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Arbeitszeit/-losigkeit, Löhne & die neuen "Fachkräfte" ..

Beo2 @, NRW Witten, Freitag, 20.11.2015, 12:16 (vor 3757 Tagen) @ Isländer
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 20.11.2015, 13:12

Hallöchen @Isländer!

Seit ich im Gelben aktiv bin, schneide ich manchmal folgenden Sachverhalt an: Durchschnittliche Arbeitszeit als Stellschraube der Arbeitslosigkeit.

Das ist gutes und notwendiges Thema .. nicht erst seit gestern ...

In Zeiten des Wirtschaftswunders in DE (1950-75) wurde die gesetzliche Arbeitszeit regelmäßig gesenkt, u.z. mit der steigenden Arbeitsproduktivität. Das politische Bemühen und gewissermaßen "der gesellschaftliche Konsens" (nach dem Krieg) war, u.a., Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden. Deshalb wurden auch Überstunden, Samstags- und Feiertagsarbeit sowie die Nachtarbeit durch gesetzliche Lohnaufschläge von 25-100% erheblich verteuert. Das war einmal!

Seit über 35 Jahren haben wir keine gesetzliche Arbeitszeitverkürzung trotz enorm gestiegener Arbeitsproduktivität (= BIP/Arbeitsstunde) mehr gehabt. Auch die vorgeschriebenen Lohnaufschläge (für Überstunden, Samstagsarbeit etc.) wurden entweder wegreguliert oder verkleinert.

2. Einführung 30 bis 35-Stunden-Woche. Je nach Arbeitslosigkeit im entsprechenden Bundesland. Damit hätten alle Arbeit. Kranken, -Rentenversicherung werden billiger, Arbeitslosenversicherung fällt ganz weg. Eingesparte Arbeitnehmer -und Arbeitgeberanteile mit in die Lohntüte.

Das ist völlig richtig.

Dann geht es zwar erst mal allen für 2-3 Monate etwas schlechter, aber dann pendeln sich wieder vernünftige Löhne ein.

Nein, da "pendelt sich" nichts von allein "vernünftig" ein .. schon gar nicht die Löhne in der zweiten Hälfte eines kapitalistischen Wirtschaftszyklus (der maximal 3 Generationen lang, ca. 75 Jahre andauert). In dieser Zeit der chronischen Deflation und Rezession (= stetig sinkende Inflation und BIP-Wachstumsrate) "pendeln sich" die durchschnittlichen Reallöhne stetig nach unten (neben der Kapitalkonzentration in immer weniger Unternehmen), da nur so die bisherige Höhe der Kapitalrendite aufrecht erhalten werden kann. Das ist völlig logisch.

Hiergegen hilft nur das Einziehen eines "unteren Deckels" in Form von gesetzlichem Mindesteinkommen sowie durch (höheren) Mindestlohn. Dies macht eine Arbeitszeitverkürzung gewiss nicht überflüssig, sondern im Gegenteil.

Arbeitsämter werden zu Kulturzentren, Treffpunkt für Rentner u. Kinder usw. Wir hatten in den letzten 300 Jahren 16,14,12,10 und 8-Stunden-Arbeitstage, die Zeit ist reif für 6 Stunden.

Die Regelarbeitszeit sollte heutzutage auf keinen Fall mehr als 30 Stunden/Woche betragen. Alles darüber sollte mittels Arb.zeitkonten durch Freizeit ausgeglichen und/oder mittels drastischer Lohnaufschläge gedeckelt werden. Das wäre übrigens nicht nur eine wirksame Arbeitsmarkt-, sondern auch eine sehr wirksame "Familienpolitik".

Leider nimmt niemand dazu Stellung. Jedes Mal kein Kommentar dazu. Traue mir auch nicht, extra einen neuen Thread dazu auf zu machen. Vielleicht ist ja ein Kardinalfehler in meiner Denke.

Nein, Du liegst vollkommen richtig. Hier ist auch die richtige Antwort auf dein Warum:

Dass das Kapital ein Arbeitslosenheer zum Lohndumping braucht, ist mir klar.

Eben! Du kannst beruhigt von einer sehr hohen positiven! Korrelation zwischen Massenarbeitslosigkeit und Höhe der durchschnittlichen Kapitalrendite ausgehen. Eine solche (und ähnliche) Fragestellung wirst allerdings in der Wirtschafts"wissenschaft" vergeblich suchen.

Aber die Lösung ist so lächerlich einfach, dass auch die Masse davon profitiert.

Wie schon auch @Balu) hier sagte: "Die Masse soll nicht profitieren, das Kapital will profitieren." Wir leben doch in einem Staat, welcher den Unternehmern und den Arbeitgebern gehört. Nix Demokratie.
______________________

Noch ein Wörtchen zu den neuen "Fachkräften", die auch von der "Wirtschaft" (Wer zählt eigentlich zu "Wirtschaft"?) offensichtlich willkommen geheißen werden, allerdings unter dem Vorbehalt, dass für diese der allgemeine gesetzliche Mindestlohn nicht zu gelten habe .. und evtl. auch nicht die normale Grundsicherung:
Sie planen nämlich schon, sich Hände reibend, teuerere Arbeitskräfte, nämlich die Mindestlöhner, durch noch billigere auszutauschen. Diese neuen " Fachkräfte" werden somit weder zur Senkung der Massenarbeits losigkeit, noch zur Anhebung der Wachstumsrate oder des Lohnniveaus beitragen, sondern im Gegenteil .. ganz egal, ob sie gar alle Arbeit finden oder nicht. Ich rechne mit einem Anstieg bei der Arbeitslosigkeit um ca. 500.000 in den nächsten 10 Jahren .. und/oder mit gleichem Anstieg bei den Minijobs/HIV-Aufstockern.

Einzig und allein der Kapitalrendite'Ismus** wird davon profitieren.

Mit Gruß, Beo2

--
Eine jede KULTUR, d.h. ihre Geschichte, Sprache, Sitten & Bräuche, Traditionen, Kunst, Religion, Wissenschaft etc. verschwindet normalerweise nicht plötzlich, sondern Scheibchen für Scheibchen .. insbesondere als Folge der Gleichgültigkeit.

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