Erinnerungen an den 9/11
Jens, Mittwoch, 23.01.2008, 04:33 (vor 6577 Tagen)
Hallo zusammen,
ich kann’s nicht begründen, es ist nur so ein Bauchgefühl. Aber die Situation erinnert mich irgendwie an den 11 September. Wenn ich mich recht erinnere dauerte es damals zwei Tage bis die Kurse einbrachen. Solange brauchte Amerika um sich zu orientieren. Keiner konnte die Situation so richtig einordnen.
Nun hatten wir einen Weltweiten Crash und Amerika war nicht dabei, das gabs wohl noch nie. Dann vor Börsenbeginn die größte Zinssenkung seit 16 Jahren. Ein wirklich nicht alltägliches zusammentreffen zweier ungewöhnlicher Ereignisse. Und als der erste Tag in USA zu Ende war, blieb ein Minus das nicht der Rede wert ist.
Und das war’s ???
Mir sieht das ganze eher nach Orientierungslosigkeit aus. Eben sowie am 9/11.
Einen richtigen Downmove heute oder morgen, nach einer Zeit der Besinnung und der Gespräche kann ich mir gut vorstellen.
Jeder weiß das spätestens jetzt rund um den Globus die Indices katastrophal aussehen. Eigentlich können die Gedanken nur darum kreisen wie jeder mit möglichst wenig Schmerzen daraus kommt.
Was mein Ihr ?
Gruß
Jens
09/11? Nicht ganz so richtig
sensortimecom
, Mittwoch, 23.01.2008, 05:03 (vor 6577 Tagen) @ Jens
Hallo zusammen,
ich kann’s nicht begründen, es ist nur so ein Bauchgefühl. Aber die
Situation erinnert mich irgendwie an den 11 September. Wenn ich mich recht
erinnere dauerte es damals zwei Tage bis die Kurse einbrachen.
Gruß
Jens
Das sind völlig verschiedene Paar Schuhe.
Was damals zu den Niedrigkursen an den Börsen führte, war:
1) der Crash der NewEconomy (zäh, zog sich über 2 Jahre)
2) der 11. September.
3) der US-Angriff auf den Iraq
Die drei Ereignisse haben nur insofern was zu tun, als das zweite und dritte Ereignis das erste kurzzeitig VERSTÄRKTE.
Wenn 11/09 und der Iraq-Krieg nicht geschehen wären, wären die Aktienkurse genau so in den Keller gerasselt.
Allerdings: Wenn das 3. Ereignis nicht stattgefunden hätte, hätte sich vielleicht die JETZIGE Super-Krise nicht ereignet; oder zumindest wesentlich später;-(
Gegensätzliche Bewegungen
Widu, Mittwoch, 23.01.2008, 05:24 (vor 6577 Tagen) @ Jens
Ich unterscheide hier zwischen rationalen Handlungen aufgrund von Verdachsmomenten und irrationaler Panik, die sich evtl. kaum von Zwangsverkäufen aufgrund von unmittelbarem Geldmangel unterscheiden lässt.
Rational aufgrund von Verdachtsmomenten mögen die Kursabstürze bei bestimmten Finanzwerten sein, denn da haben einige Häuser Vertrauen verspielt. Vertrauen ist die wichtigste Ressource im Bankgeschäft. Eine Bank, die sich einen Trickser-Ruf einfängt, ist wie ein Auomobilproduzent, dessen Autos unter dem Ruf spontanen Bremsversagens stehen.
Ob die Kursverluste in dieser Höhe bei allen Finanzwerten berechtigt sind, sei dahingestellt. Aber zumindest steht hinter dem Kursverfall der Finanzwerte eine wenigstens begrenzte Rationalität.
Was anderes sind die Kursabstürze der Aktien generell und der allgemeine Hass auf das marktwirtschaftliche System - und die Börse generell - der sich gerade entlädt. Weil die Börsenkurs immer wieder als Grund für Entlassungen und Lohnkürzungen im Gespräch war, ist sie jetzt der Sündenbock, obwohl die Börse an solchen Maßnahmen keine größere Schuld trägt, als das Thermometer an der Klimaerwärmung. Jetzt entlädt sich in den Foren die Genugtuung über den Absturz der bösen Börse und Todesphantasien des vermeintlich an allem schuldigen "kapitalistischen Systems" machen die Runde, wobei viele Endzeitthesen dem Wunschtraum der jeweiligen Propheten entsprechen.
Diese Sache stimmt traurig. Denn der eigentliche Kurssturz auf breiter Ebene, also auch bei Werten, die kaum oder gar nicht von der Immobilien"krise" betroffen sind, ist der Tatsache geschuldet, dass einige professionelle und stinkreiche Anleger sich verspekuliert haben und jetzt überstürzt verkaufen MÜSSEN, weil sie liquide Mittel brauchen. Eigentlich läge hier eine historische Chance für den "einfachen Mann", sich auf Kosten des Großkapitals mit preiswerten Anteilen an soliden deutschen Unternehmen einzudecken.
Aber genau diejenigen, die immer das Großkapital und die Ausbeutung des kleinen Mannes predigen, tun jetzt so, als würde die Endzeit bevorstehen, zu der man sich von Aktien loslösen möge wie der reuige Sünder von seinen Schandtaten. Als Absolution vor den Folgen der Immobilienblase wird dann auch noch Gold empfohlen, die wahrscheinlich blasenhafteste und am meisten überbewertete Geldanlage, die Otto Normalanleger überhaupt verkauft wird.
Im Prinzip macht mich das ein wenig traurig, weil hier diejenigen, die am meisten Jammern und zuweilen sogar auch einen Grund zum Jammern haben, vor lauter Depression und ökonomischen Amokphantasien selber Chancen verpassen um später wiederum zu jammern und zu klagen.
Stimme (teilweise) zu !
Hasso, Mittwoch, 23.01.2008, 10:51 (vor 6577 Tagen) @ Widu
Hallo Widu,
Deinen Ausführungen zum Gold stimme ich nicht zu.... Es gibt viele Milliarden Menschen auf der Welt, die nicht der Meinung sind, dass Gold "sinnlos" ist. Frage mal 3 Mrd Inder, Russen, Chinesen, Südamerikaner, Afrikaner was die zu Gold sagen ! Die Meinung von ein paar "aufgeklärten" Europäern ist da doch völlig irrelevant...
Aber Deinen Ausführungen zu den Chancen "des kleinen Mannes" bei speziellen Aktien stimme ich voll zu !
Gruß
Hasso
Auch die ändern nix am niedrigen Goldwert.
Widu, Donnerstag, 24.01.2008, 01:26 (vor 6576 Tagen) @ Hasso
Hallo Hasso,
auch das Argument von den Südamerikanern, Russen etc., die vielleicht Gold mögen, entkräftet meines Erachtens nicht die These vom eigentlich wertlosen Gold.
Gold mag als Schmuck seinen Reiz haben, auch ich ziehe den Hut vor manchen Zeugnissen der Goldschmiedekunst. Nüchtern betrachtet sieht es aber folgendermaßen aus:
Die Goldförderung hat sich historisch gesehen drastisch nach oben bewegt. Als Amerika entdeckt wurde, waren die Europäer überrascht von den "riesigen Goldmengen" des neuen Landes. Tatsächlich wurden in den 100 Jahren nach der Entdeckung Amerikas auf dem gesamten Globus nur etwa 36 Tonnen im ganzen Jahrhundert gefördert. Heute fördert alleine die Grasbergmine in Indonesien (die eigentlich primär nach Kupfer sucht) als Nebenprodukt 500 Tonnen in einem Jahr.. Wenn wir uns noch verinnerlichen welche Fortschritte außerdem die Recyclings- und Aufbereitungstechnik macht, dann ist mittel- bis langfristig mit einer deutlichen Steigerung der Fördermengen zu rechnen.
Dem steht aber ein extrem niedriger Verbrauch gegenüber. Seit Menschengedenken wurde Gold wie kaum ein anderer Rohstoff stets nur zwischen Aufbewahrungsformen und Besitzern herumgereicht, aber so gut wie nichts wird verbraucht.
Der nachhaltige Verbrauch von Gold liegt bei etwa 500 Tonnen pro Jahr, der Verbrauch der Schmuckindustrie (der ja nicht nachhaltig ist) liegt netto bei etwa 1600-1800 Tonnen, wenn wir die Gewinne aus der Schmuckaufbereitung dagegen halten.
Wenn wir uns nun die Vorräte vergegenwärtigen, die alleine bei der in Barrenform verkaufsfertig vorliegenden Menge 50.000 Tonnen betragen, dann muss man sagen, dass Gold wie kein anderer Rohstoff alleine durch die Spekulation getragen wird. Das Saldo zwischen Goldförderung (Mienenförderung + Aufbereitung) und Goldverbrauch (Nachfrage der Anleger nicht mitgezählt, da diese ja nur spekulativ bevorraten) schwankt grob gesagt jährlich zwischen +500 und -500 Tonnen. Das heißt, dass die bereits geförderten Goldvorräte gut 100 Jahre lang halten. Und was für Mengen erst in 100 Jahren gefördert werden, steht in den Sternen. Allerdings geht die technische Entwicklung grundsätzlich den Weg, die Knappheiten bei teuren Materialien zu verringern.
Demnach wird Gold innerhalb der nächsten 30 Jahren höchstens durch Spekulanten seinen Wert erhalten können, aber niemals aus seinem Wert als Rohstoff heraus. Damit aber hat es als Wertspeicher die Qualität eines Kettenbriefsystems. So lange sich jemand findet, der mit einsteigt, steigt der Goldpreis oder behält jedenfalls seinen Wert. Im Falle eines größeren Verkaufs sinkt der Preis aber nachhaltig, denn Gold ist weitaus weniger knapp, als es mit Blick auf den Goldpreis den Anschein hat.
Zudem sollte man sich noch vergegenwärtigen, dass die vorhandene Goldmenge derzeit mit 1-2% pro Jahr wächst, also etwa im gleichen Maß wie die Weltbevölkerung.
Wir haben also auf der einen Seite bei Gold die so ziemlich größte Bevorratung, die es überhaupt bei irgendeinem Rohstoff gibt. Kaum ein Rohstoff wird in solchem Maße gehortet, dass alleine die schon geförderten Mengen auf Jahrzehnte ausreichen würden.
Dem steht eine immer ausgefeiltere Fördertechnik gegenüber, die mittelfristig immer höhere Fördermengen generiert. Damit ist rational kein Grund für einen steigenden Goldpreis vorhanden.
Es wird auch gerne angeführt, dass die Fördermengen gerade sinken würden. Dabei wird aber gerne vergessen, dass zwischen Exploration und Förderung 5-15 Jahre liegen. Das heißt, die derzeitigen Fördermengen spiegeln die Exploration zu Goldpreisen von 290-400 $ wider. Da der Goldpreis die letzten Jahre gestiegen ist, sind auch fallende Fördermengen kein Naturgesetz, sondern eher eine rein temporäre Erscheinung, die dem langfristigen Trend zuwiderläuft.
Nicht zuletzt wird bei Gold auch eines der wichtigsten Risiken gerade vernachlässigt: Die relativ einfache Fälschbarkeit. Es bestürzt mich ein wenig, dass viele Anleger nicht mal ihr Girokonto bei der Bank lassen wollen, weil sie den Banken misstrauen und sie vor lauter Misstrauen auch keine Aktien besitzen. Gerade das Gelbe Forum ist von Panik-Naturen regelrecht bevölkert.
Es sind aber teilweise die gleichen misstrauischen Menschen, die sich haufenweise Krügerrand-Münzen und ähnliches zulegen und bei der Echtheitskontrolle alleine auf die Überprüfung von Gewicht und Volumen vertrauen. Dass eine Fälschung mit Wolframkern auf diese Weise nicht erkannt werden kann und Wolfram auch in Osteuropa verfügbar ist, wird nicht bedacht. Hier wird einfach ein großes Risiko eingegangen, um einem verhältnismäßig kleinem Risiko aus dem Weg zu gehen. Das ist das Traurige.
Auch die ändern nix am niedrigen Goldwert.- auweia
nereus
, Donnerstag, 24.01.2008, 02:27 (vor 6576 Tagen) @ Widu
Hallo Widu!
Du schreibst: auch das Argument von den Südamerikanern, Russen etc., die vielleicht Gold mögen, entkräftet meines Erachtens nicht die These vom eigentlich wertlosen Gold.
Was heißt eigentlich wertlos?
So lange Leute der Meinung sind für eine Sache/Ware/Dienstleistung zu bezahlen, kann man ihr die Wertlosigkeit nicht argumentativ aufzwingen.
Demnach wird Gold innerhalb der nächsten 30 Jahren höchstens durch Spekulanten seinen Wert erhalten können, aber niemals aus seinem Wert als Rohstoff heraus. Damit aber hat es als Wertspeicher die Qualität eines Kettenbriefsystems.
Der Wert des Goldes besteht in seiner Eigenschaft die Zeit besiegt zu haben.
Das schafft keine Handelsware und kein staatlich sanktioniertes Geld.
Wir Deutschen können davon doch wohl ein Lied singen.
Eine Münze die im alten Rom geprägt wurde, muß nur etwas blank geputzt werden und schon strahlt sie wie vor 2.000 Jahren.
Entgegen der Versprechen von Regierungen, die auf lange Sicht nie gehalten wurden ist Gold ein dauerhaftes Versprechen der Natur.
Die Papierzettel können per Gesetz auf einen Schlag entwertet werden.
Gold kann man zwar verbieten, aber im Schwarzhandel wird es nach wie vor zirkulieren.
Wir haben also auf der einen Seite bei Gold die so ziemlich größte Bevorratung, die es überhaupt bei irgendeinem Rohstoff gibt. Kaum ein Rohstoff wird in solchem Maße gehortet, dass alleine die schon geförderten Mengen auf Jahrzehnte ausreichen würden.
Vergiß den Rohstoff!
Gold dient in der Finanzwelt als Wertaufbewahrungsmittel.
Dem steht eine immer ausgefeiltere Fördertechnik gegenüber, die mittelfristig immer höhere Fördermengen generiert. Damit ist rational kein Grund für einen steigenden Goldpreis vorhanden.
So lange die weltweite Geldmenge/Geldsumme, in der sich Schulden und Guthaben präsentieren, steigt, so lange ist ein steigendes Goldangebot kein Problem.
Nicht zuletzt wird bei Gold auch eines der wichtigsten Risiken gerade vernachlässigt: Die relativ einfache Fälschbarkeit.
Na super.
Die Banken verkaufen uns Münzen mit Wolframkern.
Nun ja, jeder kann glauben was er möchte.
Es sind aber teilweise die gleichen misstrauischen Menschen, die sich haufenweise Krügerrand-Münzen und ähnliches zulegen und bei der Echtheitskontrolle alleine auf die Überprüfung von Gewicht und Volumen vertrauen. Dass eine Fälschung mit Wolframkern auf diese Weise nicht erkannt werden kann und Wolfram auch in Osteuropa verfügbar ist, wird nicht bedacht.
Natürlich ist es ein Unterschied ob man sich eine Rolex beim Juwelier kauft oder in einer Seitenstraße nahe der Nathan-Street bzw. via Internet.
Und es ist sicher auch zu überlegen, ob man im Türkei-Urlaub den "goldenen" Versprechungen der Händler folgt.
Das Fälschungsrisiko besteht nahezu immer.
Aber man fast immer auch eine Möglichkeit dieses Problem zu umgehen.
Übrigens, Du kannst gerne weiter auf Papier für den Fall der Fälle setzen.
Da sei Dir völlig unbenommen. ![[[zwinker]]](images/smilies/zwinker.gif)
mfG
nereus
Sind es vielleicht nur Ausländer die verkaufen ?
LenzHannover, Mittwoch, 23.01.2008, 06:00 (vor 6577 Tagen) @ Jens
Hi,
ja, bin heute morgen mit meinem Call kräftig auf die Fr... gefallen.
Irgendwo stand, der DAX gehört zu 50/60 % Ausländern (die Blöden hier besitzen wohl Subprime mit 4+? % "Zinsen"). Wenn ich jetzt mal gedanklich Festbesitz dazu zähle (VW - 50% bei Nds. & Porsche, SAP ??% bei den Gründer, Henkel ..., RWE Städte) wird der % Anteil noch monströser.
Wobei, vielleicht zählen auch in Lux aufgelegte Fonds zu "Ausländer".
Mag es sein, dass die einfach schlau genug waren, bei DAX 2500/3000 hier zu kaufen und jetzt halt selbst bei DAX 5000 incl. € noch fette Gewinne machen ?
Vielleicht ist ABS-Schrott zu 20% aktuell lukrativer ...
Erinnerungen an den 9/11
Diogenes2000, Mittwoch, 23.01.2008, 06:04 (vor 6577 Tagen) @ Jens
Hallo zusammen,
ich kann’s nicht begründen, es ist nur so ein Bauchgefühl. Aber die
Situation erinnert mich irgendwie an den 11 September. Wenn ich mich recht
erinnere dauerte es damals zwei Tage bis die Kurse einbrachen. Solange
brauchte Amerika um sich zu orientieren. Keiner konnte die Situation so
richtig einordnen.
Nun hatten wir einen Weltweiten Crash und Amerika war nicht dabei, das
gabs wohl noch nie. Dann vor Börsenbeginn die größte Zinssenkung seit 16
Jahren. Ein wirklich nicht alltägliches zusammentreffen zweier
ungewöhnlicher Ereignisse. Und als der erste Tag in USA zu Ende war, blieb
ein Minus das nicht der Rede wert ist.
Und das war’s ???
Mir sieht das ganze eher nach Orientierungslosigkeit aus. Eben sowie am
9/11.
Einen richtigen Downmove heute oder morgen, nach einer Zeit der Besinnung
und der Gespräche kann ich mir gut vorstellen.
Jeder weiß das spätestens jetzt rund um den Globus die Indices
katastrophal aussehen. Eigentlich können die Gedanken nur darum kreisen
wie jeder mit möglichst wenig Schmerzen daraus kommt.Was mein Ihr ?
Gruß
Jens
Sehe das auch so. Was wir gesehen haben, war nur der 1.Akt des Dramas.
