@Albert: Den Stein der Weisen habe ich nicht – aber vielleicht einen Ansatz
Hallo Albert,
sorry, dass meine Antwort etwas gedauert hat, aber ich bin gerade erst wieder ins Büro gekommen. Du hast viele wichtige Punkte angesprochen, daher versuche ich einmal in Kurzform, meine Sicht auf die Entwicklungen darzustellen. Eines noch vorweg: Ich bin kein Ideologe, sondern ich bemühe mich, Zusammenhänge zu verstehen. Und da die wirtschaftlichen Zusammenhänge zum Teil sehr komplex sind, weiß ich natürlich um das Risiko, dass ich mich irren kann.
Zur Krise
Ein Fortschreiten der Krise kann man wahrscheinlich nicht verhindern – und sollte man wohl auch nicht. Wir brauchen in vielen Strukturen unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems dringend Reformen bzw. vollständige Neuausrichtungen einzelner Systeme. Freiwillig werden die harten Reformen nicht durchgeführt – also geschieht dies jetzt in Form eines Crashs. Ich glaube, von Clausewitz stamm der Spruch „Ein System kann man nur verändern, indem man es zerstört“. Und wahrscheinlich wird gerade am System die Resettaste gedrückt. Hört sich cool an, aber ganz ehrlich, mir graut es davor.
Zum Wirtschaftssystem
Jetzt zu Deiner Frage, wie ein System beschaffen sein muss, damit künftig solche Krisen wie die derzeitige vermieden werden können. Deine Frage impliziert ja, dass ein neues System geschaffen werden muss. Und genau an diesem Punkt liegt – wie man so schön sagt – der Hase im Pfeffer. Ich hatte in den letzten 2 Jahrzehnten die Gelegenheit, in vielen Bereichen hinter die Kulissen zu schauen. In diesen Jahren ist mir aufgefallen, dass es nicht die großen „Führungspersönlichkeiten“ aus Politik und Wirtschaft sind, die die Richtung bestimmen, sonder das Wirtschaftssystem selbst mit seinem Eigenleben. Ich bin heute zutiefst davon überzeugt, dass ökonomische Gesetzmäßigkeiten, die man gut beschreiben kann, die Richtung vorgeben. Unser Problem ist in diesem Zusammenhang, dass wir nur einzelne Teile der Wirtschaft betrachten und nicht das Gesamtbild. Unsere eingeschränkte Sichtweise ist auch der Grund, warum wir in regelmäßigen Abständen wirtschaftliche Katastrophen produzieren. Aber es gibt noch einen anderen Aspekt, der mir aufgefallen ist: Wir haben keinen Einfluss auf diese Gesetzmäßigkeiten. Anfangs hat mich diese Erkenntnis sehr gestört – wir wollen ja immer alles Steuern und Regel – aber dann ist mir klar geworden, dass auch keiner unserer machtgeilen Idioten aus Politik und Wirtschaft in der Lage ist, diese Gesetzmäßigkeiten zu beeinflussen oder zu manipulieren. Ab diesem Moment hatte ich für mich ein ökonomisches Orientierungssystem gefunden, dem ich seither absolut vertraue. Um das klar zu sagen: Für mich ist das keine Glaubensfrage, sondern die nüchterne Akzeptanz von Gesetzmäßigkeiten und Wirkungsmechanismen – oder anders gesagt: Das Prinzip von Ursache und Wirkung.
Mir sind diese ökonomischen Gesetzmäßigkeiten erstmals 1998 aufgefallen und seit dem bin ich immer wieder erstaunt, wie gut sich damit wirtschaftliche Entwicklungen vorhersagen ließen. Und das vollkommen unabhängig davon, welche Sau medial gerade wieder durch’s Dorf getrieben wurde.
Zusammengefasst bedeutet das aus meiner Sicht: Es gibt ökonomische Gesetzmäßigkeiten und Regeln die wir nicht sehen und deshalb auch nicht beachten. Die Konsequenz: Wir fallen regelmäßig auf die Nase.
Das gute an der Sache ist aber, dass wir nichts neues erfinden müssen. Wir müssen nur lernen, das wirtschaftliche Gesamtbild zu sehen und die Regeln zu beachten. Wahrscheinlich haben wir dann mehr Chancen als Probleme. Eines ist bei der Sache aber wichtig: Man darf das mit den ökonomischen Gesetzmäßigkeiten nicht einfach glauben, sondern man muss es verstehen. Die Kunst liegt also darin, nicht Bäume zu zählen, sondern den Wald zu erkennen.
Wenn Dich die Umschreibung dieser ökonomischen Gesetzmäßigkeiten interessiert, lass es mich wissen. Ich überlege mir dann, wie man mit ein paar einfachen Grafiken den Zusammenhang darstellen kann, ohne gleich eine wissenschaftliche Abhandlung zu produzieren, die alle nur nervt.
Abschließend nochmals: Das ist nur meine Meinung – ob ich damit richtig liege wird die weitere wirtschaftliche Entwicklung zeigen.
Gruß Harryinfo
gesamter Thread:
- Ich wage eine Prognose zu Ackermanns Taskforce -
harryinfo,
09.04.2008, 13:32
- Das dient nur der allgemeinen Beruhigungskampagne, no panic... - rbp, 09.04.2008, 23:11
- Gödels Unvollständigkeitssatz -
sensortimecom,
10.04.2008, 02:07
- Danke für die Erklärung !! (oT)
-
OOO,
10.04.2008, 05:26
- Fehlendes Wissen bedeutet Ohnmacht - harryinfo, 10.04.2008, 06:42
- Danke für die Erklärung !! (oT)
- Schaumschleger - satsangi, 10.04.2008, 02:15
- Das klingt sehr vernünftig, und... -
MI,
10.04.2008, 04:54
- Von Luft und Löchern -
harryinfo,
10.04.2008, 06:46
- @harry Wie sähe Dein Lösungsansatz aus? -
Albert,
10.04.2008, 13:42
- @Albert: Den Stein der Weisen habe ich nicht – aber vielleicht einen Ansatz -
harryinfo,
11.04.2008, 06:29
- @harry: Das interessiert mich sehr, und viele andere sicher auch! -
Elli,
11.04.2008, 06:46
- Da kann ich mich nur anschliessen.. - henry13, 11.04.2008, 07:00
- @Elli - Sonntag Nachmittag kann ich liefern. -
harryinfo,
11.04.2008, 08:07
- @harry: klasse, freut mich! (oT)
-
Elli,
11.04.2008, 09:02
- @harry: klasse, freut mich! (oT)
- Folgeposting von Albert ..... - Moderator, 11.04.2008, 13:30
- @harry: Das interessiert mich sehr, und viele andere sicher auch! -
Elli,
11.04.2008, 06:46
- @Albert: Den Stein der Weisen habe ich nicht – aber vielleicht einen Ansatz -
harryinfo,
11.04.2008, 06:29
- @harry Wie sähe Dein Lösungsansatz aus? -
Albert,
10.04.2008, 13:42
- Von Luft und Löchern -
harryinfo,
10.04.2008, 06:46
- Gödels Geld -
wihoka,
11.04.2008, 02:52
- @wihoka - harryinfo, 11.04.2008, 07:07
