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Kleiner Reisebericht aus dem Hinterland Chinas (mT)

DT @, Mittwoch, 29.10.2014, 14:20 (vor 4168 Tagen)
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 29.10.2014, 14:39

Kürzlich habe ich mir einen langgehegten Traum erfüllt und bin ins Hinterland Chinas gefahren. Für mich war das immer noch „terra incognita“, ein unbekanntes, geheimnisvolles Land, wo ich mir vorgestellt hatte, daß die Bauern immer noch mit Gespannen fahren und die Reisfelder bestellen, ähnlich wie in Indonesien, alles mit der Hand und mit Ochsen, und daß in den Dörfern Gänse, Schweine und Geflügel durcheinander laufen und dort die Brutstätte von Viren wie H5N1 oder anderen ist, die dann vom Geflügel auf Schwein und Mensch überspringen.

Meine Reise begann in Changsha, das ca 2 Flugstunden südwestlich von Peking liegt. Der Flughafen ist sehr modern, höchstens 10 Jahre alt, und zum Vergleich: maximal der FJS Flughafen in München kann mithalten, was Modernität angeht.

Bei der Fahrt zum Hotel fiel mir auf, daß Changsha nicht viele der superhohen Wolkenkratzer hat, wie man sie heutzutage überall an der chinesischen Ostküste findet. Die Gebäude sind eher noch so im Stile des Kommunismus gehalten, einige architektonische Wildwüchse waren dabei, wie ein Hochhaus, auf das eine Art Leuchtturm gestellt wurde. Changsha ist übringens der Ort, wo eine verrückte Baufirma ein 1000m hohes Hochhaus in 210 Tagen bauen wollte, Sky City. Davon war aber nichts zu sehen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Sky_City_%28Changsha%29

Changsha ist eine 6 Millionenstadt, also grob gesagt von der Einwohnerzahl doppelt so groß wie Berlin, aber es fühlt sich eher wie eine mittelgroße Stadt an. Der Verkehr ist nicht nah am Infarkt wie in Shanghai oder in Beijing, und auch die Straßen sind nicht übervoll. Natürlich haben alle ihr Smartphone dabei und starren permanent darauf, zumindest die Jugendlichen und diejenigen im Alter bis ca 30.

Am Rand der Stadt liegt der Yuelu Mountain mit einem schönen Weg, den man in ca 1h gemütlich hochlaufen kann, und abends findet man jede Menge Jogger, Fahrradfahrer oder auch Pärchen, die dort unterwegs sind. Ganz oben ist dann ein Fernsehturm, und man hat einen hervorragenden Ausblick über die Stadt, durch die ein großer Fluß fließt und in dem mittendrin eine längliche Insel (Orange Island) von 10 km Länge liegt, auf der auch eine große Mao-Statue zu finden ist. Am anderen Flußufer sind bereits erste größere Wohn- und Apartment-Hochhäuser im Bau, und man kann sich vorstellen, daß in 10 Jahren das ganze Ufer mit Apartment-Hochhäusern zugebaut ist. Auf der Südseite schaut man auf die Hunan-Universität, deren Gebäude doch schon in die Jahre gekommen sind. Vor dem Haupteingang steht ein riesiger Mao, der gütig auf die Straße schaut, und der aus der Gegend stammt und wohl in Changsha ausgebildet wurde (als Bibliothekar). Nebenan ist die Yuelu-Akademie, die bereits seit dem Jahre 976 besteht und im imperialen China Teil der Ausbildungsstätten für die Beamten war. Changsha rühmt sich, somit die älteste Universität der Welt zu besitzen, mit einer über 1000-jährigen Geschichte.

Vor dem Hotel sind mir dann tagsüber 3 Bauarbeiter aufgefallen, die neben einem Deckel in der Strasse saßen. Dort schauten zwei Telefonkabel raus, ca 5 cm dick jeweis, und darin waren ca 20 einzelne Kabel, von denen jedes ca 100 Glasfaserkabel mit verschiedenen Farben besaß. Ich war ganz fasziniert davon und habe eine Zeitlang zugeschaut, was die drei dort den ganzen Tag lang getrieben hatten und habe auch einige Bilder gemacht und die Tätigkeit gefilmt. Es stellte sich heraus, daß die Kaben verbunden wurden, und dazu mußten ca 1000 Glasfaserleitungen zusammen gespleißt werden.

Die Arbeiter saßen nur auf den Deckeln ihrer Arbeitsgeräte bzw. auf einem Karton, und das ganze war direkt neben einer belebten Kreuzung, wo ohne Ende gehupt wurde. Der erste Arbeiter entfernte mit einer Zange die Plastikummantelung der Glasfaserleitung, dann wurde die Leitung mit einem relativ zerfaserten und schon oft für diesen Zweck benutztes Tempotaschentuch oder Papiertuch gewischt. Der zweite Arbeiter legte jeweils zwei dieser Leitungen in eine kleine Guillotine, einen Cleaver ein, und schnitt die Fasern hinten rechtwinklig ab, immer zwei Stück auf einmal. Dann wurde noch eine Hülse über das Kabel geschoben, die später die verbundene Stelle schützte. Es war faszinieren, wie schnell das ging und wie geschickt er die verschiedenen Farben zwischen seinen anderen Fingern festhielt, ohne daß die Glasfasern irgendetwas berührten und schmutzig wurden. Der dritte Arbeiter hatte dann ein Spleißgerät mit einem Lichtbogen und einem kleinen LCD Bildschirm, wo er jeweils zwei Kabel derselben Farbe einlegte und miteinander verband.

Die drei haben unablässig und super schnell gearbeitet, ich schätze, daß eine gesamte Verbindung nicht mehr als 30 Sekunden gebraucht hat. Sie hatten jeder nur eine Plastikflasche mit Wasser dabei und saßen dort stundenlang direkt in Auspuffhöhe an der lauten Kreuzung. In ziemlich verdreckten und heruntergekommenen Klamotten. Das ganze hat genau einen Tag gedauert, abends waren die drei fertig, dann waren die beiden Leitungen mit 1000 Glasfasernkabeln zusammen gespleißt. Verdient haben die drei in dieser Zeit vielleicht insgesamt 150 EUR, wenns hoch kommt.

Dies war eine wesentliche Lektion, wieso China so schnell in den letzten 10-15 Jahren aufgestiegen ist und uns auch ohne Zweifel als Industrie-, Wirtschafts- und Technologiemacht ablösen wird. Wenn man sich vorstellt, daß die fette Amihxxx in Berlin noch nicht mal genau weiß, wie das Internet funktioniert und wie man bei uns eine Breitband- und Hochgeschwindigkeitsinternet-Strategie fahren kann und wenn davon geredet wird, wieviele Mrd oder Dutzende Mrd ein Ausbau der Breitbandinternetverbindung kosten würde, sitzen gleichzeitig in China Hunderte oder Tausende dieser Techniker in Städten, selbst im hintersten China, und spleißen das Hochgeschwindigkeitsinternet zusammen. In meinem Hotel war selbstverständlich High-Speed-Internet kostenlos zur Verfügung gestellt, und auch westliche Seiten wie DGF oder auch SpON haben ohne Probleme funktioniert.

Über diesen einen Kabelstrang, der da vor meinem Hotel und gegenüber einer ganz gewöhnlichen Shopping Mall verlegt wurde, können wohl ohne Probleme 1000 GB/Sekunde fließen. Und das war jetzt nicht der Backbone oder der Metro Ring von Changsha, sondern einfach nur eine von vielen Leitungen. Selbst wenn die nur aufgrund der etwas primitiven Arbeitsbedingungen im Dreck der Strasse und mit nur einem Tempotaschentuch die Spleiße nicht zu 100% erfolgreich sind, reichen dann auch noch 98-99% Erfolgsquote aus, um das Highspeed-Internet zu betreiben.

Ich frage mich, wie lange so ein Spleiß in Deutschland gedauert hätte, wieviele Techniker der Telekom daran beschäftigt gewesen wären und was das gekostet hätte. Wieso holen wir eigentlich nicht diese Techniker aus China zu uns und zahlen ihnen das Dreifache, dann können wir ohne Probleme auch Dörfer im Umkreis von München, die jetzt noch diskutieren, ob man Highspeed Internet braucht und ob sich eine Investition in eine Glasfaserleitung lohnt, anschließen. Währenddessen haben die Chinesen schon das nächste Internetbusiness gegründet und betreiben es, selbst aus dem hintersten Dorf. Und die Amihxxx hat wieder ihren Auftrag erfüllt, Deutschland ein wenig mehr zu entindustrialisieren, ganz getreu den Vorgaben Morgenthaus, wie sie es auch schon mit unserer Energieversorgung und mit unserem Bildungswesen getan hat.

In Changsha ist natürlich noch ein riesiger Optimismus zu spüren, man sieht die Plakate, die die Stadt in 10 Jahren darstellen, mit den ganzen neuen Wolkenkratzern, und an der Uni werden neue Gebäude hochgezogen und Maschinen aus Deutschland und USA beschafft. Alles vom Feinsten. Aufbruchstimmung.
Ich hatte übrigens Glück, es war blauer Himmel, und vom Yuelu Mountain konnte man weit über die Stadt schauen. Ein paar Tage später war dicker Smog über der Stadt, und auch auf den Autos konnte man den Sandstaub sehen.
Ich bin dann weiter nach Westen gefahren, nach Zhangjiajie, ein kompliziertes Wort, eine Stadt mit ca 1.6 Mio Einwohnern, von denen die meisten hier wahrscheinlich noch nie gehört haben. Die Stadt ist auch noch nicht an das neue High-Speed Eisenbahnnetz angeschlossen, und für die ca 300 km Autobahn (ziemlich nagelneu) brauchts etwa 4 Stunden, weil eine sagenhafte 70 km lange Baustelle dazwischen ist, wo der Beton, der eigentlich noch ganz gut war, durch Asphalt ersetzt wird, überall entlang der 70 km. Da aber nicht so viele Autos fahren, fließt der Verkehr ganz gut.

Entlang der Strecke sieht man sehr fruchtbare Landschaft, hauptsächlich mit Reisfeldern, und von Kleinbauern angepflanzt. Anders als in den Dörfern des Ostens sind die Häuser hier in der Mitte Chinas weitläufiger, die Häuser größer und etwas voneinander getrennt, oft dreistöckig, mit schätzungsweise 200 m² Wohnfläche. Drumrum ein Garten mit Gemüse, und dann die Felder mit Reis. Z.T: wurde Reis mit kleinen Mähdreschern geerntet, auf ein paar Reisfelder wurden auch die Reste verbrannt, was Qualm gab, andere Felder wurden wieder bestellt. Da die Temperatur so im Bereich von 27-31 Grad lag, jetzt im Oktober, sind mehrere Ernten möglich. Auch Bäume mit Bananen und anderen Früchten konnte man sehen. Allerdings fiel auf, daß hauptsächlich alte Leute auf den Feldern gearbeitet haben – die Jungen sind wohl nach Changsha oder noch weiter in den Osten in die großen Metropolen gezogen. Ich habe auf ein paar Feldern tatsächlich noch Hocken gesehen, zu denen der Reis aufgestellt wurde, eine Szene, für die man in Deutschland (bzgl. Getreide) schon 100 Jahre zurück gehen muß. Aber die kleinen Mähdrescher, wie in Dtld in den 1950er Jahren, waren bisher noch in der Mehrheit. Das wird in Zukunft sicherlich anders, wenn die alten Bauern aussterben und pro Dorf nur noch 1-2 Bauern übrig bleiben, analog zu D, wo dann große Maschinen und eher industrielle Landwirtschaft das Ruder übernehmen.

Was auffällt, sind die durchaus verrohten Sitten je weiter westlich man kommt. Es wird schon geschubst und gedrängelt, selbst in schmalen abgetrennten Schlangen, wie zB im Nationalpark, den ich weiter unten noch beschreiben werde, es wird gerülpst und gespuckt, auch sehr laut gesprochen und herumgeblökt, der Verkehr ist sehr chaotisch, und es wird besinnungslos gehupt, wie ich das fast nur bisher in Indien erlebt habe. Bei jedem Überholen, und generell nehmen sich die Autos die Vorfahrt, dann kommen die Mopeds in der Hierarchie, ganz unten die Fußgänger.

Man nimmt keine Rücksicht ,sondern setzt sich durch. Die Leute muffeln durchaus, selbst jüngere Damen verbreiten einen leicht landwirtschaftlichen Geruch, junge Herren wechseln ihre Klamotten über 5 Tage nicht, was man beim Buffet beim Essenfassen riechen kann, wo enger Körperkontakt unvermeidlich ist, da Chinesen heuschreckenähnlich über das Essen herfallen.

Manieren beim Essen sind hier im Westen Chinas anscheinend unbekannt, und ganz schlimm ist es mit den Smartphones. Man beugt sich runter bis ca 5 cm über den Teller, schlürft die Suppe oder zuzelt die Nudeln rein, gleichzeitig schaut man auf das Smartphone, und es wird auch sehr hörbar im Speiseraum telefoniert. Trotz Rauchverbotsschildern auf dem Tisch, am Rand des Raums, etc., wird auch am Tisch geraucht, seit 10 Jahren habe ich das nicht mehr erlebt, man kann sich gar nicht vorstellen, daß das noch bis vor kurzem in jedem deutschen Restaurant üblich war.

Im Hotel stinkt es permanent nach Zigaretten, in der Lobby wird geraucht, vor dem Aufzug, und selbst im Aufzug, trotz Verbotsschilder. Das ist dann schon extrem störend. Diese Dinge gelten sowohl für Zhangjiajie als auch Changsha als auch Changsha.

Trotz der entlegenen Gegend kommen einem trotzdem in Zhangjiajie als auch Changsha Porsche Cayenne, Audis in Hülle und Fülle, jede Menge Volkswagen Golf, und auch Ami Buicks und jede Menge Japaner und Koreaner entgegen. Apropos Koreaner: Zhangjiajie ist ein Top-Spot für ältere Südkoreaner, deren Kinder ihnen eine besondere Freude gemacht haben und sie dorthin geschickt haben. Es ist wohl schick geworden in Korea, damit anzugeben, wie gut einen die Kinder behandeln, wenn sie einen nach Zhangjiajie senden und das bezahlen.

In der Tat habe ich in meiner Zeit in Zhangjiajie als auch Changsha praktisch keinerlei Ausländer gesehen, vielleicht max 1-2 pro Tag, ein schwedisches oder dänisches jüngeres Pärchen im Nationalpark, keine Deutschen (das ist mir praktisch noch nie passiert), eben viele Koreaner, ein paar Philippinerinnen, keine Amis (wie gut!), 1-2 Engländer oder Kanadier, keine Russen.
Selbst in diesem Hinterland sind die meisten Schilder noch zweisprachig, aber manchmal brauchts Hände und Füße, um sich verständlich zu machen, aber das klappt dann schon.

Es ist allerdings ein ziemlich einmaliges Gefühl, wenn man morgens im Hotel ist und im Speiseraum sitzt und unter Hunderten von müffelnden und lauten chinesischen Heuschrecken und Dutzenden älteren koreanischen Damen in moderner Funktionskleidung als einziger westlicher Ausländer weit und breit sitzt. Es passiert einem dann auch tatsächlich noch, daß man etwas angestarrt wird oder daß eine Gruppe von jungen Damen gerne ein Foto mit einem hätte :-)

Zhangjiajie ist die Kulisse gewesen, wo James Cameron’s Film „Avatar“ gedreht wurde. Ich muß sagen, auch wenn es nur wenig bekannt ist und erst seit wenigen Jahren überhaupt verkehrstechnisch erschlossen ist, da man durch einen langen Tunneln in das Bergtal einfährt, ist es aus meiner Sicht eines der Weltwunder der Natur. Die Kulisse ist dermaßen abendberaubend, eine Mischung aus Grand Canyon, Bryce und Zion Nationalpark. Kein Wunder, daß Cameron diesen Platz benutzt hat, um einen fremden Planeten darzustellen. Ich habe so etwas noch nie vorher gesehen, Dutzende oder Hunderte von Kalksteinsäulen von bis zu 350 m Höhe, bewachsen mit üppiger Natur, manche nur wenige10 m breit, unten Flußtäler, Canyons, Reisfelder, dazwischen ursprüngliche Dörfer mit „Ureinwohnern“, die noch klar den mongolischen Einfluß erkennen lassen, mit ihren eigenen Sitten und Gebräuchen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Zhangjiajie
http://en.wikipedia.org/wiki/Zhangjiajie_National_Forest_Park


Direkt am Rand von Zhangjiajie gibt es eine Höhle, die alles was ich bisher gesehen habe, in den Schatten stellt. Wenn man denkt, daß zB die Höhlen auf Mallorca schon eindrucksvoll sind, dann soll man dorthin gehen, und man wird überwältigt sein. Die Hualongdong-Höhle ist gigantisch, 15 km lang, 4 verschiedene Ebenen, man kann mit dem Boot über einen großen See fahren, und die Stalagmiten sind dermaßen riesig, daß sie jede Vorstellung sprengen. Der größte ist viele Millionen Jahre alt.

http://en.wikipedia.org/wiki/Huanglong_Cave

Der Nationalpark ist eigentlich sehr gut erschlossen, wenn man morgens um 7 losgeht und am Eingang ist, schläßt man die Mengen, die in China schon immer ein Problem sind, aber logistisch sind die Chinesen Organisationsweltmeister. So sind zB alle Straßen im Park für Privatautos gesperrt, und es fahren Hunderte von Bussen zu den einzelnen Plätzen. Es gibt eine österreichische Seilbahn, wo man selbst morgens ca 45 min warten muß, aber mit atemberaubenden Blicken aus 1200 m Höhe belohnt wird, und am Ende oben nach einem weiteren Bustransfer ist man auf dem Gipfel, in der Nähe, wo Avatar gedreht wurde. Man glaubt es kaum: dort erwartet einen ein nagelneuer McDonalds, allerdings wenig frequentiert, da sauteuer (40 RMB= 5 EUR für ein Big Mac Meal). Ansonsten gibt es ja, ganz traditionell chinesich, überall am Wegesrand Buden mit Getränken und warmem Essen, von Maronen über gegrillte Fleischklöße bis zu kleinen Vögeln am Spieß, die sehr lecker sein sollen.
Auf dem Gipfel gibt es einen 3.5 km langen Gipfelpfad mit absolut einmaligen, atemberaubenden Biicken über diese Kalksteinstelen und über die gezackten Berge. Wenn die Chinesen eine High-Speed-Eisenbahn nach Zhangjiajie bauen würden, könnte man Frankfurt-Changsha fliegen (das gibt’s von der LH) und wäre in 1h dort.

Entlang von einer Stele gibt es einen der größten und schnellsten Aufzüge der Welt, gebaut von „our German friends“, außen angeflanscht, damit fährt man wieder oben runter mit weiteren atemberaubenden Ausblicken. Der Bus fährt einen dann an Reisfeldern und Flüssen vorbei zu einer Schlucht, wo man einem Fluß entlang folgen kann nund dann und dann von freilaufenden Pavian-Affen unterhalten wird. Die sind weniger aggressiv als die Bonobos in Indonesien, die die Touristen schon mal anspringen und ihnen das Essen oder die Rucksäcke oder Kameras entreißen oder sie auch beißen.

In einem der Dörfer des Nationalparks findet sich eine Tourist Trap, dort werden traditionelle Lebensweise und Künste etc. vorgeführt. Gegenüber sind die üblichen Buden aufgebaut, und dort habe ich dann tatsächlich die schlimmste Sanitäreinrichtung meines ganzen Lebens gesehen. Selbst ein Loch im Wald bei der Bundeswehr war noch besser als diese Rinne, wo tatsächlich nur eine halbe Röhre vorhanden war mit kleinen Abtrennungen seitlich, für Kacke wie für Pisse, alles gemischt. Mein Nebenmann ging in die Hocke und las während der Erleichterung sein Smartphone, ich habs fotografiert, no joke. Draußen lief das einfach so raus, und Hunderte von Touris haben sich dort erleichtert. In verschiedenen Römermuseen in Dtld kann man ja die Sanitäreinrichtungen der Römer bewundern, und wenn ich mich nicht ganz täusche, ist in Rottenburg so ein Gemeinschaftsklo mit vielen Sitzen nebeneinander vorhanden, mit steinernen Leitungen und einer Kloake. Selbst bei Ausgrabungen aus der Jungsteinzeit habe es einigermaßen ordentliche sanitäre Anlagen, aber leider war dieser Ort im Nationalpark von Zhangjiajie der Tiefpunkt von allem Sanitären, was ich jemals sehen und benutzen durfte.

Abends in Zhangjiajie hatte ich die Gelegenheit, China noch so zu erleben, wie ich das noch aus den 90er Jahren kannte. Die Zeit war 15-20 Jahre zurück gedreht. Die Leute saßen noch draußen auf Plastikhockern, die Männer haben „chinese chess“ gespielt, die Leute haben erzählt, noch nicht jeder hat auf sein Smartphone gestarrt. Man geht noch in den Mum und Pap Store zum Essen, und die kleine Tochter im Alter von 5 oder 6 und zwei Zöpfen bedient die Kasse.

Aber das Unheil lauert schon um die Ecke: Anstatt der lokalen Hotels, wo es durchaus etwas sehr müffelt (wo es aber westliche Toiletten gibt ,wenn auch mit etwas wenig Klopapier, was ja in China immer rar ist), werden bereits Hotels von Ketten (ich habe zB Pullman Hotels gesehen) gebaut. Direkt gegenüber ist eine Mall im entstehen, wo dann natürlich die Ami-Ketten McD, KFC, Pizza Hut etc. reingehen werden.

Konsequenz wird sein, daß die Touristen nicht mehr in die Stadt gehen und in den lokalen Hotels übernachten, sondern ihr Hotel den Amiketten in den Rachen schmeißen und zum Essen direkt gegenüber ebenfalls bei den Amiketten gehen.
Die Tochter wird dann nicht mehr im familieneigenen Hotel abkassieren, sondern als Lohnsklavin für eine Amikette bedienen, und alle sitzen vor ihrem Smartphone und starren darauf und tippen wie wild in Watts App rein, und die Oligarchen von der East Coast reiben sich die Hände. Fxxx die Globalisierung. Ich hoffe, die Chinesen halten noch eine Zeitlang die wahren Heuschrecken der East Coast aus ihrem Land raus, bevor sie es wie den Rest der Welt aussaugen, um sich dann an der Park Avenue für 80 Mio USD ein Penthouseapartment im neuen Wohnturm zu kaufen und Koks-Parties zu feiern, während in China die Jugend als Lohnsklaven für sie schuftet. Insgesamt geht das Leben schon noch gemächlicher, weniger hektisch, und ruhiger zu als im Osten.

Nach dem Ende meiner Reise ins Hinterland bin ich dann nach Shanghai zurück gekehrt, wo der verdrillte Shanghai Tower mit 632 m das Ensemble mit Jian Mao Tower und World Financial Center (432 m, der Flaschenöffner) komplettiert. Schon aus großer Entfernung und aus dem Flieger ist er sehr eindrucksvoll, er ist ja das zweithöchste Gebäude der Welt und eben nochmal 50% höher als sein schon sehr großer Nachbar.

Zum ersten Mal bin ich dann mit dem Schnellzug (ICE 3) der CRH nach Hangzhou gefahren, dem Nizza Chinas, mit 8.8 Mio Einwohnern. Wieder mal hat der Zug nach 9 Minuten die 320 km/h erreicht. Die Bahnhofstreppen waren sauber, die Schienen haben nicht gerüttelt, und der Zug ist auf die Sekunde pünktlich abgefahren und angekommen, was ich in D schon lange nicht mehr erlebt habe, obwohl es derselbe Zug von Siemens ist. Ich muß sagen, daß ich mich auf Anhieb in diese wunderschöne Stadt verliebt habe, besonders um den West Lake herum. Die Temperatur war nach wie vor zwischen 20 und 25 Grad, und der Flair abends am West Lake Ufer, direkt neben der Innenstadt, war wirklich mit Nizza oder Cannes zu vergleichen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hangzhou

Wenn man dort in Hangzhou ist und die Stadt mit einer typischen Amigroßstadt, wie zB Philadelphia oder Houston vergleicht, muß man sagen, daß es in dieser Stadt vom Lebensstandard her schon besser als bei dem Amis ist. Es gibt dort keine Slums mehr, Verbrechen ist praktisch absent, und die Leute haben sehr gute Manieren und sind super freundlich. Das Straßenbild ist dominiert von Audi, Volkswagen, auch der ein oder ander e Mercedes oder sogar Smart ist dabei, und es gibt sogar einen Rolls-Royce, McLaren und Lamborghini-Händler. Einen Rolls Royce habe ich sogar umherfahren sehen am West Lake.

Toiletten im chinesischen Hinterland sind ja immer so eine Sache. Der Chinese trägt immer eine Packung Tempotaschentücher mit sich rum, und man sollte im Restaurant ruhig auch eine Packung Servietten mit einpacken für den Fall des Falles. Wie im Frankreich bis in die 90er Jahre hinein oder wie in Rußland oder der Ukraine gibt es auch in China meistens diese Toiletten mit den beiden Fußstützen, wo man dann den Hintern in der „squat“ Haltung, bekannt aus dem Aerobicstudio, absenkt. Ich konnte trotz längerer Reise durch geschicktes Timing vermeiden, solch eine Toilette besuchen zu müssen, und wenns dochmal dringend war, gibt es selbst an öffentlichen Plätzen immer eine „Handicapped“ Toilette, die eben eine westliche Schüssel (wenn auch kein Papier) hat. Dasselbe gilt auch für die Autobahnraststätten unterwegs, die ähnlich schlimm wie in Dtld aussehen, und wo abgehärtete Klodamen in hohen Gummistiefeln mit riesigen Gummischiebern durch den Urin waten, anders kann man das nicht mehr bezeichnen.

Ich hätte ein paar Vorschläge für die chinesische Regierung:

a) Einführung der Beleuchtungspflicht für Mopeds und Fahrräder
b) Rechtsfahrgebot auf Autobahnen, Rechtsfahrgebot für LKWs
c) Einführung der Hierarchie „Fußgänger, Fahrräder, Mopeds, Autos“, mit Fußgänger als höchste Hierarchiestufe
d) Verbot des Hupens, außer für Notfälle
e) Pflicht, daß die Taxis ihre hinteren Gurtschnallen freilegen müssen. 40 km durch Shanghai zu fahren mit einem wilden Taxifahrer ohne angeschnallt zu sein erfordert gute Nerven.
f) Investition in deutsche Toilettenschüsseln, landesweit. 1 Mrd Toilettenschüsslen bei Villeroi und Boch ordern und im ganzen Land in den öffentlichen Toiletten installieren. Damit das Land sanitärtechnisch auf dem selben Stand ist wie High-Speed-Eisenbahn-technisch. Die gebunkerten 2-3 Billionen USD erlauben das.
g) Den Leuten über CCTV immer wieder einbleuen, daß man LEISE telefoniert, nicht rülpst, beim Essen grade sitzt, kein Smartphone liest, und in der Schlange (weder beim Essen noch im Nationalpark) drängelt. In Shanghai und auch Hangzhou sind diese Regeln weitestgehend schon Standard, in Changsha oder Zhangjiajie ist das noch unbekannt.

Fazit: UNBEDINGT ins chinesische Hinterland fahren, solange dort noch die Vergangenheit lebendig ist und die Amiketten Starbucks, McD, KFC etc die Welt noch nicht in Besitz genommen und standardisiert versklavt haben, es lohnt sich ungemein. Die Natur um Zhangjiajie ist atemberaubend.

Ein Flug Frankfurt-Changsha kostet nicht die Welt, und die Kosten vor Ort sind praktisch vernachlässigbar. Es ist durchaus nützlich, zu zweit zu fahren oder sich vielleicht einen chinesichen Guide zu mieten. Ein Vorschlag könnte ja zB ein chinesicher Student aus Deutschland sein, der auf Heimattour ist und der sich dafür zur Verfügung stellt. Und in Shanghai und Hangzhou kann man wunderschöne Städte und sehr freundliche Menschen sehen und eine Dynamik, die sonstwo ihresgleichen sucht.

DT

PS: Endlich wieder zurück in SGP, wo das Taxi Ledersitze mit Mercedes-Emblem hat, nicht gehupt wird und die Toiletten immer sauber und mit ordentlich viel Papier ausgestattet sind :-)

antworten
 

Ganz herzlichen Dank

cassi @, Mitten in der EUdSSR, Mittwoch, 29.10.2014, 15:25 (vor 4168 Tagen) @ DT

für diesen überaus lesenswerten und umfassenden Reisebericht aus einer Region, die die meisten nicht mal vom Hörensagen kennen. Sehr spannend. Interessant dazu wären - quasi als Sahnehäubchen - ein paar Bilder von Landschaft und Leuten (nicht unbedingt das von der Toi [[zwinker]] )

Beste Grüße

--
Gruß Â©
"Dummheit ist ein menschliches Privileg" (Sigismund von Radecki)

"Reicher Mann und armer Mann standen da und sah´n sich an.
Und der Arme sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich"

antworten
 

Wahnsinn... vielen herzlichen Dank! (oT)

Griba @, Dunkeldeutschland, Mittwoch, 29.10.2014, 15:41 (vor 4168 Tagen) @ DT

- kein Text -

--
Beste Grüße

GRIBA

antworten
 

Nur daß man sich mal ein Bild machen kann vom Flughafen in Changsha: (mBuT)

DT @, Mittwoch, 29.10.2014, 15:59 (vor 4168 Tagen) @ DT
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 29.10.2014, 16:05

[image]

Das ist jetzt Changsha, eine der unbekannten Millionenstädte im Hinterland Chinas, mit 6 Mio Einwohnern relativ klein, vergleichbar bei uns mit vielleicht Augsburg oder Bielefeld.

Und das haben die Chinesen aus eigener Kraft geschafft, sie waren bis vor kurzem ExportVIZEWeltmeister, WIR waren der Exportweltmeister, aber die Gewinne durften nicht in unsere Taschen, Infrastruktur, etc. fließen, sondern mußten als Reparationen an die Sieger und Südstaaten abgeführt werden, die dann entsprechend Party feiern (East Coast) und zT ihre eigenen Airports neu gebaut haben:

Hier der nagelneue Airport (T4) in Madrid:
http://www.contemporist.com/2007/10/31/madrid-airport-terminal-4/

Oder Ubahn (Barcelona):
[image]

Danke deutscher Steuerbürger!

Wenn ich immer wieder anführe, wie modern dort die Infrastruktur ist, und wie grotten versifft bei uns alles ist, weil die Bahnoligarchen die Wartung einsparen und die eingesparte Kohle als Bonus in die eigene Tasche stecken.

[image]

antworten
 

@DT: Gute Nachrichten zur Info…

Chef @, Mittwoch, 29.10.2014, 16:10 (vor 4168 Tagen) @ DT

Bitte hier lang:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=327065

Zitat:
„Da die direkte Einbindung von Bildern mittels der [img][/img]-Zeichenfolgen nichts anderes darstellt, ist diese ab sofort kein Problem mehr.“

antworten
 

(Beitrag gelöscht wegen unterirdischer Rechtschreibung) (oT)

Ramsis1, Mittwoch, 29.10.2014, 16:17 (vor 4168 Tagen) @ DT
bearbeitet von Ramsis1, Mittwoch, 29.10.2014, 16:22

- kein Text -

antworten
 

Geht auch bei uns sehr schnell...........

ottoasta @, Mittwoch, 29.10.2014, 16:24 (vor 4168 Tagen) @ DT
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 29.10.2014, 16:28

**
Die drei haben unablässig und super schnell gearbeitet, ich schätze, daß eine gesamte Verbindung nicht mehr als 30 Sekunden gebraucht hat. Sie hatten jeder nur eine Plastikflasche mit Wasser dabei und saßen dort stundenlang direkt in Auspuffhöhe an der lauten Kreuzung. In ziemlich verdreckten und heruntergekommenen Klamotten. Das ganze hat genau einen Tag gedauert, abends waren die drei fertig, dann waren die beiden Leitungen mit 1000 Glasfasernkabeln zusammen gespleißt. Verdient haben die drei in dieser Zeit vielleicht insgesamt 150 EUR, wenns hoch kommt.
**

Einer meiner ehemaligen Mitarbeiter (Ausbildung seinerzeit noch bei der Post, Abt. Telekom) hat sich selbständig gemacht und hat u.a mittels teurem Spezialgerät schon viele Glasfaserkabel in Bayern gespleißt.
Auch entlang der Autobahn Deggendorf - München und vor allem hier bei uns (geförderte Breitbandinitiative der bayer. Regierung) in vielen Gemeinden, die Glasfaserkabel bekommen.
Da ist z.Zt. viel los! Etliche Gemeinden machen ihre G-Netze in Eigenregie!
Baustellen über Baustellen, jeder will 1000 GB [[freude]]
Er machte das auch für die Telekom und hier vor allem für AMPLUS.
Das geht bei ihm ratzfatz, teilweise mit Zelt am Straßenrand!

Also wir brauchen uns nicht vor den Chinesen verstecken!

Ansonsten vielen Dank für den ausführlichen Bericht!

Otto

--
Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben.
Tolstoi

antworten
 

Hallo Otto, bei uns kostet der km Glasfaserleitung 50.000 EUR (mTuL)

DT @, Mittwoch, 29.10.2014, 16:43 (vor 4168 Tagen) @ ottoasta

Siehe hier:

http://lauf.de/index.php?goto=aktuelldetails&sid=6736

Wäre mal interessant, rauszukriegen, was das in China kostet.

Glasfasern kommen sicher von Corning, das werden wohl dieselben sein, die Spleißer und Cleaver waren chinesische Nachbauten von japanischen Originalgeräten.

Aber geputzt wurde ohne Azeton (die Flasche steht auf dem Bild noch nebendran) und immer wieder mit demselben Tempotaschentuch.

Ich glaube nicht, daß die Telekom 3 Techniker hinschickt. Und 30 Sekunden pro Spleiß halten die 8h am Tag im Sitzen auf dem Boden nicht durch. 3 braucht man aber, damit das schnell geht. Habe 2 Dokumentar-Fotos von mir an den Chef geschickt, mal sehen, ob er sie einstellen kann.

Gruß DT

antworten
 

Überfällig! ... herzlichen Dank. DT, für

Jeanna @, Mittwoch, 29.10.2014, 16:47 (vor 4168 Tagen) @ DT

Deine immer wieder gehaltvollen und informativen Reportagen! Ein Grund immer wieder in's Gelbe reinzuschauen!

Herzlichen Dank, alles Gute und Gruss

Jeanna

antworten
 

Ich liebe Deine Berichte aus dem Ausland

stocksorcerer @, Mittwoch, 29.10.2014, 16:52 (vor 4168 Tagen) @ DT
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 29.10.2014, 16:55

Hallo DT,


wirklich wahr. Es ist so das Ambivalente, das ich so wahnsinnig spannend finde. Du siehst Positives und Negatives oder auch nur wertfrei Erstaunliches und der Mix macht es.

Ich persönlich war vor gut 25 Jahren das erste und letzte Mal in Asien uns zwar in Seoul. Was an sich schade ist, weil die meisten Menschen, die ich dort kennengelernt habe, sehr interessant und zuvorkommend waren. Und weil die Kultur so derart fremd war, dass man sich plötzlich - das erste Mal in seinem Leben - spezielle Fragen zu seiner eigenen Kultur überlegt hat.

Wenn man auf die Schnelle Kopien machen musste, dann fand sich meist ein Koreaner, dem es nicht zu viel war, Dich an die Hand zu nehmen und Dich ganze Straßenzüge entlang bis zu Deinem designierten Ziel zu eskortieren.

Apropos Hinterland:

Am Manisan, dem für Koreaner wichtigsten Berg überhaupt, kam morgens ein Linienbus mit Pilgern und Schaulustigen an. Am Nachmittag fuhr einer zurück. Wer den verpasst hat: "schade". ^^

Also waren wir nachmittags schon gut 90 Minuten vor der geplanten Abfahrt an der Haltestelle, weil die Fahrer es da mit Zeiten nicht ganz so genau nehmen und einfach losfahren, wenn ihnen danach ist...

http://german.visitkorea.or.kr/ger/SI/SI_GE_3_1_2_2.jsp?cid=335370

... Neben der Haltestelle gab es einen Verschlag, Koreaner mögen es auch "Kiosk" nennen. Jedenfalls war der Besitzer des winzigen Ladens so verblüfft nicht etwa verhasste Miguk-Saram (Amis), sondern gleich zwei Tok-Il-Saram (Deutsche) kennenzulernen, die tatsächlich koreanisch sprachen (wenn in meinem Fall auch nur sehr langsam und verhältnismäßig armselig (nach meinem Grundstudium). Mein Kommilitone, der mit mir den Trip nach Ganghwado unternahm, war bereits im Hauptstudium und hatte den Vorteil im "Besitz" eines "langhaarigen koreanischen Wörterbuchs" zu sein; seiner Frau. ^^ Also sprach er für Europäer ein fantastisches Koreanisch.

Der Mann am Kiosk eilte in seinen Laden und griff in die Kühlbox. Dann präsentierte er uns kostenlos Eis am Stiel, weil er sich so freute...

Im übrigen war auch der Weg dorthin spannend. Die Insel liegt nicht sehr weit von Panmunjeom entfernt, und der Weg nahe dieses "Sperrgebietes" hatte auf mich die Wirkung, die damals mit Maschinenpistolen bewaffnete VoPos an den Grenzposten zum sowjetischen Sektor auf westliche Besucher gemacht haben könnte.

Jedenfalls stiegen südkoreanische Soldaten mit Flinten im Anschlag in den Bus und sahen allen Passagieren böse in die Augen, es konnte ja sein, dass da im Bus nordkoreanische Spione auf dem Weg nach Hause waren. ^^

Und noch ne Anekdote zum Ausstieg:

Mit meinen Koreanischkenntnissen, die aus dem Lehrbuch eines älteren Professors stammten, gab es eine Vokabel namens "Sungganggi". Als ich ins Press-Center wollte nahe CityHall in Seoul und zwar in den Korrespondentenclub im - ich weiß nicht mehr wievielten - Stock, fragte ich im Erdgeschoss brav mit meinen schlichten Koreanischkenntnissen, wo ich denn den Aufzug finden würde.

"Sungganggi odie issumnikka" oder so ähnlich. Bin sehr eingerostet, weil ich die Sprache seit 20 Jahren nun gar nicht mehr spreche.

Der Pförtner schaute mich mit riesengroßen Augen an. Ich wiederholte meine Frage. Er holte sich Hilfe. Ich wiederholte die Frage. Das ging eine ganze Weile, bis ein wirklich uralter Herr mit grauem Rauschebart mir die Ehre gab, sich zu uns zu gesellen. Er hörte meine Frage, sein Gesicht explodierte geradezu vor Freude und er sagte allen verblüfften Anwesenden: "Elebator"

Anglizismen überall. Eigentlich traurig.

Gruß
stocksorcerer


P.S.: Was ich an Korea, sogar an Seoul, so wunderbar fand, waren die harten Kontraste. Man konnte totgehupt werden auf vierspurigen Straßen in beide Richtungen in der City. Schweißgebadet, quasi sterbend an der hohen Luftfeuchtigkeit von 95%. Und ein Stückchen weiter im alten Königspalast, einer wunderbaren, weitläufigen Park-Anlage, die nach allen Regeln der Geomantik vor vielen Jahrhundeten ins Leben gerufen worden war, herrschte ein angenehmer Luftzug und wunderbarer Schatten nahe eines kleinen plätschernden Baches, wo man es prima aushalten konnte.

antworten
 

Hallo Stocksorcerer, bzgl. Korea (mT)

DT @, Mittwoch, 29.10.2014, 16:59 (vor 4168 Tagen) @ stocksorcerer

In der Tat war auch das ein großer Traum von mir, den ich mir vor ein paar Jahren im Rahmen einer meiner Koreabesuche erfüllt hatte, nämlich einmal an die Nordkorea-Südkorea Grenze zu fahren. Dort bin ich auch untem im Tunnel gewesen, bis vorne am Gucklock an der zugemauerten Stelle. Ein DDR-Grenzen-Feeling kam auf. Mal schauen, ob ich es schaffe, einmal nach Nordkorea zu fahren und dann hier darüber zu berichten. Das ist ein echter Wunschtraum.

Das was Du schilderst habe ich auch so kennen gelernt. Was mich besonders erstaunt hatte, war ein Besuch in Busan vor wenigen Jahren. Lotte hat ja dort Hochhäuser gebaut, und eines mit über 600 m ist dort im Bau begriffen.

Ich hatte, soweit ich mich erinnere, auch Berichte hier eingestellt. Besonders die total durchmedialisierte Autoausstattung, selbst der Taxifahrer, hatte mich beeindruckt, sowie die technologische Überlegenheit der koreanischen Elektronikindustrie, auch was die Vorausentwicklung angeht. Samsung hat ja 2013 die meisten Patente einer Firma überhaupt beim Europ. Patentamt angemeldet.

DT

antworten
 

Deinen Reisebericht mag ich, Deinen subversiven Antiamerikanismus liebe ich!!! (oT)

Bernadette_Lauert, Mittwoch, 29.10.2014, 17:42 (vor 4168 Tagen) @ DT

- kein Text -

antworten
 

Großen Dank für den Excurs in eine andere Welt und die Links! (oT)

modesto @, Mittwoch, 29.10.2014, 17:45 (vor 4168 Tagen) @ DT

- kein Text -

antworten
 

Anbei noch DTs Fotos von den Glasfaserspleißern ... oT

igelei @, Lammd des Stasi2.0-Rollcommanders, Donnerstag, 30.10.2014, 07:52 (vor 4167 Tagen) @ DT

Dank an DT für den interessanten Bericht.

Nr. 1:

[image]

und Nr. 2 :

[image]

antworten
 

Toller Bericht, vielen Dank! (oT)

Centao @, Donnerstag, 30.10.2014, 11:37 (vor 4167 Tagen) @ DT

- kein Text -

antworten
 

Chapeau für Deinen Reisebericht = wie Goethe`s Reise nach Italien oder in die Schweiz

Leserzuschrift @, Donnerstag, 30.10.2014, 19:59 (vor 4167 Tagen) @ DT

Hallo @DT, schöner Bericht aus China - Chapeau!

Dein Bericht beginnt damit, daß Du DIR einen lange gehegten TRAUM selbst erfüllt hast und ins Hinterland China`s gefahren bist. Wie Du schreibst, war das bis dato für Dich eine/Deine TERRA INCOGNITA.


Ich fasse mich kurz.

Brillante Reisebeschreibung von Dir, die der von Goethe´s Italien-Reise in nichts nachsteht, da extrem "emotional, ergreifend, plastisch & wahrheitsgemäß" dem LESER dar-ge-reicht, natürlich extrapoliert ins Jahr 2014 mit all ihren zur Verfügung stehenden Schreibweisen.

Aus Goethe`s Reisen in die Schweiz zum Beispiel, machte Schiller die/seine KUNST-FIGUR schlechthin, den " Wilhelm Tell" daraus.

"Etwas vom Ulkigsten ist die ganze Wilhelm-Tell-Geschichte. Tell-Denkmäler, Tell-Spiele, Tell-Auf-Führungen in jedem Stadt-Theater mit obligatorischem Besuch für die Schüler. Dabei weiß doch jedermann, daß es Tell gar nicht gab. Er wurde von einem Deutschen erfunden. Schiller ließ sich von Goethe nach seinen "Schweizer Reisen" schildern, wie es dort aussehe, damit wenigsten die Umgebung stimme.

Alles andere ist Fantasie eines Dichters. Abgesehen davon: Wenn es IHN gegeben hätte, wäre er ein TERRORIST gewesen. Wir müssen IHN als FREI-HEITS-HELDEN feiern."

(Hans A. Pestalozzi, Auf die Bäume Ihre Affen, Zytglogge Verlag Bern 1989)


DEIN REISE-FAZIT an uns:

UNBEDINGT ins chinesische Hinterland fahren, solange dort noch die Vergangenheit lebendig ist und die Amiketten Starbucks, McD, KFC etc die Welt noch nicht in Besitz genommen und standardisiert versklavt haben, es lohnt sich ungemein. Die Natur um Zhangjiajie ist atemberaubend.


SCHLUSSBEMERKUNGEN

@DT, Du hast sicherlich zu vielen Prozent RECHT, was Du uns schreibst - und ganz speziell auch zwischen den ZEILEN = Dein subversiver Antiamerikanismus, wie es @Bernadette Lauert vortrefflichst schrieb - aber DU VER-KENNST den/die ZÜGE der ZEIT.

Du bist ein hoffnungs-loser Idealist, Schwärmer & Poet, der in der FERNE noch hofft das zu wieder-zu-finden, was uns & DEINE HEIMAT einmal aus-, und wahrhaftig machte.

Vergiß das ALLES, es ist AUS und VORBEI. China hin oder her, es wird NEUE Mächte geben, die uns Germanen ins Schattenreich der Geschichte senden werden. Die Hopi haben das alles schon hinter sich - Gott sei Dank <img src=" />.


Für Dich zum Trost:

Roger G. Dommergue Polacco de Menasce (Docteur de l`universite de Paris, Imprimerie "La France d`abord" 1994)

Das Schweigen Heideggers oder kleine Einzelheiten:

http://weforweb.pf-control.de/blog/wp-content/uploads/2013/10/Das-Schweigen-Heideggers.pdf


Nachdenklichst,
H<img src=" />pi

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Ebenfalls einen ganz herzlichen Dank!

Olivia @, Donnerstag, 30.10.2014, 21:03 (vor 4167 Tagen) @ DT

Ein wunderbarer Bericht! Man lacht, freut sich und denkt: "Mensch, wann kann ich auch los?" Danke.
Olivia

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Koreaner sind wohl mit die am härtesten arbeitenden Menschen.

Olivia @, Donnerstag, 30.10.2014, 21:21 (vor 4167 Tagen) @ DT

Im Zusammenhang mit Entwicklungen bei Wirebondern hatte mein Mann u.a. auch Besprechungen in Korea. Er kam aus Europa. [[zwinker]] Ankunftszeit etwa 22.00 Uhr auf dem Flughafen. [[freude]] Er wurde von seinen Geschäftspartnern abgeholt und darüber informiert, dass sie jetzt gleich zum ersten Geschäftsmeeting fahren. Na ja, in D konnte er alle möglichen Menschen totarbeiten. Die Koreaner haben ihn dann doch sehr überrascht. Die konnten das auch. Und zwar ohne wenn und aber.

Das war übrigens auch meine Erfahrung bei einem Geschäftsbesuch in Singapore. Die Menschen arbeiteten sehr viel mehr, sehr viel interessierter und mit sehr viel Freude. Arbeit war Bestandteil des Lebens...... nicht... das Leben fängt nach der Arbeit an. Eine ehemals von Deutschen und Franzosen gegründete Technikerschule wurde bereits nach 7 Jahren komplett von Einheimischen betrieben. Nur der Direktor war noch ein Deutscher. Allerdings auf Abruf. Er sagte, dass man die Studenten um 22.00 aus der Schule "rauswerfen" müsse, weil die sonst die ganze Nacht bleiben würden. Morgens waren sie dann aber auch pünktlich wieder da. Neugierig, interessiert, voller Freude.

Dagegen sah Europa richtig alt aus mit seiner Null-Bock-Generation. Der Massenimport von Null-Bock-Hartz-IV-Immigranten hatte damals noch gar nicht begonnen.

Damals begriff ich, dass der Westen ein echtes Problem hat.

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Die sind ja auch noch "jung"

Nonpopulo @, Donnerstag, 30.10.2014, 22:51 (vor 4167 Tagen) @ Olivia

Hallo Olivia,

ich glaube es war BBouvier, der hier (wohl mit Referenz) dargestellt hat, welches Alter die Kontinente vertreten. Das konnte ich mir leicht merken, weil es genau meiner Beobachtung entspricht:

- Die Afrikaner sind die Kinder (na ja, kindisch halt)
- Die Südamerkaner die Teenies (viva la revolucion)
- Die Asiaten die jungen Erwachsenen (strebsam und fleissig)
- Die Nordamerikaner die Erwachsenen (take the control)
- Die Europäer die Greise (Hartz4 und ähnliche Verfallserscheinungen)

Grüsse Nonpopulo

--
Mich widern alle Ideologien an, egal ob sie von links oder rechts kommen, sie ignorieren die Natur des Menschen. (Claude Cueni, Script Avenue)

Blue Moon Baby

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Vielen Dank für den tollen Bericht (und die Asien-Antworten) - Musst neulich an Dich denken... (Edit)

azur @, Donnerstag, 30.10.2014, 23:00 (vor 4167 Tagen) @ DT
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 30.10.2014, 23:09

Hallo DT,

herzlichen Dank, für diesen wieder großartigen Bericht, mit seinen Reichtum an hochinteressanten Facetten.

Die Orte kannte ich allesamt noch nicht und finde Deine Tipps sehr anregend.

Übrigens: Über Asien und deren Esskultur gibt es einen hinreißenden Film: http://de.wikipedia.org/wiki/Tampopo (zudem nicht umsonst ein Kultfilm, weil ein Meisterwerk)

Musste neulich sehr an Dich denken, als sogar die heuteshow etwas nach Dir klang (kein Wunder, denn die von Dir kritisierten Probleme kann ja niemand ignorieren). Darin wird der Verfall der deutschen Infrastruktur und das immer noch, allen Sonntagsreden zum trotz, verfallende deutsche Bildungswesen kritisiert wird. Man sollte ruhig die 3, 4 Minuten Geduld haben: Ab min 5 min 25 - Heute Show vom 17.10.2014

Danke noch einmal sehr für den ausführlichen Bericht, der um so Vieles rankt, was einen sehr interessiert (und danke auch zu den Antworten, die um Korea handeln - auch sehr spannend).

Viele freundliche Grüße

azur

Edit: bei Deinem Bericht musste ich sofort an diese Szenen aus dem o. g. Film denken:

Tampopo -- Spaghetti scene
3 min 16

Wie man eine Nudelsuppe isst 3 min 33

Auch gut: Tampopo French Restaurant Scene - 4 min 15

Der Film lohnt noch viel mehr in Gänze und erzählt sehr viele Geschichten rund um das Essen, t. w. sehr poetisch. Rahmenhandlung ist, wie sieben (glorreiche) Männer dabei helfen, die perfekte Nudelsuppe zu schaffen. Sehr witzig und sympathisch.

--
ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)

Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.

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Kleiner Reisebericht aus Mitteldeutschland (mT)

Durran @, Donnerstag, 30.10.2014, 23:31 (vor 4167 Tagen) @ DT

Motiviert durch die interessanten Berichte von DT möchte ich an dieser Stelle mal einen kurzen, allerdings aktuellen Bericht aus Mitteldeutschland einstellen.

Aufgrund einiger Umstände bin ich vor einigen Jahren von West- nach Mitteldeutschland umgesiedelt. Ländliche Gegend, unweit der mitteldeutschen Metropolregion Leipzig/Jena.
Wenn man ein wenig Geld zur Verfügung hat, kann man hier ganz gut leben.
Schöne malerische Landschaften, nette Leute und nicht so überlaufen. Auffallend ist der deutlich geringere Migrantenanteil an der Gesamtbevölkerung. Dieser liegt hier bei etwa 2%, im Vergleich zu 40% in süddeutschen Metropolregionen.

Vieles ist programmiert für eine alternde Gesellschaft. Man sieht deutlich mehr "Alte" als in anderen Landesteilen. Gerüchteweise ziehen allerdings die Geburtenraten wieder sprunghaft an. Ebenso wie die Rückkehrer, also derer, die nach der Wende gegangen sind.

Die Verwaltungsstrukturen sind allerdings gefühlt wesentlich verrkusteter und wohl auch verklüngelter als im Westen. Parteibuch vorneweg.

Um auf die Reiseberichte von DT zurück zukommen. Ich wäre froh, chinesische Verhältnisse hier vorzufinden. Dazu eine kleine Anekdote.

Anfang November 2013 bestellte ich bei der Bauherrenhotline der Deutschen Telekom einen Telefonanschluß für mein Haus. 3 Monate später sollte alles geregelt sein.

Nachdem ich alle Formulare, Lage- und Baupläne in mehrfacher Ausfertigung der Telekom zur Verfügung gestellt hatte, passierte erst einmal gar nichts.

Nach etwa 6 Monaten hörte man, dass etwa in den nächsten 8 Wochen mit einer Tätigkeit zu rechnen wäre. Und es war Sommer!
Endlich, Anfang August tauchten wie aus dem nichts 2 Rumänen an einem sonnigen Samstagmorgen gegen 8 Uhr auf, um die Kabel zu verlegen.
Ein Telefonmast musste ausgetauscht werden, hunderte Kabel wurden neu gespleist. Die Männer arbeiteten ununterbrochen bis gegen 22 Uhr. Ich habe ihnen noch Getränke und etwas zu essen gebracht.
Es waren Mitarbeiter eines Sub- Subunternehmens der Telekom.

Leider konnte man mit den Leuten kein deutsch reden, ich hatte dann mal zwischenzeitlich in deren Firma angerufen, wo ein Dolmetscher per Handy übersetzen konnte.

Nachdem alle Kabel gezogen waren, dauerte es noch einmal 4 Wochen bis Anfang September der Anschluss frei geschaltet wurde. Ich also zu Vodafone
um den lang ersehnten Vertragsabschluss für einen DSL Anschluss sowie ein Festnetztelefon zu unterzeichnen. Das war Anfang September. Keine Problem, spätestens in 2-3 Wochen wird alles fertig sein und der neue Anschluss steht.

Das nun der Anschalttermin erst in 6 Wochen sein sollte kann man sicherlich aufgrund der schon sehr langen Abwicklung noch verschmerzen. Am 23.10. sollte es soweit sein. Urlaub genommen, gewartet und? Es kam niemand. Hotline angerufen, ups, es kann ja mal passieren. Nächster Termin dann am 28.10. Neues Spiel, neues Glück. Urlaub genommen, gewartet und wieder nichts passiert.

Der Techniker der Telekom fehlte mal wieder unentschuldigt.

Es bleibt festzuhalten, seit nun mehr 1 Jahr warte ich auf einen Festnetzanschluss. In Deutschland!

Da blockiert die Telekom bewusst Fremdanbieter, die Bundesnetzagentur
unternimmt trotz massiver Beschwerden nichts.
Die Kanzlerin träumt von einer digitalen Revolution in Deutschland.
Aber doch nicht so. Hier sind wir meilenweit von Drittweltstaaten entfernt. In jedem Dorf in Afrika hat man schneller Internet als hierzulande. Und in China sowieso. Und die GEZ kassiert für Onlineinhalte, die man gar nicht wahrnehmen kann. Man hat ja keinen Anschluss.

Sicherlich wäre es eine große Chance hier mit guten Kommunikationsanbindungen neue, innovative Unternehmen anzusiedeln. Gerade bei den günstigen Immobilienpreisen und den vorhandenen Kapazitäten.

Fachkräfte werden hier sehr gesucht. Köche zum Beispiel. Keine Gaststätte und kein Restaurant, welches keinen Koch sucht. Allerdings hat man die Köche mit unwürdigen Arbeitsbedingungen und Löhnen vor Jahren schon vertrieben. In vielen Gaststätten bekommt man nur noch mit Mikrowellen erwärmte Fertiggerichte. In vielen anderen Branchen brennt die Luft.
Handwerker, Kaufmännische Berufe etc. sind zwar sehr gesucht, allerdings können und wollen viele Unternehmen imer nur noch Hungerlöhne zahlen.
Es wird für zahlreiche Unternehmen einfach existenzbedrohend.

Bspw. hatte ich die Tage ein Stellengesuch für eine ausgebildete
Steuerfachangestellte für Buchhaltung und Jahresabschlüsse mit SAP und Datevkenntnissen in den Händen. Stundenlohn war 7,85!!!
Und das in einem renommierten Notariat. Einfach nur noch peinlich.

Dafür hebt ja im Westen nicht mal eine Putzhilfskraft den Besen.

In den Städten rund um Leipzig steigen die Mieten und Immobilienpreise rasant. Es gibt immer wenigen freien Wohnraum.
Allerdings hat sich der mitteldeutsche Raum zu einer sehr lebenswerten Region entwickelt. Das neue Leipziger Seenland, Freizeitparks wie Belantis, Saale Unstrut Triasland, Halle und Merseburg haben sehr gute Verkehrsanbindungen, ICE und Flughafen.

antworten
 

Viele Europäer - auch wenn sie nicht mehr ganz jung sind - arbeiten auch sehr hart (mT)

DT @, Freitag, 31.10.2014, 01:40 (vor 4167 Tagen) @ Nonpopulo
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 31.10.2014, 01:43

Das Problem ist aber ganz klar, daß es seit 1990 im Westen nicht mehr aufwärts geht, sondern bestenfalls stagniert oder leider wie überall rasant abwärts geht. Und das, obwohl man so schuftet.

China, Singapore, etc. schuften, und dafür tut sich etwas, man sieht es, denn die kollektiven Anstrengungen, der Wohlstand, der bleibt im Land und verbessert die Situation für alle.

Bei uns, das habe ich spätestens seit 1999 oder 2001 gemerkt, wird das Tempo im Hamsterrad extrem erhöht, die dt. Wirtschaft ist bis vor kurzem Exportweltmeister gewesen, die Produktivität wurde massiv erhöht, aber

- die Gewinne fließen nur noch in die Taschen weniger, die CEO Gehälter haben sich durchweg vervielfacht, während die Arbeiterlöhne und Arbeitsbedingungen massiv verschlechtert wurden

- wir massiv ausgeplündert werden durch die 2+4 Verträge, die eine Versailles II Komponente enthalten MÜSSEN, denn wie sonst kann es sein, daß in D zum Beispiel die Bahnhöfe immer mehr verdrecken, gar nicht mehr gekehrt werden, es in den ICEs so aussieht wie in einem Zug in Afrika, daß in den öffentlichen Gebäuden und Schulen nur noch 2-3 mal die Woche sauber gemacht wird. Das ganze Argument von Debitismus und der Demographie trifft auch Dtld von 1990-2014 noch nicht zu, denn da ist die baby boomer Generation der 60er Jahre als Produktivgeneration am Ruder gewesen und hat geschuftet und konsumiert. Nein, es ist klar, daß diese Generation die Reparationen für ihre Groß- und Urgroßväter zahlen mußte, und daß danach Morgenthau angesagt ist. Marshallplan war nur relavant von 1945-1990, als Bollwerk gegen den Kommunismus, jetzt wird Morgenthau umgesetzt, massiv von der Amihxxx und den Helfershelfern der Banker, die bereits massiv von Goldman Sachs und Konsorten durchsetzt sind, siehe jetzt grade auch die Dt. Bank. Die EU Kommission mit GS Mann Draghi tut ein übriges. Wir finanzieren die Party der gesamten Rest EU. Denn F, Sp, Por, und vor allem das ehemals so große GB wären längst am Ende. Grade GB wird nur noch von den Geldabgreifern der CoL ernährt.


Seit ich dies erkannt habe, und seit ich diese Bedingungen um mich herum sehe, mag ich nicht mehr. Der letzte Wille fehlt dann. Dann macht man lieber mal den Italiener und setzt sich mit einem schönen Kaffee hin, oder fährt nach China und schaut sich eine schöne Landschaft an.

An die Amihxxx und ihre mitlesenden Propagandamäuler: wenn der Hamster erkannt hat, daß er im Hamsterrad sitzt, dann läuft er nicht mehr. Und wenn er sieht, daß derjenige, der den Strom am Dynamo abgreift, um sich ein schönes warmes Leben zu machen, noch nicht mal mehr das Öl in das Getriebe des Hamsterrades schüttet und es noch nicht mal mehr rund läuft, dann mag man erst recht nicht mehr.

Amihxxx, verdopple endlich real und nicht nur in Sonntagsreden den Bildungs- und Infrastrukturhaushalt, nach 25 Jahren des extremen Fahrens auf Verschleiß. Und zwar durch Gelddrucken, wie die Franzmänner etc. auch, und eben nicht schon wieder durch die nächste Abgabe, nämlich durch die Maut. Sprich mit den Besatzern und handle raus, daß jetzt auch mal wieder ein bisschen Geld im Land bleiben muß! Gib den Ländern und Gemeinden endlich mal wieder einen Schluck aus der Pulle, so daß sie ihre Strassen und Gebäude in einen halbwegs ordentlichen Zustand versetzen können. Und zwar, indem man die Zahlungen an Spanien, Rumänien, GB etc. verringert.

Wenn nämlich mehr Leute als wir erkennen, was Sache ist, dann haben Du und Deine Besatzerfreunde ein massives Problem.

Es ist klar, gegen Hörstel, Naidoo und gegen Jebsen, aber auch gegen die AfD wird massiv propagandistisch vorgegangen, grade auch gegen Lucke, weil sie
die Wahrheit verbreitet haben, zum Beispiel hat Fleischhauer Lucke neulich wegen "Versailles II" (Maastricht) angegriffen. Das war aber ein Zitat von Mitterand aus dem Figaro. Das Problem der Souveränität, das Jebsen und Naidoo angesprochen haben, wurde aber selbst von Schäuble vor Joe A und anderen Bankern angesprochen. Das ist die Wahrheit. Wenn Foschepoth und andere einmal herausbekämen, was wirklich in den Zusatzprotokollen des 2+4 Vertrages drin steht und das veröffentlicht würde, ginge ein Aufschrei durch das schon sehr lethargische Volk, das sich noch nicht mal mehr gegen die NSA/BND Ausschnüffelei wehrt und jetzt auch noch die Nummernschildkontrolle überall auf den Strassen hinnimmt.

Da ich das anscheinend nicht ändern kann, und da das Volk das anscheinend auch nicht will, genieße ich die noch mir verbleibende Zeit, teile meine Gefühle und Gedanken mit anderen, die sich vielleicht dafür interessieren, und gut is.

Vielleicht ist die Amihxxx so verantwortungslos, weil sie selber keine Kinder hat und schon immer denkt "nach mir die Sintflut". Das ist bei uns vielen vielen Eltern leider anders, wir wollen unsere Kinder nicht in einem von Besatzern ausgesaugtes, geplündertes und von Südländer-Migranten überflutetes muslemisches Land aufwachsen und leben lassen.

antworten
 

Irgendwie paßt das.... erstaunlich.

Olivia @, Freitag, 31.10.2014, 17:20 (vor 4166 Tagen) @ Nonpopulo

- Die Europäer die Greise (Hartz4 und ähnliche Verfallserscheinungen)

........

Nonpopulo,

ja, leider sehe ich das auch so. Sie leben in der Vergangenheit und versuchen, sich an "besseren" Zeiten festzuhalten. Aber die Zeit geht unerbittlich weiter. Ich frage mich, was passiert, wenn die Generation der jetzt 50-jährigen abtritt. Überall in den "Vorzeigebetrieben" sieht man "graue" Haare. Tüchtiger Nachwuchs ist nicht so in Sicht.

Vermutlich werden die jetzt noch jungen, tüchtigen Personen dem Land den Rücken zukehren, denn das was sie alles bezahlen müssen und diejenigen, die sie alle miternähren müssen...... "wegen der Gerechtigkeit" [[top]] ...... das wird denen einfach zu viel. - Vermutlich eine weitere, schleichende Verelendung.

Da kann man sich dann schon überlegen, in welches "Gastland" man auswandern sollte. Nachdem unsere "Leader" hier das "Erarbeitete" ja ohne größere Gewissensbisse "verschleudern" (die einen, weil sie keine Ahnung haben und die anderen, weil sie "das kleinere Übel" wählen) werden wir als "Gäste" dann wohl in anderen Ländern auch nicht mehr so willkommen sein. Wer will schon "Habenichtse" oder "Kostgänger"? Die Spanier jedenfalls nicht. Die haben mich nachts von einer "Notaufnahme" in die andere geschickt ohne mich zu behandeln, weil ich "Tourist" war. Auch Privatzahlungen nützten nichts. Am nächsten Tag habe ich dann glücklicherweise einen deutschen Arzt aufgetrieben, der mich gegen "Geld" behandelt hat.

*** lieber Gott, wenn ich das Geplärre der hiesigen Gutmenschen höre, was den "Einwanderern" hier alles "angetan" wird...... dann kommt mir nur das Essen vom Vortage wieder hoch.

--
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Viele Ältere, ja aber nicht die "Null-Bocks".

Olivia @, Freitag, 31.10.2014, 18:24 (vor 4166 Tagen) @ DT
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 31.10.2014, 18:28

Bei uns, das habe ich spätestens seit 1999 oder 2001 gemerkt, wird das
Tempo im Hamsterrad extrem erhöht, die dt. Wirtschaft ist bis vor kurzem
Exportweltmeister gewesen, die Produktivität wurde massiv erhöht, aber

- die Gewinne fließen nur noch in die Taschen weniger, die CEO Gehälter
haben sich durchweg vervielfacht, während die Arbeiterlöhne und
Arbeitsbedingungen massiv verschlechtert wurden

.............................

Ja, das sehe ich auch so. Es betrifft bisher aber immer noch ganz bestimmte Bevölkerungsschichten. Das "Tempo" wurde für etliche aber bereits vorher ordentlich angezogen. Ich habe in den 80-iger Jahren als Jungunternehmerin "rund um die Uhr" gearbeitet, für einen kläglichen Lohn, weil ich alles wieder in die Firma gesteckt habe. Ich bin enorm ins Risiko gegangen mit Maschinen und als ich dann zum ersten Mal wirklich Geld verdient habe, gingen davon etwa 72 % ans Finanzamt. Damalige EST, damalige KSt und GWSt...... als "Nebeneinsteiger" habe ich gedacht, mich tritt ein Pferd, als der Wirtschaftsprüfer mir das erläuterte. Lange Rede, kurzer Sinn, ich verdiente weniger als meine (akademischen) Angestellten, die über sehr geregelte Arbeitszeiten verfügten (das war damals so), auf meine Kosten ausgebildet wurden (EDV war neu für die meisten), Krankheit, Urlaub, Schwangerschaftszeiten und Ausnahmen nehmen konnten...... und die KEINERLEI Risko trugen.

30 % meiner Arbeitsleistung hätten mir mehr gebracht und mich nicht in die Risikosituation und die Verpflichtungen gebracht (aus der man erst einmal wieder herauskommen muß). Vor allen Dingen dann, wenn die wirtschaftliche Gesamtsituation und die damit zusammenhängende Auftragslage extrem schwanken. Diese Situation werden viele mittelständische Unternehmer kennen.

Man weiß plötzlich: der wichtigste Mitinhaber, den man hat, ist das Finanzamt! Und dann beginnt man, darüber nachzudenken, was dieses (oder der Gesetzgeber) mit dem Geld macht, das es da von den vielleicht etwas mutigeren, aber auch fleißigen Bürgern einfordert.

Und dann wird man fündig und entdeckt den größten Haushalt im Bundestag, über den niemand so gerne spricht und die Dinge, die zwar als Verpflichtungen bestehen, die aber im Haushalt niemals ausgewiesen werden. Und dann wundert man sich nicht mehr, warum so viele ohne viel Arbeit verhältnismäßig gut leben.

Man beginnt auch die Aussage "teile und herrsche" anders zu begreifen. Die Bevölkerung durfte Mathematik in den Schulen abwählen (etliche Gutmenschen können heute noch nicht rechnen) und verstand daher nicht, was die "guten Gaben" alle kosteten (wenn man sie zusammenzählte).

Aber Wahlen wurden mit Geschenken gewonnen und von einem Fließenleger und einem Taxifahrer kann man wohl noch nicht einmal verlangen, dass sie sich mit simplen Gewinn- und Verlust-Rechnungen auseinandersetzen können. - Ich meine natürlich .... im größeren Rahmen.... was die eigene Tasche betrifft, haben das wohl beide recht gut gekonnt.

Ja, das Finanzamt, eine innige, andauernde Partnerschaft.

Dabei habe ich gar nichts gegen das Finanzamt. Wenn nur die Geldmittel sinnvoll verwendet und nicht so aus dem Fenster geschmissen würden.

Tja, die "Einheit" war finanziell schwer zu schultern; dann die Südländer; nun der Osten und weitere "Arme"...... dann gehen die Straßen kaputt und die Schulen haben undichte Dächer...... so wie früher in der DDR ......

Aber einige verdienen sich eine goldene Nase.......

und der Mittelstand zahlt.....

immer noch!

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