Ulrich Tilgner verlässt ZDF
chiron, Donnerstag, 31.01.2008, 06:04 (vor 6569 Tagen)
Tilgner begründet seinen Schritt gegenüber dem Migros-Magazin damit, dass er sich in Deutschland in seiner Arbeit zunehmend eingeschränkt fühlt, «gerade auch was die Berichterstattung aus Afghanistan angeht, jetzt, wo dort deutsche Soldaten sterben».
Es gebe Bündnisrücksichten, die sich in der redaktionellen Unabhängigkeit der Sender widerspiegelten. Gleichzeitig werde Politik immer mehr in Nischen verdrängt. «In der Schweiz hingegen sind Sendungen wie ‹Tagesschau› oder ‹10vor10› Institutionen.» Dort habe er noch keine Eingriffe in seine Arbeit erlebt.
wenn einem fast die Murmel weggeschossen wird ..
nereus
, Donnerstag, 31.01.2008, 07:48 (vor 6569 Tagen) @ chiron
.. und Kollegen sinnlos sterben sieht, dann empfindet man die Einbettung offenbar als befremdlich.
Hallo chiron!
Tilgner berichtete damals vom Irak-Krieg recht ausgewogen und auch in seinem Buch
klingen bedenkliche Töne an, welche den Sinn und Unsinn des Krieges angehen.
Er flippte fast aus, als er damals den Beschuß des Hotels kommentierte und befragt wurde, ob dies mit Absicht geschehen sei.
Wirklich überraschend kommt das also nicht.
Er meint: Es gebe Bündnisrücksichten, die sich in der redaktionellen Unabhängigkeit der Sender widerspiegelten. Gleichzeitig werde Politik immer mehr in Nischen verdrängt.
Das ist natürlich sehr diplomatisch formuliert, aber man weiß was er damit sagen will.
Schönes Argument gegen die angeblich unabhängige Presse.
mfG
nereus
Kein Wunder: ... Sextourismus durch westliche Frauen in arab. Ländern - Lehrerinnen feindlich - das geht auch nicht !
LenzHannover, Donnerstag, 31.01.2008, 07:58 (vor 6569 Tagen) @ chiron
http://tages-anzeiger.ch/dyn/reisen/hintergrund/620170.html
Ein google Schnell-Treffer.
Und ich schrieb es ja auch hier: Schweizer Nachrichten gegen 0 Uhr auf 3 Sat - die besseren Nachrichten. Da gibt es auch kritische Berichte über das gelobte Land.
Die einen suchen Arbeitsasyl in der Schweiz, PSL kann sich n-tv leisten (da gibt es bestimmt nicht so viel Honorar).
Man sollte die GEZ äh ...
Iraner haben auch mehr intellektuellen Hunger als viele Deutsche ...
LenzHannover, Freitag, 01.02.2008, 08:35 (vor 6568 Tagen) @ LenzHannover
Okt. 2006 hier im Dorfe....
Wie wird man prominenter Nahost-Reporter? Manchmal, räumt ZDF-Korrespondent Ulrich Tilgner ein, einfach per Zufall. 1980 arbeitet der gebürtige Bremer – nach dem Studium der Politik- und Kulturwissenschaften in Tübingen und einer Beschäftigung beim Landesamt für Denkmalpflege im Südwesten – als Journalist für eine Presseagentur. Mitten in der Ära der iranischen Revolution bekommt er die Chance zum Wechsel nach Teheran. Von dort schreibt er zunächst auch für Printmedien, darunter die HAZ.
Zwei Jahre später wäre es mit der Nahosterfahrung beinahe wieder vorbei gewesen. Denn wegen seiner kritischen Berichte weist das Regime ihn aus. „Da bekam ich das Angebot, Krisenreporter zu werden – die nächste Station wäre Nicaragua gewesen.“ Er ist immer noch froh, dass er ablehnte. Statt als Kriegsreporter von einem Konfliktgebiet zum nächsten zu wechseln, zieht er in Jordaniens Hauptstadt Amman und bleibt damit in der Region. Krieg gibt es freilich auch dort: Ob 1982 beim ersten Libanon-Krieg, 1987 bei der ersten Intifada in den Palästinensergebieten, 1991 beim ersten oder 2003 beim zweiten Irak-Krieg – Ulrich Tilgner ist stets dabei und wird so einer der erfahrensten Experten für die Region. Seit 2002 ist er wieder in Teheran. Besser als viele andere kann er daher ermessen, wie sehr sich der Iran trotz andauernder Mullah-Herrschaft verändert hat. „Das ist nicht einfach nur das ,Land hinter dem Schleier‘, das ist ein Land mit einer hochgebildeten Bevölkerung, einer hochentwickelten Technologie, aber auch einer hochgefährlichen politischen Herrschaft.“
Für einen ZDF-Mann legt Tilgner eine beachtliche Geringschätzung von Fernsehbildern an den Tag. Sensationsaufnahmen, sagt er, seien leicht erhältlich. „Nur wenige können jedoch den Zuschauern die Hintergründe erklären.“ Genau das praktiziert dieser Orient-Deuter. Und plädiert dabei fürs rechte Maß â€“ ob im ZDF, in seinen Büchern und Filmen oder auch vor Entscheidungsträgern wie jetzt vor Firmenkunden der Sparkasse Hannover. Nimmt der Westen die Nöte der Region nicht angemessen wahr? „Als der Londoner Al-Qaida-Anschlag 72 Menschen tötete, waren Europas Medien wochenlang voll davon – in denselben Wochen starben im Irak täglich doppelt so viele Menschen.“ Kann der Schädelskandal den sprichwörtlichen „Kampf der Kulturen“ auslösen? „Viel schlimmer ist es, dass Nato-Soldaten vergangene Woche in Afghanistan 120 Unschuldige getötet haben.“
Und wie lebt es sich als Reporter zwischen solchen Fronten? „Mein Lebensmittelpunkt ist Hamburg“, lautet die verblüffende Antwort des 58-Jährigen. Dort sei er zwar nur fünf Prozent des Jahres, aber das reiche, um immer wieder Maßstäbe zu entwickeln. „Ich bin dann allerdings oft schockiert“, sagt Tilgner, „wie wenig man die Risiken wahrnehmen will, die auch uns durch eine weitere Eskalation im Nahen Osten drohen – und wie gering der intellektuelle Hunger vieler Deutscher im Vergleich zu dem vieler Iraner ist.“
Donnerwetter, endlich mal einer
prinz_eisenherz, Donnerstag, 31.01.2008, 08:24 (vor 6569 Tagen) @ chiron
wurde aber auch Zeit, das mal jemand den Reichsrundfunk der öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten die Leviten ließt. Wäre schön, wenn sich andere ein Beispiel nehmen würden, solche, die noch bekannter sind, die aus Gewissensgründen Deutschland verlassen. Dazu möchte ich mal unsere berühmten Antifaschisten erleben, die immer wieder die Lehren aus der Geschichte einfordern.
Feine Sprache vom dem Journalisten, um nicht deutlicher begründen, das dort beim ZDF und der ARD knallharte Zensur herrscht.
bis denne
eisenherz
