Sinn "sparen" (Geldvermögen halten) wird, oder in anderer Form Vermögen bilden wird, oder überhaupt keines bilden wird, hängt von den verschiedensten Dingen ab.
Er kann die
Ersparnis aber auch ausgeben, für eine Putzfrau, dann allerdings besteht
immer noch Ersparnis im System und zwar in genau gleicher Höhe.
Solange die Putzfrau nichts konsumiert. Putzfrauen können angesichts ihrer Löhne normalerweise nicht sparen, sondern müssen diese zur Befriedigung von Grundbedürfnissen direkt verausgaben (Supermarkt - geht an verschuldete Lebensmittelhersteller etc.).
Der
Unterschied liegt darin, dass jedoch das BIP gestiegen ist und auch die zu
besteuernden Einkommen.
Darum ging es nicht.
*Dein Systemverständnis* verlangt danach, das Vorhandensein eines
Dienstleistungssektors als einen Defekt zu bezeichnen, ausser, wenn am Ende
einer Tilgungsperiode (Termin, wie Du sehr richtig hervorstreichst) das
Guthaben just noch für ein Produkt eines verschuldeten Unternehmers
ausgegeben wird. Zufälligerweise.
?!? Sorry, für mich ist kein Dienstleistungssektor ein "Defekt", und ich kann nicht nachvollziehen, wie Du darauf kommst.
Im kaptialistischen System ist das Auftreten eines riesigen
Dienstleistungssektors fast zwingend, weil die Arbeiter eben ihr Geld
gerade nicht für die von ihnen hergestellten Produkte ausgeben wollen,
sondern zum Beispiel lieber für ärztliche Behandlung, Putzfrauen oder
Sex. Was dann die EmpfängerInnen mit ihrem Geld anfangen, das tatsächlich
*zirkuliert* (als Kontenverschiebungen), ist deren Sache.
Die müssen essen, wohnen, sich kleiden usw. Bleibt danach noch etwas übrig, können sie das sparen - in monetärer Form, oder in anderer Form (Gold, Immos, Wertpapiere, Aktien etc.).
Erst wenn es an
einen verschuldeten Unternehmer gelangt, der tilgen will, verschwindet das
Guthaben und damit die *Ersparnis* aus dem System.
An irgendeinen "Verschuldeten" (kann auch der Staat sein, wer auch immer).
Dadurch, dass im kapitalistischen System dem verschuldeten Unternehmer die
Tilgungsmittel fehlen, entsteht der Druck zur Verbesserung der Produkte
(Innovation),
Dadurch entsteht nicht der Druck zur Innovation, sondern zunächst mal nur der Druck zur Kostensenkung. Der führt zu einer Nachfrage nach kostensenkenden Innovationen. Voraussetzung ist dabei Vertragsfreiheit, über die solche Innovationen dann zur Ausdifferenzierung der Arbeitsteilung führen können.
Innovationen werden allerdings nur verwirklicht, wenn sie einen Gewinn versprechen, also in einer stark deflationären Situation gerade nicht. Aufs ganze gesehen ist aber knappes Geld und Liquiditätsdruck ein wichtiger Motor für die Nachfrage nach Innovationen - verschärfter Schuldendruck allerdings wirkt wiederum ebenso hemmend wie mangelnder. Daher steuern ZBen ein Infla-Ziel um die 2-2,5 % an - das ist ein Maß für den durchschnittlichen Schuldendruck.
aber auch die Möglichkeit des Wohlfahrtstaates, der über
die Besteuerung der Zirkulation (BIP) die Finanzierungskosten seiner
eigenen Verschuldung aufzubringen versucht und so durch die immer weitere
Verschuldung die Chance der verschuldeten Unternehmer erhöht, dennoch an
Geld zur Tilgung zu kommen. Der Wohlfahrtsstaat kann im Vergleich zu
anderen Staaten enorme Ausmasse annehmen, solange Unternehmer immer neue
Spitzenprodukte hervorbringen vermögen, die Nachfrage anziehen. Denn jene
Währung, in der sie ihre Verschuldung zu bedienen haben, wird dadurch
fortwährend an *Kaufkraft* gewinnen. Dadurch wird der schuldenfinanzierte
Wohlfahrtsstaat möglich.
Das zeigt, dass die Ersparnisbildung für das Funktionieren des
kapitalistischen Systems sehr wichtig ist, weil sie, verstanden als
"Blockierung der Tilgungsmittel", von Unternehmern Innovation erzwingt und
gleichzeitig den Wohlfahrtsstaat ermöglicht.
Wichtig ist Geldknappheit im richtigen Maß, die auch von der Sparneigung der verschiedenen Gruppen von Wi-Subjekten beeinflußt wird. Sowohl zuwenig als auch zuviel Geldknappheit bremst die Innovationsentwicklung. Daher das Infla-Ziel um 2% (EZB - niedrigstes Inflaziel weltweit, andere ZBen zielen bis zu 5% an) - 20% wäre innovationshemmend, -10% dürfte die Wirtschaft zum Stillstand führen (deflationäre Depression), womit innovative Investionen mangels Rentabilitätsaussichten gar nicht mehr zustandekommen.
Das Infla-Niveau beeeinflußt auch die Geldsparneigung der Privaten, das ist eine ihrer wichtigen geldpolitischen Funktionen (hat Geld einen negativen Realzins, werden nichtmonetäre Formen der Vermögensbildung attraktiver).
Die derzeitige Niedrigzinspolitik der ZBen ist zum guten Teil durch staatliche Konsolidierungsstrategien erzwungen - anders ließe sich nämlich das Infla-Ziel nicht erreichen.
Ersparnis als Voraussetzung für Investition in dem Sinn, daß Unternehmen erst sparen müßten, bevor sie investieren können, ist ein neoklassischer Mythos.
Würde der Wohlfahrtsstaat
nicht existieren, würden viele Unternehmen gleich verrecken und die
kreditgebenden Banken mitsamt ihren sparenden Kunden auch! Das eine bedingt
das andere - empirisch können diese Phänomene nicht isoliert nachgewiesen
werden, den die Logik verlangt, dass im Ungleichgewicht dass System sehr
schnell implodieren muss (Debitismus von PCM).
Natürlich, deswegen muß es antizyklisch reguliert werden wie eine Heizung vom Thermostat. Von Akteuren, die sich antizyklisches Handeln leisten können, ohne dabei ihre eigenen Interessen zu verletzen.
Das hat nichts mit der Einführung von Sozialismus zu tun, sondern gerade mit der Sicherung der elementaren Funktionsbedingungen des Kapitalismus.
Gruß
moneymind
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
Warum Banken Sparer suchen, anstatt sich bei der ZB zu refinanzieren
BerndBorchert
, Dienstag, 14.05.2013, 17:08 (vor 4666 Tagen) @ pigbonds
Das ist auch mein Verständnis. Banken brauchen gar keine Kundenguthaben,
sie könnten sich ebenso bei der ZB refinanzieren; sie wollen die
Kundenguthaben dann, wenn sie sich daraus günstiger refinanzieren
können.
Ich denke, es geht vor allem um die Kredite an Private und Unternehmen: anders als bei Krediten an den Staat können die nicht zu 100% bei der ZB in Pension gegeben werden. Bei Immobilienkrediten erhält die GB beispielsweise nur 70% der Kreditsumme von der ZB. Deshalb landen auch nur selten Privatkredite als Sicherheit bei der ZB.
Mit anderen Worten: bei fast allen Krediten muss eine Bank sich anders refinanzieren. Das geht also fast nur über Spareinlagen, oder Interbank-Kredite.
B.Borchert
Guter Punkt.
pigbonds
, Dienstag, 14.05.2013, 17:58 (vor 4666 Tagen) @ BerndBorchert
sie könnten sich ebenso bei der ZB refinanzieren; sie wollen die
Kundenguthaben dann, wenn sie sich daraus günstiger refinanzieren
können.
Ich denke, es geht vor allem um die Kredite an Private und Unternehmen:
anders als bei Krediten an den Staat können die nicht zu 100% bei der ZB
in Pension gegeben werden. Bei Immobilienkrediten erhält die GB
beispielsweise nur 70% der Kreditsumme von der ZB. Deshalb landen auch nur
selten Privatkredite als Sicherheit bei der ZB.Mit anderen Worten: bei fast allen Krediten muss eine Bank sich anders
refinanzieren. Das geht also fast nur über Spareinlagen, oder
Interbank-Kredite.
Richtig. Guter Punkt.
Zumal sie beim Sparer keine Sicherheiten hinterlegen muessen
CalBaer
, Dienstag, 14.05.2013, 18:12 (vor 4666 Tagen) @ BerndBorchert
Im Gegensatz zur Refinanzierung bei der ZB oder bei anderen Banken.
Der Privatkunde ist ein aeusserst gutmuetiger Glaeubiger der Bank, wenn man so will.
--
Ein ueberragender Teil der Oekonomen, Politiker, Banker, Analysten und Journalisten ist einfach unfaehig, Bitcoin richtig zu verstehen, weil es so revolutionaer ist.
1CBaerFK7x55XdXjdU85SXePYqJi7Xu3Ux
mögliche Ergänzungen: Vollstreckbarkeit/ Neukreditechance
Silke, Dienstag, 14.05.2013, 22:29 (vor 4665 Tagen) @ CalBaer
Hallo Calbaer,
1.) Privatkunde kann viel schlechter vollstrecken als ZB wenn Bank bankrottiert?
2.) Privatkundenstamm muss gepflegt werden -vielleicht fällt bald in der Familie (Umfeld) ein neuer Kredit ab, vielleicht gleich samt Bürgen?
LG
Silke
Liebe zur Leidenschaft ist es jedenfalls nicht...
Deine vermutete Bankenrefinanzierung
paranoia
, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Dienstag, 14.05.2013, 18:53 (vor 4666 Tagen) @ BerndBorchert
Hallo BerndBorchert!
Mit anderen Worten: bei fast allen Krediten muss eine Bank sich anders
refinanzieren. Das geht also fast nur über Spareinlagen, oder
Interbank-Kredite.
Nein. Es fehlen Anleihen und Kredite. Bei manchen Wirtschaftszeitungen siehst Du beispielsweise die Rahmendaten von neu emittierten Anleihen aufgelistet.
Was Du in der Zeitung nicht siehst, sind Kredite.
Nimm mal EUR 5 Mio. in die Hand, dann kannst Du auch mal Schuldscheindarlehen von Banken kaufen. Da steht dann drin, daß die Bank Dir Geld schuldet, wann sie Dir die Kohle zurückzahlt und wie die Verzinsung aussieht.
Beides sind Varianten, um an unbesicherte Refi zu kommen.
Gruß
paranoia
--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.
Schuldscheindarlehen vs. Spareinlage
BerndBorchert
, Mittwoch, 15.05.2013, 12:04 (vor 4665 Tagen) @ paranoia
Was Du in der Zeitung nicht siehst, sind Kredite.
Nimm mal EUR 5 Mio. in die Hand, dann kannst Du auch mal
Schuldscheindarlehen von Banken kaufen. Da steht dann drin, daß die Bank
Dir Geld schuldet, wann sie Dir die Kohle zurückzahlt und wie die
Verzinsung aussieht.Beides sind Varianten, um an unbesicherte Refi zu kommen.
Danke fuer den Hinweis. Interessanter Aspekt, dass die Glaeubiger (Sparer) in allen Faellen keine Sicherheiten von der Bank verlangen.
Was ist - betriebswirtschaftlich oder rechtlich - der Unterschied zwischen so einem Schuldscheindarlehen und einer Spareinlage? der Glaeubigerrang?
B.Borchert
Unterschied zwischen Schuldscheindarlehen und Spareinlage
paranoia
, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Mittwoch, 15.05.2013, 15:09 (vor 4665 Tagen) @ BerndBorchert
Hallo BerndBorchert!
Was Du in der Zeitung nicht siehst, sind Kredite.
Nimm mal EUR 5 Mio. in die Hand, dann kannst Du auch mal
Schuldscheindarlehen von Banken kaufen. Da steht dann drin, daß die
Bank
Dir Geld schuldet, wann sie Dir die Kohle zurückzahlt und wie die
Verzinsung aussieht.Beides sind Varianten, um an unbesicherte Refi zu kommen.
Danke fuer den Hinweis. Interessanter Aspekt, dass die Glaeubiger (Sparer)
in allen Faellen keine Sicherheiten von der Bank verlangen.Was ist - betriebswirtschaftlich oder rechtlich - der Unterschied zwischen
so einem Schuldscheindarlehen und einer Spareinlage? der Glaeubigerrang?B.Borchert
Rechtlich kann ich es Dir nicht beantworten, um die Antwort bemüht sich gerade die EU-Kommission.
Betriebswirtschaftlich fällt mir gerade nur die formale und die effektive Bindungsdauer des in beiden Anlageformen gebundenen Kapitals ein.
Gruß
paranoia
--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.
Monetäre Betrachtung
Orlando
, Dienstag, 14.05.2013, 16:43 (vor 4666 Tagen) @ moneymind
Banken "verleihen" kein Geld (irreführende Dingmetapher). usw
Geschenkt, ist schon klar. Der Bilanzverlängerung sieht man aber nicht an, ob die Geldsumme als Kredit geschöpft wurde oder ob sie aus einer Einlage stammt. Sowohl nach Krediteinräumung als auch nach Entgegennahme der Einlage befinden sich entsprechende zusätzliche Beträge auf der Aktiv- und der Passivseite der Bankbilanz.
Wann und warum ist "gespartes Geld" "dem Wirtschaftskreislauf entzogen" (schwammige und irreführende Ausdrucksweise)?
Mein erster Einwand: wieder Verdinglichung, indem etwas "entzogen" würde.
Dazu ein kurzes Beispiel: Unternehmer verschuldet sich bei Bank in Höhe von 1000, Zins=0. Er Zahlt 500 in Löhnen aus (Überweisung auf Arbeiterkonto bei derselben Bank), kauft für 500 Vorprodukte (Überweisung auf Konto des Vorproduktherstellers bei derselben Bank). Er produziert. Arbeiter kaufen bei ihm für 250, 250 lassen sie bei der Bank auf ihrem Konto. Verkäufer der Vorprodukte kaufen bei Unternehmer waren für 500.
Unternehmer zahlt zum Fälligkeitstermin 750 des Kredits über 1000 zurück. Fällig sind 1000.
Ergebnis: Er ist zahlungsunfähig. Die ihm fehlenden 250 haben seine Arbeiter zur Absicherung vor Arbeitslosigkeit "gespart".
Zahlungsunfähig schon, aber nicht überschuldet. Denn er hat ja noch die unverkauften Waren, die die Arbeiter nicht gekauft haben. Die könnte er beleihen, bzw macht das der erfolgreiche Unternehmer auch.
Entscheidend am "Geld" ist nämlich, daß es über den Fälligkeitstermin des Kredits hinaus, in dem es geschaffen wurde, "gespart" werden kann
Aber nur im Sinne von Geldscheine horten; soll in Form von Forderungen "gespart" werden, muß jemand auftreten, der solche Forderungen anbietet und dafür das Geld nimmt. Wenn mein aufgenommenes Darlehen fällig ist, überreiche ich dem Gläubiger die Tilgungssumme, ob er sie haben will, oder nicht. Es bieten Banken zwar Sichtguthaben an, das müßten sie aber nicht.
Folgerung: in dem Maß, in dem über den Fälligkeitstermin eines Kredits hinaus von Dritten gespart wird, brauchen Schuldner "Nachschuldner", um zahlungsfähig zu bleiben - bis zu dem Zeitpunkt, in dem die Sparer für ihre "gesparten Guthaben" wieder Güter kaufen.
Oder die Schuldner müssen fürs erste Schuldner bleiben, wenn sie noch nicht tilgen können.
Ich verstehe das System schon, ich sehe aber in der rein monetären Betrachtung eine wesentliche Unschärfe: es wird nur die Geldseite oder Buchungsseite betrachtet, es müßte aber immer die "reale" Seite genau dazubetrachtet werden. Buchungstechnisch ist es das Gleiche, wenn zwei Leute einen Rohbau errichten: sie kaufen Steine, Sand, Zement und Maurerdienste. Einer hat bei der Mafia gekauft und statt Zement Sand bekommen - die Buchhaltung sieht bei beiden genau gleich aus, aber der eine hat ein Haus, das fürderhin Obdach, also Leistung bietet, der andere nur einen zusammengefallenen Haufen Steine mit Sand dazwischen, der Kosten verursacht. Das ist ein großer Unterschied, der monetär nicht abgebildet ist. Es muß jetzt also monetär nachgebessert werden, bis das geschieht, ist die monetäre Bilanz falsch.
Wenn man genau schaut, sind viele Bilanzen einfach falsch.
Guter Punkt
moneymind
, Dienstag, 14.05.2013, 16:56 (vor 4666 Tagen) @ Orlando
Hi Orlando,
erstmal nur kurz, muß gleich weg:
Der Bilanzverlängerung sieht man aber nicht
an, ob die Geldsumme als Kredit geschöpft wurde oder ob sie aus einer
Einlage stammt. Sowohl nach Krediteinräumung als auch nach Entgegennahme
der Einlage befinden sich entsprechende zusätzliche Beträge auf der
Aktiv- und der Passivseite der Bankbilanz.
Meinst du mit "Entgegennahme einer Einlage", daß eine Nichtbank Zentralbanknoten zu einer Geschäftsbank trägt und sich auf ihrem Konto gutschreiben läßt?
Das ist für die Nichtbank ein Aktivtausch und für die Geschäftsbank eine Bilanzverlängerung, richtig ... guter Punkt, danke.
Zum Rest später, muß weg.
Gruß
moneymind
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
Worauf willst Du hinaus?
moneymind
, Dienstag, 14.05.2013, 21:41 (vor 4665 Tagen) @ Orlando
Hi Orlando,
Banken "verleihen" kein Geld (irreführende Dingmetapher). usw
Geschenkt, ist schon klar. Der Bilanzverlängerung sieht man aber nicht
an, ob die Geldsumme als Kredit geschöpft wurde oder ob sie aus einer
Einlage stammt. Sowohl nach Krediteinräumung als auch nach Entgegennahme
der Einlage befinden sich entsprechende zusätzliche Beträge auf der
Aktiv- und der Passivseite der Bankbilanz.
Wenn eine GB einen Kredit vergibt, verlängert sie ihre Bilanz: aktiv um eine zu einem konkreten Termin fällige Forderung gegen einen privaten Schuldner, passiv um Sichtguthaben des Kreditnehmers (jederzeit fällige Verbindlichkeit der Bank dem Kreditnehmer gegenüber, lautend auf Zentralbankgeld). Auch der Kreditnehmer hat seine Bilanz verlängert.
Wenn eine Nichtbank Zentralbankgeld auf sein Konto bei einer Geschäftsbank einzahlt, verlängert sich die Bilanz der Geschäftsbank ebenfalls: aktiv erhöht sich die Barreserve, passiv die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden. Für die einzahlende Nichtbank dagegen war das ein Aktivtausch.
Es könnte jetzt so aussehen, daß durch die Einzahlung "neues Giralgeld geschöpft wurde" - ist es das, worauf Du hinauswillst?
Die zu einem bestimmten Termin fällige Forderung gegen einen Privaten, gegen deren Hereinnahme das aufs Bankkonto eingezahlte Geld entstanden ist, besteht ja nach wie vor, unabhängig davon, wie oft die entsprechenden Noten zwischenzeitlich auf Geschäftsbankenkonten eingezahlt oder von dort ausgezahlt wurden.
So weit würde ich der Argumentation des dottore zustimmen. Wo ich ihm nicht zustimme, ist folgender Punkt: Er setzt voraus, daß jegliches Zentralbankgeld nur gegen die Hereinnahme einer Forderung mit bestimmten Fälligkeitstermin in Umlauf kommt. Das ist zwar bei einem Großteil, aber nicht bei sämtlichem ZB-Geld der Fall (nicht bei Direktankauf von Sachwerten wie Gold durch die ZB, letztendlich auch nicht beim Pensionieren von Staatsanleihen, weil der Staat den Tilgungstermin für diese faktisch selbst bestimmen und fast beliebig wählen kann, siehe früherer Diskussionen dazu).
Wann und warum ist "gespartes Geld" "dem Wirtschaftskreislauf entzogen"
(schwammige und irreführende Ausdrucksweise)?Mein erster Einwand: wieder Verdinglichung, indem etwas "entzogen"
würde.
Ja, deswegen habe ich ja versucht, das präziser darzustellen.
Dazu ein kurzes Beispiel: Unternehmer verschuldet sich bei Bank in
Höhe von 1000, Zins=0. Er Zahlt 500 in Löhnen aus (Überweisung auf
Arbeiterkonto bei derselben Bank), kauft für 500 Vorprodukte (Überweisung
auf Konto des Vorproduktherstellers bei derselben Bank). Er produziert.
Arbeiter kaufen bei ihm für 250, 250 lassen sie bei der Bank auf ihrem
Konto. Verkäufer der Vorprodukte kaufen bei Unternehmer waren für 500.
Unternehmer zahlt zum Fälligkeitstermin 750 des Kredits über 1000
zurück. Fällig sind 1000.
Ergebnis: Er ist zahlungsunfähig. Die ihm fehlenden 250 haben seine
Arbeiter zur Absicherung vor Arbeitslosigkeit "gespart".Zahlungsunfähig schon, aber nicht überschuldet. Denn er hat ja noch die
unverkauften Waren, die die Arbeiter nicht gekauft haben. Die könnte er
beleihen, bzw macht das der erfolgreiche Unternehmer auch.
Was sind die unverkauften Waren wert? Ausgepreist hatte er sie so, daß er durch ihren Verkauf seine Schulden zurückzahlen kann. Nun konnte er nur einen Teil absetzen, für den Rest gibt es wegen des Sparens der Arbeiter "keine Nachfrage". Da niemand die Waren kaufen will, haben sie zwar nach wie vor denselben Gebrauchswert, aber keinen Wert mehr, weil niemand bereit ist, dafür etwas zu bezahlen. Egal, zu welchem Preis er sie anbietet - sie bleiben wertlos, solange keine "Nachfrager" auftauchen.
Entscheidend am "Geld" ist nämlich, daß es über den
Fälligkeitstermin des Kredits hinaus, in dem es geschaffen wurde,
"gespart" werden kannAber nur im Sinne von Geldscheine horten;
Auch in Form von Sichtguthaben halten (siehe Beispiel). Same thing.
soll in Form von Forderungen
"gespart" werden, muß jemand auftreten, der solche Forderungen anbietet
und dafür das Geld nimmt.
Ist im Beispiel beschrieben, s.o.
Wenn mein aufgenommenes Darlehen fällig ist,
überreiche ich dem Gläubiger die Tilgungssumme, ob er sie haben will,
oder nicht.
Damit sind die Forderung gegen Dich und das "Geld" (deine Forderung gegen die Bank, die Du zunächst weitergereicht und dann wieder eingeworben hast) beide erfüllt und vernichtet.
Es bieten Banken zwar Sichtguthaben an, das müßten sie aber
nicht.
Und? Verstehe nicht, worauf Du hinauwillst.
Folgerung: in dem Maß, in dem über den Fälligkeitstermin eines
Kredits hinaus von Dritten gespart wird, brauchen Schuldner
"Nachschuldner", um zahlungsfähig zu bleiben - bis zu dem Zeitpunkt, in
dem die Sparer für ihre "gesparten Guthaben" wieder Güter kaufen.Oder die Schuldner müssen fürs erste Schuldner bleiben, wenn sie noch
nicht tilgen können.
Ja. Sind die Schuldner Unternehmer, ist aber die Frage, ob sie einen weiteren Kredit erhalten. Wenn nicht, können sie nicht weiterproduzieren, ihre Arbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz und ihr Einkommen, etc.
Ich verstehe das System schon, ich sehe aber in der rein monetären
Betrachtung eine wesentliche Unschärfe: es wird nur die Geldseite oder
Buchungsseite betrachtet, es müßte aber immer die "reale" Seite genau
dazubetrachtet werden.
Absolut. Sehe ich genauso.
Buchungstechnisch ist es das Gleiche, wenn zwei
Leute einen Rohbau errichten: sie kaufen Steine, Sand, Zement und
Maurerdienste. Einer hat bei der Mafia gekauft und statt Zement Sand
bekommen - die Buchhaltung sieht bei beiden genau gleich aus, aber der eine
hat ein Haus, das fürderhin Obdach, also Leistung bietet, der andere nur
einen zusammengefallenen Haufen Steine mit Sand dazwischen, der Kosten
verursacht. Das ist ein großer Unterschied, der monetär nicht abgebildet
ist. Es muß jetzt also monetär nachgebessert werden, bis das geschieht,
ist die monetäre Bilanz falsch.Wenn man genau schaut, sind viele Bilanzen einfach falsch.
Sorry, verstehe nicht wirklich, worauf Du damit hinauswillst.
Gruß
moneymind
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
Gespartes Geld hat auch gekauft
Orlando
, Mittwoch, 15.05.2013, 09:40 (vor 4665 Tagen) @ moneymind
> Hi Orlando,
[quote][/quote]
[quote][quote]Banken "verleihen" kein Geld (irreführende Dingmetapher). usw
Geschenkt, ist schon klar. Der Bilanzverlängerung sieht man aber nicht
an, ob die Geldsumme als Kredit geschöpft wurde oder ob sie aus einer
Einlage stammt. Sowohl nach Krediteinräumung als auch nach[/quote][/quote]
[quote]Entgegennahme[/quote]
[quote][quote]der Einlage befinden sich entsprechende zusätzliche Beträge auf der
Aktiv- und der Passivseite der Bankbilanz.[/quote][/quote]
[quote]
Wenn eine GB einen Kredit vergibt, verlängert sie ihre Bilanz: aktiv um
eine zu einem konkreten Termin fällige Forderung gegen einen privaten
Schuldner, passiv um Sichtguthaben des Kreditnehmers (jederzeit fällige
Verbindlichkeit der Bank dem Kreditnehmer gegenüber, lautend auf
Zentralbankgeld). Auch der Kreditnehmer hat seine Bilanz verlängert.
Wenn eine Nichtbank Zentralbankgeld auf sein Konto bei einer
Geschäftsbank einzahlt, verlängert sich die Bilanz der Geschäftsbank
ebenfalls: aktiv erhöht sich die Barreserve, passiv die Verbindlichkeiten
gegenüber Kunden. Für die einzahlende Nichtbank dagegen war das ein
Aktivtausch.
Es könnte jetzt so aussehen, daß durch die Einzahlung "neues Giralgeld
geschöpft wurde" - ist es das, worauf Du hinauswillst?[/quote]
Ich will zeigen, daß es für die Bankbilanz das Gleiche ist, ob Giralgeld geschöpft wurde oder ob eine Einlage entgegengenommen wurde. Es ging ja um die Frage, ob "Geldsparen" das gesparte Geld dem Wirtschaftskreislauf entzieht. Das tut es deshalb eben nicht, weil die Bank das eingelegte Geld genauso als Kredit wieder ausreichen kann, bei entsprechender Nachfrage, wie das "Geschöpfte".
Ergebnis daher: Geldsparen entzieht dieses NICHT dem Wirtschaftskreislauf, sondern speist dieses gerade wieder ein. Der Sparer kann ja nur deshalb eine Forderung dafür erhalten, weil irgendjemand mit dem "Spargeld" etwas unternehmen will (also kaufen will) und in Aussicht auf den Erfolg dieser Unternehmung die Rückzahlung verspricht, eben eine Forderung gegen sich einräumt.
Die schlechte Nachricht dabei ist, daß auf diese Guthaben deshalb nicht nochmal für irgendeine Sanierung oder Systemverbesserung à la Onkel Otto zugegriffen werden kann, denn das ist bereits passiert, die Guthaben sind bereits weg, haben bereits gekauft.
Der Sparer hat mehr geleistet als konsumiert (Vergangenheit) und hält dafür eine Forderung in Händen. Diese für ihn überschüssige Leistung hat aber jemand anderes bereits konsumiert, eben der, der die Forderung gegen sich eingeräumt hat (Erfüllung dieser -> Zukunft).
Kredit überhaupt, auch das geschöpfte Giralgeld, ist nur möglich, wenn es Leute gibt, die mehr leisten, als sie konsumieren. Gäbe es diese Leute nicht, könnte man mit den geschöpften Giralgeld nichts kaufen, denn es wäre nichts da.
Ich will erst mal diesen Punkt klären.
Erst kommt der Kredit, dann kommt die Leistung.
Miesespeter
, Mittwoch, 15.05.2013, 12:32 (vor 4665 Tagen) @ Orlando
Hi Orlando,
Entschuldigung, wenn ich mich mal einmische, moechte einige Anmerkungen loswerden.
Ich will zeigen, daß es für die Bankbilanz das Gleiche ist, ob Giralgeld
geschöpft wurde oder ob eine Einlage entgegengenommen wurde. Es ging ja um
die Frage, ob "Geldsparen" das gesparte Geld dem Wirtschaftskreislauf
entzieht. Das tut es deshalb eben nicht, weil die Bank das eingelegte Geld
genauso als Kredit wieder ausreichen kann, bei entsprechender Nachfrage,
wie das "Geschöpfte".
Das sehe ich nicht so.
'das eingelegte Geld' = ZBG (bei Bank aktivisch verbucht)
das "Geschöpfte" = GBG (bei Bank passivisch verbucht)
Die Bank reicht nie eingelegtes Geld als Kredit weiter. Sie raeumt Kredit ein und nimmt Kredit auf.
Den daraus entstehenden Verpflichtungen muss sie - teilweise - mittels Zahlung von ZBG nachkommen, teilweise wird das nicht noetig sein, weil ihre Verbindlichkeiten nur per Passivtausch hin und her geschoben werden (zb Kreditnehmer zahlt an Autohersteller, der bei gleicher Bank ein Konto fuehrt)
Ergebnis daher: Geldsparen entzieht dieses NICHT dem Wirtschaftskreislauf,
sondern speist dieses gerade wieder ein.
'Geldsparen' speist ZBG wieder in den Wirtschaftskreislauf ein.
Der Sparer kann ja nur deshalb
eine Forderung dafür erhalten, weil irgendjemand mit dem "Spargeld" etwas
unternehmen will (also kaufen will) und in Aussicht auf den Erfolg dieser
Unternehmung die Rückzahlung verspricht, eben eine Forderung gegen sich
einräumt.
Die Bank macht das, weil sie weiss, dass sie im Normalfall einen gewissen Prozentsatz ihrer Passiva als Barreserve vorhalten muss, um zahlungsfaehig zu bleiben und somit ihr Bankgeschaeft betreiben zu koennen.
Die schlechte Nachricht dabei ist, daß auf diese Guthaben deshalb nicht
nochmal für irgendeine Sanierung oder Systemverbesserung à la Onkel Otto
zugegriffen werden kann, denn das ist bereits passiert, die Guthaben sind
bereits weg, haben bereits gekauft.
Guthaben hat der Sparer erst, nachdem er das ZBG bei der Bank einzahlt.
Die Kredite, welche die Schuldner bedienen muessen, korrelieren streng nicht mit dem ZBG, sondern vor allem mit den Bankguthaben. (Kredite = Bankaktiva, Bankguthaben = Bankpassiva). Was der Kreditnehmer also benoetigt, ist zum Termin eine Forderung an die Bank in gleicher Hoehe zu seiner Schuld. Nicht unbedingt ZBG!
Die Guthaben muessen hierzu ausreichend zirkulieren. Jedes 'blockierte', unbewegte Kontoguthaben verringt die Wahrscheinlichkeit, dass die Schuldner zum Termin ausreichend Forderungen gegen die Bank einsammeln koennen, um diese dann mit ihrer Schuld zu kompensieren.
In extremis: Alle sparen alle Guthaben (weil sie ihren Lebensunterhalt inzwischen mit Tauschen besorgen) => alle verlieren alle Guthaben, weil die Kredite, welche die Bank aktivisch gegen diese passivisch verbuchten Guthaben fuehrt, zur Faelligkeit alle uneinbringbar werden und abgeschrieben werden muessen.
Kredit überhaupt, auch das geschöpfte Giralgeld, ist nur möglich, wenn
es Leute gibt, die mehr leisten, als sie konsumieren. Gäbe es diese Leute
nicht, könnte man mit den geschöpften Giralgeld nichts kaufen, denn es
wäre nichts da.
Realwirtschaftlich ist das nicht falsch, erklaert aber die geldwirtschaftliche Voraussetzung nicht.
Die Mehrleistung erbringt er nur, wenn er dafuer eine Forderung bekommt. Diese Forderung setzt also einen Schuldner voraus. Ohne die Existenz dieses Schuldners gibt es keine Forderung, und somit auch keine Mehrleistung. Erst kommt der Kredit, dann kommt die Leistung.
Und geanu das ist ja auch die Idee hinter der ganzen Geldwirtschaft: Dass durch Kreditnehmer Mehrleistung erzwungen wird, denn diese - im Gegesatz zu allen anderen - muessen mehr leisten als sie konsumieren.
Gruss,
mp
--
Everything is ok
Frage zur Buchung
Orlando
, Mittwoch, 15.05.2013, 13:11 (vor 4665 Tagen) @ Miesespeter
Ich will zeigen, daß es für die Bankbilanz das Gleiche ist, ob
Giralgeld
geschöpft wurde oder ob eine Einlage entgegengenommen wurde. Es ging ja
um
die Frage, ob "Geldsparen" das gesparte Geld dem Wirtschaftskreislauf
entzieht. Das tut es deshalb eben nicht, weil die Bank das eingelegte
Geld
genauso als Kredit wieder ausreichen kann, bei entsprechender
Nachfrage,
wie das "Geschöpfte".
Das sehe ich nicht so.'das eingelegte Geld' = ZBG (bei Bank aktivisch verbucht)
das "Geschöpfte" = GBG (bei Bank passivisch verbucht)
Einmischung ausdrücklich erwünscht!
Zunächst eine Frage:
Was meinst Du mit akt./pass. verbucht? Gebucht muß doch immer auf beiden Seiten werden. Es ist ja gerade mein Punkt, daß, ist das Geld des Sparers erst mal auf dem Konto (ob als Bareinzahlung oder Überweisung von außen, beidesmale ZBG), es sich nicht mehr von dem "geschöpften" Giralgeld unterscheiden läßt.
Konkretes Beispiel: ich erbe ein Haus, verkaufe dies für 1 Mio und zahle diese auf ein Festgeldkonto bei der kleinen Dorfbank ein. Dort will gerade der örtliche Bäcker eine Mio für eine neue Bäckerei. Nach meinem Verständnis verzichtet die Dorfbank in diesem Fall vorerst auf die Schöpfung von neuem Giralgeld, da sie über unerwartete frische Einlagen verfügt und verwendet diese zur Auszahlung, wenn der Bäcker mit seinem Kredit einkaufen geht. Was ich meine, Einlagen und "Geschöpftes" wandern in den gleichen Topf.
Oder sehe ich das doch falsch?
(Ich muß jetzt erst mal in die Plantage, daß da auch was wächst, bleibe aber dran.)
Buchung aufgedroeselt
Miesespeter
, Mittwoch, 15.05.2013, 14:26 (vor 4665 Tagen) @ Orlando
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 15.05.2013, 14:45
Was meinst Du mit akt./pass. verbucht? Gebucht muß doch immer auf beiden
Seiten werden. Es ist ja gerade mein Punkt, daß, ist das Geld des Sparers
erst mal auf dem Konto (ob als Bareinzahlung oder Überweisung von außen,
beidesmale ZBG), es sich nicht mehr von dem "geschöpften" Giralgeld
unterscheiden läßt.
Nur auf der Passivseite nicht, auf der Aktivseite schon.
Bareinzahlung bei Bank: Kassenbestand an Verbindlichkeiten
Kredit bei Bank: Forderung an Verbindlichkeiten
In beiden faellen verlaengert sich die Bilanz der Bank, aber erster, gewichtiger Unterschied ist der Termin: Waehrend die Bareinzahlung das Liquiditaetsratio der Bank verbessert, verschlechtert die Kreditvergabe dieses, da sie dem Kreditnehmer ja sofortige Faelligkeit bereitstellt und selber Faelligkeit zu Termin in der Zukunft bekommt.
Nur fuer den Bankkunden - also die Nichtbanken - macht es bis hierher also keinen Unterschied.
Den macht es aber, sobald man auch dessen Bilanz betrachtet:
Bareinzahlung bei Bank: Forderungen an Kassenbestand (Aktivtausch)
Kredit bei Bank: Forderung gg Bank an Verbindlichkeiten
Hier also ein fundamentaler Unterschied: bei den Nichtbanken bewirkt die Bareinzahlung kein Bilanzwachstum, sondern nur eine geringfuegige Verschlechterung der Liquiditaet. Kreditaufnahme hingegen bewirkt Bilanzwachstum. Bilanzwachstum aller Nichtbanken in Gesamtsumme => Wirtschaftswachstum (vereinfacht).
Konkretes Beispiel: ich erbe ein Haus, verkaufe dies für 1 Mio und zahle
diese auf ein Festgeldkonto bei der kleinen Dorfbank ein. Dort will gerade
der örtliche Bäcker eine Mio für eine neue Bäckerei. Nach meinem
Verständnis verzichtet die Dorfbank in diesem Fall vorerst auf die
Schöpfung von neuem Giralgeld,
Stopp!
Wie oben gesehen, findet bei der Bank bei Einzahlung deiner 1 Mio eine Bilanzverlaengerung statt, plus 1 Mio jeweils in Kasse und Verbindlichkeiten
Jetzt kommt der Baecker: Wieder verlaengert sich die Bilanz der Bank durch die Verbuchung des Kredits um eine Mio, diesmal in den Forderungen und den Verbindlichkeiten.
Deine Million liegt derweil unberuehrt im Tresor der Bank.
'Giralgeldmenge' (also Giroverbindlichkeiten der Bank) jetzt unweigerlich: 2 Mio
da sie über unerwartete frische Einlagen
verfügt und verwendet diese zur Auszahlung, wenn der Bäcker mit seinem
Kredit einkaufen geht. Was ich meine, Einlagen und "Geschöpftes" wandern
in den gleichen Topf.
Wenn es jetzt zur Bar-Auszahlung kommt, sei es an den Baecker, an den Einleger, oder an sonst einen Konteninhaber, dann (und erst dann) bucht die Bank
Verbindlichkeiten an Kassenbestand
es kommt also dann zu einer Bilanzverkuerzung. Im Falle Deines Baeckers um 1 Mio.
Gottseidank hat die Bank kurz vorher von Dir eine Bareinlage erhalten, so dass sie bereits refinanziert ist (von Dir naemlich). Ansonsten waere sie gezwungen, sich zur Auszahlung des Darlehens an den Baecker anderweitig zu refinanzieren, vielleicht durch Wertpapierpensionsgeschaefte.
Woher die Refinanzierung letztlich stammt, ist m.E. fuer die Gesamtbeurteilung des auszahlungsvorgangs unerheblich. (Fuer die Bank unter operativen Gesictspunkten natuerlich nicht, das sei gesagt, um Einwuerfen von Paranoia vorzubeugen).
In jedem Fall wurde die GB-Geldmenge um 1 Mio erhoeht, nur steht die entsprechende Verbindlichkeit der Bank in Deinem Beispiel am Ende nicht mehr gegen den Kreditnehmer (der hat jetzt Dein ehemaliges Cash in der Hand), sondern gegen Dich.
(Ich muß jetzt erst mal in die Plantage, daß da auch was wächst, bleibe
aber dran.)
Schoen, sich mal an einem Wachstum erfreuen zu koennen, ohne es verstehen zu wollen, nicht wahr?
Gruss,
mp
--
Everything is ok
Gespartes Geld bleibt im Wirtschaftskreislauf
Orlando
, Dienstag, 21.05.2013, 10:49 (vor 4659 Tagen) @ Miesespeter
Danke für die Antworten. Es dauerte bei mir ein paar Tage, aber das Thema ist ja wohl zeitlos
Zu den Buchungssätzen:
Der springende Punkt ist wohl, daß bei der Giralgeldschöpfung zwar dem Kreditnehmer ein Anspruch auf ZBG gewährt wird, das ZBG selbst aber von der Geschäftsbank nicht geschöpft werden kann. Deshalb ist Refinanzierung notwendig, soll der Anspruch erfüllt werden.
Wo wir wieder zu meiner ursprünglichen Frage kommen, ob das Geldsparen der Überschußleistenden besagtes Geld dem Wirtschaftskreislauf etwa entzieht.
Ganz offensichtlich ist das nicht der Fall, im Gegenteil, die Spareinlagen sind zur Refinanzierung der Bankkredite nötig.
Zitat von @Miesespeter
Gottseidank hat die Bank kurz vorher von Dir eine Bareinlage erhalten, so dass sie bereits refinanziert ist (von Dir naemlich). Ansonsten waere sie gezwungen, sich zur Auszahlung des Darlehens an den Baecker anderweitig zu refinanzieren, vielleicht durch Wertpapierpensionsgeschaefte.
Deshalb möchte ich folgendes festhalten und die diesbezügliche Aussage im Piratenvideo für falsch erklären:
Wer auf dem Bankkonto Geld spart entzieht das Ersparte NICHT dem Wirtschaftskreislauf, sondern sorgt vielmehr damit für die zur Ausreichung von Krediten nötige Liquidät.
Exakt so sieht es aus
Ashitaka
, Dienstag, 21.05.2013, 18:13 (vor 4659 Tagen) @ Orlando
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 21.05.2013, 18:24
Wo wir wieder zu meiner ursprünglichen Frage kommen, ob das Geldsparen
der Überschußleistenden besagtes Geld dem Wirtschaftskreislauf etwa
entzieht.Ganz offensichtlich ist das nicht der Fall, im Gegenteil, die Spareinlagen
sind zur Refinanzierung der Bankkredite nötig.
Genau so sieht es aus. Würde man den Geschäftsbanken diese Basis entziehen, wird es entweder richtig teuer für Kreditnehmer oder sie fallen kurz über lang.
Grüße dich,
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Unklarer Geldbegriff --> Miss- und Fehlverstaendniss
Miesespeter
, Mittwoch, 22.05.2013, 09:38 (vor 4658 Tagen) @ Orlando
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 22.05.2013, 09:56
Hi Orlando,
Zitat von @Miesespeter
Gottseidank hat die Bank kurz vorher von Dir eine Bareinlage erhalten,
so dass sie bereits refinanziert ist (von Dir naemlich). Ansonsten waere
sie gezwungen, sich zur Auszahlung des Darlehens an den Baecker anderweitig
zu refinanzieren, vielleicht durch Wertpapierpensionsgeschaefte.Deshalb möchte ich folgendes festhalten und die diesbezügliche Aussage
im Piratenvideo für falsch erklären:Wer auf dem Bankkonto Geld spart entzieht das Ersparte NICHT dem
Wirtschaftskreislauf, sondern sorgt vielmehr damit für die zur Ausreichung
von Krediten nötige Liquidät.
Ich denke, Du unterliegst mit dieser Erklaerung den schwammigen Begriffen 'Geld' und 'sparen'.
'Auf dem Bankkonto Geld sparen' ist Begriffsmikado ohne klare Aussage. Korrekt ist, dass
a. an die Bank Geld geliehen wird
b. dies in der Bilanz der Bank festgehalten wird
c. der Kunde einen Bilanzauszug der Bank zur Kontrolle erhaelt (daher auch dessen Guthaben im Haben (der Bank) erscheint, und nicht im Soll (Guthaben = Soll). Auch der Pirat kann leider Soll und Haben nicht korrekt zuordnen: kein gutes Zeichen)
Geld wird nicht gespart. Geld wird verliehen. Geld in diesem Falle = ZBG
Treffender formuliert waere daher
Wer an eine Bank ZBG verleiht, entzieht das Hergegebene NICHT dem
Wirtschaftskreislauf, sondern sorgt vielmehr damit für die zur Ausreichung
von Krediten nötige Liquidät der Banken.
Soweit, so gut.
Soweit ich das sehe, behauptet auch niemand, dass dies geschehen wuerde. Die Aussage ist voellig unstrittig. ZBG wird dem Wirtschaftskreislauf hoechstens durch privates Horten oder Verbrennen entzogen, nicht durch Verleihung an eine Bank.
Was hingegen Einige behaupten, ist, dass die Guthaben, also die Forderung aus Verleih des ZBG an die Banken, ebenfalls gehortet werden koennen, und dies so schaedlich oder schaedlicher ist als das Horten von ZBG im Kopfkissen.
Die G(iro)uthaben von Nichtbanken bei Banken werden auch als Geschaeftsbankgeld (GBG) bezeichnet, weil Nichtbanken mit GBG ebenso gut Schulden bezahlen koennen wir mit ZBG (solange die GB nicht pleite ist).
ZBG ist das Geld der Banken. Banken koennen ihre Schulden nur mit ZBG bezahlen.
GBG ist das Geld der Nichtbanken. Sie koennen ihre Schulden sowohl mit ZBG als auch mit GBG bezahlen.
Die GBG-Geldmenge ist um ein vielfaches groesser als die ZBG-Geldmenge (zumindest z.Z. noch), in ihrer gesamtwirtschaftlichen Bedeutung daher nicht zu unterschaetzen.
Stark vereinfacht, sind saemtliche Forderungen an Banken GBG, sie wirken bei Weitergabe durch Nichtbanken fuer diese schuldbefreiend.
Passiva der Banken = GBG
Aktiva der Banken = Schulden der Nichtbanken (vereinfacht!)
Nichtbanken koennen ihre Schulden bei Banken also durch Bezahlung mittels ZBG oder GBG begleichen.
Die Schulden der Nichtbanken sind so hoch wie die Forderungen der Nichtbanken an Banken (vereinfacht, Aktiva = Passiva).
Gaebe es die Faktoren 'Zeit' und 'Insolvenz' nicht, wuerden immer alle Schulden bezahlt werden koennen, denn Aktiva = Passiva.
Wenn Kredite faellig werden (=Schulden der Nichtbanken bei Banken), muessen die Schuldner im Besitz von ZBG/GBG sein, um es der Bank zurueckzuzahlen. Damit dies allgemein moeglich ist, muss ausreichend ZBG/GBG zo umlaufen, dass Schuldner in der Gesamtheit zum Termin immer ausreichend ZBG/GBG in Besitz bekommen koennen.
Je mehr nun von Privatseite permanent GBG 'gepart' wird (= unbewegt auf dem Bankkonto gehalten), desto weniger GBG 'laeuft um' (= wird zwischen individuellen Kontokorrentkonten auf der Passivseite der Bank getauscht). Je mehr 'gespart' wird, desto geringer wird also die Wahrscheinlichkeit, dass ausreichend ZBG/GBG so umlaeuft, dass Schuldner in der Gesamtheit zum Termin immer ausreichend ZBG/GBG zur Verfuegung haben.
Umgekehrt: je mehr GBG umlauft, desto hoeher wird diese Wahrscheinlichkeit.
Daraus ergibt sich, dass
Wer bei einer Bank Guthaben haelt, entzieht das gehaltene GBG dem
Wirtschaftskreislauf, und macht es damit um das Quantum des Gesparten unwahrscheinlicher, dass Schuldner zum Termin ihre GBG-Verbindlichkeiten gegenueber der Bank begleichen koennen.
Nochmals:
GBG = Geld der Nichtbanken, Zahlungsmittel im Wirtschaftskreislauf der Nichtbanken.
ZBG = Geld der Banken, Zahlungsmittel im Wirtschaftskreislauf der Banken.
Gruss,
mp
--
Everything is ok
Bis zum Fälligkeitstermin des zugrundeliegenden Kredits
moneymind
, Mittwoch, 22.05.2013, 09:43 (vor 4658 Tagen) @ Orlando
Hi Orlando,
Wer auf dem Bankkonto Geld spart entzieht das Ersparte NICHT dem
Wirtschaftskreislauf, sondern sorgt vielmehr damit für die zur Ausreichung
von Krediten nötige Liquidät.
Deine Aussage stimmt - bis zum Fälligkeitstermin des Kredits, gegen den das Geld geschaffen wurde. Will der Sparer über den Fälligkeitstermin hinaus sparen, fehlt dieser Betrag dem Schuldner und er braucht "Nachschuldner".
http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=284824
Bei nicht gegen Kredit mit konkretem Fälligkeitstermin geschaffenem Geld ("Geld II, "Regulationsgeld") trifft Deine Aussage bis zu dem Termin zu, zu dem die Zentralbank entscheidet, das Geld wieder zu vernichten, d.h. "aus dem Kreislauf zu ziehen".
In other words, Deine Aussage ist nicht falsch, nur unpräzise ("dem Wirtschaftskreislauf entzogen" spezifiziert nicht, wem genau wann genau Geld "entzogen" wird und thematisiert v.a. nicht den Geldschöpfungsprozess). Und als Folge der mangelnden Präzision dann fehlgeneralisiert ("gespartes Geld fehlt niemals irgendjemandem").
Gruß
moneymind
--
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Behauptung des Geldpiraten
Orlando
, Mittwoch, 22.05.2013, 10:09 (vor 4658 Tagen) @ Orlando
>
[quote]Wo wir wieder zu meiner ursprünglichen Frage kommen, ob das Geldsparen
der Überschußleistenden besagtes Geld dem Wirtschaftskreislauf etwa
entzieht.[/quote]
Nur zur Klarstellung, der Pirat behauptet in dem eingangs verlinkten Video ab Minute 21, daß "manche Leute" behaupteten, daß Gespartes bei der Bank wieder als Kredit verliehen würde und daß das falsch sei, daß vielmehr dieses Gesparte dem Wi-Kreislauf entzogen sei.
Darauf bezog sich mein Einstieg in die Diskussion.
Über Eure Antworten will ich erst mal etwas nachdenken.
... ist unpräzise, da er Fälligkeitstermin und Fristenstruktur der Kredite nicht mitbetrachtet
moneymind
, Mittwoch, 22.05.2013, 10:45 (vor 4658 Tagen) @ Orlando
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 22.05.2013, 11:13
Hallo Orlando,
>
Wo wir wieder zu meiner ursprünglichen Frage kommen, ob das Geldsparen
der Überschußleistenden besagtes Geld dem Wirtschaftskreislauf etwa
entzieht.[/i]
Nur zur Klarstellung, der Pirat behauptet in dem eingangs verlinkten Video
ab Minute 21, daß "manche Leute" behaupteten, daß Gespartes bei der Bank
wieder als Kredit verliehen würde und daß das falsch sei, daß vielmehr
dieses Gesparte dem Wi-Kreislauf entzogen sei.Darauf bezog sich mein Einstieg in die Diskussion.
Ich denke, du hast recht, Tobias Deiters' Aussagen sind da unpräzise, weil er keine zeitbezogene Perspektive einnimmt, die die Fälligkeitstermine (und generell die Fristenstruktur) der Kredite einbezieht. Er tut so, als "fehle" Geld ab dem Zeitpunkt, ab dem es "gespart" würde, bzw. es würde "generell" fehlen.
Tatsächlich "fehlt" es, wie gezeigt, dem Schuldner des zugrundeliegenden Kredits erst zum Fälligkeitstermin seines Kredits. Bis dahin "fehlt" es niemandem und kann zwischendurch auch beliebig oft als "Tauschmittel" dienen. Daß Banken bei ihrer Kreditvergabe Kosten sparen können, wenn ihre Kunden erhaltenes Bargeld in Form von Geschäftsbankengeld (Sichtguthaben) sparen und ihrer Geschäftsbank daher Zentralbankgeld zur Verfügung stellen, ist richtig. Es ist aber nicht die Voraussetzung dafür, daß sie überhaupt Kredite vergeben können.
Und ganz nebenbei: Läßt man die Fälligkeitstermine und Fristenstruktur der Kredite (und die darauf bezogenen Erwartungen und Pläne der Akteure) außer acht und beläßt es bei rein quantitativen (auch rein saldenmechanischen) Betrachtungen, wird man Liquiditätskrisen kaum verstehen können. Auch nicht Geld- und Konjunkturpolitik, die über Geldschöpfung ohne zugrundeliegenden spezifizierten Fälligkeitstermin ("Geld II", "Regulationsgeld"), dessen Vernichtungstermin von ZB oder Staat beliebig (nach konjunkturpolitischen Kriterien) gewählt werden kann, läuft.
Vergißt man wiederum (wie der dottore), daß Zinseinnahmen nicht unbegrenzt gespart werden, sondern in Abhängigkeit von Erwartungen auch wieder ausgegeben werden, kommt man zu einer falschen Aufschuldungszwangstheorie.
Die Unterscheidung von Geld I (basierend auf Kredit mit konkretem Fälligkeitstermin) und Geld II (mit frei wählbarem Vernichtungstermin geschaffen) ermöglicht auch die Erkenntnis, daß beide Arten von Geld existieren. Geld I ist das Geld der Bankingtheoretiker (inclusive der Free-Banking-Anhänger), Geld II sozusagen das der currency-theoretiker (und tlw. auch der Staatstheoretiker des Geldes).
Es ist also kein entweder-oder (entweder Privatgeld oder Staatsgeld, entweder Kreditgeld oder Ding-Geld, etc.). In der Wirklichkeit ist es ein Zusammenspiel der Schöpfung und Vernichtung beider Geldformen, die es (prinzipiell) ermöglicht, das System anhand eines Inflationsziels antizyklisch zu regulieren, d.h. dem Konjunkturzyklus extreme Amplitudenspitzen zu nehmen. Das reguliert relative Geldknappheit und Schuldendruck auf ein Maß ein, das weder den Schuldendruck komplett herausnimmt, noch ihn so übermächtig werden läßt, daß die Wirtschaft stillsteht.
Die handelnden Akteure müssen das allerdings verstehen.
Das Steuersystem in einer Geldwirtschaft hat also zusätzlich zu seinen Umverteilungsfunktionen, die jegliches Abgabensystem (auch solche in Nichtgeldwirtschaften) erfüllt, auch essentielle konjunkturpolitische Funktionen, die die herrschende einzelwirtschaftliche Betrachtung von Staatshaushalt und Steuersystem, die ja mittlerweile von interessieren Kreisen auch in fast alle Politikerköpfe implantiert wurde, übersieht (oder ignoriert).
Gruß
moneymind
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
Anmerkungen
Ashitaka
, Donnerstag, 16.05.2013, 00:07 (vor 4664 Tagen) @ Miesespeter
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 16.05.2013, 00:13
Guthaben hat der Sparer erst, nachdem er das ZBG bei der Bank einzahlt.
Wo haben alle Sparer das ZBG her, das sie eingezahlt haben? Aus Kreditkontrakten und Besicherung der Schuld mittels "Eigentum"
1. Kredit + Besicherung -> Einräumung Giroguthaben "Zug um Zug"
2. Dann nutzten die GB das Hinterlegungsinstrument und schaffen kraft Hinterlegung des Kredititels bei der ZB (inklusive vertraglich enthaltener Besicherung) das Zentralbankguthaben, welches sie dann den Kreditnehmern ABC auszahlt, damit es irgendwann einmal die Sparwilligen XYZ nach ein paar Runden stressigem "Wirtschaften" (Umverteilen) einzahlen können. Weil XYZ ihr Sparguthaben lange Zeit stehen lassen, kann deren Bank die Steuerung der Hinterlegung so optimieren, dass sie nicht unnötig (Kosten verursachendes) ZBG hält. Daraus resultiert die Differenz zwischen EZB-Bilanzsumme und konsolidierter MFI-Bilanzsumme. Aber der Bedarf an ZBG ist kontinuierlich da und was die ZB rein nimmt, muss auch wieder raus, und wieder rein und wieder raus..........heißt: es müssen Kredite getilgt werden, ZBG an die EZB transferiert werden und wieder neue Kredite genommen werden und damit neue ZBG bei der EZB geschaffen werden. Mixer an und es wird hier mystisch.
Also drehe ich den Satz richtig herum: "ZBG entsteht erst, nachdem Guthaben aus Kreditkontrakten und Besicherung entstanden sind und das Hinterlegungs-Prozedere bei der ZB angelaufen ist"
Folglich kann Ersteres nicht Letzteres schaffen. Im Einzelfall ja, aber dann ist die VWL-Stunde bereits vorbei.
Die Kredite, welche die Schuldner bedienen muessen, korrelieren streng
nicht mit dem ZBG, sondern vor allem mit den Bankguthaben. (Kredite =
Bankaktiva, Bankguthaben = Bankpassiva).
Ja.
Was der Kreditnehmer also
benoetigt, ist zum Termin eine Forderung an die Bank in gleicher Hoehe zu
seiner Schuld. Nicht unbedingt ZBG!
Mit dem Punkt beschäftige ich mich seit einiger Zeit. Angenommen es wäre so, dass die (du meinst alle?!) Kreditnehmer den Banken als Tilgungsdienst technisch nur Guthaben entgegen halten könnten, ohne dass diese Vorgänge die technische Ebene "Geschäftsbank<->Zentralbank" (also Transferierung von ZBG) berühren.
Wenn das ginge, dann würde wahrscheinlich auch niemand wollen, dass die hinterlegten Titel bei der ZB ausgelöst werden. Denn diese können nur durch ZBG + Aufschlag durch die GB ausgelöst werden.
Was aber würde passieren, wenn niemand auf die EZB hört und das ZBG zur Auslösung der "befristet" hinterlegten Titel zurückführt, welches dann durch neue und mehr hinterlegte Kredititel neu geschaffen werden muss?!
ZBG kann man nicht wegdenken.
Die Guthaben muessen hierzu ausreichend zirkulieren. Jedes 'blockierte',
unbewegte Kontoguthaben verringt die Wahrscheinlichkeit, dass die Schuldner
zum Termin ausreichend Forderungen gegen die Bank einsammeln koennen, um
diese dann mit ihrer Schuld zu kompensieren.
Kompensieren klingt nett. Aber wie bekommt man die hinterlegten Titel bei der Zentralbank raus?! Sollen die bis zum Lebensende aller Kreditnehmer diese behalten dürfen?!
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Die Hinterlegungspraxis (Hinterlegen für ZBG/Auslösen gegen ZBG) hat ja einen systematisch notwendigen Grund, damit "Geld" "befristet" überhaupt existiert. Wenn wir nur die Guthaben und Schulden bei den Geschäftsbanken betrachten, wird das nicht rund. Die haben nur einen aber feinen Unterschied:
Die Fristigkeit bzw. den Termin.
Gruß,
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Fragen zur Geldentstehung
Leserzuschrift
, Donnerstag, 16.05.2013, 13:27 (vor 4664 Tagen) @ Ashitaka
> Wo haben alle Sparer das ZBG her, das sie eingezahlt haben? Aus Kreditkontrakten und Besicherung der Schuld mittels "Eigentum".
Wie kann man den Wert des Eigentums in ZBG ermitteln, bevor ZBG im Umlauf ist?
> 1. Kredit + Besicherung -> Einräumung Giroguthaben "Zug um Zug"
Besicherung in welcher Form?
Staatsanleihen zum Beispiel scheiden aus, da ja überhaupt noch kein Geld in Umlauf ist, um sie kaufen zu können ...
> 2. Dann nutzten die GB das Hinterlegungsinstrument und schaffen kraft Hinterlegung des Kredittitels bei der ZB (inklusive vertraglich enthaltener Besicherung) das Zentralbankguthaben
Der Kredittitel ist auf das Eigentum von Otto Müller oder Lieschen Meier ausgestellt.
Nimmt die ZB tatsächlich solche "drittklassigen" Titel herein?
Falls: ja - wozu braucht man dann die GB?
Warum kann Hubertus Schuster nicht direkt zur ZB gehen?
Antworten
tar
, Gehinnom, Donnerstag, 16.05.2013, 15:13 (vor 4664 Tagen) @ Leserzuschrift
Hallo,
> Wo haben alle Sparer das ZBG her, das sie eingezahlt haben? Aus
Kreditkontrakten und Besicherung der Schuld mittels "Eigentum".Wie kann man den Wert des Eigentums in ZBG ermitteln, bevor
ZBG im Umlauf ist?
Geht nur per Direktbewertung wie wohl auch ursprünglich historisch. D.h. "die Verpflichtung zur Leistung von 100 kg Hirse zum Termin X" stellt selbst die konkrete Bewertung dar und kein abstraktes Maß wie "Euro" oder dergleichen.
> 1. Kredit + Besicherung -> Einräumung Giroguthaben "Zug um Zug"
Besicherung in welcher Form?
Staatsanleihen zum Beispiel scheiden aus, da ja überhaupt noch kein Geld
in Umlauf ist, um sie kaufen zu können ...
Besicherung in Form der Bewertung des Schuldnereigentums durch den Gläubiger. Im Beispiel bspw. dient Acker oder wohl historisch vielmehr die persönliche Haftung (Sklaverei) als Besicherung.
> 2. Dann nutzten die GB das Hinterlegungsinstrument und schaffen kraft
Hinterlegung des Kredittitels bei der ZB (inklusive vertraglich enthaltener
Besicherung) das ZentralbankguthabenDer Kredittitel ist auf das Eigentum von Otto Müller oder Lieschen Meier
ausgestellt.
Nimmt die ZB tatsächlich solche "drittklassigen" Titel herein?
V. a. grundpfandbesicherte Titel.
Falls: ja - wozu braucht man dann die GB?
Warum kann Hubertus Schuster nicht direkt zur ZB gehen?
Wieso nicht auch der Staat?
Beide konnten das früher - aber eine Besicherung, bei der der Besichernde selbst Gläubiger und zusätzlich Haftender der eingereichten Sicherheit ist, stellt sich dahingehend wesentlich vorteilhafter für eine Währung dar, dass es sie ungemein stabiler macht, als wenn die Besicherung lediglich von Schuldnerseite erfolgt.
Gruß!
--
Gruß!™
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Zu einseitig
tar
, Gehinnom, Donnerstag, 16.05.2013, 15:37 (vor 4664 Tagen) @ Ashitaka
Hallo,
2. Dann nutzten die GB das Hinterlegungsinstrument und schaffen kraft
Hinterlegung des Kredititels bei der ZB (inklusive vertraglich enthaltener
Besicherung) das Zentralbankguthaben, welches sie dann den Kreditnehmern
ABC auszahlt, damit es irgendwann einmal die Sparwilligen XYZ nach ein paar
Runden stressigem "Wirtschaften" (Umverteilen) einzahlen können. Weil XYZ
ihr Sparguthaben lange Zeit stehen lassen, kann deren Bank die Steuerung
der Hinterlegung so optimieren, dass sie nicht unnötig (Kosten
verursachendes) ZBG hält. Daraus resultiert die Differenz zwischen
EZB-Bilanzsumme und konsolidierter MFI-Bilanzsumme. Aber der Bedarf an ZBG
ist kontinuierlich da und was die ZB rein nimmt, muss auch wieder raus, und
wieder rein und wieder raus..........heißt: es müssen Kredite getilgt
werden, ZBG an die EZB transferiert werden und wieder neue Kredite genommen
werden und damit neue ZBG bei der EZB geschaffen werden. Mixer an und es
wird hier mystisch.Also drehe ich den Satz richtig herum: "ZBG entsteht erst, nachdem
Guthaben aus Kreditkontrakten und Besicherung entstanden sind und das
Hinterlegungs-Prozedere bei der ZB angelaufen ist"Folglich kann Ersteres nicht Letzteres schaffen. Im Einzelfall ja, aber
dann ist die VWL-Stunde bereits vorbei.
Das ist eine sehr einseitige Darstellung. Für das Hinterlegungsprozedere bei der ZB braucht es nicht zwingend GBG und einen Gläubigertitel der GB. Die GB selbst kann auch einen Schuldnertitel einreichen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine mal gelesen zu haben, dass es auch Nicht-MFIs gibt, die dies dürfen. Falls ich falsch liege, wird sicher gleich paranoia aufschreien
Gruß!
--
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Es ist eine sehr einseitige, von der Schuld der zukünftigen Erfüllung, getriebene Veranstaltung
Ashitaka
, Donnerstag, 16.05.2013, 16:32 (vor 4664 Tagen) @ tar
Das ist eine sehr einseitige Darstellung. Für das Hinterlegungsprozedere
bei der ZB braucht es nicht zwingend GBG und einen Gläubigertitel der GB.
Die GB selbst kann auch einen Schuldnertitel einreichen.
Wozu und wie (wertmäßig) sollte die Geschäftsbank dies bis zur heutigen Höhe der hinterlegten Papiere tun?! Die Hinterlegung wird eben "einseitig" deshalb vorgenommen, weil ein Schuldkontrakt oder die Steuerschuld aller Nicht-MFIs nicht beidseitig in sachenrechtlichen Dingen erfüllt wird, sondern mittels Geld ein Recht, ein Schuldrecht bestehen bleibt, welches fortan als Inhaberpapier des Geld haltenden zeddiert wird.
Ich bin mir nicht
ganz sicher, aber ich meine mal gelesen zu haben, dass es auch Nicht-MFIs
gibt, die dies dürfen. Falls ich falsch liege, wird sicher gleich paranoia
aufschreien
Das wäre mir neu. Aber es ändert auch nichts an der Tatsache, dass nur durch starke Gläubigerbanken und das Eigentum des Kreditnehmers bzw. staatlichhe Besicherung über Steueraufkommen die Besicherung in diesen Dimensionen überhaupt funktioniert.
Herzlichst,
Ashitaka
--
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Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Risikoprämie
Nico
, Donnerstag, 16.05.2013, 00:28 (vor 4664 Tagen) @ moneymind
Hallo moneymind!
Auch hier ist der
Zins – wie überall – eine Risikoprämie.
Dem halte ich entgegen, dass z.B. Banken ihre Betriebskosten wohl hauptsächlich durch Zinseinnahmen bestreiten. Du müsstest den Risikobegriff also so fassen, dass er nicht wie in landläufiger weise gebraucht, nur außerordentliche Inhalte umfasst, sondern mit ihnen auch alle sicher zu erwartenden Aufwendungen. Nur dann könnte ich dir recht geben, aber die Auslegung des Risikobegriffs wäre dann eher unorthodox.
Schöne Grüße
--
... in Wirklichkeit ist ... immer alles ganz anders, als es ... in Wirklichkeit ist ...
Wirtschaftskreislauf
WGlobal
, Dienstag, 14.05.2013, 19:14 (vor 4666 Tagen) @ Orlando
Das gesparte Geld geben andere aus und bezahlen Zinsen und Tilgung mit zukünftiger Wertschöpfung. Es geht also in den Wirtschaftskreislauf. Es kommt nur auf Höhe der Inverstionsquote und deren Qualität (Wertschöpfung) in Relation zum Konsum an. Das Problem ist die zukünftig erforderliche Wertschöpfung, um die Kredite bedienen zu können. Ansonsten braucht man Nachschuldner.
Problematisch ist auch der Geldentzug im Wirtschaftskreislauf durch Zocken auf dem Finanzmarkt ohne reale Wertschöpftung und abfließendes Geld in andere Wirtschafträume. Das muß der Staat durch Verschulden ausgleichen.
Forderungen, Verbindlichkeiten, Gewinn
Leserzuschrift
, Mittwoch, 15.05.2013, 13:30 (vor 4665 Tagen) @ Orlando
Hallo,
zugleich mit Geld (Forderung) entsteht eine Schuld (Verbindlichkeit). Unternehmen verschulden sich um Löhne und Investitionen zahlen und mit Hilfe dieser produzieren zu können. So erhalten die Arbeitnehmer, der Staat und weitere Unternehmen Geld, mit dem diese wiederum auf die hergestellten Güter zugreifen können. Wird nicht gespart, so landet alles Geld wieder bei den Unternehmen (ohne Zins) und diese können ihre Schulden damit tilgen.
Für die Unternehmen ist es allerdings nicht nur wichtig, ihre Kosten wieder ersetzt zu bekommen. Sie erwarten für ihre Tätigkeit auch einen Gewinn. Damit dieser entstehen kann, werden zusätzliche Schuldner benötigt und zwar der Staat, die Bürger und/oder das Ausland. Damit diese Personen ihre Schulden, ähnlich der Unternehmen, tilgen können, benötigen sie einen Rückfluss dieser Gelder. Löhne und Steuern (Unternehmen) können/sollten hierzu nicht verwendet werden, da diese über den Konsum und gegenseitige Investitionen an die Unternehmen zurückfließen müssen, damit deren Kosten gedeckt sind.
Hat sich nun z.B. eine Privatperson verschuldet, um z.B. den lang ersehnten Wagen zu kaufen, so hat diese mit ihrer Verschuldung zur Entstehung von Gewinn beigetragen. Möchte sie aber nun einen Teil ihres Lohn`s dazu verwenden, ihre Schulden zu tilgen, so fehlt dieses Geld den Unternehmen, welche auf den Rückfluss der ausgegebenen Gelder angewiesen sind. Ein weiterer Schuldner wird benötigt, der diese Aufgabe übernimmt.
Da es zunehmend den verschuldungswilligen Personen an Sicherheiten mangelt, um auf Pump zu konsumieren, knarzt das Wirtschaftsgebäude an allen Ecken und Enden. Immer mehr springt der Staat als Schuldner ein.
Doch davon ab.
@ Michael Krause
I = S - Mit dem Kauf von Gütern zahlen die Konsumenten, Unternehmen, Staat und Ausland u.a. auch die Abschreibungen. Mit diesen Einnahmen erhalten die Unternehmer ihr eingesetztes Kapital für getätigte Investitionen zurück.
Den Sparern (Forderungen) stehen Verbindlichkeiten von Personen gegenüber. Diese Schulden können z.B. auch durch zusätzlichen Konsum, Zahlung von Arbeitslosengeldern, etc. entstanden sein. Insofern stimmt diese Formel nicht.
@ Orlando
Wenn man Clearing und Netting außen vor lässt, so bucht die Bank wie folgt:
Giralgeld entsteht: Forderung Kunde an Verbindlichkeit Kunde 1
Giralgeld wird überwiesen: Verbindlichkeit Kunde 1 an Verbindlichkeit Zentralbank (oder weitere Bank)
Erhalt Giralgeld: Verbindlichkeiten Zentralbank an Verbindlichkeiten Kunde 2
Mit dem Erhalt von Giralgeld wird die anfangs eingegangene Schuld z.B. bei der Zentralbank getilgt. Insofern findet keine Bilanzverlängerung innerhalb der Bank statt. Damit Geld in den Wirtschaftskreislauf gelangt, wird ein neuer Schuldner benötigt bzw. der Guthabenbesitzer löst hierfür sein Guthaben auf und konsumiert.
Brigitte
Die Geld-Diskussion ist meiner Meinung nach durch
Morpheus
, Mittwoch, 15.05.2013, 01:36 (vor 4665 Tagen) @ moneymind
lieber Moneymind,
ich kann die verstehen, wenn du sagst, dass du das Geld-Thema verstehen willst. Dein Nick sagt das ja ganz klar. Nach meiner Meinung ist dieses Thema hier in zwischen erschöpfend diskutiert worden.
Dieser kleine Einblick in die Arbeit der AG Geldordnung und Finanzpolitik
der Piratenpartei zeigt, daß es dort durchaus einige kompetente Leute gibt
und daß die Geldsystemdiskussion an Fahrt und Niveau gewinnt (während das
Niveau der Diskussion hier im Forum permanent sinkt und längst von
dogmatischen Nachbetern bestimmt wird, während die an Klärung
interessierten Leute dieses immer unfruchbarere Forum längst verlassen
haben und anderswo diskutieren).
Diese Diskussion bringt uns einfach nicht mehr weiter. Weil es um die 27 Stelle nach dem Komma geht.
Meiner Meinung nach müssen wir uns statt mit dem Geld in zwischen anderen volkswirtschaftlichen Dingen beschäftigen. Das Thema Geld lässt sich noch einige Zeit weiter strecken. Das geht z.B. über Euro- und OECD-Bonds und dann Welt-Industrie-Staaten-Bonds, wenn auch China und Brasilien in einigen Jahren in die debitistische Endphase eingetreten sind.
Aus meiner Sicht ist es wichtig sich um neue, weitgehend unbehandelte Themen zu kümmern. Das ist meiner Meinung nach:
Was bedeutet eine (über-)große Infrastruktur für eine Volkswirtschaft?
Ich behaupte:
Erst das Errichten dieser (über-)großen Infrastruktur schafft ein (über-)großes Wachstum der Volkswirtschaft und bringt die Staaten auf eine völlig neues Niveau des Wirtschaftens. Es erlaubt die deutliche Ausweitung der Spezialisierung und die Etablierung eines großen Dienstleistungssektors.
Allerdings wird diese (über-)große Infrastruktur nach 50 bis 100 Jahren zum riesigen Problem. Dann, wenn der Verfall einsetzt. Die Welt hat hier einen sehr guten Artikel in der Print-Ausgabe gehabt. Online steht hier der erste Teil:
http://www.welt.de/wirtschaft/article116116301/Marode-Infrastruktur-schwaecht-Standort-Deutschland.html
Die weiteren Teile des Print-Artikels werden links auf der Seite als "weiterführende Links" dargestellt.
Und die "100 Jahre Haltbarkeit" galten eben nur vor 100 Jahren. Damals konnte man Materialstärken noch nicht so exakt berechnen und hat deshalb viel haltbarer gebaut, als das aktuell bei uns (und mangels umfassender Normung noch stärker z.B. in China/Asien) der Fall ist.
In dem Artikel der "Welt" sieht man gut, wie sich das Problem des Verfalls der Infrastruktur "aufschaukelt". Dieses Problem lässt sich nicht mehr wirklich mit Geld reparieren. Es ist seit Jahren bekannt und wird doch nicht berücksichtigt. Irgendwann ist es einfach so spät, dass komplette Neubauten erforderlich werden. Das Problem: diese Neubauten kosten Zeit und physische Arbeit und echtes Material. Sie sind nicht wie Geld und Kredit (Vertrauen) manipulierbar. Denn Geld und Kredit sind heute doch weitgehend "virtuell" als Bits und Bytes in Computersystemen existent. Dem entsprechend schnell sind Anpassungen möglich. Bei physischer Infrastruktur ist das total anders. Häufig muss für eine Modernisierung sogar eine "provisorische Ersatzlösung" geschaffen werden, weil die Infrastruktur eben unverzichtbar ist und zumindest mit Abstrichen auch in der Bauphase nutzbar bleiben muss. All diese Nachteile/Schwierigkeiten gibt es in der Geldsphäre nicht.
Außerdem haben Investitionen in den Bestand der Infrastruktur "keinen Zusatznutzen". Sie bringen kein Wachstum sondern erhalten nur den aktuellen Stand. Deshalb sind sie "politisch unbeliebt" aber sie bringen dem System auch kein Wachstum (im debitistischen und volkswirtschaftlichen Sinn). Sie erlauben keine zusätzlichen Einnahmen zu erzielen. Sondern sie müssen nur geleistet werden, damit das bisherige, hohe Niveau des Wirtschaftens erhalten bleibt. Das reicht aber für den Fortbestand des staatlichen Zwangssystems (mit seinem Wachstumszwang) nicht aus. Deshalb versucht man möglichst lange um Ersatzinvestitionen herum zu kommen und stattdessen solche Investitionen zu tätigen, die (noch) Wachstum versprechen/erlauben.
Sehr schön sieht man derzeit in China und Brasilien, wie das Erstellen dieser (über-)großen Infrastruktur enorme positive Kräfte entfaltet und entsprechenden (vorübergehenden) Wohlstand entstehen lässt.
Die Diskussion dieser Themen würde uns inhaltlich weiter bringen. Das Thema Geld können wir den Piraten und auch anderen Foren überlassen.
Grüße
Morpheus
--
Es läuft der größte Verhaltensversuch der Menschheit und Du bist dabei!
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warum unser System nicht funktionieren kann
„erschöpfend“
Leserzuschrift
, Mittwoch, 15.05.2013, 13:28 (vor 4665 Tagen) @ Morpheus
Nach meiner Meinung ist dieses
Thema hier in zwischen erschöpfend diskutiert worden.
Da erschöpfend nicht notwendig mit abschließend oder befriedigend gleich zu setzen ist, fällt mir dazu die Vorrede von Immanule Kant zur „Kritik der reinen Vernunft“ ein:
„Ob die Bearbeitung der Erkenntnisse, die zum Vernunftgeschäfte gehören, den sicheren Gang einer Wissenschaft gehe oder nicht, das läßt sich bald aus dem Erfolg beurteilen. Wenn sie nach viel gemachten Anstalten und Zurüstungen, so bald es zum Zweck kommt, in Stecken gerät, oder, um diesen zu erreichen, öfters wieder zurückgehen und einen andern Weg einschlagen muß; imgleichen wenn es nicht möglich ist, die verschiedenen Mitarbeiter in der Art, wie die gemeinschaftliche Absicht erfolgt werden soll, einhellig zu machen: so kann man immer überzeugt sein, daß ein solches Studium bei weitem noch nicht den sicheren Gang einer Wissenschaft eingeschlagen, sondern ein bloßes Herumtappen sei, und es ist schon ein Verdienst um die Vernunft, diesen Weg wo möglich ausfindig zu machen, sollte auch manches als vergeblich aufgegeben werden müssen, was in dem ohne Überlegung vorher genommenen Zwecke enthalten war.“
Vor allem mit der Einhelligkeit der Mitarbeiter in gemeinschaftlicher Absicht ist das immer so eine Sache.
Für mich wird das Thema Geld immer ein Stück weit Mysterium bleiben und da das Leben wesentlich erbaulichere Mysterien zu bieten hat, habe ich meine Bemühungen, dem Mysterium Geld im letzend Grunde zu Leibe zu rücken längst aufgegeben.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Schneider
Einhelliges Verständnis vom "Geld"
tar
, Gehinnom, Mittwoch, 15.05.2013, 19:29 (vor 4665 Tagen) @ Leserzuschrift
Hallo,
wie erreicht man die Einhelligkeit?
Das Einschlagen verschiedener Blickwinkel stärkt den Erkenntnisprozess über das sog. "Geld". Sie führen jeweils zu eigenständigen "Geld"-Definitionen, die jeder für sich zur Erklärung unterschiedlicher Teilbereiche sozialer Handlungen herangezogen werden können, woraus sich ein Gesamtbild auf historische und sozioökonomische Zwänge werfen lässt. Die Gegenüberstellung zweier Definitionen führt im Weiteren zu Widersprüchen und es müssen dahingehend Grenzen auf Grundlage wissenschaftlicher Befunde gezogen werden, wo bisher schlicht die Vorstellungen und Ahnungen realitätsferner Theoretiker Einzug gehalten haben. Mit der erneut aufkeimenden Auseinandersetzung zum Geld wird aus meiner Sicht insoweit ein richtiger Schritt eingeschlagen. Wie allerdings bekannt ist, gibt es meiner Auffassung nach die "Geld"-Definition nicht und ich halte diesen Begriff für überflüssig, da es weitaus präzisere Begriffe gibt - und falls selbst diese nicht präzise genug sind, braucht es halt deskriptorische Ansätze, um letztlich den Verständnisprozess insoweit zu verbessern, dass eindeutige Informationen übermittelt und begriffen werden, denen sich die Vertreter dieser oder jener Definition nicht entziehen können. Das Gros aller monetären Debatte geht bekanntlich aus schlichtem Un- und Missverständnis der Beteiligten untereinander hervor, bei dem sich zudem ihr emotionaler Ballast entlädt.
Gruß!
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Gruß!™
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Geld, das gefährliche Guguseli-Wort
Liated mi Lefuet
, Donnerstag, 16.05.2013, 18:12 (vor 4664 Tagen) @ tar
Sali Tar
..(.). Mit der erneut aufkeimenden Auseinandersetzung zum Geld wird aus
meiner Sicht insoweit ein richtiger Schritt eingeschlagen. Wie allerdings
bekannt ist, gibt es meiner Auffassung nach die "Geld"-Definition
nicht und ich halte diesen Begriff für überflüssig, da es weitaus
präzisere Begriffe gibt - und falls selbst diese nicht präzise genug
sind, braucht es halt deskriptorische Ansätze, um letztlich den
Verständnisprozess insoweit zu verbessern, dass eindeutige
Informationen übermittelt und begriffen werden, denen sich die Vertreter
dieser oder jener Definition nicht entziehen können.
Ja, völlig einverstanden mir Dir.
Ich würde sogar sagen, der Begriff "Geld" (auch Tauschmittel, Einlagen etc.) ist auf gefährlichste Weise irreführend, weil er zu "dinglichem Denken" verleitet. Denn: Wir Primaten haben (wie alle Säugetiere auch) eine relativ primitive Gehirnregion (oben/seitlich "stereo": links und rechts ), die automatisch (ohne dass es uns bewusst wird) eingeschaltet wird, wenn wir sich bewegende "Dinge" sehen oder sie uns vorstellen/darüber nachdenken, sagen Neuro-Wissenschaftlicher wie Manfred Spitzer. Die meisten Homo Sapiens nehmen deswegen leider m.E. Monetäres als Ding wahr, wie Affen die Bananen im Dschungel.
Freundlicher Gruß
Liated, der nur im noch im Neokortex über das transnationale Finanznetzwerk nachdenkt. Es hat mich viel Mühe gekostet, den Affen in mir zu überwinden. Ganz gelungen ist es mir nicht: Bananen esse ich immer noch; -)
Geld ist kein Mysterium, nur eine sehr komplexe Eigenschaft
Ashitaka
, Mittwoch, 15.05.2013, 23:17 (vor 4664 Tagen) @ Leserzuschrift
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 16.05.2013, 00:16
Für mich wird das Thema Geld immer ein Stück weit Mysterium bleiben und
da das Leben wesentlich erbaulichere Mysterien zu bieten hat, habe ich
meine Bemühungen, dem Mysterium Geld im letzten Grunde zu Leibe zu rücken
längst aufgegeben.Mit freundlichen Grüßen
Matthias Schneider
Das Mysterium ist heiße Luft, wenn man das flotte Inhaberpapier mit der Eigenschaft "Geld", aus der Abgabenschuld, über das Machtderivat Privateigentum, bis zur Vernebelung des Begriffes durch Funktionsbeschreibungen ("Geld" sei das, wo man mit zahlen kann, das, wo man mit horten kann, das, wo man mit Abgabe zahlen kann) betrachtet und immer wieder nach der vergessenen Eigenschaft fragt.
Weder das Silber "war" das Geld, noch der neue 5-Euro-Schein "ist" das Geld. Geld ist niemals eine Sache oder die Funktion (Zahlungmittel, Abgabenmittel oder Wertmesser) gewesen.
Nein, Geld war und ist eine äußerst komplexe "Eigenschaft des Machtsystems", eine Eigenschaft die man meiner bisherigen Erkenntnis nach erst dann verstehen und denken kann, wenn man sich mit dem Vertrauen an die Besicherung einer Schuld (im Anfang die Besicherung des Zwingherrn durch konkreten, sachlichen Tribut des Volkes, heute Steuern und Abgaben auf der Geldbasis von hinterlegten und damit anonymisierten "Anrechten an Eigentum aller Hinterlegenden") intensiv beschäftigt.
Dann wird auch klar werden, dass Guthaben (3,5 mal so hoch wie die EZB-Passiva), kein Geld sind. Eingeräumte Guthaben aus Krediten sind nur das Mittel zur Schaffung des Inhaberpapieres mit der Eigenschaft "Geld".
Aber, weil wir das ganze Mysterium immer wieder aus dem Blickwinkel einer "Funktionsanalyse des Geldes" (Was können wir mit Geld machen bzw. erreichen?) auftauen, statt uns auf die eigenschaftliche Frage des Geldsystems (Was macht das Geldsystem mit uns?) einzulassen, bleibt es auch hier weiterhin spannend.
Ich arbeite an meiner Lieferung zum Thema in der Kabine weiter. Es tut gut hier nicht mehr soviel zu schreiben. Es dreht sich alles im Kreis.
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
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die Welt im Innersten funktioniert.
Kurzer Versuch einer Einlassung auf die eigenschaftliche Frage des Geldsystems
neptun
, Freitag, 17.05.2013, 03:16 (vor 4663 Tagen) @ Ashitaka
Hi Ashitaka,
statt uns auf die eigenschaftliche Frage des Geldsystems (Was macht das Geldsystem mit uns?) einzulassen,
Na, dann will ich mich doch mal ein wenig einlassen:
Das Geldsystem macht uns
1. krank
2. korrupt
3. gierig
4. geizig
5. unglücklich
Weiter, wenn man den Begriff "uns" auch auf die Teile der Weltbevölkerung ausdehnt, welche kaum oder keine Einflußmöglichkeiten auf die Geldwirtschaft haben:
6. tot
7. zu Krüppeln
8. zu Sklaven
(Dabei können die letzten drei Punkte im eingeschränkten und übertragenen Sinn auch zu den ersten fünf gezählt werden.)
Vorschläge zur Erweiterung dieser Liste?
Das Geld mag eine sehr komplexe Eigenschaft sein, aber meines Erachtens ist sie dann eine Eigenschaft des Teufels.
So wie vielleicht der Teufel nicht aus dieser Welt wegzudenken ist, dürfte auch diese seine Eigenschaft nicht aus ihr wegzudenken sein: Ein Grund mehr, die Illusion dieser Welt hinter sich zu lassen. 
LG neptun
--
Weil es permanent besonders aktuell ist:
"Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf
kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein." (Jiddu Krishnamurti)
Auswirkungen
Ashitaka
, Freitag, 17.05.2013, 17:29 (vor 4663 Tagen) @ neptun
Das Geld mag eine sehr komplexe Eigenschaft sein, aber meines Erachtens
ist sie dann eine Eigenschaft des Teufels.
Wenn man sich denn in einer solchen Weltanschauung (Himmelreich + Hölle) wohlfühlt, dann gebe ich dir recht.
So wie vielleicht der Teufel nicht aus dieser Welt wegzudenken ist,
dürfte auch diese seine Eigenschaft nicht aus ihr wegzudenken sein: Ein
Grund mehr, die Illusion dieser Welt hinter sich zu lassen.
Die obigen Listen sind aber keine Eigenschaften. Es sind einseitig beschriebene Auswirkungen des "Geldsystems". Wenn ich dir einen "blauen Stein" statt einen "Geld tragenden Schein" vor den Kopf schmeiße, dann hast du Aua (Auswirkung). Ich könnte dir eine ebenso lange Liste vorlegen, die bei Hilfsorgnisationen anfängt und beim kindlichen Glück eines geschenkten Baggers (made in Unmenschlichkeit) aufhört. Auf die Auswirkungen bezogen hast du recht wie unrecht; alles eine Frage des Blickwinkels. Sind es nicht größtenteils unwillentliche Funktionen? Wenn man sich unsere Vergangenheit und Gegenwart mit ihren durch das Geldsystem geschaffenen Kriegen und alltäglichen Depressionen ansieht, dann kann man nur diesen Eindruck gewinnen.
LG neptun
Grüße zurück,
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Wohlfühlen? Nein. Und: Die Auswirkungen auf Waagschalen
neptun
, Samstag, 18.05.2013, 03:55 (vor 4662 Tagen) @ Ashitaka
Hi Ashitaka,
Das Geld mag eine sehr komplexe Eigenschaft sein, aber meines Erachtens ist sie dann eine Eigenschaft des Teufels.
Wenn man sich denn in einer solchen Weltanschauung (Himmelreich + Hölle) wohlfühlt, dann gebe ich dir recht.
Der Teufel ist genau wie jegliche Form "irdischen" Glückes (Yin <=> Yang) Teil der Illusion. Wohlfühlen kann man sich da meines Erachtens nur, wenn man sich hinsichtlich des Glückes etwas vormacht, indem man glaubt, daß es ohne sein Gegenteil zu haben sei.
So wie vielleicht der Teufel nicht aus dieser Welt wegzudenken ist, dürfte auch diese seine Eigenschaft nicht aus ihr wegzudenken sein: Ein Grund mehr, die Illusion dieser Welt hinter sich zu lassen.
Die obigen Listen sind aber keine Eigenschaften.
Mir ist beim Schreiben schon aufgefallen, daß das keine Eigenschaften des Geldes sind. Die Liste als meine Antwort bezog sich auf den Teil, den Du in Klammern geschrieben hattest:
statt uns auf die eigenschaftliche Frage des Geldsystems (Was macht das Geldsystem mit uns?) einzulassen,
Abseits von der Liste, welche beschreibt, was das Geldsystem mit uns macht, bezog ich mich in meiner Antwort auf das Geld als eine Eigenschaft des Teufels.
Es sind einseitig beschriebene Auswirkungen des "Geldsystems".
Meinst Du? Dann laß uns diese Einseitigkeit doch einmal genauer betrachten:
Ich könnte dir eine ebenso lange Liste vorlegen, die bei Hilfsorgnisationen anfängt und beim kindlichen Glück eines geschenkten Baggers (made in Unmenschlichkeit) aufhört.
Mir ist schon klar, daß es auch diese Dinge gibt. Aber laß uns doch mal die Ergebnisse Deiner Liste auf die eine und die Ergebnisse meiner Liste auf die andere Waagschale legen: Aus einer Distanz, in welcher meine Waagschale noch riesig aussieht, wird man Deine nicht mehr sehen können. Wenn Du das mit Einseitigkeit meinst, gebe ich Dir recht.
" />
Auf die Auswirkungen bezogen hast du recht wie unrecht; alles eine Frage des Blickwinkels.
Wie gesagt: Dieses "recht" und "unrecht" steht in einem sehr disharmonischen Verhältnis zueinander.
Sind es nicht größtenteils unwillentliche Funktionen? Wenn man sich unsere Vergangenheit und Gegenwart mit ihren durch das Geldsystem geschaffenen Kriegen und alltäglichen Depressionen ansieht, dann kann man nur diesen Eindruck gewinnen.
Deshalb brachte ich den "Teufel" ins Spiel. "Der Mensch" will das wohl kaum. 
LG neptun
--
Weil es permanent besonders aktuell ist:
"Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf
kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein." (Jiddu Krishnamurti)
Muss ein Bankkredit von der Bank gar nicht refinanziert werden?
BerndBorchert
, Freitag, 17.05.2013, 15:21 (vor 4663 Tagen) @ moneymind
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 17.05.2013, 15:45
Sein Vortrag "Geld
entsteht, Geld vergeht" ist ebenfalls sehr gelungen und zeigt die
Grundlagen der Geldschöpfung.
Ich hab mir diesen Vortrag ganz angesehen (den anderen nur halb).
Der Vortragende geht davon aus, dass durch das Gesetz der Großen Zahl der Saldo der Überweisungen von/zu einer Bank zu/von allen anderen Banken im Durchschnitt fast jeden Tag fast ausgeglichen ist. Die gleiche Annahme hat er für den Saldo der Bargeld Ein- und Auszahlungen der Bankkunden der Bank.
Würde das nicht bedeuten, dass eine Bank einen Kundenkredit gar nicht refinanzieren muss (bis auf die vernachlässigbare 1% Mindestreserve)?
Und würde das nicht bedeuten, dass sie die Kreditzinsen voll einstreichen kann, und nicht nur die Differenz von Kreditzinsen und Refinanzierungszinsen? (letztere z.B. an die ZB oder an Sparer)
Stimmt das? Hat der Vortragende recht mit seinen Annahmen?
Bernd Borchert
Der Vortragende hat nur "im Einzelfall" recht.
Ashitaka
, Freitag, 17.05.2013, 16:40 (vor 4663 Tagen) @ BerndBorchert
Und würde das nicht bedeuten, dass sie die Kreditzinsen voll einstreichen
kann, und nicht nur die Differenz von Kreditzinsen und
Refinanzierungszinsen? (letztere z.B. an die ZB oder an Sparer)
Der Knackpunkt. Die Zentralbank wandelt Kredittitel inkl. Besicherung in Geld. Wenn die Geschäftsbanken aufgrund des Kreditvertrages nur das vereinbarte Bankguthaben einräumen würde, könnte keine der Geschäftsbanken eine Auszahlung oder Überweisung vornehmen. Man muss dem Geld über seine Eigenschaft als "Inhaberpapier" nachgehen und darf nicht so tun, als könnten Geschäftsbanken Kreditnehmer zu "Inhabern einer Eigenschaft" machen. Geld wird zwar nach BGB wie eine Sache behandelt, dies aber nur deshalb, um die Eigenschaft "Geld" zwingend an einen Träger der sie wahrt (Währung) zu binden. Wäre dem nicht so, würde womöglich der eine "Geld" auf Tontafeln führen, der nächste sein "Geld" auf Toilettenpapier.
Stimmt das? Hat der Vortragende recht mit seinen Annahmen?
Nein. Er dreht sich im Kreis.
Grüße,
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Erklärung bitte!
Naclador
, Göttingen, Freitag, 17.05.2013, 17:16 (vor 4663 Tagen) @ Ashitaka
Der Knackpunkt. Die Zentralbank wandelt Kredittitel inkl. Besicherung in
Geld. Wenn die Geschäftsbanken aufgrund des Kreditvertrages nur das
vereinbarte Bankguthaben einräumen würde, könnte keine der
Geschäftsbanken eine Auszahlung oder Überweisung vornehmen.
Hallo Ashitaka,
warum sollte in diesem Fall keine der Geschäftsbanken eine Auszahlung oder Überweisung vornehmen können? Das leuchtet mir nicht ein.
Gruß
Naclador
--
Hanlon's Razor: "Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity."
Naclador's Corrolary: "Recognize when stupidity is not an adequate explanation."
Beispiel dazu
BerndBorchert
, Freitag, 17.05.2013, 17:39 (vor 4663 Tagen) @ Naclador
Sehe ich auch so, Naclador.
Der Knackpunkt. Die Zentralbank wandelt Kredittitel inkl. Besicherung in
Geld. Wenn die Geschäftsbanken aufgrund des Kreditvertrages nur das
vereinbarte Bankguthaben einräumen würde, könnte keine der
Geschäftsbanken eine Auszahlung oder Überweisung vornehmen.
Beispiel: Nimm an, bei einer anderen Bank hätte ein anderer Kreditnehmer einen Kredit in gleicher Höhe aufgenommen. Wenn jetzt beide Kreditnehmer am gleichen Tag auf ein Konto bei der jeweils anderen Bank den gesamten Kreditbetrag ueberweisen, braucht wegen der Saldierung zu 0 keine der beiden Banken ZB Geld dafür. Es war hier also für keinen der beiden Kredite eine Refinanzierung nötig.
Ashitaka, warum ist die Annahme der statistisch-zu-Null Saldierung falsch?
Bernd Borchert
Sie ist nicht falsch: Ich meine den Bedarf an Zentralbankgeld
Ashitaka
, Freitag, 17.05.2013, 17:58 (vor 4663 Tagen) @ BerndBorchert
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 17.05.2013, 18:05
Sehe ich auch so, Naclador.
Der Knackpunkt. Die Zentralbank wandelt Kredittitel inkl. Besicherung
in
Geld. Wenn die Geschäftsbanken aufgrund des Kreditvertrages nur das
vereinbarte Bankguthaben einräumen würde, könnte keine der
Geschäftsbanken eine Auszahlung oder Überweisung vornehmen.
Beispiel: Nimm an, bei einer anderen Bank hätte ein anderer Kreditnehmer
einen Kredit in gleicher Höhe aufgenommen. Wenn jetzt beide Kreditnehmer
am gleichen Tag auf ein Konto bei der jeweils anderen Bank den gesamten
Kreditbetrag ueberweisen, braucht wegen der Saldierung zu 0 keine der
beiden Banken ZB Geld dafür. Es war hier also für keinen der beiden
Kredite eine Refinanzierung nötig.Ashitaka, warum ist die Annahme der statistisch-zu-Null Saldierung
falsch?
Die statistische-zu-Null Saldierung ist nicht falsch. Wenn du oben schreibst, dass die Geschäftsbanken zu Null saldieren können, ja zum Teufel
, dann müssen sie trotzdem den grundsätzlichen "Bedarf an Zentralbankgeld" gedeckt haben, der überhaupt erst eine Saldierung ermöglicht. Wenn also klar ist, dass ZBG zufliesst und abfliesst, dann wird der Bedarf an Zentralbankgeld dadurch nicht berührt, sondern nur saldiert.
Der Hauptgrund, weshalb das ZBG gegenüber dem GBG nur 1/3,5 beträgt (Passivas EZB / konsolidierte MFIs) liegt darin, dass ein Guthaben auch stehen gelassen werden kann. Weil ein Guthaben eben noch kein Geld (ZBG) ist, löst es nicht permanent den Bedarf an Zentralbankgeld aus, sondern erst dann, wenn es transferiert wird. Deshalb ist mir die Unterscheidung so wichtig. Da erhalte ich wenig Zuspruch in diesem Forum, auch wenn der Gedankengang ziemlich klar ist.
Hier meine heutige, kurze Zusammenfassung: http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=285105
Bernd Borchert
Grüße dich,
Ashitaka
--
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die Welt im Innersten funktioniert.
Ich kann nur saldieren, wenn ich es auch kann
Silke, Freitag, 17.05.2013, 19:15 (vor 4663 Tagen) @ BerndBorchert
bearbeitet von Silke, Freitag, 17.05.2013, 19:37
Hallo BerndBorchert,
Beispiel: Nimm an, bei einer anderen Bank hätte ein anderer Kreditnehmer
einen Kredit in gleicher Höhe aufgenommen. Wenn jetzt beide Kreditnehmer
am gleichen Tag auf ein Konto bei der jeweils anderen Bank den gesamten
Kreditbetrag ueberweisen, braucht wegen der Saldierung zu 0 keine der
beiden Banken ZB Geld dafür. Es war hier also für keinen der beiden
Kredite eine Refinanzierung nötig.
die Normalität ist "kein Beispiel" sondern die Gefahr, für die GB Forderungen erfüllen zu müssen und zwar nicht nur zum Termin (da auf jeden Fall) sondern im schlimmsten Fall sofort,jetzt und hier:
Terminierte Forderung wie Sparbuch hat zwar Kündigungsfrist muss aber sofort in Form von ZB-Geld (Bargeld) ausgereicht werden, wenn der Kunde darauf besteht (es werden ihm Vorfälligkeitszinsen in Rechnung gestellt- das macht die Liquiditätssituation für die Bank aber nicht besser, da diese nur GB-Giral sind).
Du kannst nur mit anderen seriös saldieren wenn Du regelmäßig ein "mehr bzw. ein Anrecht auf mehr (ZB-Geld)" hast um negative Spitzen abfangen zu können.
LG
Silke
Wie in der Spielbank. Vorn echtes Geld gegen Chips getauscht/ drinnen spielen/gewinnen/verlieren/verschenken/egal was und egal mit wem/ wenn Deine Chips ins Minus gehen bist Du bankrott wenn Du Dir nicht vorn weitere Chips verschaffen kannst.
Na ja hinkt zwar auch ein bischen aber Du kannst nicht aus einem Minus heraus saldieren in der Hoffnung es gleicht sich mit einem ZU ERWARTENDEM Plus schon aus
Zweistufiges Zentralbanksystem
Ashitaka
, Freitag, 17.05.2013, 17:48 (vor 4663 Tagen) @ Naclador
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 17.05.2013, 18:02
Der Knackpunkt. Die Zentralbank wandelt Kredittitel inkl. Besicherung in
Geld. Wenn die Geschäftsbanken aufgrund des Kreditvertrages nur das
vereinbarte Bankguthaben einräumen würde, könnte keine der
Geschäftsbanken eine Auszahlung oder Überweisung vornehmen.
Hallo Ashitaka,warum sollte in diesem Fall keine der Geschäftsbanken eine Auszahlung
oder Überweisung vornehmen können? Das leuchtet mir nicht ein.
Weil nur die Zentralbank die einzig wahre Liquidität des zweistufigen Zentralbanksystems schaffen kann. Diese Liquidität (ZBG) ist deshalb so wichtig, weil nur sie durch 100% Besicherung gedeckt ist und "Geld" immer zu 100% besichert ist. Ob diese Besicherung nun werthaltig ist oder nicht, das ist hier nicht die Frage. Wenn eine Geschäftsbank brutto überweist (höhere Summen immer), dann muss die Geschäftsbank dafür ZBG bereithalten, welches neben dem GBG auf das ZBG-Konto der Empfängerbank transferiert wird. An diesem Grundsatz der zweistufigen Transaktion (GB<->GB und ZB/GB<->ZB/GB) führt kein Weg vorbei. Wäre es anders, wäre es Falschgeld.
Gesamtsystematisch ist die Beschaffung von Liquidität am Interbankenmarkt nur eine kreditierte Verschiebung von Liquidität. Auch diese Liquidität muss erst einmal ins System gebracht - und nun gut zuhören - über eine Laufzeit besichert werden.
GRUNDSATZ: JEDE ÜBERWEISUNG ERZEUGT DEN BEDARF VON ZENTRALBANKGELD
Wobei innertags durch Clearing (Im Falle der Abbuchungen vor entsprechenden Zubuchungen, Verrechnung, Innertageskredite) der Bedarf des ZBG kostenoptimiert werden kann. Der Bedarf verschwindet aber nicht, sonst würde man ja nicht untertägig aufrechnen.
Du findest in diesem und alten Forum vieles dazu. Es gab glaube ich, auch mal detailierte Buchungen auf T-Konten, die das zweistufige Zentralbanksytem, in welchem wir uns nun einmal befinden, erklärt.
Gruß
Naclador
Grüße,
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Es spielt keine Rolle, ob jede Überweisung einzeln in ZB Geld ausgeführt wird oder ob täglich saldiert wird
BerndBorchert
, Sonntag, 19.05.2013, 17:20 (vor 4661 Tagen) @ Ashitaka
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 19.05.2013, 18:16
Der Saldierungseffekt tritt trotzdem ein.
Beispiel. Nimm eine große Bank, sagen wir die Postbank. Jeweils 1 Million Überweisungen pro Tag raus und ebenso rein sollten realistisch sein. Sagen wir im Durchschnitt 100 Euro, mit einigen Ausreissern im 5-stelligen Bereich und ganz wenigen im 6- und 7-stelligen Bereich. Bei 250 Banktagen sind das immerhin 25 Mrd., die im Jahr rein- und rausgehen. Welchen ZB-Puffer braucht man dafür, wenn man die These des Vortragenden annimmt, dass mittelfristig im Durchschnitt soviel reingeht wie rausgeht? Vielleicht ein paar Mill. für die großen Ausreisser bei den Raus-Überweisungen. Ansonsten pulsiert der Saldo stabil um 0 herum, plus/minus wenige Millionen - bei dieser Anzahl von Überweisungen (Gesetz der Großen Zahl, Zufälligkeit angenommen). Und man sieht in dieser Jahres-Perspektive, dass es egal ist, ob täglich saldiert wird, oder untertägig ein paar Mal saldiert wird, oder ob jede Überweisung einzeln ausgeführt wird.
Man braucht also nur ein paar Millionen, um eine Gesamtsumme von zig Mrd. im Jahr zu puffern. Auch mit der Bilanzsumme verglichen sollte der Puffer im Promillebereich liegen. Die offizielle Mindestreserve von 1% sollte also reichen.
Ich denke, dass die Annahme des Vortragenden, dass automatisch - also egal wie die Geschäftspolitik der Bank ist - die Raus- und die Rein-Überweisungen sich mittelfristig gegenseitig ausgleichen, nicht richtig ist.
Bernd Borchert
Die Karrikatur der "Saldierung auf Null" klammert die alltägliche Besicherungsproblematik vollkommen aus
Ashitaka
, Sonntag, 19.05.2013, 18:51 (vor 4661 Tagen) @ BerndBorchert
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 19.05.2013, 18:58
Das stelle ich mal an den Anfang:
Ich denke, dass die Annahme des Vortragenden, dass automatisch - also egal
wie die Geschäftspolitik der Bank ist - die Überweisungen sich
mittelfristig gegenseitig ausgleichen, nicht richtig ist.
Sehe ich genauso.
Der Saldierungseffekt tritt trotzdem ein.
Klar, nur ist mit Eröffnung eines Banktages überhaupt nicht ersichtlich, wie sich denn die Saldierung betragsmäßig am Ende des Tages darstellt. Wenn wir also nun so tun, als wäre die Saldierung IMMER gegen Null, dann widerspricht das den tagtäglichen Anforderungen an die Steuerungspolitik der Geschäftsbanken. Grundsätzlich löst jede Transaktion den Bedarf an ZBG aus. Danach kann die GB darüber nachdenken, ob sie aufrechnet oder brutto transferiert. Größere Anweisungen bringen da jede Saldierung des Tages sofort aus dem Gleichgewicht, weshalb sie separat brutto getätigt werden. Paranoia hatte hierzu auch schon Stellung bei den jüngeren Diskussionen genommen. Wenn ich 8 Millionen Euro Kredit beantrage, um damit gewerblich zu bauen, dann wird die Geschäftsbank erst am Tag der Überweisung wissen, an wen ich überweise. Sie wird die Sicherheit dafür nutzen, um sich - im Rahmen ihrer Steuerungspolitik - ZBG zu beschaffen (Pfandbriefe etc.). Und dieses kann sie nicht holen und zurückgeben wie sie will. Pfand kann nur wieder "zum Termin" bei der EZB ausgelöst werden, ZBG damit auch nur zum späteren Termin verschwinden. Alleine dadurch ist eine kontinuierliche, optimale Steuerung des ZBG für das einzelne Kreditinstitut ausgeschlossen. Die EZB kann zwar auf die Gesamtheit mit ihren Instrumenten einwirken, aber nicht den Einzelfall "zum Stichtag" regeln.
Beispiel. Nimm eine grosse Bank, sagen wir die Postbank. Jeweils 1 Million
Überweisungen pro Tag raus und ebenso rein sollten realistisch sein. Sagen
wir im Durchschnitt 100 Euro, mit einigen Ausreissern im 5-stelligen
Bereich und ganz wenigen im 6- und 7-stelligen Bereich. Bei 250 Banktagen
sind das immerhin 25 Mrd., die im Jahr rein- und rausgehen. Welchen
ZB-Puffer braucht man dafür, wenn man die These des Vortragenden annimmt,
dass mittelfristig im Durchschnitt soviel reingeht wie rausgeht?
1. Der Durchschnitt ist, gelinde gesagt, eine kindliche Karrikatur des tagtäglichen Zahlungsverkehrs zwischen den Instituten. Warum wohl läuft das meiste, insbesondere Auslandsüberweisungen, brutto?! Das Thema Besicherung kann man nur durch solche "Annahmen" beiseite kehren, also dadurch, dass man annimmt, dass sich GBA und GBB identische Summen transferieren. Das ist aber nun einmal nicht die Realität. Die Salden im Soll-/Haben führen im Geschäftsbankensystem dazu, dass ein stetiger Bedarf an ZBG "gedeckt" werden muss (Refinanzierungen, Interbankenmarktkredite). Und da auch hier kein automatisches Gleichgewicht entsteht (beides Kostet Zins), entsteht immer eine Besicherungsproblematik einzelner Institute. Das lässt sich gar nicht vermeiden.
2. Teilnahmen am RTGS-System bedingen Bonität; sprich Besicherung durch ausreichend Liquidität (ZBG). An den Verfahren nehmen nur geprüfte Institute teil die auch entsprechende Liquidität bzw. Sicherheiten (Aktiva) bieten können.
3. Da fast nie zu Null saldiert wird, muss ein Settlement "final" (tagtäglich) in ZBG abgewickelt werden. Ein Durchschnitt von Null ist Fantasie. Es kann auch in Ausnahmen anderes Vermögen der Bank herhalten, aber dieses wird messerscharf kontrolliert und unterliegt den gleichen Sicherheitenstandards (Erläuterungen BIS 2001a Seite 36-38 zur Eigenkapitalhinterlegung und strengen Risikobewertung)
Man braucht also nur ein paar Millionen, um eine Gesamtsumme von zig Mrd.
im Jahr zu puffern. Auch mit der Bilanzsumme verglichen sollte der Puffer
im Promillebereich liegen. Die offizielle Mindestreserve von 1% sollte also
reichen.
Reicht sie aber nicht. Schauen wir mal dazu in die EZB-Bilanz und vergleichen die Refinanzierungen mit den Einlagen bei den Geschäftsbanken. Warum stehen da deutlich mehr als 1% in der ECB-Bilanz?!
Grüße dich,
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Gesetz der Großen Zahl
BerndBorchert
, Sonntag, 19.05.2013, 19:54 (vor 4661 Tagen) @ Ashitaka
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 19.05.2013, 20:37
Hallo Ashitaka, wir sind ja der gleichen Meinung, dass nämlich die Annahme des Vortragenden aus dem Video falsch ist.
Allerdings scheinst Du mir das Gesetz der großen Zahl zu unterschätzen. Wenn Du und ich 1 Million Mal eine Münze werfen und Du bekommst bei Zahl einen Euro von mir und ich bei Wappen einen von Dir, wieviele Euros müssten wir beide jeweils als Puffer im Portemonnaie haben, um das Spiel durchführen zu können? nicht mehr als ein paar 1000, also keinesfalls 1.000.000 oder 100.000, nicht mal 10.000. Also weniger ein Prozent des maximal möglichen. Alles andere ist praktisch ausgeschlossen (es kann theoretisch vorkommen, aber praktisch niemals - es sei denn, die Münze hat einen Bias)
Genauso schwankt das bei Millionen von Rein- und Raus-Überweisungen, unter der Annahme, dass sie unabhängig sind. Der Wert des Saldos ist dann vernächlässigbar im Vergleich zur Gesamtsumme, und das in jedem Zeitpunkt.
Wenn für eine Bank die Rein- und Raus-Überweisungen so schön verteilt sind (könnte ja für die eine oder andere Bank so sein), dann braucht die Bank nur den vernachlässigbaren Puffer zu refinanzieren, no? Und in dem Fall wäre fast der volle Kreditzins ihr Profit, nicht nur die Differenz von Kredit- und Refinanzierungszins, no?
Bernd Borchert
Resultate mit dem Zufallsgenerator "Münze" beim Clearing
Liated mi Lefuet
, Sonntag, 19.05.2013, 21:10 (vor 4661 Tagen) @ BerndBorchert
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 19.05.2013, 21:20
Hi BerndBorchert
Allerdings scheinst Du mir das Gesetz der großen Zahl zu unterschätzen.
Wenn Du und ich 1 Million Mal eine Münze werfen und Du bekommst bei Zahl
einen Euro von mir und ich bei Wappen einen von Dir, wieviele Euros
müssten wir beide jeweils als Puffer im Portemonnaie haben, um das Spiel
durchführen zu können? nicht mehr als ein paar 1000, also keinesfalls
1.000.000 oder 100.000, nicht mal 10.000. Also weniger ein Prozent des
maximal möglichen. Alles andere ist praktisch ausgeschlossen (es kann
theoretisch vorkommen, aber praktisch niemals - es sei denn, die Münze hat
einen Bias)
(Nu)r der Erwartungswert Deines Beispiels, (den das Gesetz der grossen Zahlen umschreibt), wäre “0â€.
Angenommen Du wirfst die Münze “n" mal lautete das Ergebnis bei n=1’000’000
o etwa sqrt(1’000’000*2/pi) ≈ 797.8845608...
Also rund +798 Guthaben von Einen die -798 Schulden des Andern. Wer von beiden als Gläubiger gewinnt bzw. als Schuldner verliert ist Zufall (im naturwissenschaftlichen Sinn).
Wieso, habe ich mal hier im Zusammenhang mit Clearing erklärt. Siehe: http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=258380 . Auf Begeisterung ist die Erklärung damals nicht gerade gestossen;- ), außer bei Luta und Melethron.
Freundlicher Gruss
Liated
Kann mir jemand helfen, die Wahrscheinlichkeit zu berechnen?
BerndBorchert
, Montag, 20.05.2013, 23:19 (vor 4659 Tagen) @ Liated mi Lefuet
Angenommen Du wirfst die Münze “n" mal lautete das Ergebnis bei
n=1’000’000o etwa sqrt(1’000’000*2/pi) ≈ 797.8845608...
was bedeutet diese Zahl? dass der Erwartungswert für den Spielstand desjenigen Spielers mit dem Plusbetrag nach 1 Million Münzwürfen 797 ist, oder dass der Erwartungswert für den während des ganzen Spiels erreichten maximalen Plusbetrags eines Spielers 797 ist? (entspricht also tägliche Saldierung vs. Einzel-Saldierung). Egal, das dürfte kein großer Unterschied sein.
Entscheidend für den Saldierungseffekt ist ja auch nicht der Erwartungswert, sondern die Abweichung davon, d.h. in einem relativ kleinen Bereich um den Erwartungswert herum liegen praktisch alle Möglichkeiten. Die Glockenkurve wird bei großen Zahlen zur Stecknadel.
Ich hab versucht, folgende Wahrscheinlichkeit herauszufinden: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei 1 Million Münzwürfen zwischen 490.000 und 510.000 mal Wappen vorkommt. Ich weiss, es geht mit dem Integral der Gausskurve, aber ich finde auf die Schnelle weder Formel noch Integral-Wertetabelle. Kann mir jemand helfen? ich tippe auf mehr als 99,99%.
Bernd Borchert
Monte-Carlo mit 1.000.000 Würfen
Amos
, Montag, 20.05.2013, 23:57 (vor 4659 Tagen) @ BerndBorchert
Hallo Bernd,
wenn ich richtig gerechnet habe, dann haben wir bei 1 Mio. Würfen eine Wahrscheinlichkeit von 99.94% und bei 10 Mio. 99.98%
1.000.000
0 499595 49.96%
1 500405 50.04%
10.000.000
0 4998332 49.98%
1 5001668 50.02%
Viele Grüße
amos
Ich weiss, es geht mit dem Integral der
Gausskurve, aber ich finde auf die Schnelle weder Formel noch
Integral-Wertetabelle. Kann mir jemand helfen? ich tippe auf mehr als
99,99%.
10 gleichzeitige Würfe (Konto-Transaktionen)
Amos
, Dienstag, 21.05.2013, 00:09 (vor 4659 Tagen) @ Amos
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 21.05.2013, 00:17
Bei 10 gleichzeitigen Würfen (Konto-Transaktionen) und 1.000.000 Versuchen würde die Verteilung übrigens so aussehen:
0 1972 0.20%
1 17441 1.74%
2 70153 7.02%
3 164308 16.43%
4 246455 24.65%
5 246047 24.60%
6 163616 16.36%
7 70542 7.05%
8 17570 1.76%
9 1896 0.19%
0-4 = Kopf
5-9 = Zahl
Viele Grüße
amos
Hallo Bernd,
wenn ich richtig gerechnet habe, dann haben wir bei 1 Mio. Würfen eine
Wahrscheinlichkeit von 99.94% und bei 10 Mio. 99.98%
1.000.000
0 499595 49.96%
1 500405 50.04%10.000.000
0 4998332 49.98%
1 5001668 50.02%Viele Grüße
amos
Ich weiss, es geht mit dem Integral der
Gausskurve, aber ich finde auf die Schnelle weder Formel noch
Integral-Wertetabelle. Kann mir jemand helfen? ich tippe auf mehr als
99,99%.
Verteilung wird zu einem peak beim Erwartungswert
BerndBorchert
, Dienstag, 21.05.2013, 10:31 (vor 4659 Tagen) @ Amos
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 21.05.2013, 10:36
Ja, bei wenigen Würfen siehts aus wie ein Glocke
![[image]](http://extras.springer.com/2000/978-3-540-66509-0/html/content/binomi/images/index10.gif)
bei 100 wirds schon spitzer
![[image]](http://wiki.zum.de/images/a/aa/Liberté_Bildschirmfoto_2012-06-17_um_16.12.31.png)
bei 1000:
und bei 1 Million ist es dann tatsaechlich nur noch ein peak bei 500.000, wenn man auf der x Achse von 0 bis 1 Million geht, finde leider kein Bild.
Mit welchem tool hast Du die Werte für eine Million berechnet? geht das mit Excel? wenn ja, kannst Du die Formel posten?
Leider habe ich ja die Sicherheit, dass 2% Puffer (an ZB Geld) ausreichen, mit 99,99% ein bischen überschätzt (die 99.94% bedeuten, dass es an einem von 2000 Tagen schief geht). Ich muss also etwas zurückrudern, aber andererseits bleibt die Behauptung, dass ein vergleichsweise kleiner Puffer an ZB Geld reicht, wenn es sehr viele Ab- und Zuflüsse von ZB Geld gibt und die keinen Bias haben, bestehen.
VG Bernd Borchert
Edit: ich sehe gerade, dass Du im zweiten Posting gar nicht die Binomialverteilung beschrieben hast. Sondern was?
Es ist ständig mehr ZB-Geld notwendig
Amos
, Dienstag, 21.05.2013, 11:04 (vor 4659 Tagen) @ BerndBorchert
Hallo Bernd,
wenn Du mit ZB-Geld die Geldmenge M1 meinst, dann können wir ja seit 1970 eine ständige Ausweitung beobachten. Es ist also ständig mehr ZB-Geld notwendig!
Warum das so ist, wird m.E. hier gut erklärt:
http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/konjunktur.htm
Ich verwende folgende Funktion:
#!/usr/bin/perl
use strict;
my $numToss = 99; # The num of coin tosses per experiment
my $runs = 1000000; # 1 Million - the num of times we repeat the experiment
my $i; # a looping variable
my $j; # another looping var
my $toss; # Keeps running total of the number of 'Heads'
my @collect; # An array that keeps a total of the number of 'Heads'
# in all previous experiment.
my $percent; # To convert $collect[0] - $collect[19] to %
for ($j = 0; $j < $runs; $j++) {
# Inner loop: One run of 20 tosses
for ($i = 0; $i < $numTosses; $i++) {
$toss += (rand() < 0.5) ? 1 : 0;
#print "$toss\n";
}
$collect[$toss]++;
$toss = 0;
}
print "\nTails\tCount out of $runs\t%\n";
for ($i = 0; $i < $numTosses+1; $i++) {
$percent = sprintf "%.2f", $collect[$i] / $runs * 100;
print "$i\t$collect[$i]\t\t\t$percent%\n"
}
Viele Grüße
amos
M0 und M1
BerndBorchert
, Dienstag, 21.05.2013, 12:35 (vor 4659 Tagen) @ Amos
Hallo Amos, Du meinst M0, das ist das ZBG. M1 ist die Summe der Beträge auf Girokonten.
Zu Deiner Berechnung: ok, Du machst das empirisch. Aber was macht da die innere Schleife mit 99 Durchlaeufen? Sollte nicht umgekehrt die Schleife mit 1 Million Durchlaeufen mehrfach wiederholt werden, sagen wir 10.000 mal, um so zu so genauen Werten für die gefragte Wahrscheinlichkeit zu kommen?
Fragestellung nochmal: wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei 1 Million Münzwürfen das Ergebnis Wappen 490.000 mal bis 510.000 mal vorkommt.
Wenn man die Fragestellung direkt übersetzt, macht man das Experiment mit den 1 Million Münzwürfen einfach sehr oft, z.B. 10.000 mal, und schaut sich dann bei den 10.000 Ergebnissen an, wieviele davon zwischen 490.000 und 510.000 liegen.
Bernd Borchert
Wahrscheinlichkeit nahe 100%
Amos
, Dienstag, 21.05.2013, 13:54 (vor 4659 Tagen) @ BerndBorchert
Hallo Bernd,
Fragestellung nochmal: wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei 1 >>Million Münzwürfen das Ergebnis Wappen 490.000 mal bis 510.000 mal vorkommt.
Wenn Du nur eine Münze wirfst (nur eine gleichzeitige Kontobewegung) ist die Wahrscheinlichkeit nahe 100%.
Die Frage ist, entspricht das wirklich der Realität?
Ich vermute, es geht um mehrere Kontobewegungen zum gleichen Zeitpunkt, in meinem letzten Versuch habe ich mal 100 gleichzeitige Kontobewegungen simuliert (daher die 99er Schleife).
Ergebnis, bei den Münzen 0-24 kam bei 1 Mio Würfen kein einziges mal Kopf und bei den Münzen 74 bis 99 kam nur Kopf.
Wenn wir davon ausgehen, dass die Konten, bei unterschiedlichen Banken liegen, gleicht sich das vermutlich nicht mehr aus, oder?
Viele Grüße
amos
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32 157 0.02%
33 339 0.03%
34 626 0.06%
35 1116 0.11%
36 2076 0.21%
37 3517 0.35%
38 5525 0.55%
39 8745 0.87%
40 13012 1.30%
41 18618 1.86%
42 25855 2.59%
43 34217 3.42%
44 43570 4.36%
45 53477 5.35%
46 62157 6.22%
47 70721 7.07%
48 76482 7.65%
49 79730 7.97%
50 79691 7.97%
51 76545 7.65%
52 70360 7.04%
53 62482 6.25%
54 53259 5.33%
55 43691 4.37%
56 34271 3.43%
57 26012 2.60%
58 18690 1.87%
59 13080 1.31%
60 8661 0.87%
61 5672 0.57%
62 3278 0.33%
63 1971 0.20%
64 1050 0.10%
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Lebensvorgänge sind nicht durch Zufallsreihen abbildbar
Orlando
, Dienstag, 21.05.2013, 14:14 (vor 4659 Tagen) @ Amos
Ich will nur mal einwerfen, daß Lebensvorgänge, was von Menschen und menschengemachten Maschinen ausgelöste Zahlungsvorgänge nun einmal sind, sich NICHT wie Münzwürfe verhalten.
Dazu hat es etliche Untersuchungen gegeben, Preisreihen (Börsenkurse, Baumwollpreise) lassen sich nicht von Zufallsgeneratoren erzeugen, bzw. Zufallskurven sehen anders aus. Nachlesen kann man dazu bei Mandelbrot:
http://www.amazon.de/Fraktale-Finanzen-Märkte-zwischen-Rendite/dp/3492046320/ref=sr_1_1...
Zur Wahrscheinlichkeitsrechnung, eine hinreichend große Zahl von Münzwürfen liefert Ergebnisse mit annähernd 50:50. Das darf als gesichert gelten. Ab welcher Größe genau die große Zahl hinreichend wird, ist ungewiß. Wenn zwei Spieler fortwährend n-mal Münzen werfen, wird mal der Eine, mal der Andere gewinnen. Wenn man die Ergebnisse vieler Spiele notiert und in einen Graphen bringt, dann erhält man die Gauß'sche Glockenkurve. Die meisten Spiele werden in der Nähe von 50:50 ausgehen, und bilden damit den Bauch in der Mitte, aber einzelne wenige Spiele werden davon durchaus deutlich abweichen und bilden die Enden der Kurve.
Die Wahrscheinlichkeit bleibt sich gleich, aber die Zukunft des Einzelfalles ist immer wieder unvorhersehbar.
So, ich hab's mal gegoogelt
BerndBorchert
, Dienstag, 21.05.2013, 18:26 (vor 4659 Tagen) @ Orlando
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 21.05.2013, 18:34
Wenn man eine faire Münze 1 Million mal wirft und Wappen als Erfolg zählt, dann ergibt sich die Binomialverteilung. Die Standardabweichung sigma dafür ist 1/2 Wurzel von 1 Million, also 500. Bekannt ist, dass in der Umgebung von 3*sigma 99,7 Prozent aller Ereignisse liegen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Formelsammlung_Stochastik
http://www.brinkmann-du.de/mathe/gost/stoch_01_14.htm
D.h., mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,7 Prozent liegt das Saldo am Schluss zwischen 498.500 und 501.500. Für das Intervall 495.000 bis 505.000 sollte die Wahrscheinlichkeit bei weit mehr (im Sinne von noch mehr 9en) als 99.99 Prozent liegen.
Es kommt auch nicht so genau drauf an. Es geht ja nur darum: Wenn die Hin- und Her-überweisungen gut verteilt sind und es viele sind und es vom Betrag keine Ausreisser gibt, dann braucht man nur einen im Vergleich zum Gesamtbetrag minimalen Puffer.
Bernd Borchert
Amos, was meinst Du mit den 100 gleichzeitigen Überweisungen?
mathematischen Modelle bilden die Realität oft nicht richtig ab
Amos
, Dienstag, 21.05.2013, 19:09 (vor 4659 Tagen) @ BerndBorchert
Hallo Bernd,
Amos, was meinst Du mit den 100 gleichzeitigen Überweisungen?
Ich denke Orlando bzw. Mandelbrot haben Recht, unsere mathematischen Modelle bilden die Realität oft nicht richtig ab.
Deine Annahme im Ausgangsposting, dass die Wahrheit in der Mitte liegt halte ich jedoch für richtig.
Viele Grüße
amos
Vernichtungsorgie
Liated mi Lefuet
, Dienstag, 21.05.2013, 18:24 (vor 4659 Tagen) @ BerndBorchert
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 21.05.2013, 19:15
Hi Bernd
Angenommen Du wirfst die Münze “n" mal lautete das Ergebnis bei
n=1’000’000o etwa sqrt(1’000’000*2/pi) ≈ 797.8845608...
was bedeutet diese Zahl?
Die Mathematiker nennen die Zahl "trocken" <<Delta_n>>. Sie spielt eine immens wichtige Rolle in der Naturwissenschaft, der Wahrscheinlichsrechung bzw. sogen. Stochastik, die den Zufall nicht bändigt (wie manche glauben), sondern seinen Einfluss untersucht. Statt Delta_n könnte man "natürliche Zufallsgrenze" (NZG) sagen. (Vorschlag: Wir gebrauchen den Begriff mal so).
Die NZG stellt eine naturgesetzliche Barriere dar, die niemand überwinden kann. (Analogie: Man kann die tiefste Temperatur ca. -273.15.... Grad Celsius von Etwas nicht noch kälter machen oder Licht nicht schneller als Lichtgeschwindigkeit).
Anschaulich kann man das “Erscheinen†dieser NZG -also Delta_n - mit einem Galton-Brett erklären und via einen *kleinen* Umweg herleiten und verstehen. Hier zuerst ein guter Film zum Galton-Brett: http://www.youtube.com/watch?v=3m4bxse2JEQ . Unbedingt zuerst anschauen.
Das Galton-Brett kann man in drei Varianten "füllen". (Der Film zeigt zweimal Variante 2).
o 1. ich stecke n/2 schwarze Kugeln (“Materieâ€), dann Du n/2 rote Kugeln (“Antimaterieâ€).
o Oder: (2. Wir wechseln laufend regelmäßig ab. Zuerst ich, dann Du. Wieder ich, dann Du usw.
o Oder: (3. Wer bestimmen Schritt für Schritt per Münzwurf wer Kugel oben hinein steck darf. Ich, Zahl. Du Kopf.
Bei Variante 1 fällt jede meiner schwarzen Kugeln auf einem völlig individuellen Zick-Zack-Weg -eben zufällig- dann am untersten Ende des Brettes in ganz bestimmtes Löchlein von n Löchlein durch in entsprechend Schlitz in das entsprechende –durchsichtige- Zählrohr. Nur die Zählröhrchen links und rechts gruppiert in der Nähe der Mitte werden gefüllt: Alle gefüllten Zählrohre bilden am Schluss zusammen de schwarze glockenförmige Form nach: Die Glockenkurve von Gauß, schön zu sehen im Film. Aber dann kommts: Du lässt nun die roten Kugeln eine nach der andern via Galton-Brett fallen und es gibt "Action": Es kommt zur einer "Vernichtungsorgie" :Denn sobald eine der roten Kugeln durch den Schlitz auf eine schwarz stösst, lösen sich beide im Zählrohr restlos auf. Du fährst fort. Jede rote Kugel zerstört (nur) *eine* schwarze (was der Film nicht zeigt). Am Schluss bleibt nach der "Zerstörungsorige" ein winziger Rest übrig: Delta_n. Also beispielsweise. 798 rote und ca. 798 schwarzen Kugel “überlebten†in Zählrohren bei n/2=500’000 Kugeln, d.h. nach dem meine 500’000 schwarzen bzw. danach deine 500’000 roten Kugeln durchs Galton brett abwärts “getorkelt†sind.
Variante 2: Wie entleeren zuerst allle Zählröhrchen bevor wieder starten. Wegen dem Zufall wiederum aber mit völlig andern Zick-Zack-Wegen geschieht genau das selbe wie bei Variante 1.
Variante 3. Zeigt keinen nennenswerten Unterschied zu Varianten 1 & 2. Ausser dass ich wegen dem Münzen werfen -sagen wir aus der Luft geholt- 499’881 schwarze und Du 500’119 rote Kugeln in GaltonBrett gesteckt und das fifty-fifty um einen winzigen Tick “verzerrt†haben.
Freundlicher Gruss
Liated
PS: Falls Du es möchtest, erkläre ich Dir dasselbe nochmals einen Schritt weiter. Aber ohne rote und schwarze Kugelnâ€. Also zwar abstrakter, aber ganz sicher nicht schwieriger wie obiges Beispiel.
Man braucht soviel Puffer wie der höchste Stand im Laufe des ganzen Spiels, nicht nur der am Schluss
BerndBorchert
, Dienstag, 21.05.2013, 19:50 (vor 4659 Tagen) @ Liated mi Lefuet
Wenn eine rote und eine schwarze Kugel in einem der vielen Röhrchen sich gegenseitig aufheben, dann hat das mit dem Saldierungsproblem und dem Spiel mit dem Euro nichts zu tun.
Wenn Du nur ein Röhrchen nimmst und dann die Münze wirfst und je nach Ergebnis eine rote oder schwarze Kugel reinwirfst, dann passt das Model fast.
Allerdings ist das immer noch nicht die richtige Modellierung für die Frage, wieviel Euros ein Spieler im Portemonnaie haben muss. Dazu muesste eine Art Boje anzeigen, wie hoch der bisherige höchste Stand einer Kugel im Röhrchen im ganzen Spiel war. Denn das ist der Betrag, den einer der Spieler in dem Moment im Minus ist und in der Tasche haben muss.
Bernd Borchert
Zu jedemZeitpunkt simultan:Je (k)eine stimmige Aussage möglich
Liated mi Lefuet
, Dienstag, 21.05.2013, 21:38 (vor 4658 Tagen) @ BerndBorchert
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 21.05.2013, 22:37
Wenn eine rote und eine schwarze Kugel in einem der vielen Röhrchen sich
gegenseitig aufheben, dann hat das mit dem Saldierungsproblem und dem Spiel
mit dem Euro nichts zu tun.
Doch, doch. Das Saldierungsproblem via Münze werfen -wie von mir beschrieben- findest Du im Mathe-Lehrbuch "Stochastik, Struktur im Zufall" von Holger Knöpfel & Matthias Löwe. Statt eine Münze wie die Autoren dieses Buches, nehmen wir besser einen 6er-Würfel (um gedanklich nicht in eine Konfusion mit der 1-Euro-Münze geraten). Erwürfelst Du eine der geraden Zahlen, hast Du einen 1 Euro von mir zu gut, den ich Dir Schulde, bei ungeraden Zahlen ist es umgekehrt. Der Spielsaldo (=SYSTEMSALDO) entwickelte sich z.B so.
pS=per SAldo
Nach 1.Wurf:: Du bist mit +1 pS verguthabt , ich mit -1 pS verschuldet
Nach 2. Wurf: Du bis mit +2 pS verguthabt, ich mit -2 pS verschuldet
Nach 3. Wurf: Du bist mit +3 pS verguthabt, ich mit -3 pS verschuldet
Nach 4. Wurf: Du bist mit -2 pS verguthabt, ich mit -2 pS verschuldet
usw.
Nur der laufende SYSTEMSALDO(i.e.Bilanzsumme) kann näherungsweise grob bestimmt werden (das ist eine stimmige Aussage/Prognose). Aber natürlich n_i_c_h_t, WER wer von uns beiden gewinnt, i.S. wer von als "Verguthabter" dasteht (keine stimmige Aussage/Prognose möglich): Und das zu jedem Zeitpunkt simultan. Also durchaus das, was Orlando, Amos völlig zu Recht zu Modellen sagten, und das ich so formuliere: Seriöse Mathematik ist keine Zauberei, die Zukunft voraussagen will und kann. Anders gesagt: Einer von beiden Spieler würde zufällig langfristig bevorzugt. WER kann man nicht modellieren(*). Das kapieren jene nicht, die mit Randwalk-Modell der ZUFÄLLIGEN PREISSCHWANKUNGEN laufend abkassieren wollen. (Stichwort: Taleb Nassim: Der Schwarz Schwan)
(*)Sogen. ArcSin-Law. ArcusSinus Gesetz
Unser Spiel zu zweit sähe so aus. Die gelbe Kurve symbolisiert die von Dir vorgeschlagene "Boje", die sowie nicht sagt wie BArgeld-Münzen man bräuchte, weil die Kurve Richtung unendlich divergiert ('ausufert').
Noch ein zwei weitere Graphen,:
Zuerst ein Spiel=Simulation jetzt mit 10 Teilnehmern, aus denen ein Zufallsgenerator paarweise Geschäftspartner aussucht), Hier "fiten" die gelben Kurve schon besser mit den System-Saldokurven. Nicht vorausgesagt werden kann, wie sich die individuellen Kontostände entwickeln. (Analogie: Man kann nicht voraussagen, wann ein bestimmtes Atom eines radioaktiven Materials zerfällt. Sondern nur wie sich das SYSTEM "Radioaktiven Material" langfristig verhält).
Bei der zweiten 100-Konten-Simulation sind die Kontostände weggelassen, weil sie
"optisch" nicht viel her geben. Die gelben Kurven fiten jetzt noch besser.
Maßstab
BerndBorchert
, Mittwoch, 22.05.2013, 12:45 (vor 4658 Tagen) @ Liated mi Lefuet
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 22.05.2013, 12:55
Hallo Teufel im Detail,
also die gelbe Kurve ist der Erwartungswert dieses Maximalwertes, der in dem Beispiel ca. 29 ist (bei ca. x=1200). Danke übrigens für dieses Know-how, das mit diesem Erwartungswert wusste ich nicht.
Der Maßstab Deines Diagramms gefällt mir nicht, denn es wird nicht deutlich, dass die Kurve sich in einem Mini-Korridor um den Erwartungswert herum bewegt. Und das ist ja genau das Thema. Wenn Du die y Achse genau so abtragen würdest wie die x Achse, würde man es "sehen".
Bernd Borchert
Sorry, Bernd: Mir ist ein Fehler unterlaufen
Liated mi Lefuet
, Mittwoch, 22.05.2013, 09:06 (vor 4658 Tagen) @ Liated mi Lefuet
Sali Liated; -) und Bernd
Richtig wäre je 1 Million rote + schwarze Kugeln "müssen" durch das Galton-Brett, damit "die Rechnung stimmt", da gilt:
für k=1 bzw. n=1'000'000: delta_n = sqrt(2'000'000*1/pi)=797.8846...
für k=2 bzw. n=1'000'000: delta_n = sqrt(1'000'000*2/pi)=797.8846..
Gruss an Dich Liated und an Dich Bernd
von Liated ; - )
Zahlungsverkehrs-Evergreen
paranoia
, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Montag, 20.05.2013, 00:16 (vor 4660 Tagen) @ BerndBorchert
Hallo BerndBorchert!
Interessierst Du Dich eigentlich auch speziell und auch beruflich für Überweisungen zwischen Nichtbanken?
Hallo Ashitaka, wir sind ja der gleichen Meinung, dass nämlich die Annahme
des Vortragenden aus dem Video falsch ist.Allerdings scheinst Du mir das Gesetz der großen Zahl zu unterschätzen.
Wenn Du und ich 1 Million Mal eine Münze werfen und Du bekommst bei Zahl
einen Euro von mir und ich bei Wappen einen von Dir, wieviele Euros
müssten wir beide jeweils als Puffer im Portemonnaie haben, um das Spiel
durchführen zu können? nicht mehr als ein paar 1000, also keinesfalls
1.000.000 oder 100.000, nicht mal 10.000. Also weniger ein Prozent des
maximal möglichen. Alles andere ist praktisch ausgeschlossen (es kann
theoretisch vorkommen, aber praktisch niemals - es sei denn, die Münze hat
einen Bias)Genauso schwankt das bei Millionen von Rein- und Raus-Überweisungen,
unter der Annahme, dass sie unabhängig sind. Der Wert des Saldos ist dann
vernächlässigbar im Vergleich zur Gesamtsumme, und das in jedem
Zeitpunkt.Wenn für eine Bank die Rein- und Raus-Überweisungen so schön verteilt
sind (könnte ja für die eine oder andere Bank so sein), dann braucht die
Bank nur den vernachlässigbaren Puffer zu refinanzieren, no? Und in dem
Fall wäre fast der volle Kreditzins ihr Profit, nicht nur die Differenz
von Kredit- und Refinanzierungszins, no?Bernd Borchert
Deine Überlegung beinhaltet eine wichtige Annahme. Gilt die?
Gruß
paranoia
--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.
Meinst Du Unabhängigkeit, oder fehlenden Bias?
Naclador
, Göttingen, Montag, 20.05.2013, 01:11 (vor 4660 Tagen) @ paranoia
Im Regelfall ist für große Banken wohl beides näherungsweise erfüllt. In Zeiten der KRISE (TM) sind für viele u.a. Südeuropäische Banken wohl beide Voraussetzungen nicht erfüllt. Und eben daraus resultiert ja deren Rettungsbedarf.
--
Hanlon's Razor: "Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity."
Naclador's Corrolary: "Recognize when stupidity is not an adequate explanation."
Zahlungsverkehrs-Evergreen II
paranoia
, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Montag, 20.05.2013, 01:40 (vor 4660 Tagen) @ Naclador
Hallo Naclador!
Im Regelfall ist für große Banken wohl beides näherungsweise erfüllt.
In Zeiten der KRISE (TM) sind für viele u.a. Südeuropäische Banken wohl
beide Voraussetzungen nicht erfüllt. Und eben daraus resultiert ja deren
Rettungsbedarf.
Nein, das meine ich nicht.
Der Liated ignoriert den Zusammenhang auch gerne, weil er so gerne seinem Nettingfetisch huldigt, das paßt so gar nicht ins Wunschbild.
Gruß
paranoia
--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.
Ich (er)finde: Sehr nett, dass Dich Netting so offenkundig begeistert:-), Paragioa;-) (oT)
Liated mi Lefuet
, Montag, 20.05.2013, 18:36 (vor 4660 Tagen) @ paranoia
- kein Text -
Petting begeistert mich noch mehr (oT)
paranoia
, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Montag, 20.05.2013, 18:41 (vor 4660 Tagen) @ Liated mi Lefuet
- kein Text -
--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.
Anmerkungen
Ashitaka
, Montag, 20.05.2013, 10:07 (vor 4660 Tagen) @ BerndBorchert
bearbeitet von unbekannt, Montag, 20.05.2013, 10:20
Hallo Ashitaka, wir sind ja der gleichen Meinung, dass nämlich die Annahme
des Vortragenden aus dem Video falsch ist.
Ja.
Allerdings scheinst Du mir das Gesetz der großen Zahl zu unterschätzen.
Wenn Du und ich 1 Million Mal eine Münze werfen und Du bekommst bei Zahl
einen Euro von mir und ich bei Wappen einen von Dir, wieviele Euros
müssten wir beide jeweils als Puffer im Portemonnaie haben, um das Spiel
durchführen zu können? nicht mehr als ein paar 1000, also keinesfalls
1.000.000 oder 100.000, nicht mal 10.000. Also weniger ein Prozent des
maximal möglichen.
Bei deinem Beispiel hast du natürlich recht. Aber vergleiche dieses doch bitte mit den Transaktionen zwischen den Geschäftsbanken. Betraglich kommen solch gravierende Schwankungen ins Spiel, dass die immer selbe Voraussetzung (1 Euro hin und her) nie gegeben ist. Der unberechenbare, voluminöse Rahmen, welcher am Ende verrechnet werden soll, ist nur in Ausnahmefällen von nahezu identischen Zu- und Abtransferierungen gezeichnet.
Wenn für eine Bank die Rein- und Raus-Überweisungen so schön verteilt
sind (könnte ja für die eine oder andere Bank so sein), dann braucht die
Bank nur den vernachlässigbaren Puffer zu refinanzieren, no? Und in dem
Fall wäre fast der volle Kreditzins ihr Profit, nicht nur die Differenz
von Kredit- und Refinanzierungszins, no?
Wenn es so wäre. Aber ein Großteil läuft brutto, deshalb, weil die Steuerungspolitik jeder Geschäftsbank nicht nur auf den Zahlungsverkehr blickt, sondern bereits bei der Kreditvergabe ansetzt. Wenn dem Kreditantrag über 10 Mio. für Wohnungsbau zugestimmt wurde, dann hat die GB ein wissentliches Liquiditätsrisiko (schließlich bei jeder Kreditaufnahme gegeben). Der Kreditnehmer kann jederzeit die 10 Mio. anweisen, weshalb die Steuerungspolitik hier sofort auf die Besicherung schielt und es brutto vornehmen muss. Stell es dir so vor, als wenn zwischen den Geschäftsbanken IMMER eine Besicherung des Geschäfts über ZBG vorgenommen werden soll. Der Bedarf der Besicherung (ZBG) ist IMMER vorhanden, unabhängig davon, ob die Geburtstagsgäste dann eigenen Kakao und Kuchen zur Sicherheit mitbringen. Dass die Notwendigkeit der Bereithaltung bei berechenbaren Zu-/Abflüssen (die täglichen Daueraufträge und Kleingebimmel etc.) durch Saldierung zum Ende der Verrechnung gemindert wird, ist richtig. Dies ist aber nur ein kleiner und nicht übergewichtig vorkommender Teilaspekt einer größeren Systematik.
Besicherung
Zurück zu den Kreditverträgen und deren risikobehafteten Auszahlung/ Überweisung: Wenn sie sich also refinanziert, dann kann sie dies nur über eine Laufzeit bis zum Rückübertragungstermin des Geschäftes vornehmen. Die ZBG-Summe wird also nicht auf Knopfdruck gesteuert, sondern ist an konkrete Laufzeiten der hinterlegten Pfänder geknüpft.
Ich habe, nicht bei dir, aber bei einigen anderen Forenmitgliedern immer wieder den Eindruck, als wenn man die Besicherung von Schulden einfach als gegenstandslos betrachten könnte. So als wäre Geld etwas, dass jeder erfinden könnte, weil es niemanden bräuchte, der die Schuld, für Zwecke der Zession an Dritte, besichert.
Frühestens mit jedem Kredittitel, spätestens mit jeder Ab-/Zubuchung von Bankguthaben ensteht jedoch dieses systematisch notwendige Problem der Besicherung.
Gäbe es kein ZBG, dann hätte unser alltägliches Geld keinerlei Bedeutung. Unser heutiges Geld (ZBG) ist eben deshalb so stark, weil es die Zentralbank, als staatliches Machtderivat, immer zur Rückkehr zwingen kann. Das ist es, was die Eigenschaft "Geld" (Gültigkeit) heutzutage sagen will.
Grüße dich herzlich,
Ashitaka
PS: Ich hoffe, dass dem ein oder anderem hier verständlich wird, weshalb wir uns von dieser Annahme (GBG funktioniere auch ohne ZBG) verabschieden müssen.
Ich habe mittlerweile den Eindruck gewonnen, dass wir ähnlich der Unterscheidung zwischen der neoklassischen Tauschtheorie und der real nur vor-findbaren Schuld (eben weil niemals beide Seiten "zeitgleich" erfüllen), einem Trugschluss aufsitzen, der uns noch Jahre kosten könnte.
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Geld-Rückkehr
Leserzuschrift
, Montag, 20.05.2013, 17:31 (vor 4660 Tagen) @ Ashitaka
Unser heutiges Geld (ZBG) ist eben deshalb so stark, weil es die Zentralbank, als staatliches Machtderivat, immer zur Rückkehr zwingen kann.
Das ist reiner Aberglaube.
Da kann Uncle Sam noch so sehr mit den Muskeln spielen, solange beispielsweise die Argentinier ihre zig Milliarden unter "Matratzen" gebunkerten US-Dollar nicht freiwillig wieder herausrücken, bleibt der FED nur der Gang zur Druckerpresse, um die Lücke zu füllen.
Und der EZB geht es mit all den "Schwarz"-Euros genauso. Gerade die 500-Euro-Scheine erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit, weil man damit sechs- und siebenstellige Geldbeträge platzsparender lagern und transportieren kann als mit 100-Dollar-Noten.
Unser heutiges Geld ist von Grund auf falsch "konstruiert". Die Schuld, mit der es auf die Welt kommt, besitzt eine Fälligkeit, das Geld selbst dagegen nicht. Damit sind Bankenpleiten geradezu vorprogrammiert, denn in diesem System spielen die Geschäftsbanken ständig Reise nach Jerusalem, weil ein Teil der ans Publikum ausgegebenen Gelder in "dunklen" Kanälen versickert und ihnen dadurch für die Rückgabe an die ZB fehlt.
Geld "selbst" gibt es nicht.
Ashitaka
, Montag, 20.05.2013, 20:16 (vor 4660 Tagen) @ Leserzuschrift
bearbeitet von unbekannt, Montag, 20.05.2013, 21:03
Hallo werter Leser,
Unser heutiges Geld (ZBG) ist eben deshalb so stark, weil es die
Zentralbank, als staatliches Machtderivat, immer zur Rückkehr zwingen
kann.Das ist reiner Aberglaube.
Was, das es stark ist? Wir haben ein Geldsystem, das bis zu seinem Ende funktioniert. Eben deshalb, weil es ein Derivat der Staatsmacht ist, ohne die nicht einmal das Fundament auf dem es erbaut worden ist (Haftungsräume, Rechtsräume) mehr funktionieren könnte.
Da kann Uncle Sam noch so sehr mit den Muskeln spielen, solange
beispielsweise die Argentinier ihre zig Milliarden unter "Matratzen"
gebunkerten US-Dollar nicht freiwillig wieder herausrücken, bleibt der FED
nur der Gang zur Druckerpresse, um die Lücke zu füllen.
Ja, das uns allen bekannte Aufschulden. Damit ist aber nicht die von mir beschriebene Rückkehrerzwingung angesprochen. Titel haben Laufzeiten und zum Ende der Laufzeit kehrt in unserem ZBG-System das ZBG+Abgabe auch zur Zentralbank zurück. Klar kann dies nur durch stetig wachsende Neuverschuldung funktionieren, aber die bereits hinterlegten Titel müssen zum Termin ausgelöst werden. Das ganze Zentralbanksystem basiert im Kern auf dieser Rückübertragungsverpflichtung zum Termin. Sonst bräuchte die ZB nicht einmal bilanzieren, sondern gibt alles was sie hat und setzt uns den Lauf vor den Kopf.
Und der EZB geht es mit all den "Schwarz"-Euros genauso. Gerade die
500-Euro-Scheine erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit, weil man damit
sechs- und siebenstellige Geldbeträge platzsparender lagern und
transportieren kann als mit 100-Dollar-Noten.
Jetzt machen wir gerade den Sprung auf die Einzelfallebene (damit meine ich auch Millionen Einzelfälle). Klar wird überall Geld schwarz gebunkert. Das sorgt aber nur dann für zusätzliche Aufschuldungen, wenn es dem EURO-Raum dauerhaft entzogen wird. Gegen Aufschulden habe ich nichts. Solange bleibt die Temperatur in unserem EURO-Raum noch einigermaßen erträglich.
Unser heutiges Geld ist von Grund auf falsch "konstruiert". Die Schuld,
mit der es auf die Welt kommt, besitzt eine Fälligkeit, das Geld selbst
dagegen nicht.
das Geld "selbst"?!
Wenn mein Immobiliendarlehen oder die refinanzierte Anleihe der Bank morgen fällig wird, dann muss Geld her, damit wir tilgen können. Geld ist ein abstraktes Inhaberpapier (BGB), es unterliegt keiner Gattungsschuld und kann niemals einen Termin haben. Welchen Termin sollte es auch haben?!
Geld "als solches" ("selbst") gibt es nicht!
Oder sollte die GB einen Kreditvertrag aufsetzen, in dem ausdrücklich erwähnt wird, dass genau diese gutgeschriebene Gattung "Geld" (z.B. ausdrücklich 100 x 500 EUR-Scheine mit der Kennung xyZ, gedruckt am tt.mm.jjjj) zum Termin zurückzugeben werden muss?!
Da Geld selbst nicht exisitiert, es also keinen Termin haben kann, erkenne ich auch nicht, weshalb es falsch sein sollte. Es funktioniert genau solange, wie es funktionieren (Aufschuldung, Wahnsinn im Staate fängt mit dem Wahlsieg der Grünen an) kann. Die Verfügung über Geld unterliegt jedoch Fristigkeiten.
Damit sind Bankenpleiten geradezu vorprogrammiert, denn in
diesem System spielen die Geschäftsbanken ständig
Reise nach
Jerusalem, weil ein Teil der ans Publikum ausgegebenen Gelder in
"dunklen" Kanälen versickert und ihnen dadurch für die Rückgabe an die
ZB fehlt.
Nach ausreichend Lesestunden im alten und gelben Forum wird einem klar, dass dies alles nur Auswirkungen eines Geldsystems sind. Es ist aber nicht der Antrieb, welcher es unaufhaltsam in die Knie zwingen wird. Bankenbashing ist Karrikatur. Das eigentliche Problem wird unsichtbar, die Staatsmacht.
Im Debitismus gibt es für jeden seine Reise.
Grüße,
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Geld, die Zweite
Leserzuschrift
, Dienstag, 21.05.2013, 11:41 (vor 4659 Tagen) @ Ashitaka
>>> Unser heutiges Geld (ZBG) ist eben deshalb so stark, weil es die Zentralbank, als staatliches Machtderivat, immer zur Rückkehr zwingen kann.
>> Das ist reiner Aberglaube.
> Was, das es stark ist?
Nein. Der Aberglaube ist, dass die ZB das Geld zur Rückkehr zwingen kann.
Die einzige Möglichkeit, mit der eine ZB ihr ZBG zurück ins Körbchen "zwingen" kann, besteht darin, den Reset-Knopf zu drücken, sprich: in einer Währungsreform.
Und selbst dann kommt nicht alles altes Geld zurück. Es gibt ja auch noch Münzsammler und vergessene Schätze...
> Wir haben ein Geldsystem, das bis zu seinem Ende funktioniert.
Diese Binsenweisheit gilt für jedes System. Der Krug geht halt solange zum Wasser, bis er bricht.
>> Da kann Uncle Sam noch so sehr mit den Muskeln spielen, solange beispielsweise die Argentinier ihre zig Milliarden unter "Matratzen" gebunkerten US-Dollar nicht freiwillig wieder herausrücken, bleibt der FED nur der Gang zur Druckerpresse, um die Lücke zu füllen.
> Ja, das uns allen bekannte Aufschulden.
Quantitative easing in all seinen Spielarten.
> Damit ist aber nicht die von mir beschriebene Rückkehrerzwingung angesprochen. Titel haben Laufzeiten und zum Ende der Laufzeit kehrt in unserem ZBG-System das ZBG+Abgabe auch zur Zentralbank zurück.
Und Letzteres ist eben genau der Aberglaube.
Damit die Geschäftsbanken das Geld überhaupt an die ZB frist-gerecht zurück geben können, müssten sie in der Lage sein, es bei den Nicht-Banken wieder einzusammeln. Das ist ohne deren "Kooperation" unmöglich.
> Klar kann dies nur durch stetig wachsende Neuverschuldung funktionieren, ...
Im heutigen Geldsystem.
Das ist aber nicht zwingend. Man kann Geld auch so konstruieren, dass das System nicht alle paar Jahrzehnte aus den Fugen gerät.
> ... aber die bereits hinterlegten Titel müssen zum Termin ausgelöst werden.
Ja. Und wenn einer Bank dazu das Kleingeld fehlt, hat die ZB genau zwei Optionen: die GB über die Klinge springen lassen oder großzügig "umschulden".
> Klar wird überall Geld schwarz gebunkert. Das sorgt aber nur dann für zusätzliche Aufschuldungen, wenn es dem EURO-Raum dauerhaft entzogen wird.
Nein. Nicht dem Euro-Raum, sondern den Banken entzogen -- das ist der springende Punkt.
>> Unser heutiges Geld ist von Grund auf falsch "konstruiert". Die Schuld, mit der es auf die Welt kommt, besitzt eine Fälligkeit; das Geld selbst dagegen nicht.
> das Geld "selbst"?!
Exakt.
Silvio Gesell war schon auf der richtigen Spur. Leider kannte er den Debitismus noch nicht und beging den Fehler, mit seiner "Umlaufgebühr" das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen.
> Geld ist ein abstraktes Inhaberpapier (BGB), es unterliegt keiner Gattungsschuld und kann niemals einen Termin haben.
Konstruktionsfehler.
> Welchen Termin sollte es auch haben?!
Den seiner Fälligkeit.
Geld ist ein Staatsderivat. Es ist jenes ominöse Etwas, mit dem man seine Steuer- und Abgabenschulden tilgen kann.
Es steht dem Staat frei, sein Zahlungsmittel zu definieren. Also kann er seinem Geld auch einen Termin mitgeben.
Beispiel:
Üblicherweise unterliegt der Staatshaushalt einem Jahresrhythmus. Man könnte also festlegen, dass die Steuern für 2013 nur mit Scheinen bezahlt werden können, die den Aufdruck "2013" tragen. Dieses Geld wird vom Finanzamt bis Ende Mai 2014 zum Nennwert angenommen, danach nur mit stetig wachsendem Abschlag (Verzugszinsen).
Der Staat zahlt seinen Beamten, Angestellten und Pensionären spätestens im Dezember 2013 bereits mit "2014"-er Geld, so dass im Januar pünktlch die Steuern des nächsten Jahres beglichen werden können.
Giroguthaben würden natürlich ein paar Bits mehr besitzen, um das Jahr zu speichern. Und die Banken würden dann die "Fristtransformation", mit der Guthaben von einem Jahr auf das nächste "gerettet" werden, als zusätzlichen Service anbieten.
> Oder sollte die GB einen Kreditvertrag aufsetzen, in dem ausdrücklich erwähnt wird, dass genau diese gutgeschriebene Gattung "Geld" (z.B. ausdrücklich 100 x 500 EUR-Scheine mit der Kennung xyZ, gedruckt am tt.mm.jjjj) zum Termin zurückzugeben werden muss?
Nicht nötig. Private Kreditverträge können weiterhin mit der Gattung "Geld" arbeiten, denn der Staat legt per Gesetz fest, dass - sofern nicht anders vereinbart - die Tilgung mit dem Geld des jeweiligen Jahres zu erfolgen hat.
Geld kehrt immer zurück
Ashitaka
, Dienstag, 21.05.2013, 18:10 (vor 4659 Tagen) @ Leserzuschrift
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 21.05.2013, 18:23
Nein. Der Aberglaube ist, dass die ZB das Geld zur Rückkehr zwingen
kann.
Nein?! Wie sonst könnte ein Titel bei ihr ausgelöst werden. Weil wir ständig aufschulden und die Geldsumme steigt bedeutet dies nicht, das nicht ständig ZBG zur ZB zurückkehrt und gegen Hinterlegung neuer Titel kein neues und mehr ZBG entsteht. Man denkt da zu schnell, zu einfach drüber. Hier ist das alles schon durchgekaut worden.
Die einzige Möglichkeit, mit der eine ZB ihr ZBG zurück ins Körbchen
"zwingen" kann, besteht darin, den Reset-Knopf zu drücken, sprich: in
einer Währungsreform.
Ich merke schon. Du gehst davon aus, dass ZBG, einmal draußen, draußen bleibt. Vielleicht "läuft es auch noch umher". Beachte bitte, dass die hinterlegten Titel am Ende ihrer Laufzeit nur wieder gegen ZBG ausgehändigt werden. Alles andere sind neue Geschäfte, nachdem die Summe des ZBG i.H. des hinterlegten Titels + Aufschlag zur ZB zurückgekehrt ist.
Und selbst dann kommt nicht alles altes Geld zurück. Es gibt ja auch noch
Münzsammler und vergessene Schätze...
Wenn die Währungsreform gelaufen ist, dann ist das alte Geld kein Geld.
>> Unser heutiges Geld ist von Grund auf falsch "konstruiert". Die
Schuld, mit der es auf die Welt kommt, besitzt eine Fälligkeit; das Geld
selbst dagegen nicht.
> das Geld "selbst"?!Exakt.
Silvio Gesell war schon auf der richtigen Spur. Leider kannte er den
Debitismus noch nicht und beging den Fehler, mit seiner "Umlaufgebühr" das
Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen.
Es gibt kein Geld "als solches". Es ist ein Inhaberpapier, dessen verbriefter Anspruch, ständig erneuert wird (Kredittitel haben Laufzeiten). Der Schein oder die Münze, unabhängig davon ob sie nun von der Bank ferngehalten werden oder nicht, sie sind belanglos, wenn nicht ständig neu besichert wird (neue Kredittitel mit neuen Laufzeiten hinterlegt werden). Der von uns "mittels dieses Inhaberpapiers" abgeleitete Wert (Funktion als Wertmesser) wäre ohne hinterlegte Titel schnell verschwunden; das Vertrauen würde sofort schwinden, könnten die Geschäftsbanken unabhängig von der Hinterlegung und Auslöse der Hinterlegten Papiere Geld schöpfen. Deshalb können sie es nicht. Sie können soviel Guthaben auf Geld buchen wie sie wollen. Ich buch mir jetzt, dass ich 10 Urlaube dieses Jahr gut habe und schau mal wie meine Frau reagiert.
> Welchen Termin sollte es auch haben?!
Den seiner Fälligkeit.
Seit wann wird Geld fällig? Eine Schuld wird fällig, aber kein Geld. Steht da ein Datum drauf, an dem das konkrete Inhaberpapier bei XY abzuliefern ist oder automatisch verfällt?! Fälligkeiten sind nur bei Schulden gegeben. Geld ist dem gegenüber an Fristigkeiten bzgl. seiner Verfügung gebunden.
Geld ist ein Staatsderivat. Es ist jenes ominöse Etwas, mit dem
man seine Steuer- und Abgabenschulden tilgen kann.
Ja, genauer, Geld ist die Eigenschaft des "Etwas" mit dem man Abgabeschulden tilgen kann. Das "Etwas" aber war "Gerste, Vieh, Wolle, Metalle, Silber" und ist heute ein im "Inhaberpapier" verbrieftes, ergo ein darin verborgenes, anonymisiertes Anrecht am Eigentum aller Kreditnehmer und der gegenzeichnenden Gläubigerbanken. Beim Staat ist es die Besteuerungsfähigkeit der Bürger, welche schon per se anonym ist.
Es steht dem Staat frei, sein Zahlungsmittel zu definieren. Also
kann er seinem Geld auch einen Termin mitgeben.
Da bin ich gespannt.
Beispiel:
Üblicherweise unterliegt der Staatshaushalt einem Jahresrhythmus. Man
könnte also festlegen, dass die Steuern für 2013 nur mit Scheinen bezahlt
werden können, die den Aufdruck "2013" tragen. Dieses Geld wird vom
Finanzamt bis Ende Mai 2014 zum Nennwert angenommen, danach nur mit stetig
wachsendem Abschlag (Verzugszinsen).
Das ist kein Termin im Sinne des Schuldrechts, sondern eine kalte Enteignung. Das international zwingend notwendige Vertrauen in die Währung wäre sofort hin. Die Institute und Versicherungen würden sich abwenden. Wer finanziert dann unsere Schulden?
> Oder sollte die GB einen Kreditvertrag aufsetzen, in dem
ausdrücklich erwähnt wird, dass genau diese gutgeschriebene Gattung
"Geld" (z.B. ausdrücklich 100 x 500 EUR-Scheine mit der Kennung xyZ,
gedruckt am tt.mm.jjjj) zum Termin zurückzugeben werden muss?Nicht nötig. Private Kreditverträge können weiterhin mit der Gattung
"Geld" arbeiten, denn der Staat legt per Gesetz fest, dass - sofern nicht
anders vereinbart - die Tilgung mit dem Geld des jeweiligen Jahres zu
erfolgen hat.
Das hat nichts mit Geldwirtschaft zu tun, das sind verfassungsrechtlich unmögliche Eingriffe in das Eigentumsrecht eines jeden Bundesbürgers, nichts anderes als Enteignungen.
Geld wird auch deshalb dem Sachenrecht untergeordnet, weil an das Geld ein verfassungsrechtlicher Anspruch im Sinne von "willentlichem Eigentum" geknüpft ist. Man kann Geld (kein Guthaben gemeint) nicht einfach wegnehmen.... außer man ist Anhänger der Grünen oder ist heiß auf die letzte Phase des Ablaufes.
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Geld, die Dritte
Leserzuschrift
, Mittwoch, 22.05.2013, 12:31 (vor 4658 Tagen) @ Ashitaka
>> Der Aberglaube ist, dass die ZB das Geld zur Rückkehr zwingen kann.
> Nein?! Wie sonst könnte ein Titel bei ihr ausgelöst werden.
Allein die Argentinier haben in der Größenordnung von 50 Milliarden US-Dollar als "eiserne Reserven" in Bar gebunkert. Rechne das auf Südamerika hoch und nimm Maxiko dazu ...
Wie kann die FED dieses Geld zurück "zwingen"? Kanonenboote schicken? Die Marines Haus für Haus durchsuchen lassen?
> Weil wir ständig aufschulden und die Geldsumme steigt bedeutet dies nicht, das nicht ständig ZBG zur ZB zurückkehrt und gegen Hinterlegung neuer Titel kein neues und mehr ZBG entsteht.
Die Tatsache, dass aufgeschuldet werden muss. damit das System nicht kollabiert, ist ein - sagen wir mal - starkes Indiz dafür, dass die ZB eben keine Macht über die Geld-Zirkulation und -Hortung hat.
>> Die einzige Möglichkeit, mit der eine ZB ihr ZBG zurück ins Körbchen "zwingen" kann, besteht darin, den Reset-Knopf zu drücken, sprich: in einer Währungsreform.
> Ich merke schon. Du gehst davon aus, dass ZBG, einmal draußen, draußen bleibt.
Keineswegs.
Lass ruhig ständig 90, 95 oder sogar 99 % zurückkehren - freiwillig, wohlgemerkt -; das fehlende eine Prozent bräche irgend einer GB das Genick, würde die ZB auf strikter Erfüllung bestehen und kein Aufschulden zulassen.
> Beachte bitte, dass die hinterlegten Titel am Ende ihrer Laufzeit nur wieder gegen ZBG ausgehändigt werden.
Und was passiert, wenn eine GB nicht über das dafür nötige Kleingeld verfügt?
Warum setzen die Banken eigentlich alles in Bewegung, um das von ihnen unters Volk gebrachte Bargeld so schnell wie möglich wieder einzusammeln?
Zuckerbrot: "Lass Dein Geld doch bei uns für Dich arbeiten. Wir bieten attraktive Zinsen." und Peitsche: "Bargeld zu Hause - das ist doch unsicher. Wenn nun Feuer oder Ratten an den Scheinen nagen. Oder finstere Gestalten davon Wind bekommen."
> Es gibt kein Geld "als solches". Es ist ein Inhaberpapier, dessen verbriefter Anspruch ständig erneuert wird
Anspruch? Worauf?
> Der von uns "mittels dieses Inhaberpapiers" abgeleitete Wert (Funktion als Wertmesser) wäre ohne hinterlegte Titel schnell verschwunden
Der "Wert" des Geldes hängt doch nicht von den hinterlegten Titeln ab, sondern bildet sich am Markt. Der argentinische Peso beispielsweise ist in Deutschland wahrscheinlich wert-los, und zwar nicht weil ihm die "Deckung" fehlt, sondern weil kaum jamand etwas mit ihm anfangen kann.
>> Geld ist ein Staatsderivat. Es ist jenes ominöse Etwas, mit dem man seine Steuer- und Abgabenschulden tilgen kann.
> Ja, genauer, Geld ist die Eigenschaft des "Etwas" mit dem man Abgabeschulden tilgen kann. Das "Etwas" aber war "Gerste, Vieh, Wolle, Metalle, Silber" ...
Mein "ominöses Etwas" ist das, was Du "Eigenschaft" nennst, während Dein "Etwas" den materiellen Träger (Geldschein, Münze) darstellt.
Wir meinen also das Gleiche, haben es nur unterschiedlich formuliert.
>> Beispiel:
>> Üblicherweise unterliegt der Staatshaushalt einem Jahresrhythmus. Man könnte also festlegen, dass die Steuern für 2013 nur mit Scheinen bezahlt werden können, die den Aufdruck "2013" tragen. Dieses Geld wird vom Finanzamt bis Ende Mai 2014 zum Nennwert angenommen, danach nur mit stetig wachsendem Abschlag (Verzugszinsen).
> Das ist kein Termin im Sinne des Schuldrechts, sondern eine kalte Enteignung.
Wieso Enteignung?
Erstens steht es ja jedem frei, 2013"er Geld in "2014"er umzutauschen, sobald es verfügbar ist (die Banken werden das bei Girokonten ganz sicher anbieten); und zweitens erklärt der Staat die "2013"er Scheine ja nicht für ungültig - er nimmt sie bloß nach einer "Schonfrist" nur noch mit Abschlag an.
Wenn ein Privater "2013"er Geld auch noch im Jahre 2020 zum Nennwert akzeptieren möchte, wird ihn niemand daran hindern.
> Das international zwingend notwendige Vertrauen in die Währung wäre sofort hin.
Wieviele Währungen auf der Welt gibt es - und wieviele davon genießen "internationales Vertrauen"?
> Die Institute und Versicherungen würden sich abwenden.
Bitte. Dann machen das Geschäft eben andere, die sich nicht zu fein sind.
2003 wurde die von der Provinz Buenos Aires herausgegebene Lokal-Währung Patacón zunächst zaghaft, aber nach einer Weile praktisch überall, auch in den Geschäften der nicht zur Provinz gehörenden Stadt Buenos Aires angenommen - obwohl sie dort überhaupt nicht gültig war.
> Wer finanziert dann unsere Schulden?
Welche Schulden?
Die Alt-Schulden werden demnächst so oder so ersatzlos gestrichen, und mit dem neuen Geld bräuchte der Staat keine Schulden mehr aufnehmen, weil seine Ausgaben ganz "freiwillig" zu ihm zurückkehren.
> Das hat nichts mit Geldwirtschaft zu tun, das sind verfassungsrechtlich unmögliche Eingriffe in das Eigentumsrecht eines jeden Bundesbürgers, nichts anderes als Enteignungen.
Verfassungen und Gesetze kann man "anpassen" und "modernisieren". Ist weltweit gängige Praxis. Und nicht zu knapp.
Außerdem: wenn beispielsweise der "Zeitwert" von ein paar Tomaten im Kühlschrank nach einigen Monaten nicht mehr ihrem "Nennwert" entspricht, dann ist das ja auch kein "verfassungsrechtlich unmöglicher Eingriff in das Eigentumsrecht".
Oder wenn Telekom-Aktien heute nur noch einen Bruchteil "wert" sind - vor welchem Gericht würde das als "Enteignung" anerkannt?
> Man kann Geld (kein Guthaben gemeint) nicht einfach wegnehmen....
Da wird nichts weggenommen. Der Staat definiert, was zur Erfüllung seiner Forderungen "gilt". Dieses Jahr Geld mit der Zusatz-Eigenschaft "2013", nächstes Jahr solches mit "2014" usw.
Was die Privaten dann mit diesem Geld und seinem Träger sonst noch - also über das Steuerzahlen hinaus - anstellen, ist ihre Sache.
Jeder darf sich die "2013"er Scheine bis zum Sankt-Nimmerleinstag unter die Matratze legen, wenn ihm danach ist.
Aber ich würde mal darauf tippen, dass spätestens im April 2014 das "2013"er Geld nahezu vollständig zurück im Körbchen "ZB" wäre. Freiwillig.
" />
Geld, das draußenbleibt
moneymind
, Mittwoch, 22.05.2013, 14:01 (vor 4658 Tagen) @ Ashitaka
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 22.05.2013, 14:10
Hi,
Ich merke schon. Du gehst davon aus, dass ZBG, einmal draußen, draußen
bleibt. Vielleicht "läuft es auch noch umher". Beachte bitte, dass die
hinterlegten Titel am Ende ihrer Laufzeit nur wieder gegen ZBG
ausgehändigt werden.
Oder gegen Hinterlegung neuer Titel späterer Fälligkeit ("Nachschuldner"), dann "bleibt ZBG draußen".
Geld, das durch Ankauf von Sachwerten wie Gold geschaffen wurde, bleibt "draußen", bis die ZB sich entschließt, es durch den Verkauf des Sachwerts wieder "reinzuholen". Auf einem Staatsschuldenbasierendes Geld bleibt draußen, bis der Staat sich entschließt, zu konsolidieren (was immer heißt, Geldvermögen von Privaten abzubauen).
"Reinholen" kann es die ZB auch jederzeit, indem sie Aktiva am offenen Markt verkauft (geldpolitische Operation).
Entscheidend ist, daß die ZB jederzeit wählen kann, ob sie (durch den Ankauf von Titeln späterer Fälligkeit oder Sachwerten) Geld schöpfen oder Geld vernichten will und dabei keinem Gewinnziel folgen muß, sondern gesamtwirtschaftliche Stabilitätsziele verfolgen kann.
Bietet der private Markt nicht mehr genügend später fällige Titel, um das gewählte Infla-Ziel zu erreichen, kann sie Sachwerte und/oder Staatstitel kaufen. Wird das Infla-Ziel nach oben hin überschritten, kann sie Aktiva verkaufen, wirksamer sind dann aber Steuererhöhungen durch den Staat.
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
Geld, welches ohne Termin draussenbleibt
Miesespeter
, Mittwoch, 22.05.2013, 14:20 (vor 4658 Tagen) @ moneymind
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 22.05.2013, 14:29
Hi,
Ich merke schon. Du gehst davon aus, dass ZBG, einmal draußen,
draußen
bleibt.
Gehst Du im Umkehrschluss davon aus, dass alles ZBG, einmal draussen, immer zurueckkehrt?
Vielleicht "läuft es auch noch umher".
Bezeichnet - salopp und schwammig - die Tatsache, dass ZBG durch mehrere Haende laufen kann, wobei es jeweils bestehende Schulden bezahlt.
Nota bene: Geld kauft nicht. Geld bezahlt. Das aber durchaus reihenweise.
Beachte bitte, dass
die
hinterlegten Titel am Ende ihrer Laufzeit nur wieder gegen ZBG
ausgehändigt werden.
Ebenfalls bitte beachten, dass nicht alle Titel wieder ausgehaendigt werden muessen. Die Notenbank koennte auch mit der GB vereinbaren, bei Faelligkeit des Pensionsgeschaefts anstatt Zahlung durch ZBG den Titel endgueltig anzukaufen.
Oder gegen Hinterlegung neuer Titel späterer Fälligkeit, dann "bleibt
ZBG draußen".
Eine weitere Moeglichkeit, Prolongation durch rollierende Pensionsgeschaefte.
"Reinholen" kann es die ZB auch jederzeit, indem sie Aktiva am offenen
Markt verkauft (geldpolitische Operation).
Oder die Zinsen erhoeht.
Oder die Mindestreserve erhoeht.
Entscheidend ist, daß die ZB jederzeit wählen kann, ob sie (durch den
Ankauf von Titeln späterer Fälligkeit oder Sachwerten) Geld schöpfen
oder Geld vernichten will. Bietet der private Markt nicht mehr genügend
später fällige Titel, um das gewählte Infla-Ziel zu erreichen, kann sie
Sachwerte und/oder Staatstitel kaufen. Wird das Infla-Ziel nach oben hin
überschritten, kann sie Aktiva verkaufen, wirksamer sind dann aber
Steuererhöhungen durch den Staat.
In jedem Fall hat die Notenbank ein breites Instrumentarium, um allerhand geldpolitische Szenarien umzusetzen und ist dabei sicherlich in ihrer Handlungsfaehigkeit nicht eisern beschraenkt, dass alles ZBG 'wieder in die ZB zurueckmuesse'.
Ganz ausser acht gelassen ist dabei jenes ZBG, das tatsaechlich voellig ohne Termin 'draussen' bleibt: Jenes naemlich, das
a. durch Private physisch vernichtet wird
b. aus dem Waehungsgebiet permanent exportiert wird (durch Private, als Basis einer Untergrundoekonomie im Ausland, oder durch staatliche Stellen, als Basis der eigenen Waehrung, siehe Waehrungspegs zb von Ex-Argentinien oder Bulgarien heute, soweit bar gehalten)
Gruss,
mp
--
Everything is ok
ok
moneymind
, Mittwoch, 22.05.2013, 15:07 (vor 4658 Tagen) @ Miesespeter
Hi mp,
Ich merke schon. Du gehst davon aus, dass ZBG, einmal draußen,
draußen
bleibt.
Gehst Du im Umkehrschluss davon aus, dass alles ZBG, einmal draussen,
immer zurueckkehrt?
Obiges war eine Antwort von Ashitaka auf die Leserzuschrift. Ashitaka scheint davon auszugehen, ich (wie gezeigt) nicht.
Vielleicht "läuft es auch noch umher".
Bezeichnet - salopp und schwammig - die Tatsache, dass ZBG durch mehrere
Haende laufen kann, wobei es jeweils bestehende Schulden bezahlt.
War ebenfalls ein Kommentar aus der Leserzuschrift.
Nota bene: Geld kauft nicht. Geld bezahlt. Das aber durchaus reihenweise.
Beachte bitte, dass
die
hinterlegten Titel am Ende ihrer Laufzeit nur wieder gegen ZBG
ausgehändigt werden.
Ebenfalls bitte beachten, dass nicht alle Titel wieder ausgehaendigt
werden muessen. Die Notenbank koennte auch mit der GB vereinbaren, bei
Faelligkeit des Pensionsgeschaefts anstatt Zahlung durch ZBG den Titel
endgueltig anzukaufen.
Auch das kann sie, dann wird sie Gläubiger des Titels und trägt dessen Ausfallrisiko selbst, anstatt es an die Geschäftsbank zurückzureichen. Zum Fälligkeitstermin muß der Schuldner dann an sie zahlen (ZBG fließt an sie zurück). Titel und ZBG werden vernichtet.
Oder gegen Hinterlegung neuer Titel späterer Fälligkeit, dann "bleibt
ZBG draußen".
Eine weitere Moeglichkeit, Prolongation durch rollierende
Pensionsgeschaefte.
Das meinte ich.
"Reinholen" kann es die ZB auch jederzeit, indem sie Aktiva am offenen
Markt verkauft (geldpolitische Operation).
Oder die Zinsen erhoeht.
Ja, wobei Zinssatzänderungen aber ja m.E. v.a. Rentabilitätserwartungen beeinflussen sollen und nicht das Hauptinstrument einer schnellen Geldvernichtung / -Verknappung darstellen.
Oder die Mindestreserve erhoeht.
Inwiefern wird dadurch ZB-Geld vernichtet?
Entscheidend ist, daß die ZB jederzeit wählen kann, ob sie (durch den
Ankauf von Titeln späterer Fälligkeit oder Sachwerten) Geld schöpfen
oder Geld vernichten will. Bietet der private Markt nicht mehr
genügend
später fällige Titel, um das gewählte Infla-Ziel zu erreichen, kann
sie
Sachwerte und/oder Staatstitel kaufen. Wird das Infla-Ziel nach oben
hin
überschritten, kann sie Aktiva verkaufen, wirksamer sind dann aber
Steuererhöhungen durch den Staat.
In jedem Fall hat die Notenbank ein breites Instrumentarium, um allerhand
geldpolitische Szenarien umzusetzen und ist dabei sicherlich in ihrer
Handlungsfaehigkeit nicht eisern beschraenkt, dass alles ZBG 'wieder in die
ZB zurueckmuesse'.
Das war mein Punkt. Entscheidend ist, an welchen Zielkriterien sie ihre Entscheidungen über Geldschöpfung und -Vernichtung ausrichtet.
Ganz ausser acht gelassen ist dabei jenes ZBG, das tatsaechlich voellig
ohne Termin 'draussen' bleibt: Jenes naemlich, dasa. durch Private physisch vernichtet wird
b. aus dem Waehungsgebiet permanent exportiert wird (durch Private, als
Basis einer Untergrundoekonomie im Ausland, oder durch staatliche Stellen,
als Basis der eigenen Waehrung, siehe Waehrungspegs zb von Ex-Argentinien
oder Bulgarien heute, soweit bar gehalten)
Mh, daran hatte ich nicht gedacht.
Gruß
moneymind
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
Mind-Fuck auch bitte @moneymind
Ashitaka
, Mittwoch, 22.05.2013, 18:41 (vor 4658 Tagen) @ Miesespeter
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 22.05.2013, 19:15
Guten Abend,
denkt darüber mal bitte länger nach, statt mich sofort mit Antworten zu zerreißen. Das sind sehr tiefe Gedanken, die ich mir nicht aus Spass mache. Die Personen, von denen ich diese Gedanken erhielt, sie haben es bisher auch nur sehr schwer in nachvollziehbaren Systembeschreibungen erläutern können. Weder ist es mir bisher gelungen das Giralgeld tiefst verständlich als "Guthaben" vom Geld getrennt zu erklären, noch wird es mir sofort gelingen diesen Mind-Fuck vom Geld "als solches" zu erklären.
Hi,
Ich merke schon. Du gehst davon aus, dass ZBG, einmal draußen,
draußen
bleibt.
Gehst Du im Umkehrschluss davon aus, dass alles ZBG, einmal draussen,
immer zurueckkehrt?
Ja.
Zentralbankgeld wird gebucht, notiert, bescheinigt oder geprägt. Aber wie erklärt man damit was das gebuchte, das notierte, das bescheinigte oder das geprägte eigentlich ist?
Zentralbankgeld (Geld) als solches gibt es nicht. ZBG ist Notation einer Eigenschaft (Machtderivat -> Recht aus dem inne haben des Papiers (Inhaberpapier)), ein Merkposten darüber, dass eben Titel hinterlegt wurden, aus denen abgeleitete Rechte erwachsen, die wir halten oder nicht halten können. Es entspricht dem Teil der Summe aller hinterlegten Titel, die aus den Inhaberpapieren (Banknoten) hervor gehen (völlig anonymisiert). Mit Geld lässt sich kein konkretes Recht ausüben. Es ist ein Recht, das ständig entsteht und vergeht (deren Notation zur ZB zurückwandert, sie nimmt es, Gläubigerbank und Schuldner erhalten ihre hinterlegten Titel zurück).
Wir, als damit handelnde Subjekte, sehen jedoch fälschlicherweise diese aus der Hinterlegung geschaffene, zweigeteilte Existenz eines Geldes, dass als solches existiert. Dabei bemerken wir nur sehr selten, dass wir uns diese Existenz aber nur aus der Funktion des ZBG ableiten können, also Funktionsanalysen (als Zahlungsmittel, als Wertmesser) stellvertretend für eine Erklärung des Geldes nutzen.
Das ist nicht richtig. Weg von der subjektiven Sicht, ist es aus systematischer Sichtweise ein und die selbe Medaille, weshalb es nur dem Teil einer Summe "entspricht", eine Summe, die keinen Termin zu haben scheint, deren Teilsummen jedoch nur wegen des Termins existieren. Nur solange wie es ständig zurück geht und neu geschaffen wird, lassen sich Fristigkeiten "dieser Inhaberrechte" überhaupt denken.
Notationen entstehen, Notationen gehen zurück. Was draußen bleibt, sind nun diese Summen, keine Mengen (als solches) die umherwandern könnten.
Von diesem "Mind-Fuck" lassen wir uns immer wieder täuschen! Zumal wir glauben, Zentralbanken könnten etwas ankaufen, ohne dass es zuvor hätte verschuldet werden müssen. Sie kann schon deshalb nur begrenzt kaufen.
Herzlichst,
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Zeitlicher Ablauf
tar
, Gehinnom, Mittwoch, 22.05.2013, 14:44 (vor 4658 Tagen) @ Leserzuschrift
Hallo,
Üblicherweise unterliegt der Staatshaushalt einem Jahresrhythmus. Man
könnte also festlegen, dass die Steuern für 2013 nur mit Scheinen bezahlt
werden können, die den Aufdruck "2013" tragen. Dieses Geld wird vom
Finanzamt bis Ende Mai 2014 zum Nennwert angenommen, danach nur mit stetig
wachsendem Abschlag (Verzugszinsen).
Der Staat zahlt seinen Beamten, Angestellten und Pensionären spätestens
im Dezember 2013 bereits mit "2014"-er Geld, so dass im Januar pünktlch
die Steuern des nächsten Jahres beglichen werden können.
Die zeitliche Abfolge der Bezahlung und Abpressung scheint mir ein wenig durcheinandergeraten zu sein: Woher stammt denn dieses 2014er-"Geld" vor der Steuerzahlung 2014, wobei die Akzeptanz zum Nennwert auch bis Mai 2015 dauern kann?
Bei wem konkret verschuldet sich der Staat, um dieses 2014er-Geld zu erhalten und zu welcher Erkenntnis gelangt eben dieser Gläubiger nach Mai 2015, wenn ihm seine negativ verzinste Investition bewusst wird?
Giroguthaben würden natürlich ein paar Bits mehr besitzen, um das Jahr
zu speichern. Und die Banken würden dann die "Fristtransformation", mit
der Guthaben von einem Jahr auf das nächste "gerettet" werden, als
zusätzlichen Service anbieten.
Gruß!
--
Gruß!™
Time is the school in which we learn,
Time is the fire in which we burn.
BTC: 12aiXGLhHJVETnmGTLbKtAzJNwqh6h6HN4
Geld, die Vierte
Leserzuschrift
, Freitag, 24.05.2013, 11:47 (vor 4656 Tagen) @ tar
>> Üblicherweise unterliegt der Staatshaushalt einem Jahresrhythmus. Man könnte also festlegen, dass die Steuern für 2013 nur mit Scheinen bezahlt werden können, die den Aufdruck "2013" tragen. Dieses Geld wird vom Finanzamt bis Ende Mai 2014 zum Nennwert angenommen, danach nur mit stetig wachsendem Abschlag (Verzugszinsen).
Der Staat zahlt seinen Beamten, Angestellten und Pensionären spätestens im Dezember 2013 bereits mit "2014"-er Geld, so dass im Januar pünktlch die Steuern des nächsten Jahres beglichen werden können.
> Woher stammt denn dieses 2014er-"Geld" vor der Steuerzahlung 2014 ...
Staht doch da: aus den Staatsausgaben Ende 2013.
> Bei wem konkret verschuldet sich der Staat, um dieses 2014er-Geld zu erhalten
Bei niemandem. Er stellt es selbst her.
Es wird Zeit, den Geld-Kreislauf wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen.
1. Schritt: der Staat definiert, was für ihn "gilt", d.h., womit man seine Steuern zu entrichten hat. Mit anderen Worten: Geld ist Legal Tender.
Auf den Dollar-Scheinen steht das sogar drauf ("This note is legal tender for all debts") - bereits seit 150 Jahren! Das hat sich aber anscheinend noch nicht bis zu den Geld-"Experten" herumgesprochen ...
2. Schritt: der Staat legt Steuern fest - und damit sind auf Geld lautende Forderungen in der Welt. Das Geld ist "gedeckt".
3. Schritt: der Staat bezahlt seine Angestellten und Zulieferer mit diesem Geld (virtuell oder auf physikalischen Trägern), und damit ist auch das Steuerzahlungsmittel selbst im Umlauf.
Es mag in der Anfangsphase ein paar "Reibungsverluste" geben, weil die so Bezahlten noch nicht wissen, ob sie ihrerseits das Geld wieder los werden, aber spätestens wenn die ersten Steuertermine heranrücken, wird auch Nachfrage nach diesem Geld bestehen.
Der Staat gibt genau so viel aus, wie er später wieder einsammelt; der Staatshaushalt ist automatisch ausgeglichen, die Inflation liegt bei Null.
Zu den Details bei Interesse ein anderes Mal.
Time again
tar
, Gehinnom, Freitag, 24.05.2013, 22:37 (vor 4655 Tagen) @ Leserzuschrift
Diesen die zeitliche Abfolge missachtenden Entwurf, der noch dazu auf der für jeden offensichtlichen Nacktheit des Kaisers beruht, solltest du nochmals ernsthaft hinterfragen. Insbesondere darauf, wieso reines Staatsgeld sich als wirtschaftlich stabil noch niemals durchzusetzen vermochte.
Gruß!
--
Gruß!™
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Geld, die Fünfte
Leserzuschrift
, Sonntag, 26.05.2013, 11:43 (vor 4654 Tagen) @ tar
> Diesen die zeitliche Abfolge missachtenden Entwurf, ...
Was ist an dieser zeitlichen Abfolge denn falsch?
Der Staat muss als erstes (generell) festlegen, worin Steuern, Tribute, Abgaben zu leisten sind. Danach kann er das Wieviel individuell "zuteilen".
Nun gibt es zwei prinzipielle Möglichkeiten: entweder das Abgabengut existiert bereits bzw. kann privat erwirtschaftet werden (z.B. Getreide, Kakaobohnen, Gold) oder aber der Staat selbst (oder eine von ihm beauftragte Institution) ist die einzige Geld-Quelle.
Letzteres ist die heutige Situation, und das bedeutet, dass zunächst der "legal tender" definiert sein muss, bevor er in Umlauf gebracht werden kann.
Und da es den Privaten verboten ist, dieses Abgabengut selbst herzustellen, muss es natürlich einige Zeit vor dem ersten Steuertermin unter die Leute gelangen.
Aus der Tatsache, dass jedes "reine" Geld erst durch darauf lautende Forderungen überhaupt einen Wert erhält, folgt zwingend, dass die Steuerfestlegung vor oder zeitnah zur ersten Geldemission zu erfolgen hat.
> ... wieso reines Staatsgeld sich als wirtschaftlich stabil noch niemals durchzusetzen vermochte.
Weil es mit Konstruktionsfehlern behaftet war.
Wie überhaupt die ganze Geschichte des Geldes eine Ansammlung von Versuchen und Irrtümern ist.
Der Staat prägt Metallstücke mit seinem Siegel als Eigentumszeichen ("Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.") - hat aber keine Handhabe, dieses Eigentum wieder vollständig einzusammeln. Also braucht er ständig neues Metall ...
Dann kommt jemand auf die geniale Idee, das Materialproblem mit Papier zu lösen - und übersieht, dass der Wert dieses Papiers in den darauf lautenden Forderungen besteht; dass folglich Staatsausgaben und Steuerfestlegungen ausgeglichen sein müssen ...
Ein anderer schlauer Kopf meint, die Druckerpresse dem Staat aus den Händen nehmen zu müssen, weil der zu leichtfertig damit umgehe - und handelt sich die gleichen Probleme ein wie der Kaiser. Obwohl nur aus Papier verschwindet auch ein Teil dieses Geldes unter Matratzen. Also braucht es ständig neuer Scheine ...
Refinanzierungsquote realistischerweise zwischen Mindestreservesatz (momentan 1%) und 100% ?
BerndBorchert
, Montag, 20.05.2013, 22:21 (vor 4659 Tagen) @ Ashitaka
bearbeitet von unbekannt, Montag, 20.05.2013, 22:40
Bei einer Kreditvergabe wird durch Bilanzverlängerung Giralgeld geschöpft - es steht auf dem Kreditnehmergirokonto. Üblicherweise wird es nicht lange dauern, bis der Kreditnehmer das Geld zu Konten bei anderen Banken überweist. Eine Überweisung erfolgt in ZB Geld. Die Frage ist, ob das aus dem Kredit entstandene Giralgeld deshalb refinanziert werden muss.
Eine extreme Haltung zu dieser Frage wird in dem Video eingenommen: nein, es muss nicht refinanziert werden. Denn der Abfluss von ZB-Geld für diesen Kredit wird statistisch durch gleichzeitig stattfindende ZB-Geld Zuflüsse von anderen Banken ausgeglichen (Saldierungsefekt).
Eine andere extreme Haltung ist: der Kredit muss natürlich vollständig refinanziert werden, denn die Überweisung muss in ZB-Geld ausgeführt werden. (Deine Haltung, Ashitaka?)
Ich denke, die Wahrheit ist in der Mitte. Ich kann mir vorstellen, dass aus verschiedenen Gründen die 1% Mindestreserve nicht ausreicht, aber im Durchschnitt vielleicht 20% oder 30% Refinanzierung ausreichen, abhängig auch von der Geschäftspolitik der Bank (Postbank vergibt ganz andere Kredite als Deutsche Bank).
Nehmen wir für eine Bank an, dass sie im Durchschnitt 25% ihrer Kredite refinanzieren muss, d.h. der Rest braucht wegen eines Saldierungseffekts nicht refinanziert zu werden. Das heisst aber, dass die Zinseinnahmen sich aus Kreditzinsen minus 1/4 Refinanzierungszinsen ergeben. Mit anderen Worten: der Refinanzierungszinssatz spielt keine besonders große Rolle. So könnte zum Beispiel die Bank den Refinanzierern (z.B. Sparer) den gleichen Zinssatz bieten wie den Kreditnehmern und trotzdem 3/4 der Zinseinnahmen als Gewinn verbuchen.
Bernd Borchert
Das ließe sich aufbereiten
Ashitaka
, Freitag, 24.05.2013, 18:45 (vor 4656 Tagen) @ BerndBorchert
Hi Bernd,
Bei einer Kreditvergabe wird durch Bilanzverlängerung Giralgeld geschöpft
- es steht auf dem Kreditnehmergirokonto. Üblicherweise wird es nicht
lange dauern, bis der Kreditnehmer das Geld zu Konten bei anderen Banken
überweist. Eine Überweisung erfolgt in ZB Geld. Die Frage ist, ob das aus
dem Kredit entstandene Giralgeld deshalb refinanziert werden muss.
Wie in diesem Thread bereits diskutiert kommt es immer zu einem Bedarf von Zentralbankgeld, eben um die Besicherungsproblematik einer Guthaben-Zession zu lösen. Geschäftsbanken könnten andernfalls "Falschgeld" schaffen, was aber ganz klar nicht geht. Immer dann, wenn behauptet wird "Geschäftsbanken schöpfen Geld aus dem Nichts!", hat der Behauptende das zweistufige Zentralbanksystem nicht im Ansatz verstanden. Weitere Diskussionen erübrigen sich dann. Da Giralgeld eben kein Geld (ZBG) ist, sondern nur ein Guthaben auf ein solches (giral -> Sicht), müssen Überweisungen "immer" durch ZBG gedeckt sein. Dieser Bedarf ist immer gegeben, wenn auch durch Verrechnung der Bedarfs zum Tagesendzeitpunkt (Ende Banktag) ständig schwankt und somit kostenmindernd wirken kann.
Eine extreme Haltung zu dieser Frage wird in dem Video eingenommen: nein,
es muss nicht refinanziert werden. Denn der Abfluss von ZB-Geld für diesen
Kredit wird statistisch durch gleichzeitig stattfindende ZB-Geld Zuflüsse
von anderen Banken ausgeglichen (Saldierungseffekt).
Das ist natürlich Blödsinn. Wer steuert das Bankengruppen übergreifend?!
Eine andere extreme Haltung ist: der Kredit muss natürlich vollständig
refinanziert werden, denn die Überweisung muss in ZB-Geld ausgeführt
werden. (Deine Haltung, Ashitaka?)
Nein, ich trenne zwischen dem grundsätzlichen "Bedarf des Zentralbankgeldes", der jeder Zession eines "Guthabens auf Zentralbankgeld" (Giralgeld) anhaftet.
Ich denke, die Wahrheit ist in der Mitte. Ich kann mir vorstellen, dass
aus verschiedenen Gründen die 1% Mindestreserve nicht ausreicht, aber im
Durchschnitt vielleicht 20% oder 30% Refinanzierung ausreichen, abhängig
auch von der Geschäftspolitik der Bank (Postbank vergibt ganz andere
Kredite als Deutsche Bank).
Das will ich mir gerne mal ansehen. Dazu müssten wir die Sicht- bzw. Sparguthaben (Einlagen) bei den konsolidierten MFI-Bilanzen mit den geldpolitischen Instrumenten der europäischen und nationalen Zentralbanken vergleichen. Das lässt sich ja sauber aufbereiten, zumal alle Bilanzen zugänglich sind.
Nehmen wir für eine Bank an, dass sie im Durchschnitt 25% ihrer Kredite
refinanzieren muss, d.h. der Rest braucht wegen eines Saldierungseffekts
nicht refinanziert zu werden. Das heisst aber, dass die Zinseinnahmen sich
aus Kreditzinsen minus 1/4 Refinanzierungszinsen ergeben. Mit anderen
Worten: der Refinanzierungszinssatz spielt keine besonders große Rolle.
Jein. Er spielt eine "zentrale Rolle". Er löst dem systemimmanenten Impuls der Aufschuldung aus, eben dadurch, dass die Abgabe für Hinterlegungen nur durch zusätzliches ZBG realisiert werden kann. Nun behaupten ganz pfiffige Köpfe: "Ja Moment, das ZBG was die ZB als Abgabe kassiert spuckt sie ja wieder an die Haushalte und als Kostenpositionen aus, so dass es nicht fehlt!"
Das ist aber zu kurz gedacht, denn worauf es ankommt ist, dass es den einzelnen Bedürftigen niemals zum passenden Termin zur Verfügung steht, sondern dass die Zentralbankgeldbestände (Besicherungen) stark schwankend sind. Zudem muss man den Zeitablauf berücksichtigen (auch wenn man glaubt man tue dies unbewusst). Es gibt keine Möglichkeit alles Zentralbankgeld zum Zeitpunkt X zu erschaffen, welches an späteren Abgabenterminen X+n zur Auslösung der hinterlegten Titel dient. Dies deshalb, weil jeder Schaffung von ZBG eine zu leistende Abgabe in ZBG anhaftet. Lösen lässt sich dies Problem nur, solange man sich gedanklich auf den Effekt verlässt, dass man selbst das geschaffene ZBG anderer Teilnehmern für die Zahlung des Aufschlages nutzten kann. Da aber ALLE zu leisten haben, sind diese Effekte immer nur temporär und als Theorie wenig brauchbar. Auf das Gesamtsystem betrachtet funktioniert dies niemals.
Ausweg: Aufschulden und immer mehr Kredittel + Sicherheiten bieten. Danach entweder direkt durch Refinanzierungsgeschäfte mit den Zentralbanken oder indirekt über den Interbankenmarkt.
So
könnte zum Beispiel die Bank den Refinanzierern (z.B. Sparer) den gleichen
Zinssatz bieten wie den Kreditnehmern und trotzdem 3/4 der Zinseinnahmen
als Gewinn verbuchen.
Klar, ohne die gewaltigen Differenzen der Vergangenheit wären die Kreditinstitute niemals so stark geworden, dass sie heute ganze Länder kaufen könnten. Die Frage bleibt nur welches Land wirft genügend Rendite ab, damit man es überhaupt noch kaufen sollte. Die weltweiten Negativrenditen werden das System noch auf den Kopf stellen
Bernd Borchert
Grüße dich,
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Das wäre allerdings extrem hilfreich!
Naclador
, Göttingen, Montag, 27.05.2013, 10:32 (vor 4653 Tagen) @ Ashitaka
Ich denke, die Wahrheit ist in der Mitte. Ich kann mir vorstellen, dass
aus verschiedenen Gründen die 1% Mindestreserve nicht ausreicht, aber
im
Durchschnitt vielleicht 20% oder 30% Refinanzierung ausreichen,
abhängig
auch von der Geschäftspolitik der Bank (Postbank vergibt ganz andere
Kredite als Deutsche Bank).
Das will ich mir gerne mal ansehen. Dazu müssten wir die Sicht- bzw.
Sparguthaben (Einlagen) bei den konsolidierten MFI-Bilanzen mit den
geldpolitischen Instrumenten der europäischen und nationalen Zentralbanken
vergleichen. Das lässt sich ja sauber aufbereiten, zumal alle Bilanzen
zugänglich sind.
Also, wenn Du Dir die Mühe machen magst, wäre ich Dir sehr zu Dank verpflichtet.
Gruß
Naclador
--
Hanlon's Razor: "Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity."
Naclador's Corrolary: "Recognize when stupidity is not an adequate explanation."
ZBG-Bedarf von GBen
moneymind
, Freitag, 17.05.2013, 19:04 (vor 4663 Tagen) @ BerndBorchert
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 17.05.2013, 19:08
Hallo Bernd,
Der Vortragende geht davon aus, dass durch das Gesetz der Großen Zahl der
Saldo der Überweisungen von/zu einer Bank zu/von allen anderen Banken im
Durchschnitt fast jeden Tag fast ausgeglichen ist. Die gleiche Annahme hat
er für den Saldo der Bargeld Ein- und Auszahlungen der Bankkunden der
Bank.Würde das nicht bedeuten, dass eine Bank einen Kundenkredit gar nicht
refinanzieren muss (bis auf die vernachlässigbare 1% Mindestreserve)?Und würde das nicht bedeuten, dass sie die Kreditzinsen voll einstreichen
kann, und nicht nur die Differenz von Kreditzinsen und
Refinanzierungszinsen? (letztere z.B. an die ZB oder an Sparer)Stimmt das? Hat der Vortragende recht mit seinen Annahmen?
Geschäftsbanken saldieren (verrechnen) ihre gegenseitigen Überweisungen und überweisen dann den Restsaldo in Zentralbankgeld. Ihr Bedarf an Zentralbankgeld kann daher schwanken, je nachdem, wie groß dieser Saldo ausfällt. Im einen Extremfall ist ihr Zentralbankgeldbedarf so hoch wie die von ihr selbst eingeräumten Kredite. Im anderen Extremfall ist er gleich Null. Der Durchschnitt wird irgendwo dazwischenliegen und schwanken. D.h. es gibt für die Banken immer das Risiko des Zentralbankgeldbedarfs, mit dem sie wirtschaften müssen.
Schönes älteres Posting hierzu von BillHicks mit Details:
http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=65798
Verifiziere das doch einfach mal durch Nachfragen bei Deiner Bank. Bei selbsternannten "Experten" wie Ashitaka ("Diese Liquidität (ZBG) ist deshalb so wichtig, weil nur sie durch 100% Besicherung gedeckt ist und "Geld" immer zu 100% besichert ist. Ob diese Besicherung nun werthaltig ist oder nicht, das ist hier nicht die Frage.") wäre ich da eher vorsichtig ...
Gruß
moneymind
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
Selbsternannter Experte?!
Ashitaka
, Freitag, 17.05.2013, 19:34 (vor 4663 Tagen) @ moneymind
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 17.05.2013, 19:54
Hallo moneymind,
Geschäftsbanken saldieren (verrechnen) ihre gegenseitigen Überweisungen
und überweisen dann den Restsaldo in Zentralbankgeld.
Warum saldieren sie? Nicht zufällig, weil jeder Zu- und Abtransferierung von Giralgeld (Guthaben auf Geld) der "Bedarf von Zentralbankgeld" anhaftet? Ich finde deine Denke diesbezüglich zu praktisch. So zu tun, als existiere kein Bedarf an ZBG, weil man mit der gegenüberstehenden Geschäftsbank aufrechnet, das ist viel zu kurz gedacht. So als existierten zwei Forderungen zwischen Unternehmen nicht, weil man sie miteinander aufrechnen kann. Wozu dann die Rückwirkungungsregelung z.B. im BGB, wenn doch die ganze Zeit keine Verbindlichkeiten bestanden haben?! Da im Übrigen die Aufrechnung von Zu-/Abtransferierungen von ZBG nicht den 99,99% Regelfall darstellt (siehe Brutto-Zahlungen), ist das ganze eben zu kurz gedacht. Sonst bräuchte es gar nicht diese Menge an Hinterlegungen bei der ECB und die Pfand-Pools könnten z.B. zurückgefahren werden. Warum sind sie wohl deutlich praller gefüllt, als die Passiva der ECB?! Weil kein grundsätzlicher Bedarf an ZBG existiert?!
Ihr Bedarf an
Zentralbankgeld kann daher schwanken, je nachdem, wie groß dieser Saldo
ausfällt.
Wenn zum Banktagende aufgerechnet wurde. Erst dann kann der Endbedarf des Tages schwanken. Dazu muss dieser Bedarf erst einmal aufgerechnet werden.
Stellt sich tatsächlich heraus, dass kein ZBG transferiert werden muss, weil sich Zu-/Abtransferierungen gegenseitig aufrechnen, dann entsteht zwischen den beteiligten Geschäftsbanken auch keine Besicherungsproblematik. ZBG ist 100% Liquidität = immer durch hinterlegte Titel inkl. Durchgriffsrecht auf damit verbundenen Sicherheitenvertrag besichert.
Im einen Extremfall ist ihr Zentralbankgeldbedarf so hoch wie
die von ihr selbst eingeräumten Kredite. Im anderen Extremfall ist er
gleich Null.
Der Banktagesendsaldo so hoch wie die eingeräumten Kredite, im anderen Extremfall ist er gleich Null. Wenn wir uns die Passiva der EZB ansehen, und diese mit der Passiva der MFIs(Sicht- und Spareinlagen) vergleichen, dann wird deinem Saldo recht gegeben. Aber der grundsätzliche Bedarf an ZBG ist ungebrochen, da sonst niemand diese kostensparenden Instrumente der Geschäftsbanken zum Stichtpunkt (Ende Banktag oder früher) nutzen müsste.
Der Durchschnitt wird irgendwo dazwischenliegen und schwanken.
Ja, siehe Stichtagsbetrachtung der konsolidierten MFI-Bilanz und ECB-Bilanz zum TT.MM.JJJ um 24:00 Uhr. Was passiert untertägig? Kein Bedarf da? Ist der Tag 0,0 Sekunden lang?! Wohl kaum. Es läuft Zeit ab, während der noch nichts verrechnet wurde. Ist am Tagesendsaldo das ZBG-Konto nicht ausgeglichen, dann muss sich die GB Kredit nehmen. Kredit gegen Sicherheiten und niemals blanko. Dann kann ein nicht ausgeglichenes ZBG-Konto durch ZBG-Zubuchung ausgeglichen werden. Und auch dieses ZBG (vom Interbankenmarkt) entsteht nur durch eines der üblichen Refinanzierungsgeschäfte.
D.h. es gibt für die Banken immer das Risiko des Zentralbankgeldbedarfs,
mit dem sie wirtschaften müssen.
Natürlich, IMMER!
Verifiziere das doch einfach mal durch Nachfragen bei Deiner Bank. Bei
selbsternannten "Experten" wie Ashitaka ("Diese Liquidität (ZBG) ist
deshalb so wichtig, weil nur sie durch 100% Besicherung gedeckt ist und
"Geld" immer zu 100% besichert ist. Ob diese Besicherung nun werthaltig ist
oder nicht, das ist hier nicht die Frage.") wäre ich da eher vorsichtig
...
Er kann ja gerne mal nen Tag mit mir zur NRW.Bank kommen.
Gruß
moneymind
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Laß es sein
moneymind
, Montag, 20.05.2013, 19:42 (vor 4660 Tagen) @ Ashitaka
Hi,
So zu tun, als
existiere kein Bedarf an ZBG, weil man mit der gegenüberstehenden
Geschäftsbank aufrechnet, das ist viel zu kurz gedacht.
Hättest Du mein Posting gelesen, hättest Du bemerkt, daß ich nirgendwo behauptet habe, es bestehe in einem zweistufigen Bankensystem kein Bedarf an Zentralbankgeld.
Das ist übrigens, was jede Diskussion mit Dir so sinnlos macht: Du antwortest nicht auf das, was geschrieben wurde, sondern auf das, was Du dem Schreiber a priori unterstellst.
End of discussion.
Gruß
moneymind
--
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Aua
Ashitaka
, Montag, 20.05.2013, 20:35 (vor 4660 Tagen) @ moneymind
bearbeitet von unbekannt, Montag, 20.05.2013, 21:06
Hi,
So zu tun, als
existiere kein Bedarf an ZBG, weil man mit der gegenüberstehenden
Geschäftsbank aufrechnet, das ist viel zu kurz gedacht.
Hättest Du mein Posting gelesen, hättest Du bemerkt, daß ich nirgendwo
behauptet habe, es bestehe in einem zweistufigen Bankensystem kein Bedarf
an Zentralbankgeld.
Interpretiere in meine Antwort was du willst! Das Antworten lang werden und mehr aufgreifen als dich, das ist nichts neues und geht jedem so. Antworte bloß weiterhin nicht auf sie, denn dann fliegt dir fürher oder später wieder dein blinder Hass auf Dottore und andere Köpfe noch mal um die Ohren. Du könntest einfach auf den Sachverhalt antworten, statt mich ohne bereits geführte Diskussion in diesem Thread wieder anzugreifen. Rhetorisch wägts du dich so auf einer gefühlten Expertenseite, was?! Darum gehts dir hier doch, seit du an Dottore erkannt hast umzudenken! Da muss man aber vorsichtig bei sein.
Das ist übrigens, was jede Diskussion mit Dir so sinnlos macht: Du
antwortest nicht auf das, was geschrieben wurde, sondern auf das, was Du
dem Schreiber a priori unterstellst.
Ich finde nicht, das Diskussionen mit mir sinnlos sind. Heuere aber gerne woanders an, wenn sich das mehrheitlich bestätigen sollte. Mein Verhalten gegenüber Udo (Gruß) war zuletzt unsauber, nicht, dass ich dir antworte, um festzustellen, dass dem nichts mehr hinzuzufügen wäre.
End of discussion.
Trifft sich gerade gut, bin eh schon zu spät.
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.
Das andere Extrem ist nicht 0
BerndBorchert
, Freitag, 17.05.2013, 19:46 (vor 4663 Tagen) @ moneymind
Geschäftsbanken saldieren (verrechnen) ihre gegenseitigen Überweisungen
und überweisen dann den Restsaldo in Zentralbankgeld. Ihr Bedarf an
Zentralbankgeld kann daher schwanken, je nachdem, wie groß dieser Saldo
ausfällt. Im einen Extremfall ist ihr Zentralbankgeldbedarf so hoch wie
die von ihr selbst eingeräumten Kredite. Im anderen Extremfall ist er
gleich Null.
No, das andere Extrem ist, dass man ein gehöriges Plus hat.
Der Durchschnitt wird irgendwo dazwischenliegen
ja, bei 0.
und schwanken.
ja, um 0 herum, und für die Schwankungen ins Minus braucht man einen Puffer. Der ist aber minimal, wenn es sehr viele Überwesiungen sind - je mehr es sind, desto geringer sind die Schwankungen - prozentual gemessen an der Summe aller Überweisungen. Sollte im Promillebereich liegen.
D.h. es gibt für die Banken immer das Risiko des Zentralbankgeldbedarfs,
mit dem sie wirtschaften müssen.
Also, wenn die Überweisungen keinen Bias haben, sondern der Saldo im Durchschnitt 0 ist, und keine Ausreisser dabei sind, dann sollte die 1% Mindestreserve ausreichen.
Ich denke aber, dass der Saldo nicht automatisch bei durchschnittlich 0 liegt, sondern einen deutlichen Bias hat (d.h. es entsteht mittelfristig ein Plus oder ein Minus), der z.B. von der Geschaeftspolitik der Bank bestimmt wird. Die Annahme des Vortragenden im Video wäre also zu vereinfachend.
Was macht eigentlich BillHicks jetzt nach seinem Studium? arbeitet er für eine Bank?
Bernd Borchert
Klingt vernünftig!
Naclador
, Göttingen, Sonntag, 19.05.2013, 23:11 (vor 4660 Tagen) @ BerndBorchert
Hallo Bernd,
Deine Sichtweise erscheint mir einleuchtend. Und je größer die Bank, desto kleiner sollten die täglichen Saldenschwankungen im Vergleich zur Bilanzsumme sein. @Ashitaka, kannst Du für uns mal schätzen in welcher Größenordnung der tägliche ZBG-Bedarf einer Großbank so bewegt (10%, 1%, 0,1% des täglichen Zahlungsverkehrs)?
--
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Naclador's Corrolary: "Recognize when stupidity is not an adequate explanation."
? Beispiele und Frage
moneymind
, Montag, 20.05.2013, 19:36 (vor 4660 Tagen) @ BerndBorchert
Hallo Bernd,
Geschäftsbanken saldieren (verrechnen) ihre gegenseitigen
Überweisungen
und überweisen dann den Restsaldo in Zentralbankgeld. Ihr Bedarf an
Zentralbankgeld kann daher schwanken, je nachdem, wie groß dieser
Saldo
ausfällt. Im einen Extremfall ist ihr Zentralbankgeldbedarf so hoch
wie
die von ihr selbst eingeräumten Kredite. Im anderen Extremfall ist er
gleich Null.
No, das andere Extrem ist, dass man ein gehöriges Plus hat.
Wer "hat ein Plus" an was?
Beispiele:
Bank A hat die Nichtbanken A1 und A2 als Kunden.
Bank B hat die Nichbanken B1 und B2 als Kunden.
Bsp. 1: A1 überweist 1000 an A2. Da A2 sein Konto bei derselben Bank hat, bucht die Bank den Betrag einfach auf A2's Konto um. Für die Bank A ein Passivtausch. Bedarf an Zentralbankgeld = 0.
Bsp. 2: A1 überweist 1000 an B 1. Der Bank A1 entsteht ein Zentralbankgeldbedarf in Höhe von 1000.
Bsp. 3: A1 überweist 1000 an B1, und im gleichen Zeitraum überweist B2 1000 an A2. Also müßte Bank A 1000 Zentralbankgeld an Bank B überweisen, Bank B 1000 Zentralbankgeld an Bank A. Nun saldieren die Banken. Ihre gegenseitigen Überweisungen sind gleich groß und heben sich auf. Für beide Banken entsteht kein Zentralbankgeldbedarf.
Bsp. 3: A1 überweist 1000 an B1, und im gleichen Zeitraum überweist B2 500 an A2. Also müßte Bank A 1000 ZBG an Bank B überweisen, Bank B 500 ZGB an Bank A. Nun saldieren sie wieder. Übrig bleibt ein Saldo von 500, den Bank A an Bank B zu überweisen hat. Für Bank A entsteht ein Zentralbankgeldbedarf in Höhe von 500 (obwohl die Summe der von den Nichtbanken getätigten Überweisungen 1500 betrug).
Bsp. 1 und 3 repräsentieren den einen Extremfall, in dem für die beteiligten Geschäftsbank(en) kein Zentralbankgeldbedarf entsteht.
Bsp. 2 repräsentiert den anderen Extremfall, in dem die Summe der von Nichtbanken getätigten Überweisungen zum Bedarf an Zentralbankgeld in gleicher Höhe führt.
Bsp. 3 repräsentiert etwas dawischenliegendes.
In other words, Geschäftsbanken brauchen Zentralbankgeld, aber in der Regel weniger, als sie Geschäftsbankengeld (Giralgeld) bewegen. Sie können nicht vorhersehen, wie hoch ihr Zentralbankgeldbedarf zu einem bestimmten Zeitpunkt sein wird. Das ist ihr Liquiditätsrisiko.
Der Durchschnitt wird irgendwo dazwischenliegen
ja, bei 0.
Warum bei 0?
und schwanken.
ja, um 0 herum, und für die Schwankungen ins Minus braucht man einen
Puffer. Der ist aber minimal, wenn es sehr viele Überwesiungen sind - je
mehr es sind, desto geringer sind die Schwankungen - prozentual gemessen an
der Summe aller Überweisungen. Sollte im Promillebereich liegen.
Könntest Du das bitte mal anhand eines Beispiels nachweisen, danke.
D.h. es gibt für die Banken immer das Risiko des
Zentralbankgeldbedarfs,
mit dem sie wirtschaften müssen.
Also, wenn die Überweisungen keinen Bias haben, sondern der Saldo im
Durchschnitt 0 ist, und keine Ausreisser dabei sind, dann sollte die 1%
Mindestreserve ausreichen.
Wieso sollte der Saldo im Durchschnitt gleich Null sein? Im übrigen kommt es auf die Zeitintervalle an, in denen saldiert wird. Jeweils zu diesem Zeitpunkt nämlich muß die GB mit negativem Saldo in ZBG zahlen. Jeweils zu diesen Zeitpunkten braucht sie also ZBG.
Ich denke aber, dass der Saldo nicht automatisch bei durchschnittlich 0
liegt, sondern einen deutlichen Bias hat (d.h. es entsteht mittelfristig
ein Plus oder ein Minus), der z.B. von der Geschaeftspolitik der Bank
bestimmt wird. Die Annahme des Vortragenden im Video wäre also zu
vereinfachend.
Ja, sehe ich auch so.
Was macht eigentlich BillHicks jetzt nach seinem Studium? arbeitet er für
eine Bank?
Keine Ahnung, da mußt Du ihn selber fragen.
Gruß
moneymind
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
"(An)Trieb" von Liated ;-)
Liated mi Lefuet
, Montag, 20.05.2013, 21:23 (vor 4660 Tagen) @ moneymind
bearbeitet von unbekannt, Montag, 20.05.2013, 21:42
Sali Moneymind
Dein Beispiel eignet sich hervorragend, um zu zeigen, was Melethron, Luta und ich genau sagen woll(t)en. Und wieso wir ziemlich aufgeregt sind. (Zumindest ich bin es)
Wir sagen, dass es aus naturgesetzlichen Gründen unmöglich ist, dass Netting (auch Clearing, Verrechnen, Kontokorrent führen, etc. etc. genannt), die systemische Saldogrenze "durchstossen" kann, die unsere Formel umschreibt, um in Widerspruch dazu einen Systemsaldo von "0" zu erreichen. Besser "netten", als die Formel "erlaubt", geht naturgesetzlich nicht, nur schlechter mit höherem Saldo. Falls wir recht haben, ist das zentralste Dogma der Mainstream Ökonomen -die general equilibrium theory- als Unfug entlarvt.
Da ein Netting-Saldo (was in der Netting-Fachwelt unbestritten ist) auch von der Anzahl Kontoverbindungen(KVB) mit abhängt, ist schon im voraus klar, dass eine kleine Anzahl KVB im Interbanksektor einen kleineren Saldo "ernettet", als die viel, viel grössere Anzahl KVB der Bank(en) mit Nichtbanken. (Gilt gleichermassen beim zentralen bzw. dezentralen Netting).
Am einfachsten ließe sich diese unüberwindbare Grenze/Barriere in einem ersten Schritt experimentell m.E. so feststellen: Z.B. anhand realer Daten aus dem Hochfrequenz-Handel und/oder von einem Clearing House wie Clearstream, oder CHIPS, CHAPS etc.
Herzliche Grüsse an Dich
Liated, der Dir nur erklären wollte, was ihn an-, um- und vorwärts treibt.
Ein Beispiel mit Plus ...
BerndBorchert
, Montag, 20.05.2013, 22:51 (vor 4659 Tagen) @ moneymind
Wer "hat ein Plus" an was?
Ein Plus an ZB.
In Deinem Beispiel
Bsp. 5: B1 überweist 1000 an A1. Der Bank A1 entsteht ein Zentralbankgeldguthaben in Höhe von 1000.
B.Borchert
Ja, genau so hatte ich Dich auch verstanden.
Naclador
, Göttingen, Mittwoch, 22.05.2013, 10:02 (vor 4658 Tagen) @ BerndBorchert
Wer "hat ein Plus" an was?
Ein Plus an ZB.In Deinem Beispiel
Bsp. 5: B1 überweist 1000 an A1. Der Bank A1 entsteht ein
Zentralbankgeldguthaben in Höhe von 1000.
B.Borchert
In einem komplett statistischen System mit sehr vielen Überweisungen in zufälliger Richtung sollten sich also sehr kleine Salden ergeben. Null werden sie nicht sein, sondern, wie in Liateds Modell, so eine "Random-Walk-artige" Verteilung aufweisen. In einem nicht rein statistischen Modell werden Netto-Kapitalflüsse von einer Bank zur anderen auftreten, so dass die eine Bank mit der Zeit eine Verbindlichkeiten gegenüber der ZB aufbaut, die andere Verbindlichkeiten abbaut. Da die Bankerei ein einträgliches Geschäft ist, wird das in der Regel nicht zum Bankrott der ersteren Bank führen, sondern nur deren Aktiendividende etwas schmälern.
Es fällt auf, dass es alleine schon durch diese Saldenmechanik zu einer Akkumulationswirkung kommt. Denn eine global tätige Großbank wird durch die gewaltige Zahl an täglichen Überweisungen relativ zur Bilanzsumme IMMER kleinere Salden haben als die kleine Volksbank um die Ecke, mithin auch einen (relativ) geringeren Bedarf an ZBG, geringere Refinanzierungskosten und eine höhere Gewinnmarge. Selbst wenn man alle anderen Wettbewerbsvorteile außer Acht lässt, führt allein schon das zweistufige Banksystem zu einer Bevorzugung der "Big Banks", richtig?
Gruß
Naclador
--
Hanlon's Razor: "Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity."
Naclador's Corrolary: "Recognize when stupidity is not an adequate explanation."
auch @B. Borchert, Liated, Luta etc.
moneymind
, Mittwoch, 22.05.2013, 10:50 (vor 4658 Tagen) @ Naclador
In einem komplett statistischen System mit sehr vielen Überweisungen in
zufälliger Richtung sollten sich also sehr kleine Salden ergeben. Null
werden sie nicht sein, sondern, wie in Liateds Modell, so eine
"Random-Walk-artige" Verteilung aufweisen. In einem nicht rein
statistischen Modell werden Netto-Kapitalflüsse von einer Bank zur anderen
auftreten, so dass die eine Bank mit der Zeit eine Verbindlichkeiten
gegenüber der ZB aufbaut, die andere Verbindlichkeiten abbaut.
Wie paßt dann ein Phänomen wie eine Bankenkrise (Liqui-Krise des Bankensystems) in dieses "statistische" Modell?
Da die
Bankerei ein einträgliches Geschäft ist, wird das in der Regel nicht zum
Bankrott der ersteren Bank führen, sondern nur deren Aktiendividende etwas
schmälern.Es fällt auf, dass es alleine schon durch diese Saldenmechanik zu einer
Akkumulationswirkung kommt. Denn eine global tätige Großbank wird durch
die gewaltige Zahl an täglichen Überweisungen relativ zur Bilanzsumme
IMMER kleinere Salden haben als die kleine Volksbank um die Ecke, mithin
auch einen (relativ) geringeren Bedarf an ZBG, geringere
Refinanzierungskosten und eine höhere Gewinnmarge. Selbst wenn man alle
anderen Wettbewerbsvorteile außer Acht lässt, führt allein schon das
zweistufige Banksystem zu einer Bevorzugung der "Big Banks", richtig?
Hm ... könnte sein, muß ich mal drüber nachdenken.
Gruß
moneymind
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
Die Karte ist nicht das Gebiet.
Naclador
, Göttingen, Mittwoch, 22.05.2013, 11:57 (vor 4658 Tagen) @ moneymind
In einem komplett statistischen System mit sehr vielen Überweisungen in
zufälliger Richtung sollten sich also sehr kleine Salden ergeben. Null
werden sie nicht sein, sondern, wie in Liateds Modell, so eine
"Random-Walk-artige" Verteilung aufweisen. In einem nicht rein
statistischen Modell werden Netto-Kapitalflüsse von einer Bank zur
anderen
auftreten, so dass die eine Bank mit der Zeit eine Verbindlichkeiten
gegenüber der ZB aufbaut, die andere Verbindlichkeiten abbaut.
Wie paßt dann ein Phänomen wie eine Bankenkrise (Liqui-Krise des
Bankensystems) in dieses "statistische" Modell?
Gar nicht. Im rein statistischen Modell gibt es keine Liqui-Krise. Wir Naturwissenschaftler machen uns gern vereinfachte Modelle, auch wenn wir genau wissen, dass sie bestimmte Phänomene nicht erklären können. Trotzdem kann man am Modell etwas über das reale System lernen.
Wenn man die Liquiditätskrise erklären möchte, muss man den Interbankenmarkt mit berücksichtigen. Die Refinanzierung muss ja nicht zwingend über die ZB laufen. Aber was red ich, das weißt Du alles viel besser als ich.
Da die
Bankerei ein einträgliches Geschäft ist, wird das in der Regel nicht
zum
Bankrott der ersteren Bank führen, sondern nur deren Aktiendividende
etwas
schmälern.
Es fällt auf, dass es alleine schon durch diese Saldenmechanik zu
einer
Akkumulationswirkung kommt. Denn eine global tätige Großbank wird
durch
die gewaltige Zahl an täglichen Überweisungen relativ zur Bilanzsumme
IMMER kleinere Salden haben als die kleine Volksbank um die Ecke,
mithin
auch einen (relativ) geringeren Bedarf an ZBG, geringere
Refinanzierungskosten und eine höhere Gewinnmarge. Selbst wenn man
alle
anderen Wettbewerbsvorteile außer Acht lässt, führt allein schon das
zweistufige Banksystem zu einer Bevorzugung der "Big Banks", richtig?
Hm ... könnte sein, muß ich mal drüber nachdenken.
Ja, tu das, Deine Gedanken dazu würden mich interessieren.
Gruß
moneymind
Gruß
Naclador
--
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Naclador's Corrolary: "Recognize when stupidity is not an adequate explanation."
sinnvolle Modellbildung
moneymind
, Mittwoch, 22.05.2013, 13:23 (vor 4658 Tagen) @ Naclador
Hi,
In einem komplett statistischen System mit sehr vielen Überweisungen
in
zufälliger Richtung sollten sich also sehr kleine Salden ergeben.
Null
werden sie nicht sein, sondern, wie in Liateds Modell, so eine
"Random-Walk-artige" Verteilung aufweisen. In einem nicht rein
statistischen Modell werden Netto-Kapitalflüsse von einer Bank zur
anderen
auftreten, so dass die eine Bank mit der Zeit eine Verbindlichkeiten
gegenüber der ZB aufbaut, die andere Verbindlichkeiten abbaut.
Wie paßt dann ein Phänomen wie eine Bankenkrise (Liqui-Krise des
Bankensystems) in dieses "statistische" Modell?
Gar nicht. Im rein statistischen Modell gibt es keine Liqui-Krise. Wir
Naturwissenschaftler machen uns gern vereinfachte Modelle, auch wenn wir
genau wissen, dass sie bestimmte Phänomene nicht erklären können.
Trotzdem kann man am Modell etwas über das reale System lernen.
Etwas schon, nur ist die Frage: was ist essentiell, was können wir weglassen?
Es geht hier nicht um naturwissenschaftliche Dinge, sondern darum, menschliches Handeln zu erklären. Dafür brauchen wir Modelle, die diese Perspektive - also die Wahrnehmungen, Erwartungen, Ziele, Befürchtungen usw. und das daraus folgende Tun der beteiligten Akteure - von vorneherein systematisch einbeziehen.
Der Zeitaspekt - also die Fälligkeitstermine der Kredite bzw. insgesamt die Fristenstruktur der laufenden Kredite im Zusammenhang mit aktuell fälligen und der aktuellen Geldsparneigung - ist dabei essentiell. In der Darstellung von Piratos fehlt dieser entscheidende Aspekt, was im Video "Geld entsteht - Geld vergeht" in der anschließenden Diskussion auch ein Banker kritisch anmerkt(ab ca. 1:16: "es fehlt ein gewisser Zeitaspekt, es gibt eine weitere Achse dazu"). Er thematisiert das nur in Bezug auf das Liquiditätsproblem der Banken, aber ich meine das generell. Der Zeitaspekt muß von Grund auf ins Modell eingebaut werden, und zwar sowohl in Bezug auf die Fristenstruktur der Kredite als auch in Bezug auf die subjektiven Erwartungsperspektiven der beteiligten Akteure (das war ein Kernpunkt, den Keynes zu recht betont hat).
In other words, ich sehe das statistische Modell als heuristisches tool, mit dessen Hilfe man Hypothesen formulieren kann. Erklären kann man die Zusammenhänge dann aber nur als Handlungszusammenhang von Akteuren mit Erwartungen, Plänen, Zielen usw. unter den Prämissen eines Kreditsystems samt zweistufigen Bankensystems etc.
Gruß
moneymind
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Keine Aussage für Bankenkrise - Modell ist ein Schönwettermodell (oT)
BerndBorchert
, Mittwoch, 22.05.2013, 12:52 (vor 4658 Tagen) @ moneymind
- kein Text -
dann ist das ein Hinweis auf mangelnde Erklärungsleistungen des Modells ...
moneymind
, Mittwoch, 22.05.2013, 13:31 (vor 4658 Tagen) @ BerndBorchert
... denn Liqui-Krisen (mit allen dazugehörigen Phänomenen, die Irving Fisher in der Weltwirtschaftskrise 1929ff. in 49 Punkten schön aufgelistet, aber eben nicht erklärt hat) sind DAS entscheidende Explanandum in Geldwirtschaften, die eine Theorie der Geldwirtschaft schlüssig und widerspruchsfrei erklären können muß.
In other words, fällt die Theorie bei diesem Test durch, taugt sie nicht als allgemeine Theorie der Geldwirtschaft (aber nach der wird gesucht, weil sie als Anleitung bei der Gestaltung der Geldverfassung und dem Umgang mit solchen Krisen unverzichtbar ist).
Gruß
moneymind
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Akkumulation
tar
, Gehinnom, Mittwoch, 22.05.2013, 12:47 (vor 4658 Tagen) @ Naclador
Hallo,
Es fällt auf, dass es alleine schon durch diese Saldenmechanik zu einer
Akkumulationswirkung kommt.
Akkumulation von Vermögen ergibt sich aus den zugrundeliegenden Rechtsverpflichtungen der Eigentumswirtschaft: Entweder man wirtschaftet erfolgreich, was nichts anderes bedeutet, als mindestens die Vorfinanzierungskosten einzuspielen und weiterzureichen oder man schlägt damit fehl und es wird auf Eigentumsebene vollstreckt. In jedem Fall werden auf Gläubigerseite Eigentumsrechte akkumuliert.
Dieser Akkumulation wird zweifach entgegengewirkt: durch Bankrott des Schuldners (d.h. Vollstreckung schlägt fehlt) und durch Enteignung samt Umverteilung von akkumuliertem Gläubigereigentum. Wird ersteres in größerer bzw. andauernder Form verhindert (mittels Ersatzschuldner/"Rettungsschirm"), muss irgendwann letzteres in höherem Ausmaß greifen, um die/den soziale Ordnung/Frieden nicht zu gefährden, da durch anhaltende Vermögensakkumulation immer größere Teile der Bevölkerung vom selbstverantwortlichen Wirtschaften ausgegrenzt werden. Selbstverantwortlich in dem Sinne, dass diese Wirtschaftsteilnehmer selbst das Risiko eingehen können, eigenes Vermögen zur Bewirtschaftung überhaupt einzusetzen.
Denn eine global tätige Großbank wird durch
die gewaltige Zahl an täglichen Überweisungen relativ zur Bilanzsumme
IMMER kleinere Salden haben als die kleine Volksbank um die Ecke, mithin
auch einen (relativ) geringeren Bedarf an ZBG, geringere
Refinanzierungskosten und eine höhere Gewinnmarge.
Wieso nimmst du an, dass sich die ergebende Saldenrelation bei größerer Bilanzsumme verringert?
Gruß!
--
Gruß!™
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Gesetz der großen Zahlen
Naclador
, Göttingen, Mittwoch, 22.05.2013, 13:56 (vor 4658 Tagen) @ tar
Hallo tar,
große Banken liegen durch ihre zahlreichen täglichen Überweisungsvorgänge näher am idealen statistischen Grenzfall, können daher wesentlich effizienter saldieren als kleine Banken. Daher haben sie einen in Relation zur Bilanzsumme geringeren Bedarf an ZBG als kleine Provinzbanken. So stelle ich mir das zumindest vor.
Gruß,
Naclador
--
Hanlon's Razor: "Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity."
Naclador's Corrolary: "Recognize when stupidity is not an adequate explanation."
idealer Grenzfall beim Münzwurf?
tar
, Gehinnom, Mittwoch, 22.05.2013, 14:10 (vor 4658 Tagen) @ Naclador
Hallo,
große Banken liegen durch ihre zahlreichen täglichen
Überweisungsvorgänge näher am idealen statistischen Grenzfall, können
daher wesentlich effizienter saldieren als kleine Banken. Daher haben sie
einen in Relation zur Bilanzsumme geringeren Bedarf an ZBG als kleine
Provinzbanken. So stelle ich mir das zumindest vor.
Das erscheint mir insofern unlogisch, dass man im positiven wie im negativen neben dem idealen statistischen Grenzfall (whatever that means) liegen kann und demzufolge entweder einen höheren oder niedrigeren ZBG-Bedarf aufweist ![[[zwinker]]](images/smilies/zwinker.gif)
Es geht dir doch um ZBG-Zu- und Abgänge (Vergleich ähnlich Münzwurf)?
Gruß!
--
Gruß!™
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Ich bin mir nicht sicher, ob ich Dich richtig verstehe.
Naclador
, Göttingen, Mittwoch, 22.05.2013, 14:41 (vor 4658 Tagen) @ tar
Das erscheint mir insofern unlogisch, dass man im positiven wie im
negativen neben dem idealen statistischen Grenzfall (whatever that
means) liegen kann und demzufolge entweder einen höheren oder niedrigeren
ZBG-Bedarf aufweistEs geht dir doch um ZBG-Zu- und Abgänge (Vergleich ähnlich Münzwurf)?
Gruß!
Es geht mir um den Bedarf an ZBG. Hast Du die Diskussion bis hier verfolgt? Es geht um die Saldierung des Zahlungsverkehrs bei der Überweisung von Sichtguthaben zwischen zwei oder mehr Banken. Luta und Liated haben in einem mathematischen Modell gezeigt, dass unter Annahme von zufälligen, voneinander unabhängigen Überweisungen der Erwartungswert der Saldenentwicklung einer Lognormalverteilung folgt. Diese gibt damit sozusagen den theoretischen Mindestbedarf der GB an ZBG an. Das ist das, was ich als "idealen statistischen Grenzfall" bezeichnet habe. Die Lognormalverteilung gilt aber nur für unendlich viele Überweisungsvorgänge. Bei weniger schwanken die Salden in einem größeren Bereich (Abweichung also nur "nach oben"). Je größer eine Bank, um so näher kommt die Anzahl der täglichen Überweisungen dem Unendlichen, und um so effizienter kann saldiert werden, d.h. um so geringer ist der relative Bedarf der Bank an ZBG (relativ: im Verhältnis zur Bilanzsumme).
Gruß,
Naclador
EDIT: Der Saldo selbst kann natürlich positiv oder negativ sein. Aber durch positiven Saldo entsteht ja kein Bedarf an ZBG, daher reicht es, sich die negative Hälfte anzusehen.
--
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Mathematische Optimierungsspielchen
tar
, Gehinnom, Donnerstag, 23.05.2013, 00:52 (vor 4657 Tagen) @ Naclador
Hallo,
Es geht mir um den Bedarf an ZBG. Hast Du die Diskussion bis hier
verfolgt? Es geht um die Saldierung des Zahlungsverkehrs bei der
Überweisung von Sichtguthaben zwischen zwei oder mehr Banken. Luta und
Liated haben in einem mathematischen Modell gezeigt, dass unter Annahme von
zufälligen, voneinander unabhängigen Überweisungen der Erwartungswert
der Saldenentwicklung einer Lognormalverteilung folgt.
Das habe ich schon richtig verstanden. Mal davon abgesehen, dass dieses Modell natürlich nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.
...
EDIT: Der Saldo selbst kann natürlich positiv oder negativ sein. Aber
durch positiven Saldo entsteht ja kein Bedarf an ZBG, daher reicht es, sich
die negative Hälfte anzusehen.
Eben damit wendest du dich von dem Umstand ab, dass Banken mit geringerer Bilanzsumme "höher" schwankende Relativ-Nichtbedarfe (nennen wir es doch präziser "ZBG-Zuflüsse") haben können und damit noch "effizienter saldieren" können als die mit höherer Bilanzsumme, was deiner Aussage, dass "Big Banks" im zweistufigen Bankensystem bevorzugt würden, zuwiderläuft. ![[[zwinker]]](images/smilies/zwinker.gif)
Solcherart Pauschalaussagen führen zu immensen Fehlschlüssen, da es insb. im monetären Bereich um Einzelfallunterscheidungen geht, wo man gemeinhin Verallgemeinerungen vermutet.
Gruß!
--
Gruß!™
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Man weiß es anfangs ja nicht
Naclador
, Göttingen, Donnerstag, 23.05.2013, 07:51 (vor 4657 Tagen) @ tar
Der Witz ist ja, dass die Bank am Anfang vom Tag nicht wissen kann, ob ihr Saldo positiv oder negativ ist. Sie muss sich also (Erwartungswert + Puffer) an ZBG besorgen, um in jedem Fall flüssig zu bleiben.
--
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Praxis
tar
, Gehinnom, Donnerstag, 23.05.2013, 09:47 (vor 4657 Tagen) @ Naclador
Hallo,
Der Witz ist ja, dass die Bank am Anfang vom Tag nicht wissen kann, ob ihr
Saldo positiv oder negativ ist. Sie muss sich also (Erwartungswert +
Puffer) an ZBG besorgen, um in jedem Fall flüssig zu bleiben.
Da ist natürlich was dran, wobei sie mehrere Tage Vorlaufzeit für größere Abhebungen und bis zu 3 (bzw. 5 im Ausland) Tage Zeit für Überweisungen an Fremdinstitute haben. Diese gewähr(t)en sich auch gegenseitig Kredit, d.h. auch dort sollte nicht zwingend sofortiges ZBG notwendig (gewesen) sein.
Grundsätzlich stimme ich dir zu, dass alle größere Banken im Durchschnitt tendenziell weniger relativen ZBG-Bedarf haben, was sich mMn jedoch für die einzelne kleine und große GB und für die jeweils einzelne Periode ganz anders darstellen kann.
Sprich: für die einzelne GB lässt sich aus der o.g. Tendenz praktisch nichts ableiten.
Es ist meiner Meinung nach auch ein völlig falscher Ansatz, sich an der mathematischen Optimierbarkeit der Refinanzierung zu versuchen, denn es geht ja gerade darum, dass GB auch im Krisenfall auf hinreichend wertstabile Deckungsmasse udn diesbzgl. Eigenkapital (zum Abfedern verfallender Deckungsmasse) zurückgreifen können, da gerade dann die Schwankungen der ZBG-Bedarfe heftig(er) ausschlagen.
Gruß!
--
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Praxis
Naclador
, Göttingen, Donnerstag, 23.05.2013, 09:59 (vor 4657 Tagen) @ tar
Grundsätzlich stimme ich dir zu, dass alle größere Banken im
Durchschnitt tendenziell weniger relativen ZBG-Bedarf haben, was sich mMn
jedoch für die einzelne kleine und große GB und für die jeweils einzelne
Periode ganz anders darstellen kann.
Schön, da sind wir uns schon mal einig.
Sprich: für die einzelne GB lässt sich aus der o.g. Tendenz praktisch
nichts ableiten.
Natürlich nicht, es geht um das große Bild.
Es ist meiner Meinung nach auch ein völlig falscher Ansatz, sich an der
mathematischen Optimierbarkeit der Refinanzierung zu versuchen, denn es
geht ja gerade darum, dass GB auch im Krisenfall auf hinreichend
wertstabile Deckungsmasse udn diesbzgl. Eigenkapital (zum Abfedern
verfallender Deckungsmasse) zurückgreifen können, da gerade dann die
Schwankungen der ZBG-Bedarfe heftig(er) ausschlagen.
Und genau das ist aber nicht passiert, sonst hätte es ja keine Krise gegeben. Genau solche Optimierungsorgien mit auf die dritte Nachkommastelle durchoptimierten Eigenkapitalquoten haben das Finanzwesen doch zu der tickenden Zeitbombe gemacht, die 2008 (zum Teil) hochgegangen ist.
Insofern taugt dieses Schönwettermodell vielleicht doch, um etwas über die Krise zu lernen.
Gruß,
Naclador
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Vielleicht hast Du Recht.
Naclador
, Göttingen, Donnerstag, 23.05.2013, 09:38 (vor 4657 Tagen) @ tar
Hallo tar, ich bin's nochmal,
Du hast natürlich insofern Recht, als eine Bank ZBG-Überschüsse "vom Vortag" sich am nächsten Tag nicht von der ZB zu besorgen braucht und dadurch Refinanzierungskosten einspart. Die Implikationen für das Ergebnis sind mir jetzt nicht so ohne Weiteres klar, da muss ich erstmal drüber nachdenken. Danke für den Hinweis!
Gruß,
Naclador
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