Die neue Wut auf die Banken
Die neue Wut auf die Banken
Millionen verdient und Milliarden vernichtet: Die Bankenkrise wird immer schlimmer. Muss der Staat jetzt die Löhne der Bankiers regulieren?
Ein Tatsachen-Bericht aus Zürich (Tagesanzeiger)
Beim Bier nach dem gemeinsamen Training wurde ich kürzlich gefragt: «Du verstehst doch etwas von Wirtschaft. Bist du nicht auch der Meinung, man sollte alle Banken abschaffen? Es würde uns allen ohne Banken doch viel besser gehen?» Die Frage war für mich in verschiedener Hinsicht verblüffend. Sie wurde nicht von einem jungen Chaoten gestellt, der in einer Anti-Globalisierungsbewegung aktiv ist, sondern von einem Mann im besten (also meinem) Alter, der ein eigenes Geschäft besitzt und generell gut bürgerlich denkt. Die Forderung ist zudem offensichtlich absurd. Banken abschaffen, das wäre etwa so sinnvoll, wie einem Menschen das Herz bei lebendigem Leib aus der Brust zu reissen. Grundsätzlich erfüllen Banken eine ökonomisch lebenswichtige Funktion. Sie sorgen für die Verteilung des Geldes in einer Volkswirtschaft, genau wie das Herz dafür sorgt, dass unser Körper mit Blut versorgt wird. Wie kann also ein erfolgreicher Schweizer KMU-Besitzer die Existenz von Banken ernsthaft in Zweifel ziehen?
Das Ansehen der Banken hat in jüngster Zeit gelitten. In regelmässigen Abständen wird die Welt von Beben an den Finanzmärkten in Angst und Schrecken versetzt – Mexiko, asiatische Krise, Platzen der Internet-Blase und jetzt die Subprime-Krise – um nur die spektakulärsten Krisen der letzten zehn Jahre zu erwähnen. Und jedes Mal machen die Banken alles andere als eine gute Figur. Sie lassen sich Mal für Mal nicht von der reinen Vernunft, sondern von der reinen Gier leiten und schlagen dabei alle Warnungen in den Wind.
Die aktuelle Krise muss für die Banken speziell peinlich sein. Täglich wird bekannt, dass sich der Abschreibungsbedarf eines angesehenen Instituts wieder erhöht hat und dass wieder ein «Staatsfund» aus Nah- oder Fernost mit einer Milliardenspritze unter die Arme greifen muss. Insgesamt wird der Schaden inzwischen auf mehrere hundert Milliarden Dollar geschätzt. Diese gewaltigen Summen sind im Immobilienmarkt verzockt worden, einem Geschäft also, von dem man eigentlich annehmen müsste, dass den Spezialisten die Risiken bekannt sein sollten, zumal die Fachleute auch jahrelang und eindringlich davor gewarnt haben. Das Wirtschaftsmagazin «Economist» beispielsweise hat in den letzten drei Jahren kaum eine Ausgabe veröffentlicht, ohne dabei sein Ceterum censeo anzufügen: Im Übrigen gäbe es in den USA eine gefährliche Immobilienblase.
Ebenso zahlreich und prominent waren die Warner vor den Gefahren der neuen derivativen Finanzinstrumente, den CDO, CDS und wie sie alle heissen. Der legendäre Investor Warren Buffett hat sie als die «Massenvernichtungswaffen der Finanzmärkte» bezeichnet, an der Wallstreet haben sie einen Übernamen, der eigentlich alles sagt: «atomarer Abfall». Kurz: Die Banker haben sich verhalten wie Skifahrer, die allen Warnungen zum Trotz in eine abgesperrte Neuschnee-Piste gefahren sind und dabei prompt eine gewaltige Lawine ausgelöst haben. Kein Wunder schämen sich Marcel Ospel & Co. jetzt so fürchterlich.
Damit allein wird es nicht getan sein. Die Bankenkrise wird nicht nur zum wirtschaftlichen, sondern auch zum politischen Problem. Selbst die renommierte «Financial Times» geht neuerdings mit den Geldinstituten hart ins Gericht. So geisselte kürzlich der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Raghuram Rajan die exorbitanten Gehälter der Banker mit der Begründung: Wer hohe Boni für kurzfristige Leistungen erhält, kann damit verschleiern, unter welch hohen Risiken diese Leistungen überhaupt möglich waren und wie wenig nachhaltig diese Leistungen später sein können. «Diese Boni müssten eigentlich heute in einen Pool zurückbezahlt werden», fordert Rajan deshalb. Martin Wolf, Chefökonom der «Financial Times» gibt nun noch einen drauf. In der Ausgabe vom 16. Januar schreibt er: «Ich fürchte, dass die Kombination von der Zerbrechlichkeit des Finanzsystems und den gewaltigen Belohnungen, die es Insidern ermöglicht, etwas noch Wichtigeres zerstören wird, die politische Legitimität der Marktwirtschaft rund um den Globus.»
Um dies zu verhindern, fordert Martin Wolf in der «Financial Times» etwas, was vor kurzem noch völlig undenkbar gewesen wäre: Der Staat soll die Gehälter der Banker regulieren. «Die einzelnen Institute können ihr Lohnsystem nicht ändern, ohne dass sie die besten Leute verlieren», begründet Wolf seine Forderung. «Deshalb müssen Regulatoren in die Lücke springen. Die Vorstellung einer öffentlichen Intervention ist schrecklich, aber die Alternative, sich endlos wiederholende Krisen, ist noch schlimmer.»
Gestern tagten in London ein Gremium mit Vertretern aus Deutschland, England,
Frankreich und Italien. Es wurden dort mit dem IWF abgestimmte drastische
Verhaltungsregeln f.d. Banker und das Risiko-Management ausgearbeitet. Wenn
diese umgesetzt werden, können sich Bankaktien noch einmal halbieren?
gesamter Thread:
- Und plötzlich ist das Haus weg... -
Lecoquinus,
16.01.2008, 16:42
- Und plötzlich ist das Haus weg... -
Eike,
16.01.2008, 16:47
- Herrhausen war halt der letzte realwirtschaftlich denkende Chef der Dt. Bank (oT) -
Shakur,
16.01.2008, 17:05
- Deshalb sollte man seine Mörder nicht bei der RAF suchen. (oT)
-
Albrecht,
16.01.2008, 23:58
- Das war ein Scheiss-Geheimdienst, fragt sich nur welcher! (oT) - Shakur, 17.01.2008, 13:48
- Deshalb sollte man seine Mörder nicht bei der RAF suchen. (oT)
- Herrhausen war halt der letzte realwirtschaftlich denkende Chef der Dt. Bank (oT) -
Shakur,
16.01.2008, 17:05
- Und plötzlich ist das Haus weg... -
YooBee,
16.01.2008, 16:50
- gesendet am Samstag abend !!! Ist auch viel billiger als Gottschalk oder dieser Dreck. Mal wieder Krieg nötig ? - LenzHannover, 16.01.2008, 17:52
- PS. wegen Grundschuld - Lecoquinus, 16.01.2008, 16:51
- Alles so gewollt. Garantiert !!! - Max Risk, 16.01.2008, 22:18
- machen das die Heuschrecken eigentlich nur in D? Oder auch überall auf der Welt ... mkT -
igelei,
16.01.2008, 22:36
- machen das die Heuschrecken eigentlich nur in D? Oder auch überall auf der Welt ... mkT - H.P., 16.01.2008, 23:02
- machen das die Heuschrecken eigentlich nur in D? Oder auch überall auf der Welt ... mkT - Lecoquinus, 17.01.2008, 01:53
- Deutsche Gesetzeslücke wird ausgenutzt... -
SchlauFuchs,
17.01.2008, 02:21
- Richtig ..... - ufi, 17.01.2008, 06:00
- Die neue Wut auf die Banken - Emerald, 16.01.2008, 22:56
- Ein Fall für die Kriminalisten unter den Forenteilnehmern -
prinz_eisenherz,
17.01.2008, 03:04
- Zuviel gesunder Menschenverstand - kieselflink, 17.01.2008, 07:14
- Gesunder Menschenverstand - Tassie Devil, 18.01.2008, 00:41
- Heute Abend kommt ähnliche Sendung auf n-tv. (owT) (oT)
-
ufi,
17.01.2008, 05:57
- Und plötzlich ist das Haus weg... -
Eike,
16.01.2008, 16:47
