Nicht Gold oder Diamanten, die Immobilen sind die besten Freunde der Banken
Miese Bankberatung
Sendung vom 08.01.2008 21:50 Uhr (NDR)
Tausende Anleger verlieren ihre Altersvorsorge
Geschlossene Immobilienfonds sind als Anlage für die Altersvorsorge nicht geeignet>>
Viele Volks- und Raiffeisenbanken-Kunden vertrauten ihrem Kreditinstitut und investierten in "hauseigene" Immobilienanlagen der DG-Bank-Gruppe, um für das Alter ergänzend vorzusorgen. Die DG-Bank, die heute DZ-Bank heißt, ist die Mutter der genossenschaftlichen Banken in Deutschland. Verkauft wurden den Kunden geschlossene Immobilienfonds. In den Fonds-Prospekten wurde auch damit geworben, dass es sich um sichere und wertbeständige Investitionen in Immobilien handeln solle. Den Anlegern wurden zudem – neben Ausschüttungen - steuerliche Vorteile versprochen.
Insolvenzgefährdete Fonds
Wie sicher und wertbeständig die Kapitalanlage ist, belegt allein die Tatsache, dass mindestens neun von rund 50 Fonds insolvenzgefährdet, also so gut wie pleite, sind und das Geld der Anleger futsch ist. Die Gründe hierfür sind unter anderem fallende Mieten und Pachterträge und hohe Leerstände. Beim DG-Fonds Nummer 37 droht sogar eine Nachschusspflicht. Diese Anleger büßen nicht nur ihre Einlage plus Rendite ein, sondern sollen nochmals mit einer erheblichen Summe zur Kasse gebeten werden. Sie haften also mit ihrem privaten Vermögen. Die DZ-Bank hat den Anlegern dieser Fonds jetzt ein fragwürdiges Angebot gemacht: Die Bank nimmt die Anlage zurück – für 0 Euro! Dafür werden die Kunden aus der Haftung entlassen. Bei anderen Fonds (Nummer 24 und 27) droht bei Insolvenz zudem die Rückforderung der Ausschüttungen.
Insgesamt sind mehr als 20.000 Kunden betroffen. Die Schadenssumme liegt bei weit über 500 Millionen Euro.
Verluste bei den Anlegern
Anleger und DZ-Bank streiten sich in vielen Fällen darum, ob die Fonds-Prospekte irreführend waren und ob auf Risiken des Totalverlustes und der Haftung in den Prospekten und in der Beratung hingewiesen wurde. Erst in den vergangenen zwei, drei Jahren habe sich die wirtschaftliche Schieflage der betroffenen Fonds offenbart. Auch ist streitig, ob über Provisionen, die die Volks- und Raiffeisenbanken für die Vermittlung der Fonds erhielten, genügend informiert wurde. Die Banken sind sich keiner Schuld bewusst. Der Chef der Volksbank Nordheide, Werner Albers sagt sogar: "Diese Fonds wurden von den Kunden verlangt. Unsere Berater hatten keine Veranlassung, diese Fonds zu verkaufen. Als Altersvorsorge haben wir das nicht vorgeschlagen." Die Kunden seien sogar erpicht darauf gewesen, geschlossene Fonds zu zeichnen, um Steuern zu sparen. Die Anleger sind darüber empört. "Ich wusste gar nicht, was geschlossene Fonds sind. Ich habe dem Berater gesagt, dass ich das Geld für die Altersvorsorge anlegen wollte und die Sicherheit höchste Priorität hat," sagt Hans-Joachim Cörber, der seiner Volksbank Nordheide vertraut hatte und so 51.000 Euro verlor.
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Tipps für eine gute Bankberatung
Geschlossene Immobilienfonds sind als Anlage für die Altersvorsorge nicht geeignet. Wenn Bankberater diese anbieten: Finger weg (vom Produkt und vom Berater)! "Auch wenn man die Bank schon Jahrzehnte kenn," so Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW), "sollte man immer einen Vertrauten mitnehmen. Gerade bei Immobilienfonds sollte man abfragen: Muss ich mit meinem privaten Vermögen nachschießen, falls es der Immobilie schlecht geht? Wie hoch ist die Verschuldung der Immobilie? Wie hoch sind die Gebühren der Betreiber? Wer garantiert die Mieten? Dann sollte man den Prospekt mitnehmen und aufmerksam studieren und durch einen unabhängigen Finanzberater prüfen lassen." Zudem sollten Verbraucher bei einer Bankberatung alles schriftlich festhalten und mehrere Angebote (von verschiedenen Banken) einholen und von einem Dritten prüfen lassen, ob das Angebot zur Lebensplanung passt.
