Farge zur jiddischen Sprache und den osteuropäische Juden
Aleph, Montag, 11.02.2008, 06:57 (vor 6559 Tagen)
Hallo,
es gibt die These, dass die osteuropäischen Juden von den Chasaren abstammen sollen. Aufgrund der Mongoleninvasion sollen die zum Judentum übergetretenen Chasaren aus dem Gebiet des kaspischen Meeres nach Osteuropa ausgewichen sein.
Was ich an dieser These nicht verstehe, ist, dass die osteuropäischen Juden jiddisch gesprochen haben und sprechen. Diese Sprache ist aber ein deutscher "Dialekt", der Mittel- bis Westdeutschland zu zuordnen ist. Ich sehe inder obigen These folglich einen Widerspruch.
Gruß
Aleph
Zweifel sind berechtigt
bernor, Montag, 11.02.2008, 08:29 (vor 6559 Tagen) @ Aleph
Hi Aleph,
aus http://de.wikipedia.org/wiki/Chasaren:
Spekulationen über mögliche historische Nachfolger der Chasaren
Einige Historiker wie Hugo von Kutschera und der Schriftsteller Arthur Koestler (Der dreizehnte Stamm) haben die Hypothese vertreten, die jüdischen Chasaren seien die Vorfahren der meisten oder aller Aschkenasim (der osteuropäischen Juden). Diese wird von den meisten modernen Forschern abgelehnt. Neuere genetische Untersuchungen zeigen, dass nahöstliche Elemente in der männlichen Linie der Aschkenasim dominieren, während die weibliche Linie eine abweichende Geschichte hat. Dies hat einige Forscher zu der Annahme gebracht, dass Männer nahöstlichen Ursprungs in europäische Gesellschaften eingeheiratet haben.
Eine Studie des Doktorats von Doron Bahar von der medizinischen Fakultät am Technion in Haifa hat ergeben, dass 40 % der aschkenasischen Juden Nachkommen von vier Urmüttern sind.
Beide Untersuchungen zeigen einen angesichts von fast zwei Jahrtausenden Zerstreuung in der Diaspora hohen Grad an genetischer Homogenität und verweisen deutlich auf die überwiegend nahöstliche Herkunft der jüdischen Bevölkerung. Dies bedeutet auch, dass die Aschkenasim entweder keine Verwandtschaft zu den Chasaren aufweisen oder dass das chasarische Element nur einen kleinen Anteil ausmacht. Daher ist Koestlers These weitgehend widerlegt.
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Die jidische Sprache zeigt ganz richtig den Ursprung der meisten Ostjuden aus dem Westen Europas; ihre Vorfahren wanderten auch nicht in eine "Wildnis" ein, sondern (zunächst) in Städte, die nach deutschen Stadtrechten begründet waren und in denen oft auch deutsche Bürger wohnten; die sprachliche Beziehung zum Deutschen brach daher nicht schon um 1350 (Beginn der massenweisen Ausweisung/Flucht von Juden aus dem deutschen Altgebiet infolge der Großen Pest, die Osteuropa weit weniger berührte), sondern erst in späteren Jahrhunderten ab, als die deutsche Anteil an der osteuropäischen Stadtbevölkerung immer marginaler wurde (ab dieser Zeit auch Aufnahme slawischer Wörter und Verbreitung von Juden auf dem Land).
Gruß
Danke, sehe ich auch so! (oT)
Aleph, Montag, 11.02.2008, 09:12 (vor 6558 Tagen) @ bernor
- kein Text -
Deutsche Siedlungen in Osteuropa
Aleph, Dienstag, 12.02.2008, 01:28 (vor 6558 Tagen) @ bernor
Hallo Bernor,
ich danke für deinen Beitrag zu meiner Frage bezüglich der osteuropäischen Juden. Ausgehend davon, was ich nicht sicher weiß, dass im Hochmittelalter deutsche Städte in Osteuropa (Kolonisation vergleichbar zu den Griechen) existierten, könnten die vertriebenen Chasaren (missionierte Juden) sich bevorzugt in diesen deutschen Kolonien niedergelassen haben. Dann erklärt sich der vermeintliche Widerspruch mit der deutschen Sprache. Das hieße, die osteuropäischen Juden kamen nicht aus Westeuropa, sondern aus Südosteuropa (Kaspisches Meer).
Gruß
Aleph
