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George Orwell war harmlos dagegen - sagt ausgerechnet Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner zu Regierungs- und Facebook-Plan

Literaturhinweis @, Freitag, 03.02.2017, 22:30 (vor 3447 Tagen) @ Literaturhinweis
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 03.02.2017, 22:40

Mathias Döpfner ist sowohl der Chef des (Axel) Springer-Zeitungs-Verlags (nicht zu verwechseln mit dem Springer-Wissenschaftsverlag) und auch Vorsitzender des Bundesverbands der Deutschen Zeitungsverlegenen.

Nun hat er dpa ein in MEEDIA veröffentlichtes Anti-Orwell-Interview gegeben, das aufhorchen läßt:

MEEDIA: "Döpfners harsche Kritik am Kampf der Bundesregierung gegen Fake News":

"... Frage, wie man gefälschte Nachrichten erkennt und bekämpft. Für wie groß halten Sie das Problem?
Mathias Döpfner: Das hat es schon immer gegeben. Es wurden seit Hunderten von Jahren auf dem Gemüsemarkt oder nach drei Bieren in der Kneipe Unwahrheiten gesagt und Gerüchte verbreitet.
Wenn Soziale Medien nicht mehr Technologieplattformen, sondern Medienunternehmen betreiben wollen, dann müssen sie Redakteure einstellen, die Kosten einrechnen und sich mit einer anderen Regulierung auseinandersetzen.
ARD und ZDF sind auch von Facebook angefragt worden.
Da bin ich sprachlos. Ich verstehe nicht, wie man Gebührengelder missbrauchen könnte, um das Glaubwürdigkeitsproblem eines Weltmonopols zu lösen, das Milliardengewinne erwirtschaftet.
Unsere beste Methode, die Leute vom Konsum von Fake News abzubringen, ist, wenn wir authentisch und wahrhaftig berichten. Das ist die Aufgabe von Zeitungen.
Was Wahrheit ist, definiert keine Regierung, auch nicht Facebook. Und was den Menschen zuzumuten ist, sollten nicht Zensurbehörden definieren.
... das Medium ist kein Thema mehr, es kommt auch hier immer mehr auf den Inhalt an. Das sind gute Zeiten für Journalisten.
Immer wieder wird eine Finanzierung von Qualitätsjournalismus über Stiftungen ins Gespräch gebracht. Könnte das ein warmer Regen wie die Google News Initiative für die Medien werden?
Nein, das wäre das Ende. Ein Zeitungsjournalismus, der nur von Stiftungen getragen wird und ein reiner Subventionsempfänger ist, kann seine Aufgabe nicht mehr erfüllen.
Haben Sie Forderungen an die Politik?
Es ist nicht einzusehen, dass der digitale Journalismus nicht denselben bevorzugten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent hat, wie im Print.
Wie sehen Sie die Debatte um vermeintlich staatstragende Medien, gibt es eine zu große Nähe von Politik und Medien?
Wir werden mittlerweile von vielen als Teil einer großen Eliten-Kungelei wahrgenommen. Statt Facebook zu helfen, sollten wir unsere Hausaufgaben machen. Die heißen: Vertrauen schaffen für das und durch das, was wir veröffentlichen. Denn die Glaubwürdigkeit von Zeitungen ist zurückgegangen. ... haben wir selbst offenbar etwas nicht richtig gemacht. Vielleicht sprechen wir zu sehr wie Politiker, in Worthülsen, Sprechblasen, in politisch-korrekt abgeschliffenen Formulierungen. Vielleicht transportieren wir zu oft Wünsche, wie etwas sein müsste und zu selten Fakten, Tatsachen, schonungslose Beobachtungen. Vielleicht haben wir auch durch weltfremde Political Correctness Vertrauen eingebüßt.
Selbst der erbittertste Trump-Gegner kommt ins Grübeln, wenn Trump immer nur als Clownsfratze gezeigt wird und er dahinter eine Absicht vermutet.
Ein guter Journalist redet mit jedem, auch mit halbseidenen Figuren, zur Not auch mit Verbrechern und Diktatoren, aber hält bei allen, selbst bei Idealisten und Weltverbesserern, den nötigen Abstand.
Manche Journalisten verstehen sich inzwischen als Politikberater und betreiben einen Journalismus, der sich an ein paar Eingeweihte richtet, denen sie Codewörter zurufen.
Es gibt bei den Medien zu viel Nähe zu jenen, über die man eigentlich kritisch berichten müsste, zu viel Rücksicht auf die Wünsche, an Interviews solange zu arbeiten bis genau das Gegenteil von dem übrig bleibt, was einer gesagt hat. Zu viele Hintergrundgespräche, bei denen alles gesagt wird, aber man davon dann nur zehn Prozent schreiben darf.
Zwischen allen Stühlen sitzt der Journalist richtig.
Unsere Aufgabe ist es nicht, konstruktiv zu sein. ... Ohne Kritik transformiert das Konstruktive zur Propaganda."

Fett = Fragen der Interviewer Antje Homburger und Esteban Engel, dpa

Siehe auch "Politische Ponerologie" | "Schwarmverhalten" | "Mind Control" | "Gefahrenabwehr" | "Gesetz gegen unlautere Berichterstattung" | "Desinformation und Propaganda" | "Weltherrschaftpläne" | "GEZ/Landesrundfunkgebührenbeitrag" u.a.

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Literatur-/Produkthinweise. Alle Angaben ohne Gewähr! - Leserzuschriften

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