@MausS: Identitätsstörung, Problemanalyse - und Lösungsoptionen
Das Problem liegt bei "uns" selbst. Die Deutschen nach '45 haben ja zunächst sehr wohl gewußt, die Siegerpropaganda richtig einzuordnen. Erst ihre Kinder haben sie im nächsten Generationenwechsel verinnerlicht. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, daß der Generationenkonflikt dann besonders heftig einsetzt, wenn die "Alten" in der Perspektive der "Jungen" völlig versagt haben. Diese Situation war aber durch die Niederlage und durch den Untergang des Dritten Reiches gegeben. Und so haben die Kinder der Niederlage die Greuelgeschichten (wahr oder unwahr, oder vielleicht teilweise wahr - das soll hier außen vor bleiben) gegen ihre Eltern verwandt und völlig verinnerlicht, sie zusammen mit der Ideologie der Sieger zum zentralen Bestandteil ihrer Identität gemacht (negative Identität, beim Individuum würde man das "pathologisch" nennen). Frauen und Kinder lieben den Verlierer nicht.
Das ist also die Generation, die uns heute beherrscht,- die "68er" als zeitgenössische Studentenbewegung mit z.T. ganz anderen Zielen mögen ihnen heute ihren Namen leihen. Man sollte sich aber keine Illusionen machen, daß wir *Die* ohne weiteres wieder loswerden. Denn *Sie* sind *Wir*, in gewisser Weise jedenfalls, ihr Denken und ihre Werte sind von einer ganzen deutschen Generation tief verinnerlicht worden, es wirkt auch in uns. Wer aus dieser Generation stammt und andere Werte vertritt, wird zwangsläufig zum Außenseiter und kann wenig dagegen tun.
Man kann alle Hoffnung aufgeben, mit diesen "Eliten" eine Veränderung der Lage herbeizuführen. Wer einmal die 30 überschritten hat, ist in seinem Denken, in seinen Wertevorstellungen so festgelegt, daß praktisch keine Entwicklung mehr möglich ist (wenige Ausnahmen bestätigen hier die Regel). Diese Leute haben ihre Identität so fest an ihr Weltbild gekoppelt, daß sie sich mit aller Macht dagegen wehren würden, wollte man es ihnen wegnehmen. Gäbe es eine andere Wahrheit als ihre eigene - sie könnten sie nicht ertragen und würden um jeden Preis versuchen, sich mit der Lüge zu arrangieren.
Es liegt daher die Chance allein wieder im Generationenwechsel - denn wenn das Scheitern einer Generation zum Maßstab, zum Auslöser eines Wandels wird, dann ist die Ausgangssituation dafür zur Zeit jedenfalls durchaus günstig: Selten ist eine Generation mit ihren zentralen Anliegen so gescheitert wie die sogenannten 68er. Multikulti ist zum Alptraum geworden, die linksliberalen Welterklärungsmodelle erweisen sich als Hirngespinste, und die Selbstzerstörung unserer Kultur und unseres Volkes befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium (negative soziale Identität-->Selbsthaß). Eine wirtschaftliche Krise würde die Lage in diesem Sinne natürlich abrunden, sie wäre als Chance zu begreifen.
Es werden also die Bäume so schnell nicht in den Himmel wachsen; die Lage ist nicht aussichtslos, aber jede Veränderung wird allein in einem langwierigen, einem evolutionären Prozess möglich sein. Das zu verstehen ist wichtig - man wird den Status Quo leichter ertragen, und man wird auch eher in der Lage sein, die notwendigen Voraussetzungen für den Wandel zu schaffen.
