@Per
Hallo Per!
Du schreibst: hoffentlich stimmt das alles auch ..
Eine berechtigte Sorge.
Die Geschichte inkl. ihrer Recherche birgt zahlreiche Fallstricke in denen man sich ungewollt verfangen kann.
die Doku von Vogt basiert auf dem Buch von Martin Allen und dessen Veröffentlichungen sind in England höchst umstritten.
Davon habe ich gehört.
Angeblich wurde dieser Mensch bzw. sein Vater sogar bereits der Dokumentenfälschung überführt ..
Das wäre keine gute Sache, falls sie denn stimmt.
.. die Gegendarstellung zum Video sollte man jedenfalls auch lesen, auch wenn sie vom Redakteur des "Informationsdienstes gegen Rechtsextremismus" stammt:
Entkernen wir zunächst mal den Heise-Text vom ideologischen Fleisch.
Dann bleibt vom Artikel nicht sehr viel übrig.
Wir lesen: Dass der Autor Martin Allen eher ein NS-Spökenkieker in der Tradition des ominösen David Irving ist, stört die Gemeinde nicht; schließlich ist "Historiker" keine geschützte Berufsbezeichnung. Der renommierte Historiker Richard J. Evans von der Universität Cambridge, der Allens Auslassungen als "totalen Unsinn" qualifiziert, verwahrt sich gegen derartige Autoren: "Kein ernsthafter Historiker hierzulande schenkt ihnen irgendeine Aufmerksamkeit."
Es muss wohl mit einer spezifischen britischen Obsession in Bezug auf alles zusammenhängen, was mit dem "Dritten Reich" zu tun hat, dass Allens Buch "The Hitler-Hess Deception" dort im seriösen Verlag HarperCollins erscheinen konnte. In deutscher Übersetzung konnte Allens Machwerk jedenfalls nur im seit Jahrzehnten als rechtsextreme Legenden-Produktionsstätte bekannten Druffel-Verlag erscheinen, und zwar unter eben genau dem Titel der n-tv-Sendung: "Churchills Friedensfalle".
Das ist leider nur Geschwurbel, weil es die persönliche Abneigung des politisch korrekten Autors hervorhebt, jedoch nichts konkretes beinhaltet.
Was hat Evans gegen Allen konkret vorzubringen?
Und inwiefern ist David Irving ominös?
Letzterer wurde sogar in Deutschland als erstklassiger Kenner des Dritten Reiches gefeiert.
Er wurde erst dann vom Thron gestoßen als er die heilige Priesterschaft und ihre Legitimation selbst hinterfragte.
Die ließen sich sicherheitshalber per Gesetz ihre Autorität bestätigen und damit ist jede weitere Diskussion überflüssig.
Eine Wahrheit die des gesetzlichen Schutzes bedarf, spricht für sich selbst.
Sonderlich originell waren die Allen-Thesen jedoch nicht, denn schon der Erzeuger des britischen Autors, Peter Allen, hatte sich in gleicher Weise publizistisch betätigt und damit die Marschrichtung vorgegeben: 1983 erschien sein Buch "The crown and the swastika: Hitler, Hess, and the Duke of Windsor". Das Windsor-Buch des Sohnes, erschienen im Jahre 2000, konnte jedoch auf der britischen Insel nicht recht reüssieren. Die "Sunday Times" nahm sich nicht nur das Buch vor, sondern beauftragte gleich mehrere Gutachter mit einer Analyse des angeblichen herzöglichen Briefes.
Deren Urteil war vernichtend. Handschriftexperten und Chemiker fanden "viele Unstimmigkeiten", die "in hohem Maße verdächtig" waren und zum Ergebnis führten, dass der Brief "höchstwahrscheinlich eine Fälschung" sei. Eine Analyse des Papiers ergab, dass der Brief keineswegs auf Brief- oder Notizpapier geschrieben worden war, sondern auf einer leeren Seite, die aus einem alten Buch herausgeschnitten worden war - ein beliebter Fälschertrick. Der Papieranalytiker Leslie Bower erklärte, dass dieses und andere Indizien "in der Kombination darauf schließen lassen, dass der Brief eine Fälschung ist und wahrscheinlich vor relativ kurzer Zeit verfertigt" wurde.
Der Fälschungsverdacht bezieht sich also nicht auf Martin Allen, sondern auf seinen Vater.
Offenbar saß dieser einer Fälschung auf, was zwar nicht schön ist, aber noch nicht unredliche Absichten unterstellen sollte.
Immerhin zog eine sogenannte Wehrmacht-Ausstellung durch die deutschen Lande die nachweislich mit gefälschten Fotos die Grausamkeiten der deutschen Armee beweisen wollte.
Daraus kann man auch nicht zwingend schlußfolgern, daß die Aussteller bei jedem Foto zweifelsfrei im Bilde waren, denn sonst müßten die sich den Vorwurf gefallen lassen nachweislich mit gefälschten Zeitdokumenten zu arbeiten.
Außerdem sprachen die Experten von höchstwahrscheinlich und von in hohem Maße verdächtig. Ganz sicher waren sie sich offenbar doch nicht.
Das es in England deutschfreundliche Kreise gab ist auch bei Hofhistorikern unbestritten.
Zu den Details habe ich jetzt keine Lust, vielleicht später mal.
Weiterhin ist das Wunder von Dünkirchen (1940) ein deutlicher Nachweis dafür, daß Hitler mit den Engländern gut auskommen wollte.
Schon aus diesen wenigen Zusammenhängen läßt sich der Friedensflug (1941) des Rudolf Hess plausibel herleiten.
Was hätte er denn sonst in England gewollt? Etwa die Kronjuwelen stehlen?
Danach ergießt sich der Kommentar leider wieder nur in ideologischer Wadenbeisserei, weil ihm die ganze Richtung nicht paßt.
Trotzdem danke für den sachdienlichen Hinweis auf den Artikel von Herrn Kolthoff.
mfG
nereus
gesamter Thread:
- offtopic: die Verselbstmordeten -
nereus,
17.03.2008, 10:13
- Geheimakte Hess -
Kaltmeister,
17.03.2008, 10:26
- Hier gibt es den Film noch! - Bamboo, 18.03.2008, 03:49
- Informationen zu Vogt/Allen -
Per_Jakobsson,
17.03.2008, 16:23
- @Per -
nereus,
18.03.2008, 00:53
- @nereus -
Per_Jakobsson,
18.03.2008, 04:19
- wegen der Recherche - nereus, 18.03.2008, 09:20
- Wikipedia ist bei allen politischen Themen mit kritischer Distanz zu lesen... -
Kaltmeister,
18.03.2008, 17:34
- Manipulationsschweinereien auf Wikipedia -
Tassie Devil,
19.03.2008, 04:15
- Manipulation? -
Per_Jakobsson,
19.03.2008, 09:55
- Ja, Manipulationen - Tassie Devil, 19.03.2008, 19:50
- Manipulation? -
Per_Jakobsson,
19.03.2008, 09:55
- Manipulationsschweinereien auf Wikipedia -
Tassie Devil,
19.03.2008, 04:15
- @nereus -
Per_Jakobsson,
18.03.2008, 04:19
- Der Disinformationsdienst gegen Rechtsextremismus - Tassie Devil, 20.03.2008, 08:21
- @Per -
nereus,
18.03.2008, 00:53
- Geheimakte Hess -
Kaltmeister,
17.03.2008, 10:26
