Kamps hat Probleme
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,530752,00.html
Das hab ich im Jahr 2000 in einem anderem Forum geschrieben:
30 Gedankensplitter zu Kamps, aus Zeitgründen unsortiert und als Diskussionsanregung!
Bie Kamps lacht nur Herr Kamps weil:
1. Die Margen im Lebensmittelhandel sinken.
2. Die Margen im Backwarenmarkt sinken noch stärker.
3. Standardisierung im Bachwarenmarkt funktioniert nicht. In Deutschland und besonders in Europa gibt es riesige regionale Unterschiede was die Präfferenz für verschiedene Bachwaren angeht.
4. McDonalds hat mit einer neuen Idee globalen Erfolg gehabt. Kamps lät sich nicht mcdonaldisieren (siehe 3)
5. Kamps lebt von einem Bäckerimage (regionale Frische, motiviertes Personal, Kundennähe), welches er selbst zerstört.
6. Kamps bietet zum Teil Massenware (auch TK) über eine personalintensive Vertriebschiene an. Die Preise die hier erzielt werden müssen umd die Kosten (der Pächter) zu decken werden sich auf Dauer nicht durchsetzen lassen, weil sie nicht mehr mit dem Bäcker um die Ecke sondern mit Aldi verglichen werden. Viele Pächter geben auf und erzählen ihre "Erfolgs-Story" weiter.
7. In den Filialen von Kamps sind die Kisten mit Masenware sichtbar (siehe 5.)Die Verbraucher werden den Unterschied zur tagesfrische bald bmerken.
8. Backfabriken können die Handelskonzerne selbst aufkaufen und die Ware attraktiv, wenn es sein muß auch mit besonderem Personal, präsentieren.
9. Kamps möchte nach Möglichkeit alle Filalen verpachten. Viele Konzerne und Warenhausketten (z.B. extra) erlauben keine Unterverpachtung in ihren Vorkassenzonen.
10. Wo die Verpachtung in Warenhäusern doch erlaubt ist, sollen folgende Teilnehmer an Backwaren verdienen: a. Kamps, b. der Warenhauskonzern, c. der Pächter, d, das Personal der Pächter. Das ist lachhaft bei den Margen! In den Abbackstationen der Warenhäuser und in den Regalen liegt teilweise die gleiche Ware, direkt geliefert, wie in dem Outlet in der Vorkassenzone.
11. Nach eigenen, nicht represäntativen Beobachtungen: Kamps hat große Schwierigkeiten Pächter zu finden. Die die er hat, sind häufig nicht qualifiziert. Anders als bei McDonalds, die mehrere Millionen p.a. umsetzen, können sich Kampspächter keine kaufmännische Führungskraft leisten. Ein Filiale zu führen erfordert unternehmerisches Denken. Viele scheitern schon bei der Anfertigung einer optimalen Bestellung.
12. Wenn ein Pächter gefunden wird, verlassen viele Verkäuferinnen die Filiale, weil der Pächter sie nicht wie zuvor durch den Filialisten bezahlen kann. Ich habe selbst schon einige Abwanderinnen eingestellt.
13. Verkäuferinnen wollen nicht pachten, weil Sie ihren Job in 90% der Fälle als Nebenjob neben der Familie sehen.
14. Die von Kamps übernommen Filiialisten waren zum großen Teil finanziell schwer angeschlagen. Die Hälfte der Filialen (geschätzt) eignet sich nicht zur Verpachtung. Den Schrott schleppt K. jetzt mit rum. Geschlossene Filialen haben oft hohe Schliessungskosten (bestehende Mietverträge etc.)
15. Kamps lieferte viele Sortimentsbestandteile, die eine gekühlte Lagerung in den Filialen erfordern. Die übernommenen Filialen verfügen meist (u.a aus Platzgründen) nicht über entsprechende Aggregate.
16. Der Handel sucht für die Vorkasse die Alternative zu billigen Massenbackwaren, also den regionalen frische Bäcker.
17. Nach einem "Gesundschrumpfungsprozess" werden die regionalen Filialisten zum Gegenangriff blasen. Es entstehen Kooperationen und Know-How-Transfer. Die Überlebenden werden fit und angriffslustig sein und die Schwächen von Kamps (Industriebäcker statt Frische-Bäcker) aufdecken.
18. Der Backwarenmarkt wird weiter zersplittern. Kioske, Tankstellen, Coffeeshops u.A. werden Marktanteile erobern.
19. Auch die LM-Konzerne werden Strategien gegen Kamps entwickeln (Abbachstationen, eigene Shop in Shop- Konzepte)
20 Wendeln wurde zu tuer gekauft.
21. Die Pachtverträge sind sehr unvorteilhaft (um es vorsichtig auszudrücken) für die Pächter. Es werden u.a. Bankbürgschaften und Ivestitionszuschüsse verlangt.
22. Die Einmaleinahmen aus den Pachtverträgen schönen die Bilanzen.
23. Kamps hat häufig eine ungesunde Filialdichte, weil er mehrer regionale Filialisten in einem Gebiet gekauft hat (z.B. Düsseldorf). Die Folgen sind Kanibalisierung der Umsätze und Überdrusss der Verbrauche.
24. Durch eigen e Recherchen weiß ich, das der größte Teil der durch K übernommenen Filialen Umsatzrückgänge aufweist.
25. Wenn die mcdonaldisierung von kamps funktionieren soll, geht dies auch nur zu mcpreisen. Denn ohne bäcker-Image, keine Bäcker-Preise. Davon können die Pächter nicht existieren.
26. Die Motivation der Mitarbeiter der übernommenen Filialisten sinkt. Ständige Wechsel, Angst und Frust beherscht die Szene. Nicht represäntativ, gilt nur für die Region, die ich kenne, dürfte aber überall so sein.
27. Der Backwarenmarkt ist kein Wachstumsmarkt (wie z.B. Biotech oder Logistik). Auch weiteres externes Wachstum (internes gibt es nicht) bietet wenig Phantasie.
Was soll K noch kaufen?
28. Kamps verkauf nicht neues. Die Innovation bestand in der Reorganisation zu gunsten der Helden der ersten Stunde. Die Zeche bezahlen die Aktionäre und die Pächter. Mit dem Backwarenverkauf wird nur Geld gewechselt.
29. Die Kamps-Story hat gut funktioniert, weil sie so romantisch war (der kleine Kamps rollt einen Markt auf). Der Kurs stieg weil alle wollten, dass er steigen sollte. Eine Super-PR tat ihr übriges. Jetzt schlägt die Stimmung langsam um.
30. Herr Kamps ist ein Genie und Verdient grossen Respekt. Egal was jetzt passiert, ein Teil seines Vermögens ist auf der sicheren Seite, er ist ein (selbst)gemachter Mann! Die Aktionäre der ersten Stunde hatten eine gute Nase. Wer jezt noch dabei ist, ist ein Gesundbeter: (Evtl. gibt es noch ein letztes Aufbäumen (techn. Gegenreaktion). Auch das ist eher unwahrscheinlich.
