Kreditversicherer lassen Börse zittern - nächster Kriegsschauplatz
Auch wenn weder Welt noch Finanzsystem heute oder morgen untergehen, die Krise zieht ihre Kreise bislang ohne Ende immer weiter - Teufelskreis?....
http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_272202&go=Hypotheken-Krise
Weil die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's eine Überprüfung ihrer Ratings angekündigt hatten, brach die Aktie des Branchenzweiten Ambac Financial am Donnerstag in New York um 52 Prozent ein, nachdem sie Mittwoch bereits 39 Prozent eingebüßt hatte. Der weltgrößte Bondversicherer MBIA verlor über 31 Prozent an Wert.
Anleiheversicherer bieten Garantien für die Zins- und Rückzahlungen von Anleihen und erhalten dafür Prämien von den Anleiheemittenten. Weil sie ausschließlich Ausfallrisiken von Schuldtiteln versichern, werden diese Firmen auch als "Monoliner" bezeichnet.
Für die Emittenten hat eine solche Versicherung den Vorteil, dass sie selber ein besseres Rating für die Anleihen erhalten. Das zahlt sich aus: Je höher die Bonität, desto weniger Zinsen müssen sie für ihre Anleihen bieten. Die Bonität der Kreditversicherer schlägt also direkt auf das Rating der von ihnen garantierten Anleihen durch.
Neue Verkaufswelle droht
Darin liegt allerdings auch eine große Gefahr – für den gesamten Finanzmarkt. Damit sich ihr Geschäft lohnt, müssen Anleiheversicherer ein Top-Rating aufweisen. Wird dieses Rating abgestuft, zieht das weite Kreise: In der Folge schätzt der Markt auch die Rückzahlungswahrscheinlichkeit der von ihnen besicherten Anleihen geringer ein. Da viele Investoren an Vorschriften bezüglich ihrer Anlagerisiken gebunden sind, würde das eine weitere Verkaufswelle von abgestuften Anleihen auslösen (vgl. unser Interview: "Das ist echter Sprengstoff").
Die Anleihegläubiger, die meisten davon Banken, müssen die Papiere dann in ihren Portfolios neu bewerten. Das heißt, auf die Institute kommt ein weiterer Abschreibungsbedarf in Milliardenhöhe zu.
Wie hoch dieser weitere Schlag ins Kontor ausfällt, ist – mal wieder – kaum abzuschätzen. Diese Unsicherheit ist ein weiteres Symptom der Strukturierungswut an den Kreditmärkten, in deren Zuge in den vergangenen Jahren Risiken auf nicht mehr durchschaubare Weise verteilt wurden. Nicht einmal das Nominalvolumen, das die Branche versichert, ist allen Marktteilnehmern bekannt. In den Medien kursieren Beträge von 2,3 bis 3,4 Billionen Dollar, das sind 3.400 Milliarden Dollar.
Auslöser Subprime-Debakel
Die Schieflage der Anleiheversicherer hat direkt mit der Subprime-Misere zu tun. Ursprünglich auf die öffentlichen Anleihen von US-Gebietskörperschaften konzentriert, haben die Monoliner in den vergangenen Jahren zunehmend Garantien für verbriefte Papiere übernommen, darunter auch für hypothekenbesicherte Anleihen.
Deren hohe Ausfallrate zehrt nun auch am Kapital der Versicherer. Ambac Financial hatte den Markt am Mittwoch mit einer Abschreibung von 5,4 Milliarden und einem Quartalsverlust von rund 3,5 Milliarden Dollar geschockt. Bei Ambac, das nun sein Top-Rating einbüßen dürfte, sind Bonds im Wert von über 550 Milliarden Dollar versichert.
