Prof. Otto Steiger gestorben
Mail von einem Leser:
".... ich würde dem Forum ... gern folgende Nachricht zukommen lassen:
Betreff: Otto Steiger, einer der Väter des Debitismus, in Bremen gestorben
Otto Steiger, zusammen mit Gunnar Heinsohn Mitbegründer der Eigentumstheorie der Wirtschaft, die auch Paul C. Martin (dottore) den ursprünglichen Anstoß für die Entwicklung des Debitismus gegeben hat, ist am Donnerstag in Bremen nach längerer Krankheit gestorben.
Ich kannte Otto Steiger persönlich, und ich kann nur sagen, daß er ein sehr feiner und bescheidener Mensch war.
Wie kaum einer seiner Kollegen hat er den Mut gehabt, Kernfragen der Wirtschaftstheorie anzugehen, dabei überkommene, unzureichende Theorien in Frage zu stellen und eine Alternative dazu zu entwickeln. Er blieb dabei aber trotz aller Angriffe auf seine Theorie - der Berliner Professor Hajo Riese bezeichnete ihn etwa als "crank, den die Zunft nicht ernstnimmt" - immer freundlich und bescheiden.
Alle hier im Forum, die ihn und seine Arbeiten kannten und von ihm lernen durften, lade ich zu einer Gedenkminute für Otto Steiger ein.
(...)
Für diejenigen, die seine Arbeit etwas näher kennenlernen oder sich daran erinnern möchten, würde ich gern einige Information und Hinweise anbieten:
Einige seiner wichtigsten Veröffentlichungen waren:
(zusammen mit Gunnar Heinsohn):
- (1981): Geld, Produktivität und Unsicherheit in Kapitalismus und Sozialismus oder von den Lollarden Wat Tylers zur "Solidarität" Lech Walesas. In: Leviathan 9, 1981, S. 164-194.
Von diesem Aufsatz schreibt P.C. Martin in seinem Buch "Der Kapitalismus", daß er den Anstoß zur Entwicklung des Debitismus gegeben hätte.
- (1979): Menschenproduktion - allgemeine Bevölkerungstheorie der Neuzeit. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1979
In diesem Buch rekonstruiert Steiger mit seinen Kollegen Gunnar Heinsohn und dem Zivilrechtler Rolf Knieper die Ursprünge der europäischen Bevölkerungsexplosion und stellt den herrschenden demographischen Theorien eine einheitliche theoretische und historische Erklärung der europäischen Bevölkerungsentwicklung gegenüber (von der Bevölkerungsexplosion samt Kolonialismus bis zu Geburtenrückgang und sub replacement fertility).
- (1985): Die Vernichtung der weisen Frauen. Beiträge zur Theorie und Geschichte von Bevölkerung und Kindheit.
In diesem Buch wird die in "Menschenproduktion" angeschnittene "Hexenthese" weiterentwickelt. Steiger und Heinsohn interpretieren dort die von der katholischen Kirche angeleiteten Hexenverfolgung als eine bevölkerungspolitische Maßnahme mit dem Ziel, die durch die große Pest ab 1348 erlittenen Menschenverluste auszugleichen, indem gegen die Hexen-Hebammen, die - so Heinsohn und Steiger - auch Spezialistinnen für Geburtenkontrolle waren, vernichtet wurden.
- (1996): Eigentum, Zins und Geld - Ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaft. Reinbek: Rohwolt
In diesem Buch stellte Steiger die mit Heinsohn entwickelte Eigentumstheorie der Wirtschaft erstmals umfassend dar.
- (2006): Allgemeine Theorie der Wirtschaft I: Schulökonomik. mit H.J. Stadermann, Tübingen: Mohr Siebeck
- (2006): Allgemeine Theorie der Wirtschaft II: Nominalökonomik. mit H.J. Stadermann, Tübingen: Mohr Siebeck
- (2006): Eigentumsökonomik. (mit G. Heinsohn, Marburg: Metropolis.
Anfang des neuen Jahrtausends beschäftigte sich Steiger aus der Perspektive der Eigentumstheorie der Wirtschaft mit der Theorie der Zentralbank und kam dabei zu einer Kritik des Eurosystems, die Fredmund Malik vom Management Zentrum St. Gallen zuerst veröffentlichte.
Er wandte sich dann der Entwicklungstheorie zu und organisierte 2003 ein Symposium an der Universität Bremen, das den Zusammenhang von Eigentumsrechten und ökonomischer Entwicklung zum Thema hatte.
Alle, die es interessiert, finden nähere Informationen zum obigen und zahlreiche Links zu Steigers Arbeit (auch zu online verfügbaren Texten von ihm) hier: http://www.geocities.com/funnyguy_35/heinsohn.html
Gruß,
......."
