Hier noch Links dazu (mLuT)
http://www.kultura-extra.de/film/filme/enron_the_smartest_guy_in_the_room2007.php
„Enron – The Smartest Guys in the Room“ (USA 2005)
Regie: Alex Gibney
Dokumentation basierend auf dem Sachbuch von Bethany McLEan und Peter Elkind
Wenn „Enron“ ein Spielfilm wäre, müsste man ihm Übertreibung und Unwahrscheinlichkeit vorwerfen. „Enron“ ist aber eine sorgfältig recherchierte Dokumentation, ein Wirtschaftskrimi der ganz eigenen Güte, der die Geschichte eines beispiellosen Betruges erzählt und tief in die Abgründe menschlicher Gier blicken lässt. Der Dokumentarfilmer Alex Gibney hat Dokumentarfilm-Material zusammengestellt, Interviews mit Betroffenen und Experten geführt, sogar geheime Tonbänder und den Videomitschnitt einer Konferenz aufgetrieben. Daraus hat er einen fulminanten Doku-Thriller geschnitten, der unter die Haut geht und zurecht für den Oscar nominiert ist.
Dokumentarfilmer Alex Gibney
Der US-Konzern Enron gehörte als Energieunternehmen zu den sieben größten Firmen der USA. Hier hatten sich die talentiertesten Wirtschaftfachleute daran gemacht, den Konzern ganz groß herauszubringen. Die Grundidee war es, die Energieversorgung zum Spekulationsobjekt zu machen. Mit riskanten Termingeschäften an der Börse, Geschick und viel Glück stieg Enron in den 80er Jahren zu den Marktführern auf. Der Erfolgsdruck, an der Börse immer höhere Umsätze zu machen, forderte immer kreativere Ideen, die Bilanzen darzustellen. 1991 wechselte Enron zum legalen Buchungssystem „mark-to-market“. Hier konnten sie künftige, zu erwartende Gewinne als Einnahmen verbuchen, und damit die Bilanzen verschönen. Enron betrieb dies in nie gekanntem Ausmaß in betrügerischer Weise. 1993 bauten sie in Indien ein Atomkraftwerk für 2,8 Milliarden Dollar. Seltsamerweise war keiner der Planer auf die Idee gekommen, dass der größte Teil der indischen Bevölkerung so arm ist, dass er sich keinen Strom leisten kann. Der Milliardenverlust wurde mit den völlig unrealistischen Einnahmen, die man sich ursprünglich versprochen hatte, gegengerechnet. Die Bilanz war offiziell damit ausgeglichen.
Doch der Schuldenberg wuchs ins Unermessliche und die Blüten der „kreativen Buchführung“ auch. Finanzchef Andrew Fastow gründete ein Netzwerk von kleinen Tochtergesellschaften, in denen undurchschaubar die Verluste versteckt wurden. Zwischendurch bereicherten sich die Topmanager immer wieder mit Millionenbeträgen.
1999 geschah das Unfassbare. Im Staat Kalifornien war die Stromversorgung per Gesetz dereguliert worden. Das sollte die staatlichen Begrenzungen aufheben und freien Wettbewerb zulassen. Die Enron-Manager nutzten das für ihre Zwecke aus. Sie ließen Strom zur Mangelware werden, indem sie Menschen bestachen, die Kraftwerke zeitweilig abzuschalten. Dadurch stiegen die Energiepreise drastisch, und Enron konnte Millionengewinne abgreifen. Der Staat Kalifornien wurde dadurch in eine ernste, wirtschaftliche Krise gestürzt. Die menschliche Not, die diese Stromausfälle auslösten, hat die Verursacher nicht gestört: Menschen, die in Fahrstühlen stecken bleiben, Krankenhäuser ohne Strom, all die Existenzen, die auf Strom angewiesen sind. Trotz der Gewinne erholte Enron sich nicht mehr von den Schulden.
Kenneth Lay und Jeffrey Skilling
Die graue Eminenz hinter den Geschäften war der Chinese Lou Lung Pai. Er verlässt Enron im Juni 2001 und kauft sich in New Mexico eine Ranch im Wert von 23 Millionen Dollar.
Im August 2001 tritt der Vorstandsvorsitzende Jeffrey Skilling zurück. Er war die Lichtgestalt bei Enron, und nun sind selbst die treuesten Enron-Anhänger besorgt.
Nur Kenneth Lay, der Firmenchef, strahlt Zuversicht aus. Er stammt aus kleinen Verhältnissen und ist zum Multimillionär und Star in der Finanzwelt aufgestiegen. Als Verkörperung des amerikanischen Traums war er bei seinen Angestellten als Übervater angesehen. Noch während er den Bankrott von Enron leugnet, zahlen er und seine Top-Manager sich noch schnell 55 Millionen Dollar als Bonus-Programm aus.
Kenneth Lay
Enron hinterließ Milliardenschulden. 20.000 arbeitslose Angestellte, die zudem noch um ihre betriebliche Altersversorgung gebracht wurden, weil die Manager auch die 2 Milliarden Dollar des Pensionsfonds geplündert hatten. Da es in den USA keine staatliche Rentenversorgung gibt, ist für viele der Betroffenen ein Alter in Armut vorprogrammiert.
Als Zuschauer fragt man sich während des Films, was schlimmer ist: Die Skrupellosigkeit von Enron oder die Passivität derer, die sich das über Jahre mit ansehen. Die Angestellten in der Buchhaltung hätten merken müssen, dass die ständigen Gewinnbuchungen und Hurra-Meldungen für die Börse nicht den Realitäten entsprechen konnten. Anwälte, Kooperationspartner und alle Beteiligten hätten sich an das Firmenmotto halten können: Ask Why! Frage, warum. Oder waren am Ende die Geschäftspartner zu unkritisch und zu gierig, auf den Erfolgswellen von Enron mitzusurfen: Unter ihnen auch die Dresdner und die Deutsche Bank.
Die US-Regierung schritt auch nicht ein, nicht einmal als in Kalifornien immer wieder das Licht ausging. Präsident Bush erklärte dies zu einem kalifornischen Problem, das die Bundesregierung nichts anginge. Enron war der größte Sponsor der Wahlkampagnen von George W. Bush. Von dem einstigen Börsenwert von 70 Milliarden Dollar ist nichts mehr übrig.
Der Film kam schon 2005 in die US-Kinos. Seitdem sind die Prozesse gegen die Manager gelaufen. Andrew Fastow hat sich als Hauptzeuge zur Verfügung gestellt und umfassende Geständnisse abgelegt. Er wird zu 6 Jahren Haft verurteilt.
Kenneth Lay wird schuldig gesprochen. Bevor der Verhandlungstermin für das Strafmaß stattfindet, stirbt er an Herzversagen. Bis zum Schluss hatte er keine Einsicht in seine Schuld gezeigt.
Jeffrey Skilling wird zu über 24 Jahren Haft verurteilt und bekommt noch im Gerichtssaal eine elektronische Fußfessel angelegt.
Lou Lang Pai lebt noch unbehelligt auf seiner Ranch in New Mexiko.
Weil der vorherige Gouverneur von Kalifornien, Gray Davis, unschuldigerweise für die Energiekrise verantwortlich gemacht wurde, ist Arnold Schwarzenegger seitdem Gouverneur.
Helga Fitzner - red / 26. Januar 2007
http://de.wikipedia.org/wiki/Stromb%C3%B6rse
Praktiken des durch einen Unternehmensskandal in die Schlagzeilen gekommenen US-amerikanischen Energieunternehmens Enron offenbaren jedoch auch Schattenseiten des Handels von Strom über die Börse. Durch manipulative Spekulation und Eingabe falscher Kaufs- und Verkaufsdaten ist es Enron gelungen, künstlich Strom-Engpässe zu erzeugen. Durch die scheinbar erhöhte Nachfrage und das geringere Angebot kam es zu sprunghaften Preissteigerungen, die das Unternehmen ausnutzen konnte und die in Kalifornien auch Stromausfälle zur Folge hatten. Neben diesen Manipulationen auf dem Termin- und Spotmarkt konnte Enron auch durch Bilanzmanipulation und das Auftreten als Energiebroker längerfristig die Preise anheben.
Möglich sind solche Manipulationen vor allem bei unbeaufsichtigten und intransparenten Terminkontrakten. Im Falle von Enron wurden damals die Energiederivate nicht von staatlicher Stelle kontrolliert. Aus diesem Grund kann eine Regulierung notwendig werden, auch wenn dadurch das sonst gewünschte freie Spiel der Kräfte am Markt eingeschränkt wird.
In Europa wird ein derartiger Fall aufgrund abweichender Strukturen für eher unwahrscheinlich gehalten. Ähnliche Preismanipulationen wurden jedoch auch schon in Deutschland vermutet. Im Sommer 2005 wurden beispielsweise Vermutungen laut, dass die großen deutschen Energiekonzerne den Strompreis manipulieren [1]. In Diskussionen wird häufig das Handelsvolumen an der EEX kritisiert. Am Terminmarkt, an dem Erzeugungs- und Vertriebsmengen langfristig preislich gesichert werden, wurden 2006 1.044 TWh gehandelt (zum Vergleich: Stromverbrauch in Deutschland 531 TWh). Am Spotmarkt betrug das Handelsvolumen an der EEX 89 TWh.[2] Der an der Börse ermittelte Preis wird aber meist auch für die überwiegende Anzahl der außerbörslichen Kontrakte übernommen.
gesamter Thread:
- Enron war das Vorbild (mT) -
DT,
01.03.2008, 15:52
- @DT: Danke für deine aufschlussreichen Beiträge (oT)
-
smiths74,
01.03.2008, 16:03
- Ein würdiges "Wort zum Sonntag" - prinz_eisenherz, 02.03.2008, 00:53
- Hier noch Links dazu (mLuT) - DT, 02.03.2008, 01:17
- Das hier passt dazu... -
prinz_eisenherz,
02.03.2008, 01:32
- Jede Durchschnittsfamilie kauft sich pro Monat 1 Notebook, schon stimmt die Rechnung. ;-) (oT)
-
Albrecht,
02.03.2008, 03:16
- Füf die Infla-Statistik stimmt die Rechnung sowieso: Defla overrules Infla. Passsst genau.. (oT)
-
sensortimecom,
02.03.2008, 04:06
- Füf die Infla-Statistik stimmt die Rechnung sowieso: Defla overrules Infla. Passsst genau.. (oT)
- Tja, da kommen eben die Zusatzkosten zu Tage - Mephistopheles, 02.03.2008, 04:09
- Krisenstruktur der Preisentwicklung -
Miesespeter,
02.03.2008, 10:00
- Strukturellen Entwicklung und subjektiven Wertanschauungen, damit kann man mich immer aufs Kreuz legen -
prinz_eisenherz,
02.03.2008, 11:20
- Kartoffel gegen Intel DuoCore -
Miesespeter,
02.03.2008, 12:08
- Schon wieder bin ich aufs Kreuz gelegt worden, aber egal -
prinz_eisenherz,
02.03.2008, 13:18
- Zur Preisfindung - Mephistopheles, 02.03.2008, 14:13
- Computer und Kartoffeln -
sensortimecom,
03.03.2008, 01:18
- Nachfrage von Hirnschmalz -
Tassie Devil,
03.03.2008, 02:10
- Wie soll denn das funktionieren? -
sensortimecom,
03.03.2008, 03:58
- Entzueckend! - Tassie Devil, 03.03.2008, 05:04
- Wie soll denn das funktionieren? -
sensortimecom,
03.03.2008, 03:58
- Nachfrage von Hirnschmalz -
Tassie Devil,
03.03.2008, 02:10
- Schon wieder bin ich aufs Kreuz gelegt worden, aber egal -
prinz_eisenherz,
02.03.2008, 13:18
- Kartoffel gegen Intel DuoCore -
Miesespeter,
02.03.2008, 12:08
- Strukturellen Entwicklung und subjektiven Wertanschauungen, damit kann man mich immer aufs Kreuz legen -
prinz_eisenherz,
02.03.2008, 11:20
- Jede Durchschnittsfamilie kauft sich pro Monat 1 Notebook, schon stimmt die Rechnung. ;-) (oT)
- @DT: Danke für deine aufschlussreichen Beiträge (oT)
