Hmmm...
Hallo, Prosciutto,
-10'000 CHF. Verkraftbar. War noch vor ca. 2 Monaten +8'000 CHF.
da bist Du nicht alleine, meine Ausflüge ins Casino brachten täglich einen schönen Zugewinn, ganz problemlos, meist in nur zwei Stunden, nur, um dann binnen zweier Tage durch einen saublöden Verlauf wieder aufgezehrt zu werden.
Und jetzt zeigt sich, ob man zum Börsianer bzw. Spieler geboren ist oder nicht.....der Nichtgeborene, der für andere Dinge *vorgesehen* ist, schmeißt hin und geht, der Geborene bleibt und macht weiter.
Ich wäre nicht mit Minus aus dem Casino gegangen, hätte ich es den ganzen Abend über stur durchgezogen, der Trend drehte brav und verlief genau so, wie er sonst an idealen Tagen läuft - nur hatte ich quasi einen Tiefschlag erlitten und traute mich nicht mehr - DAS ist der Witz. Schafft man es, über den Dingen zu stehen, oder nicht.
Aber genau das ist auch die gesunde Vorsicht, die uns ggf. mit einem tragbaren Verlust aus der Sache rauslassen, anstatt mit Existenzverlust und Schulden bis in die Steinzeit zurück.
Kostolany sagte nicht ohne Grund, Börsengewinne seien Schmerzensgeld, erst kommen die Schmerzen, dann das Geld.
Interessantes und extrem lehrreiches Hobby. Reich werden gelingt nur
wenigen Leuten. Noch weniger können ausschliesslich vom Börsenhandel
leben. Hat jemand wirklich gut verdient, d.h. über 100'000 CHF/EUR/USD?
Ich schätze, in diesem Forum ist dies vielleicht 10 Leuten gelungen. Und
vielleicht weitere 15-20 Leute haben mehr als 20'000 CHF/EUR/USD
verdient.
Sonst gäbe es weder Friseure noch Bäcker, keine Spediteure und keine Polizisten mehr.
Wahnsinn und irre, was ich alles gelernt habe über die Wirtschaft,
Politik, Börse + Handelsplätze, Unternehmen, Aktien, Finanzprodukte,
Rohstoffe, Devisen, Geld, Derivate, Psychologie, Anlagestrategien,
Kennzahlen, Charttechniken, andere Indikatoren, Interpretation der
(Unternehmens-)Bilanzen, Konjunkturzyklen, Wirtschafts- und
Unternehmensnachrichten + deren Einfluss, etc. Sehr viele interessante
Lektüren und sonstigen Lesestoff habe ich verinnerlicht. Habe mir extrem
viel Wissen angeeignet. Habe brutal viel Zeit investiert. Und dabei das
"wahre" Leben - und meine Jugendzeit? - vernachlässigt.
Andere haben das durch Studium, durch Arbeit, durch Hobbies, durch irgendwas - sei getrost, wenn man 40 ist, und dann 45, und dann 50, wird einem immer bewußt, was man alles versäumt zu haben glaubt - das geht allen so. Egal, was man gemacht oder unterlassen hat. Das Leben ist viel zu kurz.
Die Aktienkurse waren in den letzten Jahren quasi mein Lebensmittelpunkt.
Finanziell konnte ich nicht profitieren. Bereue ich die vielen 1000
Stunden, in denen ich mich damit auseinandergesetzt habe? Manchmal, ja.
Ich habe das Gefühl, mehr zu wissen, als mir gut tut.
Auch damit bist Du nicht alleine, allerdings bedeutet das Wissen um die Wölfe im Wald noch nicht, daß sie Dich auch beißen, wenn Du mal durchläufst. Im Gegensatz zu anderen wirst Du aber auf Gegenwehr eingestellt sein. Falls doch. Ist doch schon mal etwas.
Voll dabei zu sein an der Börse, mal einen Tagesgewinn von über 10'000 CHF
zu erleben, etc. ist interessant. Purer Nervenkitzel. Viel Adrenalin.
Extreme Emotionen. Ich habe das Gefühl, dass ich "dank" den starken
Emotionen, die volatile Aktienkurse verursachen können, abgestumpft bin.
Im Alltag bin ich so ruhig und "emotionslos" geworden. Irgendwie gehen mir
die Gesprächsthemen aus, wenn ich mit anderen jungen Leuten zusammen bin.
Fast alles ist so langweilig geworden.
Das kannst Du jeden Abend im Casino deiner Wahl ganz genau so erleben, auch wenn Elli der Ansicht ist, man könne Zufallsprozesse nicht mit Börsenkursverläufen vergleichen. Sagen wir mal so, die zu beobachtenden Trends, das Auf und Ab, das ist gleich, nur viel schneller.
An der Börse dabei zu sein, heisst auf jeden Fall auch, sich mit der
Zukunft auseinanderzusetzen. Absicherung, Altersvorsorge, Finanzsystem,
etc.! Und was ich dazu lesen musste, macht mich schwer traurig und
depressiv. Ich sehe einfach brutal schwarz für die Zukunft der heutigen
Jugend (demografische Entwicklung / Umkehrung der Alterspyramide +
Automatisierung + Verdummung der Gesellschaft + Abbau von Arbeitsplätzen +
diverse soziale Entwicklungen). Ich denke so negativ und pessimistisch.
Nochmals: Ich wäre wahrscheinlich ein fröhlicherer und glücklicherer
Mensch, wenn ich all das Zeug und das Forum nie kennengelernt hätte, wenn
ich nie in Berührung mit der Börse gekommen wäre. Ich würde gerne
sorgenfreier durchs Leben gehen. Mein Humor ist mir abhanden gekommen.
Ein plausibler Gedanke, aber nicht zielführend. Ein intelligenter Mensch wird nie damit zufrieden sein, sich freiwillig auf das Niveau von Schlachtvieh zu begeben, um sorgenfrei zu leben - seine Intelligenz und seine Beobachtungen werden das nicht zulassen. Du müßtest Deinen IQ rausoperieren lassen, dann gings. Vielleicht.
Aber einfach die Finger zu lassen, wenn man mal angefangen hat, mitten
drin ist... gar nicht so einfach. Sucht? Ich bin gerne gut informiert.
Zuviel Wissen schadet.
Das gesunde Maß macht es aus.
Intelligenz ist für mich mehr ein Fluch als ein
Segen. Sicher, in meinem Leben sind auch sonst viele Dinge schief gelaufen
und es gibt einige Faktoren, die zu meinem - seit Jahren andauernden -
unglücklich sein beitragen, aber all das (leider meistens wahre) Zeug,
welches hier vermittelt wird, trägt auch dazu bei.Wir alle in diesem Forum gehören wohl zu den reichsten 10% der
Weltbevölkerung. Irgendwo gibts eine detaillierte Statistik zur
Geldverteilung. Ich glaube, bereits ca. 10'000 USD Vermögen genügen, um zu
den reichsten 10% zu gehören.
Das hilft Dir nix, wenn Du bereits eine Monatsmiete von 1500 USD zu stemmen hast. Man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen - wir leben nun mal hier, und deswegen sind Vergleiche zu Burkina Faso streng genommen wertlos.
Etwa die Hälfte (oder sogar mehr?) der
Menschheit muss mit weniger als 2 Dollar pro Tag auskommen. Verdammt
pervers, dass viele reiche Menschen doch nicht glücklich sind.
Wohlhabende Menschen tragen üblicherweise Verantwortung, mache sogar viel davon. Und haben davon Sorgen, sofern Sie einen aufrechten Charakter haben.
Glücklich fühlen ist so ein Thema, das sich an kleinen oder großen Dingen festmachen läßt - Du bist Bill Gates, hast Durchfall, und suchst ein Klo.....der glückliche Fund rechtzeitig macht auch den Bill glücklich, egal, was sein Depot aufweist.
Will sagen, alles ist relativ, und gilt für alle.
Sehr - mir kommt keine richtige Wortwahl in den Sinn - beeindruckend
vielleicht? finde ich Slums. Slums am Rande von den Grossstädten. Und
Obdachlose. Menschen, die rein gar nichts haben. Im Abfall wühlen müssen.
Jeden Tag kämpfen. Jeder Tag könnte der letzte Tag sein. Ein Kampf ums
Überleben. Bewundern ist das falsche Wort, aber diese Menschen haben es
mir irgendwie angetan. Tauschen möchte ich nicht mit ihnen, jedoch
faszinieren mich diese Menschen einfach.
Klar, man kann es als gewisses Privileg betrachten, daß man nicht weiter runter fallen kann, als bis ganz unten. Bis dorthin. Sie haben nichts mehr zu verlieren, und niemand kann ihnen noch was wegnehmen.
Einer meiner Onkelz war so fast unten, und laß Dir sagen, es ist nichts erstrebenswertes.........wenn Du Freude bekommen hast am Ursprünglichen, mach mal ein Survivaltraining mit, das reicht vollauf.
Ich hab meine Jugendzeit versaut, bzw. nie richtig ausgelebt. War zu sehr
mit der Börse beschäftigt. Ein grosser Fehler... ich will eigentlich
nichts mehr damit zu tun haben, aber das Zeug lässt mich nicht los. Reich
werde ich nicht an der Börse.
Sehe es anders : Du wirst nicht reich auf die Weise, in der Du bislang an die Sache herangegangen bist.
Du hast Die Kenntnisse, die Erfahrung, lerne daraus, und mache es beim nächsten Mal besser.
Einfach weiterhin Geld verdienen mittels
Arbeit wäre besser. Und sich mehr freie Zeit gönnen.
Versuche doch, beides zu vereinen. Einerseits einen profanen Job, in dem Du irgendwas erschaffen kannst, vielleicht halbtags, und den Rest so wie bisher. Es gibt nicht nur entweder oder, sondern ebenso sowohl & als-auch.
Im Übrigen ist es nie zu spät, zu erkennen, daß man zu wenig vom Leben *hat*, und das zu ändern. Hab mal gelesen, das, was sich 70-jährige rückblickend am wenigsten wünschen, ist, mit 40 länger im Büro gewesen zu sein.
Beste Grüße vom Baldur
--
Der Hörer an der Wand hört seine eigne Schand
gesamter Thread:
- Börse - Fluch oder Segen? Mein Abschied? Hmmm... -
Prosciutto,
23.01.2008, 15:14
- Hmmm... -
Baldur der Ketzer,
23.01.2008, 15:35
- Empfehlenswerter Literaturtipp dazu... - Praxedis, 23.01.2008, 16:08
- Hmmm... - Speku, 23.01.2008, 16:11
- Börse - Fluch oder Segen? Mein Abschied? Hmmm... - weissgarnix, 23.01.2008, 16:19
- Börse - Fluch oder Segen? Mein Abschied? Hmmm... - Savoi, 23.01.2008, 16:34
- Lerne daraus!... und weiter geht´s! - Diogenes2000, 23.01.2008, 18:03
- Börse - Fluch oder Segen? Mein Abschied? Hmmm... - ventura, 24.01.2008, 01:06
- Börse - Fluch oder Segen? Mein Abschied? Hmmm... - Vielleser, 24.01.2008, 04:14
- u.a. deshalb liebe ich dieses Forum! Danke an alle! - rahim, 24.01.2008, 04:53
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- kein Fehler - Geld war gut investiert! - imperator, 24.01.2008, 14:33
- Hmmm... -
Baldur der Ketzer,
23.01.2008, 15:35
