Faktisch ein Artikel der Goldseiten.
Widu, Dienstag, 22.01.2008, 12:27 (vor 6577 Tagen) @ Das_Orakel_aus_Oberlahnstein
Das MM übernimmt hier ziemlich unkritisch einfach die Ansichten von Goldseiten-Autor Bergold übernommen. Ich sehe das anders.
Zum einen ist es nicht überraschend, dass in der Krise Vorräte etwa an Gold aufgelöst werden. Aber warum soll sich das in einer Krisenverschärfung nicht ausweiten? Gold ist vor allem das Ausgangsmaterial für ein Luxusprodukt, nämlich Goldschmuck (der Verbrauch der Elektroindustrie ist mit 500 Tonnen/Jahr recht klein und daher irrelevant). An Luxusprodukten spart man in Krisenzeiten am meisten. Wer also wirklich eine Rezession erwartet, der darf keine steigende Goldnachfrage erwarten.
Auf der anderen Seite werden in der Krise die Notvorräte aufgelöst. Diese betragen 50.000 Tonnen Gold, wenn wir die Barren der Spekulanten und Zentralbanken zählen und nochmals 100.000 Tonnen, wenn wir die Reserven in Form von Goldschmuck, Goldkunst und "Anlagemünzen" betrachten. In einer echten Krise können also 50.000-150.000 Tonnen Gold auf dem Markt landen (in einer kleineren Krise entsprechend weniger), die einem derzeitigen Verbrauch von 500 Tonnen in der Elektroindustrie und 2100 Tonnen in der Schmuckindustrie entgegen stehen. Beide Verbrauchsposten brechen in der Krise brachial ein.
Zur These Bergolds, dass angeblich die bösen Zentralbanken den Goldpreis drücken wollten:
Völliger Unfug, niemand profitiert so sehr vom hohen Goldpreis wie die Zentralbanken selbst. Zentralbanken horten Gold als Währungsreserve. Wenn z.B. die Chinesen auf die Idee kämen, all ihre Dollars auf den Markt zu schmeißen (das sind gerade 1,3 Billionen, von denen aber ein Großteil in langfristigen Anleihen gebunden ist. An liquidem Geld könnte China aber sicherlich 50-150 Mrd. aufbringen, und auf den Markt hauen, wenn es daran interessiert wäre), dann wäre es die Aufgabe der Federal Reserve, diese wenigstens teilweise aufzufangen. Die einfachste Möglichkeit wäre hierfür die Liquidierung ihrer Goldreserven. Je höher der Goldpreis ist, desto mehr Kohle bekommt die Zentralbank im Falle eines Falles für ihr Gold eingefangen.
Insofern erzählt Herr Bergold Mumpitz, wenn er den Zentralbanken eine Drückung des Goldpreises unterstellt.
Richtig ist viel mehr, dass die immense Zurückhaltung der ZBs bei den Goldverkäufen den Goldpreis erst auf so hohe Stände gebracht hat! Die Zentralbanken horten Gold, das jeder normale Geschäftsmann bei diesen Kursen schon längst verkauft hätte. Die Zentralbanken verkaufen aber gerade nicht, sondern behalten Goldmengen vorrätig, die viel zu groß sind, um in diesem Umfang als Krisenreserve zu taugen. Hier werden faktisch öffentliche Gelder (denn der Zentralbankgewinn gehört ja dem Staat!) dazu verwendet, Gold in viel zu hohem Ausmß zu horten, was dadurch dem Markt entzogen wird. Faktisch haben wir es hier mit einer staatlichen Subventionierung zur Erhöhung des Goldpreises zu tun.
Eine Meinung - es gibt andere...
webmax, Dienstag, 22.01.2008, 18:20 (vor 6577 Tagen) @ Widu
..zum Beispiel, daß der Goldpreis über Terminverkäufe nachweislich in großem Umfang manipuliert wird; weswegen auch keine Wellen-Theorie und keine Chart-Analyse greift.
Imho haben wir auch noch keine Welt-Krise, in der Gold verkauft wird aus Mangel an Tauschwert - erst mal ist Kaufen angesagt.
Daß trotzdem z. Zt. größere Positionen aufgelöst werden, mag an fallenden Aktienkursen und Nachschußpflichten liegen.
Nur meine Meinung, Gruß webmax
Eine Meinung - es gibt andere...
Widu, Dienstag, 22.01.2008, 20:03 (vor 6577 Tagen) @ webmax
"..zum Beispiel, daß der Goldpreis über Terminverkäufe nachweislich in großem Umfang manipuliert wird"
Den Nachweis würde ich gerne mal sehen
Dass Wellentheorien und die Chartanalysen nicht greifen, wundert mich nicht, ich sehe hinter sowas ohnehin recht wenig Substanz.
"Imho haben wir auch noch keine Welt-Krise, in der Gold verkauft wird aus Mangel an Tauschwert - erst mal ist Kaufen angesagt."
Ich kaufe zu niedrigen Preisen und verkaufe wenn die Preise hoch sind. Du kannst natürlich auch zu den Rekordpreisen kaufen und in einer Krise, wenn der Preis abgeschmiert ist verkaufen. Ich hindere Dich nicht.
Gold halte ich für drastisch überbewertet, weil der derzeitige Preis sich einfach nicht aus dem rationalen Nutzen von Gold herleiten lässt.
Dein Wunsch sei mir Befehl... Hier der Beweis der Goldpreismanipulation
webmax, Dienstag, 22.01.2008, 23:53 (vor 6576 Tagen) @ Widu
"Gold halte ich für drastisch überbewertet, weil der derzeitige Preis sich
einfach nicht aus dem rationalen Nutzen von Gold herleiten lässt."
Geschichtlich und inflationsbereinigt ist da unbestritten noch sehr viel Luft im Goldpreis ,,,
Außerdem:
Wenn Du spekulieren wills, mußt Du immer auch die Emotionalität der Märkte im Blick haben.
Gruß webmax
Dein Wunsch sei mir Befehl... Hier der Beweis der Goldpreismanipulation
Widu, Mittwoch, 23.01.2008, 05:59 (vor 6576 Tagen) @ webmax
Danke für den Link. Eine Esoterik-Zeitschrift hätte ich jetzt wahrlich nicht erwartet
"Geschichtlich und inflationsbereinigt ist da unbestritten noch sehr viel Luft im Goldpreis"
Geschichtlich gesehen ist auch noch viel Luft nach unten. Außerdem gibt es keinen Grund, warum ein im Verhältnis zum tatsächlichen Verbrauch so derart häufig vorhandenes Metall unbedingt historische Preise haben müsste.
"Außerdem:
Wenn Du spekulieren wills, mußt Du immer auch die Emotionalität der Märkte im Blick haben."
Ahja. Nur dass Emotionen bei der Spekulation ein ziemlich schlechter Berater sind. Und auf Emotionen anderer würde ich mich nicht verlassen, vor allem nicht auf die Emotionen knallharter Geschäftsleute.
Aber mal zu dem verlinkten Bericht:
"Der Goldpreis darf nicht steigen, weil dies einem Warnzeichen für die Inflation der amerikanischen Währung gleichkäme."
Völliger Humbug. Dann müsste vor allem der Preis für Öl, Kupfer u.ä. nach unten manipuliert werden. Gold ist ein Speklationsobjekt, da sind Preisschwankungen nicht zwangsläufig ein Zeichen für die Inflation. Im Übrigen ist der Dollar in jeder Währung der Welt gestiegen.
Im Übrigen hatten wir zwischen 1980 und 1999 einen drastischen Verfall des Goldpreises. Dieser Logik nach hätten wir in dieser Zeit eine negative Inflation gehabt.
"Banken und andere Geldinstitute, die sich selbst mit niedrig verzinsten Goldanleihen finanzierten und deshalb über zuwenig Gold verfügen, sollen keine schweren Verluste erleiden. Das wird aber unweigerlich eintreten, wenn der Goldpreis ansteigt."
Unter den Banken befinden sich die weltweit größten Einzelbesitzer von Gold! Es gäbe keinen größeren Profiteur von einem hohen Goldpreis, als die Banken inklusive den Zentralbanken.
"Die GATA-Klageschrift machte unter anderem geltend, daß in den Jahren zwischen 1998 und 2001 die Nachfrage für Gold deutlich größer war als die jährlichen Fördermengen, was automatisch zu einem höheren Goldpreis hätte führen müssen."
Blanker Unsinn und das, was ich meine, wenn ich von einem Mangel an den Grundkenntnissen der Ökonomie rede.
Gold kommt auf mehrere Wege in den Handel:
1. Förderung
2. Rückgewinnung aus eingeschmolzenem Schmuck, Abfällen, etc. (diese jährlich über 800 Tonnen werden von Goldfreaks regelmäßig unter den Tisch geschlagen)
3. Abbau von bestehenden Beständen, die mit 150.000 Tonnen gemessen am jährlichen Verbrauchssaldo exorbitant hoch sind.
Durch den Abbau von Beständen (wenn sich z.B. rausstellt, dass Gold in dieser Menge sowieso überflüssig ist), kann der Preis ebenso fallen, wie durch die Erwartung neuer Förderungstechnologien oder Verstärkte Rückgewinnungen.
"Am 26. März 2002 wies das Gericht die Klage jedoch ab, weil die Kläger keinen persönlich erlittenen Schaden geltend machen könnten. Dank diesem Kunstgriff mußte das Gericht nicht zur hochbrisanten Beweisführung in der Klageschrift Stellung nehmen, deutete jedoch an, daß ein berechtigter Kläger - beispielsweise eine Goldmine - mit besseren Chancen rechnen könnte."
Was für ein Optimismus. Die Chancen einer Goldmine wären besser, weil diese überhaupt mal ein Klagerecht hätte. Mit der sachlichen Richtigkeit der Klage hat das rein gar nichts zu tun.
" Das größte amerikanische Unternehmen im Goldeinzelhandel - ‚Blanchard and Co'. - nahm sich die Urteilsbegründung des Bostoner Gerichts zu Herzen und klagte ein Jahr später im Namen aller privaten Goldinvestoren gegen die Investmentbank ‚J. P. Morgan' und die größte kanadische Goldminengesellschaft ‚Barrick Gold Mining Corp'. "
Wie jetzt. Vorher waren die Goldminen noch die Geschädigten, jetzt sind sie plötzlich Profiteure des "falschen Spiels"? Was denn jetzt?
Im Übrigen hast Du gerade keinen Beweis geliefert, dass der Goldpreis manipuliert wird. Die Klagen wuren abgewiesen, der Inhalt der Klage ist eine mittlere Kathastrophe und dass außer einer Esoterik-Zeitschrift niemand darüber berichtet, spricht auch schon für sich.
Beweis für klassische, einseitige Fehlinterpretation, nada mas
webmax, Mittwoch, 23.01.2008, 16:48 (vor 6576 Tagen) @ Widu
Sorry, aber ich mache mir nicht die Mühe, deine Einwände zu entktäften. Ausgewogen kann man deine Sichtweise aber nicht nennen; es hat imho eher etwas Rechthaberisches
Die Realität sagt genug dazu, meine ich.
Nur zur Emotionalität der Märkte, die du ja ebennfalls nicht anerkennen willst: Ich sagte, dass sie bei einer Anlageentscheidung immer zu berücksicchtigen wäre - nicht, daß du dich von ihr leiten lasen sollst.
Gruß webmax
