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Wachsende Wohnungsnot

Falkenauge @, Sonntag, 03.12.2017, 11:41 (vor 2951 Tagen)

Gestern thematisierte die Junge Freiheit die wachsende Wohnungsnot in Deutschland. Markus Brandstetter schrieb:

"Jüngst hat eine Pressemitteilung viele Menschen wieder einmal ordentlich geschockt: 860.000 Menschen, hieß es, waren im Jahr 2016 in Deutschland ohne Wohnung. Zwei Jahre davor waren es im Jahresdurchschnitt noch 573.333 gewesen, während der Wert vor zehn Jahren noch unter 200.000 gelegen hatte.

Wenn solche Zahlen veröffentlicht werden, dann beklagen die Medien immer zuerst die angebliche grassierende Wohnungsnot, dann kritisieren sie die viel zu hohen Mieten, und zum Schluß werden dann jedesmal Caritas, Diakonie, die Paritätischen Wohlfahrtsverbände und natürlich der Mieterbund zitiert, die bekanntlich alle seit Jahr und Tag von Staat und Politik ein riesengroßes Wohnungsbauprogramm – die Rede ist von 400.000 Wohnungen im Jahr – fordern.

Hat sich der Staub wieder gelegt, dann verschwindet das Thema erneut in der Versenkung, und es passiert – gar nichts. Und schon gar nicht in den Städten und Ballungszentren, wo die Mieten und die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen seit 2010 am stärksten steigen. Die Kritiker von Wohnungsnot und Megamieten vereint der Glaube, daß der Staat, würde er nur endlich massiv in den Immobilienmarkt eingreifen, sämtliche Probleme rasch lösen könnte."

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2017/die-politik-hat-versagt/

Doch das Hauptproblem, dem gegenüber alle genannten nur Folgeprobleme sind, erfasst M. Brandstetter auch nicht. Es ist merkwürdig: die Unantastbarkeit des Eigentums, die zu recht wesentlicher Bestandtteil einer freiheitlichen Ordnung ist, blockiert das Denken darüber, dass Grund und Boden eben kein Gegenstand privaten Eigentums sein kann, da er keine Ware, sondern notwendige Lebensgrundlage aller Menschen ist. Aus dem römischen Recht hat sich das Eigentum an Grund und Boden, das in Rom ein Herrschaftsinstrument der herrschenden Klasse geworden war, bis in die Gegenwart geschleppt.

Man behandelt etwas wie eine Ware, was keine Ware ist. Indem man es so behandelt, wird es aber keine Ware, die man unter rechtlich Gleichen handeln kann, sondern es werden Privilegien manifestiert, die permanent soziales Unheil stiften.

Die Knappheit des Bodens bewirkt die Steigung der Preise, so dass immer weniger überhaupt Eigentümer werden können. In Deutschland haben ca. 40 % der Bevölkerung ein Eigenheim, das sie selbst bewohnen. 60 % der Menschen besitzen kein Grundeigentum, sondern wohnen zur Miete. Das Eigentum an diesen Wohnungen und den dazu gehörigen Grundstücken gehört aber nur etwa einem Zehntel der Bevölkerung. Das heißt, 60% sind von ihnen existenziell abhängig und ausbeutbar! Das ist der entscheidende Punkt, vor dem auch Herr Brandstetter die Augen verschließt.

Wer nicht an oberflächen-Kosmetik, sondern an einer wirklichen Lösung interessiert ist, muss sich mit diesem grundlegenden Problem auseinaderaetzen.

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