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Die Krisen - Gefahren wachsen aus Versagen

Andree @, Sonntag, 27.01.2008, 05:47 (vor 6572 Tagen)

„Beggar my neighbour policy“ in neuer Blüte – die Gefahren wachsen

Die aussergewöhnliche Zinssenkung der FED um 0,75%, der sich in der laufenden Woche eine weitere anschliessen soll, hat die Wirkung, dass sich die USA in die Reihe der Staaten, die seit Jahrzehnten eine „beggar my neighbour“ Politik betreiben, nämlich Japan und China, zumindest zeitweise, einreihen.

Freilich war die japanische Null - Zinspolitik bald an Wallstreet und später an vielen Finanzzentren willkommen, führte sie doch – dank eines florierenden japanischen Exports der durch einen seit dem Jahr 2000 nur noch abwärtsgerichteten Yen beflügelt wurde – in die nur zu gerne akzeptierte Position eines Weltfinanciers durch die BoJ und dann der japanischen Hausfrauen.

Die durch die US FED ausgelösten Zinssenkungen werden kurz über lang zu einer weiteren Verschlechterung der Währungsrelationen für die EU, insbesondere die Eurozone, führen. Der Euro wird einem erneuten Aufwertungsdruck ausgesetzt sein. Und am stärksten wird es dabei den technologisch weniger entwickelten europäischen Südraum betreffen, denn der globale Verdrängungswettbewerb, resultierend aus den US-amerikanischen finanzwirtschaftlichen „Notwendigkeiten“ wird deutlich verschärft werden, wenn und solange sich die EZB weigert, die von der FED vorgegebene Zinssenkung mitzumachen.

Die EZB, insbesondere die BB (Weber) schauen auf die anziehenden Inflationsraten und halten ein Einschwenken auf die von den US freilich primär aus finanzwirtschaftlichen Gründen eingeleitete Zinssenkungspolitik für unangebracht. Dabei wird übersehen, dass die hiesigen, bereits unerwünscht hohen Inflationsraten primär auf externe Faktoren zurückzuführen sind, die durch die Instrumente einer EZB nicht beeinflusst werden können. Der Anstieg der Energiepreise und der Nahrungsmittelpreise infolge der durch die von der Politik eindeutig geschaffenen Koppelung der Nahrungsmittelpreise an die Energiepreise kann durch eine Zinspolitik nicht spürbar beeinflusst werden. Die EZB täte gut daran, dies wahrzunehmen und die entsprechenden Folgerungen zu ziehen.

Durch ein Beibehalten des Zinses oder gar dessen Erhöhung wird zugleich eine Bereinigung der Vermögensverluste aus den US-amerikanischen Subprime- und Ratingbetrügereien, deren Produkte sich europäische Banken und Versicherungen unter sträflicher Vernachlässigung ihrer Sorgfaltspflichten haben anschmieren lassen, erschwert. Die Verantwortlichen in der Finanz und der Politik sollten sicherstellen, dass die (noch immer händelbaren) Vermögensverluste der Banken nicht zu schell anwachsenden und unkontrollierbaren Liquiditätsverlusten mutieren (Bankrun), denn dies wäre das Aus.

Die verantwortlichen Bankvorstände, Bereichsleiter Rentenhandel und Finanzrevision gehören fristlos und entlassen und verklagt, ebenso die US-Ratingagenturen und ihre Helfer. Die Banken sollten einen Ausgleichsposten zuerkannt bekommen und diesen aktivisch in die Bilanz einzustellen (Typ Lastenausgleich) in Höhe von z.B. 75% ihrer Subprime-Verluste und letztere über 10 Jahre abschreiben sowie den Ausgleichposten entsprechend auflösen. Zusätzliche „erzieherische“ Strafmassnahmen (Strafsteuer auf Gewinne bzw. Verzinsung des Ausgleichbetrags an die ZB) erscheinen angebracht.

Wenn aber die für die Finanzwirtschaft Verantwortlichen in den ZBs und der Politik sich nicht den Problemen angemessen stellen und handeln, wird nicht nur die Finanzlage der Banken und der öffentlichen Hände, sondern auch diejenige der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft in Not geraten. Auch wenn der Kettenbrief Finanzierung weitergehen muss, bedeutet der Tatbestand eines grossen Vermögensverlustes in Teilen der Finanzwirtschaft per se noch kein Exit, wenn und solange daraus keine gravierenden Liquiditätsverluste resultieren.

Anlagen in Edelmetallen sowie Bargeld sind – abgesehen von einer zeitweisen Erholung allzu verbombter Aktien – die Anlagekonsequenzen. Gold profitiert dabei zusätzlich von der offensichtlich länger anhaltenden Stromkrise in Südafrika.

Gruss
A.

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