Phelps: "Zinssenkungen bringen keine Jobs"
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Die Finanzkrise erhöht die Arbeitslosigkeit. Zinssenkungen ändern daran nichts, sagt der US-Wirtschaftsnobelpreis-Träger.
Arbeitslosigkeit kann nur durch innovative Unternehmen und Finanzinstitute sowie bessere Ausbildung gemildert werden, nicht aber durch höhere Staatsausgaben oder niedrigere Zinsen, sagt Edmund Phelps. Der Wirtschaftsnobelpreis-Träger ist auf Einladung des Glücksspielkonzerns Novomatic derzeit in Wien, wo er am Donnerstag mit seiner Frau den Opernball besuchen wird. Im KURIER-Gespräch erläutert er seine Rezepte für mehr Jobs.
KURIER: Freuen Sie sich darauf, beim Opernball einen Walzer zu tanzen?
Edmund Phelps: Das letzte Mal, dass ich auf einem Ball Walzer getanzt habe, war wahrscheinlich 1949. Aber ich habe mit meiner Frau ein bisschen geübt, bevor ich hierher gekommen bin.
Sie haben ihr Leben der Erforschung der Arbeitslosigkeit gewidmet. Nun befindet sich die globale Wirtschaft im Abschwung, die Arbeitslosigkeit wird steigen. Können die Zinssenkungen der US-Notenbank daran etwas ändern?
Die US-Immobilienkrise ist tatsächlich ein Schock für die globale Wirtschaft. Die strukturelle Arbeitslosigkeit (Anm.: entsteht, weil etwa Arbeitslose die falsche Ausbildung oder Lohnerwartung haben) wird dadurch steigen. Zinssenkungen ändern daran nichts.
Niedrigere Zinsen erleichtern Unternehmen aber die Finanzierung von Investitionen. Damit werden doch Jobs geschaffen?
Kurzfristig gesehen kann das ja sein. Aber längerfristig betrachtet sehe ich in den Zinssenkungen der US-Notenbank nichts Sinnvolles. Denn die niedrigeren Zinsen erhöhen die Inflation und damit die Arbeitslosigkeit. Die Europäische Zentralbank erkennt dies viel besser als die US-Notenbank.
Die US-Regierung versucht zudem mit einem milliardenschweren Konjunkturprogramm die Wirtschaft zu stützen ...
Auch das mag ich nicht so gern. Das wird keinen großen Einfluss auf die Konsumausgaben haben. Das steigert nur das Budgetdefizit und erhöht die Finanzierungskosten in der Zukunft.
Wie kann die Politik dann überhaupt helfen, dass Jobs geschaffen werden?
Ich denke, Regierungen müssen Innovation unterstützen und ein besseres Bildungssystem. Die jungen Leute müssen ermuntert werden, neugierig und abenteuerlustig zu sein. Auch die Förderung von Teamgeist ist wichtig.
In Europa wird oft der überbordende Wohlfahrtsstaat oft für den zu trägen Arbeitsmarkt verantwortlich gemacht ...
Europas Problem ist nicht der Wohlfahrtsstaat. Das Problem ist, dass es keine guten Banken und kein gutes Bildungssystem hat. Die Banken sind einfallslos, monopolistisch und antiquiert. Junge Unternehmer mit spannenden Ideen finden in Europa keine Finanzierung.
Ein Problembereich am Arbeitsmarkt sind aber auch die vielen schlecht bezahlten Jobs. Die Politik versucht, dies mit Mindestlöhnen entschärfen. Eine gute Idee?
Mindestlöhne haben keinen erkennbaren Sinn. Sie machen Menschen arbeitslos, die eigentlich arbeiten wollen.
Was wäre besser?
Die Regierungen sollten lieber Unterstützungen zahlen, wenn Menschen arbeiten wollen und nicht Vorschriften machen, die Menschen aus dem Arbeitsmarkt drängen.
Also Lohnsubvention für schlecht bezahlte Arbeit?
Ich bin ein Befürworter des Kombilohns. Das ist ein dauerhaftes Mittel gegen Arbeitslosigkeit im Niedriglohnsektor. Das schafft auch neue Jobs.
